Gebete für Erdbeben-Opfer in Nepal? Zu wem? Demjenigen, der das alles verursacht hat? – 27 Apr 15

Vorgestern bebte die Erde in Nepal, überhaupt nicht weit von hier, und Tausende starben. Während wir das Erdbeben hier in Vrindavan nicht spürten, erreichte es doch unsere Umgebung und brachte sogar Risse in Hauswände in Mathura. Natürlich sind wir alle vom extremen Verlust an Leben und der verheerenden Verwüstung schockiert. Natürlich fühlen wir alle mit den Familien der Opfer. Heute jedoch möchte ich, mit allem Respekt für die guten Wünsche, die jeder spürt und ausdrücken will, über das Eine schreiben, das den Opfern überhaupt nicht hilft: Gebete.

Ich weiß genau, was ich hier schreibe und bin mir auch der Tatsache bewusst, dass viele meiner Leser meinen Worten nicht zustimmen werden. Viele Menschen, selbst wenn sie nicht religiös sind, glauben an die Macht der Gebete. Darum sagen sie jetzt, dass sie für die Opfer beten. Ich glaube ganz ehrlich, dass das keinen Sinn macht. Ich würde es sogar als närrisch bezeichnen. Du kannst mit deinen Händen und Füßen etwas für diese Menschen tun, dorthin gehen und selbst helfen, Hilfsgüter sammeln oder deine Zeit und Fähigkeiten einer wohltätigen Organisation anbieten. Du kannst etwas mit deinem Verstand tun, deine Gedanken wohltätigen Organisationen schenken oder überlegen, wen du denn um Hilfe bitten könntest. Oder du kannst mit deinem Geldbeutel helfen, indem du einer wohltätigen Organisation selbst spendest. Wenn du irgendetwas davon machen kannst, tue das und es wird helfen. Deine Gebete nicht.

Warum nicht? Weil du zu diesem allmächtigen Gott betest, der das Erdbeben und das Elend danach doch erst verursacht hat!

Ohne, dass er das wünscht, bewegt sich nicht einmal ein Blatt am Baum. Wie also kann die ganze Erde sich schütteln, ohne, dass er das will? Oh ja, auf seinen Wunsch sind ganze Häuser über Menschen in sich zusammengebrochen, auf seinen Wunsch sind Lawinen und Erdrutsche abgegangen und haben Menschen und ganze Dörfer unter sich begraben und auf seinen Wunsch sind die Körper Tausender Menschen unter alten Gebäuden verschüttet worden, die einmal Weltkulturerbe genannt wurden. Auf seinen Wunsch sind so viele Frauen zu Witwen, Männer zu Witwern und Kinder zu Waisen.

Wenn das alles sein Wunsch war, warum betest du dann zu diesem Gott, der schlimmer ist als ein Monster, wenn er solche Grausamkeiten wünscht?

Wenn du an Gott glaubst und jetzt sogar zu ihm betest, solltest du akzeptieren, was über ihn geschrieben steht: er ist der Handelnde und was auch immer macht ist gut. Akzeptiere all das Schlechte, was er getan hat – es macht keinen Sinn, zu ihm zu beten, um ihn aufzuhalten oder sogar Wiedergutmachung zu leisten!

Wenn Götter vergewaltigen – Auswirkungen der Hindu Mythologie auf die heutige Gesellschaft – 3 Nov 14

Heute ist hier Feiertag und ein großer Pilgertag in Vrindavan. In der Hindu-Mythologie ist das der Tag, an dem die Götter aus einem vier-Monate-langen Schlaf erwachen. Es ist auch der Hochzeitstag von Vishnu und Tulsi, der den Beginn der Hochzeitssaison hier in Indien markiert. Im heutigen Blogeintrag möchte ich gerne die religiösen Geschichten zu diesem Tag und deren Wirkung etwas näher betrachten.

Ich beginne mit einer kurzen Zusammenfassung des Mythos:

Es gab einmal einen bösen Dämon namens Jalandhar. Er hatte die Macht, seine Form zu verändern und konnte jeden verkörpern, der er sein sollte. Er wandte diese Kraft an, um Frauen in der Verkleidung ihres Ehemanns zu treffen und sie so dazu zu bringen, Sex mit ihnen zu haben! Wenn die Männer das herausfanden und zu ihm kamen, um ihn zu einem Kampf herauszufordern, konnte ihn niemand umbringen – er hatte diese große Macht aufgrund der Tatsache, dass seine Ehefrau Vrinda ihm treu war. Ja, die Treue seiner Frau bewahrte ihn vor der Rache der Ehemänner seiner Vergewaltigungsopfer.

