Wie eine Inderin davonlief, als ihr eine Arbeit als Kellnerin angeboten wurde – 4 Mai 16

Natürlich haben wir nun mit dem Restaurant alle Arten von Erfahrungen, nicht nur mit unseren Mitarbeitern oder mit Gästen, sondern auch mit Leuten, die nach Arbeit suchen. Neulich war da eine Frau, die wieder einmal das bestätigte, worüber ich zuvor bereits geschrieben habe: viele Menschen denken für bestimmte Arbeiten, sie seien zu gut für sie. In unserem Restaurant haben wir das auch erlebt.

Eines Tages betrat eine Frau unser Restaurant zusammen mit ihrer Tochter und kam direkt zu mir zur Kasse. Sie stellte sich und ihre Tochter kurz vor und erklärte warum sie da waren: ihre Tochter, zwanzig Jahre alt, studierte gerade, um Diplomkauffrau zu werden und suchte eine Arbeit nebenbei. Sie sagte wörtlich: ‚Sie kann jede Art von Arbeit übernehmen‘.

Von der Art, wie sie hereinkamen und erklärten, dass die junge Frau mit dem Computer umgehen konnte, war ziemlich klar, dass sie eigentlich an der Kasse arbeiten wollte. Ich dachte eine Sekunde darüber nach, wie genau ich antworten sollte, doch als die Frau weitersprach und sagte ‚Bitte, wir brauchen gerade das zusätzliche Geld‘, antwortete ich: ‚Wir würden uns freuen, Ihre Tochter zu unseren Mitarbeitern zu zählen. Am Computer arbeiten wir selbst, doch wir brauchen etwas Hilfe bei der Bedienung.‘

Ich konnte förmlich sehen, wie der Verstand der Frau diese Information verarbeitete und wie sich die Reaktion deutlich auf ihrem Gesicht ausbreitete: Unglauben und bald darauf eine Art Entrüstung über meinen Vorschlag! ‚Sie meinen meine Tochter soll hier Wasser und Essen austeilen?‘

Ich wusste nun bereits, wie es um die Einstellung dieser Familie stand: dieses Mädchen würde hier nicht arbeiten… Ich stellte klar: ‚Ja, das beinhaltet das Servieren von Wasser und Mahlzeiten, das Willkommen-Heißen von Gästen und Ähnliches.‘

Oh, das gefiel ihr gar nicht, aber ich fuhr fort: ‚Meinen Sie etwa, dass sei niedere Arbeit? Ich tue das selbst, es ist sehr wichtige und respektable Arbeit!‘ Die Mutter war jedoch sehr erzürnt und rief fast: ‚Aber sie ist gebildet, sie macht ihren Universitätsabschluss!‘ Ich antwortete: ‚Aber Sie haben doch gesagt, sie würde jede Arbeit machen!‘ Ohne weitere Antwort nahm sie ihre Tochter beim Arm und stürmte aus dem Restaurant.

Ich weiß, dass das ein sehr übliches Problem ist: die Leute meinen, dass sie für gewisse Arbeiten zu gut sind. Arbeiten, die von Menschen gemacht werden, die gesellschaftlich unter ihnen stehen. Daran glaube ich nicht. Jede Arbeit ist notwendig und muss auch respektiert werden. Du brauchst Arbeit, denkst aber, du seist zu gut für das, was wirklich gebraucht wird? Tja, dann passt du hier nicht rein und dann wird dir unsere Denkweise sowieso nicht gefallen!

Ehe ist ein Band der Liebe – Kinder beweisen, dass das Geschlecht keine Rolle spielt! – 15 Mär 16

Während wir die letzten Tage in Gurgaon verbracht haben, fand eine Veranstaltung statt, zu der Ramona gegangen wäre, wäre sie in Vrindavan gewesen: ein Mädchen, das an unserer Schule gelernt hatte, heiratete. Warum ich jedoch nun hierüber schreibe, ist nicht diese Tatsache, sondern vielmehr Apras Reaktion darauf, als wir diese junge Frau gestern trafen!

Das Mädchen, von dem ich schreibe, hat später mit der Schule begonnen als Kinder es gewöhnlich tun – und so haben ihre Eltern beschlossen, sie nun zu verheiraten. Nach ihrer Hochzeit war sie einige Tage zu ihrem Ehemann nach Hause gegangen. Gestern kam sie wieder zurück und da sie in der Nähe wohnt, machte sie auf dem Weg einen kleinen Zwischenstopp in unserem Restaurant. Sie war in Begleitung ihrer Schwester und beide unterhielten sich eine Weile lang mit Ramona. Natürlich stand Apra da neben ihnen, sah und hörte zu.

