Versucht nicht, perfekte Eltern zu sein – 25 Feb 16

Gestern habe ich über Perfektionismus geschrieben und erwähnt, dass wir aus unseren Fehlern lernen müssen. Ich weiß keinen Lebensbereich in dem das wahrer sein könnte als im Elterndasein. Wenn du Vater oder Mutter eines oder mehrerer dieser wundervollen Wesen bist, erkenne bitte, dass du niemals perfekt sein kannst – und dass du auch kein schlechter Vater oder keine schlechte Mutter bist!

Ich habe schon viel zu viele Eltern getroffen, die sich Sorgen machen, dass sie beim Großziehen ihrer Kinder Fehler machen könnten. Ich habe es schon immer gesagt und ich sage es jetzt wieder, als Vater einer Vierjährigen: ja, ihr werdet Fehler machen, aber das bedeutet nicht, dass ihr als Eltern versagt habt! Die Tatsache, dass du dir so viele Gedanken machst, zeigt bereits, dass dem nicht so ist!

Es gibt zu viele Ratgeber für Eltern und zu viele ‚Experten’, die da ihre Meinung abgeben. Diese Meinungen stimmen nicht überein, hinter diesen Gedanken stehen unterschiedliche Philosophien und wenn man versucht, Ihnen allen zu folgen, hat man ein schreckliches Durcheinander. Das kommt davon, dass es keinen einzig richtigen Erziehungsweg gibt!

Wir unterscheiden uns alle voneinander und auch unsere Kinder sind ganz unterschiedliche Menschen. Frage eine Mutter von zwei oder mehr Kindern und sie wird dir genau sagen können, wie unterschiedlich ihre Kinder vom Charakter her sind. Deshalb behandeln wir alle, auch unsere Kinder, unterschiedlich und so nehmen auch Kinder die Dinge unterschiedlich auf. Eines nimmt sich sehr zu Herzen, wenn es geschimpft wird, während das andere Kind das Gleiche zehn Mal hören kann und immer noch keine Anzeichen zeigt, etwas zu ändern. Es ist völlig normal und zeigt nur wieder, dass es keinen Normalen Weg gibt, dem du folgen musst.

Natürlich gibt es einige grundlegende Regeln, an die sich jeder halten sollte: zum Beispiel, dass man sein Kind nicht verletzen oder erniedrigen sollte. Das ist etwas, an was sich nicht überall jeder hält und besonders hier in Indien arbeiten wir dagegen an, aber es sollte klar sein. Außerdem würde ich sagen, folge deinem Herzen und liebe dein Kind, versuche, ihm oder ihr beizubringen, wie man ein guter Mensch ist.

Du wirst öfter mal merken, dass du einen Fehler gemacht hast. Erkenne das und wiederhole ihn nicht. Ab einem gewissen Alter kannst du deinen Kindern sogar erklären, was du verändert hast und erklären warum: weil wir alle dazulernen! Wenn wir etwas vorher nicht wussten, uns dann aber änderten, als wir davon hörten oder darüber nachdachten, sind wir auf dem richtigen Weg!

Wenn es dir hilft, kannst du deine Hauptziele aufschreiben, so dass du dich hin und wieder daran erinnerst. Im Laufe der Zeit wirst du merken, dass Einzelheiten diese Ziele ergänzen und dir zeigen, wie es weitergeht! Habe keine Angst – genieße, lache, liebe und lerne!

Warum man nicht versuchen sollte, perfekt zu sein – 24 Feb 16

Gestern habe ich über die kleinen Urteile geschrieben, die insbesondere Eltern von ihrem Außen oft zu hören oder spüren bekommen. Und der Grund warum ein solches Urteil einen oft länger nicht in Ruhe lässt als es sollte ist einfach: du willst perfekt sein!

Ja, ein Streben nach Perfektion macht dich unglücklich. Das magst du schon erraten haben. Warum? Weil du dieses Ziel nie erreichen kannst! Niemand ist perfekt, wir alle machen Fehler und je leichter du das akzeptierst, desto glücklicher wirst du!

Für viele Leute ist jedoch das Problem, dass sie diesen Wunsch perfekt zu sein sehr stark verspüren. Sie wollen keinen Fehler machen und so versuchen sie angestrengt, alles richtig zu machen. Wenn sie einen Fehler machen, machen sie sich selbst deswegen verrückt. Die Neigung, sich Gedanken darüber zu machen, was andere Leute denken, macht das nur noch schlimmer. Ein Fehler zeigt, dass du falsch liegst und daran bleibst du dann hängen. Das bleibt dir im Kopf, du versuchst Erklärungen und Ausreden zu finden, du versuchst den Fehler zu verstecken, so dass niemand davon erfährt – kurz, du willst einfach niemanden sehen lassen, dass du nicht perfekt bist. Vielleicht schaffst du es sogar, dich selbst davon zu überzeugen, dass es kein echter Fehler war, dass du eigentlich doch perfekt bist und es der Fehler einer anderen Person ist!

