Erfahrungen im Leben haben unsere Ashram-Jungs zurückgebracht – 2 Sep 16

Heute möchte ich euch über ein paar Jungs schreiben, drei um genau zu sein, die schon lange in unseren Leben und Herzen sind – und zwei von ihnen sind vor Kurzem auch wieder in unseren Ashram zurückgekehrt! Jeder, der in den letzten sechs oder sieben Jahren hier im Ashram gewesen ist, weiß von wem ich spreche: Pawan, Mohit und Jaysingh!

Vor fast zwei Jahren habe ich euch das letzte Mal von Jaysingh geschrieben. Damals waren wir etwas aufgerüttelt von seiner Entscheidung, den Ashram zu verlassen, akzeptierten es jedoch als das, was es war: der Wunsch eines sechzehnjährigen, die Welt zu entdecken. Seinem Beispiel folgend, wenn auch etwas weniger dramatisch, tat unser zweiter Junge, Mohit, das Gleiche etwa ein halbes Jahr später, als er verkündete, er würde lieber bei seiner Familie in ihrem Dorf wohnen und dort zur Schule gehen.

Pawan blieb bei uns und erlebte seine eigenen Abenteuer, wechselte hier Schulen und fand seinen Platz hier wieder als der älteste der ‚Ashram Jungs‘. Das Leben ging weiter, wir beschäftigten uns mit vielen anderen Dingen und eröffneten Ammaji’s Ayurvedisches Restaurant.

Nach etwa drei Monaten erzählte mein Vater mir von einem Telefonanruf, den er bekommen hatte: Jaysingh fragte, ob er zu Besuch vorbeikommen könnte. Natürlich antworteten wir! Es wäre schön, ihn nach so langer Zeit mal wieder zu sehen und zu hören, was er so gemacht hat! Er kam an und wir erfuhren, dass er da draußen in der Zwischenzeit wirklich einen Geschmack der ‚echten Welt‘ bekommen hatte: er war zu seinen verschiedenen Brüdern und Cousins in unterschiedlichen Teilen des Landes gereist und hatte an einigen Orten gearbeitet, um dort sein Geld zu verdienen: als Tagelöhner trug er Sand und Ziegel zum Beispiel und dann arbeitete er in einer Sari-Fabrik.

Es war diese Erfahrung, die ihn dazu brachte, mich noch etwas zu fragen: ‚Kann ich hier arbeiten?‘ Er hat gesehen, wie die Dinge in Fabriken in Indien wirklich laufen! Lange Arbeitszeiten und grausame Arbeitsbedingungen. Sein Arbeitgeber und seine Aufseher scheuten nicht davor zurück, ihre Angestellten für ihre Fehler zu schlagen. Die Maschinen waren gefährlich – wenn man nicht aufpasste, konnte man sich die Finger abschneiden. Ältere Arbeiter beschwerten sich über Atemprobleme, Husten und ähnliches, alles verursacht von den Chemikalien, die für das Färben der Saris verwendet werden. Mit den langen Arbeitszeiten war Jaysingh immer müde – einmal schlief er bei der Arbeit an der Maschine ein und ruinierte 80 Saris! Natürlich wurde sein Arbeitgeber da wütend und er bezog Schläge. Ein anderes Mal brach ein Feuer aus und er sowie seine Mitarbeiter mussten zu einem Fenster hochklettern, um von dort nach draußen zu springen und sich zu retten!

Kurz gesagt, er hat seine Erfahrungen gemacht und beschlossen, dass er lieber hierherkommen und fragen würde, ob wir ihn wieder aufnehmen und ihm Arbeit anbieten würden. Er hatte immer Geld nach Hause geschickt und wollte das auch gerne weiter so machen! Natürlich, für einen unserer Jungen haben wir definitiv einen Platz und er kann sogar noch etwas lernen! Als Helfer in der Küche wird er bald Wissen und auch Erfahrung ansammeln, die ihm in seinem Leben weit tragen werden!

Neuigkeiten verbreiten sich schnell, selbst in Indien, und so kehrte bald nachdem Jaysingh wieder bei uns eingetroffen war auch ein weiterer Junge wieder in sein zweites Zuhause zurück: Mohit schloss sich uns auch wieder an. Beide Jungs lernen nun, wie man Pizza, Pasta und mehr macht! Und was auch toll ist, ist, dass sie eingewilligt haben, nebenbei privat zu lernen – um zumindest einen Schulabschluss zu machen!

Es ist toll, sie wieder hier zu haben – und sie sind auch froh!

Noch nie eine Erfahrung des Göttlichen gemacht? Keine Sorge, du bist nicht der Einzige! – 6 Jun 13

Wir sind jetzt in Lüneburg bei Michael, Andrea und Ravael. Ich war schon so oft hier und habe so viel schöne Zeit hier verbracht, dass ich sehr froh war, wieder hier in Lüneburg anzukommen. Wie immer arbeiten auch dieses Mal Michael und ich ein bisschen zusammen mit seinen Patienten. Ein Aspekt, über den wir gestern mit einem von ihnen sprachen, ist sehr interessant.

