Sexuelle Belästigung Homosexueller an Flughafen-Sicherheitskontrollen – 17 Sep 16

Heute möchte ich über ein sehr wichtiges Thema schreiben, das Ramona und ich während dem Frühstück besprochen haben. Naja, vielleicht ist es gar nicht SO wichtig. Oder vielleicht auch überhaupt nicht…: Was machen Homosexuelle im Flughafen bei der Sicherheitskontrolle?

Denk mal drüber nach: es gibt die Regel, dass Frauen von Frauen und Männer von Männern durchsucht werden. Mit den neuen Körper-Scannern müssen viele Leute überhaupt nicht mehr angefasst werden, aber wenn der Scanner etwas anzeigt, wirst du angefasst, und zwar gründlich, von einer Person deines Geschlechts. Diese Regel wurde natürlich eingeführt, um sexuelle Belästigung zu verhindern – oder Klagen wegen sexueller Belästigung! Keine Frau sollte sich unwohl fühlen, weil ein Mann sie anfasst. Genauso sollte keine Frau einen Mann herausziehen, um ihn von oben bis unten zu untersuchen, weil sie sich danach fühlt!

Aber was ist mit unseren schwulen und lesbischen Freunden?

Nach dieser Logik wäre das ihr Traumjob! Und der Gang durch die Flughafen-Sicherheitskontrolle für homosexuelle Reisende die größte Freude! Doch würde das nicht zu Problemen führen? Was kann man denn dagegen tun?

Das ist doch ganz klar: wir brauchen eine separate Kollektion für Homosexuelle! Dort werden sie vom anderen Geschlecht durchsucht, um jegliche Art von Beschwerden und Problemen zu vermeiden! Eine lesbische Frau, die eine lesbische Frau absucht? Unmöglich! Ein Schwuler, der von einem anderen schwulen Mann an intimen Körperstellen berührt wird? Unvorstellbar! In dieser Linie untersuchen Lesben schwule Männer und Schwule lesbische Frauen!

Ja, so halten wir jegliche Art sexueller Erregung und Spannung in Schach!

 

Liebe homosexuelle Freunde: bitte versteht, dass ich Witze mache – ihr braucht meinen Posteingang nicht mit schockierten Nachrichten füllen! 🙂

Erfahrungen im Leben haben unsere Ashram-Jungs zurückgebracht – 2 Sep 16

Heute möchte ich euch über ein paar Jungs schreiben, drei um genau zu sein, die schon lange in unseren Leben und Herzen sind – und zwei von ihnen sind vor Kurzem auch wieder in unseren Ashram zurückgekehrt! Jeder, der in den letzten sechs oder sieben Jahren hier im Ashram gewesen ist, weiß von wem ich spreche: Pawan, Mohit und Jaysingh!

Vor fast zwei Jahren habe ich euch das letzte Mal von Jaysingh geschrieben. Damals waren wir etwas aufgerüttelt von seiner Entscheidung, den Ashram zu verlassen, akzeptierten es jedoch als das, was es war: der Wunsch eines sechzehnjährigen, die Welt zu entdecken. Seinem Beispiel folgend, wenn auch etwas weniger dramatisch, tat unser zweiter Junge, Mohit, das Gleiche etwa ein halbes Jahr später, als er verkündete, er würde lieber bei seiner Familie in ihrem Dorf wohnen und dort zur Schule gehen.

Pawan blieb bei uns und erlebte seine eigenen Abenteuer, wechselte hier Schulen und fand seinen Platz hier wieder als der älteste der ‚Ashram Jungs‘. Das Leben ging weiter, wir beschäftigten uns mit vielen anderen Dingen und eröffneten Ammaji’s Ayurvedisches Restaurant.

Nach etwa drei Monaten erzählte mein Vater mir von einem Telefonanruf, den er bekommen hatte: Jaysingh fragte, ob er zu Besuch vorbeikommen könnte. Natürlich antworteten wir! Es wäre schön, ihn nach so langer Zeit mal wieder zu sehen und zu hören, was er so gemacht hat! Er kam an und wir erfuhren, dass er da draußen in der Zwischenzeit wirklich einen Geschmack der ‚echten Welt‘ bekommen hatte: er war zu seinen verschiedenen Brüdern und Cousins in unterschiedlichen Teilen des Landes gereist und hatte an einigen Orten gearbeitet, um dort sein Geld zu verdienen: als Tagelöhner trug er Sand und Ziegel zum Beispiel und dann arbeitete er in einer Sari-Fabrik.

