Ein Beispiel einer Anfrage, die wir ablehnten – 5 Nov 15

Einige Leute wollten mehr dazu wissen, wie genau wir den Leuten sagen, dass sie besser nicht in den Ashram kommen sollten. Ich kann euch ein Beispiel einer solchen Anfrage vor Kurzem geben, eine Frau, die aus religiösen Gründen nach Vrindavan kommen wollte.

Das ist eigentlich einer der gewöhnlichsten Gründe dafür, dass wir nein sagen. Die Anfragen aus diesem Grund sind bereits nur noch wenige, weil wir all diese Dinge auf unserer Internetseite sehr deutlich schreiben. Hin und wieder jedoch bekommen wir sie noch und einen solchen Fall hatten wir erst vor Kurzem.

In dem Formular, das diese Frau ausgefüllt hatte, hatte sie bei der Frage ‚Grund für den Besuch‘ geschrieben:

Es ist mein Traum, Vrindavan zu besuchen. Ich hoffe, dass Gott mir dazu verhelfen wird. Es wäre großartig, den Ashram zu besuchen und nur für einige Tage im Ashram zu leben. Ich will Tempel besuchen, Harinama singen und den Parikrama laufen.

Für uns war das bereits genug, um uns zu sagen, dass das mit uns nichts wird. Hier ist unsere Antwort:

Vielen herzlichen Dank für dein Interesse daran, in unseren Ashram zu kommen. Wir haben deine Information erhalten.

Leider glauben wir nicht, dass unser Ashram der richtige Ort für dich ist. Wir sind unreligiöse Atheisten, die nicht an Gott oder Krishna glauben.

Wir bieten keine Zeremonien, noch haben wir Chanting-Kreise.

Wir glauben, dass es für dich andere Orte gibt, an denen du dich wohler fühlen wirst, da sie eine spirituelle Atmosphäre und Umgebung bieten.

Da wir Nicht-Gläubige sind, haben wir das Gefühl, dass du deine Zeit bei uns hier nicht so sehr genießen wirst. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die aus religiösen Gründen nach Vrindavan kommen, bei uns nicht glücklich sind und unsere Gäste auch in diese Richtung beeinflussen. Sie haben größeres Interesse an religiösen Gesprächen etc und die Gespräche hier im Ashram gehen eher ins Gegenteilige. Ich denke, es wäre für beide Seiten keine angenehme Situation.

Simpel, geradeheraus, aber trotzdem noch sehr nett, so dass sich niemand verletzt fühlt. So halten wir unsere Antworten auf solche Anfragen.

Esoterischer Unsinn behauptet Kaiserschnitte verhindern enge Verbindung zwischen Mutter und Kind – 12 Aug 15

Vor einer Weile las Ramona eine Aussage auf ihrem Facebook-Newsfeed, die sie dazu veranlasste, auf einmal laut und voller Verachtung in der Stimme ‚esoterischer Unsinn!‘ zu sagen. Überrascht von ihrer Reaktion fragte ich sie, was sie denn gelesen hatte – und stimmte ihr schließlich zu. Einer ihrer Kontakte bat Frauen, ihre Kinder natürlich zu gebären statt per Kaiserschnitt und riet ihnen, sich keine Epiduralanästhesie geben zu lassen. Folgenden Grund gab er an: laut ihm entsteht durch die Wehen ein enges Band zwischen Mutter und Kind, weshalb folglich eine Epiduralanästhesie oder ein Kaiserschnitt diese Verbundenheit verhindert.

Tja, nun machen meiner Frau öffentliche Diskussionen auf sozialen Netzwerken keinen großen Spaß und so antwortete sie dort nicht, doch wir redeten über all die Dinge, die diese Stellungnahme so falsch machten.

Natürlich wissen wir, wo dieser Gedanke herkommt: es gibt einen Trend dazu, das genaue Datum und die genaue Zeit der Geburt eines Kindes festzulegen, indem man einfach einen Kaiserschnitt durchführt, nachdem das ungeborene Kind ein bestimmtes Gewicht erreicht hat und es medizinisch ungefährlich ist, es per Operation auf die Welt zu bringen. Es gibt Frauen, die eine natürliche Geburt nicht einmal versuchen wollen, sei es aus Angst vor den Schmerzen oder aus kosmetischen Gründen.

