Alt werden alleine macht dich nicht weise, also bleib höflich! – 22 Sep 14

Ich würde heute gerne über ein Thema schreiben, das für jeden einzelnen von uns wichtig ist, egal wie alt: die Beziehung zwischen alt und jung, den Generationen vor unserer, unserer eigenen Generation und denen, die nach uns kommen. Heute beginne ich mit einer eher negativen Einstellung, die ich besonders bei indischen älteren Männern und Frauen öfter sehe: sie glauben, dass das Alter sie nicht nur zur weisesten Person auf Erden macht, sondern ihnen auch noch das Recht gibt, alle anderen für dumm zu erklären.

Im Allgemeinen muss ich sagen, dass das Leben in Indien für alte Leute eigentlich recht gut ist. Großfamilien sind immer noch üblich und die jüngeren Generationen sehen es als ihre Pflicht, sich um ihre Eltern und Großeltern zu kümmern. So leben sie – im Normalfall – zusammen mit ihren Nachkommen und unterstützen die Familie so weit sie können indem sie kochen, sich um die Kinder kümmern oder ihr Wissen teilen.

In Indien ist der Respekt für die Alten eine sehr wichtige Tugend und wird kleinen Kindern auf eine Weise beigebracht, die ich im Westen so nicht so stark wahrgenommen habe. Bevor ich nun die Probleme darlege, möchte ich vorneweg noch gerne sagen, wie sehr ich diese Tatsache wertschätze. Ich glaube, wir sollten alle in der Lage dazu sein zusammen zu leben und das mit Respekt für diejenigen, die schon mehr Jahre auf dieser Erde wandeln als wir. Doch diese müssen die jüngere Generation auch respektieren!

Leider scheint das nicht immer der Fall zu sein. In Indien ist es normal, dass ein Vater es seinem Sohn sagt, wenn er meint, dass dieser einen Fehler macht. Idealerweise hört der Sohn zu, akzeptiert seine Fehler und ändert etwas. Doch das Recht, andere auf Fehler hinzuweisen und sie praktisch zu schimpfen ist nicht nur Blutsverwandten vorbehalten! Praktisch jeder, der älter ist als du ist per Tradition und Kultur dazu berechtigt, dir ‚den Kopf zu waschen‘. Tradition und Kultur wollen dazu auch noch, dass du das so, wie es gesagt wird, hinnimmst und nicht dagegenredest. Das wäre sonst respektvolles Verhalten gegenüber einer Person, die älter ist als du!

Das Problem, das ich hier sehe ist, dass das Alter nicht notwendigerweise jeden weise macht. Oder höflich. Vor Kurzem hatte ich den Fall, dass ein älterer Familienfreund mir erzählt hatte, ich wäre noch nicht in dem Alter, als dass ich über Politik sprechen könnte. Er meinte, ich solle mich für meine politische Sicht, die ich ausgedrückt hatte, schämen. Für mich war das beleidigend und er dachte, er hätte das Recht, mich zu beleidigen, nur weil er älter ist als ich. Das in sich selbst ist lächerlich, ungeachtet der Tatsache, dass man in Indien mit 18 Jahren alt genug ist zu wählen und dass ich, mit meinen beinahe 43 Jahren, dieses Alter vor ein paar Jährchen überschritten habe.

Ich will jeden, der diese Zeilen liest, dringend bitten: denke nicht, dass allein dein Alter dich besser, intelligenter oder auf irgendeine Weise in eine Position bringt, eine andere Person zu beleidigen. Wenn du der Ältere bist, kannst du deine Weisheit, dein Wissen oder deine Erfahrung auf höfliche Weise mit denen teilen, die jünger sind als du. Aber glaube nie, dass der andere dumm ist, nur weil er oder sie einige oder auch viele Jahre nach dir geboren wurde!

Wenn du der Jüngere bist und der Rat auf nette Weise gegeben wurde, höre dir das mit Respekt an, finde heraus, ob das auch für moderne Zeiten gilt und sei für die Hilfe dankbar. Wenn du nicht danach gefragt hast, wenn es beleidigend war und du dich unterdrückt fühlst statt unterstützt, sage es. Habe keine Angst, es geradeheraus zu sagen!

Respekt gehört auf beide Seiten und das Alter gibt niemandem das Recht, andere zu beleidigen!

Kinder zu selbstbewussten Erwachsenen erziehen – Bringt Kindern bei, ‘Nein’ zu sagen! – 14 Apr 14

Seit mehr als zwei Jahren bin ich nun schon stolzer Vater. Das Elterndasein ist etwas, das mir mehr Freude bereitet, als ich mir je hätte vorstellen können. Ich gebe meinem Kind die Grundlagen für ein gutes Leben, helfe ihr, ihre Umgebung zu entdecken und sich selbst zu entwickeln. So viele Dinge möchte ich gerne, dass sie lernt und über eines dieser Dinge möchte ich heute schreiben: ich will, dass mein Kind lernt, ‚Nein‘ zu sagen, besonders, wenn ihr Menschen näher kommen, als es ihr angenehm ist. Ich glaube, dass das besonders in Indien extrem wichtig ist.

Hier ist ein Beispiel einer solchen Situation: Ramona war mit einigen Freunden auf dem Hauptmarkt Vrindavans einkaufen. Apra war natürlich mitgekommen. Während die anderen sich Kleidung ansahen, anprobierten und im ganzen Laden verteilt waren, spielten Ramona und Apra vor dem Spiegel.

