Akzeptiere Lust und Verlangen auf gesunde Weise – 26 Jul 08

Heute würde ich gerne Geschichte aus einer Schrift, der Ram Charit Manas erzählen. Lord Shiva saß einmal in Meditation, als Kamdev, der Gott der Lust und des Verlangens vorbeikam. Als er Shiva beim meditieren sah, kam ihm die Idee, ihn zu necken und ihn aus der Konzentration zu bringen. Er versuchte jeden Trick, um ihn abzulenken, schaffte es aber nicht bis zu einem Punkt, an dem Shiva wütend wurde. Wut ist so stark, sie schafft, was die Lust nicht schaffte: ihn aus der Konzentration zu bringen. Also öffnete Shiva sein drittes Auge. Es steht geschrieben, dass sein drittes Auge die Kraft hat, die ganze Welt zu zerstören. Als er sein drittes Auge öffnete, ging der Gott des Verlangens sofort in Flammen auf und was von ihm übrig blieb, war nur ein Häufchen Asche auf dem Boden.

Als Rati, Kamdev’s Ehefrau davon erfuhr kam sie zu Shiva. Sie, die Göttin der Anhaftung, weinte und betete. Shiva hat ein weiches Herz und als er ihre Trauer sah, sagte er: Sein Körper ist unwiederbringlich fort, aber ich verspreche dir, dass er auch ohne seinen Körper bei jedem anwesend sein wird, auch ohne Körper. Jeder wird ihn spüren. Rati antwortete, dass das für sie, Kamdev’s Frau, nicht genug war. Sie brauchte auch den Körper. Also gab Shiva ihr noch einen zweiten Segen. Er versprach, dass ihr Mann schon sehr bald wiedergeboren würde und dass sie ihn dann heiraten könne. Die Schrift fährt fort und Shiva macht sich selbst fertig zum Heiraten.

Was möchte ich mit diesem Auszug aus der Schrift sagen? Shiva sagt, dass Lust und Verlangen immer in jedem von uns ist. Nur sehr große Yogis wie Shiva können vielleicht ihre Energie einmal bündeln, und dem Verlangen und der Lust ein Ende machen. Aber selbst, wenn er das schafft, gibt es immer noch die Anhaftung, die Frau des Verlangens. Sie wird versuchen, die Lust wiederzuerwecken und sie wird es schaffen. Verlangen und Lust hören nie auf. Vielleicht kann man beides einmal besiegen, aber die Anhaftung entfacht Verlangen.

Und was passiert, wenn es wieder zurück ist? Shiva heiratet und akzeptiert Lust und Verlangen in seinem Leben. Es ist ein Teil von jedem und wir müssen es akzeptieren, doch wir können es auch kontrollieren. Wenn Menschen normalerweise nach einer Beziehung suchen, sind sie von Verlangen oder Lust getrieben. Ein Yogi fängt eine Beziehung an, wenn er oder sie Lust und Verlangen kontrolliert. Es ist gut, es auf gesunde Weise zu akzeptieren und nicht abzulehnen. Es ist die richtige Zeit, um eine Beziehung zu beginnen, wenn du nicht von Lust und Verlangen gesteuert wirst.
 

Was ist ein Bruder? – 15 Jul 08

Gestern habe ich über Familienbeziehungen gesprochen und heute ist mir noch etwas eingefallen. In einer unserer Schriften, der Ram Charit Manas, gibt es eine Definition davon, was ein Bruder ist.

Was ist heutzutage ein Bruder, in unserer Welt? Jemand, der mit dir das Erbe deines Vaters teilt. Wir sind Brüder, wir müssen teilen, dann streiten wir deswegen und schließlich trennen sich unsere Wege. Es ist wirklich oft so. Die Definition von einem Bruder in der Schrift spricht nicht davon, dass man das Erbe teilt. Nein, in dieser Schrift steht, dass ein Bruder, ob er nun vom gleichen Blut ist oder nicht, mit dir die schlechten Zeiten teilt. Ein Bruder ist derjenige, der in schweren Zeiten zu dir kommt und sagt: „Du bist nicht allein. Ich bin bei dir und für dich da. Ich teile deine Schmerzen und deine Probleme. Du bist nicht allein.“ Das ist die echte Beziehung unter Brüdern. Ein Bruder ist immer für dich da und hat eine Schulter für dich, wann auch immer du sie brauchst. Und du brauchst ihn auch in guten Zeiten. Wer feiert ansonsten mit dir, wenn nicht dein Bruder? Und ich bin sehr glücklich und stolz auf meine Beziehung zu meinen Brüdern.

