Ein stiller Trost in Zeiten der Trauer – 7 Jul 13

Nach den Radhashtami-Feierlichkeiten im Jahr 2005 verließ ich Indien wieder, um eine weitere Tour durch Europa zu machen. Ich hatte wieder mehrere Stationen und kam natürlich auch wieder nach Deutschland. Während dieser Reise beschloss ich jedoch, dass ich auch etwas Zeit in Stille, also schweigend verbringen wollte. Das hatte ich auch zuvor bereits getan und für mich war es immer eine schöne Erfahrung.

Ich wollte nicht die ganze Zeit schweigen. Noch nicht einmal ganze Tage lang. Ich wollte eine feste Zeitspanne von mehreren Stunden pro Tag haben, sechs oder acht, das weiß ich nicht mehr genau, während denen ich nicht sprechen würde. Ansonsten würde ich einfach meinem normalen Tagesablauf nachgehen und eben einfach nicht sprechen. Ich erzählte das meinen Organisatoren und obwohl es für sie etwas Neues war, konnten sie verstehen, warum ich das tun wollte. Meine Sinne zurückziehen und nicht viel Energie aufs Sprechen verwenden.

Also blieb ich zu bestimmten Zeiten still und alle akzeptierten das. Es wurde sogar von mehreren Leuten begrüßt und viele, die mich so erlebten, probierten die gleiche Art des Retreats für sich selbst auch aus. Damals kommunizierte ich in auf keinem Wege außer mit den Augen. Ich machte keine Zeichen und ich schrieb auch nicht – das hätte nicht die gewünschte Wirkung gehabt.

Ich weiß nicht, wie es dann an einem Tag wie allen anderen kam, dass ich per Zufall sah, dass an meinem Telefon ein Licht blinkte. Da war eine neue Nachricht gekommen. Ich nahm es in die Hand und las eine traurige SMS: mein Freund seit mehreren Jahren, mein erster deutscher Freund, der Arzt aus Lüneburg erzählte mir in knappen Worten, dass sein Vater verstorben war.

Natürlich war trauerte ich mit meinem Freund. Ich war in Stuttgart, mehrere Hundert Kilometer von ihm entfernt, aber ich wusste, dass ich ihn in einigen Wochen treffen würde, wenn ich wieder nach Lüneburg kommen würde. Für jetzt jedoch wollte ich ihm ein Zeichen meiner Anteilnahme schicken.

Ich schickte ihm eine leere Nachricht zurück.

Mein Freund wusste, dass ich meine Tage im Schweigen verbrachte. Er selbst saß in Trauer vor dem Leichnam seines Vaters, meine Nachricht kam und er sah sie sich an, wahrscheinlich in Erwartung der üblichen Beileidsbekundungen. Leere Zeilen. Stille. Eine Umarmung, Liebe, alles ausgedrückt in einigen leeren Zeilen. Trotz des Ortes und seiner Situation musste er lächeln. ‚So etwas kann auch nur Balendu!‘ dachte er – etwas, das er mir auch heute noch erzählt, wenn wir über diesen Tag sprechen.

Unangenehme Antworten können verhindert werden, indem man überhaupt nicht antwortet – 21 März 13

Gestern habe ich begonnen, Antwortsmöglichkeiten für Situationen zu erklären, in denen man genau weiß, dass der Fragesteller mit einer ehrlichen Antwort nicht glücklich wäre.

2. Möglichkeit: Antworte überhaupt nicht

Während ich das Lügen als Antwort vollständig ausschließe, könnte ich in manchen bestimmten Situationen diese Option empfehlen, besonders, wenn es eine Situation ist, in der man mit jemandem diplomatisch umgehen möchte, der in seinem Leben keine wichtige Rolle spielt. Jemand, den man einmal getroffen hat und dem man seine ganze Philosophie nicht breit erklären möchte, weil man sowieso weiß, dass jegliche Erklärungen und Worte auf ihn verloren wären – er würde nicht zustimmen, nicht einmal darüber nachdenken, was man sagt, sondern sich stattdessen einfach nur beleidigt und schlecht fühlen. Das ist die einzige Situation, in der man diese Möglichkeit ausprobieren könnte, aber nimm dich in Acht: es ist nicht so leicht, wie es sich anhört!