Das ist wahrscheinlich das Problem, das dieser Mann eigentlich ansprechen wollte. In der Welt esoterischer Superlative und spiritueller Verbindungen zu alles und jedem konnte er es jedoch nicht einfach so sagen, wie es ist: die Geburt ist ein natürliches Ereignis, bitte nehmt die Veränderungen, die sie deinem Körper bringen, als natürlich an. Nein, er musste Mutterliebe und dieses besondere Band da mit reinbringen, um das Ganze noch wichtiger und spiritueller zu machen.

Einige Leute meinten in Kommentaren, sie würden diese Theorie bezweifeln und fragten nach beweisen, doch er antwortete, er brauche keine Beweise. Denn jeder würde all das am meisten lieben, was er durch Schmerzen erlangt hatte.

Oh nein! Ich kann jede Mutter, deren Kind aus medizinischen Gründen per Kaiserschnitt zur Welt kam, buchstäblich laut fluchen hören! Ohne jegliche Wehen, ohne die Möglichkeit, diese Schmerzen zu erleben, die angeblich so viel mehr Liebe verursachen!

Es mag sich ja toll anhören, wenn man über diese herrliche Liebe spricht, die eine Mutter nach einer schmerzvollen Geburt verspürt, wenn sie die Quälerei vergisst und trotz oder sogar aufgrund der Schmerzen diese Verbindung spürt. Es ist jedoch kompletter Unsinn, denn das würde genauso bedeuten, dass Mütter, die ihre Kinder per Kaiserschnitt bekommen oder die Schmerzen nicht aushalten konnten und Schmerzmittel bekamen, ihre Kinder nicht genauso sehr lieben. Mit ihren Babys keine so enge Verbindung haben.

Wir haben Apra per Kaiserschnitt bekommen. Trotz der Bemühungen der Ärzte, die Wehen einzuleiten, fühlte Ramona sich während wir auf unser Baby warteten zu keinem Zeitpunkt auch nur unbehaglich. Als die Ärztin uns schließlich sagte, dass es riskant wäre, auf eine natürlich Geburt zu warten, waren wir bereit dafür, dass unsere Tochter per Operation auf diese Welt kommt. Hätten wir einen Hirnschaden oder Herzprobleme riskieren sollen, nur um diesen Schmerz zu erleben? Macht das unser Geburtserlebnis weniger wertvoll?

Oh nein, das macht es nicht. Und ich sage bewusst ‘unser Geburtserlebnis’, weil ich von Anfang bis Ende dabei war. Ich hielt Ramonas Hand, während der Arzt ihren Bauch öffnete, ich sah zu, wie das Wunder sich entfaltete und meine Tochter das Licht der Welt erblickte.

Nein, ihr könnt mir nicht sagen, Ramona hätte eine weniger enge Verbindung mit Apra, weil sie nicht mindestens sieben Stunden Wehen hinter sich hat – denn sie sind einander genauso nah, wie ich bei jeder anderen Mutter und ihrem Baby gesehen habe! Nein, ihr könnt mir nicht sagen, dass die Zeit der Geburt für uns auch nur im Geringsten weniger zauberhaft war – denn wir liebten unsere Zeit im Krankenhaus von Anfang bis Ende und sogar heute noch!

Und das gilt auch für jede andere Frau auf dieser Erde. Deine Verbindung zu deinem Kind hängt von deiner Liebe ab und nicht von einer bestimmten Zeit des Leidens!

Schließlich ist da noch das für mich größte Argument hier: ich habe eine sehr enge Verbindung zu meinem kleinen Mädchen. Ich hatte keine Wehen und sie war noch nicht einmal in meinem Bauch, aber sie ist ein Teil von mir, egal, wie sie auf die Welt kam. Väter haben diese Verbindung auch!

Also lass deinen esoterischen Unsinn bitte aus Sachen raus, in denen er überhaupt nichts verloren hat – so vermeidest du, andere zu beleidigen!

