Der lustige Bericht von nicht-Hindus nach einer religiösen Zeremonie in Indien – 26 Feb 15

Ich habe euch schon oft erzählt, dass wir im Ashram gerne Gäste haben! Es ist wirklich schön, wenn man Menschen unterschiedlicher Länder an einem Ort hat, wenn alle ihre Gedanken und ihre Meinungen teilen und austauschen. Natürlich erzählen sie uns auch, was sie in Indien gesehen und erlebt haben – und vor kurzem hat uns ein Bericht nicht nur zum Lachen gebracht, sondern uns auch ins Nachdenken gebracht, und zwar über Menschen, die religiöse Rituale durchführen und versuchen, andere zur Teilnahme zu bewegen.

Zwei unserer Ashramgäste waren ans Keshi Ghat gegangen, der Ort in Vrindavan, an dem Treppenstufen in den Fluss Yamuna führen. Zur Zeit hat der Fluss einen sehr niedrigen Wasserstand, aber das hält die Menschen nicht davon ab, täglich eine Feuerzeremonie für Pilger abzuhalten, die den Fluss verehren wollen. Das Paar ging, um sich diese Zeremonie anzusehen – und ihr Bericht dieser Erfahrung war einfach zum Brüllen komisch.

Für Gewöhnlich setzen sich die Leute an die Seite und sehen aus einer gewissen Entfernung zu, was dort vor sich geht. Sie kamen an den Ort und überlegten noch, wo sie sich am Besten hinsetzen sollten, als einige Pilger kamen und ihnen durch Gesten anzeigten, dass sie weiter nach Vorne kommen sollten. Sie folgten ihnen und fanden sich bald in der Mitte einer Menschenmenge wieder und machten, was ihnen gesagt wurde, um keinerlei religiöse Gefühle zu verletzen und natürlich auch, um diese einzigartige Erfahrung zu machen.

Und einzigartig war sie allemal! Sie erzählten, wie sie Teigstücke bekamen, die sie in den Fluss werfen sollten, wie sie brennende zeremonielle Kerzenständer halten mussten, die in der Menge umherschwingen sollten, immer darauf bedacht, nicht ihre Nachbarn zu versengen und wie sie sogar kleine Kerzenboote mit Hilfe eines langen Stabes balancierend in den seichten Fluss geben mussten. Irgendwann wurde ihnen eine hohle Art Horn gegeben, die dann mit Milch gefüllt wurde und die sie, wie ihnen wieder mit Gesten bedeutet wurde, über den Fluss halten sollten, so dass die Milch in den Fluss floss. Es war ein Balanceakt zu versuchen, das Horn weit genug raus zu halten, dafür, dass die Milch das Wasser erreichen würde, während zu versuchen, selbst nicht über das Geländer zu fallen! Sie waren erleichtert, als es schließlich leer war – und schockiert, als zweimal jemand kam, um es nachzufüllen!

Zurück im Ashram spielten sie die Handlungen noch einmal nach und ernteten großes Gelächter. Natürlich hatten sie auch Freude daran und sagten, dass sie wirklich mitten drin waren, aber gleichzeitig waren sie erschöpft. Es war viel Lärm, der Fluss floss nicht wirklich und stank ziemlich und sie mussten jede Menge ungewöhnliche Bewegungen vollführen. Und dann machten sie sich auch ein bisschen über diese Handlungen lustig. Und das ist ja auch klar: sie wussten wirklich nicht, was sie da machten, was die Logik oder der Symbolismus hinter diesen Handlungen war!

Während ich glaube, dass sie jede Menge Erinnerungen von dieser Erfahrung davontragen und obwohl wir unseren Gästen immer empfehlen, diese Zeremonie zu besuchen, um die Atmosphäre zu erleben, glaube ich auch, dass sie nicht da hineingezogen werden sollten.

Wirklich, wenn man seine eigene, ganz offensichtlich hinduistische Zeremonie vollführt und eine Person kommt, die ganz deutlich kein Hindu ist, die also deine Rituale und Traditionen nicht kennt, warum versuchst du, diese Person dazu zu bewegen, es dir nachzumachen? Wenn du demjenigen deine Religion zeigen möchtest, wäre es nicht nötig, ihn all diese Dinge, die er eh nicht versteht, machen zu lassen. Davon lernt er deine Religion doch kein bisschen besser kennen! Willst du deine eigene Religiosität zur Schau stellen? Auch dafür müsste der andere nicht das tun, was du tust! Oder willst du am Ende nur eine größere Spende? Ein religiöses Drama für Geld?

Und dann musste ich jedoch auch wieder an die Hindus denken, die bei dem Ritual mitmachen. Viele von ihnen wissen in Wirklichkeit auch nicht, was sie da tun! Sie ahmen nur das nach, was der Priester macht und was ihre Eltern und Vorfahren ihnen gezeigt und immer wieder wiederholt haben. Sie kennen die Symbole und den gedachten Sinn dahinter nicht. Also ist es auf gewisse Weise für sie auch nur ein Spiel. Ein Spiel mit den Vorteilen eines möglichen, göttlichen Segens.

Ich kann verstehen, dass du den Spaß eines Spiels gerne mit einem Fremden teilen möchtest. Aber lass mich dir sagen, dass dich das auch in Gefahr bringt, ausgelacht zu werden – und ich weiß sicher, dass du das nicht möchtest! Warum also können wir es nicht einfach so halten: wenn jemand kommt und aktiv Interesse daran zeigt, mitzumachen, lass sie das tun. Wenn nicht, lass sie einfach nicht zusehen! Dränge niemanden und mach einfach dein Ding!

Und vor allem würde ich dir raten, wenn du mal etwas freie Zeit hast, an den Fluss zu denken, die Verschmutzung und andere Probleme und welchen Unsinn du da eigentlich machst! 🙂

Wenn die ganze heilige Milch im Abfluss landet… – 24 März 13

Wenn ich an das Jahr 2005 zurückdenke, muss ich sagen, dass ich mich da immer noch in einem großen Prozess der Veränderung befand. Natürlich besteht dein ganzes Leben aus Veränderung, aber nachdem ich im Dezember 2000 die Höhle verlassen habe, hat sich in meinem Leben so viel verändert, dass es noch Jahre später zu spüren war – und die Veränderung ging ja immer weiter! Weg vom Leben als Guru und damit natürlich auch langsam bei einigen Überlegungen zur Religion und was alles hinter dem ‚Guruismus‘ steht, den ich ja hinter mir gelassen hatte. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine lustige Situation mit einem Freund in Deutschland, die mich einerseits zum Lachen brachte, mich andererseits jedoch den Sinn einiger religiöser Rituale in Frage stellen ließ.