Die Ehemänner wandten sich an Vishnu, den höchsten Gott, und baten ihn um Hilfe. Vishnu beschloss, Jalandhars mit seinen eigenen Waffen zu schlagen: er nahm Jalandhars Gestalt an und verführte die Frau des Dämonen. Ihre Treue war gebrochen und ihr Ehemann verlor jegliche Macht, die damit gekommen war. Vishnu konnte ihn schließlich umbringen.

Vrinda, wütend darüber, dass Vishnu sie so betrogen hatte, verfluchte Vishnu, so dass er zu Stein wurde und sprang daraufhin in das Bestattungsfeuer ihres Ehemanns, um sich selbst zu töten.

Sie wurde als Tulsi, eine heilige Pflanze, wiedergeboren und schließlich heirateten der Busch Tulsi und der Stein Vishnu, der Shaligram genannt wird.

Das ist die mythologische Geschichte, die jeder kennt. Lasst mich da nur die vier Folgen dieser erfundenen Geschichte auf die heutige, indische Kultur aufzeigen, die ganz offensichtlich unter großem Einfluss der Religion so entstanden ist:

1. Wenn jemand eine Frau vergewaltigt, kann man dessen Ehefrau vergewaltigen. Dein Gott hat das Gleiche gemacht.

Es gibt Vorfälle, in denen die Familienmitglieder des Opfers die Familienmitglieder des Vergewaltigers vergewaltigten.

2. Frauen sollten treu und rein sein, um das Leben ihres untreuen, vergewaltigenden Ehemanns zu verlängern.

In der heutigen indischen Gesellschaft ist es üblich, dass eine Frau den Ruf einer reinen Jungfrau haben sollte, während ein Mann ein Schürzenheld sein kann und mit jedem Mädchen flirtet, das er sieht.

3. Nach dem Tod ihres Ehemanns sollte eine Frau Selbstmord begehen.

Bis vor 200 Jahren war das in Indien noch üblich. Die Tradition wurde Sati genannt und es war eine Frage von Stolz, sich auf diese Weise selbst zu töten, da das die Treue zum Ehemann zeigte. Raja Ram Mohan Rai beendete diese Praxis offiziell mit einem Gesetz, doch in meiner Teenagerzeit konnten wir immer noch von solchen Fällen in der Zeitung lesen. Noch heute gibt es Tempel in Rajasthan, in denen die Frauen, die auf diese Weise gestorben sind, verehrt werden.

4. Ein Vergewaltigungsopfer sollte ihren Vergewaltiger heiraten.

In den Dorfgerichten im ländlichen Indien sind solche Entscheidungen auch heute noch nicht ungewöhnlich. Beide Familien stimmen normalerweise zu, dass das eine logische Konsequenz ist.

Man sieht also ganz deutlich die Situation der Frau in dieser Kultur. Sie wird für Vergewaltigungen vergewaltigt, muss sich für das lange Leben und den Schutz ihres Mannes bemühen, musste sich sogar selbst für ihren Mann umbringen und muss schließlich noch ihren Vergewaltiger heiraten und ihm bis an sein Lebensende dienen.

Und in der scheinheiligen Religion dieses Landes sagt man, dass eine Frau hier als Göttin respektiert wird. Wie kann man von mir erwarten, diese Religion und Kultur zu respektieren?

P.S.: An alle, die mich jetzt gerne für meine Worte hier beleidigen möchten: lest erst einmal eure Schriften und beleidigt diejenigen, die sie geschrieben haben, nicht mich, ich zeige nur die Folgen auf…

Was tun, wenn man merkt, dass man selbst völlig negativ ist? – 20 Nov 13

Gestern habe ich über die Tatsache geschrieben, dass viele negative Menschen gerne Opfer sind. Am Tag zuvor habe ich erklärt, wie sich ihre Negativität leicht auch auf andere ausbreitet. Heute möchte ich gerne noch ein paar Zeilen für genau diese negativen Menschen schreiben – weil es jede Menge Menschen gibt, die im inneren wunderschön sind, jedoch die Angewohnheit haben, sich das eigene Leben mies zu machen, indem sie alles in negativem Licht sehen.

