Wenn die Geburt eines Kindes kein Grund zur Freude ist: die siebte Tochter – 18 Aug 16

Gestern haben wir die Nachricht bekommen, dass einige unserer Schulmädchen nun eine kleine Schwester haben. Natürlich gibt es bei 250 Kindern ständig neue Geschwister. Wenn man normalerweise über eine Geburt spricht, freut man sich und feiert. In diesem Fall jedoch können wir uns nicht wirklich mit dieser Familie freuen – denn die Eltern selbst freuen sich nicht. Der Grund ist der Gleiche, doch etwas anders: es ist ihre siebte Tochter!

Oh, wir kennen diese Familie nun schon seit so vielen Jahren und sehen ihre Entwicklung mit Sorge: der Vater ist Maurer und hat bereits an unserem Ashram, der Schule und dem Restaurant-Gebäude gearbeitet. Seine älteste Tochter war eine der ersten Kinder unserer Schule – und die nächsten drei Töchter kamen in den darauffolgenden Jahren. 2013 stellte ich euch diese Familie in meinem Blog vor. Damals hatten sie bereits fünf Töchter und wir wussten genau warum: sie versuchten immer wieder, einen Sohn zu bekommen!

Der Vater ist ein harter Arbeiter und hat es geschafft, etwas Geld für den Bau seines Hauses zu sparen – doch natürlich ist es eine ziemlich große Aufgabe, sechs Kinder zu füttern – und nun will noch ein weiterer Bauch gefüllt werden! Wir werden da sein, um die Grundschulbildung der Mädchen zu übernehmen – doch es gibt andere Ausgaben, die auch gedeckt werden wollen!

Wir haben den Vater mit unseren Gedanken konfrontiert und erlebten eine Überraschung: er begann zu weinen und erzählte uns, dass er selbst und auch seine Eltern seiner Frau schon nach der zweiten Tochter gesagt hatten, dass zwei Kinder genug seien. Er beklagte sich, dass jeder meinte, er sei derjenige, der unbedingt einen Sohn haben wollte – wo es doch in Wirklichkeit seine Frau war!

Sie war sogar soweit gegangen, ihm zu drohen: wenn er sie nicht wieder schwängern würde, würde sie sich bei jemand anderem Hilfe holen! Für sie der Grund dafür, sich nicht wie verrückt über das Neugeborene zu freuen, ist klar: es ist ‚nur‘ ein weiteres Mädchen! Noch ein Mädchen, das gefüttert werden muss, das sie verheiraten müssen und das schließlich das Haus verlassen wird. Kein Sohn, der den Familiennamen weiterträgt, der daheim bleiben wird und für die Eltern Geld verdient, wenn sie alt sind oder dessen Frau sich um sie kümmern würde!

Es ist hier in Indien leider immer noch so und diese Mentalität ist etwas, das zu entfernen oder verändern es immer noch lange dauern wird! Mädchen und Jungen sind hier nicht gleichberechtigt. Eltern mögen ihre Töchter lieben, doch Töchter und Söhne sind in ihren Augen nie gleichwertig. Das sagen sie auch ganz deutlich vor ihren Mädchen: wir wollten einen Sohn!

Ich fühle mit diesen Mädchen, ich fühle mit diesen Familien, die ihre Armut nur mit diesem Wunsch nach einem männlichen Kind steigern. Eure Tochter ist wertvoll – denke nicht, sie sei weniger wert und gib ihr nicht das Gefühl, sie sollte etwas anderes sein, als sie ist!

Warum wir mit Monika nicht in ein staatliches Krankenhaus gehen wollen – 16 Dez 14

Gestern habe ich euch von Monika und ihrem Unfall erzählt und auch, wie wir ihr helfen werden. Heute möchte ich euch genau erzählen, warum wir das Artemis Krankenhaus in Gurgaon nahe Delhi gewählt haben.

Um das besser zu verstehen, muss man vielleicht wissen, dass es Regierungskrankenhäuser in Indien gibt, die Patienten kostenlos behandeln. Dort muss man nur die Medikamente bezahlen – und auch davon nur einen Teil. In einem solchen Krankenhaus in Delhi wurde Monika das erste Mal behandelt. Warum also bringen wir sie nicht in dieses staatliche Krankenhaus, wo es doch viel billiger sein könnte und wo sie ihren Fall bereits kennen?