Es war diese Erfahrung, die ihn dazu brachte, mich noch etwas zu fragen: ‚Kann ich hier arbeiten?‘ Er hat gesehen, wie die Dinge in Fabriken in Indien wirklich laufen! Lange Arbeitszeiten und grausame Arbeitsbedingungen. Sein Arbeitgeber und seine Aufseher scheuten nicht davor zurück, ihre Angestellten für ihre Fehler zu schlagen. Die Maschinen waren gefährlich – wenn man nicht aufpasste, konnte man sich die Finger abschneiden. Ältere Arbeiter beschwerten sich über Atemprobleme, Husten und ähnliches, alles verursacht von den Chemikalien, die für das Färben der Saris verwendet werden. Mit den langen Arbeitszeiten war Jaysingh immer müde – einmal schlief er bei der Arbeit an der Maschine ein und ruinierte 80 Saris! Natürlich wurde sein Arbeitgeber da wütend und er bezog Schläge. Ein anderes Mal brach ein Feuer aus und er sowie seine Mitarbeiter mussten zu einem Fenster hochklettern, um von dort nach draußen zu springen und sich zu retten!

Kurz gesagt, er hat seine Erfahrungen gemacht und beschlossen, dass er lieber hierherkommen und fragen würde, ob wir ihn wieder aufnehmen und ihm Arbeit anbieten würden. Er hatte immer Geld nach Hause geschickt und wollte das auch gerne weiter so machen! Natürlich, für einen unserer Jungen haben wir definitiv einen Platz und er kann sogar noch etwas lernen! Als Helfer in der Küche wird er bald Wissen und auch Erfahrung ansammeln, die ihm in seinem Leben weit tragen werden!

Neuigkeiten verbreiten sich schnell, selbst in Indien, und so kehrte bald nachdem Jaysingh wieder bei uns eingetroffen war auch ein weiterer Junge wieder in sein zweites Zuhause zurück: Mohit schloss sich uns auch wieder an. Beide Jungs lernen nun, wie man Pizza, Pasta und mehr macht! Und was auch toll ist, ist, dass sie eingewilligt haben, nebenbei privat zu lernen – um zumindest einen Schulabschluss zu machen!

Es ist toll, sie wieder hier zu haben – und sie sind auch froh!

Unsere deutsche Kellnerin in Ammaji’s Ayurvedischem Restaurant – 26 Aug 16

Ich habe euch nun schon mehrmals von meinen Erfahrungen als Kellner in Ammaji’s Ayurvedischem Restaurant berichtet. Heute möchte ich euch von den Erlebnissen einer Mitarbeiterin erzählen, unserer einzigen festen weiblichen Kellnerin: meiner Frau Ramona! 🙂

Trotz einigen Zögerns zu Beginn hat Ramona wirklich begonnen, das Kellnern sehr zu genießen! Ich erwähne ihr Zögern, weil ich weiß, dass sie Perfektionistin ist und selbst dachte, dass sie diese Arbeit vielleicht nicht wirklich gut würde machen können. Solche Zweifel waren natürlich unbegründet – nun verbringt sie jeden Tag Stunden damit, Gäste willkommen zu heißen, ihr Feedback einzuholen und ihnen Mahlzeiten und Wasser zu servieren. Und sie liebt es!

Das Schöne ist, dass es unseren Gästen auch gefällt – etwas, was ich von Anfang an wusste, sogar bevor wir eröffneten und Ramona ihren Sitz an der Kasse übernahm, während wir kellnerten. Sobald wir eine vertrauenswerte Person gefunden hatten, die den Computer übernehmen konnte, bat ich Ramona, sich uns im direkten Kontakt zu den Gästen anzuschließen.

In dem Augenblick, in dem sie mit einem Wasserkrug in der Hand zu einem Tisch kommt, richten sich alle Augen erstaunt auf sie. Wenn sie in ihrem perfekten Hindi fragt wie es allen geht und ob ihnen ihre Mahlzeit schmeckt, werden die Augen noch größer und die Leute beginnen zu lächeln: Oh, du sprichst Hindi? Super, alles gut, wir lieben es hier!