Okay, nehmen wir einmal an, du bist einer dieser Menschen und hast gerade erst gemerkt, dass du zu negative bist. Ohne diese Erkenntnis hättest du einfach so weitergemacht wie zuvor, aber jetzt hast du es gemerkt. Und die Folge sind jede Menge Veränderungen in deinen Gedanken und Gefühlen. Wenn du die Willenskraft aufbringen kannst, ist das deine Chance, umzukehren, aus deiner Negativität herauszukommen und eine völlig andere Person zu werden, voller Positivität!

Doch bevor du diesen Punkt erreichst, geht in dir definitiv noch einiges an nicht so schönen Dingen vor! Zuerst einmal denkst du, wenn dich die Erkenntnis trifft, an all die Situationen, in denen du eigentlich viel negativer reagiert hast als nötig. Du denkst an Unterhaltungen, in denen der andere plötzlich verärgert war und sich von dir wegdrehte oder wenn dein Gesprächspartner voller Elan zu erzählen begann und nach deiner Antwort vollkommen unglücklich war. Vielleicht hast du damals auch bemerkt, dass deine Worte diese Wirkung hatten, aber du dachtest, es wäre notwendig, das zu sagen. Jetzt merkst du, dass es unnötig negativ war! Wie oft hast du die Pläne von Freunden mit solchen Worten in Stücke gehauen? Wie oft bist du viel zu tief in dein Selbstmitleid gefallen, so dass die anderen sogar von dir genervt waren?

Du bereust. Du bereust ganz viel. Eine Million Szenen laufen vor deinen Augen ab und du fühlst dich schlimmer als je zuvor. Du hast dich ja in deiner normalen Negativität nie schlecht gefühlt, weil du ja gerne das Opfer warst! Jetzt jedoch kannst du das Ganze aus der Entfernung betrachten und siehst auch die Auswirkungen! Beobachte das alles, nimm es auf und speichere es im Gedächtnis ab – aber dann musst du es auch hinter dir lassen! Heute ist ein Neuanfang und du musst nur an deiner Entscheidung festhalten, von nun an positiver zu sein!

Beginne nun damit, positiv über den Rest des Tages und die Pläne für die nächsten Tage nachzudenken. Denke positiv über die Menschen nach, die du getroffen hast und die du treffen wirst. Folge deinem normalen Tagesablauf, ändere nicht deine Handlungen – ändere deine Sichtweise! Ändere deine Gedanken! Ändere deine Worte!

Es wird etwas dauern, weil es eine sehr hartnäckige Angewohnheit ist, aber man kann Angewohnheiten wie diese dadurch ändern, indem man gegen sie anarbeitet! Denk daran, immer positiv zu denken, bevor du etwas sagst, vielleicht deine Reaktionen etwas zu verlangsamen, so dass du Zeit gewinnst und nicht all deine Zweifel heraussprudelst, sondern stattdessen die positiven Aspekte des Gesagten herausstellen kannst.

Vor allem ist wichtig, dass du nicht aufgibst. Es wird noch mehrere Augenblicke der Negativität geben, aber du kannst dich ja auch gleich entschuldigen, wenn du dich dabei ertappst. Bleib dran – und nicht nur dir wird die Veränderung auffallen, sondern auch deinen Freunden! Menschen reagieren ganz anders auf Positivität. Sie reagieren positiv. Eine ganz neue Welt tut sich dir auf! Viel Spaß!

Alles Schlechte passiert immer mir! – Negative Menschen und ihre Freude an der Opferrolle – 19 Nov 13

Gestern habe ich euch von unseren Erfahrungen mit negative Menschen in Gruppen erzählt, zum Beispiel im Ashram oder bei Workshops. Ich habe erwähnt, wie sie auch anderen ein ungutes, negatives Gefühl geben und machte einen Vorschlag, wie man mit solchen Problemen umgehen kann. Eine Freundin von uns hat darauf geantwortet: solche negativen Menschen sind sich jedoch ihrer eigenen Negativität nicht bewusst! Sie glauben, sie sind nur Opfer dieser schlechten Welt!

Das ist wahr. Ihre eigene Negativität macht sie blind für die Tatsache, dass das in Wirklichkeit von innen kommt. Jeder kennt die Redewendung, dass man ein Glas als halb voll oder halb leer betrachten kann. Diese Menschen werden es immer als halb leer ansehen, aber nicht merken, dass es genausogut halb voll sein könnte. Sie gewöhnen sich daran, die Dinge so zu sehen und merken nicht, wie negativ sie wirklich sind.