Zunächst einmal sind staatliche Krankenhäuser hoffnungslos überlaufen. Niemand wird zurückgewiesen und für viele ist das die einzige Möglichkeit, medizinisch behandelt zu werden. Natürlich wäre das nicht der Grund für uns, da nicht hinzugehen, wenn wir wüssten, dass Monika da die Behandlung bekommen würde, die sie braucht. Danach sieht es jedoch nicht aus. Warum? Weil sie auch als sie dort war, nicht so behandelt wurde, wie es nötig gewesen wäre.

Am 4. Mai, nach dem Unfall, wurde Monikas Familie in zwei Krankenhäusern in Vrindavan zurückgewiesen. Sie gingen nach Mathura, wo sie übernachteten. Eine schreckliche Nacht für alle – die Ärzte wussten nicht, was sie tun sollten und so bekam Monika nicht einmal Schmerzmittel. Am nächsten Morgen fuhr die Familie weiter nach Agra, die nächstgrößere Stadt und warteten stundenlang verzweifelt auf einen Arzt. Endlich bekam Monika etwas Linderung – Salbe, Verband und Schmerzmittel. Es war jedoch bereits klar, dass sie nach Delhi weiter müssen – aber wie? Schließlich lieh sich Monikas Mutter etwas Geld und rief einen Krankenwagen, um sie nach Delhi zu fahren! Es war eine Reise des Leidens durch die verschiedenen staatlichen Krankenhäuser und entgegen ihrer Hoffnungen war sie da noch nicht zu Ende!

Monikas Onkel lebt in Delhi, so dass sie dort etwas Unterstützung ihrer Familie hatte, aber das hilft natürlich wenig, wenn die Tochter in einem Bett in der Krankenstation liegt, ihr Kopf von den Verbrennungen geschwollen, ihre Haut an vielen Stellen offen und ihre Augen so geschädigt, dass sie nur zwischen hell und dunkel unterscheiden kann, sonst nichts. Statt ihre Arbeit zu machen, schimpfen die Krankenschwestern die Mutter. Ein Arzt kommt jeden Tag vorbei, der Oberarzt jede Woche. Jedes Mal werden die Krankenschwestern von den Ärzten getadelt – und geben die ärgerlichen Worte weiter an die verzweifelte Mutter, die ihr Bestes gibt, um die Wunden ihrer Tochter zu säubern.

Die brennende Frage: wie geht es weiter? Sie werden heimgeschickt, bleiben bei dem Onkel, kommen eine Woche später zurück ins Krankenhaus und werden wieder eingewiesen, weil die Wunden zu schlimm sind. Rein und raus. Sie bekommen Medikamente – manche davon werden vom Krankenhaus übernommen und andere müssen sie selbst bezahlen. Der Bruder der Mutter hilft nochmal aus. Er verdient etwas mehr und weiß, dass sie niemand anderen haben, den sie um Hilfe bitten können.

Eines Tages bekommt die Mutter Anweisungen, den Oberschenkel der Tochter zu rasieren und ihr nichts zu essen zu geben, um sie auf eine Operation vorzubereiten. Sie schöpfen Hoffnung, dass nun etwas für sie getan wird. Aber niemand kommt, um sie zu holen. Nach stundenlangem Warten erzählt ihnen eine Krankenschwester, dass Monika an dem Tag nicht operiert würde. Schließlich bringt die Mutter ihre Tochter wieder nach Hause. Sie soll nach vierzehn Tagen zurückkommen, aber das kann sie sich nicht leisten.

Als wir all das hörten, beschlossen wir, Monika in ein Krankenhaus zu bringen, wo wir uns gut fühlen. Wo wir wissen, dass der Service gut ist, die Mitarbeiter immer freundlich und hilfreich und wo die Leute sich um einen kümmern. Das Artemis Krankenhaus, der Ort, an dem Apra geboren wurde und wohin wir im April zurückkehrten, als mein Knie operiert werden musste. Wir kennen dort mehrere Ärzte und hatten immer die beste Behandlung erfahren, die wir uns vorstellen konnten. Die Atmosphäre ist freundlich, der Ort ist sauber und, was das Wichtigste ist, man kann dort Vertrauen in die Behandlung haben.