Ein weiteres Problem ist, dass es nicht immer richtig oder falsch ist! Für einige Leute mag eine Sache richtig sein, während andere Leute das Gleiche für eine ganz andere Sache gilt. Wenn du also versuchst, für deine Umgebung perfekt zu sein, musst du dich ständig verändern, weil die Leute um dich herum unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was perfekt ist!

Für alle, die perfekt sein wollen, gibt es eine große Lektion: wir lernen von unseren Fehlern! Ja, es ist gut, Fehler zu machen, weil sie dir für die Zukunft beibringen, was du tun solltest und was nicht. Du kannst wegen deinem Fehler Schuldgefühle haben und wochen- oder monatelang darüber nachdenken oder du kannst akzeptieren, dass es ein Fehler war und etwas ändern!

Ich kann dir eines versprechen: andere erinnern sich an deinen Fehler nicht einmal halb so lang wie du! Sie vergessen es schneller als du, weil es nicht so wichtig ist, wie du denkst. Wenn du das Gefühl hast, dass jemand wegen einer kleinen Sache über dich urteilt und du dir dann lange deswegen Gedanken machst, haben sie vielleicht bereits ihre Meinung geändert und das alles vergessen!

Versuche nicht, perfekt zu sein – du bist perfekt, so wie du bist, mit all deinen Fehlern!

Lustig, sobald man sich dran gewöhnt hat: Indiens fehlender letzter Schliff – 25 Jul 13

Gestern habe ich eine Angewohnheit von Indern beschrieben, die besonders Leute aus anderen Ländern manchmal in schwierige Situationen bringt: ihre Höflichkeit und Formalitäten. Neben der Tatsache, dass man viele Inder als sehr höflich empfinden wird, merkt man auch, dass sie sehr enthusiastisch werden können, wenn sie etwas Neues beginnen, ein neues Projekt, etwas erschaffen, etwas verändern und ihre Vorstellungen in die Tat umsetzen wollen. Das ist der Geist zu Beginn einer Sache. Wenn man sich die Dinge etwas später betrachtet, zu einem Zeitpunkt an dem das Ende näher rückt, trifft man auf eine völlig andere Einstellung. Oft hat man den Eindruck, als planten sie in Gedanken bereits das nächste Projekt. Sie sind nicht wirklich gut darin, das zu beenden, was sie begonnen haben!

Dafür gibt es so viele Beispiele und am Deutlichsten wird das bei Bauarbeiten und in Gebäuden. Der Maler zum Beispiel malt die Wand mit seinem Pinsel, nicht mit einer Malerrolle. Er verbringt Stunden damit, es ordentlich und schön zu machen, ohne zum Beispiel auf den Gipsstuck zu malen – fährt dann mit dem Pinsel aber achtlos über den Lichtschalter, was natürlich einen Farbstreifen darauf hinterlässt, der jedem Besucher ins Auge sticht.

Der Schreiner baut einen maßgefertigten Schrank am engeren Ende eines Zimmers ein, in der Ecke, die genau dafür gemacht war. Er passt genau dorthin und sieht auf den ersten Blick toll aus. Bei genauerem Hinsehen jedoch merkt man etwas, das einen von dem Augenblick an jedes Mal beschäftigt, wenn man sich den Schrank ansieht: da ist ein Türgriffe des Schranks und daneben der zweite – aber dieser etwa zwei Zentimeter über dem anderen!

Der Klempner installiert die sanitären Einrichtungen. Um alle Löcher zu schließen und die Arbeiten fertig zu stellen, verwendet er Zement. Er schließt die Löcher – achtet jedoch nicht auf die Umgebung, wo er mit der Hand den Zement an die Wand schmiert, oder auf den Boden, wo Zement heruntergetropft ist und nun für immer auf dem Marmor klebt.

Unser Elektriker hat einmal den Türschließer unseres Büros nur vorübergehend in Ordnung gebracht, da dieser lose geworden war und bei jedem Öffnen die Türe blockierte. Er band eine Schnur an einen Haken und die andere Seite an den Türschließer, so dass der Schließer oben gehalten wurde und man die Tür öffnen konnte. Einen Tag später kam er mit dem Werkzeug, um den Schließer zu reparieren, tat das und band die Schnur von dem Türschließer los. Er stand bereits auf einem Stuhl, konnte den Haken an der Decke aber nicht erreichen, um ihn von dort loszubinden. Was machte er also? Natürlich machte er sich nicht die Mühe, etwas Größeres als einen Stuhl zu holen, um da hoch zu kommen! Er streckte einfach den Arm so weit aus wie er konnte und zog mit einem Ruck – die Schnur riss und ein kleines Stück baumelte weiterhin am Haken. Hier in unserem Büro saßen wir also wochenlang da, starrten dieses kleine Stück an und überlegten uns, warum er das getan hatte, bis sich schließlich einer von uns erbarmte und es runterholte.

Ein andermal wurde eine Badewanne eingebaut. Sie kam, eingepackt in Plastik, wir ließen die Arbeiter rein, sie machten ihre Arbeit und gingen. Das Putz-Team erledigte den Rest und so standen wir schließlich vor einer strahlend neuen Badewanne – halt warte, nicht alles strahlte! Sie hatten einen Aufkleber drangelassen, der sich über die ganze Seite der Badewanne erstreckte, so dass jeder, der ins Bad kam lesen konnte: ‚Achtung, vorsichtig behandeln!‘ Es war ein Aufkleber, aber sie hatten ihn zusammen mit der Badewanne dauerhaft im Badezimmer installiert, indem sie die Hälfte davon mit Zement an den Marmor klebten.