Ich hatte während meinen Reisen in ganz Deutschland viele Freundschaften geschlossen und natürlich waren darunter auch viele Heilpraktiker, die zu meinen Vorträgen, Programmen und Einzelsitzungen kamen. Einer von ihnen war ein Mann, der auch großes Interesse daran hatte, mein Programm bei sich zu organisieren. Ich hatte freudig zugestimmt und so hatte er mich nach Heidelberg eingeladen, wo ein Freund von ihm ein Zentrum hatte. Während ich dort arbeitete, hatten wir einige Gespräche und ich erfuhr, dass mein neuer Freund ein neues Haus baute, nicht weit weg, in einem Vorort von Heidelberg. Das Haus sollte in ein paar Wochen fertig sein und er fragte mich, ob ich nicht zu ihrer Einweihungsfeier kommen wollte und vielleicht sogar eine Zeremonie machen wollte, um das Haus zu segnen. Ich willigte ein – das war nichts Neues für mich und für einen Freund würde ich das doch gerne machen.

So waren wir mit mehreren Freunden im neuen Haus zusammen gekommen, sobald es fertig war. Es war eine nette Gruppe mit etwa 30 Leuten, von denen ich mehrere kannte. Wir führten eine traditionelle Segens-Zeremonie mit Abhishek aus, ein Ritual, in dem man die Statue Gottes mit Milch, Honig und einigen anderen Zutaten wäscht und um Segen bittet. Alle nahmen an dem Ritual teil und wurden so zu einem Teil davon, während ich dabei Mantras rezitierte. Am Ende dieses Rituals bekommt normalerweise jeder ein Glas der Milch und der anderen Zutaten. Es ist lecker und wird natürlich als gesegnet angesehen. Ein heiliges Getränk, das dir etwas von Gottes Energie, Stärke und Glück bringt.

Als wir also fertig waren, reichte jemand meinem Freund die Milch und er stand auf und ging damit hinaus. Der ganze Raum wartete und manche von ihnen wussten, was nun kommen würde – sie waren in freudiger Erwartung dieses Getränks, das voller positiver Energie sein sollte. Als mein Freund jedoch zurückkam, hatte er nicht wie erwartet mehrere Gläser voll des heiligen Getränks in den Händen – nein, er trug die leere Schüssel vor sich her! Was war denn mit der gesegneten Milch passiert?

Ganz einfach, er hatte sie weggeschüttet! Er hatte nicht gewusst, was er eigentlich damit machen wollte und hat es in den nächstbesten Abfluss geschüttet! Manche Leute waren ernsthaft geschockt, als er das sagte – hatte er etwa all die heilige Milch weggeschüttet? Als ich jedoch in sein Gesicht sah, musste ich doch lachen – er hatte ganz offensichtlich Schuldgefühle deswegen, aber er hatte einfach nicht gewusst, dass es heilig war und getrunken werden sollte! Mit mehreren meiner Freunde kann ich heute noch über diese Geschichte lachen – es war einfach zu lustig, wie alle auf ein besonders heiliges Getränk warteten, dass er einfach dorthin goss, wo man normal dreckiges Putzwasser entsorgt!

Ich habe euch jedoch bereits gesagt, dass das noch Grund für einen weiteren Gedanken war: was bedeutet Heiligkeit, wenn jemand davon nichts weiß? Man macht ein Ritual und glaubt, das Ergebnis sei ein heiliges Getränk, aber die andere Person, die so ein Ritual noch nie durchgeführt hat, meint, es wären nur ein paar seltsame Zutaten zusammengemischt, nichts Besonderes. Macht dieses Ritual denn wirklich Sinn? Ist es ein Segen für das Haus, selbst wenn es nun durch die unterirdischen Rohre fließt? Manche Menschen würden sogar sagen, es sei das Gegenteil – wenn man die heilige Milch in den Abfluss schüttet, muss das für das Haus schlecht sein!

Ich habe nie daran geglaubt, dass ein Ritual eine negative Auswirkung auf dich haben könnte, selbst wenn du es nicht so durchgeführt hast, ‚wie es sein sollte‘! Ist das alles also nicht nur ein psychologischer Effekt?

Es war ein Gedanke, der hochkam, etwas, das in mir blieb. Es mag auf mich keine sofortige Wirkung gehabt haben, war aber ein kleines Puzzlestück der großen Veränderung in mir.

Hindu Traditionen 13 Tage nach dem Tod – an Tehravi feiern und mit Geld angeben – 28 Dez 12

In den vergangenen Tagen habe ich über all die religiösen Bräuche und Traditionen geschrieben, denen Hindu Familien normalerweise folgen, die wir jedoch abgelehnt haben. Nebenbei habe ich die Tradition erwähnt, dass es am 13. Tag nach einem Tod in einem Haus ein großes Essen gibt. Es wird ‚Terahvi‘ genannt.

Religiöse Menschen verbringen die Tage nach einem Tod in ihrem Haus sowieso mit vielen Ritualen und täglich kommt ein Priester bei ihnen vorbei, um die eine oder andere Zeremonie durchzuführen. Dieser Tag ist jedoch der wichtigste, weil es das Ende ihrer Unberührbarkeit bedeutet. Es gibt Rituale, die nach den Anweisungen eines Priesters durchgeführt werden müssen und die Hauptsache an diesem Tag ist das große Essen.

Zuerst gibt man 13 Brahmanen zu essen, gibt ihnen Kleidung, gibt ihnen Geld, Töpfe und andere Haushaltsgegenstände. Sie sind die wichtigsten Gäste und bekommen mit ihrem Essen jede Menge Geschenke. Das ist jedoch nicht alles! Dazu muss man auch noch so viele Menschen wie möglich zum Essen einladen. Es werden 50, 100, 500 oder 1000 Gäste eingeladen, je nach sozialem Stand und finanziellen Möglichkeiten.

