Als ich lernte, dass man seinen Gastgeber fragen muss, bevor man mehr Gäste einlädt – 19 Jan 14

Zu Beginn des Jahres 2006 hatte mich eine Frau zu sich und ihrer Familie eingeladen. Sie organisierte mein Programm in dieser Gegend Australiens. Ich gab Vorträge und Workshops an unterschiedlichen Orten in der Stadt und Einzelsitzungen bei ihr zu Hause. Während ich bei ihr war, habe ich eine sehr wertvolle Lektion gelernt: frage deinen Gastgeber immer, bevor du mehr Gäste in sein oder ihr Haus einlädst!

Wie überall, wo ich war, kochte ich das Essen für den Abend und die Familie, bei der ich wohnte, aß das normalerweise auch. Auch diese Familie aß das indische Essen, das ich zubereitete und es schmeckte ihnen sehr! Es war meistens Abendessen, da ich den ganzen Tag über arbeitete und meistens viele Einzelsitzungen hintereinander gab.

Während einer dieser Sitzungen war eine Frau sehr interessiert daran, mehr über mich, meine Familie, meine Arbeit und unsere Kinderprojekte zu hören. Da ich für eine Sitzung nur begrenzt Zeit hatte, konnte ich nicht im Einzelnen über alles sprechen, aber da ich ihr Interesse sah, fragte ich einfach ‚Warum kommst du nicht zum Abendessen?‘ Sie freute sich über diesen Vorschlag – natürlich, da sie leckeres, indisches Essen und eine Unterhaltung mit einem potentiellen interessanten Freund haben würde – und ging schließlich.

Nachdem meine übrigen Sitzungen vorbei waren, ging ich zurück in die Wohngegend des Hauses, wo ich auch meine Gastgeberin traf. Ich erzählte ihr, dass ich eine Frau zum Abendessen eingeladen hatte und dass sie sich also zu uns gesellen würde. Ich war geschockt über die Reaktion.

‘Du hast jemanden in mein Haus zum Abendessen eingeladen, ohne mich zuerst zu fragen? Was, wenn ich nun heute Abend keine Gesellschaft gewollt hätte? Oder wenn ich andere Pläne gehabt hätte?‘

Als sie antwortete, merkte ich sofort, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich hatte jedoch nie gedacht, dass das ein Problem sein könnte! Ich hatte das auch in Deutschland bereits getan – aber in dem Augenblick verstand ich, dass ich dort normalerweise eher allein gewesen war und andere Leute vielleicht nicht ins Haus von Gastgebern eingeladen hatte. Ich kochte auch dort, aber es war ihr Haus, ihr Tisch, ihre Familie. Ich war ganz offensichtlich einfach ein bisschen zu naiv gewesen.

Ich entschuldigte mich in der nächsten Sekunde, sagte ihr, dass es mir leid tat und dass ich diese Frau sofort anrufen und ihr sagen würde, dass sich die Pläne geändert hatten und sie nicht kommen sollte. Da merkte sie selbst, dass ihre Reaktion etwas zu stark gewesen war – aber wir sagten das Abendessen einfach ab.

Nach einer Weile, als wir beide Zeit gehabt hatten, unsere Gedanken zu sortieren, unterhielten wir uns und sie fragte ‚Ist es für dich denn normal, dass du Freunde einlädst, wenn du bei jemandem zu Hause bist, der sie noch nicht einmal kennt?‘

Ich erklärte ihr, dass ich vollkommen verstehen konnte, was sie da sagte, dass sie mir aber glauben sollte, dass ich da einfach nicht drangedacht hatte! In Indien haben wir eine andere Art der Gastfreundlichkeit. Wenn ich einen Gast bei mir daheim habe und anderswo eingeladen bin, kann ich meine Gäste problemlos mitbringen. Wenn du bei mir zu Hause bist, sind deine Gäste und Freunde auch zum Abendessen herzlich willkommen und es würde mir nichts ausmachen, wenn du mir vorher nichts davon sagen würdest. Doch ich hatte gemerkt, dass das nun mal einfach eine andere Kultur war.

Am Ende war das auch alles. Ein Kulturunterschied. Und eine wichtige Lektion für die Zukunft!