Wenn ihr eines Tages durch Indien reist, haltet die Augen nach solchen kleinen Unvollkommenheiten. Es ist eine Merkmal, das man im ganzen Land finden kann und sobald ihr euch nicht mehr davon stören lasst, könnt ihr darüber lachen!

Ego und Perfektionismus – eine gefährliche Kombination – 7 Dec 12

Gestern sagte ich, dass Kritik von Leuten mit Ego-Problemen nie gut augenommen wird. Das ist ja auch klar – jede Art von Kritik, sei sie gut gemeint oder auch nicht, bedeutet, das da etwas falsch ist mit ihnen oder mit dem, was sie getan haben. Ihr Ego kann das nicht akzeptieren und sie werden wütend und verändern überhaupt nichts. Besonders, wenn dieses Ego mit Perfektionismus gepaart ist, hat ein Mensch die größten Problem sogar mit dem kleinsten Stück Kritik.

Für einen Perfektionisten, der kein Ego-Problem hat, ist es wohl auch nicht so schlimm, wenn ihm jemand einen Fehler in seiner Arbeit zeigt. Es beißt trotzdem – weil es bedeutet, dass seine Arbeit nicht perfekt war – aber er wird trotzdem diese Einzelheit verändern, um sein Werk so vollkommen zu machen, wie nur irgend möglich. Am Ende ist er vielleicht sogar der Person dankbar, die ihm das gesagt hat, weil derjenige es ihm ermöglicht hat, perfekt zu sein, zumindest in seinen Augen.

Die Definition von perfekt besagt ja, dass etwas die höchste Ebene des ‚Gut-seins‘ erreicht hat. Wenn etwas perfekt genannt wird, bedeutet es, dass es nicht besser hätte sein können. Ein Perfektionist versucht, mit seiner Arbeit auf diese Ebene zu kommen. Er übt immer wieder, bis er wirklich dort ankommt oder er untersucht jeden Teil seiner Arbeit im Detail, korrigiert, verändert und achtet auf jede Einzelheit, um es wirklich perfekt zu machen. Jeder Makel, und sei er noch so klein, stört ihn.

Ein normaler Perfektionist weiß auch, dass niemand perfekt ist und dass Perfektion, obwohl es per Definition der Punkt ist, wo du die Grenze erreichst, eigentlich keine Grenzen hat. Es gibt immer etwas, das besser sein könnte. Du spielst perfekt Gitarre, aber dann ist da plötzlich ein Gitarrist, der noch besser spielt als du! Du schaffst ein perfektes Kunststück, siehst dann aber ein weiteres Kunststück, deinem ganz ähnlich, in das der Künstler ein Element eingebaut hat, das dein Werk auch verbessert hätte! Perfektion hat in sich einen Widerspruch: es ist die Grenze, das Beste, gleichzeitig gibt es aber immer noch etwas besseres.

Der Perfektionist weiß das und befindet sich in dem Konflikt, perfekt sein zu wollen, während er auch weiß, dass es immer jemanden oder etwas gibt, dass noch ein bisschen perfekter ist.

Wenn das Ego jedoch in einem Perfektionisten aufkommt, verändert sich die Situation. Sein Ego lässt ihn glauben, dass er perfekt ist. Das ist der Punkt, an dem diese Person zur explosiven Gefahr für seine Umgebung wird und besonders für denjenigen, der es wagt, eine seine Handlungen oder das Ergebnis seiner Arbeit zu kritisieren.

In diesem Fall stoßen der innere Konflikt des Perfektionisten mit der Angst ‚Oh, habe ich etwas übersehen?‘ auf den Gedanken des Ego ‚Das kann nicht sein, ich habe an alles gedacht!‘ und das Ergebnis ist ein direkter Angriff: ‚Wenn du es besser kannst, mach es das nächste Mal doch selbst!‘ oder ‚Okay, dann mache ich das jetzt alles kaputt und dann kannst du zusehen, wie du es wieder hinkriegst!‘ oder etwas in die Richtung. Der Perfektionist bereut dies später, während das Ego in seinem Kopf weiter schreit ‚Ich hatte Recht, ich bin perfekt!‘

Ich habe einen Rag für jeden, der sich in einer solchen Situation befindet: halte dein Ego im Zaum. Immer, wenn du hörst, dass dich jemand kritisierst und du spürst, wie dir das Blut in den Kopf schießt, erinnere dich daran, dass es dein Ego ist, das den Blutdruck hochtreibt und es dir in den Ohren rauschen lässt. Du musst dich darüber nicht so aufregen! Nimm dir einen Moment Zeit, überlege, was der andere sagt und antworte dann. Wenn du inmitten einer Unterhaltung bist und es seltsam aussähe, wenn du einfach nur still bleiben würdest, während du dich sammelst, entschuldige dich einfach für einen Augenblick. Du willst später nichts bereuen müssen, also denke zuerst nach.