Nachdem sie gegangen waren, fragte Apra Ramona: ‘Ma, hat sie eine Frau oder einen Mann geheiratet?‘

Für uns war das eine Frage, die uns glücklich und irgendwie zufrieden machte: unsere Definition der Ehe, von der wir natürlich auch Apra erzählt haben, ist, dass zwei Menschen einander so sehr lieben, dass sie beschließen, auf immer zusammen zu leben. Bitte anmerken: zwei Menschen, nicht ein Mann und eine Frau.

Da die Mehrheit der Ehen in unserem Umfeld aus einem Mann und einer Frau bestehen, waren wir uns nicht komplett sicher, ob Apra sich dieser Einzelheit bewusst war oder nicht. Diese Frage jedoch bestätigte: für Apra ist es einfach natürlich, dass sich zwei Männer oder zwei Frauen genauso sehr lieben können, wie ihre Ma und ihr Pa es tun.

Es ist für sie ganz natürlich zu fühlen und zu glauben – und ich glaube, solange man Kindern nicht aktiv beibringt, anders zu denken, wachsen Mädchen und Jungs zu Erwachsenen heran, die Homosexualität als normal betrachten. Etwas, das mit den Gefühlen einer Person zu tun hat.

Als wir über diesen Vorfall sprachen, erzählte Ramona mir lachend von einer weiteren Unterhaltung, die sie mit unserer Tochter hatte: Apra und sie erfanden eine Geschichte über zwei Prinzessinnen. Sie waren Schwestern und Apra beschloss, dass sie auch heiraten würden, doch als Ramona einwarf, dass man seine Schwester nicht heiraten kann, antwortete Apra: ‚Okay, sie können einen Prinzen heiraten. Aber den müssen sie teilen!‘

Das, meine liebe Tochter, ist Promiskuität und ein Thema, über das wir ein anderes Mal sprechen werden! 🙂

Sei vorsichtig, wenn du über andere urteilst – sie könnten das Gleiche mit dir tun! – 22 Feb 16

Meint ihr nicht auch manchmal, dass wir ein bisschen zu schnell über andere urteilen? Dass wir beschließen, eine gewisse Meinung über sie zu haben, begründet rein auf das, was wir über eine sehr kurze Zeit von ihnen gesehen haben, wie sie sich in einer bestimmten Situation verhalten haben? Merkst du, dass über dich manchmal auch so geurteilt wird?

Meiner Meinung nach müssen wir urteilen. Ja, wir müssen darüber urteilen, was richtig ist und was falsch, gut oder schlecht, sonst werden wir nie im Leben in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen. Mit unserem Urteil über andere jedoch sollten wir anders umgehen! Man muss schnell urteilen, ob man Weg A oder B gehen will, doch wenn man jemand anderen trifft, ist man nicht in Eile und muss manchmal vielleicht auch nicht einmal ein Urteil fällen!

Sieh, wir bekommen im täglichen Leben für gewöhnlich nur einen flüchtigen Blick auf andere Leute. Außer, wenn du viel Zeit mit dem anderen verbringst, kannst du nicht wirklich verstehen, wo er oder sie herkommt, warum derjenige so handelt, wie er handelt und was in seinem Kopf vor sich geht.

Du gehst also durch dein Leben und erhascht einen flüchtigen Blick auf die Leben anderer Menschen. Manche von uns fällen gleich ihr Urteil: Die Frau im Anzug ist geldgierig. Der Mann mit seinen zwei Kinder ist ein guter Vater. Die alte Frau mit einer Tasche leerer Flaschen ist Alkoholikerin. Aber woher wissen wir das alles wirklich?

Das Leben ist nicht achwarz auf weiß. Umstände führen zu Handlungen, viele Farben ergeben ein Bild. Dein Weg muss nicht immer der richtige sein. Vielleicht für dich, vielleicht nicht für andere um dich herum! Du fühlst dich gut, so wie du lebst, doch es mag andere geben, die anders leben wollen und nur weil dir das nicht gefallen würde, gefällt es jedoch ihnen!

Indem wir urteilen, versuchen wir die Welt zu kategorisieren und sie in ein System zu stecken, in das sie nicht wirklich hineinpasst. Wir erkennen nicht, dass wir in der Folge manchmal negativ auf andere reagieren, was völlig unnötig ist. Wir verhindern mit diesem schnellen Urteil vielleicht sogar, dass uns positive Dinge passieren.