Natürlich kannst du nicht einfach nur stumm bleiben, dich umdrehen und gehen – das wäre wahrscheinlich schlimmer, als zu lügen und definitiv zu unhöflich. Der unbequemen Situation würdest du damit nicht aus dem Weg gehen. Im Gegenteil, sie würde noch viel schlimmer werden! Nein, du musst da etwas eleganter handeln!

Ich gebe euch einmal ein Beispiel für einen Fall, in dem ich diese Methode wirklich angewandt habe, nicht, weil ich um meine eigenen Gefühle besorgt war, sondern eher um den inneren Frieden des Fragestellers. Vor einigen Monaten hatten wir hier im Ashram Besuch von einer Frau, die mich von meiner Zeit als Guru noch kannte. Es war eine alte Frau, die oft zu meinem Programm gekommen war. Sie hatte ihren Sohn, dessen Frau die Kinder der beiden mitgebracht und stellte mich ihnen als ihr Guru vor. Nach etwas normalem Smalltalk fragte sie mich, wann ich denn wieder für einen Vortrag in ihrer Stadt sei.

Ich stand dort, drei Paar Augen richteten sich auf mich in freudiger Erwartung einer Antwort, die ihnen bestätigen würde, dass ich bald zu einem religiösen Programm kommen würde. Ich dachte über meine Möglichkeiten nach und während ich in die Augen der alten Frau sah, die schon bald 80 Jahre alt wird, entschied ich mich für diese Antwortmöglichkeit. Wenn ich ihnen jetzt erzählt hätte, dass ich nicht religiös bin und nicht einmal mehr an Gott glaube, hätte es die alte Dame unnötig verwirrt und sie ohne Grund gestört. „Oh, ich bin jetzt Vater!“ antwortete ich also stattdessen und lachte, während ich mich hinunterbeugte, um Apra aufzuheben. Als ich mit dem Baby auf dem Arm wieder hochkam, fuhr ich fort „Dieses kleine Engelchen braucht zur Zeit all meine Aufmerksamkeit!“ und kitzelte sie unter den Armen. „Sie hat letzte Woche ihre ersten Schritte ganz allein gemacht!“ fügte ich hinzu und nun war alle Aufmerksamkeit auf Apra und ihrer Entwicklung, die Frage unbeantwortet und vergessen. Keiner dachte mehr daran und niemand war enttäuscht.

Du kannst also bei dem Thema beginnen, zu dem die Frage gestellt wurde und einfach daran vorbeireden, ohne jemals zu antworten, um daraufhin sanft zu einem ähnlichen Thema überzuwechseln, um den Fragesteller von seiner oder ihrer Frage abzulenken. Vielleicht kannst du einen Witz machen oder zu einem umstrittenen Thema überwechseln. Vielleicht fragst du den anderen ja sogar eine Rückfrage, von der du meinst, dass der andere sie gerne beantworten würde – und natürlich darüber seine Originalfrage vergessen würde.

Diese Technik ist ein bisschen schwierig und ich muss dich warnen, dass das nicht immer funktioniert. Wenn der andere dich ernsthaft etwas fragt und ihm die Frage wichtig ist, lässt er dich damit nicht davonkommen! Er fragt dann nochmal nach und es würde wirklich seltsam aussehen, wenn du ihm nochmal ausweichst.

Die Hauptsache ist, dass du die Frage wirklich nicht beantwortest. Du musst also vorher entscheide, on der andere nur neugierig ist und etwas Smalltalk betreibt oder ob er wirklich Interesse hat. Wenn das der Fall ist, kannst du diese Möglichkeit vergessen – dann wird sie das Problem nicht lösen!

Schweigen als Feedback – Du stimmst zu, hast aber nicht den Mut, das zuzugeben! – 14 Mai 12

Ich würde gerne ein paar Zeilen über die Reaktionen schreiben, die ich bekomme, wenn ich mein Tagebuch schreibe. Ich schreibe über alle möglichen Themen und natürlich gibt es darauf dann auch alle Arten von Reaktionen. Eine der interessantesten Reaktionen ist, glaube ich, die unausgedrückte Zustimmung, die hinter höflicher Nicht-Zustimmung oder einfach nur Stille versteckt wird.