Stattdessen beschuldigen sie die ganze Welt um sie herum für das Schlechte, das ihnen widerfährt! Sie fallen in ihre Opferrolle und fragen sich sehr, wie es passieren kann, dass alle so tolle Leben haben, während nur ihnen so viele schlimme Dinge passieren! Warum will denn jeder mich angreifen? Warum darf ich denn nicht glücklich sein wie alle anderen?

Sie merken einfach nicht, dass sie getönte Gläser auf der Nase haben, die sie alles in negativem Licht sehen! So kann niemand ihnen wirklich helfen. Die einzige Möglichkeit für sie, ihre Negativität loszuwerden ist, ihre Einstellung zu ändern und sich selbst zu helfen.

Leider jedoch gewöhnen sie sich oft daran, das Opfer zu sein und genießen dann das Mitleid. Dieses Gefühl ist für sie irgendwann so schön, dass sie da überhaupt nicht mehr rauskommen! Sie beschweren und leiden laut weiter, um immer mehr Mitleid zu bekommen.

Leider funktioniert das jedoch auch nicht auf lange Zeit! Stelle dir einmal vor, du hättest so einen Freund die ganze Zeit um dich herum. Am Anfang denkst du vielleicht noch, dass er oder sie wirklich ein schlimmes Schicksal hat und du hast Mitleid mit dieser Person. Nach längerer Zeit jedoch merkst du, dass derjenige einfach weiter jammert und nicht einmal versucht, etwas zu verändern! Dazu kommt, dass man selbst nie die Chance bekommt zu sagen, dass im eigenen Leben auch mal etwas nicht gut läuft! Derjenige erwartet, dass du mit ihnen leidest, nicht für dich selbst! Deine Aufmerksamkeit ist gefragt – für ihr Unglück! Wenn derjenige ablehnt, seine Opferrolle hinter sich zu lassen, werden seine Freunde sich bald von ihm distanzieren und am Ende steht er alleine da.

Wenn du nun zu irgendeinem Punkt merkst, dass du derjenige bist, der negativ eingestellt ist, dass du von anderen Mitleid willst und dass du deine Opferrolle in Wirklichkeit genießt, ist das dein Weckruf, bevor die Dinge sich verschlimmern! Du schätzt deine Freunde doch, oder? Also fang an, ihnen zuzuhören und sei froh um die guten Dinge in deinem Leben! Höre auf, dich selbst zu bemitleiden! Höre auf, ein Opfer zu sein und erkenne, dass auch dein Glas halb voll ist!

Schande und Schuldzuweisung für Vergewaltigungsopfer in einer Gesellschaft der sexuellen Reinheit – 14 Jan 13

In der vergangenen Woche habe ich über Sexualverbrechen gegen Frauen in Indien geschrieben, über die Gründe, die ich in Religion und Kultur sehe und darüber, was sich ändern muss, um Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen in Zukunft zu verhindern: die Einstellung von Männdern gegenüber Frauen. Ein Punkt, an dem man meiner Meinung nach beginnen kann, ist die Frage, wie man mit Frauem im Allgemeinen umgeht und besonders mit denen, die Opfer solcher Verbrechen geworden sind.

Wie kommt es, dass Frauen, die alleine im Bus oder der Metro reisen, begrapscht werden und nicht reagieren? Wie kommt es, dass es jedes Jahr Millionen Vergewaltigungsfälle gibt, die noch nicht mal bei der Polizei ankommen? Der Grund ist die Schande, die unsere Gesellschaft und Kultur damit verbinden. Sex und alles, was damit zusammenhängt, wird nicht offen behandelt. Es wird überhaupt nicht darüber gesprochen. Mädchen zögern sogar, ihren Müttern zu sagen, dass ihnen ein Kerl im Bus zu nahe gekommen war oder dass sie ein Mann in einer Menschenmenge angegrapscht hat. Sie schämen sich.