Bleibe offen. Das hilft dir unglaublich bei dem Versuch, nicht über andere zu urteilen. Erinnere dich daran, dass es vielleicht andere Umstände gibt, als die, die du gleich siehst. Und selbst wenn du etwas nicht zustimmst, steht es dem anderen doch frei anders zu denken und zu handeln, oder? Oft hat das auch auf dich überhaupt keine Auswirkung, also kannst du es einfach so stehen lassen, anstatt auf den Unterschied zu reagieren.

Ich denke es würde den meisten von uns helfen, all diese Punkte zu bedenken, wenn wir andere Leute treffen. Seid offen füreinander und für alles Neue, was auf euch zukommt!

Das Handy als neues Mittel zur Bestechung von Kindern – 26 Jan 16

Wir sind nun wieder in Vrindavan und obwohl unser Ausflug nach Delhi – oder Gurgaon – eigentlich nicht erfolgreich war und seinen Zweck nicht erfüllt hat, haben wir natürlich ein paar weitere Eindrücke gesammelt. Viele von diesen haben etwas mit Apra zu tun, mit der es immer Spaß macht auf Reisen zu sein, egal wohin. Die Menschen reagieren auf sie, nicht nur sie auf die Menschen – und dieses Mal fand ich eine Art, sich ihr zu nähern seltsam: ein Mann bot ihr an, mit seinem Handy zu spielen!

Wir waren im Hotel beim Frühstück, etwas, was Apra immer in vollen Zügen genießt. Sie nahm sich mal was von meinem Teller, mal etwas von Ramonas, dazwischen zur Abwechslung auch mal von ihrem eigenen Teller. Während wir so unsere Bäuche mit Früchten, Toast und mehr füllten, kam der Restaurant-Manager des Hotels an unseren Tisch um zu fragen, ob alles in Ordnung war. Ramona und ich antworteten, dass es uns sehr gut schmeckte.

Apra winkte zurück, als er ihr zuwinkte, aber als sie gefragt wurde, wie sie hieß, war sie zu schüchtern oder vielleicht zu beschäftigt um zu antworten. Er fragte sie, wie es ihr ginge und als sie auch darauf nicht antwortete, fragte er: ‚Möchtest du mein Handy haben?‘

Ramona und ich wussten beide, dass dies auf Apra nicht die gewünschte Wirkung hatte. Wir geben ihr keine Videospiele, sie hat ein paar Bildungs-Spiele auf unserem iPad und im Allgemeinen ist sie nicht verrückt nach Telefonen. Wie erwartet schüttelte Apra ihren Kopf und aß weiter, was den Herrn schließlich dazu bewegte, weiterzugehen.

Ramona und ich sahen einander an und wir wussten, dass wir das Gleiche dachten: ist das etwas Neues, um Kinder dazu zu bringen, einen zu mögen? Indem man ihnen sein Handy anbietet?

Wenn ja, so halte ich das für eine traurige Entwicklung unserer Gesellschaft! Ein Kind mit einem Videospiel zu bestechen? Versuchen wir nicht sowieso, unseren Kindern beizubringen, mit allen nett und freundlich zu sein, nicht nur mit denen, die uns etwas geben? Und meinst du wirklich, wenn das Kind dein Telefon nimmt, um damit zu spielen, so hätte es dann einen Grund, mit dir zu sprechen? Das Kind wird vom Telefon völlig aufgesogen und lässt sich sicher nicht auf eine Unterhaltung mit dir ein.

Als Eltern fragen wir uns besonders, was du denn meiner Tochter auf deinem Handy überhaupt zu tun geben würdest. Welche Art von Spielen würdest du ihr geben – und was, wenn wir dem nicht zustimmen würden? Ein weiterer Gedanke, dieser etwas lustiger – was würdest du sagen, wenn sie beginnen würde, sich deine Bilder anzusehen? Oder würdest du ihr schließlich das Telefon gar nicht geben? Wolltest du sie nur zu irgendeiner Reaktion bringen?

Wir bringen Apra bei, höflich Fragen nach ihrem Namen und ihrem Wohlbefinden zu beantworten. Während sie diese Manieren vielleicht noch nicht immer befolgt, wäre es mir lieber, wenn du nicht versuchen würdest, sie zu bestechen. Etwas normale Unterhaltung wäre viel besser und meiner Meinung nach viel wirkungsvoller!