Ja, das ist eine Tatsache, selbst jemand, der in unserem Essen irgendeinen Mangel gefunden hat, vergisst das in dem Augenblick, in dem meine liebe Frau an den Tisch kommt. Sie kümmert sich schnell um alle Nachfragen und natürlich fühlen sich die Leute gut, wenn die Chefin zu ihnen kommt und so nett nachfragt. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele unserer Gäste mit meiner Frau Selfies gemacht haben und diese hinterher stolz auf sozialen Netzwerken gepostet haben. Und eine überraschende Anzahl von Gästen hat zumindest irgendwann im Leben ein paar grundlegende Worte Deutsch gelernt!

Während wir uns natürlich immer noch um unsere Internetseite, die Emails, unsere Gäste und die Schule kümmern, hat Ramona auch eine neue Beschäftigung gefunden, die ihr gefällt!

Auf dem Weg nach Deutschland, zum ersten Mal mit gemischten Gefühlen – 5 Mai 16

Ich schreibe diese Zeilen, während ich in einem Flugzeug von Delhi nach Frankfurt sitze. Natürlich bekommt ihr das erst später zu lesen, doch ich weiß bereits, dass ich unsere Gründe für diese Reise und unsere Gefühle dazu mit euch teilen möchte.

Der Grund ist recht einfach: es gibt etwas offizielle Büroarbeit zu tun, für die meine Anwesenheit in Deutschland erforderlich ist. Ich muss meine Aufenthaltserlaubnis verlängern. Ich kann euch sagen, wäre das nicht der Fall, würde ich diese Reise jetzt wahrscheinlich nicht unternehmen. Trotzdem freue ich mich auch darüber!

Die vergangenen Wochen, wenn nicht Monaten, waren sehr intensive! Die Zeit vor der Eröffnung des Restaurants waren voller Arbeiten in letzter Minute, die eben noch vor dem wahren Beginn erledigt werden mussten. Dann war da die spannende Zeit der Eröffnung, gleichzeitig Babbajis Knie-Operation und danach die überwältigende Resonanz, von der ich euch erzählt habe!

Ich habe euch auch erzählt, wie viel Freude ich an dieser neuen Arbeit habe und ich kann euch ernsthaft sagen, dass ich, so sehr wir auch damit beschäftigt waren und soviel Arbeit es auch war, wir auch genauso viel Spaß hatten! So haben wir relativ spät unsere genauen Daten festgelegt und unseren Flug gebucht. Wir haben versucht, so viel wie möglich vorher zu erledigen und alles so vorzubereiten, dass Purnendu und Yashendu das alte und das neue Geschäft auch ohne uns führen konnten!

Wir jedoch werden mit dieser Reise nun natürlich eine Pause unseres täglichen Tagesablaufs haben und auch darauf freue ich mich schon. Es wird toll, so Freunde und Familie wiederzusehen und allen von Ammaji’s zu erzählen! Natürlich wissen sie alle von unserem Restaurant und haben online Bilder gesehen, doch Ramona, Apra und ich freuen uns darauf, ihnen persönlich davon zu erzählen!

Insbesondere Apra freut sich nun schon seit Längerem! Sie erinnert sich an viele Dinge von ihrem letzten Besuch und ist freut sich darauf, einige davon wieder zu erleben. Sie hat mit einigen unserer Freunde bereits ausgemacht, mit ihr schwimmen zu gehen, geplant, mit welchen Haustieren von Freunden sie spielen würde und sogar, was sie ihren indischen Brüdern mitbringen würde!

Ich sage euch, Freunde, das Leben ist großartig und zum Genießen da – es ist immer etwas los!

Wie eine Inderin davonlief, als ihr eine Arbeit als Kellnerin angeboten wurde – 4 Mai 16

Natürlich haben wir nun mit dem Restaurant alle Arten von Erfahrungen, nicht nur mit unseren Mitarbeitern oder mit Gästen, sondern auch mit Leuten, die nach Arbeit suchen. Neulich war da eine Frau, die wieder einmal das bestätigte, worüber ich zuvor bereits geschrieben habe: viele Menschen denken für bestimmte Arbeiten, sie seien zu gut für sie. In unserem Restaurant haben wir das auch erlebt.