Bei bestimmten Themen, wenn ich über unfassbare Geschichten schreibe, wie damals, als ein Vater seinen eigenen Kindern ins Fleisch schnitt, um Rituale durchzuführen, stimmt mir natürlich jeder zu, dass es schrecklich ist, dass solche Dinge geschehen. Bei anderen Themen, als es zum Beispiel um den falschen Guru Kumar Swami ging, bekomme ich beides, sehr positive und auch negative Rückmeldungen, hier in diesem Fall von seinen Anhängern, die wollten, dass ich meinen Artikel vom Netz nehme. Und dann gibt es ein paar Themen, in denen ich hauptsächlich eine Art von Feedback bekomme: beredtes Schweigen.

Das sind Themen, die tief im Glauben, in der Kultur und im Denken der Menschen verwurzelt sind. Es passiert, wenn ich ein gesellschaftlich anerkanntes, falsches Verhalten anspreche, das weit verbreitet ist. Es passiert, wenn ich über etwas spreche, worüber die Menschen lieber niemanden sprechen hören würden. Es passiert, wenn ich die Wahrheit sage und die Menschen das erkennen, aber lieber vorgeben, dass sie es nie gehört haben, dass sie meine Zeilen nie gelesen haben und nicht wissen, was richtig ist.

Ich nehme eine Tatsache und analysiere sie. Ich betrachte sie von allen Seiten und komme dann zu einem Schluss. Dieses Ergebnis präsentiere ich und dann ist da jemand, der genau das Gegenteil davon gelernt hat. Sein ganzes Leben lang hat er anders gehandelt und beschlossen, an etwas anderes zu glauben. Jeder, der meine Zeilen liest, würde mir zustimmen und auch diese Person tut das. Er weiß innerlich, dass ich Recht habe! ‚Ja, da ist etwas dran! Aber kann ich das wirklich zugeben? Vielleicht mache ich besser die Augen zu und tu so, als hätte ich nichts gelesen – das erspart mir einiges an Ärger!

Zuzustimmen würde eine große Veränderung bedeuten! Es könnte das Leben verändern, wenn man akzeptiert, dass das, was man zuvor geglaubt hat, falsch ist! Es ist einfach und sehr bequem, einfach nicht zu antworten. ‚Es wird mich sowieso niemand danach fragen, das ist schließlich das Internet, eine virtuelle, unechte Welt.‘

Doch tief drinnen weißt du, dass du nicht Recht hast, dass es wahr ist, was ich sage. Wenn du weiterhin vorgibst, dass du das nicht tust, belügst du dich selbst! Nur, weil du etwas gelernt hast, weil jeder es immer so gemacht hat, weil deine Schriften sagen, dass es so sein sollte, meinst du, du musst das auch glauben? Nein, du kannst etwas verändern! Ich weiß, dass das vielleicht allem widerspricht, was du jemals geglaubt hast, aber du verlierst nichts, wenn du einen falschen Glauben aufgibst! Das ist nicht dein Anker oder deine Rettungsweste, du kannst auch ohne überleben! Hänge dich nicht wie ein Ertrinkender daran! Erkenne, dass du ohne das frei bist!

Stattdessen jedoch schweigen die meisten. Andere, die das Bedürfnis verspüren zu antworten, können nicht anders, als einen höflichen Kommentar schreiben, in dem sie halbherzig widersprechen. Sie haben sowieso kein echtes Argument dagegen, weil sie die Wahrheit doch selbst kennen. Es ist für sie jedoch nicht möglich, das öffentlich zuzugeben. Eine Unterhaltung mit ihnen endet immer mit ‚Ja, ich weiß, aber trotzdem glaube und denke ich weiterhin das, was ich zuvor gedacht habe.‘

Ich weiß, dass das oft ein Problem religiöser Menschen ist, aber auch Leute, die nicht an eine Religion glauben, zögern manchmal, sich zu ändern, selbst wenn sie wissen, dass es falsch ist. Die Angst vor dieser Veränderung ist groß. Was werden die Leute um mich herum sagen? Ich will in meiner Gruppe nicht auffallen, nicht in der Gemeinschaft ein Außenseiter sein! Dann wäre ich anders!