So behandelt ein großer Teil der Gesellschaft solche Fälle: man sieht keine Wut gegen den wahren Täter, stattdessen fühlt sich das Opfer schuldig und schämt sich sogar, dass ihr so etwas passiert ist! Über so etwas spricht man nicht! Im schlimmsten Fall, wenn sie vergewaltigt wurde, wurde sie entehrt! Ich habe bereits zuvor hierüber geschrieben und erklärt, dass der Ausdruck in Hindi lautet ‚ihr wurde ihre Ehre geraubt‘. Das bringt natürlich riesige Probleme mit dem indischen Konzept der arrangierten Ehe – wer würde denn gerne seinen Sohn an ein Mädchen ohne Ehre verheiraten? Wer kauft denn schon beschädigte Ware? Nein, es ist besser, dieses Ereignis unter den Teppich zu kehren und niemanden davon wissen zu lassen. Wenn man zur Polizei geht, spricht es sich in der Stadt herum, die Leute tratschen und die Zukunft des Mädchens steht auf dem Spiel. Da ist es besser, es in Stille zu ertragen, niemandem davon zu erzählen und einfach nur zu hoffen, dass man nicht schwanger wird. Wenn man es doch wird, so erzählt man allen, man ginge eine Tante in einem weit entfernten Dorf besuchen und lässt eine illegale Abtreibung vornehmen, die einen auch das Leben kosten kann. Vergewaltigungsopfer, die sich einer solchen Zukunft gegenüber sehen, begehen oft Selbstmord – und wir lesen davon in der Zeitung. Sie bringen sich selbst um und das nur aus Schamgefühl, weil sie vergewaltigt wurden und nun um ihre Zukunft bangen müssen.

So behandelt die indische Gesellschaft Opfer. Es gibt ein Gesetz, dass Namen und Identität des Vergewaltigungsopfers nicht veröffentlicht werden dürfen. Das Gesetz ist wahrscheinlich dazu da, die Opfer zu schützen, sie zu ermutigen, mit Versicherung von Anonymität Anklage zu erstatten, aber der Öffentlichkeit gibt das eine andere Botschaft: das ist etwas, wofür man sich schämen muss, etwas, was man verstecken muss.

Anstatt jedoch zu verstehen, dass das Opfer psychologische Hilfe, Mitgefühl und Unterstützung von den Leuten in ihrer Umgebung braucht, genau wie man einem Überlebenden eines Unfalls helfen würde, macht die Gesellschaft diese Frau zu einer Art Ausgestoßenen. Eine Religion und Kultur, die von Männern beherrscht wird, hat Mädchen also nicht nur auf eine Weise aufgezogen, die sie schwächt, sondern beschuldigt sie auch noch für die Verbrechen, die von Männern begangen wurden.

Da muss man aber eigenlich nicht sehr überrascht sein: Religionen sagen Frauen, dass sie ihre Köpfe und sogar Gesichter verschleiern sollen, weil Männer dadurch erregt werden könnten, wenn sie ihre Gesichter sehen und sich eine Vagina vorstellen. Frauen sollen sich vor denen, die das Verbrechen begehen, schützen. Männern wird nicht gesagt, dass sie das Verbrechen nicht begehen sollen.

Fange an, Frauen als Menschen zu sehen. Schreibe ihnen nicht vor, sie sollen sich verhüllen, um sich zu schützen, das bringt sie in eine schwache Position. Wir müssen viel verändern! Die Vorstellung, dass Frauen Untergebene sind. Den Gedanken, dass Frauen ein leichtes Ziel abgeben und dass sie ihre sexuelle Reinheit verlieren können. Das Verstecken von Verbrechen aus Scham und wegen fehlender Unterstützung. All diese Veränderungen müssen in unserer Gesellschaft geschehen, wenn wir uns nicht länger schämen wollen, wenn wir einen Blick in die Zeitung werfen.

Mentalität von Vergewaltigern gibt der Kleidung und dem Verhalten von Vergewaltigungsopfern die Schuld – 8 Jan 13

Ich habe euch gestern von dem Vorfall in Delhi erzählt, bei dem eine junge Frau von mehreren Männern vergewaltigt wurde. Dabei erwähnte ich auch die ersten Reaktionen von Politikern aus der Regierung und anderen wichtigen Leuten. Natürlich gab es jede Menge Leute, die etwas zu sagen hatten, warum das geschehen war und was getan werden sollte, damit so etwas nicht wieder geschieht. Ich habe gehört, wie ein Politiker meinte, Frauen sollten am Abend nicht ausgehen. Viele weitere Politiker sagten, Frauen sollten keine Kleidung tragen, die so etwas herausfordert und darauf achten, dass sie nie alleine unterwegs sind. Einer sagte sogar, es sollte Kleidungsvorschriften für alle Frauen in Indien geben.