Eine Verkäuferin näherte sich ihnen, lächelte und grüßte. Ramona grüßte zurück und Apra war zu sehr ins Spiel vertieft, um etwas zu merken. Also kam die Frau runter auf ihre Knie, gleich neben Apra, und streckte die Hand aus, ganz offensichtlich darum bemüht, Apras Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sie berührte sie auf diese eine Weise, die Kinder so ganz offensichtlich nicht mögen, die jedoch Erwachsenen zur Gewohnheit geworden ist: sie nahm Apras Backe zwischen Daumen und Mittelfinger, so dass es aussah, als würde sie sie zwicken. Natürlich tat sie das nicht, aber Apra freute sich trotzdem nicht über diese Berührung. Sie machte zwei Schritte rückwärts in Ramonas Richtung. Die Dame nahm das nicht als Zeichen, sondern streckte auch die zweite Hand aus, um Apras andere Backe zu streicheln.

Das ist der Punkt, an dem wir wollen, dass unser Mädchen selbst sagt, dass sie diese Berührung nicht möchte. Ich will sagen, wie sie lauf und deutlich dieser fremden Person ein ‚Nein!‘ gibt. Ich will ihr nicht beibringen, dass sie deine Finger in ihrem Gesicht ertragen muss!

Was ist das überhaupt für eine Angewohnheit? Ich weiß, du findest meine Tochter süß – das tue ich ja auch – aber berührst du denn jeden Fremden im Gesicht, nur weil du ihn süß findest? Wenn du und wir alle wirklich auch mit Erwachsenen so umgehen würden, wäre das völlig in Ordnung. Dann hätte Apra da auch kein Problem damit, weil sie es ja die ganze Zeit bei jedermann beobachten würde. Aber das machst du ja eben nicht!

Du glaubst, du kannst einfach in den Komfortbereich meines Kindes eindringen, weil sie ja noch nicht einmal einen Meter groß ist.

Frage jeden kleineren Mann oder jede kleinere Frau, erwachsen, aber nur nicht hoch gewachsen, kleiner als der Durchschnittsmensch, wie entwürdigend es ist, so behandelt zu werden! Frage irgendeinen Teenager oder junge Erwachsene und sie werden dir erzählen, dass sie das immer gehasst haben. Von Fremden berührt zu werden. Etwas, das in der Kindheit geschieht und plötzlich aufhört, wenn der Körper zeigt, dass man eine Person ist, der respektiert werden sollte. Eine Person mit Würde und einem privaten Bereich, in den man nicht eindringen sollte.

Warum macht man so etwas mit Kindern?

Weil sie nicht ‘Nein’ sagen können? Weil sie nichts einwenden können? Das sollte eigentlich ein Grund dafür sein, dass du es nicht tust und ich hoffe, dass ich nicht der Einzige bin, der seinen Kindern das Gegenteil beibringt. Wenn du das nicht tust, lernt dein Kind nie, nein zu sagen, nicht einmal im Erwachsenenalter! Dann haben wir Erwachsene, die nicht nein sagen können, die einfach nur tun, was ihnen gesagt wird, die andere auf ihrer Privatsphäre und in ihrem Komfortbereich herumtrampeln lassen. Die Probleme mit Respekt für sich selbst haben und unter niedrigem Selbstbewusstsein leiden. Tu etwas dagegen und bringe deinem Kind bei, ‚Nein‘ zu sagen!

Morgen erzähle ich euch, wie Apra und Ramona reagiert haben und beschreibe die möglichen Lösungen, die Ramona und ich im Gespräch danach für solche Situationen gefunden haben.

Indische Männer: Was ihr ändern müsst, wenn ihr nicht für Vergewaltiger gehalten werden wollt! – 28 Jan 14

Ich habe in den letzten Wochen die Gefahren sexueller Belästigung in Indien für westliche Frauen beschrieben, erklärt, dass indische Frauen das gleiche Thema im Alltag die ganze Zeit erleben, nochmal klargestellt, dass Kleidung nichts mit Vergewaltigung oder sexueller Belästigung zu tun hat und schließlich noch die Wurzel des Problems angesehen: das Tabu, das Sex in der indischen Gesellschaft darstellt. Heute möchte ich einen Aufruf an alle indischen Männer starten, weil wir etwas ändern müssen!

Ja, auch du bist für diese Veränderung mit verantwortlich!

Wenn ich über Vergewaltigungen in Indien schreibe, gibt es immer einige Reaktionen wie ‚Aber nur Kriminelle werden zu Vergewaltigern, der normale Mann denkt nicht so!‘ Ich kann da nur zustimmen, dass man eine Veranlagung zum Kriminellen braucht, um so weit zu gehen, aber fast jede indische Frau, die man fragt, wurde in ihrem Leben mindestens einmal sexuell belästigt. Was also sagt uns das? Entweder gibt es hier jede Menge Kriminelle oder ein Großteil der männlichen Bevölkerung in diesem Land hat die grundlegende Neigung zu solch respektlosem Verhalten. Sexuelle Belästigung liegt bei uns in der Gesellschaft, sie beruht auf der Weise, wie wir Frauen im täglichen Leben behandeln.

Und ich sage euch eines: solange auf den Straßen Indiens Frauen sexuell belästigt werden, wirst du, der normale, indische Mann, von jeder Frau, die an die vorbeigeht als mögliche Bedrohung eingeschätzt, sei sie nun indisch oder nicht.