Da fangen für viele Leute die Probleme an und da kommt auch der Grund dafür, warum diese Praxis nicht nur bei unreligiösen Menschen wie uns nicht beliebt ist: dieses Essen ist zu einer Art Wettbewerb geworden dafür, wer nach dem Tod eine geliebten Menschen den meisten Leuten zu Essen geben kann. Je mehr Leuten man zu Essen gibt, desto mehr hat man die Person geliebt. Was jedoch sollen diejenigen tun, die sich nicht so viel leisten können? Menschen, die für die Hochzeit ihrer Töchter Kredite aufgenommen haben, weil sie eine hohe Mitgift geben mussten? Stellt euch einmal ihre Situation vor, wenn plötzlich jemand stirbt und von ihnen erwartet wird, dass sie die ganze Stadt einladen! Das würde sie vollkommen in den Ruin treiben!

Obwohl es heutzutage Menschen gibt, die sich dieser Tradition widersetzen, ist es immer noch ganz normal und die Leute waren überrascht, als wir ihnen erzählten, dass wir gar nichts machen würden. Für manche Menschen bedeutet das offensichtlich, dass sie mit ihren eigenen Festen noch mehr angeben müssen. Ein Mann sagte uns, er hätte 900 Leute eingeladen, als seine Frau gestorben war! Ganz toll, aber was willst du uns damit sagen? Dass du im Trauern besser bist als wir? Wenn du so willst, darfst du das gerne so sagen… Wir wussten jedoch, dass wir 13 Tage nach Ammajis Tod kein Festessen organisieren wollten.

Solche Essen fühlen sich wirklich oft nach Festen an! Ein Festessen und die Leute sind froh, dass sie nun nicht mehr unrein sind. Nein, wir wären nicht in der Lage gewesen, mehr als das zu tun und wir sehen nicht ein, warum wir jede Menge Leute einladen sollten und anderen zeigen sollten, wie viel Geld wir zu diesem Anlass ausgeben können! Wir geben nicht gerne an, wir glauben sowieso nicht, dass wir die ganze Zeit unrein waren und wir machen keine Rituale.

Als wir dann gefragt wurden, wann denn das Essen stattfinden würde, sagten wir, dass wir keines abhalten würden. Auch Babbajis Freunde, die von dem Besuch seines alten Freundes gehört hatten, fragten übers Telefon und Babbaji sagte ihnen, dass wir gar nichts machen würden. Am Ende kam keiner aus diesem Kreis und wir sind damit auch vollauf zufrieden.

Schließlich bleibt zum Schluss nur noch ein Gedanke: wenn die Zeremonie an dem Tag dich wieder rein macht und wir sie nicht gemacht haben, bleiben wir dann in den Augen der Menschen unrein? Werden sie denn nie wieder kommen, bis wir das Ritual durchgeführt haben?

Ein interessanter Gedanke, aber ich glaube nicht, dass die Leute dann doch so extrem sein werden!

Wenn 50 Jahre Freundschaft weniger wert sind als religiöse Bräuche – 27 Dez 12

Wir hatten nicht vielen Menschen vom Ableben unserer Mutter erzählt und es der Nachricht überlassen, sich selbst zu verbreiten. Jeder von uns hatte jedoch natürlich seinen besten Freund angerufen und Babbaji hatte zwei oder drei weitere Leute angerufen, die ihm oder Ammaji nahe gestanden waren. Es war die Reaktion einiger von ihnen, die in mir einen Ärger auf religiöse Traditionen hervorrief – weil sie meinen Vater verletzten!

Am Dienstag Morgen, einen Tag nachdem Ammaji uns verlassen hatte, sahen wir einen von Babbajis alten Freunden durch das Tor kommen. Unser Schmerz war immer noch recht frisch und wir sahen immer wieder nach Babbaji, wie es ihm ging, nun, da er allein war. Als wir also diesen alten Freund sahen, der zuvor auch ganze Monate im Ashram verbracht hatte, freuten wir uns und waren dankbar. Wir dachten, was könnte denn nun besser sein als dass Babbaji einen alten Freund hier hatte, mit dem er sich über alte Zeiten unterhalten konnte, über Ammaji reden konnte und einfach nur zusammen sitzen konnte und den Schmerz ein wenig lindern!

Purnendu, der draußen war, grüßte ihn, bevor er Babbaji rief. Wir waren alle noch ziemlich damit beschäftigt, die Aufgaben neu zu verteilen, die normalerweise Ammaji übernommen hatte, also setzten wir Kinder uns nicht mit den beiden hin. Nach nur ein paar Minuten kam Babbaji zu uns ins Büro, wo wir gerade etwas besprachen. Er sagte uns, wir sollten sehen, ob wir oben ein Zimmer frei hatten, wo sein Freund bleiben könnte und bat uns, es doch vorzubereiten, so dass er ihm das Zimmer geben konnte.

Als er jedoch das Büro verließ, war sein Freund weg. Er war einfach gegangen! Er hatte Wasser und Tee abgelehnt, er blieb nicht, er hatte sich noch nicht einmal von irgendjemandem verabschiedet! Alle waren überrascht und ein bisschen geschockt. Und natürlich war mein Vater sichtbar verletzt! Warum war er denn dann überhaupt den ganzen Weg von Delhi gekommen, nur um zehn Minuten später wieder zu gehen? Er hatte daheim in Delhi auch nichts zu tun, warum hat er also nicht bleiben können? Und wie kam es, dass er einfach gegangen war, ohne auch nur ein Wort zu sagen?

Am Nachmittag rief dieser Freund an und als mein Vater ihm ganz klar sagte, dass ihm sein Verhalten nicht gefallen hatte. Er antwortete darauf, dass sie das in seiner Familie, seiner Tradition und seinem Glauben so machten. ‚Wir kommen, aber wir bleiben nicht lange dort, wir essen und trinken nichts, sondern kommen gleich zurück!‘ Er fuhr fort, dass er am 13. Tag nach Ammaji’s Tod kommen würde, wenn wir wieder rein sein würden, aber mein Vater sagte ihm, er solle besser nicht kommen – wir würden sowieso keine Rituale machen und auch kein großes Festessen, das die Leute an dem Tag erwarten.

Als ein gemeinsamer Freund von Babbaji und diesem Mann anrief, erzählte Babbaji ihm die ganze Geschichte und sagte auch, wie sehr es ihn und die ganze Familie verletzt hatte. Er sagte diesem Mann, er solle gar nicht kommen, weil er doch das Gleiche machen würde und das uns nur noch mehr Kummer bereiten würde.