Arbeite daran, dein Ego zu kontrollieren und erinnere dich daran, dass niemand perfekt ist. Niemand erwartet das von dir. Sei einfach nur du selbst.

Willst du reisen, hast aber Angst, in anderen Kulturen in Fettnäpfchen zu treten? – 21 Nov 12

Wenn unsere Gäste im Ashram ankommen, geben wir ihnen immer eine kleine Einführung ins Ashram-Leben, erzählen ihnen, wer wer ist und lassen sie wissen, dass sie sich einfach nur wie zu Hause fühlen dürfen, sich entspannen können, in den Garten setzen und herumgehen können, wo auch immer sie möchten. Wir erklären ihnen, dass wir sehr frei leben und dass sie nichts tun müssen und dass ihnen auch nichts verboten ist, sie können einfach sein. Doch manchmal zögern Leute, die das erste Mal in Indien sind, sich wirklich frei zu fühlen – sie haben so viel darüber gehört, was man machen sollte und was man in dieser anderen Kultur nicht machen darf, dass sie Angst haben, etwas falsch zu machen!

Es ist einfach nur ein natürliches Gefühl, von dem man mehr oder weniger hat, je nach deiner Erfahrung und deinem Charakter allgemein.

Menschen, die unsicher sind und sich für ihre Fehler leicht schämen, trauen sich vielleicht gar nicht erst auf eine Reise in ein Land wie Indien, weil sie wissen, dass die Kultur dort so anders ist, dass sie es kaum schaffen werden, das ein oder andere Fettnäpfchen zu vermeiden. Wenn sie jedoch kommen, halten sie sich von Orten fern, für die sie die Regeln und Bräuche nicht kennen, außer sie haben einen Fremdenführer oder jemanden dabei, dessen Handlungen sie imitieren können.

Sie zögern zum Beispiel, in einen Tempel zu gehen, weil sie nicht wissen, wie sie sich darin verhalten sollen und ob es vielleicht jemanden beleidigen könnte, wenn sie den Tempel betreten. Mit dieser Einstellung gehen sie auf Nummer sicher, lassen sich aber leider auch vieles entgehen, weil sie einfach nur Angst haben, dass sie etwas falsch machen könnten. Sie können dadurch auch wirklich vermeiden, jemanden kulturell zu beleidigen, aber wenn sie wirklich mal etwas machen, was ein ‚Ureinwohner‘ des Ortes anders machen würde, würden sie sich schrecklich schämen. Das ist dann eine der größten Erinnerungen ihrer Reise und jedes Mal, wenn sie daran denken, steigt ihnen die Schamesröte ins Gesicht. Das kann nur die Zeit heilen und irgendwann werden sie selbst bereuen, diese Erinnerung so wichtig gemacht zu haben. Vielleicht können sie sogar darüber lachen und es anderen erzählen – aber nur nach einigen Jahren und außerdem aus sicherer Entfernung!

Perfektionisten wären entsetzt, wenn sie wirklich in einem anderen Land in ein Fettnäpfchen treten würden und darum lesen sie vor ihrer Reise so viele kulturelle Reiseführer wie möglich, um alles vorher zu erfahren. Sie haben dann so viel gelesen, dass sie überall glauben zu wissen, wie man sich verhält. Mit ihrem theoretischen Wissen können sie ihre Mitreisenden beeindrucken und werden leicht zu Fremdenführern an Orten, die sie selbst noch nicht einmal besucht haben.

Natürlich ist das Wissen aus Büchern und Texten jedoch nicht mit der Erfahrung selbst vergleichbar und manchmal sieht man, wie solche Leute sich fragen, warum alle um sie herum die Dinge so anders machen, als sie sie eigentlich machen sollten! Sie stehen während der Abendzeremonie an den Ghats am Fluss und erklären ihren Freunden, wie der Priester die Kerzen anzündet und das Feuer hält und es hin und her schwingt – halt, der macht das ja völlig falsch! So etwas zu sehen schafft Verwirrung und der Perfektionist verlässt den Ort mit dem Gefühl, dass der Einheimische seine eigene Kultur nicht ordentlich befolgt – das hätte er besser gekonnt!

Die beste Einstellung jedoch, die Erfahrung zu genießen ist, wenn man einfach nur ins Leben springt und sich mit dem Fluss treiben lässt. Zögere nicht zu sehr und stelle auch nicht zu viele Erwartungen daran, wie es sein sollte. Lass es einfach nur geschehen und mach mit. Die Inder sind für ihre Gastfreundschaft bekannt und werden dir mit Freuden die Dinge zeigen, erklären und dich wissen lassen, was du tun sollst. Scheue dich nicht und habe keine Angst, Fehler zu machen – sie können sehen, dass du nicht von hier bist und darum erwarten sie auch nicht, dass du alles weißt!

Du kannst wohl kaum in ein so großes Fettnäpfchen treten, dass die Menschen wirklich mit dem Finger auf dich zeigen und dich eines großen Fehlers bezichtigen würden. Es ist ein Kulturunterschied und wenn sie in dein Land kämen, würde es dir doch auch nichts ausmachen, wenn sie die Dinge etwas anders tun, als du es gewohnt bist. Verwende einfach etwas gesunden Menschenverstand und ein bisschen ein Gefühl für die Situation und alles ist in Ordnung. Das Wichtigste ist, dass du deine Zeit genießt.