Ich glaube, dass du, ein Leser meines Blogs, nie so weit gehen würdest, dass du jemanden vergewaltigst. Ich wage sogar zu hoffen, dass du keiner von denen bist, die Frauen betatschen, anzügliche Bemerkungen fallenlassen oder sie so anstarren, dass es ihnen unangenehm ist. Doch was ist mit deinen Gedanken? Wie sprichst du mit deinen Freunden über Frauen? Wie verhältst du dich gegenüber Frauen in deiner Familie und Umgebung? Wie fühlst du dich gegenüber Frauen im Allgemeinen? Wie behandelst du deine Ehefrau? Was bringst du deinem Sohn bei? Behandelst du deine Tochter anders als deinen Sohn?

Im Allgemeinen fehlt es den indischen Männern in der indischen Kultur, in der indischen Mentalität an Respekt vor Frauen. In Tempeln werden sie als Göttinnen dargestellt, doch zu Hause kommen sie an letzter Stelle, werden unterdrückt und nicht für die geschätzt, die sie sind: Individuen mit gleichen Rechten, mit Würde. Tue etwas dagegen, indem du in deinem täglichen Leben etwas änderst.

Bitte bring deinen Söhnen bei, Frauen zu respektieren, sie als gleich anzusehen und so zu behandeln. Gehe ihnen mit gutem Beispiel voran und zeige das auch deinen Freunden. Bringe deiner Frau, deinen Töchtern, Schwestern und weiblichen Freunden genau diesen Respekt entgegen. Und vor allem, bring ihnen bei, sich selbst zu lieben und zu respektieren. Sag ihnen nicht, was sie tragen sollen und was nicht. Wenn sie studieren und arbeiten möchten, ermutige sie dazu, ihre Träume zu leben. Lass deine Tochter ihren Mann selbst aussuchen, jemanden, den sie wirklich lieben kann. Gib ihnen Kraft und deine Unterstützung.

Koste die Freuden deines Sexlebens voll aus. Unterdrücke deine Sexualität nicht, sondern sprich mit deiner Frau über ihre und deine Wünsche und Fantasien. Setze so viele von ihnen um, wie du kannst. Nimm dir Zeit für das traute Zusammensein zu zweit, Zeit, sie zu verwöhnen und zu überraschen. Mach deine Beziehung zu einem Beispiel der Liebe und des Respekts, so dass deine Kinder und Freunde sehen, was es wirklich heißt, eine Frau zu respektieren.

Sexuelle Belästigung auf den Straßen Indiens ist nicht etwas, das man als Taten Krimineller abtun kann. Es ist schlecht für dich. Ja, für dich, nicht nur für den Ruf des Landes und nicht nur für die Tourismus-Industrie, weil weibliche Reisende andere Reiseziele auswählen. Nein, es ist schlimm für dich, weil du von diesen Frauen als möglicher Vergewaltiger angesehen wirst, egal, ob du das nun bist oder nicht. Willst du wirklich für einen Vergewaltiger gehalten werden?

Du bist solange die mögliche Bedrohung, bis wir es geschafft haben, unsere Gesellschaft komplett von innen nach außen zu wenden.

Also mach mit und arbeite auf diese Veränderung hin!

Was tun, wenn die Freundschaft wegen unterschiedlichem Glauben und Interessen nicht tief geht – 17 Dez 13

Gestern habe ich erklärt, dass es im Leben viele Freunde geben kann, die ganz andere Dinge für richtig halten als man selbst. Was kann man tun, wenn das der Fall ist und sich eine Freundschaft entwickelt hat, die eher formell ist und nicht so tief, wie man sie gerne hätte?

Das Erste, was man tun kann, ist dem anderen einfach zu erklären, an was man glaubt. Drücke die Themen aus, in denen sich eure Meinungen unterscheiden, so dass ihr beide wisst, woran ihr seid. Wenn du dann das Gefühl hast, dass sich keiner von euch irgendwie ändern wird, akzeptiere einfach die Tatsache, dass ihr nicht übereinstimmt.

Lass das nicht das Band der Freundschaft zwischen euch zerstören. Gleichzeitig jedoch solltest du nicht zu viel erwarten. Behalte die Liebe bei, aber sei nicht enttäuscht, wenn es nicht tiefer geht, als hin und wieder einmal ein Treffen.

Wenn ich mir zum Beispiel meine Großmutter und meinen Vater ansehe, so kann ich sehen, dass sie sich sehr verändert haben, aber natürlich werden sie sich nie so sehr verändern wie ich. Sie haben ihr ganzes Leben mit dem Glauben an Religion verbracht und obwohl sie viele der Dinge, die da dazugehören hinter sich gelassen haben, werden sie sich nicht mehr völlig verändern. Und das verlange ich auch gar nicht.

Der Schlüssel ist, dass ihr einander verstehen und respektieren müsst. Lass sie so leben, wie sie leben möchten und lebe du auch so, wie du möchtest. Da Familienmitglieder sowieso Familienmitglieder bleiben, egal was passiert, ist das mit ihnen meistens einfacher als mit Freunden, aber auch mit Freunden kann man eine solche Beziehung haben. Wenn die Freundschaft und Liebe wirklich echt ist und sich einer von euch ändert, während der andere gleich bleibt, solltet ihr in der Lage sein, das zu akzeptieren.

Eines ist jedoch sicher: es entsteht eine gewisse Lücke zwischen euch. Ihr könnt das nicht miteinander teilen, was ihr tief im Herzen habt, ihr könnt nicht so sehr am Leben des anderen teilhaben und ihr könnt euch nicht stundenlang unterhalten.