Wir sprachen mit unserem Vater über diesen Vorfall und stimmten alle überein, dass wir solche Leute in unserer Zeit der Trauer nicht um uns haben wollten. Unser Vater litt nach dem Tod seiner Frau natürlich unter Einsamkeit und obwohl wir so viel bei ihm sind wie möglich und Yashendu sogar in seinem Zimmer schlief, wäre es doch toll gewesen, jemanden in seinem Alter hier zu haben, jemand, mit dem er sich an alte Zeiten erinnern hätte können, als sie alle jünger waren. Statt diese Unterstützung zu bekommen, wurde er aus religiösem Aberglauben beleidigt. 50 Jahre Freundschaft ist für sie nicht so wichtig wie ihre religiösen Bräuche.

Babbaji erinnerte sich daran, wie Menschen auch in der Zeit nach dem Tod meiner Schwester gekommen war und ihre Ratschälge gaben, was wir alles tun sollten, welche Rituale getan werden sollten, fragten, ob wir dieses oder jenes getan hatten und versuchten allgemein uns dazu zu bringen, Zeremonien durchzuführen, die wir nicht machen wollten.

Also beschlossen wir, jedem, der so etwas am Telefon fragte, zu sagen, dass er lieber nicht kommen solle. Wir brauchen ihren unnötigen religiösen Rat nicht, wir brauchen ihre Beleidigungen nicht – auch wenn sie nicht von böser Absicht herrühren, sondern von dummen religiösen Bräuchen. Was wir wohl brauchen könnten, wäre ihre Liebe, ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung, aber wenn sie uns das nicht geben können, so sollen sie lieber überhaupt nicht kommen.

Religiöse Rituale, die wir nach dem Tod meiner Mutter NICHT durchführten – 26 Dez 12

Gestern habe ich kurz erwähnt, dass wir nach dem Tod meiner Mutter keine der Rituale durchgeführt haben, die Hindus normalerweise als notwendig ansehen. Da wir uns selbst nicht mehr als Hindus fühlen und nicht daran glauben, dass solche Traditionen irgendeinen Nutzen haben könnten, ließen wir das alles aus und verbrachten die Tage damit, auf unsere eigene Weise zu trauern. Manche Menschen fragten uns jedoch nach der Feuerbestattung und auch, nach welcher Religion wir denn die letzten Riten für unsere Mutter durchgeführt hätten, also dachte ich, ich erzähle euch ein bisschen von all den Dingen, die wir nach Meinung der Leute hätten tun sollen und nicht getan haben.

Es began eigentlich bereits am Morgen des 10. Dezember. Ammaji war erst seit einigen wenigen Stunden nicht mehr unter uns und ihr Körper lag in der Eingangshalle des Ashrams. Der Tag hatte begonnen und den Mitgliedern der Ashramfamilie, die in einer Art Totenwache seit etwa drei Uhr in der Halle gesessen waren, schlossen sich nun langsam Menschen von außerhalb an, die davon erfahren hatten und gekommen waren, um sich noch einmal zu verabscheiden, ihr Beileid auszusprechen oder mit dem zu helfen, was getan werden musste.

Wir hatten bereits beschlossen, was wir tun würden und hatten arrangiert, dass das Holz rechtzeitig am Verbrennungsplatz ankommen würde und die Teile der Totenbahre zum Ashram gebracht würden. Einige der Männer, die gekommen waren, wussten, wie man die Bahre bindet und bereiteten diese vor, während die Frauen Ammajis Körper vorbereiteten.

Wenn man einen Roman lesen und an diesem Punkt angelangen würde, an dem in einer Hindu Familie die Vorbereitungen fur die Verbrennung eines geliebten Menschen getroffen werden, so würde der Autor beschreiben, wie die Familie einen Priester kommen lässt, wie der Priester Anweisungen für bestimmte Rituale vor dem Verlassen des Hauses und zur Vorbereitung des Leichnams gibt. Auch am Verbrennungsplatz läuft alles nach den Anweisungen eines Priesters ab, was ziemlich ins Detail gehen kann und ich bin mir sicher, jeder Autor würde das gerne in dramatische Worten beschreiben.

Wir haben das alles nicht getan und so war es recht einfach gehalten. Einige derjenigen, die gekommen waren, konnten jedoch nicht umhin, uns nach einigen Einzelheiten zu fragen. Die Frauen zum Beispiel, die Ammaji’s Körper vorbereiteten fragten nach vielen verschiedenen Dingen, da man an einer Frau üblicherweise alle Zeichen einer verheirateten Frau sichtbar macht, wenn sie gestorben ist – sie machen Make-up, färben ihren Scheitel, bemalen ihre Hände mit Henna-Farbe, legen neue Armreifen an und lackieren ihr sogar die Nägel! Als solche Fragen aufkamen, sagten wir, dass wir von all diesen Dingen nichts im Haus hatten und was auch immer getan war, sollte genügend. Ein neuer Sari, ein gutes Tuch darüber – es war genug und alles, was man sonst noch hätte tun können, hätte nichts an der Tatsache verändert, dass es nur noch ihr Körper war. Wir brachten diesen daraufhin hinunter zum Yamuna.

Die letzten Riten für meine Mutter waren ein Familien-Ereignis, kein religiöses Ereignis. Anders als normalerweise üblich waren auch meine Frau und Tochter mitgekommen, so dass sie sich auch ein letztes Mal verabschieden konnten. Wir drei Brüder führten die Verbrennung ohne Priester, Rituale oder Drama durch. Die Männer der Familie rasieren sich normal kurz vor der Zeremonie alle Bart und Haare ab, aber auch das machten wir nicht. Daraufhin folgt normalerweise eine große Zeremonie, die sich um das Entzünden des Feuers dreht und die Gebete, die man dabei sagen soll. Wir dachten einfach nur mit viel Liebe an unsere Mutter, das war genug.