Warum junge Inder nicht viel überlegen müssen, bevor sie ihre Eltern anlügen – 18 Jan 16

parenting

Letzte Woche habe ich euch von den Metro-Städten in Indien erzählt, in denen Eltern an Traditionen festhalten, um sich nicht in all den neuen Dingen des modernen Lebens zu verlieren. Während sie auf vielerlei Weise versuchen modern zu sein, bringt sie insbesondere das Großziehen von Töchtern wieder zurück zur Tradition – und das kann einiges an Problemen verursachen!

In den letzten Monaten habe ich viele junge Inder getroffen und viele von ihnen waren aus Delhi. Wir haben über viele Dinge gesprochen, unter anderem über den Lebensstil, den Mädchen und junge Frauen in Delhi haben. Sie studieren und beginnen nach ihrem Universitätsabschluss selbst zu arbeiten. Sie fahren mit der Straßenbahn und Auto-Rickschas quer durch Delhi, nehmen die Angebote der großen Stadt an und genießen ihr Leben. Da gibt es jedoch ein Problem: sie können mit ihren Eltern nicht in allen Dinge offen sein!

Mehrere der jungen Frauen, die uns besucht haben, erzählten, dass sie auch auf Dates gingen. Viele verbrachten ihre Zeit gerne mit männlichen und weiblichen Freunden gleichermaßen und einige von ihnen hatten in der Vergangenheit bereits feste Freunde. Sie gingen in die Nachtvorstellungen von Filmen und übernachteten sogar bei ihren Freunden.

Natürlich war das nichts, was sie ihren Eltern erzählten! Ich sage hier ‚natürlich‘, weil es in Indien immer noch völlig undenkbar ist, dass unverheiratete junge Leute die Nacht zusammen verbringen. Und sie wissen ganz genau, dass ihre Eltern das nicht erlauben würden und dass sie ihnen stattdessen jede Menge Probleme machen würden von unbequemen Diskussionen vielleicht sogar bis hin zu Hausarrest.

Die jungen Frauen erzählten mir ganz offen, dass sie stattdessen eben lügten. Sie erklärten ihren Eltern, dass sie Arbeit für die Uni hatten oder dass sie bei ihrer besten Freundin übernachten würden, die die Eltern gut kannten. Die Wahrheit würde alle unglücklich machen, meinten sie.

Das kann nicht richtig sein. Es ist von beiden Seiten nicht richtig, aber als Eltern sollte man darüber nachdenken, warum dein Kind das Gefühl hat, es müsste dich anlügen. Was machen wir, wenn wir in modernen Zeiten krampfhaft an veralteten Traditionen festhalten? Wir schaffen Abstand zwischen Eltern und Kindern. Deine Kinder, nun selbst junge Erwachsene, wissen, was du ihnen nie erlauben würdest. Sie wissen auch, was sie tun könnten. Sie sehen Filme und wollen die gleiche Freiheit, besonders in einer Stadt, wo das so einfach wäre!

Und vor allem wollen Mädchen das tun, was ihre Brüder tun. Warum lasst ihr diese nachts frei herumstreunern? Warum rufst du sie nicht dreimal an, wenn es nach zehn Uhr abends ist, um zu sehen, wann sie denn nun heimkommen? Warum ist für dich der Gedanke in Ordnung, dass sie vielleicht eine Freundin haben, aber nicht der Gedanke, dass deine Tochter vielleicht einen Freund hat?

Mit solchen Verboten bringst du deine Kinder zum Lügen. Sei offen mit ihnen und sprich über die Dinge. Gib ihnen mehr Freiheit und sie werden sich an die Regeln halten, die dir wirklich wichtig sind. Vor allem werden sie sicher sein, weil sie zu dir kommen und dir von ihren Problemen erzählen können. Ansonsten bekommst du die Lügen!

Lass die alten Zeiten hinter dir – ‚Kein Sex vor der Ehe‘ ist eine veraltete Moralvorstellung – 13 Jan 16

In den vergangenen zwei Tagen habe ich von dem Druck erzählt, den insbesondere Frauen hier in Indien nach ihrer Hochzeit spüren: während sie bis zu dem Tag, an dem sie ihr Ehegelübde ablegen, Jungfrauen bleiben sollen, sollen sie nun so schnell wie möglich schwanger werden! In Indien lebt man in einer Gesellschaft mit jeder Menge Einschränkungen, wenn es um Moralvorstellungen geht. Das muss sich meiner Meinung nach ändern, um Raum für mehr Glück und Zufriedenheit in einem modernen Leben zu schaffen!