Es ist lächerlich und eigentlich ziemlich traurig, dass unsere Politiker eher daran denken, das Opfer zu beschuldigen, als den Vergewaltiger. Zu sagen, dass Frauen Acht geben sollen, was sie anziehen und wo sie hingehen oder nicht alleine zu gehen, bedeutet, dass es die Schuld des Mädchens selbst war, dass sie vergewaltigt wurde, nicht die Schuld des Vergewaltigers. Sie hat es herausgefordert. Ich habe zuvor bereits über solche Argumente geschrieben und finde, dass sich jeder Mann, der so denkt, schämen sollte. Du bist ein Mann, wo bleibt dein Stolz? Du kannst dich offensichtlich selbst nicht unter Kontrolle halten, wenn du eine schöne Frau siehst, aber du gibst Frauen Vorträge, was sie tun sollten und nicht tun sollten! Warum legst du deinen Hosen kein großes Schloss an oder, wenn du deine Körperteile nicht unter Kontrolle hast, schneide sie ab und schmeiß sie weg! Wer ist der schwächere, wer verliert die Kontrolle, wenn er ein Stück Haut des anderen sieht? Solche Argumente bedeuten, du hälst es für normal, dass eine Frau vergewaltigt wird, wenn sie die falsche Kleidung trägt. Das ist die Einstellung eines Vergewaltigers, jemand, der meint, der andere hätte ihn zu seinen Handlungen getrieben.

Das ist genau was eine weitere berühmte Persönlichkeit denkt: gestern machte Asaram Bapu, ein bekannter indischer Guru, der in der Vergangenheit wegen vielen anderen Kontroversen in den Nachrichten war, eine Aussage, die die Leute ungläubig auf ihre Fernseher blicken ließ! Er sagte in deutlichen Worten: „Das Opfer ist genauso schuldig wie ihr Vergewaltiger… Sie hätte die Schuldigen Brüder nennen und sie anbetteln sollen, aufzuhören… Das hätte ihre Würde und ihr Leben retten können“. Das ist eine schockierende Aussage, die in sich zeigt, was für eine Mentalität dieser Mann selbst hat.

Nach einem Zeitungsbericht, den ich vor Kurzem gelesen habe, werden 93% der Vergewaltigungen von Menschen begangen, die dem Opfer bekannt waren. Familienmitglieder, Verwandte, Freunde, Nachbarn oder Kollegen. Menschen, die das Mädchen vorher kannten und die das Mädchen kannte. Sagt mir in solchen Fällen, was für Kleidung oder abendliche Aktivitäten sind hierfür verantwortlich? Alles geschieht einfach nur daheim, sie ist in keine gefährliche Umgebung geraten, sie hat nichts angezogen, dem ihre Eltern nicht zugestimmt hätten. Sie zahlt einfach nur für die Tatsache, dass sie eine Frau ist und manche Männer glauben, dass sie ihre Macht über Frauen beweisen müssen.

Zeitungsartikel berichten, wie Väter, Schwiegerväter, Schwäger, Brüder und Onkel nicht nur erwachsene Frauen in ihrer Familie vergewaltigen, sondern sogar minderjährige Kinder und Babies! Wenn du meinst, es ist die Kleidung, die für Vergewaltigung verantwortlich ist, was haben denn diese zweijährigen Babies getragen, dass ein Mann keine andere Wahl hatte als sie zu vergewaltigen? Wo waren sie, in welcher Bar oder Disko?

Es muss aufhören, dass Menschen Frauen und Mädchen für die Verbrechen verantwortlich machen, unter denen sie leiden müssen. Es ist genug, dass sie die Vergewaltigung selbst erleiden müssen, sie können gut ohne die Demütigung derer, die sie beschuldigen, ihre Angreifer herausgefordert zu haben. Meiner Meinung nach gibt es in der Religion und der Kultur der Menschen viel mehr Faktoren, die man verantwortlich machen sollte! Darüber werde ich in den nächsten Tagen schreiben.