Habe keine Angst, du kannst diese Veränderung machen! Sei ehrlich mit deinen Gefühlen, das ist das Wichtigste. Ich bin nicht derjenige, der von dieser Veränderung profitiert, sondern du! Man braucht Mut, um seine Muster zu durchbrechen und eine neue Denkweise zu finden, die sich nach der Wahrheit anfühlt. Sei mutig, du kannst etwas ändern! Wenn du ein Gefühl hast, dass das, was ich sage, wahr ist, hate nicht an dem fest, was du vorher dachtest, sondern fühle dich frei, die Wahrheit zu glauben. Nur das wird dich glücklich machen! Und wenn du verstehst, dass es die Wahrheit hast, können andere das auch verstehen. Du wirst nie allein sein, wenn du an die Wahrheit glaubst.

Gebete für die Überlebenden des Erdbebens und Tsunamis in Indien – 14 Mar 11

Natürlich haben die Nachrichten des Erdbebens, des darauf folgenden Tsunamis und der Explosion in dem Atomkraftwerk in Japan auch uns hier in Vrindavan erreicht. Wir haben in den letzten Tagen Bilder und Videos aus Japan gesehen und uns gefragt, wie viel die Menschen dort noch leiden müssen. Zuerst kam die Nachricht des Erdbebens. Viele Menschen verloren bereits alles, was sie hatten. Danach begannen die Wellen und Fluten des Tsunami Autos, Schiffe, Häuser, Züge und alles, was sie finden konnten, darunter auch Menschen, davon zu tragen. Und jetzt wurden Tausende von Menschen aus der Gegend um Fukushima herum evakuiert, das Atomkraftwerk, in dem bereits zwei Explosionen die Leute in Angst versetzt haben. Alle fürchten eine weitere, größere Explosion, bei der die radioaktive Strahlung nach Außen treten könnte.

Es ist sogar schlimm, sich diese Bilder anzusehen, sie schmelzen das Herz und man kann sich nur vorstellen, wie die Menschen dort leiden. Was können wir für sie tun, außer zu beten? Wir können ihnen nur die Stärke wünschen, es zu ertracken, mitten in der Katastrophe, viele ohne Hab und Gut, viele ohne Wasser und alle voller Angst.

Ich habe gerade ein Bild gesehen, auf dem Hundert Kinder auf dem Dach einer Schule standen, die Schule umgeben von Wasser und alle warteten darauf, dass sie jemand retten kommt. Sie sind am Leben, haben aber nichts zu essen und nichts zu trinken. Sie stehen einfach nur da und warten. Es gibt bestimmt viele Geschichten, die noch schmerzlicher sind als diese, doch das alles lässt einem nur das Herz sinken.

Wir haben auch 2004 den Tsunami gesehen und schon oft in der Geschicht der Menschheit hat die Natur gezeigt, wie stark sie eigentlich ist. Wir behaupten, wie seien mächtig, doch das sind wir nicht. Wie viel kann sich von einer Nacht auf die andere ändern!

Heute Morgen haben die ganze Ashram Familie und alle Schulkinder zusammen ein Gebet gesagt und in Stille all derer Menschen gedacht, die in Japan leiden. Wir schicken ihnen unsere Liebe, und wünschen ihnen Stärke, auch denen, die Hilfe bringen und ihr Bestes geben, um andere zu retten.

Bilder vor und nach der Katastrophe

Verlassen der Höhle – Mein Tag der Wiedergeburt – 9 Jan 11

Ich kletterte durch das Loch, das sie in die Tür-Mauer meiner Höhle geschlagen hatten. Dort standen mein Vater und meine Brüder, um mich willkommen zu heißen. Ich begrüßte meinen Vater und als ich seine Füße berührte, zog er mich hoch in seine Arme für eine lange Umarmung. Tausende Leute umringten uns, sangen und jubelten. Um durch die Menschenmenge zu kommen, hoben mich meine Brüder auf ihre Schultern. Auf diese Weise trugen sie mich bis zu einer Bühne, die für diesen Tag vorbereitet worden war, wo jeder hinkommen konnte, um mich zu treffen und mich in dieser Welt wieder willkommen zu heißen.