Eines Tages betrat eine Frau unser Restaurant zusammen mit ihrer Tochter und kam direkt zu mir zur Kasse. Sie stellte sich und ihre Tochter kurz vor und erklärte warum sie da waren: ihre Tochter, zwanzig Jahre alt, studierte gerade, um Diplomkauffrau zu werden und suchte eine Arbeit nebenbei. Sie sagte wörtlich: ‚Sie kann jede Art von Arbeit übernehmen‘.

Von der Art, wie sie hereinkamen und erklärten, dass die junge Frau mit dem Computer umgehen konnte, war ziemlich klar, dass sie eigentlich an der Kasse arbeiten wollte. Ich dachte eine Sekunde darüber nach, wie genau ich antworten sollte, doch als die Frau weitersprach und sagte ‚Bitte, wir brauchen gerade das zusätzliche Geld‘, antwortete ich: ‚Wir würden uns freuen, Ihre Tochter zu unseren Mitarbeitern zu zählen. Am Computer arbeiten wir selbst, doch wir brauchen etwas Hilfe bei der Bedienung.‘

Ich konnte förmlich sehen, wie der Verstand der Frau diese Information verarbeitete und wie sich die Reaktion deutlich auf ihrem Gesicht ausbreitete: Unglauben und bald darauf eine Art Entrüstung über meinen Vorschlag! ‚Sie meinen meine Tochter soll hier Wasser und Essen austeilen?‘

Ich wusste nun bereits, wie es um die Einstellung dieser Familie stand: dieses Mädchen würde hier nicht arbeiten… Ich stellte klar: ‚Ja, das beinhaltet das Servieren von Wasser und Mahlzeiten, das Willkommen-Heißen von Gästen und Ähnliches.‘

Oh, das gefiel ihr gar nicht, aber ich fuhr fort: ‚Meinen Sie etwa, dass sei niedere Arbeit? Ich tue das selbst, es ist sehr wichtige und respektable Arbeit!‘ Die Mutter war jedoch sehr erzürnt und rief fast: ‚Aber sie ist gebildet, sie macht ihren Universitätsabschluss!‘ Ich antwortete: ‚Aber Sie haben doch gesagt, sie würde jede Arbeit machen!‘ Ohne weitere Antwort nahm sie ihre Tochter beim Arm und stürmte aus dem Restaurant.

Ich weiß, dass das ein sehr übliches Problem ist: die Leute meinen, dass sie für gewisse Arbeiten zu gut sind. Arbeiten, die von Menschen gemacht werden, die gesellschaftlich unter ihnen stehen. Daran glaube ich nicht. Jede Arbeit ist notwendig und muss auch respektiert werden. Du brauchst Arbeit, denkst aber, du seist zu gut für das, was wirklich gebraucht wird? Tja, dann passt du hier nicht rein und dann wird dir unsere Denkweise sowieso nicht gefallen!

Stresst es dich, wenn alle um dich herum entspannt sind? – 17 Feb 16

Gestern habe ich euch von einer gewissen Flexibilität erzählt, die man braucht, wenn man in Indien ist und dort irgendwelche Pläne schmiedet. Man könnte sich deswegen stressen – aber es ist so viel leichter, sich einfach zu entspannen. Um vom Beispiel Indien jedoch etwas wegzukommen, möchte ich etwas mehr zu einer gewissen Gewohnheit sagen, die viele Leute haben: sie bekommen Stress, wenn andere um sie herum zu entspannt sind!

Das ist etwas, was ich oft gesehen habe: es gibt Leute, die sich nur entspannen können, wenn jemand anderes in ihrer näheren Umgebung gestresst ist. Ihr eigenes Stresslevel steigt, wenn um sie herum niemand Stress hat. Das bedeutet, dass sie den Stress zu brauchen scheinen!

