Die Folgen häuslicher Gewalt und arrangierter Ehen – 10 Jun 16

Gestern habe ich euch erzählt, dass einer meiner Facebook-Freunde gekommen ist. In einem unserer längeren Gespräche, kamen wir natürlich auch auf die Themen von Kultur, Beziehungen und Liebe zu sprechen. Wir teilten einige Gedanken zu den Problemen, die da entstehen könnten und sprachen natürlich auch über mögliche Lösungen. Mit all diesen Gedankengängen, wollte ich einen kleinen Teil hiervon auch mit euch teilen.

Wenn wir über indische Kultur und Beziehungen sprechen, wird da immer ein Thema aufkommen: arrangierte Ehen. Jede Menge Menschen hier, in der Tat die Mehrheit der Inder, glaubt immer noch sehr stark an dieses Konzept. Darunter sind auch junge Leute, die von Beginn ihres Lebens die Vorstellung haben, dass ihre Eltern ganz sicher den richtigen Partner für sie finden. Was jedoch muss man dafür tun, dass diese Vorstellung zur Wirklichkeit wird? Außer dem Glück, jemanden passenden zu finden, braucht es Vertrauen. Was jedoch kann man tun, wenn ein Kind dieses Vertrauen nicht hat?

Ich glaube, das geschieht in dieser Gesellschaft recht oft und sogar noch häufiger mit dem Fortschreiten moderner Medien, der Globalisierung und Möglichkeiten zu reisen, mehr zu sehen und freier zu sein. Junge Menschen bekommen viel mehr zu sehen, als was sie in der Vergangenheit erfahren konnten. Sie vertrauen vielleicht auch nicht mehr, dass ihre Eltern die richtige Entscheidung treffen. Und oft muss man auch gar nicht lange suchen um zu verstehen warum: bei ihnen daheim sehen sie oft ein Beispiel dafür, wie Ehe NICHT aussehen sollte.

Streit, Unterdrückung und sogar Gewalt – in vielen indischen Familien nichts Ungewöhnliches!

Es ist meiner Meinung nach auch kein Wunder, dass das bei einem kleinen Kind Narben hinterlässt. Diese Narben können so tief gehen, dass die Vorstellung von Ehe furchterregend wirkt. Dass in dem jungen Menschen der Wunsch nach Liebe, Nähe und Intimität besteht – doch die Angst vor Gewalt zu groß ist! Da ist kein Vertrauen – in das andere Geschlecht, dass die Eltern die richtige Wahl treffen und sogar, dass sie selbst die richtige Wahl treffen.

Eine junge Frau kann sehr wohl Angst davor bekommen, dass ihr zukünftiger Ehemann sie genauso schlägt, wie ihr Vater ihre Mutter geschlagen hat. Junge Männer können Angst davor haben, dass ihre zukünftigen Ehefrauen sich ständig beschweren, ihre Enttäuschung zeigen und versuchen, Streit anzuzetteln, genau wie ihre Mutter das mit ihrem Vater tat.

Gleichzeitig haben sie ein Verlangen nach diesem Ideal der Liebe, das sie in Filmen sehen oder von dem sie in Geschichten hören. Sie haben dieses Bedürfnis nach Akzeptanz und Liebe, aber sie trauen sich nicht.

Für mich macht das eines ganz deutlich: wir müssen mehr dafür tun, häusliche Gewalt zu stoppen. Wir müssen den Menschen ihre Möglichkeiten bewusst machen, die Möglichkeit zu gehen zum Beispiel oder sogar Anzeige zu erstatten. Wir müssen das Anzeigen einfach machen. Und schließlich halte ich arrangierte Ehen immer noch für den falschen Weg, da mehr Menschen von ihrem Partner, der für sie ausgesucht wurde, enttäuscht sind. Das führt zu Konflikten und einer ungesunden Umgebung für Kinder.

Mehr als alles andere jedoch möchte ich die Eltern bitten: seid euren Kindern ein Beispiel, denn sie lernen mehr von euren Taten als von euren Worten!

Lassen sich Westler zu schnell scheiden oder bleiben Inder zu lange? – 17 Mär 16

Gestern habe ich euch von einer unserer ersten Erfahrungen in Ammaji‘s Ayurvedischem Restaurant erzählt. Wir vier, Purnendu, Yashendu, Ramona und ich, haben uns völlig unserer neuen Arbeit gewidmet und lieben es, uns ganz in dieses neue Abenteuer zu stürzen! Wir reden daher oft vor oder nach der Bestellung mit unseren Gästen, sammeln Feedback, helfen beim Servieren und verbessern unser neues Unternehmen ständig. Eine dieser Unterhaltungen, die Ramona mit einem weiblichen Gast hatte, war recht interessant, da es eine sehr indische Sicht auf Westler und deren Beziehungen offenlegte!