Nachdem Michael mich vorgestellt hatte, fragte sein Patient: ‚Glaubst du an Gott?‘ Ich antwortete ‚Nein, nicht mehr.‘ Natürlich war die nächste Frage ‚Warum nicht?‘ und meine direkte Antwort war: ‚Weil ich Gott nie erlebt habe.‘

Es ist wahr, ich habe keinerlei Gottes-Erfahrung und die Erfahrungen anderer können mir da nicht weiterhelfen. Es bringt mich nicht dazu, an Gott zu glauben, wenn ich lese, dass Jesus mit Gott gesprochen hat, Mohammed ein Gottes-Erlebnis hat oder Tulsi oder Surdas Gott gespürt haben. Es hilft mir da ja nicht einmal, dass mein bester Freund mir erzählt, er hätte jede Menge Erlebnisse mit Gott – bis ich keine hatte, kann ich nicht sagen, dass ich an Gott glaube! Wenn du Angst hast, macht das mir keine Angst. Wenn du etwas isst, füllt das nicht meinen Bauch. Genauso glaube ich auch nicht an Gott, nur weil du das tust!

Wir sprechen hier eigentlich nicht von der Frage, ob Gott denn nun exisiert oder nicht, sondern wir sprechen über eine Erleben Gottes. Wenn Gott existieren sollte, habe ich nicht die Erfahrung gemacht, dass er das tut und bis ich diese Erfahrung mache, werde ich auch behaupten, dass das, was du als Erfahrung Gottes beschreibst, nur eine Illusion ist.

Ja, ich glaube, dass Religion eine Atmosphäre schafft, die Menschen denken lässt, dass sie Gott erlebt haben, wenn sie Schwierigkeiten haben, etwas zu erklären. Religion schafft ein Bild, eine Vorstellung von Gott und erzählt den Menschen, in welchen Situationen sie in der Lage sind, ihn zu spüren. Sie schlagen bereits vor, wann und wie man Gott erfahren kann – es ist also keine Überraschung, dass religiöse Menschen solche Erfahrungen oft haben. Wenn du dich selbst aus diesem Bereich der Vorschläge herausnimmst, hast du vielleicht das gleiche Gefühl, das ich habe: dass du Gott nicht einmal in den Situationen erlebst, in denen du ihn laut Religion erfahren solltest.

Viele Menschen sagen zum Beispiel, dass man Gott erleben kann, wenn jemand stirbt, der einem nahe stand. Als meine Mutter vor nur einem halben Jahr starb, war ich bei ihr. Ich spürte, wie das Leben ihren Körper verließ, wie ihre Glieder schwerer wurden und ihre Atmung aussetzte. Ich war dort, aber ich spürte nicht, wie Gott ihre Seele zu sich rief, ich sah keine Engel heruntersteigen und ich sah nicht, wie ein kleiner Lichtball sich mit einem großen vereinte. Ich war die ganze Nacht bei ihr und die ganz Zeit, bis wir ihren Körper verbrannten, aber ich hatte keine göttliche Erfahrung.

Vielleicht hatten einige der Leute um mich herum so etwas. Einige unserer religiösen Mitarbeiter, einige der Trauernden, die von den frühen Morgenstunden an bei uns waren. Selbst wenn jemand jedoch Gott erfährt, so ist das immer eine individuelle Erfahrung.

Und meiner Meinung nach könnte diese Erfahrung genauso gut eine Illusion sein, ein Produkt deines Geistes, der schon so viele Informationen bekommen hat, wie eine solche Erfahrung aussehen sollte. Das bedeutet jedoch nicht, dass das, was du erlebst, wirklich ist! Wenn jemand Drogen nimmt, erlebt er vielleicht viele ähnliche Illusionen. Er sieht Engel, die Aura von Menschen und Dingen und vielleicht spricht er sogar mit Gott. Du würdest sagen, er ist high und seine Erfahrung war nicht real. Ich könnte das Gleiche auch über dich sagen – deine Emotionen haben dich high gemacht und deine Erfahrung war nicht real.

Darum glaube ich nicht an Gott. Ich glaube an die Liebe, weil ich gesehen habe, wie die Liebe Großes vollbringen kann. Ich fühle, dass die Dinge mit Liebe funktionieren. Was für dich Gott ist, könnte für mich Liebe sein. Ich erlebe es und sage, dass es für mich wirklich ist – und was auch immer du erlebst, ist, für dich Wirklichkeit!

Den Ashram ohne falsche Erwartungen erleben – 11 Oct 12

Im Ashram sind wir im Augenblick sehr beschäftigt – wir haben das Haus voll mit den Teilnehmern des Ayurveda Yoga Urlaubs und alle genießen ihre Zeit miteinander. Die Teilnehmer haben ihre Massagen, machen Yoga und nehmen einfach am Ashram Leben teil. Gestern Abend habe ich mit einer der Teilnehmerinnen über ihre Zeit hier gesprochen. Sie liebt ihre Zeit hier und sagte mir, was für ein schöner Ort der Ashram ist, mit den Kinder, die hier leben, mit denen, die zum Lernen in die Schule kommen und mit den täglichen Massagen, die sie sehr genießt. Sie fragte ‚Wem würde das nicht gefallen?‘

Tja, ich erzählte ihr ein bisschen von unseren Erfahrungen und davon, welche Art von Leuten hier wirklich nicht sehr glücklich wäre. Es gibt religiöse, spirituelle und abergläubische Menschen, die nach Indien kommen, um eine religiöse Erfahrung zu haben. Sie gehen in einen Ashram, weil sie an einem täglischen Plan voller Rituale und Zeremonien teilnehmen wollen. Sie wollen in der Zeit in den Asrham gehen, wenn der Guru dort ist, so dass sie seinen Segen bekommen und vielleicht ein Wunder erleben können. Doch selbst wenn sie hingehen, wenn er nicht anwesend ist, haben sie ein tägliches Programm mit Chants, Gebeten und Darbietungen am Altar. Auch so bekommen sie ihren Segen.