So vertrauen wir auch der Aussage der plastischen Chirurgen, dass man Monika schon vorher hätte helfen können. Dass eine Operation in den ersten Wochen nach ihrem Unfall, ein Schnitt an der Haut um ihren Hals, um die Spannung zu lösen, ihr geholfen hätte. Dass sie jetzt nicht in einer so schlimmen Situation wäre, wenn das damals geschehen wäre.

Die schlimmsten sieben Monate ihres Lebens liegen bereits hinter Monika und wir werden die nächsten zu einer Reise der Behandlung und Genesung machen. Das Bühnenbild werden jedoch nicht dunkle und überfüllte Säle sein, in denen Krankenschwestern herumschreien und Patienten ärgerlich schimpfen. Es wird kein stundenlanges Warten geben, im Zweifel, ob ein Arzt für eine Operation kommt oder nicht. Es wird eine Zeit, die sicherlich auch etwas Schmerz beinhalten wird, aber in der das Gefühl überwiegen wird, dass für ihre Besserung alles getan wird, was möglich ist!

Wenn ihr euch also fragt, ob wir bewusst einen Weg gehen, der mehr kostet, ist die Antwort: ja, das tun wir. Aber es ist der bessere Weg – und darum werden wir auch die Kosten tragen, so dass Monika ihren Körper wieder bewegen kann!

Ihr könnt uns helfen, Monika zu unterstützen! Hier findet ihr alle Einzelheiten zu ihrer weiteren Behandlung.

Zweifel an unserem Schulessen: ob meine Tochter es denn auch esse – 24 Nov 14

Letzte Woche habe ich in meinem Blog ein Bild hochgeladen, das einige unserer Schulkinder beim Mittagessen zeigte. Jemand, der dieses Bild auf Facebook sah, fragte, ob denn meine Tochter auch mit diesen Kindern essen würde. Während ich natürlich auch dort antwortete, dachte ich, diese Frage würde in meinem Tagebuch auch eine ausführlichere Antwort verdienen.

Die grundlegende Antwort ist einfach nur ein ‚Ja‘.

Apra wartet schon immer auf die Mittagessenszeit, weil dann alle Kinder aus der Schule angerannt kommen und sie sich zum Essen zu ihnen setzen darf. Sie sucht sich aus, bei wem sie sitzt – für gewöhnlich einer der Jungen, die auch im Ashram leben und die wie Brüder für sie sind. Sie bekommt einen Teller wie alle anderen und auch das gleiche Essen wie alle anderen.

Manche Leute denken ganz offensichtlich, dass unsere wohltätige Arbeit nur eine Farce ist. Sie zweifeln, dass wir das Essen, das wir den Kinder der armen Familien zu essen geben, gut genug sein könnte, als dass wir unsere Tochter das Gleiche essen lassen würden.

Zuerst findet man es vielleicht unglaublich, dass jemand so etwas denken könnte. Wenn man jedoch ein bisschen mehr darüber nachdenkt, versteht man, wo dieser Argwohn herkommt: leider machen viele wohltätigen Organisationen genau das! Ich weiß, dass hier in Indien wohltätige Arbeit zu einer Art Geschäft geworden ist, in dessen Namen Menschen jede Menge Geld nehmen und denen, die sie in ihrer Werbung zeigen, dann nur Essen, Kleidung etc. von sehr schlechter Qualität geben! Sie wissen, aus was das Essen gemacht ist, das sie den Armen da geben und darum würden sie es nie selbst essen oder ihren eigenen Kindern vorsetzen.

Ich sage euch etwas: wir sind keine riesige Organisation. Wir sind nur eine Familie, die eine Schule begonnen hat und versucht, diesen Kindern zu helfen. Das Essen für die Kinder wird in unserer eigenen Küche zubereitet, von den gleichen Köchen, die auch unser Essen zubereiten, mit dem gleichen Gemüse, Reis und Linsen, die wir auch essen und mit den gleichen Gewürzen, die auch in unsere Gerichte kommen. Der einzige Unterschied ist, dass die Töpfe für 200 Esser viel größer sind als für 20.

Und noch etwas: wenn nach dem Mittagessen etwas übrig bleibt, essen wir am Abend die Reste. Nicht nur, weil wir nicht wollen, dass Essen weggeschmissen wird und bestimmt nicht, weil wir sonst niemanden finden würden, der es gerne essen würde. Nein, einfach nur, weil es lecker und noch dazu gesund ist!