Die Dame war mit ihrer Tochter aus Delhi gekommen. Es war ihr erster Besuch in Vrindavan und sie freuten sich, dass sie unser Restaurant gefunden hatten, so dass sie sich nach einem geschäftigen Morgen mit Besuchen in Tempeln beim Mittagessen etwas ausruhen konnten. Ramona begann, sich mit ihnen zu unterhalten und bald fragten sie auch, wo sie herkam und wie lange sie bereits in Indien war. Sie erfuhren also, dass wir verheiratet waren und gerade als Ramona das erzählte, lief ich hinter ihr vorbei. Ich hielt bei meiner Vorstellung also an, um unsere Gäste auch zu begrüßen. Die ältere Dame wurde ganz ernst und erzählt Ramona: ‚Wissen Sie, nun haben sie hierher geheiratet und da sollten sie auch hier bleiben. Wir Inder glauben nämlich, dass eine Ehe für immer ist!‘

Wir antworteten, sie solle sich keine Sorgen machen, Ramona würde mir nicht davonlaufen!

Natürlich lachten wir, doch die Tatsache, dass die Frau das so gesagt hatte, zeigte eine weit verbreitete Annahme von Indern, wenn es um Beziehungen und Ehen im Westen geht: sie glauben Westler beenden ihre Beziehungen schnell und verlassen ihre Ehepartner auch häufiger, vielleicht sogar, ohne viel darüber nachzudenken.

Auf eine Weise stimmt das ja auch: die Scheidungsrate im Westen ist deutlich höher als die in Indien. Es ist also wahr, der durchschnittliche Inder hat in seinem Leben eine niedrigere Anzahl Beziehungen als der durchschnittliche Westler.

Es gibt jedoch auch ein paar andere Gedanken und Tatsachen zu diesem Thema: in Indien werden Beziehungen vor der Ehe nicht gutgeheißen, weswegen viele Leute es nicht publik machen, wenn sie sich eine Beziehung eingehen. Oder sie sehen körperlichen Kontakt und emotionale Bindungen nicht als Beziehung an, da es in dieser Gesellschaft einfach nicht üblich ist. Es geschieht im Verborgenen und wenn es vorbei ist, ist es eben, als wäre gar nichts geschehen. So kommt es, dass es im Westen viel mehr Versuche zu geben scheint – während das Gleiche in Indien auch geschieht, nur eben nicht offiziell. Vielleicht eben weniger, doch es gibt es auch.

Wenn es zur Scheidungsrate kommt, ist ganz klar, warum es in Indien weniger Scheidungen gibt: nicht weil die Leute alle in ihren arrangierten Ehen mit Menschen, die sie vorher nicht kannten so wahnsinnig viel glücklicher sind. Nein, zwischen den Eheleuten gibt es mindestens genauso viel Probleme mit der Kommunikation sowie Gründe unglücklich zu sein, wie anderswo – doch Scheidung ist solch ein Tabu in der Gesellschaft, dass die meisten Leute es einfach nicht als Möglichkeit betrachten! Frauen sind von ihren Ehemännern abhängig und können sich oder ihre Kinder nicht selbst durchbringen. Familien bieten Verwandten, die sich scheiden lassen wollen, wenig bis keine Hilfe. Die Religion stellt sich gehen auch nur den Gedanken ‚sich gegen sein Schicksal zu wenden‘. Und schließlich kann das Leben insbesondere als geschiedene Frau manchmal schwierig und sogar unsicher sein.

Während also viele Inder denken, dass sich Westler zu einfach scheiden lassen, glaube ich oft, dass Inder sich die Scheidung zu schwierig machen. Männer und Frauen leben deshalb oft unglücklich miteinander. Natürlich versuchen einige Menschen im Westen nicht, an ihren Beziehungsproblemen zu arbeiten, um sie zu lösen – aber manchmal sehen Inder auch einfach nicht, dass nichts hilft und es besser wäre, wenn jeder seinen eigenen Weg gehen würde!

Ehe ist ein Band der Liebe – Kinder beweisen, dass das Geschlecht keine Rolle spielt! – 15 Mär 16

Während wir die letzten Tage in Gurgaon verbracht haben, fand eine Veranstaltung statt, zu der Ramona gegangen wäre, wäre sie in Vrindavan gewesen: ein Mädchen, das an unserer Schule gelernt hatte, heiratete. Warum ich jedoch nun hierüber schreibe, ist nicht diese Tatsache, sondern vielmehr Apras Reaktion darauf, als wir diese junge Frau gestern trafen!