Das bedeutet nicht, dass e seine unehrliche Freundschaft ist. Ihr wünscht einander das Allerbeste, aber ihr denkt so unterschiedlich, dass ihr miteinander nicht so schöne Erfahrungen machen könnt, wie mit jemandem, der die gleichen Emotionen teilt.

Bitte akzeptiere das. Wenn du akzeptieren kannst, dass der andere anders ist, dann musst du auch die Tatsache akzeptieren, dass ihr euch nicht so nahe sein werdet, wie ihr es sein könntet, wäre das eben nicht der Fall. Respektiere den Glauben des anderen und behalte die Liebe im Herzen. Das kannst du für deine Freundschaft tun!

Warum bestimmte alte Traditionen keinen Respekt verdienen – 13 Mai 13

Auf meine Tagebucheinträge über arrangierte Ehen habe ich natürlich auch viele Antworten bekommen. Ein Kommentar, den ich in Verbindung mit diesem und ähnlichen Themen bekommen habe ist ‚Du solltest alte Traditionen respektieren, anstatt sie zu beleidigen‘. Meine einfache Antwort darauf ist nein. Ihr hättet gerne eine längere Erklärung? Okay, hier ist sie:

Ein großer Befürworter der arrangierten Ehe gab folgendes Argument: ‘Was ist Liebe? Wenn du dir einen Hund als Haustier hältst und mit ihm lebst, liebst du ihn doch auch‘. Sein Argument ist also, dass es nicht nötig ist, seinen Partner vor der Hochzeit schon zu lieben. Man muss nur lange genug mit irgendjemandem zusammenleben und Liebe stellt sich automatisch ein. Entschuldige bitte, aber ich kann keine Tradition respektieren, die keinen Unterschied macht zwischen einem Hund und einer Ehefrau! Das ist die indische Kultur, das ist die Tradition unserer Vorfahren – sie verschachern Frauen und ihre Töchter wie Tiere. Liebe ist unwichtig, die kommt von alleine. Vielleicht.

Wenn es denn wirklich so ist, wieso lässt man die zukünftige Braut und den Bräutigam heutzutage denn einander überhaupt treffen? Wenn sich die Liebe doch sowieso einstellt, warum muss man sich dann noch den Körper des anderen ansehen? Meinst du wirklich, dass das auch ein Teil der alten Tradition ist? In den Zeiten deiner Großmutter haben die Braut und der Bräutigam einander nicht vor der Hochzeit gesehen – sogar ein solcher Gedanke wäre als Beleidigung der Kultur und Tradition aufgefasst worden!

Halb-moderne Eltern erzählen mir, dass sie modern Leben und dabei aber trotzdem solche Traditionen respektieren. Das glaube ich nicht. Du sagst dienen Kindern ernsthaft, dass sie sich verlieben dürfen, aber nur im Rahmen eurer Unterkaste! Bist du ein solcher Meister im Arrangieren, dass du sogar der Liebe deiner Kinder Befehle erteilen kannst? Glaubst du ehrlich selbst daran, dass das funktioniert? Du weißt, dass das eine Illusion ist, ansonsten wäre dein nächster Satz nicht die Drohung: ‚Ich kann keinen Partner einer anderen Kaste / eines anderen Landes / einer anderen Religion akzeptieren!‘

Wenn du das tust, respektierst du damit wirklich deine ‘uralte Tradition‘? Deine scheinbar perfekte Kultur sieht nicht vor, dass man sich selbst verliebt, aber du weißt, dass du die Veränderung nicht aufhalten kannst und deshalb versuchst du, den Kindern etwas mehr Freiheit an ihrer Leine alter Traditionen zu geben! In Wirklichkeit jedoch musst du erkennen, dass du derjenige bist, der die Tradition nicht so respektiert, wie sie ist – nur gehe ich eben noch einen Schritt weiter und nenne das Kind beim Namen!

Deine großartige Kultur sagt, dass es ein Verbrechen ist, sich zu verlieben. Du bringst deinen Töchtern bei, nicht mit männlichen Schulkameraden zu sprechen, aber du erwartest von ihnen, dass sie nach ihrer Hochzeit mit einem vollständig fremden Mann schlafen. Ist das nicht falsch?

Es ist ein Geschäft mit Körpern, wenn du die Ehe deiner Kinder arrangierst. Du hältst deine Kinder in einem veralteten, falschen Kastensystem zurück, wenn du willst, dass sie sich nur in eurer Kaste verlieben. Du zeigst Verachtung gegenüber Frauen, indem du eine Mitgift gibst oder nimmst und es ist menschenverachtend, wenn du einen Ehepartner aussuchst, indem du dir den Körper des jungen Menschen ansiehst. Denn das ist alles, was du in einem halbstündigen Treffen siehst. Du dringst nicht bis zur Seele, der Mentalität oder den Emotionen der Person durch. Und deswegen ist es ein Handel mit den Körpern, der Verkaufen einer Frau in eine andere Familie. Eine Hochzeit, normalerweise ein froher Anlass, an dem sich alles um die Liebe drehen sollte, wird zu einem Geschäft, einer Zurschaustellung von Reichtum.

Die männlich-dominierte Gesellschaft Indiens hängt an dieser Tradition, weil sie die Macht bei den Männern hält, das Kastensystem vor dem Zusammenbruch bewahrt und Männer Frauen wie Pferde behandeln lässt, die man anpflocken und im Zaum halten kann, so dass sie nie ihre volle Kraft erreichen.