Wählst du billig oder teuer? Touristen in Indien sollten auf Essensqualität achten – 27 Okt 11

Gestern habe ich von dem Problem mit dem Wasser berichtet, das Touristen in Indien haben und ich habe hinzugefügt, dass man sich hier in unserem Ashram um die Wasserqualität keine Sorgen machen muss, weil wir allen Gästen Mineralwasser in Flaschen anbieten. In Indien muss man jedoch nicht nur auf die Qualität des Wassers achten, sondern auch auf die Qualität des Essens.

Genau wie für das Wasser bekommst du beim Planen deiner Indienreise viele Ratschläge zum Essen. Jeder, der sich selbst auch nur ein bisschen über Indien informiert hat weiß, dass viele Reisende die ersten Tage ihres Aufenthalts mit Durchfall und anderen Verdauungsproblemen verbringen. Viele dieser Probleme können vermieden werden, wenn man einigen einfachen Tipps folgt.

Der vielleicht bekannteste – und wichtigste – Rat ist, nicht bei Straßenverkäufern zu essen. In Indien sieht man an jeder Ecke Straßenverkäufer, wie sie verschiedene Brote, Snacks und Süßigkeiten braten, rösten und kochen, um sie mit Gemüse, Chutney und Saucen zu verkaufen. Diese Verkäufer haben ihre kleinen Wägen und sie stehen dort, wo auch immer sie glauben, dass es ein guter Ort für ihr Geschäft ist. Diese Orte sind meistens diejenigen, an denen am meisten Verkehr ist und damit auch viel Luftverschmutzung, dort wo die Leute vorbeigehen und jede Menge Staub aufwirbeln. Du verstehst wahrscheinlich schon, worauf ich hinaus will und warum du das, was sie zubereiten, nicht essen solltest, wenn du kein Risiko eingehen willst oder du dir sehr sicher bist, dass du einen guten Magen hast.

Neben der Frage wo du isst, besteht da auch noch die Frage, wo dieses Essen herkommt und von welcher Qualität es ist. Meiner Meinung nach ist das eine sehr wichtige Frage. Wir im Ashram achten sehr darauf, was wir essen und diese Qualität hat natürlich auch ihren Preis. Unsere Kinder, unsere Angestellten, unsere Gäste und wir selbst essen alle Essen von der gleichen, guten Qualität und wenn wir jemanden darum bitten, seine Ausgaben im Ashram selbst zu decken, beinhaltet das natürlich auch die Ausgaben für ihr Essen. Wir geben drei vollständige Mahlzeiten sehr guter Qualität. Ein paar Leute haben uns gesagt, dass sie sich lieber anderswo ein Zimmer suchen und dann billiger irgendwo auf der Straße essen. Das kannst du natürlich gerne tun, aber ich möchte, dass du dir über das Risiko im Klaren bist, das du eingehst, wenn du billiges Essen isst.

Man bekommt nicht nur bei den Straßenverkäufern billiges Essen. Viele kleine Restaurants haben eine Küche im Hinterzimmer und einen Raum, in dem man sitzen und essen kann. Sie verkaufen Essen zu niedrigen Preisen, aber dann kommt da wieder die Frage der Qualität auf. Wenn du irgendwo in einem Restaurant essen gehst, würde ich dir nie empfehlen, dir ein billiges Restaurant auszusuchen. In Vrindavan und in jeder anderen Stadt findet man für gewöhnlich auch einige gute Restaurants, die vielleicht etwas teurer sind, in denen man aber wirklich gutes Essen bekommt, das in einer sauberen Küche und mit Zutaten hoher Qualität zubereitet wurde.

In Indien kann man mit nur 20 Rupien eine vollständige Mahlzeit bekommen oder aber auch 500 Rupien dafür ausgeben. Das ist die Qualität des Gemüses, des Mehls, des Öls und der Gewürze. Dazu kommt noch die Sauberkeit der Küche und des Kochs. 20 Rupien sind in etwa 40 Cent während 500 Rupien ungefähr 10 Dollar sind. Du kannst dir die Qualität des 20-Rupien-Essens vorstellen. Du kannst es definitiv essen und es schmeckt vielleicht nicht einmal allzu schlecht, aber dein Körper könnte auf sehr unangenehme Weise reagieren. Ich sage immer, dass ich lieber zuerst 10 Dollar für mein Essen ausgebe, als später 500 Dollar für einen Arzt zu bezahlen.