Die Erfahrung, aus der Höhle zu kommen war wie eine Wiedergeburt. Ich erinnere mich natürlich nicht an meine eigene Geburt – niemand hat diese Erinnerung, doch jetzt kann ich mir ziemlich gut vorstellen wie es ist, wiedergeboren zu werden. Ich habe bereits erwähnt, dass ich geschockt war. Ich war vom Lärm geschockt nach der vollständigen Stille in der Höhle. Ich war vom Sonnenlicht geschockt, das mir nach einer so langen Zeit der Dunkelheit ins Gesicht schien. Am meisten jedoch schockten mich die tausende von Menschen, die mich willkommen hießen, mich umarmten und mir zujubelten, nachdem ich mehr als drei Jahre lang völlig isoliert gelebt hatte. Sie alle versuchten, mich zu berühren, sie alle wollten mit mir sprechen und meinen Segen.

All meine Anhänger waren dort und noch viel mehr Leute von der ganzen Welt. Für sie war ich der Guru, der ich zuvor gewesen bin, sogar noch größer nach meinem langen Rückzug. Die Leute weinten, sie kamen und umarmten mich, verneigten sich vor mir und berührten meine Füße, um Segen zu bekommen. Auf einmal bemerkte ich, wie mich etwas am Zeh kitzelte und fragte mich eine Sekunde lang, warum er denn nass war, bevor ich hinunterblickte und sah, dass ein Mann, der sich vor mir verneigt hatte, jetzt da saß und meinen Zeh nicht nur abschleckte, sondern ihn ganz im Mund hatte! Alles, was diese Menschen taten, geschah in der Hoffnung, dass ich jetzt Siddhis, magische Kräfte, erlangt hatte, die ihnen irgendwie helfen könnten. Sie dachten, ich könnte jetzt die Zukunft vorraussagen oder ihnen mit irgendeiner Art von Wunder helfen.

Das Programm des ganzen Tages war vorbereitet und es geschah kein Wunder. Wir gingen zum Haupttempel der Stadt. Dorthinzugehen bedeutete jedoch, dass wir durch die Straßen Vrindavans gehen mussten und so die Menge der Leute immer größer wurde, so dass es einer großen Prozession ähnelte, einer großen Feier. Ich wurde mit jedem Schritt überall willkommen geheißen.

Nach diesem Besuch im Tempel, der sich so über mehrere Stunden hinzog, kamen wir zurück in den Ashram. Am Abend war eine große Zusammenkunft spiritueller Menschen geplant. Spirituelle Persönlichkeiten aus ganz Indien waren da und wir hatten eine Art Konferenz, bei der jeder eine Ansprache halten konnte. Während diesen Reden ehrten sie mich auch mit dem Titel Yogi Raj, der König der Yogis.
Um ehrlich zu sein, habe ich das alles wahrgenommen und es wäre vielleicht eine große Ehre gewesen, doch den ganzen Tag lang beobachtete ich wie durch einen Schleier das, was um mich herum geschah. Ich war dort, saß aber auch immer noch in meiner Höhle. Es war einfach alles zu viel. Ich hatte an dem Tag drei oder vier Mal das starke Bedürfnis einfach zu gehen und mich in meine Höhle zu setzen. Ich brauchte nur etwas Zeit, saß da, einfach nur mit mir und fand so Ruhe und etwas Frieden.

Es war aber auch ein überwältigendes Gefühl der Liebe, der Freude und des Glücks, meine ganze Familie und alte Freunde wiederzusehen, sie wieder zu umarmen und bei ihnen zu sein. Nicht nur ich sah anders aus. Ich hatte in der Höhle keinen Spiegel gehabt und so sah ich mich selbst nach mehr als drei Jahren wieder zum ersten Mal. Meine Haare und mein Bart waren wild gewachsen. Doch auch sie hatten sich verändert. Wir alle waren gealtert und das sah man, besonders an meinem jüngsten Bruder Yashendu. Als ich in die Höhle ging, war er ein 17-Jahre alter Junge. Jetzt war er ein Mann. Er war groß, stark und erwachsten und hob mich hoch, um mich vor der Menge zu schützen.