Wenn man über Traditionen spricht, so gibt es davon so viele in unserem Land und unserer Kultur, die falsch waren und es immer noch sind. Viele sind bereits ausgelöscht worden, aber es gibt noch viele mehr, wie die Mitgift, das Festessen nach dem Tod einer Person, das Töten der weiblichen Embryonen und das Kastensystem. Ja, es stimmt, ich habe keinen Respekt und jede Menge Beleidigungen für jegliche Tradition, die Menschen verachtet und das wird auch in Zukunft so sein. Wenn dir das nicht gefällt, muss ich dir leider sagen, dass mir das egal ist.

Kinder in Indien und ihr Respekt gegenüber Älteren – 25 Oct 12

Einer unserer Teilnehmer unseres Ayurveda Yoga Urlaubs, die in den letzten Wochen da war, war Lehrerin. Sie liebte unser Schulprojekt, setzte sich für eine Weile in die Schule und spielte viel mit den Schulkindern und den Kindern im Ashram. An einem Abend hatte ich ein Gespräch mit ihr und einer weiteren Teilnehmerin über unsere Kinder und hauptsächlich über Respekt.

Sie war beeindruckt, nicht nur von der Tatsache, dass wir unsere wohltätige Arbeit taten, sondern auch von den Kinder unserer Schule. Als Lehrerin in einer großen französischen Stadt sagte sie, man könnte die Kinder dort kaum mit den Kindern unserer Schule vergleichen! Hier sind die Kinder so diszipliniert, friedlich und vor allem kann man sehen, dass sie Respekt haben. Als Lehrerin sagte sie, könne sie sich nur wünschen, dass die Kinder in ihren Klassen so viel Respekt für sie hätten, wie unsere Kinder für ihre Lehrerinnen.

Ich sagte ihr, dass ich diesen Unterschied auf meinen Reisen im Westen auch bemerkt hatte. Hier in Indien lernen die Kinder, ihre Lehrer zu respektieren. Als Lehrer, jemand, von dem man lernt, der einem beibringt, wie man im Leben vorankommt und was wichtig ist, wenn man aufwächst, ist ein Idol und jemand, in dessen Augen man gut dastehen will. Man respektiert ihn oder sie, weil auch die Eltern vom Lehrer mit Respekt sprechen. Sie bringen einem bei, den Lehrer zu respektieren.

Unsere zweite Teilnehmerin, die diese Unterhaltung hörte, fügte hinzu, dass das nicht nur für Lehrer galt. Sie erwähnte, dass man bei einem Spaziergang im Garten, wenn die Kinder dort rumrennen, im Morgen, wenn sie zur Schule gehen oder am Nachmittag, wenn sie nach Hause gehen, merkt, dass sie einen mit anderen Augen ansehen. Sie grüßen, sie zeigen Respekt. Man spürt, dass sie einen Respekt für Menschen haben, die älter sind als sie, den Kinder in ihrem Heimatland, den USA, normalerweise nicht haben.

Ich habe mit meinen Freunden im Westen bereits viele Gespräche über den Respekt in indischer Kultur und westlicher Kultur geführt. Es ist wahr, man sieht bei Kindern in Indien einen Respekt, den man dort nicht findet. Natürlich stimme ich zu, dass es in Indien andere Themen und Probleme zwischen den Generationen gibt.

Einige Leute argumentieren, dass dieser REspekt bedeutet, dass Kinder ihren älteren Geschwistern, Eltern oder Verwandten nicht nahe sein können. Sie können ihnen nicht beichten, wenn sie etwas falsch gemacht haben, weil sie sie so sehr respektieren. Ich sehe das hier in Indien anders. Die Menschen sind einander sehr nahe und Kinder vertrauen ihren Eltern. Ich glaube, dass der Respekt, den sie haben, sie eher daran hindert, sehr große Fehler zu machen, die sie dann ihren Eltern beichten müssten. Aus Respekt halten sie zuvor inne, weil sie an ihre Eltern denken.

Es gibt natürlich viele Aspekte bei diesem Thema. Man muss die Umgebung eines Kindes oder Teenagers berücksichtigen, die Kultur, die Art und Weise, wie Menschen in Familie zusammenleben und sogar das Klima, das Leute nicht in ihren Häusern hält, sondern dazu bringt, mehr Zeit draußen zu verbringen, gemeinsam und da die Regeln des Umgangs miteinander zu lernen.

Was auch immer diese Auswirkung hervorruft, ich glaube, dass es richtig ist, wenn ein Teenager Respekt zeigt vor anderen, die älter sind und wir sollten versuchen, unseren Kindern das beizubringen.

Mahatma Gandhi – zwischen Respekt und Kritik – 2 Oct 12

Heute ist Mahatma Gandhi’s Geburtstag, ein nationaler Feiertag, an dem Schulen, Banken und Büros geschlossen bleiben. Die Nation feiert, Zeitungen drucken Geburtstagsgrüße an den verstorbenen ‚Vater der Nation‘, Artikel beschreiben sein Leben in kurzen und langen Versionen, Leute posten Bilder in sozialen Netzwerden, Fernsehsender zeigen unterschiedliche Dokumentarfilme über sein Leben und Regierungsbeamte legen zu seinem Gedenken Blumen am Raj Ghat in Delhi ab. Genau wie all diese Menschen denke auch ich heute an Mahatma Gandhi und widme ihm wie ihr seht sogar einen Blogeintrag.