Wenn der Körper und das ganze Holz komplett verbrannt ist, werden die letzten Flammen üblicherweise mit Wasser aus dem Fluss ausgelöscht. Die Yamuna fließt um Vrindavan und gilt als heilig, was die Leute natürlich normalerweise freut, weil sie für ihr Ritual dann heiliges Wasser verwenden können. Eine religiöse Person, die bei der Verbrennung anwesend war, sagte mir, ich solle Wasser aus dem Yamuna nehmen und es über die übrigen Flammen gießen. Ich antwortete, dass das dort nicht der Yamuna war, sondern Abwasser, das ich mit den Händen nicht berühren würde! Stattdessen nahm ich die Flasche Mineralwasser, aus der ich getrunken hatte – noch etwas, was man bei einer Verbrennung normalerweise nicht macht – und goss sie über die Asche. Andere Leute haben das Wasser des Yamuna verwendet und am Ende gaben wir den letzten Rest der Asche in den Fluss.

Mehrere Leute fragten uns, wann wir bestimmte Rituale machen würden und wir sagten ihnen, dass wir sie gar nicht machen würden. Viele wussten sehr gut, dass wir keiner Religion angehören, gaben aber trotzdem ihren Rat, welche Zeremonien wir machen sollten. Vielleicht war es in den Augen der anwesenden religiösen Leute eine unheilige Veranstaltung. Sie sagen vielleicht sogar, dass wir respektlos mit alten Traditionen und Bräuchen umgegangen sind. Uns jedoch ist es egal, was sie denken. Unsere Mutter ist gestorben und nichts bringt sie zurück, kein Ritual, keine Zeremonie, kein Make-up, keine Rasur und auch kein Priester.

Als meine Mutter noch lebte, gab sie den Schulkindern und den Ashramkindern täglich zu Essen. Als sie uns verließ, machten wir die Schule für zwei Tage in ihrem Gedenken zu. Nun ist die Schule wieder offen und die beste Art, wie wir unserer Mutter mit Respekt gedenken können ist, dass wir diesen Kindern weiter zu Essen geben.

Armen Kindern zu helfen ist unsere einzige Religion.

In Trauer und dazu noch von Religion und Aberglaube beleidigt und verletzt – 25 Dez 12

Religiöse Gefühle sind sehr zerbrechlich und sind heutzutage sehr schnell verletzt. Die Leute geben sogar Acht, dass sie nur Christen ‚Frohe Weihnachten‘ wünschen mit dem Gedanken, dass es Andersgläubige beleidigen könnte. Die Leute sagen, es verletzt ihre religiösen Gefühle. Doch was sagt man dazu, wenn eine Religion jemandens Gefühle verletzt? Wenn Aberglauben, religiöse Bräuche und Glaubensgrundsätze jemandem im Herz wehtun? Ist ein solcher Glauben denn angemessen? Ist eine solche Religion angemessen? Für einen solchen Fall habe ich ein wahres und definitiv nicht veraltetes Beispiel: den Hindu Glauben, dass das Haus, in dem jemand gestorben hat, dreizehn Tage lang unrein ist und die Menschen in dem Haus unberührbar sind, bis sie am dreizehnten Tag nach dem Tod bestimmte Zeremonien durchgeführt haben.

Das ist der allgemeine Brauch und Glaube der Menschen und in den vergangenen zwei Wochen, seit unsere Mutter gestorben ist, haben wir diese Erfahrung gemacht. Natürlich glauben manche Menschen mehr an religiöse Traditionen als andere und manche glauben, dass es drei Tage sind, manche denken es sind zehn Tage und für manche sind es die kompletten dreizehn Tage, während denen dieser Ort und diese Menschen nicht rein sind.

Vielleicht habt ihr Schwierigkeiten, euch die Auswirkungen dieses Brauchs vorzustellen, also gebe ich euch ein paar Beispiele. In dieser Zeitspanne betreten religiöse Menschen dein Haus nicht. Wenn sie doch reinkommen, um etwas zu erledigen, vorbeizubringen oder auch um Beileid auszusprechen, duschen sie sich und wechseln ihre Kleidung, bevor sie ihr eigenes Haus wieder betreten, so dass sie ihr eigenes Haus nicht verunreinigen. Wenn sie in dein Haus kommen, trinken oder essen sie nichts. Das bedeutet fr dich, dass du deinen Gästen noch nicht einmal ein Glas Wasser anbieten kannst!

Genau wie es in Bezug auf die Länge dieser Zeitspanne unterschiedliche Ansichten gibt, gibt es auch einige Menschen, die glauben, sie könnten nur an bestimmten Wochenentagen kommen. Einer meiner Freunde, der genau wie einige andere am Freitag kam, erzählte mir, er hatte am Montag, am Tag der Feuerbestattung, von Ammajis Tod erfahren. Im Plauderton sagte er ‚Naja, an Dienstagen geht man ja nicht, am Mittwoch hätte ich kommen können, aber da hatte ich zu viel um die Ohren. An Donnerstagen sollte man keinen unreinen Ort betreten und so kam ich heute, weil es ja morgen auch wieder nicht geht.‘

Ihr seht also, was Religion da macht! In solchen Zeiten, wenn man das Gefühl hat, dass man seine Freunde am meisten braucht, in der Zeit der Trauer, in der es manchmal schwierig ist, eine Stunde rumzubringen, kommen deine engen Freunde dich nicht besuchen, weil ihr religiöser Glaube es ihnen nicht erlaubt! Selbst wenn sie in der Nähe wohnen kommen sie einfach nicht! Ein Freund kam sogar bis zu unserem Tor, kam aber nicht rein! Es fehlt nicht an der Liebe – der einzige Grund sind religiöse Bräuche und Aberglaube! Sie kommen, aber erst, wenn wir in ihren Augen wieder rein sind.

Das bringt eine weitere Frage auf: normalerweise wird man durch bestimmte Rituale wieder rein. Wir glauben jedoch an solche Dinge nicht und haben auch keine Zeremonien durchgeführt. Bedeutet das, dass wir für sie auf immer unrein sein werden? Sie werden kommen, aber wie rechtfertigen sie das für sie selbst? Wir haben nichts getan, um uns zu reinigen – wir sollten für sie also immer noch unberührbar sein.

Es ist nicht die Unberührbarkeit, die mich verletzt und es sind auch nicht meine Freunde – es ist der religiöse Glaube und der unglaubliche Aberglaube! Denn meine Freunde sind nur Sklaven dieser Traditionen und Bräuche, sie sind nicht in der Lage, ihre Entscheidungen selbst zu treffen.