Die Förmlichkeit einer Einladung – und was passiert, wenn es nicht deutlich nur eine Förmlichkeit war! – 31 Jul 13

Beim Schreiben über indische Gewohnheiten ist mir noch eine weitere eingefallen: die große Formalität, andere Leute zur dir nach Hause einzuladen.

Immer, wenn man jemanden trifft, den man kennt, sei das auf einer Hochzeit, einer anderen Feier oder einfach nur auf der Straße, und fragt man einander wie es geht und gibt auf diese Frage Antwort. Daraufhin wechselt man einige Worte übers Geschäft oder gemeinsame Freunde oder den Anlass, bei dem man sich da gerade trifft. Schließlich, wenn man einander nichts mehr zu sagen hat, trennt man sich, aber nicht ohne dem anderen die obligatorische Einladung auszusprechen: ‚Oh, aber ihr müsst uns bald mal zu Hause besuchen kommen!‘ und die noch bessere Antwort: ‚Natürlich, ja, das mache ich!‘

Das Lustige ist dabei, dass beide Seiten genau wissen, dass der Antwortende nie wirklich bei dem anderen zu Hause auftauchen wird. In Wahrheit wusste der Fragesteller das bereits, als er die Einladung aussprach. Sie wussten beide, dass die Frage kommen würde, sie kannten beide die Antwort und sie wussten beide, dass trotzdem nie einer den anderen besuchen würde.

Doch manchmal ist der andere sich dessen vielleicht doch nicht so ganz bewusst. Ich habe da eine kleine Geschichte für euch. Ich kannte einen Mann, der das Gleiche tat, was ich vor vielen Jahren einmal machte – er war ein Guru. Er hatte eine Bekanntschaft, einen Mann aus seiner Heimatsstadt, der nach Amerika umgezogen war. Einmal kam dieser Mann zu Besuch und als er sich verabschiedete, sagte er ‚Du solltest auch mal nach Amerika kommen! Das wäre toll!‘

Als der Guru ein paar Monate später das Gefühl hatte, dass er wirklich gerne einmal nach Amerika gehen würde, ging er zu der nächsten US-Botschaft und stellte sich dort an, wie es früher noch üblich war. Nachdem mehreren Stunden Wartezeit war er schließlich an der Reihe, ging rein und stellte seinen Visumsantrag. Natürlich wurde dieser abgelehnt, aber sie waren nett genug ihm zu erklären, dass das so nicht funktionieren würde, dass er einen Sponsor brauchte, jemanden, der ihn offiziell einlud, für seine finanzielle Sicherheit bürgte und so weiter.

Der Mann dachte, das sollte kein Problem sein, schließlich war er ja auch eingeladen worden. Also rief er den indischen Mann in Amerika an und erzählte ihm, was er brauchte, um nach Amerika zu kommen. Dieser Mann war jedoch sehr überrascht: ‚Ich sagte das doch nur aus Höflichkeit! Ich wollte dich nie wirklich einladen! Das war nur eine Formalität!‘

Ich muss immer lachen, wenn ich solche Geschichten zu den Folgen beliebter Formalitäten höre! Trotzdem kann man deutlich sehen, wo diese Formalität herkommt: Inder lieben es, Gäste zu haben und auch Gäste zu sein! Gastfreundschaft liegt ihnen im Blut und so laden sie sogar Leute zu sich nach Hause ein, die sie nicht wirklich kennen, auf eine Mahlzeit, etwas Tee und ein schönes Zusammensein! In vielen Fällen bleibt es eine Formalität – aber es gibt auch Fälle, in denen diese Formalität der Beginn einer tieferen Beziehung ist.

Wie Kulturunterschiede die Definition von Armut verändern – 14 Jun 13

In den vergangenen Tagen habe ich die Bedürfnisse von Kindern im Westen, die von UNICEF in einer Studie genannt wurden, mit den Bedürfnissen von Kindern in Indien verglichen. Ein paar Punkte sind noch übrig:

 

12. Zwei Paar Schuhe, wenigstens eins davon wetterfest

Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, bei dem meiner Meinung nach nicht unterschätzt werden sollte, wie viel das die Eltern wirklich kostet. Kinderfüße wachsen schnell und sie brauchen regelmäßig neue Schuhe, so dass sie ordentlich gehen, rennen und springen können.