Es ist wahr, dass viele dieser Moralvorstellungen und Gedanken, wie man sich verhalten sollte, ihren Ursprung irgendwo in der Vergangenheit haben und damals hatten sie vielleicht auch ihre Richtigkeit. Früher hatten die Menschen zum Beispiel keine so hohe Lebenserwartung wie heutzutage. Um sicherzustellen, dass Kinder alt genug zum Überleben waren, bevor man selbst starb müsste man früh damit beginnen, sich fortzupflanzen. So kam es, dass es für ein verheiratetes Paar Sinn machte, sich bereits früh, gleich nach der Hochzeit darum zu kümmern. Und so kommt es, dass es auch heute in Indien noch normal ist, so schnell wie möglich Babys zu bekommen. Neun Monate nach der Hochzeit könnte es schon soweit sein!

Jedoch nicht vor der Hochzeit! Oh nein, unverheiratete Frauen sollten nie schwanger werden, das wäre eine Katastrophe! Früher hätte das wirklich ihren Ruin bedeuten können, denn Frauen waren diejenigen, die auf das Haus aufpassten, wären die Männer die Versorger waren. Sie hatten keine Möglichkeit Geld zu verdienen und sich selbst und ihr Kind zu versorgen!

Heute jedoch stehen die Dinge anders. Die äußere Umgebung hat sich verändert und auch die Gedanken sollten sich demnach ändern! Heutzutage können wir erwarten, dass wir lang genug leben, um unsere Kinder aufwachsen zu sehen und unsere Enkel sogar auch! Wir können also noch ein paar Jahre warten, bevor wir wirklich heiraten und noch ein paar Jährchen, bevor wir Kinder bekommen! Wir müssen nicht in Eile jemanden heiraten, den wir nicht kennen. Arrangierte Ehen machen keinen Sinn – man hat genug Zeit, jemanden zu finden, den man wirklich mag und mit dem man auch den Rest seines Lebens verbringen will! Und man muss sich auch mit Kindern nicht beeilen!

Auch sollten Frauen heutzutage die Möglichkeit haben, ihr eigens Geld zu verdienen und damit für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Wenn sie also Sex vor der Ehe haben, wenn sie schwanger werden und beschließen das Kind zu behalten, sollte das nicht das Ende der Welt bedeuten!

Leider sind wir hier in Indien noch nicht soweit, wie ihr wisst, wenn ihr meinen Blog öfter lest oder euch mit der Situation in Indien etwas auskennt. Doch wir sollten dorthin gelangen – und ich denke mit der Zeit wird das auch geschehen!

Die schrecklichen Folgen des Drucks auf Frauen, Kinder zu bekommen – 12 Jan 16

pregnency test

Gestern habe ich euch von den Erwartungen erzählt, die indische Eltern, Schwiegereltern und die Gesellschaft an frisch verheiratete Pärchen stellen: sie sollten so schnell wie möglich Babies bekommen, sonst stimmt mit ihnen etwas nicht! Das ist jede Menge Druck besonders auf die Frau, die nämlich diejenige ist, die ständig gefragt wird und von der erwartet wird, dass sie Bericht erstattet. Viele Frauen glauben wirklich, dass genau das nach der Ehe sowieso geschehen sollte und auch sie wollen das. Sie wollen ein Kind empfangen – doch diese Entscheidung liegt nicht immer am Menschen! Manchmal klappt es einfach nicht. Und genau da kann dann der Druck der Gesellschaft für sie zu viel werden!

Ich habe schon viele Frauen getroffen, die nicht schwanger werden konnten oder deren Fötus einfach nie wuchs. Ich habe mit Frauen auf der ganzen Welt über ihre mentalen, emotionalen und körperlichen Probleme gesprochen. Der Stress ist für sie alle groß – aber in Indien ist der Druck von außen von Weitem am Größten!

Natürlich ist es eine unglaubliche emotionale Belastung, wenn man es schon lange versucht und mehrere Fehlgeburten hatte oder einfach nie schwanger wurde. Es ist auch körperlich eine Herausforderung. Es ist eine mentale Belastung. Doch im Westen ist es üblicherweise eine Art Stress, die vom Inneren der Frau heraus kommt. Es entsteht von ihrem Wunsch, ein Baby zu haben und der Tatsache, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung ging sowie der Angst, dass es vielleicht nie Wirklichkeit wird.