Selbst am späten Abend war der Ashram noch voller Menschen. Viele Gäste kamen von weit her und blieben über Nacht, so dass sie sich einen Platz zum schlafen suchten. Ich meinerseits ging für die Nacht zurück in meine Höhle. Dort konnte ich nach einem langem Tag voller Eindrücke und Emotionen friedlich schlafen gehen.

14 Typen Mensch, die im Ashram immer willkommen sind – 19 Nov 10

Gestern habe ich über Menschen gesprochen, die wir hier nicht willkommen heißen, da wir aus vielen Erfahrungen gelernt haben. Wir haben jedoch auch viele schöne Erfahrungen gemacht mit Menschen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen, die mit verschiedenen Vorstellungen zum Ashram gekommen sind. Hier findet ihr eine Liste solcher Menschen, denen es hier gefallen hat und mit denen wir die Zeit hier auch genossen haben. Auf diese Weise möchte ich allen eine offene Einladung aussprechen, die sich selbst in dieser Liste wiedererkennen. Kommt und lasst uns miteinander Spaß haben.

Wir heißen dich hier gerne hier willkommen,

– Wenn du nach etwas anderem als einem Hotel oder Gasthaus suchst.

– Wenn du eine familiäre Umgebung und eine liebevolle Art des Zusammenlebens erleben möchtest.

– Wenn du Interesse an unseren Wohltätigkeitsprojekten hast, die Kinder unserer Schule kennen lernen möchtest, verstehen willst, wie ihr Leben aussieht und wie unsere Schule ihnen helfen kann, eine bessere Zukunft aufzubauen.

– Wenn du echtes und originales Yoga ohne eine Marke oder Tradition kennen lernen und üben willst. In unseren Retreats und Yogalehrerfortbildungen lernt und übt man einfach reines Yoga und natürlich sisht man im Alltagsleben des Ashrams, wie der Lebesnstil des Yoga ins tägliche Leben integriert werden kann.

– Wenn du tägliche Ölmassagen, Panchakarma Behandlungen, Ernährung für deinen Körpertyp und mehr Ayurveda Behandlungen bekommen möchtest. Unser Ayurveda Yoga Urlaub bietet all dies und dazu noch die Erfahrung, um Ashram zu sein.

– Wenn du eine Gruppe für Yoga und andere Aktivitäten nach Indien bringst. Wenn du ein Yoga oder Wellness Zentrum hast und deinen Schülern die besondere Erfahrung einer oder zwei Wochen in Indien ermöglichen willst, bietet der Ashram dir alles, was du brauchst.

– Wenn du im Urlaub einfach mal gar nichts machen willst. Entspanne dich, werde zum Beobachter und tue absolut nichts.

– Wenn du herrliches Ayurvedisches Essen magst, das nicht scharf ist.

– Wenn du dich selbst besser kennen lernen möchtest, ohne, dass dir jemand sagt, was du dafür tun sollst. Im Ashram kannst du eine tiefe spirituelle Erfahrung machen, ohne dass dich die Regeln und vorgeschriebenen Wege einer Religion oder Tradition einschränken. Geh in dich und finde dort Liebe!

– Wenn du die Energie der Höhle spüren willst, in der ich mehr als drei Jahre in Meditation verbracht habe. Du kannst dort sitzen, selbst meditieren und einfach nur spüren. Es ist ein Ort der Stille und des In-sich-Gehens.

– Wenn du Kinder liebst und mit ihnen spielen und Spaß haben willst.

– Wenn du liebevolle und gleichgesinnte Menschen von überall auf der Welt treffen willst.

– Wenn du eine Oase der Liebe, des Friedens und der Sicherheit im verrückten Chaos der indischen Städte, des Verkehrs und des Straßenlebens brauchst.