Opfer Versuchen, Mitleid zu Bekommen, Unfähig, glücklich zu sein – 18 Apr 09

Vor einigen Tagen habe ich darüber gesprochen, wie Menschen die Rolle des Opfers spielen. Jetzt habe ich über Glück gesprochen. Manchmal fühle ich, wie viele Menschen das Glück absichtlich und angestrengt von sich fernhalten wollen. Ansonsten könnte ihr Spiel und die Rolle des Opfers, die sie spielen, nicht weitergehen. Sie sind Opfer und können sich anderen nicht lange glücklich zeigen. Sie müssen verletzt werden und traurig sein, so dass sie ihr Image des Opfers aufrecht erhalten können.

Und es hört an diesem Punkt auch nicht auf, sondern geht noch weiter: diejenigen, die die Rolle des Opfers spielen, erwarten dann auch von anderen, dass sie nicht glücklich sind. Sie erlauben niemandem, glücklich zu sein, sondern möchten Mitleid anderer. Ich denke, in dieser Situation kann es sehr schwierig sein, dich von diesem Angriff von Traurigkeit und Elend zu schützen.

Aus meiner Erfahrung heraus möchte ich sagen, dass nur die Liebe dir die Kraft geben kann, dich selbst zu schützen. Ich glaube, wenn du nicht von Liebe geschützt bist, ist es unmöglich, dein Glück zu bewahren. Nur die Liebe kann alles auflösen und nur mit Liebe kannst du dein Leben mit einem Lächeln leben.

Sexueller Missbrauch in der Kindheit – Bist du ein Opfer? – 25 Feb 09

Gestern habe ich über Menschen gesprochen, die gerne Opfer sind. Für sie ist es schön, wenn sie Mitleid bekommen und anderen leid tun. So können sie es genießen, Opfer zu sein. Ich kannte eine Frau, die behauptete, Heilarbeit zu tun. Sie hat jeder dritten Frau, die zu ihr kam, erzählt: du wurdest in deiner Kindheit oder in einem vergangenen Leben sexuell missbraucht. Diese Heilerin erzählte mir auch, dass sie selber in ihrer Kindheit von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde. Als sie das auch von ihren Patientinnen sagte, sagten viele ‚Nein, an so etwas kann ich mich gar nicht erinnern.‘ Aber sie sagte: ‚Vielleicht erinnerst du dich nicht mehr, aber so ist es. Vielleicht hat dich jemand berührt, als du ein Kind warst. Und das muss geheilt werden.’ Sie sagte zu einer Frau, dass sie von ihrem Babysitter missbraucht wurde, aber sie glaubte ihr nicht.

Die Idee dieser Frau war, die Menschen zu Opfern zu machen. Sie sollten glauben, dass sie Opfer sind. Dann würden sie ihr leid tun und sie würde ihr Mitleid für sie zeigen. Natürlich müssten diese armen Menschen dann zu ihrer Behandlung kommen und an ihren Workshops und Seminaren teilnehmen, um geheilt zu werden und noch mehr Mitleid zu bekommen.

Ich sehe Menschen wie diese Frau nicht als Heiler. Ich sehe sie als verwirrte Geschäftspersonen, die andere verwirren und zu Opfern machen wollen. So kann ihr Geschäft wachsen.

Ich sage nichts über jemanden, der wirklich diesen Schmerz in der Kindheit erlebte. Ich habe volles Mitgefühl mit ihnen und ich verstehe ihren Schmerz. Viele Menschen kommen zu mir und viele Frauen sprechen mit mir über ihre intimen Probleme und teilen auch ihr Leid und den Schmerz ihrer Kindheit mit mir. Unter all diesen Menschen, die ich getroffen habe, waren auch Frauen, die mir erzählt haben, dass sie glauben, sexuell missbraucht worden zu sein. Aber sie sind sich nicht sicher. Dann frage ich mich wie und warum sie diese Idee bekommen haben. Manche sagen sogar, dass sie ich nicht genau daran erinnern, was geschehen ist, wer was getan hat und wann etwas geschehen ist, aber irgendetwas ist geschehen. Wenn es kein Sex war, dann hat mich jemand berührt. Aber ich erinnere mich nicht daran wer, wann und wie. Ich spüre, dass da etwas war.

Ich verstehe die, die es wissen, die gelitten haben und die immer noch ihren Schmerz in ihrem Gedächtnis haben. Aber ich verstehe nicht, warum diejenigen, die sich nicht mehr erinnern, wann, warum und wer was getan hat, gerne Opfer sein wollen. Es ist in Ordnung, wenn etwas in deiner Vergangenheit geschehen ist und du dich nicht deutlich erinnerst, akzeptiere es und lass es los. Geh nicht in die Rolle des Opfers, dafür besteht keine Notwendigkeit!