Ich glaube, wir sollten anderen gegenüber alle etwas offener sein und das Leben nicht allzu ernst nehmen. Mit einer solchen Einstellung müssen wir keine Angst vor kulturellen Fehlern haben, sondern können wirklich schöne Erfahrungen machen, in dem Wissen, dass andere es schätzen, dass du ihr Land und ihre Kultur erleben willst. Genieße und sei glücklich!

Wie geht man am Besten mit Angst und Sorge um? – 15 Mai 12

Ich habe in der letzten Woche über Angst geschrieben und erklärt, warum ich glaube, dass Angst etwas ist, mit dem wir geboren werden und das einfach nur natürlich ist. In einer Email hat ein Leser mir erklärt, dass sie die Tatsache, dass Angst natürlich ist ganz leicht akzeptieren könnte, dass ihr das aber nicht helfe, sie los zu werden. Sie sagte, dass sie fast immer Angst hat, vor allen möglichen Dingen und was auch immer geplant ist, was auch immer sie tat, wäre sie unruhig und nervös und würde sie um das Ergebnis sorgen. Wenn es nichts anders gab, um sich Sorgen zu machen, hätte sie Angst um ihre Gesundheit, Angst, dass einem geliebten Menschen etwas passieren könnte und so weiter. Diese Angst war zu einem Teil ihres Lebens geworden. Was sollte sie tun?

Als Erstes muss man feststellen, ob es einen bestimmten Grund gibt, warum man sich in dieser Situation befindet. Kommt eine Prüfung auf dich zu, wegen der du nervös bist? Geht etwas Wichtiges vor sich, wie ein Projekt in der Arbeit zum Beispiel, bei dem du sehr gut sein möchtest? Vielleicht hängt deine Zukunft von etwas ab, das im Moment geschieht?

Wenn eines dieser Dinge der Fall ist, setz dich bitte jedes Mal, wenn du dieses Angstgefühl verspürst, hin und entspanne dich einfach. Rücke alles wieder in die richtige Perspektive und erinnere dich daran, dass nichts, was geschieht, dich das Leben oder die Liebe kostet. Nichts kann so schlimm sein, dass du solch eine Angst haben musst. Wovor du Angst hast, ist eine Illusion, eine Schöpfung des Verstandes. Die Welt bleibt nicht stehen! Du bist dir natürlich der negativen Auswirkungen bewusst, die diese Angst auf deinen Körper und deinen Geist hat, also beruhige dich und erinnere dich daran, dass alles in Ordnung ist. Es ist eine begrenzte Zeitspanne, es gibt einen Punkt, an dem das wieder vorbei ist. Jetzt musst du da durch, du gibst dein Bestes und es wird gut gehen.

Was aber, wenn du keinen bestimmten Grund ausfindig machen kannst? Was, wenn die Angst zu deinem normalen Geisteszustand wird, wie in dem Fall meiner Leserin? Dann gibt es da nicht die Möglichkeit zu sagen ‚Sobald diese Zeit vorbei ist, ist alles wieder okay‘. Wenn du merkst, dass du in dieser Situation bist, ist es ein ernsthaftes Zeichen, dass du dein Denken ändern musst – um ernsthafte gesundheitliche Probleme zu vermeiden!

Diese Angst geht oft Hand in Hand mit Stress. Wenn man viel Stress hat, hat man Angst, man könnte nicht alles rechtzeitig schaffen und gleichzeitig gut machen. Genauso hat man, wenn man sich um mehrere Dinge Sorgen macht, Stress deswegen, weil der Verstand so sehr damit beschäftigt ist, sich auf das zu konzentrieren, worum man sich sorgt.

Natürlich sind Yoga und Meditation sehr gute Methoden, sich selbst zu beruhigen und Angst loszuwerden. Zum Einen bekommst du mit Yoga körperliche Bewegung, die den ganzen Körper anregt und dir ein gutes Gefühl gibt. Sofort fühlst du dich nach einem guten Workout entspannter. Zusätzlich kannst du Meditation verwenden, um den Frieden in dir zu finden, den Geist davon abzuhalten, herumzuschwirren und Illusionen zu schaffen, die dir Angst machen. Mit einiger Übung wirst du merken, wie es dir hilft, dich immer besser auf die Wirklichkeit und Gegenwart zu konzentrieren, anstatt Horrorvorstellungen der Zukunft zu schaffen.

Eine weitere wichtige Sache, an der du nun arbeiten solltest, ist dein Selbstvertrauen und dein Selbstwertgefühl. Wieder hilft dir hier Meditation, doch dazu würde ich dir empfehlen, dir mehrmals am Tag in Erinnerung zu rufen, dass du großartig bist, so wie du bist. Höre auf, vor dem Urteil anderer Angst zu haben. Sie sind auch nur Menschen, sie machen Fehler und solltest du jetzt einen machen, so haben sie den gleichen vielleicht vor einer Weile noch selbst gemacht.

