Weinen weise Menschen nicht, weil sie in religiösen Illusionen feststecken? – 1 Jan 13

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Willkommen im Jahr 2013. Ich hoffe, das letzte Jahr ist für euch gut zu Ende gegangen und ihr seid fröhlich ins Neue Jahr gekommen. Hier im Ashram hatten wir keine große Feier. Ich habe bereits um Weihnachten herum erwähnt, dass man für eine Feier in der richtigen Stimmung sein muss und dass wir im Moment einfach zum Tanzen und Singen nicht fröhlich genug sein können. Trotzdem hatten wir einen schönen Abend zusammen. Apra, Ramona und ich gingen früh zu Bett, aber Purnendu nahm Thomas, Iris und unsere anderen Gäste mit, um Decken an die Obdachlosen zu verteilen – eine tolle Art zu feiern dafür, wenn man nicht in der Stimmung für eine Party ist. Doch heute möchte ich darüber schreiben, dass man seine Emotionen so akzeptieren muss, wie sie sind, weil sie keine Weisheit und kein Wissen ändern kann.

Als die Leute von Ammajis Tod erfuhren, schickten viele ihr Beileid und viele schrieben auch Worte wie ‚Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, weil keine Worte eure Trauer lindern können!‘ Viele andere drückten einfach ihre eigene Traurigkeit als Zeichen aus, dass sie in Gedanken bei uns sind. Es gab jedoch einige, die den Eindruck hatten, dass es am Besten wäre, Ratschläge zu geben wie ‚Du bist ein weiser Mann und solltest ihren Übergang in eine andere Welt feiern, anstatt zu trauern!‘ Lasst mich das Neue Jahr mit einer klaren Botschaft an all diese Menschen beginnen, so dass es dazu im Jahr 2013 keine weitere Verwirrung gibt: Ich bin nicht religiös und ich bin kein Guru. Ich bin nur ein einfacher Mann. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bin ich traurig und unterdrücke meine Gefühle nicht mit einer Illusion oder Vorstellung vom Himmel, von anderen Welten oder einem Leben nach dem Tod.

Bevor es unter meinen Lesern jedoch zum Aufruhr kommt und ich beschuldigt werde, das Beileid meiner religiösen Freunde nicht zu respektieren, möchte ich präzisieren, dass ich kein Problem mit Botschaften und Emails voller Worte des Trosts, der Liebe und herzlichen Mitgefühls habe. Nein, ich nehme Anstoß daran, wenn ich lese, was ich fühlen sollte oder nicht fühlen sollte. Meine Mutter ist gestorben. Ich bin traurig und ich weine. Das ist eine Tatsache und ich kann sie akzeptieren, warum hast du damit ein Problem?

In Wirklichkeit weinen all diese Menschen, die solche Ratschläge geben, genauso wie ich, wenn jemand stirbt, der ihnen nahe stand. All ihre Weisheit ist dann plötzlich verschwunden und sie müssen ihre Gefühle auch akzeptieren, denn besonders in dieser Situation tut man sich schwer, seine Gefühle mit dem Verstand zurückzuhalten. Meiner Meinung nach ist das sogar falsch. Im Gegenteil, man sollte weinen und die Gefühle rauslassen – nur das ist eine gesunde Reaktion!

Ja, ich habe geweint, meine ganze Familie hat geweint und ich glaube, das ist in Ordnung. Es mag nicht in der Mode sein zu weinen, aber es ist gut. Mir tut derjenige leid, der nicht in der Lage ist, seine Trauer auf diese Weise rauszulassen. Du magst keine dramatischen Auftritte mögen und musst ja auch nicht vor einer Menge von Leuten losweinen. Weine mit deiner Familie, weine mit deinem Partner oder weine einfach nur alleine. Doch unterdrücke es nicht, egal, woran du glaubst.

Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod, an den Himmel oder die Erlösung und das Seelenheil, aber selbst, wenn du darauf vertraust, dass deine geliebten Verstorbenen am Ende an einem solchen Ort ankommen, bist du doch traurig. Da führt kein Weg dran vorbei. Du musst es akzeptieren und deine Weisheiten helfen dir da nicht viel. Lass es raus, weine und wenn dir nicht nach dem Feiern zumute ist, feiere einfach nicht. Habe einen schönen Abend, setz dich mit anderen zusammen, genieße, so sehr du es eben kannst. Mach das Beste daraus. Es wird mit der Zeit leichter und derjenige, der gegangen ist, bleibt doch in deinem Herzen und in deiner Erinnerung lebendig. Das sind alles gute Punkte und du kannst darin so viel Trost finden wie möglich. Doch wenn die Tränen kommen, lass sie fließen.

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