Ich werde jedoch keine weitere Zusammenfassung seines Lebens schreiben. Ich werde nicht noch einmal die Daten und Ereignisse wiederholen, die zu Indiens Unabhängigkeit geführt haben. Ich nehme an, darüber habt ihr schon genug gehört und gelesen. Vielleicht wart ihr der Lobreden zu Gandhi bereits überdrüssig und habt einige Artikel gefunden, die diesen Helfen Indiens mit nicht so schönen Worten beschreiben. Autoren beschreiben seine Fehler, schreiben über Unstimmigkeiten zwischen dem, was und die Machthabenden glauben lassen wollen und dem, was geschichtlich belegt ist und manche hinterfragen sogar seine sexuellen Vorlieben, seine Idee eines reinen Lebens und was genau zwischen ihm und diversen Frauen geschehen ist.

Ich werde jedoch auch keinen von diesen Artikeln schreiben. Davon findet man mit einer einfachen Suche online genügend. Nein, ich möchte all den Menschen schreiben, die Mohandas Karamchand Gandhi zur Zeit ein sehr negatives Bild geben, denjenigen, die es leid sind, dass die Menschen ihn ehren und geradezu verehren und denjenigen, die seine Rolle in Indiens Weg zur Unabhängigkeit herunterspielen wollen.

Es gibt Menschen, zumindest in Indien, die für Mahatma Gandhi nur Worte voller Verachtung und Hass aufbringen. Hin und wieder lese ich, wie die Menschen ihn verfluchen und sehr schlimme Worte für diesen Mann verwenden, der üblicherweise die höchsten Ehren bekommt.

Ich möchte diese Leute fragen, wer seid ihr, dass ihr für diesen Mann solche Gefühle entwickelt habt? Wer seid ihr, dass ihr überhaupt so schlimme Worte über ihn sprecht? Was habt ihr in eurem Leben getan, dass dem, was dieser Mann getan hat, gleichkommt? Ein Kampf, in dem er sich der Gewaltlosigkeit verpflichtet hat, ein revolutionärer Weg des Widerstands, ein Vorbild für Tausende und Millionen Menschen seiner Zeit und der Zeiten, die noch kommen! Es gibt einen Grund dafür, warum die Menschen ihm so großen Respekt entgegenbringen und ich finde, du solltest diese Gründe verstehen und berücksichtigen!

Natürlich mögen auch einige der Kritikpunkte gerechtfertigt sein. Schließlich war dieser Mann auch nur ein Mensch und kein Mensch ist unfehlbar. Wir können nicht alle die gleiche Ansicht haben, das ist normal. Und ich kann definitiv keinen Kommentar zu seinem Sexualleben haben – dafür kenne ich einfach nicht genug Fakten und dann glaube ich auch, dass das ein Teil seines Privatlebens ist.

Natürlich gibt es immer Menschen, die daran Interesse haben, einen Nationalhelden zu erschaffen und dafür muss dieser Held natürlich fehlerfrei sein, obwohl das keine Person sein kann. Andere, die daran interessiert sind, dieses Bild zu zerstören, werden jeden Fehler aufzeigen, den sie finden können. Doch keiner dieser Fehler kann auch nur ein kleines Stück des Respekts zerstören, den ich für diesen Mann habe. Es war und ist immer noch bemerkenswert, wenn jemand dem Konzept der Gleichheit und Gewaltlosigkeit folgt, wenn Diskriminierung und Gewalt an der Tagesordnung stehen. Und das verlangt unseren Respekt.

Alles Gute zum Geburtstag!

Sei immer dort, wo du gebraucht wirst – und gehe, wenn du nicht gebraucht wirst – 10 Jul 12

Als ich letzte Woche über den Übertritt zum Hinduismus geschrieben habe, habe ich auch erwähnt, dass ich nicht verstehen kann, warum Menschen einer Religion beitreten wollen, die so offensichtlich keine neu übergetretenen Mitglieder haben möchte. Warum würde man wohin gehen wollen, wo man nicht erwünscht ist? Es gibt ein Prinzip im Leben, das ich nicht für schlecht halte: man sollte dort sein, wo man gebraucht wird.

Wenn du spürst, dass du an einem bestimmten Ort nicht gebraucht wirst, wechsle den Ort. Wenn du das Gefühl hast, dass du woanders mehr gebraucht wirst, solltest du dorthin gehen. Das kann in der Beziehung zu den Menschen um dich herum geschehen, mit den Menschen, die du Freunde nennst, doch mit denen du das Gefühl hast, dass sie dich nicht wirklich brauchen. Wenn du weitergehst und sie dich nicht gebraucht haben, haben sie damit kein Problem.

Es ist nicht nur gut für deine Umgebung, wenn du diesem Prinzip folgst, es ist auch gut für dich. Das Gefühl, gebraucht zu werden,ist psychologisch für deine mentale Gesundheit sehr notwendig. Es gibt dir Zufriedenheit und erfüllt dich, wenn das, was du tust, eine Auswirkung hat und für jemanden notwendig ist.

In einer Beziehung und einer Freundschaft kommen Probleme auf, wen nein Partner oder Freund das Gefühl hat, dass der andere ihn nicht mehr braucht. In der Liebe ist es notwendig, dass du das Gefühl hast, der andere braucht dich. Gib deinem Partner nie das Gefühl, er sei nicht erwünscht oder er werde nicht gebraucht. Wenn man dem anderen das Gefühl gibt, dass er gebraucht wird, hat er den Stolz, dass er dir etwas wert ist.