Das können wir niemandem geben. Wir haben keinen Tempel. Wir haben keine Zeremonie um vier Uhr früh und wir haben keine Chants oder Rituale. Wir haben noch nicht einmal einen Guru! Nein, hier gibt es nichts, was solche Erwartungen erfüllen könnte.

Wir hatten bereits Gäste hier im Ashram, die mit falschen Erwartungen gekommen waren und ihre freie Zeit oder das Spielen mit den Kindern hier natürlich auch nicht genießen konnten. Sie hatten keine Lust darauf, sich unserer Familie anzuschließen, zum Beispiel für schöne Gespräche unter Freunden, sondern wollten, dass ich Vorträge über spirituelle Erleuchtung oder ähnliche Themen gebe.

Also haben wir angefangen, online so viel Information über uns zu geben wie möglich. Wer sind wir? Auf welche Weise sind wir anders? Was kann man hier erwarten und was sollte man nicht erwarten? Ich habe sogar einen Tagebucheintrag darüber geschrieben, welche Leute wir hier willkommen heißen und einen weiteren Eintrag für die, die wir eben nicht willkommen heißen.

Und wenn jemand schließlich per Mail mit uns in Kontakt kommt, stellt er sich normalerweise kurz vor und wenn wir das Gefühl haben, dass dieser jemand eine andere Erwartung haben könnte, erklären wir gleich, wer wir sind. Oder besser gesagt, wer wir nicht sind. Wir sagen den Leuten ganz direkt, dass wir glauben, dass unser Ashram für sie nicht der richtige Ort ist und es weder für sie noch für uns eine schöne Erfahrung wäre, wenn sie hierher kämen.

Mit diesem Schritt haben sich die Dinge geändert und immer weniger Menschen kamen, die nicht über unsere Philosophie der Freiheit und Religionslosigkeit Bescheid wussten. Immer mehr Menschen kamen, die wirklich in einen Ashram kommen wollten, der keine religiöse Atmosphäre hatte, ein Ort, an dem sie nicht dazu gezwungen waren, an einen Guru zu glauben oder an Zeremonien teilzunehmen, sondern an dem sie ihren Tag so organisieren konnten, wie sie wollten und einfach eine liebevolle, indische Familie kennen lernen konnten.

Ich freue mich, wenn ich von unseren Gästen höre, dass sie hierher gekommen sind, weil sie gelesen haben, dass wir so sind, wie wir sind. Schließlich heißen wir sie bei uns zu Hause willkommen und es fühlt sich gut an, mit Menschen zusammen zu sein, mit denen man die grundlegende Lebenseinstellung teilt. Und dann macht es Spaß, miteinander Zeit zu verbringen, zu reden, zu lachen, zu spielen, zu tanzen und zu feiern.

Lies Ashram-Erfahrungen unserer Gäste

Gewalttätige Lehrer erzählen vom gewaltlosen Gandhi – körperliche Bestrafung in indischen Schulen – 3 Oct 12

Gestern, an Mahatma Gandhi’s Geburtstag, habe ich kurz seinen gewaltfreien Weg erwähnt, mit dem er eine Veränderung eingeleitet hat. Leider hat Gandhis Vorstellung einer Veränderung ohne Gewalt die indischen Schulen noch nicht erreicht.

In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall. Vor Kurzem zeigte ein Bericht, dass 99% der indischen Schulen immer noch körperliche Bestrafungen anwenden. Eine sehr verbreitete Meinung bei Lehrern und auch Eltern ist, dass das für Kinder notwendig ist, um sich in der Schule zu verbessern und vor allem dafür, dass sie Anstand und Disziplin lernen. Die Folge soll, in der Theorie, sein, dass die Kinder, sobald sie erwachsen sind, ihren Lehrern dafür danken, dass sie sie geschlagen haben, weil sie dann schließlich in der Schule lernten.

Das wahre Ergebnis sieht jedoch anders aus: wenn man nur eine der Zeitungen von letzter Woche hernimmt, kann man lesen, dass ein Lehrer in Kashmir, in Nordindien, einen Schüler der 9. Klasse in den Bauch geschlagen hat. Der Junge liegt nun mit einem Nierenschaden im Krankenhaus. In einer anderen Zeitung liest man von einem Schüler der 10. Klasse in Haryana, der die Antwort auf eine Frage nicht wusste. Der Lehrer gab ihm 40 Schläge mit dem Stock. Und wieder ist das Kind im Krankenhaus und der Lehrer ist auf der Flucht.

In Indien passieren solche Dinge die ganze Zeit. Lehrer schlagen Kinder, ein Lehrer macht mit einer Klinge Einschnitte in Kinderohren, Kinder kommen mit blauen Flecken und Verletzungen nach Hause, müssen ins Krankenhaus und sterben manchmal sogar an den Folgen. Es gibt ein Gesetz gegen körperliche Bestrafung – doch das wurde offensichtlich noch nicht durchgesetzt.

Wie ich schon zuvor in meinem Blog erzählt habe, habe ich persönlich in der Schule körperliche Bestrafung erlebt und ich erinnere mich an mehrere Lehrer, die einfach nur Freude daran hatten, Kinder zu schlagen und nach einer Entschuldigung suchten, sie bestrafen zu können. Ich bin immer noch wütend und kann ganz klar sagen, dass ich noch nie dafür dankbar war. Nicht damals und auch nicht heute.