Du musst zu einem Leben zurückkehren, das lebenswert ist. Du musst es genießen können.

Keine Angst vor Fehlern beim Englisch-Lernen – 11 Sep 11

Bei ihrem Antrag sagte die Frau: ‚Wir sind sehr kompatibel‘. Sie sprach Hindi mit mir, vermischte es aber mit englischen Worten. Aufgrund meiner beschränkten Englisch-Kenntnisse wusste ich nicht, was ‚compatible‘, also ‚kompatibel‘ bedeutet und so fragte ich sie danach.

Sie erklärte mir das Folgende: Wenn ein Mann und eine Frau zusammen sind und sie unterschiedliche Vorstellungen vom Leben haben, zum Beispiel unterschiedlich wohnen und andere Wünsche haben als der jeweils andere, passen sie einfach nicht zusammen. Es funktioniert nicht. Aber wir passen zusammen! Du gehörst der Kaste der Brahmanen an und ich gehöre der Kaste der Brahmanen an. Du bist sehr religiös und ich genauso! Du hast so lange alleine gelebt und ich war bis jetzt auch alleine. Unsere Gedankengänge sind sich ähnlich! Wir sind wirklich sehr kompatibel, man findet schwer noch einmal so jemanden.

So habe ich ein neues Wort gelernt: kompatibel.

Ich lernte Englisch ein Wort nach dem anderen, immer bereit, ein neues in meinen Wortschatz aufzunehmen. Ich versuchte einfach, Englische Worte in meine Hindi Sätze einzubauen und kurze Sätze ganz in Englisch zu sagen. Ich wollte sehr gerne lernen, weil ich wusste, dass man mit Englisch mit so viel mehr Menschen sprechen kann!

Als ich in London zuvor bei der anderen Familie wohnte, hatte ich meinen Gastgeber gebeten, mich zu korrigieren, wenn ich in Englisch etwas falsches sagte. Er fragte ‚Es macht dir also nichts aus, wenn ich dich korrigiere?‘ und ich sagte ihm, dass ich mich überhaupt nicht davor scheute, meine Fehler zu erkennen und sie verbessert zu haben. Das war ich nie und bin es bis jetzt nicht.

Ich wusste, dass ich Fehler in der Aussprache machte, meine Grammatik falsch war und ich sogar falsche Worte verwendete, wenn ich die richtige Bedeutung nicht wusste. Es machte ihm Spaß, mich zu korrigieren, mir etwas beizubringen und mir zu helfen. Ich bekam nun auch die ersten Emails in Englisch und er half mir, indem er mir das übersetzte, was ich nicht verstand und Antworten schrieb, die der jeweils andere auch verstehen konnte.

Ich erinnere mich daran, wie wir einmal zusammen saßen und redeten, als seine Teenagertochter hereinkam. Sie sagte ‚I go Harrow‘, auf Deutsch ‚Ich gehe Harrow‘ und weg war sie. Er drehte sich zu mir um und sagte ‚Siehst du, heutzutage ist es den jungen Menschen egal, ob sie richtig sprechen oder nicht. Sie ist hier geboren worden, sie weiß, dass es richtig wäre zu sagen ‚I go to Harrow‘, also ‚Ich gehe nach Harrow‘, aber trotzdem schert sie sich nicht darum, die richtige Form zu verwenden. Du musst dir also wirklich keine Sorgen machen, wenn du einige kleine Fehler machst und wenn das, was du sagst, ein bisschen falsch ist. Die Leute werden dich schon verstehen!‘

Ich hatte nie ordentlichen Englisch-Unterricht, aber auf diese Weise habe ich 2002 ein paar Worte, ein paar Sätze und ein paar Redewendungen gelernt.

Suchst du in der Beziehung zu deiner Frau nach einer Mutter? – 28 Apr 11

Gestern habe ich geschrieben, dass eine Überbehütung durch die Eltern zur Folge haben kann, dass eine Frau auch in ihrer Beziehung nach einer Vaterfigur sucht. Die gleiche Überbehütung, besonders durch die Mutter, kann einen Mann auch dazu bringen, nach einer Frau zu suchen, die zu ihm ist wie seine Mutter.

Die Grundlagen hierfür werden gesetzt, während der Junge aufwächst. Viele Mütter tun alles für ihre Söhne bis sie erwachsen sind und oft sogar länger, vielleicht bis sie eine Freundin gefunden haben, die es für sie übernehmen wird. Das Problem ist nicht so sehr die Liebe der Mutter, die sie so viel wie möglich für ihren Jungen tun lässt, dass sie ihm Essen macht, seine Kleidung wäscht, vorbereitet, was er am Morgen anziehen soll und seine Schuhe sauber macht, wenn sie dreckig sind. Das Problem ist, dass sie ihrem Jungen nicht hilft aufzuwachsen und ihn praktisch daran hindert, seine Dinge selbst zu erledigen und manchmal eben auch, selbst zu denken.