Ich habe gesehen, wie solche Leute in extrem stressigen Situationen völlig ruhig reagierten. Alle um sie herum drehen fast durch und werden so nervös, dass es schwierig ist, eine Lösung für das Problem zu finden. In solchen Situationen glänzen sie. Sie sind in der Lage, einen kühlen Kopf zu bewahren und Kontrolle zu übernehmen, die anderen zu beruhigen, oft die Führung zu übernehmen und sie aus diesem stressigen Wahnsinn herauszubringen. Natürlich werden sie in Firmen für diese Fähigkeit geschätzt – aber sie reagieren anders, wenn sie Leute um sich haben, die entspannt sind!

Wenn man diese gleichen Personen in eine Situation mit wenig oder keinem Stress steckt, werden sie nervös. Sie genießen hektische Situationen um sich herum, so dass sie sich darauf konzentrieren können, ruhig zu sein. Wenn da niemand Stress macht, haben sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Als ob da etwas ist, um was sich jeder Sorgen machen sollte! Wahrscheinlich vergisst jemand etwas. Da muss es ein wichtiges Thema geben, das jeder gerade vergisst! Da muss es etwas geben, was so schnell wie möglich erledigt werden muss!

Sogar wenn da kein offensichtlicher Grund besteht, in Stress zu geraten, bekommen diese Leute Stress. Sie brauchen den Stress, um sich gut zu fühlen und wenn es keinen Grund gibt, machen sie sich selbst Stress. Für sich selbst sowie leider auch für andere.

Jetzt wird es wichtig: du hast vielleicht das Gefühl, dass diese Beschreibung auf dich zutrifft. Wenn ja, versuche bitte, das so schnell wie möglich zu ändern. Die Leute um dich herum handhaben ihr normales Leben offensichtlich lieber ruhig und du machst ihnen Stress. Niemand will von außen gestresst werden und das ist etwas, was negativ auf dich zurückkommen wird! Du musst dich entspannen. Immer wenn du das Gefühl hast in Stress zu verfallen, denk darüber nach, wo das herkommt! Ist da wirklich etwas, was den Stress rechtfertigt oder schaffst du ihn nicht doch selbst? Beruhige dich sowieso – dieser Stress ist nicht gut für deine Gesundheit und deine Beziehung zu den Leuten um dich herum!

Wenn du jemanden in deiner Umgebung kennst, der so handelt und reagiert, bleibe ruhig. Wenn du den Menschen gut genug kennst, kannst du nett erklären, was da geschieht und dass es unnötig ist, in so viel Stress zu verfallen. Wenn du ihm nahe stehst, kannst du die Probleme aufzeigen, die davon kommen können. Wenn nicht – versuche sowieso, ruhig zu bleiben und nicht genervt zu reagieren.

Stress ist für keinen von uns gut! Lasst uns also versuchen, es zu vermeiden und uns zu entspannen – dann können wir Probleme viel einfacher lösen!

Unfälle, Hochzeiten, Todesfälle und andere Gründe warum Inder ihr Wort nicht halten – 24 Jan 16

Ich habe von mehreren internationalen Freunden, die in verschiedenen Industrien beschäftigt sind, dass sie mit Indien keine Geschäfte machen – weil es einfach zu schwierig ist! Die Leute hier halten ihr Wort nicht, lügen und arbeiten nicht ordentlich, wenn man sie nicht eng überwacht. Da wir selbst hier in Indien leben, haben wir unsere eigenen Erfahrungen hiermit gemacht – und eine weitere davon gerade kürzlich!

Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ich euch von Schwierigkeiten mit dem Bambus-Bauleiter und den Arbeitern erzählt habe. Während dieses Problem gelöst war, als wir gute Handwerker fanden und beschlossen, direkt mit ihnen zu arbeiten und nicht über einen Bauleiter, hatten wir ein weiteres Problem: wir brauchten mehr Material, mit dem sie würden arbeiten können!

Wir hatten bereits einen großen Lastwagen voller Bambus gekauft und das war für den Anfang auch genug. Wir dachten, es wäre wahrscheinlich sogar genug für das ganze Erdgeschoss – aber wir wussten auch, dass wir für Außen und auch oben noch mehr Bambus-Stangen und auch Bambus-Spanplatten brauchen würden.