Das hört jedoch nicht beim Schlagen der Kinder auf. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Lehrer diese Ausrede verwenden, um Mädchen zu berühren. Heute würde ich das sexuelle Belästigung nennen und vielleicht gibt das einigen kranken Leuten sexuelle Befriedigung. Lasst mich eine solche Szene beschreiben. Wir saßen zum Lernen auf dem Boden, der Lehrer neben einem der Mädchen. Wenn das Mädchen einen Fehler machte, zwickte der Lehrer das Mädchen so fest in den Oberschenkel, dass sie aufschrie. Und das war keien einmalige Angelegenheit! Immer, wenn ich heute an diese Szene denke, hasse ich die Erinnerung und wünschte, ich hätte damals etwas dagegen unternommen. Aber ich war auch nur ein Kind.

Nein, körperliche Bestrafung muss aufhören, das steht außer Frage. Es ist nie richtig, Kindern gegenüber gewalttätig zu werden. Sie sind klein und schwächer als du, also schlägst du sie, weil sie nicht zurückschlagen können. Du machst ihnen Angst vor dir, dem Größeren. Ich glaube jedoch, dass Schläge Kinder noch furchtloser werden lassen. Sie akzeptieren es und denken einfach nur ‚Was kann sonst noch passieren? Dann bekomme ich eben noch ein- oder zweimal Schläge.‘ Das war genau die Einstellung der Kinder in meiner Schule, die oft geschlagen wurden!

Solche veralteten und barbarischen Handlungen sind in der heutigen Gesellschaft fehl am Platz. Darum wurde in so vielen Ländern der Welt die körperliche Bestrafung verboten und es gibt neue Ansätze, wie man Kinder in einer gewaltfreien Atmosphäre unterrichtet. Solche Länder haben einen sehr guten Bildungsstandard, ohne dass ein einziges Kind geschlagen wird! Doch in unserem Land, dem Land von Mahatma Gandhi, den die Welt als Beispiel der Gewaltlosigkeit sieht, ist dieses Gesetz wertlos, es wird einfach nicht durchgesetzt.

Wir sind jedoch positive, dass sich etwas ändern wird und wir arbeiten aktiv daran, diese Veränderung herbei zu führen! In unserer Grundschule haben wir das Gesetz durchgesetzt und unseren Lehrern beigebracht, wie man ohne körperliche Bestrafung unterrichtet. In den vergangenen fünf Jahren mussten wir aus diesem Grund drei Lehrer feuern. Es gibt andere Wege, Kindern zu zeigen, dass sie etwas falsch machen, ohne sie dazu zu bringen, die Schule zu hassen. Ich glaube, dass Kinder gerne zur Schule gehen sollten und wir haben einen solchen Ort und eine solche Atmosphäre geschaffen, so dass die Kinder jeden Tag gerne kommen. Ohne Gewalt.

Du musst die Veränderungen deines Lebens nicht verstecken! Deine Vergangenheit ist Teil von dir! – 13 Sep 12

Vorgestern habe ich erwähnt, dass ich den Parikrama, den zehn Kilometer langen Pilgerweg um die Stadt nicht nur gelaufen bin, sondern auch so, dass ich mich nach jeden drei Schritten hingelegt habe. Ich habe auch gesagt, dass ich meine, dass ich damals verrückt war.

Ich habe auf diesen Eintrag einiges an Feedback bekommen und auch zuvor zu älteren Einträgen, in denen ich erwähnte, wie sehr ich mich verändert habe. Die Leute gratulierten mir, dass ich die Religion verlassen habe und bemerken, dass ich diese Veränderung akzeptiert habe und offen über das spreche, was ich zuvor getan habe. Als ich diese Mails und Kommentare las, dachte ich, es wäre Zeit, wieder einmal über Veränderungen in unseren Leben zu sprechen – und darüber, wie wir unsere Leben vor der Veränderung sehen.

Ihr wisst, dass ich immer offen bin, über mein Leben zu reden – sei das meine Vergangenheit oder meine Gegenwart. Ich erzähle ganz ehrlich von der großen Veränderung, die ich durchgegangen bin, vom Guru und der sehr religiösen Person von damals bis zu dem unreligiösen, einfachen Geschäftsmann, Blog-Schreiber, Ehemann und Vater von heute. Ich schreibe über die Dinge von heute, scheue aber auch nicht davor zurück, von der damaligen Zeit zu erzählen – und von den Lektionen, die das Leben mich gelehrt hat.

Leider schämen sich die Leute, wenn sie eine große Veränderung durchgemacht haben, viel zu oft für ihre Vergangenheit. Sie denken jetzt etwas völlig anderes, als sie damals dachten und halten andere, die nun das Gleiche tun, für verrückt oder dumm. Sie denken in Wahrheit, dass sie selbst auch dumm waren – aber sie würden das nicht zugeben. Stattdessen verstecken sie ihre Vergangenheit. Sie versuchen, alle Beweise von dem, was sie getan haben, zu vernicthen. Mit ihren Freunden haben sie eine unausgesprochene Abmachung, nie über die Zeit oder jene Handlungen zu sprechen und da sind sie: eine perfekte Person.

Sie haben Angst, dass andere das Gleiche von ihrem damaligen Ich denken könnten, wie sie selbst – dass sie verrückt waren, naiv, ein bisschen dumm oder vielleicht auch völlig dumm. Sie wollen ihrer Umgebung das Bild einer perfekten Person bieten, ohne Fehler, die eine Vergangenheit hatte, die einfach nur so war, wie die aller anderen. Sie wollen perfekt sein und haben Angst, dass andere sie verurteilen könnten. Das ist natürlich wieder einmal eine Frage des mangelnden Selbstwertgefühls. Du bist du und du bist das Ergebnis deiner Vergangenheit, warum also willst du einen Teil dessen verstecken, der du bist?