In Indien hat die Belastung ihren Ursprung meistens in der Angst, andere zu enttäuschen, im Wunsch anderer, ein Enkelkind zu haben, in der Erwartung und dem Druck – denn das ist es – Kinder zu bekommen. Die Angst, als unfähig angesehen zu werden, nicht in der Lage, die grundlegendste deiner Pflichten als Frau zu erfüllen und der emotionale Schmerz, die Wünsche anderer nicht erfüllen zu können. Gepaart mit dem Bedauern, dass die eigenen Gefühle überhaupt nicht zählen. Die eigene Enttäuschung spielt vielleicht auch eine kleinere Rolle, wird jedoch von den Einflüssen aus dem Außen bei Weitem überschattet!

Natürlich gibt es auch in Indien Maßnahmen, die man ergreifen kann, wenn man kein Kind bekommen kann. Fruchtbarkeitstests für beide Partner, Geräte, mit denen man die Zeit des Eisprungs messen kann, mehrere Methoden, die helfen, natürlich zu empfangen und natürlich künstliche Befruchtung. Neben der Tatsache, dass viele junge Paare für einige dieser Behandlungen Kredite aufnehmen müssen, um dafür zahlen zu können, sind sie emotional genauso schmerzvoll wie körperlich! Nach dem Scheitern – und leider sind die Chancen auf Erfolg oft entmutigend niedrig – sind Frauen am Boden zerstört! All ihre Hoffnungen auf Glück, Liebe und Respekt von Außen gingen verloren, zusammen mit den Eiern oder Embryos, die ihren Körper wieder im nicht-schwangeren Zustand zurückgelassen haben!

Frauen bekommen Depressionen. Sie verlieren die Lust am Leben. Es gab sogar Selbstmorde aus diesem Grund! Besonders aufgrund arrangierter Ehen, die ein Handelsgeschäft der Heirat sind und wo Liebe in der Gleichung keine Rolle spielt. Es ist als hätte der Bräutigam beschädigte Ware bekommen, die nicht gut funktioniert und nicht die Waren hervorbringt, die sie sollte!

Es ist nicht zu glauben, dass wir aufgrund dieser dummen Erwartungen Leben verloren haben! Natürlich haben Eltern das Recht, sich Enkelkinder zu wünschen. Doch sie haben kein Recht dazu, Druck auszuüben und die ganze Gesellschaft sollte eines wissen: indem man das Phantom eines zukünftigen Kindes höher schätzt als die Gefühle der Frau, macht man sie krank. Ihr tötet sie mit jeder monatlichen Blutung Stück für Stück! Ist es das, was ihr wollt? Das kann ich nicht glauben!

Also lasst bitte Paare sich verlieben und aus Liebe heiraten. Lass sie entscheiden, wann die Zeit richtig ist für ein Kind. Lass sie ihr eigenes Leben leben. Sei für sie da, wenn du gebraucht wirst – sei es als Hilfe beim Windeln-wechseln oder, damit sie sich bei dir ausweinen kann, wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht!

Arbeit für beide Geschlechter, doch der Haushalt bleibt den Frauen überlassen – 10 Dez 15

Gestern habe ich begonnen, über die Rollenverteilung der Geschlechter zu sprechen und wie sie auch im Westen noch gegenwärtig ist, wenn auch nicht so stark,wie man sie in Indien sieht. Während ich mich gestern eher darauf konzentriert habe, dass Männer Druck bekommen, nicht ‚unmännlich‘ zu sein, indem sie zum Beispiel Aufgaben im Haushalt erledigen, müssen sich Frauen jedoch auch noch gegen veraltete Vorstellungen von Leuten gegenüber ihrem Geschlecht durchsetzen.

Natürlich erwarten viele Familien in Indien, dass Frauen daheim bleiben, während im Westen bereits Generationen von Kindern mit arbeitenden Müttern aufwuchsen – sei es halbtags oder ganztags! Von Frauen wird nicht erwartet, dass sie nach der Ehe Hausfrauen sind. Die Infrastruktur für arbeitende Mütter hat sich verbessert.

Aber es ist auch nicht perfekt. Frauen sind nicht frei von dieser Rollenverteilung und der Erwartung, wie sie sich verhalten sollen. Wir haben in so vielen Aspekten noch keine Geschlechtergleichheit erreicht: die Chancen für Frauen, ins Management zu kommen, sind niedriger und ihr Gehalt ist auch niedriger als das von männlichen Angestellten in den gleichen Positionen! Und in den Köpfen der Menschen ist die Ungleichheit noch viel schlimmer, was oft die Frauen selbst dazu bringt, ihre eigene Selbstständigkeit und ihre Rolle in der Familie und der Gesellschaft in Frage zu stellen!