Also setzten wir uns in Kontakt mit einer Firma im Osten Indiens, die solche Bambus-Spanplatten herstellt. Ich hatte ein nettes Gespräch und der Manager der Firma kam auf einer Geschäftsreise sogar in Vrindavan vorbei, sah sich an, was wir brauchten und errechnete, wie viele dieser Platten wir wohl bestellen mussten. Als ich ihm unserer Bambus-Stangen zeigte und fragte, ob er einen Ort in der Nähe seiner Firma kannte, wo wir behandelten Bambus finden würden, hatte er die Idee, selbst mit deiner Firma in das Geschäft des behandelten Bambus einzusteigen.

Das war super: sie würden eine solche Anlage installieren und wir wären dazu in der Lage, Bambus direkt von ihnen zu bekommen, behandelt und bis vor die Ashram-Tür gebracht! Der Manager meinte, er würde zurückfahren, gleich die Anlage kaufen, installieren lassen und mir genau sagen, was die Kosten für den Bambus sein würden. Das war im Oktober.

Naja und dann betraten wir das Reich der indischen Ausreden für Verspätungen. Diese Ausreden reichten von Krankheit des Managers selbst, dem Unfal eines Verwandten über eine Hochzeit in der Familie bis schließlich zum Tod eines engen Familienmitglieds!

Irgendwann schließlich sagte er, sie hätten die Anlage gekauft. Von Deutschland aus telefonierte ich mit ihm und bat ihn um einen Kostenvoranschlag – aber die Anlage war noch nicht installiert! Jedes Mal wurde mir am Telefon gesagt, es wäre alles in einer Woche soweit. Nur noch eine Woche!

Am Ende meinte der Manager, er würde persönlich zu dem Ort reisen, wo die Anlage installiert werden sollte und ich sagte ihm, ich würde ihn dort treffen. Nachdem Ramona und ich unsere Flüge gebucht hatten, nachdem der Manager mit dem Inhaber der Firma selbst dort angelangt war, bekamen wir gestern einen Anruf:

‘Es tut mir leid, aber wir haben beschlossen, diese Anlage hier nicht zu installieren!‘

Sie hätten das Gleiche doch auch bereits im Oktober oder November sagen können! Ich verstehe einfach nicht, warum sie meine Zeit und Energie verschwendet haben! Ich kann meinen Freunden nun definitiv glauben, dass es keinen Spaß macht, mit solchen Leuten zu handeln und dazu noch aus dem Ausland! Nein danke, da kaufe ich meinen Bambus nun woanders.

Das Leben der Frau in Indien ändert sich – doch nicht da, wo es am nötigsten wäre! – 14 Jan 16

working woman

Gestern habe ich erklärt, wie viele alte Traditionen der Grund für die Zustände in der heutigen Gesellschaft sind, zum Beispiel der Druck, den Frauen nach der Ehe erleben, wenn so viele Leute von ihnen erwarten, dass sie ganz schnell Mütter werden. Einige meiner Leser stimmten überein, fügten jedoch hinzu: das ändert sich. Da stimme ich zu, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt!

Zunächst einmal sollten wir uns überlegen, wo genau diese Veränderung stattfinden: natürlich zuerst in den Großstädten. Dort arbeiten Frauen, dort gehen sie genau wie Jungen studieren und dort gibt es sogar Kindertagesstätten für die Kinder arbeitender Mütter und ähnliches.

Zum Einen kann ich euch erzählen, dass das ein klitzekleiner Teil der indischen Bevölkerung ist und dass sich zweitens die Mentalität nicht so sehr geändert hat, wie man es gerne glauben möchte!

Ja, Delhi, Mumbai und andere große Städte haben bereits Veränderungen für Frauen gebracht. Eltern geben ihnen viel mehr Freiheit und sie können das Leben auf ganz andere Weise entdecken als Frauen auf dem Land.

Außer der Tatsache jedoch, dass das eine klare Minderheit ist, bleibt das Leben sogar dort unfair für das ‚schwache‘ Geschlecht, da Traditionen in den Köpfen der Eltern, Verwandten und allgemein in der Gesellschaft eine große Rolle spielen! Während Jungs überall frei rumstreunern können, werden Mädchen in einer beschützenden Blase gehalten, die sie nicht nur sichert, sondern sie auch isoliert. Es wird ihnen abgeraten, auf Dates zu gehen und wenn sie das tun, halten Eltern ein strenges Auge darauf, wen sie da treffen. Keine späten Abende, übernachtet wird nur bei der besten Freundin, deren Eltern als respektable Leute bekannt sind und sie muss genau berichten, wo sie hingeht.