Ich hatte einen ganzen Tag voll mit Heilsitzungen und morgen wird es auch viel Arbeit, nicht nur in Vilnius, sondern auch in Kaunas, einer Stadt ca. 100 Kilometer von hier. Dort fahren wir am Nachmittag hin. Heute waren wir zum Abendessen in einem fantastischen Restaurant. Es war vegetarisch und sie kochen ausserdem völlig ohne Ei und ohne Zwiebeln und Knoblauch. Es war herrlich lecker!
 

Sünde des Verletzens – und wann es keine Sünde ist – 12 Apr 08

In einer bekannten Schrift, Shree Ram Charit Manas, gibt es einen Ausspruch, von dem ich finde, dass jeder ihn zu einem Teil seines Lebens machen kann:

Parhit Saris Dharam nahi Bhai
Parpida Sam Nahi Adhamai

Der erste Teil bedeutet: Es gibt keine Religion, wie die, anderen zu helfen. Das heiβt, dass es die beste Religion ist, anderen Gutes zu tun. Es macht nicht religiös, wenn man regelmäβig in den Tempel oder in die Kirche geht. Nicht jeder, der sich als religiös ausgibt, ist auch eine religiöse Person. Du bist religiös, wenn du in deinem Herzen die Leidenschaft hast, anderen zu helfen, wenn du ihnen Gutes wünscht und auch eine Anstrengung machst, diesen Wunsch wahr zu machen.

Der zweite Teil bedeutet: Es gibt keine Sünde wie die, andere zu verletzen. Es ist die gröβte Sünde, jemandem Schmerz zuzufügen. Ich habe schon einmal in mein Tagebuch geschrieben, dass ich generell nicht mit der normalen Definition von Sünde einverstanden bin, die hauptsächlich von Kirche und Religion geprägt sind. Aber jemanden zu verletzen, das sehe ich als Sünde.

Es gibt zwei Fälle, in denen das nicht so ist. Wenn du jemanden unabsichtig verletzt; wenn sich jemand verletzt fühlt, du das aber nicht wolltest. Dann ist es auch sehr gut, sich zu entschuldigen, weil du nicht den Plan hattest, jemanden zu verletzen. Es wird eine sehr ehrliche Entschuldigung sein.

Der zweite Fall, in dem ich es nicht als Sünde sehe, ist, wenn du mit all deiner Ehrlichkeit sagen kannst, dass du dich nicht für die Verletzung des anderen verantwortlich fühlst. Manchmal beschuldigt dich jemand, du hättest ihn verletzt, doch du kannst sagen, dass du dafür nicht verantwortlich bist. Dass du nichts getan hast, was irgend jemanden verletzen könnte. Und wenn du keine Schuldgefühle hast und dich nicht verantwortlich fühlst, dann gibt es keinen Grund, sich zu entschuldigen.

Doch dieser Vers sagt, wenn du jemanden verletzt, ist das die größte Sünde. Manche Menschen wollen, wenn sie wütend sind, einfach nur schaden und zerstören und kümmern sich dann nicht um die Gefühle von anderen. Tue das nicht! Wenn du nicht in der Lage bist, anderen etwas Gutes zu tun, wenn du anderen nichts gönnen kannst, dann tue zumindest nichts Schlechtes, indem du sie verletzt. Ich meine, wenn wir nur diese zwei kleinen Dinge in unserem Leben annehmen, werden wir viel glücklicher leben: Tue anderen Gutes, wünsche ihnen Gutes und verletze niemanden. Wir können versuchen, so zu leben, dass wir nicht verletzen und Schmerz verursachen. Niemand sollte die Absicht haben, einen anderen Menschen zu verletzen. Morgen möchte ich von Vergebung schreiben und davon, wie wichtig das ist.