Das Mädchen, von dem ich schreibe, hat später mit der Schule begonnen als Kinder es gewöhnlich tun – und so haben ihre Eltern beschlossen, sie nun zu verheiraten. Nach ihrer Hochzeit war sie einige Tage zu ihrem Ehemann nach Hause gegangen. Gestern kam sie wieder zurück und da sie in der Nähe wohnt, machte sie auf dem Weg einen kleinen Zwischenstopp in unserem Restaurant. Sie war in Begleitung ihrer Schwester und beide unterhielten sich eine Weile lang mit Ramona. Natürlich stand Apra da neben ihnen, sah und hörte zu.

Nachdem sie gegangen waren, fragte Apra Ramona: ‘Ma, hat sie eine Frau oder einen Mann geheiratet?‘

Für uns war das eine Frage, die uns glücklich und irgendwie zufrieden machte: unsere Definition der Ehe, von der wir natürlich auch Apra erzählt haben, ist, dass zwei Menschen einander so sehr lieben, dass sie beschließen, auf immer zusammen zu leben. Bitte anmerken: zwei Menschen, nicht ein Mann und eine Frau.

Da die Mehrheit der Ehen in unserem Umfeld aus einem Mann und einer Frau bestehen, waren wir uns nicht komplett sicher, ob Apra sich dieser Einzelheit bewusst war oder nicht. Diese Frage jedoch bestätigte: für Apra ist es einfach natürlich, dass sich zwei Männer oder zwei Frauen genauso sehr lieben können, wie ihre Ma und ihr Pa es tun.

Es ist für sie ganz natürlich zu fühlen und zu glauben – und ich glaube, solange man Kindern nicht aktiv beibringt, anders zu denken, wachsen Mädchen und Jungs zu Erwachsenen heran, die Homosexualität als normal betrachten. Etwas, das mit den Gefühlen einer Person zu tun hat.

Als wir über diesen Vorfall sprachen, erzählte Ramona mir lachend von einer weiteren Unterhaltung, die sie mit unserer Tochter hatte: Apra und sie erfanden eine Geschichte über zwei Prinzessinnen. Sie waren Schwestern und Apra beschloss, dass sie auch heiraten würden, doch als Ramona einwarf, dass man seine Schwester nicht heiraten kann, antwortete Apra: ‚Okay, sie können einen Prinzen heiraten. Aber den müssen sie teilen!‘

Das, meine liebe Tochter, ist Promiskuität und ein Thema, über das wir ein anderes Mal sprechen werden! 🙂

Ehe und Beziehungen – ein schwieriges Konzept für eine Vierjährige! – 7 Mär 16

Heute möchte ich euch gerne von Liebe, Heirat und Kindern erzählen – und von ihren vielen Fragen! Ich tue das, während ich zusehe und zuhöre wie meine vierjährige Tochter mehr über das Leben lernt!

Apra weiß, dass ihre Eltern verheiratet sind. Sie hat Bilder davon gesehen, wie Ma und Pa heiraten, von der Feier mit den Gästen und natürlich das schöne Kleid. Viele der Freunde ihrer Eltern sind verheiratet: Thomas und Iris, Sonja und Peter, Michael und Andrea und so weiter. Selbst Oma und Opa. Es gibt andere, alleinstehende Freunde, die immer alleine kommen. Natürlich kommt bei ihnen diese Fragen gar nicht erst auf. Da gibt es jedoch noch eine dritte Art Freund: diejenigen, die nicht verheiratet, aber in einer Beziehung sind!

Apra nimmt einfach an, dass sie verheiratet sind. Veri und Chris waren vor Kurzem hier. Ich habe euch von ihrem Besuch erzählt. Irgendwie kamen wir auch das Thema Hochzeiten und ich glaube da fragte Apra Veri: Wann habt ihr denn geheiratet?

Veri antwortete, dass sie überhaupt nicht verheiratet seien – und eine gute Weile lang konnte Apra das gar nicht glauben! Sie fragte dreimal hintereinander, ob das wahr sei und ließ sich die Antwort jedes Mal auch von ihrer Mutter bestätigen, für den Fall, dass Veri und Chris sich mit ihr einen Spaß erlauben.

Doch die Information wurde wiederholt und so fragte sie schließlich: warum nicht?

Nun versuchen wir alle, dieser Vierjährigen zu erklären, dass man jede Menge Zeit zusammen verbringen kann, den anderen lieben kann und trotzdem nicht verheiratet sein muss. Wann oder warum heiratet man dann, wenn es sowieso fast das Gleiche ist? Ich witzele immer und nenne diese Zeit vor der Hochzeit die ‚Testperiode‘ einer Beziehung! Eines Tages beschließt man einfach, dass es vorbei ist! Nun kann man eine Feier veranstalten und es ‚offiziell‘ machen, dass die Beziehung für immer halten wird!