Nun ja, ich habe beschlossen, den Bräuchen, der Religion und dem Aberglauben die Schuld für meinen Schmerz zu geben und schwöre, meine Liebe für all meine Freunde in meinem Herzen nicht beflecken zu lassen.

Diwali feiern – nicht zur Verehrung, sondern für die Freude – 13 Nov 12

Heute ist der große Tag, auf den alle Kinder – und auch viele Erwachsene – das ganze Jahr über gewartet haben: es ist Diwali. Diwali, oder Deepawali, ist das fest der Lichter und für halb Indien ist es der letzte Tag des Jahres. Wie ich euch bereits gestern erzählt habe, herrscht im Ashram im Moment eine Atmosphäre der fröhlichen Vorfreude. Am Nachmittag werden wir anfangen, die Öllampen aufzustellen, die wir am Abend anzünden werden. Jeder zieht sich dann neue Kleidung an und wir essen Süßes und genießen die Festlichkeiten. Was ist mit dem religiösen Teil dieses Feiertags, fragt ihr euch? Naja, lasst mich euch meine Gedanken dazu erklären.

Ihr wisst wohl alle, dass ich nicht an Rituale oder Zeremonien glaube. An Diwali verehren Hindus die Göttin Lakshmi und bitten sie um ihren Segen, der Reichtum und Wohlstand bringen soll. Ich glaube nicht, dass dich das Anzünden einer Kerze vor einer Statue oder einem Gemälde auf irgendeine Weise reicher macht, als du bist. Ich glaube auch nicht, dass man irgendeinen besonderen Segen bekommt, wenn man Blumen auf den Altar legt oder Süßes davor abstellt, bevor man es isst.

Trotzdem rufen meine Eltern und meine Großmutter, die immer noch religiös sind, nach ihren Vorbereitungen für ihr Ritual die ganze Familie zusammen. Ich komme, genau wie meine Frau und meine Brüder und mit der gesammelten Familie stehen wir vor den Statuen. Sicherlich nicht zur Verehrung, sondern einfach um der Feier willen. Unsere Eltern wissen, dass keiner von uns nun noch religiös ist. Wir hatten Gespräche und sie kennen unseren Glauben und unsere Einstellung. Mir würde es nichts ausmachen, kein Ritual daheim zu haben, aber ihnen eben schon. Für sie gehört es zu dem Tag, es ist ein Teil der Feier und wir gesellen uns zu ihnen, weil wir ihre Freude sehen. Ich sehe das nicht als religiöse Handlung, ich sehe es als Teil der Familienfeier.

Für mich könnte das genauso gut auch an einem anderen Teil stattfinden. Ich feiere gerne Diwali, obwohl ich mich selbst nicht als Hindu sehe. Genauso feiern wir auch Weihnachten, obwohl wir keine Christen sind. Natürlich könnte ich mit meiner anti-religiösen Einstellung auch verweigern, irgendetwas zu feiern, das mit Religion zusammenhängt und stattdessen verärgert daheim sitzen, weil die ganze Welt draußen feiert. Das würde jedoch bedeuten, dass die Gründe zu feiern in der Anzahl drastisch reduziert wären und ich die meiste Zeit vom Jahr über schlechter Laune wäre, weil die Leute hier viele religiöse Anlässe feiern. Ich sehe nicht ein, warum ich mich selbst unglücklich machen sollte! Stattdessen genieße ich, nehme das Leben, wie es kommt und bemühe mich dabei, keinen Aberglauben zu schüren.

Der wichtige Teil der Feier für mich ist einfach nur im Garten zu spazieren und die vielen Lichter zu bewundern, ein Festmahl mit jeder Menge Süßigkeiten zu essen und Bilder mit allen in ihrer schönen Kleidung zu machen. Liebe auszuteilen, den Abend miteinander zu feiern und beisammen zu sein.

Euch allen ein fröhliches Diwali!

Jeder Ungläubige ist zu dumm, um Religion zu verstehen! – Wirklich? – 5 Nov 12

Swami Balendu

Ihr wisst alle, dass ich Religion und viele Dinge, die dazu gehören, immer wieder mal in meinem Blog kritisiere. Ich habe gegen Ausschnitte der Schriften geschrieben, gegen Rituale, gegen unterschiedliche Wege der Verehrung, gegen Probleme, die ich bei Tempeln sehe und sogar gegen hohe religiöse Führer. Während die Leute meistens zustimmen, dass ein Mensch seine Macht missbrauchen könnte, so sagen doch viele, wenn ich über den fehlenden Sinn oder sogar die Gefahr mancher Rituale oder über offensichtlichen Unsinn in den Schriften spreche, dass ich ein Problem damit hätte, es richtig zu verstehen. Heute möchte ich gerne über dieses Argument schreiben, dass jeder, der Religion kritisiert, einfach zu dumm ist, Religion zu verstehen.

Lasst mich ihre Argumente noch einmal erklären: sie glauben, wenn jemand ihnen einen Fehler in den Schriften zeigt oder den Sinn eines Rituals hinterfragt, dass das nicht die Schriften oder das Ritual sind, wo der Fehler liegt. Es gibt keine Fehler in den Schriften, der Mensch hat einen Fehler in seiner Denkweise. Religion hat kein Problem, das ist alles in Ordnung. Die Person, die Zweifel geäußert hat, hatte einfach keine richtige Interpretation dessen, was geschrieben war und hat es deshalb einfach missverstanden. Das kann jedem passieren, sagen sie, mach dir keine Gedanken, wir können dir erklären, wie es richtig ist, komm einfach in unsere Kirche, Tempel, Moschee oder Schriften-Stunde. Auf diese Weise verteidigen viele religiöse Menschen ihre Religion.

Wenn du derjenige bist, der solche Argumente äußerst, hattest du jemals die Idee, dass vielleicht diejenigen, die Religion in ihrem Leben nicht akzeptieren, auch intelligente Menschen sein könnten? Indem du sagst, dass sie all diese Themen missverstehen, sagst du praktisch, dass sie dumm sind, zumindest weniger intelligent, als du selbst, da du ja alles perfekt verstehst!