– Wenn du durch deine Zeit in Indien armen Kindern helfen willst. Bewege etwas, einfach nur, indem du da bist.

Wenn du dich selbst in den oben genannten Punkten wiederfindest, können wir garantieren, dass du dich in den Ashram verlieben wirst! Wir sehen uns auf deiner nächsten Indien-Reise!

Stille zuhören – Müde vom Lärm – 2 Jul 10

Ich genieße es, hier in Deutschland zu sein, wo ich dir Stille hören kann. In den letzten zwei-drei Tagen habe ich bemerkt, wie groß der Unterschied ist. Wir kamen von New York und jetzt, in Deutschland, konnte ich die Stille hören. Hier ist eine herrliche Temperatur und wir haben keine Klimaanlage, das ist nicht notwendig. In New York war sie notwendig und man hatte sie 24 Stunden am Tag an, und wenn man sie auch manchmal ausgeschaltet hat, hörte man die Klimaanlagen der Nachbarn. Wenn man in seinem Zimmer sitzt oder wenn man rausging und sich irgendwo anders hinsetzt, man fühlt sich wie in einer Industriehalle, Maschienen-Lärm immer um dich herum.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass diese irritierenden Geräusche müde machen. Ich liebe Frieden und die Stille, das ist meine Natur, und wenn man 24 Stunden im Einfluss dieses Geräusches verbringt, kann man fühlen, dass es an den Nerven kratzt. Ich kenne mein Bedürfnis nach Stille und wie wichtig Stille für mich ist.

Ich bin gerne in Natur oder so, wie ich in der Höhle war, wenn man die Geräusche der Natur hört, oder wenn man einfach gar nichts hört. Und in dieser großen Stadt war das einfach unmöglich, wenn wir in der Wohnung waren oder draußen, da war immer Lärm.

Normalerweise rede ich nicht viel, sondern höre mehr zu, aber wie viel kann man denn zuhören? Manchmal möchte ich nicht mehr zuhören, ich will Stille. Es kann dich müde machen, wenn da ein angehender Vorgang des Zuhörens ist. Ich genieße es also, hier zu sein, ich kann mich entspannen.

Heute kamen wir mit einer kurzen Zugfahrt von nur vier Stunden nach Bern, in die Schweiz. Hier gibt es bereits auf dem Weg wunderschöne Natur und ich bin mir sicher, das wir unsere Zeit hier genießen werden. Die Schweiz selbst ist bekannt für ihre Sauberkeit und Natur.

Ausdruck ohne Gefühl – 14 Juni 10

Gestern habe ich geschrieben, dass man nur einen Bruchteil dessen, was man fühlt, in Worten ausdrücken kann. Es ist lustig, als ich das meinem Freund sagte, lachte er: wie viele Gefühle manche Menschen haben müssen, wenn man das danach beurteilt, wie viel sie ausdrücken!

Es ist wahr, manche Leute reden und reden und ich bekomme manchmal das Gefühl, dass diese Menschen viel audrücken, aber nichts fühlen. Sie sagen so viele Dinge von so vielen verschiedenen Gesichtspunkten und über so viele Themen, aber wenn man zur Wurzel dessen geht, was sie sagen, so kommt dieser Satz nicht von Herzen. Es war nur aus dem Moment geschaffen, etwas, was sie sagen, um die Stille mit Worten zu füllen. Es gibt einfach so viele Floskeln, die nicht gefühlt werden.

Es gibt so viele Floskeln, die wir ohne nachzudenken anwenden. ‚Hallo – Wie geht’s – Gut, danke‘ und ‚Okay, bis zum nächsten Mal – Danke für die Einladung – Einen schönen Abend noch – Tschüss!‘ sind wie Standard Sätze, die man auswendig lernen kann und einfach dann sagen kann, wenn man jemanden willkommen heißt oder verabschiedet. Aber wo ist das Gefühl?