Wäre deine Liebe nicht gut genug ohne dieses Zertifikat? Ich habe den Menschen schon immer erzählt, dass wir verheiratet sind, bevor wir ein Papier unterschrieben hatten – denn so fühlte es sich für mich an. Versuche mal, das einem kleinen Mädchen zu erklären!

Sie verarbeitet alle Information, die man ihr gibt, speichert sie in ihrem kleinen, aber so schnellen Kopf ab und verknüpft sie mit anderen Dingen, die sie gehört oder gelernt hat. Dir macht das auch Freude, weil du das Gefühl hast, dass du ihr etwas Besonderes übers Leben beigebracht hast, etwas, das wirklich wertvoll ist. Du hast das Gefühl, sie hätte etwas Wichtiges verstanden. Dazu kommt, dass du Dinge sagen kannst wie ‚Ma und Pa haben einander soooooo lieb!‘

Und dann, Stunden später, wirst du gefragt: ‚Bist du sicher, dass Veri und Chris nicht verheiratet sind?‘ 🙂

Das Leben der Frau in Indien ändert sich – doch nicht da, wo es am nötigsten wäre! – 14 Jan 16

working woman

Gestern habe ich erklärt, wie viele alte Traditionen der Grund für die Zustände in der heutigen Gesellschaft sind, zum Beispiel der Druck, den Frauen nach der Ehe erleben, wenn so viele Leute von ihnen erwarten, dass sie ganz schnell Mütter werden. Einige meiner Leser stimmten überein, fügten jedoch hinzu: das ändert sich. Da stimme ich zu, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt!

Zunächst einmal sollten wir uns überlegen, wo genau diese Veränderung stattfinden: natürlich zuerst in den Großstädten. Dort arbeiten Frauen, dort gehen sie genau wie Jungen studieren und dort gibt es sogar Kindertagesstätten für die Kinder arbeitender Mütter und ähnliches.

Zum Einen kann ich euch erzählen, dass das ein klitzekleiner Teil der indischen Bevölkerung ist und dass sich zweitens die Mentalität nicht so sehr geändert hat, wie man es gerne glauben möchte!

Ja, Delhi, Mumbai und andere große Städte haben bereits Veränderungen für Frauen gebracht. Eltern geben ihnen viel mehr Freiheit und sie können das Leben auf ganz andere Weise entdecken als Frauen auf dem Land.

Außer der Tatsache jedoch, dass das eine klare Minderheit ist, bleibt das Leben sogar dort unfair für das ‚schwache‘ Geschlecht, da Traditionen in den Köpfen der Eltern, Verwandten und allgemein in der Gesellschaft eine große Rolle spielen! Während Jungs überall frei rumstreunern können, werden Mädchen in einer beschützenden Blase gehalten, die sie nicht nur sichert, sondern sie auch isoliert. Es wird ihnen abgeraten, auf Dates zu gehen und wenn sie das tun, halten Eltern ein strenges Auge darauf, wen sie da treffen. Keine späten Abende, übernachtet wird nur bei der besten Freundin, deren Eltern als respektable Leute bekannt sind und sie muss genau berichten, wo sie hingeht.

Es ist ein Vortäuschen der Freiheit. Eine Demo-Version, nicht die Vollversion. In den meisten Fällen endet die Demo am Punkt der Ehe, wenn von einem Mädchen, nach ihrem Studium und bereits voll in ihrer Karriere, erwartet wird, dass sie sich den Wünschen und Bedürfnissen ihres frischen Ehemannes und seiner Familie beugt. Denn das ist eine Tradition, mit der noch kaum irgendwo gebrochen wird! ‚Respektiere deinen Ehemann‘ bedeutet das zu tun, was er sagt.

Und von dem Punkt an sind die Erwartungen die gleichen, folgen die gleichen Abläufe und der gleiche Druck, der gleiche Schmerz und die gleichen Tränen. Also nein, auch die großen Städte sind dieses Probleme noch nicht losgeworden – in Wirklichkeit hat das noch andere Probleme aufgebracht, die ich nächste Woche diskutieren möchte.