Du musst erkennen, dass jeder aus seiner Vergangenheit gelernt hat. Für einige von uns waren diese Lektionen lebensverändernd und haben das Leben in eine ganz andere Richtung gedreht. Jeder Einzelne von uns hat ein Ereignis in der Vergangenheit, das zeigt, wie sehr wir uns verändert haben. Und ich bi mir sicher, dass die Mehrheit der Menschen in ihrer Vergangenheit etwas getan hat, dass sie heute dumm nennen würden.

Wenn wir alle so etwas in unserer Vergangenheit haben, warum können wir es dann nicht offen und ehrlich zugeben? Warum müssen wir uns für unsere Vergangenheit schämen? Akzeptiere sie einfach wie sie ist, kämpfe nicht damit und verstecke sie nicht. Du musst natürlich nicht rumlaufen und jedem davon erzählen, aber wenn das Thema aufkommt brauchst du auch nicht lügen oder etwas verstecken! Wenn du einfach nur die Tatsachen zeigst, so wie sie sind, bist du ehrlich und das werden die anderen auch merken. Wenn du etwas versteckst und es trotzdem rauskommt, siehst du am Ende lächerlich aus, weil du versucht hast, deine Vergangenheit zu verstecken.

Du solltest das, was du getan hast und wie du dein Leben verändert hast nicht verstecken. Es gibt insbesondere einen weiteren Grund, warum du das, was du erlebt hast, sogar teilen solltest: wenn andere etwas von deiner Geschichte lernen können, wenn sie verstehen können, warum du von einer Denkweise zur anderen gewechselt hast, können sie vielleicht selbst umdenken, den falschen Weg verlassen oder auch davor bewahrt werden, etwas dummes zu tun. Und dann war es das wert!

Verdirbt die modern Technik dir das Reisen oder verbessert sie es eher? – 23 Aug 12

Moderne Technik und besonders das Internet hat viele Bereiche unseres Lebens von Grund auf verändert. Ich war schon immer ein Reisender und natürlich sind unsere Gäste im Ashram auch immer Reise-begeistert – und deshalb kam ich auch zu der Überlegung, wie sehr die Technik das Reisen doch verändert hat.

Die Hauptsache ist, dass die ganze Welt dir nun näher erscheint, egal, wo du bist, wenn du nur einen Computer und eine Internetverbindung hast. Du kannst nicht nur Informationen zu jedem Ort auf der Erde, den Menschen, dem Klima, der Landschaft, den Sehenswürdigkeiten und den Spezialitäten dort bekommen, sondern auch die schönsten Bilder und Videos dieser Länder, Inseln, Ozeane, Berge und Flüsse bekommen. Online kannst du sogar die Leute dieser Orte treffen – als wärst du selbst dort.

Mit dieser Erkenntnis könnte eine Frage aufkommen: Ist es wirklich noch nötig, die Kosten und die Anstrengung auf sich zu nehmen, um an einen anderen Ort dieser Erde zu reisen, wenn wir das alles auch daheim haben können?

Vor Kurzem hatten wir eine Besucherin im Ashram, die sagte, dass die moderne Technologie ihr das Reisen regelrecht verdorben hat. Früher, als es noch keine Dokumentarfilme über jeden Ort der Welt gab und als man noch nicht alles online nachschlagen konnte, kam man an einen Ort wie Mumbai, wo man noch nie zuvor war, und war einfach nur sprachlos. Man hatte vorher keine richtige Vorstellung, wie es sein könnte und so machte man Erfahrungen, von denen man nie dachte, dass man sie haben könnte. Diese Frau ist also der Meinung, dass man heutzutage nichts Neues mehr zu sehen bekommt. Man hat das Gefühl, dass man alles schon gesehen hat und einen nichts mehr wirklich in Erstaunen versetzen kann.

Das ist die zweite Frage: Hat dir die moderne Technologie deine Reise-Erfahrung verdorben? Macht dir das Reisen jetzt weniger Spaß, weil es online so viele Möglichkeiten gibt, es vorher schon von allen Seiten zu betrachten und zu erleben?

Ich habe zu diesen zwei Fragen eine sehr klare Meinung und Antwort. Ein Bild, ein Video oder sogar eine Videoübertragung live kann dir zwar einen guten Eindruck und ein gutes Gefühl für einen Ort geben – aber es kann nie die wahre Erfahrung ersetzen!

All unsere Besucher hier machen an einem Tag einen Ausflug nach Agra zum Taj Mahal. Jeder hat hunderte oder sogar tausende Bilder dieses berühmten Gebäudes gesehen, schon bevor sogar der Gedanke entsteht, nach Indien zu gehen. Während den Reisevorbereitungen kommt dieses Gebäude dann so oft in Bildern vor, dass man meint, man hat es schon so oft gesehen, dass man wirklich nicht mehr dorthin muss – es geht trotzdem jeder hin und niemand bereut es jemals. Jede einzelne Person, die dorthin geht, ist von diesem großartigen Ort beeindruckt, von der Architektur, der Schönheit und diesem hoheitsvollen Gebäude, egal wie viele Bilder man gesehen hat. Es ist das Gefühl, das man an diesem Ort bekommt, das man nicht von irgendeinem Bild haben kann.

Es gibt einfach Dinge, die man nicht durch ein Kabel übermitteln kann! Ein Gefühl, ein Geruch, die wahren Geräusche, das Wetter, die Menschen, die Kultur eines Ortes! Bis du nicht die Luft Indiens riechst, warst du nicht da und kennst Indien nicht! Du siehst ein Bild eines Strands mit dem Ozean und einer Palme, aber bis du nicht dort bist, spürst du nicht den Sand unter deinen Füßen, fühlst du nicht die Hitze der Sonne auf deiner Haut und bist du nicht dankbar für den Schatten, den du unter der Palme gefunden hast. Bis du nicht selbst auf dem Gipfel des Berges stehst, kannst du nicht das herrliche Gefühl haben, dass du dort hinaufgestiegen bist und dich nun umsiehst, als wärst du auf dem Gipfel der Erde angekommen.