Leider ist das Wetter in unserer Gegend in Indien so mild, dass man die meiste Zeit des Jahres auch ohne Schuhe herumlaufen kann, aber mit der Entwicklung der Straßen und der Verschmutzung der ganzen Stadt ist das heutzutage nicht mehr so leicht oder von hygienischer Sicht aus ratsam, wie es einmal war, als ich ein Kind war. Wir geben den Kindern unserer Schule die schwarzen Schulschuhe, die zur Schuluniform gehören und wir sehen oft, wie sie in ihrer Freizeit auch diese Schuhe anziehen, weil sie kein anderes Paar Schuhe haben. Im Sommer ziehen sie sie aber natürlich lieber aus. Dann gibt es leichte und ganz billige Flip-Flops, bei denen die Größe recht flexibel ist – man sieht also auch Kinder in viel zu großen und viel zu kleinen Schuhen. Während ich also die Anzahl der Paar Schuhe auf eines reduzieren würde, ist es denke ich in Indien auch ein Zeichen der Armut, wenn man überhaupt keine Schuhe hat.

 

13. Möglichkeit, ab und zu Freunde zum Spielen und Essen nach Hause einzuladen

Das ist ein weiterer Punkt, zu dem ich euch sagen kann, dass die große Mehrheit indischer Kinder weniger arm zu sein scheint als die Kinder reicher Länder, für die diese Studie gemacht wurde. In Indien laden sogar die Ärmsten der Armen ihre Freunde zu sich nach Hause ein. Die Kinder unserer Schule besuchen einander regelmäßig und sie essen auch beim jeweils anderen. Vielleicht ist es eine Frage der indischen Gastfreundschaft, dass man einem Besucher von dem anbietet, was man hat, egal wie wenig das ist und es mit denen, die da sind, teilt. Ein weiterer Aspekt könnte sein, dass die armen westlichen Eltern sich vielleicht wegen ihrer Armut mehr schämen als eine indische Familie es tun würde und dass einfach nur wegen der Tatsache, dass es in Indien viele arme Leute gibt.

 

14. Möglichkeit, Geburts- oder Namenstage sowie religiöse Feste zu feiern

Ich habe schon viele Menschen getroffen, die total schockiert waren, als sie hörten, dass die meisten Kinder, die zu unserer Schule kommen, ihr Geburtsdatum nicht kennen. Ihre Eltern wissen auch nicht, wann genau sie geboren wurden, weil es für sie einfach nicht wichtig ist. Das liegt teilweise an der Kultur, aber teilweise auch daran, dass sie es sich nicht leisten können, an dem Tag etwas Besonderes zu tun.

Religiöse Veranstaltungen sind jedoch sehr wichtig und jeder, egal wie arm, feiert zum Beispiel Diwali. Selbst wenn sie bei sich zu Hause nur eine Öllampe anzünden, eine kleine Puja-Zeremonie abhalten und für etwas mehr finanzielles Glück im nächsten Jahr beten, eine Feier gibt es auf jeden Fall.

Ich bin mir nicht allzu sicher, was die Qualität dieses Kriteriums angeht, da solche Feiern ja jeden Umfang haben können, von einer billigen und einfachen Feier daheim zu einer extravagant teuren Feier mit jeder Menge Geschenken und einer großen Party. Ist eine Feier nicht schön aufgrund der besonderen Atmosphäre? Oder weil die Familie zusammenkommt? Kann das nicht auch ohne Geld erreicht werden?

Wie eine sture, indische Mentalität im Westen Schwierigkeiten bereiten kann – 21 Apr 13

Wie bereits erzählt, reiste ich 2005 mit einem Flötenspieler, der meinem Programm eine besondere, musikalische Note gab, was immer sehr schön war und allen Teilnehmern sehr gut gefiel. Es war eine gute Idee, einen Live-Musiker mitzunehmen, da ich jede Menge Programm hatte und seine Flötenmusik oft eine wunderschöne Atmosphäre schaffte. Nachdem wir jedoch etwas Zeit mit diesem Musiker verbracht hatten, merkte ich, dass der Charakter und die Mentalität dieses Mannes für solche Reisen und diese Arbeit nicht wirklich passte. Das wurde sehr deutlich, als Yashendu mit ihm eine Unterhaltung über unsere Gastgeber hatte.