Die Wahrheit ist jedoch, dass sie sehr wohl dazu in der Lage sind zu verstehen, was in den Schriften geschrieben steht und was in den Ritualen geschieht. Sie sehen es, sie verstehen es, aber sie können es nicht mit geschlossenen Augen akzeptieren. Sie denken darüber nach, überlegen und wenn sie etwas sehen, was ihrer Meinung nach falsch ist, konfrontieren sie dich damit. Sie machen sich wirklich Mühe und versuchen zu verstehen, was du glaubst – nicht blind, sondern mit Verstand und Intelligenz. Und wenn sie Unsinn sehen, weigern sie sich, es zu akzeptieren.

Wenn du solchen Personen an diesem Punkt praktisch erzählst, dass sie dumm sind, dass sie es nicht verstehen und vielleicht sogar sagst, dass sie ‚einfach vertrauen‘ sollten, ist es wirklich kein Wunder, dass sie am Ende anti-religiös sind. An diesem Punkt verstehen sie, dass Religion manipuliert und will, dass du ihr folgst und nicht für dich selbst entscheidest. Sie entscheiden also, den Weg der Religion zu gehen.

Wenn man sich mein persönliches Beispiel betrachtet, versteht man vielleicht noch besser, dass das Problem nicht ist, Religion zu verstehen. Ich habe die Schriften, religiösen Bücher und unterschiedliche Interpretationen dreißig Jahre meines Lebens studiert. Ich habe von Beruf aus Religion gepredigt. Man kann also nicht sagen, dass ich es nicht verstehe! Ich habe es Tausenden von Menschen erklärt, wenn ich also jetzt über die Fehler, die Kontroversen und Unregelmäßigkeiten spreche, so ist das nicht, weil ich nicht gut informiert bin. Vielleicht geht nicht jeder so sehr ins Detail wie ich und ich weiß, von was ich spreche, also zählt dein Argument hier nicht mehr.

Glaube nicht, dass alle anderen dumm sind. Sie haben auch einen Verstand und vielleicht solltest du dir einmal überlegen, deinen Glauben durch ihre Augen zu sehen. Sie haben deinen ausprobiert und finden ihn nicht akzeptabel – jetzt liegt es an dir!

Den Ashram ohne falsche Erwartungen erleben – 11 Oct 12

Im Ashram sind wir im Augenblick sehr beschäftigt – wir haben das Haus voll mit den Teilnehmern des Ayurveda Yoga Urlaubs und alle genießen ihre Zeit miteinander. Die Teilnehmer haben ihre Massagen, machen Yoga und nehmen einfach am Ashram Leben teil. Gestern Abend habe ich mit einer der Teilnehmerinnen über ihre Zeit hier gesprochen. Sie liebt ihre Zeit hier und sagte mir, was für ein schöner Ort der Ashram ist, mit den Kinder, die hier leben, mit denen, die zum Lernen in die Schule kommen und mit den täglichen Massagen, die sie sehr genießt. Sie fragte ‚Wem würde das nicht gefallen?‘

Tja, ich erzählte ihr ein bisschen von unseren Erfahrungen und davon, welche Art von Leuten hier wirklich nicht sehr glücklich wäre. Es gibt religiöse, spirituelle und abergläubische Menschen, die nach Indien kommen, um eine religiöse Erfahrung zu haben. Sie gehen in einen Ashram, weil sie an einem täglischen Plan voller Rituale und Zeremonien teilnehmen wollen. Sie wollen in der Zeit in den Asrham gehen, wenn der Guru dort ist, so dass sie seinen Segen bekommen und vielleicht ein Wunder erleben können. Doch selbst wenn sie hingehen, wenn er nicht anwesend ist, haben sie ein tägliches Programm mit Chants, Gebeten und Darbietungen am Altar. Auch so bekommen sie ihren Segen.

Das können wir niemandem geben. Wir haben keinen Tempel. Wir haben keine Zeremonie um vier Uhr früh und wir haben keine Chants oder Rituale. Wir haben noch nicht einmal einen Guru! Nein, hier gibt es nichts, was solche Erwartungen erfüllen könnte.

Wir hatten bereits Gäste hier im Ashram, die mit falschen Erwartungen gekommen waren und ihre freie Zeit oder das Spielen mit den Kindern hier natürlich auch nicht genießen konnten. Sie hatten keine Lust darauf, sich unserer Familie anzuschließen, zum Beispiel für schöne Gespräche unter Freunden, sondern wollten, dass ich Vorträge über spirituelle Erleuchtung oder ähnliche Themen gebe.

Also haben wir angefangen, online so viel Information über uns zu geben wie möglich. Wer sind wir? Auf welche Weise sind wir anders? Was kann man hier erwarten und was sollte man nicht erwarten? Ich habe sogar einen Tagebucheintrag darüber geschrieben, welche Leute wir hier willkommen heißen und einen weiteren Eintrag für die, die wir eben nicht willkommen heißen.

Und wenn jemand schließlich per Mail mit uns in Kontakt kommt, stellt er sich normalerweise kurz vor und wenn wir das Gefühl haben, dass dieser jemand eine andere Erwartung haben könnte, erklären wir gleich, wer wir sind. Oder besser gesagt, wer wir nicht sind. Wir sagen den Leuten ganz direkt, dass wir glauben, dass unser Ashram für sie nicht der richtige Ort ist und es weder für sie noch für uns eine schöne Erfahrung wäre, wenn sie hierher kämen.

Mit diesem Schritt haben sich die Dinge geändert und immer weniger Menschen kamen, die nicht über unsere Philosophie der Freiheit und Religionslosigkeit Bescheid wussten. Immer mehr Menschen kamen, die wirklich in einen Ashram kommen wollten, der keine religiöse Atmosphäre hatte, ein Ort, an dem sie nicht dazu gezwungen waren, an einen Guru zu glauben oder an Zeremonien teilzunehmen, sondern an dem sie ihren Tag so organisieren konnten, wie sie wollten und einfach eine liebevolle, indische Familie kennen lernen konnten.

Ich freue mich, wenn ich von unseren Gästen höre, dass sie hierher gekommen sind, weil sie gelesen haben, dass wir so sind, wie wir sind. Schließlich heißen wir sie bei uns zu Hause willkommen und es fühlt sich gut an, mit Menschen zusammen zu sein, mit denen man die grundlegende Lebenseinstellung teilt. Und dann macht es Spaß, miteinander Zeit zu verbringen, zu reden, zu lachen, zu spielen, zu tanzen und zu feiern.