Ich kann eine meiner eigenen Erfahrungen erzählen. Als ich sieben oder vielleicht acht Jahre alt war, war die Frau des Cousins meiner Mutter, die in der Zeit etwa 35 Jahre alt war, für zwei oder drei Wochen bei uns zu Gast. Es war Sommer und es war sehr heiß. In Indien ist es üblich, dass die Menschen nach dem Mittagessen ruhen und etwas schlafen und wir haben uns täglich alle für ein Schläfchen hingelegt. Diese Frau hat mich immer in ihre Arme genommen und mich auf ihren Körper gelegt. Ich erinnere mich genau daran, dass ich ihren Körper gespürt habe und ich weiß, dass sie mich auch berührt hat. Und ich weiß, dass ich etwas genossen habe, aber ich war sehr unschuldig und habe überhaupt nicht gewusst, was Sex ist oder was in der Zeit im Körper geschieht. In dem Alter haben wir immer noch nackt auf der Straße gespielt. Sie spürte meinen Körper und ich fühlte ihren. Tief in mir spürte ich, dass etwas irgendwie nicht stimmte, irgendetwas war falsch. Aber jetzt kann ich nur darüber lachen. Warum sollte ich zum Opfer werden? Warum muss ich diese Last dieser Denkweise mit mir herumtragen?

Ich höre so oft, wie Menschen eine so große Sache daraus machen. Ich will klar sagen, dass ich einen Unterschied mache zwischen Menschen, die wirklich Opfer in ihrer Kindheit waren, durch diesen Schmerz gegangen sind oder unter Vergewaltigung gelitten haben und Menschen, die diese Idee von einer anderen Person bekommen haben, die ihnen diesen Zweifel in ihren Verstand gesät haben. Ein Opfer zu sein ist keine Heillösung. Es kann ein Handlungsmuster sein und du musst mutig sein und es hinter dir lassen. Du musst die Kraft haben, aus dieser Rolle des Opfers auszusteigen.

Das heutige Essen wurde von der Praxis für Physiotherapie Heide Baser aus Deutschland gespendet. Ich danke dem Team, das die Trinkgelder für die Kinder gespendet hat, um ihnen ein Essen zu spenden!

Macht es dir Spaß, Opfer zu sein? – 24 Feb 09

Heute hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit meinen lieben Freunden Roger und Mady. Ich habe einige meiner Erfahrungen mit ihnen geteilt. Auf meinen Reisen treffe ich so viele Menschen und als Heiler muss ich viele Probleme sehen, die tief in den Herzen der Menschen verwurzelt sind. Wenn ich ihre Probleme psychologisch analysiere, ist da immer die Frage, ob sie denn wirklich geheilt werden wollen.

Ich treffe oft Menschen, die mit bestimmten Themen zu mir kommen und um Heilung bitten und sie sagen mir, dass sie sie seit vielen Jahren unter diesem, diesem und jenem leiden. Aber oft spüre ich, dass sie nicht bereit dazu sind, diese Probleme hinter sich zu lassen. Sie möchten sie halten und behalten, weil sie, wenn ihr Problem weg ist, es vermissen würden. Sie finden nichts, womit sie es ersetzen könnten. Sie haben kein anderes Thema. Nachdem sie einige Zeit mit einem Problem verbracht haben, wird das Problem zu einem Begleiter und sie möchten ihn behalten. Nach einer Weile mit dem Problem gefällt ihnen die Rolle des Opfers. Sie wollen das Label des Opfers nicht ablegen.

Sie zeigen der Außenwelt, dass es ein Problem ist, aber sie treffen ihre Entscheidung nicht, dass sie das Problem verlassen. Menschen, die aufgrund ihres Problems Mitleid bekommen haben, werden dieses Mitleid vermissen, weil sie sich daran gewöhnt haben und es mögen.

Ich bin Heiler und ich will ihnen gerne Heilung auf sanfte Weise geben wie eine süße Tablette, die sie heilt, aber manchmal muss es eine bittere Tablette sein, manchmal muss man ihnen auch eine Spritze geben und manchmal muss man sogar operieren. Und ich tue das, weil es mein Ziel ist, sie zu heilen.