Wir waren nun zu dritt und natürlich hatte nicht jeder meiner Organisatoren genug Platz daheim, um uns alle unterzubringen, also trennten wir uns, wo auch immer es nicht möglich war. Es gab immer noch andere Freunde oder gastfreundliche Menschen, die sich freuten, für eine Woche einen oder zwei Gäste zu haben. In einer Stadt hatte ich eine langjährige Freundin, bei der ich immer wohnte. Mein Bruder Yashendu und unser Musiker wurden von neuen Freunden eingeladen, einem sehr netten Paar, das auch geholfen hatte, das Visum für unseren Musiker zu bekommen.

Wenn ich bei jemandem zu Gast bin, bin ich für gewöhnlich derjenige, der das Kochen übernimmt. Auf diese Weise gebe ich meinen Gastgebern gerne ein bisschen was zurück und sie können indisches Essen genießen, während sie Gäste aus Indien bei sich haben. Yashendu tat das Gleiche und es war wie zur Gewohnheit geworden, dass diejenigen, die nicht kochten, hinterher das Geschirr abwuschen. Auf unserer ganzen Reise jedoch und auch an diesem Ort machte unser Musiker keine Anstalten zu helfen – nicht beim Kochen und auch nicht beim Abwasch. Der Abwasch ist sowieso etwas, das in Indien oft also ‚niedere Arbeit‘ angesehen wird. Als wir ihm sagten, dass es normal ist, zu helfen und dass er auch hin und wieder mal das Geschirr abspülen sollte, antwortete er ‚Ich komme aus einer hohen Kaste und werde nicht die Teller anderer Leute abspülen!‘ Obwohl Yashendu ihm antwortete ‚Du bist nicht in Indien, diese seltsame Einstellung funktioniert hier nicht! Du bist jetzt in Deutschland, hier sind alle gleich!‘, hörte er sich das nur an und begann, seinen Teller zu waschen – aber nichts weiteres.

Naja, das war nur mit ein Grund, warum wir mit ihm nicht ganz so glücklich waren, aber das eigentliche Problem mit seiner Einstellung begann, kurz bevor er wieder nach Deutschland zurückkehrte. Er hatte sein Ticket und erzählte Yashendu, wann sein Zug gehen würde. Er sagte ‚Unsere Gastgeber bringen mich also um zehn Uhr zum Bahnhof und dann…‘. Yashendu unterbrach ihn ‚Nein, warte, da können sie dich nicht fahren, das ist Bürozeit und sie werden bei der Arbeit sein. Du kannst also das Taxi nehmen.‘ Als er das hörte, war unser Flötenspieler beleidigt und fing eine seltsame Diskussion mit Yashendu an.

‘Meinst du damit, dass sie mich noch nicht einmal zum Bahnhof fahren werden? Was für Gastgeber sind das denn? Also wirklich, so behandelt man doch seine Gäste nicht! Man muss bei ihnen arbeiten, muss selbst bis zum Bahnhof kommen… wenn einer von denen jemals nach Indien und zu mir nach Hause käme, würde ich ihnen zeigen, was Gastfreundschaft wirklich ist!‘ Er wollte mit weiteren Beispielen fortfahren, aber Yashendu unterbrach ihn nochmal, dieses Mal wirklich leicht verärgert und vor allem überrascht von seiner Undankbarkeit. ‚Na hör mal, diese Leute tun wirklich alles für dich! Sie haben dir die Einladung geschickt, aufgrund der du überhaupt erst nach Deutschland kommen konntest! Sie lassen dich bei ihnen wohnen, sie kaufen dein Essen ein, sie sind Freunde und kommen zu jedem Programm, das du anbietest!‘

Natürlich ging ihre Unterhaltung noch ein bisschen weiter, aber ich kann euch Zeit und Mühe ersparen, ihr wisst bereits, was für eine Mentalität unser Musiker hier zur Schau stellte! Es war unglaublich und als mein Bruder mir davon erzählte, wusste ich, dass ich diesen Mann nie wieder auf Reisen mitnehmen würde! Leider habe ich auf meinen Reisen bei Indern oft eine ähnlich undankbare Einstellung beobachtet. Ich nehme an, dass sie auf irgendeine Weise zu der Erwartung erzogen wurden, Dinge kostenlos zu bekommen und alles, was andere für sie tun, als selbstverständlich zu betrachten.