Es ist ein Vortäuschen der Freiheit. Eine Demo-Version, nicht die Vollversion. In den meisten Fällen endet die Demo am Punkt der Ehe, wenn von einem Mädchen, nach ihrem Studium und bereits voll in ihrer Karriere, erwartet wird, dass sie sich den Wünschen und Bedürfnissen ihres frischen Ehemannes und seiner Familie beugt. Denn das ist eine Tradition, mit der noch kaum irgendwo gebrochen wird! ‚Respektiere deinen Ehemann‘ bedeutet das zu tun, was er sagt.

Und von dem Punkt an sind die Erwartungen die gleichen, folgen die gleichen Abläufe und der gleiche Druck, der gleiche Schmerz und die gleichen Tränen. Also nein, auch die großen Städte sind dieses Probleme noch nicht losgeworden – in Wirklichkeit hat das noch andere Probleme aufgebracht, die ich nächste Woche diskutieren möchte.

Wenn man im Bewerbungsgespräch Geld als Bewerbungsgrund angibt – 22 Dez 15

Gestern habe ich euch von den Bewerbungen erzählt, die wir für die freie Lehrstelle an unserer Schule haben und auch, dass wir mehrere Leute aufgrund ihrer übertrieben religiösen Einstellung ablehnen mussten. Es gab auch noch viele andere, die für diese Stelle kamen – und wenn ich sie mir so ansehe, so ist es wieder einmal schön, die Vielfalt an unterschiedlichen Typen Mensch zu sehen, die es so gibt!

Ihr erinnert euch vielleicht noch an die Bewerberin, von der ich euch gestern erzählte, für die das Geld grundsätzlich gar nicht wirklich wichtig war. Da gab es jedoch noch andere, die zu diesem Thema eine ganz andere Meinung hatten – und auch nicht zögerten, diese auszudrücken!

Ein Mann mit bescheidenem englischen Vokabular zum Beispiel wurde gefragt, warum er sich für die Stelle an unserer Schule bewarb. Er antwortete: ‚Weil ich finanzielle Probleme habe: ich werde im April heiraten!‘ Oh ja, das Konzept der arrangierten Ehe in Indien bringt Verantwortung und auch Druck mit sich – aber Ramona konnte nicht anders, als zu denken, wie wahnsinnig romantisch das doch war! 🙂

Eine weitere Bewerberin wurde gefragt warum sie denn auf die Anzeige geantwortet hatte und war da auch sehr offen: ‚Für die Erhöhung!‘ Einen Augenblick lang war Ramona verwundert, bis sie verstand, dass die Dame vor ihr ein höheres Gehalt meinte! Sie redete weiter: ‚Ich meine, ehrlich, ich glaube jeder bewirbt sich deswegen, wir suchen doch alle nach einer Erhöhung! Und dafür müssen wir einen Ort verlassen und einen anderen suchen.‘

Naja, dachte Ramona, zumindest war sie ehrlich. Das wäre doch eine gute Eigenschaft! Ihre nächste Frage jedoch brachte eine Antwort, die Ramona zum Lächeln brachte: ‚Warum haben Sie sich das Unterrichten für Ihre Karriere ausgesucht?‘ – ‚Weil das meine Leidenschaft ist!‘ Das beruhigt uns jetzt, wir dachten schon, es ginge hier nur ums Geld!

Nun ein ernster Rat an alle, die zu einem Bewerbungsgespräch gehen, sei das an unserer Schule oder einer anderen oder einfach nur allgemein eben ein Bewerbungsgespräch: die Frage warum du die Arbeitsstelle wechseln willst oder warum du gerne dort arbeiten würdest, wo du dich bewirbst, kommt fast sicher und du kannst ganz leicht eine gute Antwort parat halten! Es wäre gut, etwas Info über den Ort einzuholen, an den du willst und dann ehrlich zu antworten, was du daran magst.

Wenn du zum Beispiel über unsere Schule gehört hast, dass es eine wohltätige Schule ist, kostenlos für arme Kinder, könntest du antworten, dass dir das gefällt und dass du dein Geld lieber bei der Unterstützung eines guten Zwecks verdienen würdest! Das ist nur ein Beispiel – du findest sicher auch außer Geld etwas, was du an dem Ort magst, an dem du dich bewirbst!