Dein Gefühl, gebraucht zu werden, sollte jedoch nicht davon abhängen, dass eine andere Person nicht ohne dich leben kann oder sogar kleine Arbeiten ohne dich erledigen kann – das würde Probleme schaffen. Das könnte dir das Gefühl von Stress geben, wenn du derjenige bist, der verantwortlich ist, während der andere sich in allem auf dich verlässt.

Nein, das wäre keine gesunde Art, gebraucht zu werden. Das richtige Gefühl ist ein Gefühl des Herzens, ein Gefühl, dass der andere dich dort will, nicht unbedingt für das, was du tust, sondern nur für wer du bist.

Wenn du dich nützlich machst, machst du niemanden von dir abhängig. Das ganze Konzept der Wohltätigkeit bedeutet, dass du den Bedürftigen hilfst. Die Bedürftigen sind diejenigen, die dich brauchen und du kannst für sie da sein mit was auch immer du hast – mit deinem Geldbeutel, deinem Wissen, deinem körperlichen Einsatz oder deiner Liebe.

Wenn dieses Gefühl nicht da ist, wenn es keine solche Verbindung gibt, die dir das Gefühl gibt, gebraucht zu werden, als Person an dem Ort, an dem du bist, gibt es keinen Grund, dort zu bleiben.

Etwas muss hier noch gesagt werden: verlasse niemals diejenigen, die dich brauchen. Da spreche ich nicht nur vom geographischen Verlassen. Verlassen bedeutet viel mahr, als nur an einen anderen Ort zu gehen.

Einzigartig, anders, du bist wie niemand anders – 30 Mär 12

Gestern habe ich erwähnt, dass wir nicht alle die gleichen Dinge mögen können, bei allen Themen der gleichen Meinung sein können und gleich handeln können. Als ich das schrieb, dachte ich, wie schön diese Tatsache ist und wie schön die Welt ist aufgrund der Vielfalt jedes kleines Details.

Wenn du dir die Natur ansiehst, ist es einfach nur toll, dass es so viele unterschiedliche Pflanzen gibt und so viele unterschiedliche Tiere. Stell dir vor du hättest nur Rosen im Garten, alle rot und alle hätten den gleichen Duft. Wäre das nicht langweilig? Und stell dir vor, es gäbe nur eine Art Vogel, dann würden alle Vögel die gleichen Geräusche machen. Würde es nicht nerven, wenn man immer nur dieses eine Geräusch immer wieder hören würde? Darum reisen die Menschen auch – sie wollen etwas anderes sehen als das, was sie jeden Tag bei sich zu Hause sehen. Sie wollen Palmen sehen statt Kastanien. Sie wollen Tiger sehen statt Katzen.

Es ist nicht nur die Natur um uns herum, die so vielfältig ist, auch wie, die Menschen sind es! Jeder von uns ist einzigartig und das ist wundervoll. Wir haben alle unterschiedliche Gedanken und so können wir uns gut miteinander unterhalten. Wir sehen alle unterschiedlich aus und nur deshalb können wir einander auseinanderhalten. So können wir einen unterschiedlichen Geschmack haben und uns aussuchen, mit wem wir befreundet sein wollen und mit wem wir unsere Zeit verbringen wollen. Es gibt Menschen, die größer sind und Menschen, die kleiner sind, Menschen, die dicker sind und Menschen, die dünner sind, es gibt Menschen mit weißer Haut und Menschen, deren Haut ganz andere Farben hat, es gibt Menschen, die sich gerne drinnen aufhalten und Menschen, die sich lieber draußen aufhalten, es gibt Menschen, die mit dem Verstand schnell arbeiten und andere, die besser mit dem Körper arbeiten.

Dieser letzte Punkt ist etwas, das wir auch oft bei uns in der Schule sehen. Es gibt Schüler, die in einem Fach gut sind und andere sind dafür in einem anderen Fach gut. Es gibt Schüler, die sehr intelligent sind und andere, die länger brauchen, bis sie etwas verstehen, die Worte öfter wiederholen müssen, um sie sich einzuprägen und denen das Yoga in der Früh eigentlich besser gefällt, als irgendein anderes Fach. Ich nehme mal an, dass das in jeder Schule und in jedem Land so ist.

Das ist wieder ein Aspekt der Vielfalt in der Welt und nichts, weswegen wir die Leute verurteilen sollten. Diese Unterschiede sind notwendig. Nicht jeder kann Arzt werden, weil wir auch Menschen brauchen, die Kleidung waschen, Leute, die saubermachen, Menschen, die gerne im Garten arbeiten und Menschen, die Essen kochen. Ich weiß, dass manche Menschen nun vielleicht denken ‚Ich mache das alles selbst daheim und ich gehe auch noch zur Arbeit, ich habe einen anspruchsvollen Job‘. Doch wer macht dein Büro oder deine Praxis sauber? Wenn du Arzt bist, hast du Helfer oder Krankenschwester, oder? Wenn sie auch alle Ärzte geworden wären, wer würde dann ihre Arbeit machen?