Ich war bloß froh, dass unsere Freunde von all dem nichts mitbekamen und versicherte mir innerlich, dass ich meine eigene Dankbarkeit immer zeigen würde, indem ich ein guter Freund sein würde.

Indische Gastfreundschaft auch außerhalb Indiens – 22 Jan 09

Heute Abend waren wir von einem indischen Mann in sein kleines Restaurant eingeladen. Als ich das letzte Mal in Luxembourg war, kamen er und seine Frau zu mir zur Heilung. Er wurde in London geboren und hat seine Frau, die aus Portugal stammt, hier in Luxemburg getroffen. Seit zehn Jahren leben sie zusammen in Luxemburg. Sie kochten mit viel Liebe ein besonderes Abendessen, weil ich eine besondere Ernährung einhalte. Roger und Mady waren auch eingeladen, also sind wir zusammen in die Stadt Luxemburg gefahren.

Der Mann, der uns eingeladen hat, war sehr froh und zu Gast zu haben. Nach einem großartigen Abendessen mit herrlichem Essen habe ich eine Geschichte aus der Zeit erzählt, in der ich in Paris war. Ich bin mit einem meiner Freunde die Straße entlanggelaufen und wir waren beide sehr hungrig. Wir haben nach einem schönen Restaurant gesucht und haben durch Zufall ein indisches Restaurant gefunden. Ich war sehr froh und wir sind hineingegangen. Der Besitzer dieses Restaurants sah mich und begrüßte mich mit viel Respekt. Ich fragte ihn direkt, ob wir Essen nach meinen besonderen Ansprüchen ohne Zwiebeln, Knoblauch und Chilli bekommen könnten. Er sagte ‚Sicher, setzt euch und sagt mir, was ihr haben wollt. Wir bereiten es für euch frisch zu.’

Er lebte oben mit seiner Familie und im Erdgeschoß war das Restaurant. Er ging nach oben und bat seine Frau, dieses besondere Essen für mich zu kochen und bald war ein wundervolles Mahl fertig. Nach dem Essen fragte mein Freund ihn nach der Rechnung, um zu zahlen. Aber der Besitzer brachte seine Hände vor seiner Brust zusammen und sagte ‚Ich kann für dieses Essen kein Geld nehmen. Ich fühle mich geehrt, Swami ji hier zu haben. Das ist mein Geschäft, aber ich möchte von dir nur einen Segen, kein Geld.‘ Dann gab er mir sogar eine Spende, als er von dem Ashram und den Wohltätigkeitsprojekten für Kinder hörte.

Ich habe diese Geschichte heute Abend erzählt und sagte, dass das indischer Brauch ist. Ein Gast wird als Gott angesehen und respektiert und in der indischen Kultur ist es eine große Ehre, einen spirituellen Gast zu haben und ihm zu Essen zu geben. Sie möchten gerne Segen haben, kein Geschäft. Die gleiche Art von Erfahrung hatte ich nicht nur in Paris, sondern auch in Deutschland, in England und in Australien.

Unerwartete Gäste – Pilger und indische Bräuche – 4 Sep 08

Radhashtami, der Geburtstag von Radha rückt näher und in Vrindavan wird dieser Tag sogar noch größer gefeiert als Krishna’s Geburtstag. Aus ganz Indien kommen Pilger in die Stadt. Einige treten die Reise zu Fuß an, andere nehmen den Zug und viele kommen mit den Reisebussen, die extra für diesen Tag diese Reise machen. Sie kommen hier an und bleiben, wo auch immer sie Platz finden.

Heute nachmittag war Ramona mit mir zusammen im Büro und wollte etwas Wasser holen gehen. Sie ging hinaus und kam wenig später etwas überrascht zurück: um die zehn Menschen, die sie noch nie vorher gesehen hat, saßen in der Eingangshalle des Ashrams und haben sie natürlich alle angesehen, als sie aus dem Büro kam. Es ist aber nicht ungewöhnlich, im Ashram auf fremde Personen zu treffen.