Lass die alten Zeiten hinter dir – ‚Kein Sex vor der Ehe‘ ist eine veraltete Moralvorstellung – 13 Jan 16

In den vergangenen zwei Tagen habe ich von dem Druck erzählt, den insbesondere Frauen hier in Indien nach ihrer Hochzeit spüren: während sie bis zu dem Tag, an dem sie ihr Ehegelübde ablegen, Jungfrauen bleiben sollen, sollen sie nun so schnell wie möglich schwanger werden! In Indien lebt man in einer Gesellschaft mit jeder Menge Einschränkungen, wenn es um Moralvorstellungen geht. Das muss sich meiner Meinung nach ändern, um Raum für mehr Glück und Zufriedenheit in einem modernen Leben zu schaffen!

Es ist wahr, dass viele dieser Moralvorstellungen und Gedanken, wie man sich verhalten sollte, ihren Ursprung irgendwo in der Vergangenheit haben und damals hatten sie vielleicht auch ihre Richtigkeit. Früher hatten die Menschen zum Beispiel keine so hohe Lebenserwartung wie heutzutage. Um sicherzustellen, dass Kinder alt genug zum Überleben waren, bevor man selbst starb müsste man früh damit beginnen, sich fortzupflanzen. So kam es, dass es für ein verheiratetes Paar Sinn machte, sich bereits früh, gleich nach der Hochzeit darum zu kümmern. Und so kommt es, dass es auch heute in Indien noch normal ist, so schnell wie möglich Babys zu bekommen. Neun Monate nach der Hochzeit könnte es schon soweit sein!

Jedoch nicht vor der Hochzeit! Oh nein, unverheiratete Frauen sollten nie schwanger werden, das wäre eine Katastrophe! Früher hätte das wirklich ihren Ruin bedeuten können, denn Frauen waren diejenigen, die auf das Haus aufpassten, wären die Männer die Versorger waren. Sie hatten keine Möglichkeit Geld zu verdienen und sich selbst und ihr Kind zu versorgen!

Heute jedoch stehen die Dinge anders. Die äußere Umgebung hat sich verändert und auch die Gedanken sollten sich demnach ändern! Heutzutage können wir erwarten, dass wir lang genug leben, um unsere Kinder aufwachsen zu sehen und unsere Enkel sogar auch! Wir können also noch ein paar Jahre warten, bevor wir wirklich heiraten und noch ein paar Jährchen, bevor wir Kinder bekommen! Wir müssen nicht in Eile jemanden heiraten, den wir nicht kennen. Arrangierte Ehen machen keinen Sinn – man hat genug Zeit, jemanden zu finden, den man wirklich mag und mit dem man auch den Rest seines Lebens verbringen will! Und man muss sich auch mit Kindern nicht beeilen!

Auch sollten Frauen heutzutage die Möglichkeit haben, ihr eigens Geld zu verdienen und damit für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Wenn sie also Sex vor der Ehe haben, wenn sie schwanger werden und beschließen das Kind zu behalten, sollte das nicht das Ende der Welt bedeuten!

Leider sind wir hier in Indien noch nicht soweit, wie ihr wisst, wenn ihr meinen Blog öfter lest oder euch mit der Situation in Indien etwas auskennt. Doch wir sollten dorthin gelangen – und ich denke mit der Zeit wird das auch geschehen!

Wenn deine Schwiegermutter nach deiner Hochzeit deinen Menstruations-Kalender führt – 11 Jan 16

Zu Apras Geburtstag waren viele Freunde gekommen und es war wirklich schön, wieder einmal mit Ihnen zu reden! Als wir beisammen saßen, erzählte eine Freundin, die vor etwa einem Jahr geheiratete hat, wie viel Druck sie nicht nur von ihrer Familie und ihren Schwiegereltern bekam, sondern auch von der Gesellschaft allgemein. Was für Druck? Endlich schwanger zu werden!

Ja, hier in Indien ist es recht normal, dass einige Monate nach der Hochzeit – die natürlich arrangiert war – jeder die frohe Nachricht erhält: ein Baby ist auf dem Weg! So funktioniert es, so soll es sein und das ist schließlich der ganze Sinn der Ehe. Von dir wird erwartet Kinder zu bekommen, vorzugsweise Jungen, um sicherzustellen, dass der Familienname fortgeführt wird und dass du Erben für das Familiengeschäft zur hervorbringst! Das ist dein Haupt-Lebenszweck nach der Hochzeit: so schnell wie möglich Kinder zu bekommen!

Diese Freundin erzählte, dass sie und auch ihr Ehemann eigentlich recht zufrieden damit waren, nicht gleich Kinder zu bekommen, sondern stattdessen einfach etwas Zeit damit zuzubringen, einander kennen zu lernen und ihre Beziehung zu intensivieren. Das ist in Indien eine sehr ungewöhnliche Idee, da die meisten Menschen sagen, das Kind sei eine Art Kleber oder Magnet für die Eltern, die einander aufgrund des Kindes näher kommen! Während sie beide mit dieser Situation glücklich waren, waren das die Familien jedoch nicht! Sie war unglücklich über den Druck, der von überall her aufgebaut wurde!