Zu Beginn einer Beziehung ist es vielleicht noch kein Problem, dass der junge Mann jemanden braucht, der sich um ihn kümmert, wie es seine Mutter früher tat. Im Gegenteil, beide Partner können damit sehr zufrieden sein. Der Junge meint, seine Mutter hat das Gleiche ja auch für seinen Vater getan und bei ihnen hat es geklappt! Sie ist vielleicht glücklich damit, sich um jemanden zu kümmern, jemanden zu verpäppeln und für jemanden verantwortlich zu sein.

Wenn das so bleibt und beie damit glücklich sind, sage ich kein einziges Wort. Was jedoch meistens passiert, ist, dass beide Partner irgendwann nicht mehr vollkommen zufrieden sind, unglücklich sind, sich über den jeweils anderen beschweren und einfach keine liebevolle Beziehung mehr führen.

Eine Frau in dieser Situation, mit Ehemann und mehreren Kindern, um die sie sich kümmern muss, wird oft ihrer Rolle als Mutter überdrüssig. Sie muss sich um eine weitere Person kümmern und fühlt manchmal, das selbst das schon zu viel ist. Eltern sollten da sein, um gemeinsam Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen, aber ihr Ehemann selbst ist von ihr abhängig und das für solche Kleinigkeiten, wie die richtigen Socken zu finden oder einen Koffer für eine Geschäftsreise zu packen. Sie macht alles für alle Kinder und ist manchmal überwältigt von der schieren Masse an Dingen, die es zu tun gibt. Gepaart mit Perfektionismus kann dieses Gefühl, für alle verantwortlich zu sein, dazu führen, dass eine Frau hysterisch wird, zu viel Stress aufbaut und unter Burn-out und Depressionen leidet.

Für den Mann ist diese Situation aber auch nicht immer so angenehm wie sie scheint. Wenn er mit einer Frau zusammen ist, die gerne die Mutter ist und vollkommen in dieser Rolle aufgeht, ist sie es gewöhnt, ihn in allem, was er im Haus tut, Ratschläge zu geben in der Annahme, dass er nicht in der Lage ist, es selbst zu erledigen. Wenn er sich ohne ihren Rat einzuholen anzieht, sieht sie ihn kritisch von oben bis unten an. Wenn er etwas in der Küche macht, wenn er zum Beispiel ein Messer sucht und nicht findet, macht sie ihn darauf aufmerksam, wie dumm es von ihm ist, es überhaupt zu versuchen. Es ist überhaupt nicht angenehm, wenn man als Mann das Gefühl bekommt, man sei ohne den Rat seiner Frau nicht einmal in der Lage, sich die Unterwäsche richtig herum anzuziehen.

Diese Probleme tauchen alle auf und sollten nicht vernachlässigt werden, aber sie wären vielleicht nicht so schlimm, wäre da nicht das größte Problem von allen: ihr Sexualleben bereitet ihnen keine Freude mehr.

Eigentlich ist es ganz logisch, dass dieses Problem so häufig autritt. Das Gefühl stimmt einfach nicht. Zu Beginn stellte das vielleicht noch nicht ein sehr großes Problem dar, aber nach einigen Jahren spürt der Mann, dass er sich zu seiner Frau sexuell einfach nicht mehr sehr angezogen fühlt, da diese immer mehr wie seine Mutter wird und er für sie immer mehr die gleichen Gefühle hegt wie für seine Mutter. Seine eigenen Gefühle für diese Frau können ihn da reizen und irritieren.

Sie hat das Gefühl, dass sie die ganze Zeit auf ihren Ehemann achten muss. Auf diese Weise kann sie sich nicht im Geringsten für jegliche sexuelle Aktivität entspannen. Wie denn auch? Den ganzen Tag lang kümmert sie sich bis ins kleinste Detail um ihren Ehemann und versucht, ihn so glücklich zu machen, vielleicht mit dem Gefühl, dass sie nie genug Anerkennung bekommt für das, was sie tut. Für sie ist es fast zum Job geworden, seine Mutter zu sein. Am Ende des Tages wäre es nun ihr Job, sich auch im Bett um sie zu kümmern. Wenn man so an Sex denkt, als etwas, das gemacht werden muss, hat das offensichtlich mit Spaß oder Erregung nichts zu tun. Da sie natürlich im Bett nicht seine Mutter sein kann, muss sie sich da ändern und zur Liebhaberin werden. Sie setzt sich unter Druck, da sie ja auch diesen Job ordentlich erledigen will, gerät in Stress und wieder sicherlich keine Erregung.

Das Ergebnis ist leider oft, dass beide Partner eine Affäre mit einer anderen Person beginnen, mit der es keine weiteren Pflichten gibt, außer sexuellen.

Das kann keine Lösung für eure Beziehungsprobleme sein. Ihr müsst euch ihnen stellen, über sie sprechen und zusammen eine Lösung finden, nicht getrennt voneinander.

Als Frau musst du akzeptieren, dass dein Mann erwachsen ist und allgemein in der Lage ist, die Dinge zu erledigen, die du für ihn tust, auch wenn du sie für ihm mit viel Liebe machst. Als Mann wäre es vielleicht gut, wenn du einige der Dinge selbst tun würdest, die deine Frau bis jetzt für dich getan hat. Das würde den Druck auf sie verringern und würde dir auch ein gutes Gefühl geben.