Ihr wisst, dass unser Ashram für jeden offen steht, der mit Liebe und Hingabe herkommt. Er liegt am Hauptpilgerweg Vrindavans, dem Parikrama Marg und so kamen heute die Pilger herein und haben gefragt, ob sie für ein paar Nächte bleiben könnten. Diese Pilger haben wenige Bedürfnisse, nur ein Ort, an dem sie sich schlafen legen können, vorzugsweise unter freiem Himmel, und etwas Essen. Untertags besuchen sie die Pilgerorte und in der Nacht schlafen sie in unserem Hof. Es ist ein schöner Teil der indischen Kultur, das Herz und das Haus sogar für unbekannte Gäste zu öffnen. Man heißt sie willkommen und versorgt sie mit allem, was sie brauchen, ohne vorher irgendetwas geplant zu haben.

Wahre Gefühle – Erwartungen von Gast und Gastgeber – 8 Apr 08

Seit ich gestern nach Europa zurückgekommen bin, denke ich an einen Freund, den ich verloren habe und ich erkannte, dass ich immer noch verletzt bin. Ich habe in den letzten Tagen nicht mehr viel daran gedacht, aber jetzt bin ich wieder hier. Ich habe jemanden meinen Bruder genannt, doch ich fühle, dass in der westlichen Welt diesen Beziehungen kein Wert gegeben wird. Viele im Westen wissen nichts von der Liebe, die in dieser Art von Verbindung steckt. Ich habe dieser Person die gleiche Liebe geschenkt wie meinen Brüdern Yashendu und Purnendu. Die Liebe eines Bruders. Und ich wurde zu einem ‚Ex-Bruder’ gemacht. Und wie kann das sein? Wie kann ein Bruder ‚ex’ sein?

Hier denken viele Menschen, dass sie eine Freundschaft oder Beziehung mit einer einzigen Mail beenden können, an nur einem Tag. Es ist ein plötzlicher Schnitt, der in mir immer noch frisch ist. Meine beiden Brüder könnten nicht einen Gedanken in diese Richtung denken. Die Menschen hier wachsen in einer Kultur auf, in der es normal ist, dass eine Beziehung von einem Tag auf den anderen vorbei ist. Dann ist die Liebe plötzlich weg. Was auch immer darüber gesagt wurde, dass man ein Bruder sei und so viel Liebe empfängt und fühlt, alles ist vergessen. Dem was man sagt, gibt man keinen Wert. Ist es nur Gerede? Man sagst, dass man jemanden liebt und am nächsten Tag mag man jeden Kontakt abbrechen? Ich soll am Ende dieses Lebens den letzten Weg begleiten und dann ist alle Bruderschaft auf diese Weise vergessen? Wenn man etwas sagt, ohne es zu meinen, verletzt man andere! Da ist nicht genug Sensibilität. Plötzlich ist da kein Kontakt mehr. Ist das der richtige Weg?

Und warum gehen Menschen von einem Tag auf den anderen? Ich kann ihre Erwartungen nicht erfüllen. Wenn ich die Menschen nahe kommen lasse, entwickeln sie Erwartungen. Ich bin sensibel und darum bin ich auch verletzt. Und ich möchte diese Sensibilität behalten. Das macht mich auch besonders, so bin ich. Aber man kann verstehen, dass es schwierig ist, zu vertrauen, wenn diese Sachen geschehen.

Ich vergleiche das einfach mit der Freunschaft mit Michael oder Govind. Ich kenne Michael seit dem ersten Tag, an dem ich Fuß auf deutschen Boden setzte und ich habe nie eine Erwartung von ihm gespürt. Seitdem sieht er zu, wie eine Person nach der anderen kommt und geht. Ich weiß, dass Freundschaften mit mir wegen Erwartungen kaputt gehen, weil ich die Menschen nicht so unterhalten kann, wie sie es von mir wollen. Und Liebe und Erwartungen passen nicht zusammen.

Natürlich bin ich verletzt und traurig, wenn Menschen gehen und besonders auf diese Weise, aber auf der anderen Seite bin ich froh, wenn sie gehen. Wenn du in den letzten Tagen das Tagebuch gelesen hast, wirst du dich erinnern, dass ich von Schafen sprach. Und ich möchte diese Menschen nicht mehr um mich haben! Ich möchte keine Anhänger haben. Ich möchte nicht in dem Druck der Erwartungen leben, den Anhänger auf mich ausüben. Unerfüllte Erwartungen werden zu Enttäuschung, Wut, ego-Problemen und vielem mehr.