Das Gleiche gilt für Menschen und ihre Kultur – du kannst eine Kultur nur erleben, wenn du wirklich dort bist.

Nein, das Reisen bringt dir immer eine einmalige Erfahrung. Technik ist toll, weil sie dir die Welt zu dir nach Hause bringt und es auch denen ermöglicht, die Welt zu sehen, die nicht reisen können. Doch sie kann niemals die wahre Erfahrung des Reisens ersetzen!

Versuche nicht, andere zu überzeugen – sie müssen ihre eigene Erfahrung machen – 15 Jun 12

In den letzten Tage habe ich einige Einträge geschrieben, die meine Einstellung zur Religion, den Schriften und all dem Unsinn, der damit zusammenhängt, klar darstellen. Manchmal ist dieser Unsinn nicht nur lustig, sondern kann auch gefährlich werden, egal von welcher Religion man da spricht. Ich hatte erwartet, dass diese Tagebucheinträge kritisiert würden und das ist genau das, was auch geschehen ist. Die meisten Menschen bestreiten die Punkte, sprechen von späteren Abänderungen und Übersetzungsfehlern und wollen die Wahrheit einfach nicht sehen. Ich streite und diskutiere für gewöhnlich nicht viel. Ich sage meine Meinung und lass die Leute dann ihre eigene Meinung bilden. Warum? Weil ich nicht glaube, dass ich wirklich jemanden überzeugen kann, indem ich mich mit ihm darüber streite.

Es lag mir nie, zu streiten und zu diskutieren, auf meinem Punkt zu beharren und ihn gegen endlose Angriffe von außen zu verteidigen in dem Versuch, ihn von verschiedenen Seiten zu beweisen, um die andere Person zu Verständnis und Zustimmung zu bewegen. Ich neige nicht dazu, Menschen zu überreden und ich habe fast nie eine richtige Debatte mit irgendjemandem. Das ist vielleicht ein paar Mal vorgekommen – online oder in Person – und sobald das Gespräch vorbei war, habe ich meistens bereut, so viel Energie vergeudet zu haben. Es war klare Zeitverschwendung, weil der andere sich keinen Millimeter von seinem Standpunkt bewegt hatte, genau wie ich.

Wenn man es einmal realistisch betrachtet, wie sollte man denn auch in der Lage sein, jemanden mit einer Seite seiner aufgeschriebenen Gedanken zu überzeugen? Oder mit einigen Kommentaren auf einer sozialen Netzwerk-Seite wie Facebook? Selbst im wahren Leben, außerhalb des Computers, im Gespräch mit jemandem, der vor einem sitzt, wird man in einer halbstündigen Diskussion die Meinung des anderen schwerlich ändern können.

Ein Beispiel dazu: Ich sprach einmal mit einem Freund und stellte die unterschiedlichen schlechten Auswirkungen von Religion dar. Nach einer Weile sagte er okay, es gibt viele negative Punkte, aber noch mehr positive! Ich forderte ihn auf, sie mir zu nennen, aber er fand nicht einmal einen. Trotzdem wollte er es nicht akzeptieren. Man kann auch so viel man möchte über die Ungerechtigkeit des Kastensystems reden – wenn jemand daran glaubt, kriegt man ihn nicht dazu zu sehen, dass das falsch ist!

Der Grund ist, dass Menschen ihre eigenen Erfahrungen machen müssen, um sich zu ändern. Diskussionen sind gut zum Lernen. Man kann andere Sichtpunkte erfahren, seine Redekunst üben, doch man wird schwerlich jemanden überzeugen können.

Das ist eigentlich auch ziemlich klar: wie könnte man denn mit ein paar Zeilen oder ein paar Minuten im Gespräch Vorstellungen auslöschen, die im Laufe vieler Jahre entstanden sind oder sogar von klein auf gelernt wurden? Veränderung findet nur statt, wenn eine Person bereit ist und wirklich will, sonst sind Vorurteile und Meinungen, die schon zuvor gebildet wurden, einfach zu stark. Der andere versteht vielleicht die Argumente, die man aufführt und die dargestellte Sichtweise mag ihm auch richtig erscheinen, doch er akzeptiert es trotzdem nicht, besonders wenn es da um seinen Glauben geht. Es ist egal, wie gut man im Argumentieren ist und wie schön man seine Argumente darstellen kann, der andere wird sich aufgrund deiner Worte nicht ändern.

Darum versuche ich es gar nicht erst. Es ist besser, wenn man seine Zeit und Energie dabei nicht verschwendet. Man kann seine Ansicht darlegen, erklären, was seine Meinung ist und klar machen, warum es so ist. Aber streite nicht und verteidige dich nicht. Wenn jemand anders denken will, ist das auch in Ordnung. Und wann auch immer der andere eine ähnliche Erfahrung macht, etwas, das ihn erkennen lässt, was man ihm vorher sagte, denkt er an diese Worte und hat auch den Raum, das zu akzeptieren. Wenn man zuvor streitet und darauf besteht, könnte ihn sein Ego davon abhalten, die Wahrheit zu akzeptieren. Wenn man nur seine Punkte darlegt, sie aufzeigt und erklärt, kann er selbst wählen, daran zu glauben, sobald er dazu bereit ist.