Man sieht das daran, wie eine Familie aufgebaut ist. Es mag ja normaler sein, dass eine Mutter auch zur Arbeit geht, aber gleichzeitig sieht man oft, dass sie trotzdem diejenige ist, die eine Mehrzahl von Arbeiten im Haus übernimmt. Auf der Arbeit mag sie die taffeste Frau sein, aber zuhause hält sie es für richtig, dass sie das Kochen übernimmt und die Kinder abholt. Ihr Ehemann, der genauso lange gearbeitet hat wie sie, legt sich auf die Couch. Oft sehen beide da gar nichts falsch dran, bis sie plötzlich unter extremem Stress, Depressionen und Burnout leidet. Sie hat alles geschultert, dachte, es sei ihre Aufgabe, eine moderne, arbeitende Frau zu sein und dabei gleichzeitig eine perfekte Hausfrau und Mutter!

Ich habe viele Frauen getroffen, die sich alle diese Aufgaben selbst aufbürden. Sie willkommen die Idee, dass sie unabhängig sein können, Männern gleich gestellt und dass sie so lange und hart arbeiten können, wie sie – doch sie erwarten von sich selbst trotzdem, all die Aufgaben perfekt erledigen zu können, die ihre Großmütter daheim auch erledigten! Sie vergessen, dass ihre Großmütter nicht nur das taten. Nicht, dass es nicht gewürdigt werden soll – aber du kannst nunmal nicht Superwoman sein und Arbeit, Haushalt und Kinder gleichzeitig perfekt managen!

Leider spielen Männer auch eine Rolle darin, diesen Glauben zu stärken: es ist so bequem, wenn die Ehefrauen alles machen, warum also helfen? Warum aufstehen und das Geschirr selbst spülen? Warum die eigenen Hemden bügeln, wenn es doch jemand für dich tut?

Weil du deine Frau liebst und willst, dass deine Töchter auch starke Frauen werden. Bringe deinen Söhnen bei, dass sie daheim helfen können, indem du ihnen ein Beispiel bist. Zeige deinen Töchtern, dass Männer und Frauen einander helfen und Arbeit und Haushalt zusammen meistern! Übernimm daheim Verantwortung – schließlich hilft deine Frau durch ihre Arbeit finanziell auch mit!

Wir stecken immer noch in veralteten Geschlechterrollen und es wird noch eine lange Weile dauern, bis wir da rauskommen und Gleichberechtigung erreichen. Solange wir jedoch einen Schritt nach dem anderen machen, können wir eines Tages dort ankommen!

Nein, das Haus zu putzen ist überhaupt nicht unmännlich – 9 Dez 15

Als ich gestern über das Schulbuch schrieb, das vorschlug, dass man sich vor mindestens einem Familienmitglied, meistens dem Vater, fürchten sollte, musste ich ein wenig über Geschlechterrollen nachdenken. Ich kam zu dem Schluss, dass selbst in modernen Ländern die Menschen immer noch mit dem Probleme haben, was sie ‚tun sollten‘, einfach nur, weil sie entweder Mann oder Frau sind.

Natürlich ist in Indien die traditionelle Verteilung von Aufgaben nach dem Geschlecht immer noch sehr gegenwärtig. Der Mann ist der Versorger der Familie. In vielen Familien gehen die Frauen nur zur Arbeit, wenn die Familie sonst überhaupt nicht überleben kann. Selbst unter den armen Familien unserer Schule gibt es jedoch auch einige jener Väter, die es als große Schande sehen würden, wenn ihre Frau arbeiten und zum Familieneinkommen beitragen würde! So kommt es, dass sie lieber hungrig ins Bett gehen, als ihre Frau arbeiten zu lassen. Und das, obwohl die Frau mehr als willig ist, arbeiten zu gehen!

Natürlich bleiben in Indien viele Frauen nach ihrer Ehe und wenn sie Kinder haben immer noch daheim, obwohl sie an einer Universität studiert haben. Sie haben Master-Studiengänge abgeschlossen, doch weil sie Frauen sind haben sie die Aufgabe, sich um das Haus zu kümmern, Kinder zur Welt zu bringen und sie großzuziehen.