Eine weitere Freundin, deren dreijährige Tochter in dem Augenblick mit Apra spielte, erinnerte sich an die gleiche Situation nach ihrer eigenen Hochzeit. Ihre Schwiegermutter hatte begonnen, sie jeden Monat anzurufen und zu fragen, ob sie bereits ihre Periode gehabt hatte. Sie begann sogar, im Kalender anzustreichen, wann ihre Schwiegertochter ihre Menstruation hatte und rief genau an diesen Tagen an, woraufhin sie immer wieder sehr enttäuscht war, wenn sie hörte, dass sie blutete, also nicht schwanger war!

Könnt ihr euch vorstellen, was für ein Gefühl das einer Frau gibt? Du bist praktisch nur als Brutstation da, sonst nichst! Egal, was du willst oder nicht – deine ganze Umgebung denkt, du musst ein Baby wollen. Sie warten alle auf die frohe Nachricht.

Wenn diese einige Monate lang oder sogar ein Jahr lang nicht kommt, beginnen die Gerüchte: sie müssen Probleme haben, schwanger zu werden! Wer der beiden ist wohl unfruchtbar? Sind sie in Behandlung? Oder ist er vielleicht nicht an Sex interessiert, etwa gar schwul?

Oh, Gerüchte-liebende Nachbarschaften freuen sich, solche Themen zu haben und sie riechen überall Skandale, auch wenn da nichts anderes ist als Mutter Natur am Werk!

Es ist lächerlich, dass wir Frauen und auch Männern sagen, wie ihr Leben aussehen sollte und wann sie im Leben was denken oder wünschen sollen! Es ist für eine Gesellschaft im Ganzen und auch für die individuellen Frauen nicht gesund. Denn was geschieht, wenn sie wirklich nicht schwanger werden können? Doch zu diesem Szenario morgen mehr.

Wenn Frauen die außerehelichen Affären ihrer Ehemänner akzeptieren – 7 Dez 15

Als ich in Deutschland war, haben einige Freunde Geschichten von ihren Freunden erzählt. Eine dieser Geschichten ließ mich an die Situation vieler Frauen hier in Indien denken und ich überlegte, ob es am Ende doch kein so großer Unterschied war: in Beziehungen beschließen manche Frauen einfach, die Affären ihrer Ehemänner zu akzeptieren. Aus Bequemlichkeit oder aus Angst.

Ein Freund erzählte mir, dass eine Frau, die er nun schon seit mehr als zwanzig Jahren kannte, schon eine ganze Weile lang mit ihrem Ehemann auf sehr ungewöhnliche Weise lebt: ihr Ehemann kommt sie nur etwa einmal die Woche besuchen. Den Rest der Woche lebt er bei seiner Freundin. Immer, wenn er heimkommt, ist es, als wären sie ein ganz normales Ehepaar: er bingt seine Wäsche heim, die sie wäscht, sie kocht für eine Person mehr und er ist eben einfach wieder daheim.

Sie schlafen jedoch nicht in einem Bett – und das war der Punkt in der Geschichte, an dem ich einfach fragen musste: was kam zuerst, dass sie in getrennten Betten schliefen oder die Freundin? Es war der Schlaf in getrennten Betten! Die Frau hatte ihrem Mann mal gesagt, dass sie keine Lust mehr auf eine sexuelle Beziehung zu ihm hatte. Sie wollte nicht mehr mit ihm schlafen und gab ihm die Möglichkeit, hinzugehen, wo er wollte, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Sie haben sich aus mehreren Gründen nicht getrennt, hauptsächlich, weil es so viel einfacher ist: sie regeln ihre Konten und Steuern gemeinsam, sie kann weiter so leben wie immer und er hat auch seine Freiheit. Sie verstehen sich gut, alles ist in Ordnung.

Ich musste an die Familien denken, die Ramona hier in Indien besuchen geht, die Eltern unserer Schulkinder, von denen die Frauen oft so tun, als hätten sie eine normale, glückliche Beziehung, während ihre Ehemänner außerhalb ihrer Ehe sexuell sehr aktiv sind. Es ist sogar von Außen ganz klar sichtbar, dass die Frau öfter allein ist, als mit ihrem Ehemann zusammen – doch sie halten das Bild einer Ehe aufrecht. Das Vorgeben eines Lebens zusammen als Paar, weil es einfacher ist als eine Trennung und für sie besser, als in einer Gesellschaft, die Scheidungen missbilligt.