Wenn alles schiefläuft – und wir nicht wissen warum – 7 Mar 12

Wenn in deinem Leben unangenehme Dinge geschehen, Dinge, die du so nie wolltest und von denen du dachtest, dass sie ganz anders verlaufen würden, versuchst du zu analysieren, was falsch gelaufen ist. War es eine falsche Entscheidung, ein falscher Schitt? Hast du deine innere Stimme, deine Intuition ignoriert? Oder hast du den Rat von anderen ignoriert? Oder war von deiner Seite vielleicht alles in Ordnung und trotzdem kam es zu diesem Ergebnis – und jetzt hast du das Gefühl, dass es nicht in deinen Händen liegt. Dann hast du natürlich das Gefühl, dass es wohl so hat sein sollen.

Was auch immer der Grund ist, wenn du sicher bist, dass du ehrlich warst und eine gute Absicht hattest, bedaure das Ergebnis nicht und auch nicht die Entscheidungen, die du gemacht hast. Das Gute ist, dass man mit jeder Erfahrung lernt. Man hat Zeit die Situation zu analysieren und sich und seine Handlungen dann zu verbessern. Wenn du das Gefühl hast, dass eine Entscheidung falsch war, mach dir nichts draus, du hast das Ergebnis gesehen und triffst die gleicht Entscheidung in der Zukunft nicht mehr.

Manchmal spüren wir in uns, dass die Dinge in eine Richtung gehen, die uns nicht gefällt. Wir haben eine Art Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmt, unsere Intuition sagt uns, dass wir jetzt die Bremse ziehen müssen. Leider hören wir nicht oft genug auf diese Stimme. Oder man verwechselt diese Stimme mit seinen üblichen Zweifeln und glaubt, dass es nur sein negatives Denken ist, das einem sagt, es kann so nicht klappen. Also macht man weiter und so hat man nun dieses Ergebnis – manchmal wäre es gut, wenn man auf seinen Bauch hören würde.

Es gibt jedoch Situationen, in denen wir das Gefühl haben, dass keine unserer Entscheidungen falsch war. Vielleicht hatten wir das Gefühl, dass es nicht in die richtige Richtung geht, aber wir hatten keine Chance anders zu handeln. Wir haben das Gefühl, dass das, was wir getan haben, richtig war, obwohl das Ergebnis nicht so aussieht, wie wir es gerne hätten. Manchmal müssen wir im Leben auch solche Situationen akzeptieren. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die zu einer Situation beitragen und besonders zu den Handlungen verschiedener Leute. Man hat selbst gesagt, was man sagen wollte, aber vielleicht hat der andere noch von anderer Seite etwas anderes gehört. Vielleicht ist etwas geschehen, das seine Meinung völlig verändert hat. Vielleicht war derjenige einfach nicht die richtige Person für das Ergebnis, das man erreichen wollte. Auch in solchen Fällen müssen wir es einfach akzeptieren.

Manchmal liegt das Ergebnis einfach nicht in unseren Händen, also macht es keinen Sinn zu bereuen, was wir getan haben. Bleib im Kopf einfach nicht an diesem Punkt hängen und denke nicht die ganze Zeit darüber nach, was vielleicht passiert wäre, wenn du eine andere Entscheidung getroffen hättest. Das wirst du nie erfahren. Niemand kann das jemals erfahren. Wenn du etwas anderes gesagt hättest, wenn du anders gehandelt oder reagiert hättest, wenn du mehr Emotionen oder weniger Emotionen gezeigt hättest, es macht einfach keinen Unterschied. Du hast das getan, was du für richtig gehalten hast, du hast es mit den besten Absichten und voll Ehrlichkeit getan. Lerne etwas für die Zukunft, aber bleibe nicht in der Vergangenheit hängen.

In Wahrheit hat ein schlechtes Ergebnis auch immer einige gute Aspekte. Versuche, diese zu sehen, lache über die Episode, wenn sie vorüber ist und mache mit deinem Leben weiter. Das Leben ist großartig, es gibt uns so viele Erfahrungen!

Wer alles mit Geld aufwiegt, kann auch Gefühle anderer verletzen – 20 Okt 11

Vor einiger Zeit habe ich über Menschen geschrieben, die aus meinem Leben verschwunden sind oder mit denen ich nicht mehr beisammen sein konnte, weil sie religiös waren und ich nicht. Ihre Erwartungen an meine religiösen Ansichten waren zu hoch. Eine weitere Einstellung, mit der ich in meinem Leben immer Probleme hatte, war die Art mancher Leute, alles mit Geld zu messen.

Interessanterweise habe ich das besonders mit reichen Menschen so erlebt. Man möchte meinen, dass eine arme Person darüber nachdenken würde, wie viel alles wert ist, aber oft sind es diejenigen, die sich fast alles leisten können, was sie haben wollen, die jede Handlung und jedes Gefühl aufrechnen und ins Finanzielle umrechnen.

Ich habe mehrere Male die Erfahrung gemacht, dass mir jemand nahe kommt und wir eine gute Beziehung zueinander haben und dass dann Probleme entstehen, weil es sich für denjenigen nur ums Geld dreht. Wenn ich das erkenne und merke, fühlt es sich seltsam an. Es kann auch verletztend sein, wenn man ein Gefühl hat und es durch eine liebevolle Handlung ausdrückt und man dafür eine Antwort mit Geld bekommt.

Leider gibt es viele Menschen, die an alles in einer bestimmten Währung denken. Diese Einstellung macht die Menschen auch geizig, besonders diejenigen, die mehr als genug haben. Jetzt sagst du vielleicht, dass sie nur durch ihren Geiz reich geworden sind, aber das ist für mich nicht wirklich etwas bewundernswertes. Wer wäre nicht gerne reich und hätte nicht gerne viel Geld? Ich denke, jeder wäre froh darüber, in finanziellem Überfluss zu leben, aber die Einstellung zum Geld muss auch stimmen. Was hat dir dein Geiz gebracht, außer Geld? Bist du wegen deinem Geiz glücklich?