Doch im Westen habe ich auch gesehen, dass sich beide, Frauen und Männer, ohne diese Rollen immer noch nicht völlig wohl fühlen. Ich finde es auch völlig in Ordnung, wenn eine Frau als Mutter daheim bleiben und die Kinder großziehen möchte. Wenn es finanziell möglich ist und sie glücklich macht, würde ich das empfehlen. Doch gleichzeitig sollte es genauso in Ordnung sein, wenn stattdessen ihr Ehemann beschließt, das zu tun! Sie geht zur Arbeit und finanziert das Haus, während der Ehemann die Arbeit von der Wäsche bis zu den Windeln übernimmt!

Leider werden Männer, die sich für diesen Weg entschieden, oft ausgelacht. Ihre Anstrengungen werden herabgesetzt – was nur zeigt, wie wenig du in der Tat die Frauen respektierst, die all diese Arbeit tun! Du denkst immer noch, dass die ganze Arbeit, die daheim erledigt wird, weniger wichtig ist, weniger schwierig und von jemandem erledigt werden kann, der nicht für die ‘höhere Arbeit‘, die, bei der man Geld verdient, geeignet ist! Was für ein Unsinn! Das beste Heilmittel für jeden, der so denkt, wäre, es einfach mal an sich selbst auszuprobieren! Nimm die Herausforderung an und zeige mir, wie du das ganze Haus putzt, einkaufen gehst, für die ganze Familie kochst und jedermanns Klamotten wäscht, während zwei Kleinkinder um dich herumtoben!

Ist es nicht unglaublich, dass auch heute noch, 15 Jahre nach Beginn des 21. Jahrhunderts, so viele Menschen denken, es sei unmännlich, seine eigene Kleidung zu waschen und sein eigenes Essen zu kochen, geschweige denn, seine Sprösslinge zu füttern, die für einen eines Tages das gleiche tun werden?

Es ist der gleiche Grund, aus dem Menschen meinen, Männer sollten nicht weinen, der gleiche Grund, aus dem man im Westen Frauen Hand in Hand laufen sieht, aber keine Männer. Warum Zuneigung zu zeigen etwas ist, was Frauen machen und Alkohol die Lösung für Probleme ist anstatt dass mans über seine Gefühle redet!

Höre auf, dem Mann so viel Druck aufzubürden und dabei die Fähigkeiten der Frauen nicht wert zu schätzen und zu respektieren! Frauen haben ihre eigene Last zu tragen – aber mehr dazu morgen.

Eine offene Beziehung auszuprobieren ist nicht falsch – ich glaube nur nicht, dass es funktioniert! – 3 Dez 15

Nachdem ich in den letzten drei Tagen über offene Beziehungen geschrieben habe und Gründe genannt habe, warum diese oft nicht funktionieren, würde ich hier gerne noch eine weitere Sache klarstellen: während ich glaube, dass es nicht von Erfolg gekrönt sein kann, sehe ich nichts Falsches daran, wenn es jemand ausprobieren will!

Ich bin im allgemeinen sehr offen eingestellt und das gilt auch für das Thema Sex. Ich glaube, es ist vollkommen deine Wahl, mit wem du gerne schlafen möchtest. Wenn du dich danach fühlst, im Laufe der Woche mit mehreren unterschliedlichen Leuten Sex zu haben, tue das doch bitte. Wenn du dich nicht danach fühlst, dich an eine einzelne Person zu binden, tue es nicht. Wenn du gerne einen festen Partner haben möchtest und mit demjenigen übereinstimmst, mehr Sexualpartner zu haben, so ist das auch völlig in Ordnung.

Sex ist zum Tabu geworden, obwohl es das Angenehmste auf der Erde ist zu tun, auszuprobieren und Experimente mit zu machen. Vielleicht wurde Sex genau wegen dieses Vergnügens immer wieder unterdrückt, im Versuch, die Menschen zu kontrollieren.

Stattdessen kannst du Sex dazu verwenden, dich zu stärken. Wenn ich das sage, meine ich jedoch nicht, dass man stärker wird, wenn man mit so vielen Leuten schläft wie möglich, nur weil die Gesellschaft einem sagt, man solle das nicht tun. Nein, ich meine, dass man auf sein Herz hören sollte und den Bedürfnissen seines Körpers folgen sollte, sowie seinen Gefühlen. Dass man sich von Traditionen und gesellschaftlichen Regeln nicht davon abhalten lassen sollte, den Weg zu gehen, den einen sein Herz führt.

Auf lange Sicht gesehen jedoch glaube ich, dass das Herz der meisten Leute ihnen sagen wird: Oh, das ist der/die Eine, eine Person, die ich nicht mit anderen teilen will und für die ich auch die/der Einzige sein will.

Alles andere ist in meinen Augen einfach nicht erfolgreich.