Ich sahe Ähnlichkeiten, weil es so ziemlich das Gleiche ist. So ist es bequemer. Gleichzeitig will ich nicht darüber urteilen, ob das richti oder falshc ist oder vielleicht richtig im Kontext eines Landes und falsch in der Situation eines anderen! Es war einfach eine Ähnlichkeit, die ich gesehen habe und aufzeigen wollte – vielleicht findet ihr das ja auch interessant.

Ich bin pervers, weil ich verheiratet bin, Swami genannt werde und über Sex spreche – 10 Mai 15

Vor Kurzem habe ich einen Kommentar auf einen Blogeintrag bekommen, der eigentlich gar nichts mit dem zu tun hatte, was ich geschrieben hatte, sondern mit dem, wer ich bin. Oder mit dem, was diese Person von mir denkt. Und das war sehr deutlich. Hier ist dieser sehr kultivierte Kommentar:

“Du bist pervers, eine verheiratete Person hat kein Recht, sich selbst Swami zu nennen, warum verwendest du ‚siyaram‘ im Namen deiner Internetseite? Es ist irreführend, die meisten deiner Artikel sind über Sex“

Während ich solchen Versuchen, mich aus dem Gleichgewicht zu bringen, keine unnötige Aufmerksamkeit schenken möchte, musste ich über diesen Lachen und wollte gerne meine Gedanken mit euch teilen.

Lasst uns diesen Kommentar einmal analysieren: warum bin ich in den Augen dieser Person pervers? Ich bin verheiratet und werde Swami genannt, etwas, zu dem ich laut dieser Person kein Recht habe.

Wenn ich also verheiratet wäre und nicht Swami genannt würde, wäre das in Ordnung? Das nehme ich mal an, schließlich wäre ich wohl ein ganz normaler Ehemann, der seinen Blog schreibt.

Wenn ich Swami genannt würde und nicht verheiratet wäre, wäre das auch in Ordnung? Ja – dann würde ich wahrscheinlich genauso leben, wie viele andere Swamis das tun: sie haben Hunderte Freundinnen, schlafen überall mit ihren weiblichen Anhängern und zwingen oder erpressen sogar diejenigen, die freiwillig nicht in ihr Bett kommen. Sie tun all das, haben aber trotzdem Hunderte und Tausende Anhänger, die all das wissen und es einfach so akzeptieren, wie es ist. Sie können also wegen Vergewaltigung angeklagt werden und trotzdem heilige Gurus sein, während ich pervers genannt werde, weil ich eine Frau liebe und sie geheiratet habe? Großartige Logik, das muss man schon sagen!

Ich habe in meinem Blog bereits vor langer Zeit darüber geschrieben, dass ich ein Swami bin und meine Internetseite ‚Jaisiyaram‘ heißt. Ich habe diese Frage auch so schon oft beantwortet. Die Kurzversion ist, dass das Wort ‚Swami‘ einfach nur ‚Besitzer‘ heißt. Ich habe diesen Titel aufgrund meiner persönlichen Vergangenheit und ich glaube, dass ich ihn behalten kann, da ich wirklich mein eigener Herr bin. Niemand sonst – ich bin ich und mein!

Und dann wage ich es noch dazu, über Sex zu schreiben!

Ich glaube, dass ist das größte Problem für diese Person. Ja, ich liebe Sex und ich schreibe liebend gerne darüber. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich eine gewisse Verantwortung habe, darüber mit Kindern und anderen Menschen dieser Gesellschaft zu sprechen, in der Sex ein Tabu-Thema ist. Eine Gesellschaft, in der Swamis überall Sex haben können, es ihnen aber nicht erlaubt ist, offen über Sex zu sprechen.

Ich schreibt jedoch nicht, wie er meint, die meisten meiner Einträge über Sex! Und das ist es auch, womit ich diese Antwort auf den Kommentar beenden möchte: ich glaube, dass der wahre Perversling hier nicht ich bin. Der Perversling ist derjenige, der überall Sex sieht und liest und meint, dass es in den ‚meisten‘ meiner Einträge um Sex geht, während eigentlich nur 60 der insgesamt 2694 Einträge in der Kategorie ‚Sex‘ stehen!

Vergewaltigung in der Ehe gibt es in Indien nicht, weil die Institution hier heilig ist – 6 Mai 15

Ich möchte gerne über ein Thema schreiben, das in unserer Gesellschaft hier immer aktuell ist und damit auch in meinem Blog: Frauen in Indien. Der Grund dafür, dass ich heute wieder über die Probleme in diesem Zusammenhang schreibe, ist eine Aussage eines Regierungsministers, der vor Kurzem sagte, das Konzept einer Vergewaltigung in der Ehe würde in Indien einfach nicht existieren. Ist das nicht toll?