Wenn eine solche Person, jemand der reich und geizig ist und alles mit Geld aufwiegt, einem armen Menschen etwas gibt, fühlt er sich immer, als hätte er sehr viel gegeben. Dabei ist es egal, ob er einem Bettler zwanzig Rupien gegeben hat oder jemandem ein paar Dollar Trinkgeld mehr. Er ist stolz auf das, was er getan hat und glaubt, er hat eine sehr wohltätige Tat begangen. Was er nicht erkennt ist, dass der Bettler genau weiß, dass er auch zehn oder hundert Mal mehr hätte geben können, ohne in finanzielle Probleme zu geraten. Er hätte viel mehr Trinkgeld geben können und das weiß auch der Kellner. Eine solche Person erwartet jedoch für dieses bisschen an Geld auch noch große Dankbarkeit. Ein wirklich großzügiges Herz gibt ohne Erwartung und ohne Geiz.

An diesem Punkt muss ich deutlich sagen, dass ich auch viele reiche Menschen getroffen habe, die wirklich großzügig sind und zu keiner Zeit zögern, jemandem, der in Not ist, zu helfen. Es ist eine Erfahrung, dass Reichtum in vielen Menschen eine andere Einstellung schafft, aber es ist bei Weitem nicht jeder von diesem Problem betroffen.

Wiege nicht alles mit Geld auf. Man kann die Welt unterschiedlich sehen und Geld ist dabei nicht das Wichtigste. Wenn du geben willst, gib großzügig und erwarte nichts zurück. Wenn du etwas bekommst, schätze es mit deinem Herzen, nicht mit deinem Geldbeutel.

Zeit ist nie vergeudet, selbst wenn du an falsche Gurus geglaubt hast – 13 Okt 11

Gestern habe ich geschrieben, dass es viele Menschen geben gibt, die von ihren Gurus enttäuscht sind und ihr Vertrauen in Dinge verloren haben, die damit zu tun haben, doch sie verkaufen weiter die gleichen Bücher, Zeremonien, Rituale und Zaubertricks, weil es auch ihr eigenes Geschäft ist und sie damit ihr Geld verdienen. Es gibt jedoch auch andere, die kein Geschäft betreiben, die aber trotzdem ihren Glauben in falsche Zaubertricks nicht aufgeben, obwohl sie ihren Guru verlassen haben. Was ist der Grund für ihr Verhalten?

Ich habe viele dieser Menschen getroffen und ich habe euch schon zuvor von ihnen erzählt. Sie wollen mit ihrem Guru nichts mehr zu tun haben, sagen aber immer noch, dass er irgendwelche übernatürlichen Kräfte hat. Sie glauben, dass er ein Betrüger ist, aber sie zeigen anderen, dass sie an die Magie und Zauberei glauben, die er propagiert. Warum?

Ein wichtiger Grund für diese Art von Verhalten ist die Zeitspanne, die sie darin investiert haben, ihrem Guru zu folgen. Es gibt so viele Leute, die zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig Jahre bei einem Guru verbracht haben, dann etwas über ihn erfahren haben oder eine Erfahrung mit ihm gemacht haben und erkannt haben, dass sie nicht mehr bei ihm bleiben können. Da stehen sie dann, ohne die sichere Gemeinschaft anderer Anhänger, und sind am Boden zerstört.

Für viele ist das wirklich eine sehr schlimme Situation und ich habe viele Menschen kennen gelernt, die diese Situation erlebt haben. Jeder von ihnen musste irgendwann anfangen, seine Welt Stück für Stück wieder zusammenzufügen. Und keiner von ihnen will das Gefühl haben, dass er seine ganze Zeit verschwendet hat! Menschen kommen zu mir und fragen mich um Rat und sie weinen und fragen ‚Was soll ich nun fühlen? Habe ich all diese Jahre meines Lebens verschwendet? Ich habe an etwas geglaubt und jetzt merke ich, dass es nicht wahr ist!‘ Sie wollen nicht all ihre Zeit verschwendet haben und darum akzeptieren viele von ihnen, dass ein klein bisschen von dem allen doch wahr und richtig gewesen sein muss. Sie akzeptieren einen Teil der ganzen Geschichte und lassen sich selbst an Siddhis oder Magie glauben, dass dass sie das Gefühl haben, dass nicht alles verloren ist.

So solltest du nicht denken. Du musst dich nun nicht selbst zum Narren halten, nur damit du dich besser fühlst! Egal, wie viele Jahre du investiert hast, sie sind nicht verloren! Du hast deine Zeit nicht verschwendet, sondern du hast Erfahrungen gemacht, du bist nun stärker und du kennst die Wahrheit! Wie könntest du heute die Wahrheit kennen, wenn du diese Erfahrung nicht gemacht hättest? Akzeptiere die Wahrheit und sei ehrlich damit. Diese Jahre haben dich wachsen lassen.

Wir haben in Hindi eine Redewendung, die übersetzt heißen würde: „Wenn du aufwachst, ist es Morgen.“ Das sage ich jedem, der mich in dieser Situation anspricht. Es ist egal, ob das sechs Uhr, acht Uhr oder zehn Uhr ist. Du wachst auf und ein neuer Tag ist da, den du leben musst. Es ist nie zu spät und Zeit ist nie vergeudet. Akzeptiere deine Erfahrung und wachse daran.