Ich fühle oft die Erwartungen der Menschen, in deren Haus ich bin. Ich habe ein komplett anderes Konzept von Gästen und Gastgebern. Thomas sagte heute morgen, dass es ungeschriebene Regeln für Gäste und Gastgeber gibt. Ein Gastgeber sollte Zeit darin investieren, den Gast zu unterhalten, indem er ihm zum Beispiel die Gegend zeigt und ein Gast sollte den Gastgeber unterhalten, indem er eine gute und interessante Person ist. Und auf diese Weise baut sich Druck auf. Und am Schluß wird der Gastgeber froh sein, wenn der Gast endlich geht, weil es so anstrengend war, ihn da zu haben.

Ich lebe nicht auf diese Weise. Ich komme mit so viel Liebe in die Häuser der Menschen, dass sich ein Familiengefühl entwickeln kann, in dem man sich damit wohlfühlt, einfach nur man selbst zu sein. Ich bleibe nicht gerne in Hotels, sondern lieber in Familien. In Hotels und Restaurants werden Menschen Gäste genannt. Sie kommen, essen, bleiben über Nacht, zahlen und gehen wieder. Und das Personal gibt sein Bestes, sie zu unterhalten. Doch ich will mir ein Zuhause schaffen weit weg von Zuhause. Wenn ich in jedem Haus, in dem ich bleibe, das Gefühl hätte, ein Fremder zu sein, hätte ich ständig Heimweh. Ich reise zu viel, um das Gefühl des Gastes zu haben. Ich müsste meine Gastgeber neun Monate im Jahr unterhalten, jede Woche eine andere Person.

Auch wenn ich daheim im Ashram bin, bin ich Gastgeber, Menschen kommen, wenn ich dort bin. Ich bin von Besuchern umgeben und wenn ich die Rolle eines Gastgebers, eines Unterhalters spielen würde, könnte ich mich nicht einmal zu Hause wohlfühlen. Ich lade Menschen ein und sage ihnen, sie sollen sich frei und wie zu Hause fühlen. Ich kann nicht für das ganze Jahr Entertainer sein, nur weil ich immer Gast oder Gastgeber bin. Ansonsten wäre ich nicht mehr Swami Ji, sondern nur ein Entertainer. Ich kann diese Kultur, diesen Druck nicht annehmen. Mein Leben ist so. Ich bin immer mit anderen zusammen und ich will, dass alle miteinander natürlich sind, ohne Erwartungen. Wenn ich in jemandes Haus bin, bin ich gerne mit diesen Menschen zusammen, wenn diese Erwartungen nicht da sind.

Es scheint, dass ich verletzt werde, wenn ich meine Liebe so frei gebe. Ich werde nicht damit aufhören, Liebe zu geben. Die Menschen fühlen sich von meiner Energie angezogen. Ich bin offen und lasse jeden in mein Herz. Thomas, mit dem ich meine Gefühle am Morgen auch teilte, sagte, dass meine geliebten Menschen, wie Yashendu, Ramona und er mich vor diesen Menschen schützen müssen. Er sagte, er hoffe, dass ich nicht mein Vertrauen in die Menschen hier verlieren werde. Ich will diese Zweifel nicht und auch keine Distanz.

Warum schreibe ich das heute? Ich schreibe, weil es viele Menschen gibt, die Schmerz und Enttäuschung erleben, weil jemand plötzlich eine Beziehung beendet. Und es gibt viele Menschen, die verschiedenen Arten von Beziehungen auf diese Weise beenden. Bitte verletzt andere nicht, indem ihr etwas sagt, das ihr nicht meint! Denkt nicht, dass ihr Beziehungen von einem Tag auf den anderen beenden könnt! Ich weiß, in eurer Umgebung geschieht das, aber das wird euch nicht zur Ruhe kommen lassen! Ich möchte das teilen, damit nicht mehr so viele Menschen auf die Weise verletzt werden, auf die ich verletzt wurde.