Hier eine kleine Erklärung, wie es zu dieser lächerlichen Aussage kam: ein weibliches Parlamentsmitglied zitierte den UN Population Fund, der befunden hatte, dass 75% der verheirateten Frauen in Indien von ihren Ehemännern vergewaltigt werden. Die Politikerin fragte die Regierung, was sie dagegen zu tun gedenken.

Die Antwort eines Ministers der regierenden Partei war, dass das eine Vorstellung aus dem Westen sei, die in Indien nicht existierte. Etwas, was ‚für unser Land nicht gut‘ sei! In Indien sei laut ihm eine Ehe eine heilige Verbindung und aufgrund religiösen Glaubens und der indischen Kultur geschehe das in Indien einfach nicht.

Schockiert euch eine solche Aussage? Ich sage euch, wir können von einer Regierung, die die Religion fördert und sich darauf konzentriert, alte Kultur und Tradition zu bewahren, nicht mehr erwarten! Trotzdem sitze ich als Inder hier und wundere mich über die fehlende Überlegung oder sogar mangelnde Intelligenz hinter solchen Aussagen!

Nach unserer alten, religiösen Kultur, gibt es auch das Konzept der Scheidung nicht! Scheidungen begannen in Indien erst, als Indien unabhängig wurde und unsere Verfassung geschrieben wurde. In die ‚Hindu Code Bills‘ wurden Paragrafen zur Scheidung und zu Frauenrechten mit aufgenommen. Erst von da an war es illegal, eine zweite Ehefrau zu haben. Damals gab es große Proteste mit dem Argument, es sei nicht Hindu-Kultur, seinen Ehemann zu verlassen, denn laut dem Hinduismus heiratet ein Paar immer für die nächsten sieben Leben. Protester sagten, solche Gesetze würden die religiöse Kultur zerstören.

Ich nehme mal an, dieser Minister vergisst auch, dass es in dieser großartigen Kultur auch einmal Tradition war, die Witwe zusammen mit ihrem verstorbenen Mann zu verbrennen, weil sie dann wieder als seine Frau wiedergeboren würde. Rajaram Mohan Roy schuf ein Gesetz, um diese Tradition zu beenden – aber trotzdem gab es Menschen, die das lange Zeit weitergemacht haben und glaubten, es würde ihre Kultur zerstören, wenn sie das nicht täten!

Damals war es Hindus noch erlaubt, viele Ehefrauen zu haben und in Tempeln hatten Priester religiöse Prostituierte, Devadasis genannt, um ihr sexuelles Verlangen zu stillen!

Das war alles einmal unsere Kultur. In der Geschichte sieht man die Situation unserer Gesellschaft, der Traditionen dieses Landes und des Glaubens der Menschen! Und durch den Lauf der Geschichte sieht die Hindu Religion Frauen als zweitklassige Bürger. Sie sind nur wie Gegenstände, da zum Gebrauch und zum Kinder gebären.

Die UN kann sagen, dass 75% der verheirateten Frauen vergewaltigt werden und dass es als Verbrechen angesehen wird. Unsere nationalistische, religiöse Regierung jedoch stimmt dem nicht zu, weil es ‚gegen Religion und Kultur‘ ist! Ja, in diesem Land verwenden Männer Vergewaltigung, um Frauen ihren Platz zu zeigen, um ihnen zu zeigen, dass sie das ‚schwächere Geschlecht‘ sind! Und wenn eine Frau sich über eine Vergewaltigung beschwert, so war es ihre Schuld – sie hat den Mann dazu gezwungen, sie zu vergewaltigen, indem sie die falsche Kleidung getragen hat oder sich falsch verhalten hat! Wenn man etwas großzügiger ist, ist Vergewaltigung ein ‚Fehler von Jungs‘ – wie der Vater des Chief Ministers Mulayam Singh Yadav unseres Bundesstaates einmal sagte.

In der traditionellen indischen Kultur ist eine Frau das Eigentum ihres Ehemannes. Er hat alle Rechte, was seine Frau angeht. Frauen lernen das schon früh. Ein Mann erlaubt seiner Tochter nicht, unbekannte Jungen anzusehen oder mit ihnen zu sprechen. Sie wird an einem Hochzeitstag einem Fremden gespendet und dazu gezwungen, mit jemandem zu schlafen, den sie nicht kenn. Ist erzwungene arrangierte Ehe denn weniger als Vergewaltigung?

Aber nein, Vergewaltigung in der Ehe gibt es in unserem Land nicht. Die UN muss falsch liegen. Jede Frau, die sich beschwert, muss falsch liegen.