Wir schätzen Menschen manchmal weniger, wenn sie anders aussehen oder anders denken als wir selbst. Die Wahrheit ist jedoch, dass diese Vielfalt von Körpern und Gehirnen notwendig und auch schön ist. Akzeptiere andere und respektiere sie, egal, ob sie eine andere Hautfarbe haben, größer oder kleiner sind als du, ob sie eine andere Meinung haben und ob sie mehr oder weniger intelligent sind. Es ist schön, dass es sie in dieser Welt auch gibt.

Frieden in einer Großfamilie – Geheimnisse des Zusammenlebens – 16 Mar 12

Ich schreibe oft, dass es herrlich ist, in einer großen Familie zu leben. Hier in Indien ist es immer noch ungewöhnlich, dass die Leute mit ihren Kinder und Eltern und sogar mit ihren Großeltern zusammenleben. Es wird hier ‚Joint Family‘ genannt und ich habe schon so oft gesagt, dass es großartig, die Unterstützung, engen Beziehungen und die Liebe untereinander zu haben, die wir hier haben. Ich weiß jedoch, dass das im Westen nicht üblich ist. Ich wurde im Westen schon oft gefragt, wie das hier möglich ist und warum es ihnen unmöglich erscheint, mit ihren Verwandten so zusammen zu leben. Natürlich gibt es mehrere Faktoren, die da eine Rolle spielen.

Ich höre von vielen Leuten, dass sie meinen, es sei eine großartige Idee, mit seinen Eltern zusammen zu leben, doch dass sie selbst nie wieder mit ihren eigenen Eltern zuasmmen leben wollen. Sie sagen, sie würden ihre Freiheit verlieren, sie wären nicht mehr in der Lage, so zu leben, wie sie wollen und sie würden den ganzen Tag nur streiten. Einen Satz habe ich schon oft gehört: ‚Ich liebe meine Mutter, aber ich möchte nicht mit ihr in einem Haus leben‘.

Ein Aspekt, von dem ich denke, dass er hier eine Rolle spielt ist, dass die Leute in Indien mit dem Gedanken aufwachsen, dass sie so leben werden. Sie wachsen in einer Großfamilie auf und natürlich glauben sie, dass sie später auch so leben werden. Also gewöhnen sie sich daran, mit vielen anderen Leuten zusammen zu wohnen, die unterschiedliche Meinungen haben.

Im Westen jedoch gibt es das Konzept des Individualismus und der Freiheit des Einzelnen, das sehr mit dem Gedanken verbunden ist, seine eigene Wohnung oder sein Haus zu haben. Eine Familie ist Mutter, Vater und Kinder. Normalerweise gibt es da im gleichen Haus keine Großeltern oder Tanten und Onkel. Es ist einfach nicht ihr Konzept. Die Leute wachsen auf und lernen, dass sie in der Lage sein müssen sich der Welt allein zu stellen. Sie bekommen gleich zu Beginn ihres Lebens ihr eigenes Bett, dann ein eigenes Zimmer, ihre eigene Freiheit. Als Teenager tun sie bereits nur noch, was sie wollen. Einerseits ermutigen die Eltern die Selbstständigkeit, andererseits beschweren sie sich über Ungehorsam. Doch am Ende akzeptieren sie es – ihr Kind wird älter, trennt sich langsam von ihnen und hat sein eigenes Leben, in dem sie keinen Platz mehr haben.

Das sind also die Faktoren, die eine Person vielleicht dazu vorbestimmen, entweder in einer Großfamilie zu leben oder ein solches Leben völlig zu verweigern. Es gibt jedoch einen weiteren Aspekt und das ist deine allgemeine Einstellung gegenüber anderen in deinem Leben und natürlich auch deren Einstellung dir gegenüber. Und das ist nicht nur im Westen ein Problem. Diese Einstellung schafft auch hier in Indien Probleme und auch hier gibt es Familien, in denen es unter den Familienmitgliedern Probleme gibt. Das ich also kein Problem des Landes, in dem du aufwächst.

Es ist eine allgemeine Einstellung anderen gegenüber. Wie behandelst du die Menschen in deiner Umgebung? Wie lebst du mit ihnen? Und hier kann ich dir von meiner Erfahrung mit meiner eigenen Familie sagen, dass das wichtigste ist, einander so zu akzeptieren, wie ihr seid. Du weißt, dass vielleicht einer in deiner Familie immer eher negativ ist, während du lieber positiv denkst. Das ist in Ordnung. Du weißt, dass ein anderer in deiner Familie gerne Dinge sammelt, von denen du denkst, dass sie zu nichts nutzen. Das ist auch okay. Vielleicht magst du eine Gewohnheit deiner Eltern nicht, aber du weißt, dass sie eine deiner Gewohnheiten nicht gutheißen, sie aber trotzdem akzeptieren. Also akzeptierst du auch ihre. Und selbst wenn es mal eine größere Diskussion gibt, wisst ihr, dass ihr einander liebt, also akzeptiert ihr einfach, dass der andere eine andere Meinung hat.

Ihr müsst einander akzeptieren. Seht die Liebe, die ihr für den anderen verspürt und akzeptiert ihn. Es muss von beiden Seiten kommen, das weiß ich, aber du kannst schonmal den ersten Schritt machen. Und mit dieser Akzeptanz gibst du dem anderen auch die Freiheit, die er braucht, um er selbst zu sein. Das wäre für den Westen der beste Weg, auch in einer Großfamilie ihre Individualität und ihre Freiheit zu haben. Sobald ihr diesen Punkt erreicht habt, an dem ihr den anderen wirklich kennt, liebt ihr es einfach, zusammen zu sein, egal, was der andere sagt oder tut.