Lies Ashram-Erfahrungen unserer Gäste

Religion tötet – Karva Chauth Fasten nimme einem ungeborenen Baby das Leben – 19 Okt 11

Ich schreibe diese Zeilen, weil ich im Augenblick wirklich gleichzeitig traurig und wütend bin.

Vor ein paar Tagen, am 15. Oktober, war Karva Chauth, ein wichtiger Tag für Hindu Frauen. Vor zwei Jahren haben ich in meinem Tagebuch über die Rituale dieses Tages geschrieben und erklärt, dass Frauen den ganzen Tag lang für das Wohlergehen ihres Ehemanns fasten. Das bedeutet, dass sie nichts essen oder trinken, bis der Mond in der Nacht am Himmel zu sehen ist, was meistens gegen neun oder zehn Uhr geschieht. Vor zwei Jahren habe ich bereits geschrieben, dass ich dieses Konzept nicht mag und nicht glaube, dass an dieser Vorstellung des Fastens etwas Gutes ist. Der Ehemann hat nichts davon, wenn seine Frau durstig und hungrig ist und natürlich gibt es auch keinen Fastentag, an dem Ehemänner für ihre Frauen hungern.

Einen Tag nach Karva Chauth rief einer unserer Angestellten an. Seine Frau war im 8. Monat schwanger und sie hatte gefastet. Sie hatte den ganzen Tag lang keinen Tropfen Wasser getrunken und keinen Bissen Essen gegessen. Am Abend hatten die Komplikationen begonnen und er hatte sie ins Krankenhaus gebracht. Dort stellten die Ärzte fest, dass das Kind gestorben war. Warum? Weil sie gefastet hatte.

Das macht dich traurig, wütend, aufgebracht und bringt noch andere, schlechte Gefühle. Man hat Mitleid mit dem Paar, fragt sich aber gleichzeitig, wie sie das dem Baby haben antun können? Wie kann man denn einer solchen Tradition sogar dann folgen, wenn man schwanger ist?

Ich weiß jedoch, wie viel Druck die Gesellschaft ausüben kann, besonders wenn es um Religion und religiöse Rituale geht. Im Umfeld einer Frau gibt es immer Menschen, die sie dazu drängen zu fasten udn die glauben, dass das etwas Gutes ist. Selbst wenn eine Frau schwanger ist und das Gefühl hat, dass sie die Fastenzeit lieber doch nicht einhalten möchte, wird sie von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt, es doch zu tun. Was geht im Herzen und im Kopf dieser Frau vor? Wenn sie anderen von ihren Bedenken erzählt, dass ihe Baby vielleicht Schaden nehmen könnte, sagen andere Frauen „Ach, ich habe das auch gemacht und das schadet überhaupt nicht! Wenn sie beschließt, nicht zu fasten, denken die Leute, sie ist schwach und kann nicht mal für einen Tag hungern. Oder sie glauben, sie liebt ihren Ehemann nicht. Oder ihr wird die Schuld zugesprochen, wenn ihm etwas passiert. Wenn er in Zukunft einen Unfall hat, zeigen die Leute mit dem Finger auf ihn und sagen, dass es geschehen ist, weil sie nicht gefastet hat.

Eine Frau hört also für einen Tag mit dem Essen auf, obwohl sie weiß, dass in ihrem Bauch noch ein weiteres Leben ist, das sie füttern muss. Wegen dem Druck der Tradition und Gesellschaft isst sie nicht und trinkt sie nicht. Und das Kind, ein ungeborenes Leben, stirbt.

Jetzt sagen die Menschen in ihrem Umfeld vielleicht, dass sie das nicht hätte tun sollen, aber was war denn, bevor das geschehen ist? Wer hat ihr gesagt, dass das eine dumme und nutzlose Tradition ist? Sieh, was für einen hohen Preis dieses Paar dafür gezahlt hat, diese Lektion zu lernen! Sie ist immer noch im Krankenhaus und die Ärzte ziehen nun eine Operation in Betracht, um den Körper des toten Kindes zu entfernen. Er weinte hier und ich bin traurig für ihn, während ich gleichzeitig all diese Emotionen für diese dumme Tradition habe.

Ich bin natürlich sehr emotional was dieses Thema angeht, da meine Frau auch schwanger ist. Sie erzählte mir auch, wie dringend der Ruf des Körpers nach Wasser oder Essen ist, wenn sie selbst nur für ein paar Stunden nichts getrunken oder gegessen hat. Es ist für mich und sie unvorstellbar, wie man diesen Ruf des Körpers nach Nahrung ignorieren kann.

Selbst wenn man nicht schwanger ist, ist es nie richtig, auf diese Weise zu fasten. Wenn du Hunger hast, solltest du essen, wenn du Durst hast, solltest du trinken! Iss gesund und gib Acht darauf, was du deinem Körper zuführst. Ernähre dich gesund! Und wenn du noch ein weiteres Leben in dir hast, musst du auf es Acht geben!

Leider ist Karva Chauth dieser Tage noch berühmter geworden! Anstatt die Wichtigkeit des Tages aufgrund der Sinnlosigkeit zu reduzieren, haben die Medien die Rituale, die damit verbunden sind, noch weiter gefördert. In meiner Kinheit gab es nie ein Programm über diesen Tag und dieses Jahr konnte man durch die Fernsehkanäle schalten und überall von den Karva Chauth Feiern und Ritualen hören! Es ist einfach falsch von den Medien, eine religiöse Tradition zu fördern, die jemandem so schaden kann! Sie tun es, weil sie einfach nur etwas brauchen, worüber sie schreiben können. Darum wird eine so schädigende Tradition verherrlicht!

Im letzten Jahr hatte ich mit meiner Mutter ein langes Gespräch. Sie hat diese Fastenzeit ihr ganzes Leben lang eingehalten. Ich sagte ihr, dass sie älter wird und dass sie an ihre Gesundheit und ihren Körper denken muss, weil wir sie hier noch gerne länger um uns haben wollen. Sie hat es verstanden und meine Ansicht akzeptiert, was uns alle gefreut hat. Jetzt fastet sie an diesem Tag nicht mehr. Ich bin sehr stolz auf meine Eltern, dass sie sich gegen altmodische und veraltete Traditionen entscheiden. Sie können aufhören, Rituale durchzuführen, die sie ihr ganzes Leben lang getan hatten und ich bin darüber sehr froh.