‘Ich vermisse dich’ ist ein weiterer dieser Sätze. Wie oft benutzt du diese Worte ohne sie sogar zu fühlen? Hast du jemals das Verlangen im Herzen für einen geliebten Menschen, der nicht da ist? Kennst du wirklcih die Bedeutung von Vermissen? Wenn ich solche Worte höre, die sich künstlich und unwirklich anhören, muss ich mich fragen, warum es so ist? Vielleicht haben die, die das sagen, das Wort nur gelernt, aber ihr Herz fühlt es nicht, es kennt es nicht. Ihr Herz hat nie jemanden vermisst, hatte nie den Schmerz, sich nach jemandem zu verzehren. Und so können sie es sagen, ohne, dass es eine Bedeutung hat.
 

Übernatürliche Heilkräfte oder nur die Natur – 22 Feb 10

Gestern habe ich über körperliche Probleme, über Krankheiten gesprochen, mit denen Menschen zu Heilern gegangen sind, um sich heilen zu lassen. Es sind nicht nur die Krankheiten, sondern manchmal auch psychische Probleme, die dann wie durch Wunder geheilt wurden. Wie ich sagte, waren es aber üblicherweise nicht Wunder, sondern nur die natürliche Kraft des Körpers, doch der volle Dank ging an den Heiler.

Es ist heutzutage leider immer noch so, wenn Menschen zu ‚modernen Heilern‘ gehen. Und dann gibt der Heiler vor, dass es er war, der geheilt hat. Ich sage immer, dass es gefährlich ist, dieses Ego zu haben und zu denken, dass man diese übernatürliche Kraft hat.

Manche Menschen sagen nun vielleicht, dass ich doch das gleiche getan habe, dass ich auch im Guru Geschäft war, in einer Art Scheinwelt. Und ich kann sagen ja, ich habe das Gleiche getan, aber ich habe mich geändert. Jeder hat das Recht und auch die Aufgabe, sich zu verändern, sich beständig zu verbessern, den Geist weiter zu entwickeln und der Wahrheit näher zu kommen.

Ich habe mich geändert und ich glaube nicht mehr an die Weise, wie ich Heilsitzungen gegeben habe und früher Menschen geheilt habe. Heute gehe ich das ganz anders an, ich bin gerne für Menschen da, die jemanden brauchen, mit dem sie sprechen können, ich sitze gerne mit ihnen in Meditation oder in Stille. Und eine Person, die in diesem Drama war, kann dir am Besten darüber berichten.

Ich war mitten in diesem religiösen Drama, aber heute glaube ich, dass die wirkliche Heilkraft in jedem selber steckt. Die richtige Zeit, die richtige Gesellschaft, eine liebevolle Berührung, eine Umarmung und das Teilen von Worten und Emotionen mit der richtigen Person kann den Heilprozess unterstützen, das ist wahr! Doch danach würde ich mir nie das Ego herausnehmen und sagen ‚Ich habe das geheilt, ich habe das geschafft, ich habe geheilt.‘ Wir sind alle eine große Familie und wenn wir zusammen sind und einander helfen, können wir viele Probleme bewältigen, einfach nur mit Liebe.

Heute war der Geburtstag unseres Freundes Juergen und er hat das Essen fuer die Kinder und ihre Geschwister gespendet!

Benötigt für Stille: ein ruhiger Verstand – 7 Nov 09

Ich sehe oft, dass manche Menschen sich vor der Stille und dem Schweigen nahezu fürchten. Vielleicht fühlen sie, dass sie durch Sprechen ihre Energie verbrauchen müssen.

Natürlich ist das Schweigen dafür, den Verstand zu beruhigen, doch um in die Stille zu gehen, benötigt man die Übung eines ruhigen Geistes. Wenn dein Geist nicht ruhig ist und du nicht weißt, wie du ihn beruhigen kannst, wirst du in der Stille nervös und die Gedanken in deinem Geist spielen verrückt.

Um das Schweigen zu üben, braucht man also etwas Ruhe im Geist. Darum sage ich, dass es ein guter Anfang des Schweigens zur Beruhigung des Geistes ist, wenn man weniger spricht. Sag nur das, was wirklich notwendig ist.

Heute hatte mein Freund Govind Geburtstag und er kam her, um mich zu besuchen. Es ist immer schön, ihn zu treffen.