Unternehmt etwas miteinander, findet eure Übereinstimmung als Mann und Frau, als Liebhaber, als Menschen, die einander lieben, nicht als Mutter und Sohn, sondern als Mann und Frau.

Das Ego des Perfektionismus- 5 Dez 10

Gestern habe ich über Perfektionismus geschrieben und erwähnt, dass es ganz normal für den Menschen ist, den Wunsch der Perfektion zu haben. Die Probleme beginnen jedoch, wenn wir damit anfangen, uns mit anderen zu vergleichen. Im Darshan habe ich das heute einen Schritt weiter gedacht und darüber gesprochen, wie und warum wir damit beginnen, uns zu vergleichen.

Das größte Problem hierbei ist unser Ego. Natürlich gibt jeder sein Bestes bei dem, was er tut und jeder hat den Wunsch, perfekt zu sein. Solange wir uns nicht mit anderen vergleichen, ist das in Ordnung. Wir beginnen jedoch, uns zu vergleichen, wenn wir glauben, dass das, was wir tun, perfekt ist. Es ist eine Frage des Ego. Wenn du meinst, dass du perfekt bist, dass du Dinge perfekt kannst und dass alles, was du tust, perfekt ist, kannst du ein großes Problem bekommen: du vergleichst dich mit jedem. Und dann musst du nur eine Person treffen, die etwas besser macht als du und sofort fühlst du dich schlecht. Wenn dein Ego dir sagt, dass du perfekt bist, kann das die ganze Freude an dem, was du tust, verderben.

Die Lösung hört sich vielleicht leicht an, ist aber oft schwierig: pass gut auf euer Ego auf. Du must nicht perfekt sein und – um ehrlich zu sein – wird es auch schwierig, immer besser zu sein als alle um dich herum. Also entspanne dich, nimm es leicht und genieße einfach, dass du etwas so gut tust, wie du kannst.

Ich habe gestern auch bereits einem Freund geschrieben, dass Perfektionismus für mich bedeutet, dass ich am Ende eines Tages zurückblicken und sagen kann, dass ich ehrlich und mit Liebe gelebt habt.

Es war ein schöner Darshan, ein Abend voller Freude.

Perfektionismus ist perfekt, wenn man nicht vergleicht – 4 Dez 10

Gestern habe ich mit unserer Freundin Annick über Perfektionismus gesprochen, über den Wunsch, perfekt zu sein. Wir waren uns beide einig, dass Menschen hier sehr oft ein perfektes Leben, einen perfekten Job, die perfekte Beziehung, das perfekte Haus, die perfekte Familie, die perfekte Kleidung, die perfekten Freunde etc. haben wollen. Das erzeugt jede Menge Druck. Dein Haus muss sauber sein und die Fenster sollten keine Flecken haben, deine Karriere sollte stetig aufwärts gehen und dir immer mehr Geld geben, dein Haar sollte immer in perfekte Form fallen, sollte irgendjemand die Idee haben, ein Foto zu machen und einfach allgemein musst du dich um alles kümmern und es perfekt machen. Annick erwähnte, dass dieser Wunsch nicht so sehr präsent ist, wenn man sich selbst im Gleichgewicht befindet. Dann macht es einem irgendwie nicht so viel aus, wenn der Garten nicht aufgeräumt ist, wenn die Kinder manchmal zu laut für die Nachbarn sind oder man keine Zeit hatte, Weihnachtsplätzchen zu backen. Diese Zeiten sind jedoch selten und meistens macht man sich selbst deshalb verrückt, weil andere meinen könnten, man wäre nicht perfekt.

Ich sagte Annick, ich glaube eigentlich, dass Perfektionismus ganz normal ist. Jeder möchte perfekt sein. Das wäre normalerweise kein Problem. Die Probleme beginnen, wenn man anfängt zu vergleichen. Man strengt sich immer an, etwas perfekt zu tun, wenn man etwas macht. Man bemüht sich so sehr wie möglich und man ist mit dem Ergebnis zufrieden, gerade weil man sich so viel Mühe gegeben hat. Man ist nur enttäuscht, wenn man jemand anderen sieht und sein Ergebnis mit dem ihren vergleicht. Stell dir vor, du schneidest deine Hecke. Du verbringst den ganzen Tag damit, sie in eine schöne Form zu bringen und alle überstehenden Zweige abzuschneiden. Am Abend stehst du davor und denkst ‚Wow, da habe ich ganze Arbeit geleistet!‘ Du bist stolz und lächelst. Auf dem Weg zurück zum Haus vergeht dir aber das Lachen, weil du siehst, dass der Nachbar, der später angefangen hat als du, schon fertig ist und seine Hecke sieht voller und irgendwie eleganter aus als deine! Jetzt ist da noch eine weitere Person und er oder sie hat etwas zu viel besser, schneller oder schöner gemacht als du, also magst du deins nicht mehr.

Du hattest nur ein Problem, weil du verglichen hast. Jeder möchte gut sein und daran kann man gar nichts aussetzen. Denke nur nicht, dass du der Beste sein muss. Vergleiche dich nicht mit anderen. Gib deinen Geist, dein Herz und deine Seele in alles, was du machst und sei stolz auf das Ergebnis.