Wir haben diese Erfahrung öfters mit Leuten gemacht, die im Ashram wohnen und mit dem Essen hier völlig zufrieden sind und keine Probleme haben. Wenn sie einen mehrtägigen Ausflug machen und sich nicht allzu sehr darum kümmern, wo genau sie essen, kommen sie oft mit Durchfall zurück. Das Verdauungssystem des westlichen Touristen ist all die Bakterien einfach nicht gewöhnt, die für die Inder normal sind, die täglich dieses Essen essen.

Wir hatten hier im Ashram sehr wenige Fälle von Durchfall. Natürlich kann ich nicht sagen, dass es nicht geschieht. Selbst mit der größten Sorgfalt was die Essensqualität angeht, muss sich dein System von deiner üblichen Ernährung auf indisches Essen umstellen. Da sind andere Gewürze und verschiedene Zutaten, die dein Körper oft gar nicht kennt oder die er nicht gewohnt ist zu verdauen. Selbst mit völlig sauberem Essen guter Qualität passiert es, dass einige Leute Durchfall bekommen, besonders an den ersten zwei Tagen ihrer Indienreise. Wir nennen diese Situation die Willkommenskrankheit Indiens. Sobald sich dein Körper aber an den anderen Kochstil und an die Gewürze gewöhnt hat, wirst du mit dem Essen im Ashram keine Probleme haben, weil wir auf die Qualität achten.

Vor Kurzem gab es in Indien mehrere Nahrungsmittel-Skandale, über die ich morgen schreiben möchte. Ein weiterer Grund, darauf zu achten, was du isst.

Ist es gutes Essen nicht wert, für es zu zahlen, wenn du im Ashram wohnst?

Bewertung einer Pizzaria – Qualität über Service – 26 Aug 11

Wir sind hier in Bocholt bei unseren Freunden Annick und HC. Ich möchte diese Stadt hier besonders erwähnen, weil sie meiner Meinung nach ohne Zweifel die beste Pizzeria und das beste Eiscafé zu bieten hat. Ich habe in den letzten zehn Jahren viel Zeit im Westen verbracht und wenn ich hin und wieder mal kein indisches Essen esse, esse ich Pizza. Ich mag kein anderes westliches Essen wirklich gerne. Und hier in Bocholt weiß ich, dass ich die beste Pizza essen kann, die ich in den letzten Zehn Jahren gegessen habe.

Meint ihr, ich fange jetzt an, in meinem Blog Restaurant-Bewertungen zu schreiben? Naja, für diese Pizzeria würde ich das glatt machen, aber ich darf nicht!

Wir gehen auf jedem unserer Besuche in Bocholt einmal zu dieser Pizzeria. Sie ist nicht wirklich groß. Es gibt Tische für insgesamt vielleicht 30 bis 40 Personen, alle in einem Raum. Im gleichen Raum, durch einen Paravent abgetrennt, befindet sich auch der Pizzaofen. Hinten gibt es noch eine Küche und die Badezimmer. Das war’s. Ich habe noch nie gesehen, dass hier mehr als drei Leute arbeiten würden. Einer ist der Koch und, wie mir gesagt wurde, der Besitzer des Restaurants, einer ist der Assistent des Kochs und ein Mann ist dafür verantwortlich, die Bestellungen aufzunehmen und das Essen zu servieren, das ist der Kellner.

Wenn ich die Erlaubnis hätte, für dieses Restaurant eine Beurteilung zu schreiben, würde ich zuallererst erwähnen, dass der Service einfach nur schrecklich ist. Ich habe noch nie schlechteren Service gesehen. Wenn man dort zum Essen geht, muss man jede Menge Zeit mitbringen. Wir saßen einmal da und warteten über eine Stunde und als wir nachfragten, ob unsere Pizza denn bald fertig wäre, wurde uns gesagt, dass sie jetzt gleich anfangen würden, sie zu belegen!