Wir haben ein weiteres Muster insbesondere bei den Antworten der weiblichen Bewerberinnen entdeckt – doch mehr dazu morgen!

Deine Religion ist deine Privatsache und hat beim Bewerbungsgespräch nichts verloren – 21 Dez 15

Vor Kurzem haben wir auf der Suche nach einem Lehrers für unsere Schule eine Zeitungsanzeige aufgegeben. Er oder sie sollte fließend Englisch sprechen, zum Unterrichten qualifiziert sein und Erfahrung haben. Leider mussten wir viele Bewerber ablehnen – und interessanterweise ist der Grund hierfür auch hin und wieder ihre Religiosität.

Meistens sind diejenigen, die sich bewerben, überhaupt nicht qualifiziert, ausgebildet oder erfahren, weswegen wir sie ablehnen mussten. Religion ist für uns normalerweise überhaupt kein Auswahlkriterium. Üblicherweise ist es uns völlig egal, ob jemand Hindu, Muslim, Christ oder Jude ist oder lieber den Gott der Tauben anbetet, solange er oder sie unterrichten kann und eine nette Person ist. Doch es gibt auch eine Grenze und die erreichen wir, wenn wir den Eindruck haben, dass die Religiosität der Person unsere Kinder beeinflussen würde.

Der erste Hinweis darauf ist das Aussehen: es gibt gewisse religiöse Zeichen, wie bei Männern eine einzelne, lange Haarsträhne am Hinterkopf, ein roter Strich, der über die ganze Stirn geht und noch einige weitere. Eine Burka wäre noch so ein Zeichen. In manchen Fällen sieht es wirklich so aus, als ginge der Bewerber auf Pilgerreise und besuchte mehrere Tempel, statt sich für die Stelle des Lehrers zu bewerben! Es ist definitiv unwissenschaftlich und irgendwie auch unprofessionell.

Wir wollen den Kindern unserer Schule eine vernünftige, wissenschaftliche Denkweise vermitteln und bitten sie sogar, in der Schule keine religiösen Zeichen zu tragen – denn wir wollen, dass wir alle Menschen sind, nicht durch die Religion geteilt. Sie kommen zum Lernen, nicht zum Beten. Wir hätten also auch ungern Lehrer, die ihre Religion zur Schau stellen. Es zeigt, dass sie selbst völlig in etwas involviert sind, was wir für irrational halten – was würden sie also unseren Kindern beibringen?

Weitere Beweise dafür kommen normalerweise während dem Gespräch auf. Eine Frau erzählte zum Beispiel, dass sie und ihr Ehemann aufgrund ihrer Liebe zu Krishna extra nach Vrindavan gezogen waren. Sie hatten ihre guten Arbeitsplätze hinter sich gelassen, um sich selbst in Krishnas Geburtsort ihrem Gott hinzugeben. Das Geld war ihnen nicht so wichtig, doch man muss ja etwas tun, um zu leben, also beschlossen sie zu unterrichten – auch wenn sie keinerlei Erfahrung oder Qualifikation hatten.

Als Ramona sie fragte, ob es nur ihr Ehemann war, der religiös war, oder auch sie, antwortete sie ‚Oh, er ist mein Laddu Gopal!‘ Dieser Ausdruck wird für das Baby Krishna verwendet und beschreibt ihren Ehemann als jemand, dem sie ergeben ist und um den sie sich kümmert, den sie verhätschelt!

Ich lief in gerade diesem Augenblick vorbei und sah Ramonas Gesicht – unbezahlbar!

Scherz beiseite, wenn du zu einem Bewerbungsgespräch gehst, fang bitte nicht an zu predigen. Andererseits wird dadurch nur deutlich, dass du nicht an unserer Schule unterrichten wirst, weil wir nicht wollen, dass du das an unsere Kinder weitergibst. Wenn sie das lernen sollten, müssten sie nicht bei uns zur Schule kommen!

Nein, diese Lebenseinstellung und vor allem der ganze Aberglaube, der mit der Religiosität kommt, ist nicht das, was wir für unsere Kinder wollen!