Man möchte meinen, dass sie wollen, dass man länger wartet, damit man mehr trinkt, bis sie das Essen bringen. Jeder weiß, dass Restaurants das meiste Geld durch den Verkauf von Getränken machen. Das ist hier jedoch nicht der Fall! Niemand kommt, wenn das Glas leer ist, um nachzufragen, ob man noch etwas trinken möchte! Als mein Freund HC den Kellner um ein weiteres Getränk bat, nickte der Kellner, aber nach zehn Minuten musste HC selbst aufstehen, zum Tresen gehen und sich das Getränk selbst abholen. Nein, sie versuchen auch nicht, mit ihren Getränken Geld zu verdienen!

Was die Dekoration angeht, so befidnen sich auf jedem Tisch ein paar Kerzen. Der Kellner hat aber nie die Idee, wirklich auch mal die Kerzen anzuzünden. Als Annick ihn einmal bat, das zu tun, brauchte er eine Zeit, um ein Feuerzeug zu finden und am Ende gab er es ihr, um es selbst zu erledigen.

Während wir warteten, beobachteten wir einmal eine andere Szene. Ein Mann kam mit seinem Sohn rein und bat den Kellner, einen der Tische und zwei der Stühle aufzustellen, die draußen auf der Terrasse übereinandergestapelt standen. Es war ein schöner Tag und sie wollten den Sommerabend gerne draußen genießen. Der Kellner sagte ihnen jedoch, dass das zu viel Arbeit sei und er das an diesem Tag nicht tun würde.

Warum würde ich trotzdem sagen, dass das die beste Pizzeria ist, bei der ich jemals gewesen bin? Weil in dem Augenblick, in dem die Pizza schließlich am Tisch ankommt und man den ersten Bissen macht, einfach alles vergessen ist. Man ist im Pizza-Himmel! Es ist wirklich tolle Pizza, dünner Teig, genau richtig viel Gemüse drauf, nicht zu viel Käse, aber genug für die, die ihn mögen. Es ist einfach unglaublich gute Pizza!

Auf dem Weg nach draußen gingen wir beim Geschäftsführer vorbei, der damit beschäftigt war, Pizzas zu backen und ich sagte ihm, dass das die beste Pizza war, die ich jemals irgendwo gegessen habe. Er lehnte sich zu uns und sagte leise ‚Danke, aber erzählt das nicht weiter!‘

Ihr könnt euch meine Überraschung vorstellen. Jeder andere Geschäftsmann hätte das Gegenteil gesagt, nämlich ‚Bitte empfehlen Sie uns weiter!‘ Aber er will offensichtlich nicht noch mehr Leute dort! Vielleicht hat er Angst, dass er es nicht schafft, wenn noch mehr Kunden kommen.

Wir hatten unsere Erfahrung mit ihrem schlechten Service mehrere Male, gehen aber trotzdem immer wieder dorthin. Wir geben unser Bestes, unser Essen schneller zu bekommen, zum Beispiel indem wir per Telefon schon bestellen, bevor wir sogar von daheim losfahren, aber trotzdem kommt die Pizza dann manchmal sehr spät. Ich bin mir sicher, dass wir auch nicht die Einzigen sind, die diese Erfahrung gemacht haben, aber das Restaurant ist immer schön voll. Menschen kommen, essen und gehen. Selbst der Mann, der draußen sitzen wollte, änderte seine Meinung und kam rein, obwohl der Kellner verweigert hatte, für ihn ein klein bisschen mehr zu arbeiten. Und der Besitzer sagt den Menschen, sie sollen ihn nicht weiterempfehlen.

Ich glaube, dass sie einfach nur die beste Marketing-Idee hatten, die es gibt: gute Qualität.

Was auch immer du tust, gib dein Bestes, um gute Qualität zu bieten. Es geht nicht! Ich rate nicht dazu, den guten Service völlig zu vergessen. Ein Marketing-Experte mag nun sagen, dass Service alles ist und dass man jedes Produkt verkaufen kann, wenn man guten Service hat. Ich sehe ein, dass man mehr Erfolg haben kann, wenn man beim Service keine Kompromisse macht, aber was auch immer du tust, die beste Qualität wird sich zeigen. Lass bei der Qualität gar keine Zweifel aufkommen! Sie muss immer großartig sein. Dann vermarktet sich dein Produkt wie von alleine, egal, was es ist.

Ich bleibe bei meinem Versprechen und veröffentliche hier nicht die Adresse oder sogar den Namen dieser Pizzeria! Wenn ihr es aber wirklich wissen wollt, schreibt mir persönlich und ich flüstere ihn euch ins Ohr!