Bedeutet Spiritualität, dass man sich selbst Seitensprünge vergeben darf? – 15 Jul 15

Vor ein paar Wochen habe ich mit einem Gast hier im Ashram eine Beratungssitzung gehabt. Es war ein Mann, der nach Indien gekommen war, um sich körperlich zu entspannen und geistig Klarheit zu bekommen. Er hatte sich für unseren Ayurveda Yoga Urlaub entschieden und hatte deshalb Yogastunden, Ayurvedische Massagen und Anwendungen. Dazu bat er mich, ob ich mich ein wenig mit ihm unterhalten würde. Es wurde schließlich ein Gespräch über Geheimnisse und Fragen der Klarheit.

Dieser Mann erzählte mir von seiner Beziehung. Seit acht Jahren war er nun schon mit einer Frau zusammen. Sie liebten einander sehr, hatten jedoch nie das Bedürfnis verspürt, auch zu heiraten. Sie waren glücklich, so wie sie waren, ohne eine offizielle Urkunde, die sagte, dass sie ‚zueinander gehörten‘. Seit drei Jahren wohnten sie auch zusammen.

Da hielt er kurz inne und zögerte, bevor er fortfuhr: ‘Aber ich war ihr nicht treu.‘ Seit Langem schon betrog er seine Partnerin. Er hatte mit mehreren anderen Frauen geschlafen. Viele dieser Begegnungen waren One-Night-Stands mit Frauen, die er gerade erst getroffen hatte und nicht weiter kannte, doch er hatte auch mit einer ihrer gemeinsamen Freundinnen Sex gehabt.

Ich hatte in Beratungen schon viele Leute vor mir sitzen gehabt und auch dieses Thema ist mir nicht ganz neu. Als dieser Mann also zu sprechen aufhörte und mich erwartend ansah, erzählte ich ihm, was ich normalerweise empfehle: sei ehrlich! Wenn du deine Partnerin liebst, sag es ihr. Wenn du es versteckst, ist es ein Geheimnis, das langsam nicht nur deine Beziehung, sondern auch deinen Verstand vergiften wird. In dir wirst du dich so schuldig fühlen, dass du es irgendwann nicht mehr verstecken kannst. Wenn du offen bist und es bereust, besteht die Möglichkeit, dass sie dir vergibt. Sonst wirst du durch eine Hölle voller Schuldgefühle gehen!

Hierauf bekam ich eine sehr ungewöhnliche Antwort: ‘Oh, ich habe keine Schuldgefühle! So einer bin ich nicht. Ich kann mir vergeben! Doch ich befürchte, dass sie ausflippen könnte! Wir leben in ihrem Haus – vielleicht wirft sie mich raus… ich bin nicht sicher, ob ich mir in unserer Stadt allein eine Wohnung leisten könnte!‘

Tja, hier war also die Wahrheit: dieser Mann war spirituell so fortgeschritten, dass er sich selbst dafür vergeben konnte, dass er die Frau betrog, die er gerade behauptet hatte zu lieben. Ganz klar. Gleichzeitig sah er auch ganz klar und deutlich die Vorteile einer gemeinsamen Wohnung – ihrer Wohnung. Nun lag es an mir, eine weitere Sache in seinem Kopf klar zu stellen: es kann nicht wirklich Liebe sein, wenn du etwas machst, was deine Partnerin verletzen würde und es dann versteckst, weil du ihre Liebe ausnutzen willst!

Ein klarer Fall – was meint ihr?

3 Typen Mensch, die in unseren Ashram kommen wollen – 12 Feb 15

Ich habe euch gestern erzählt, dass wir Emails von Leuten bekommen, die religiöse Interessen haben und hierherkommen möchten, aber offensichtlich mit Erwartungen, die wir nicht erfüllen könnten. Ich erklärte also, wie wir solche Vorstellungen schon aus den wenigen Zeilen, die wir bekommen, herauslesen können. Während wir manchmal solche Emails bekommen, sind es jedoch viel öfter Mails von Leuten, die ganz andere Gedanken und Gefühle haben, wenn sie nach einem Aufenthalt im Ashram fragen.

Wir bekommen wirklich viel häufiger Anfragen von anderen ‚Typen‘ Leuten. Neben dem über-religiösen Gläubigen, von dem ich euch gestern berichtet habe, möchte ich euch jetzt drei weitere dieser Typen vorstellen, die zu uns kommen möchten:

1. Die Durchschnitts-Person, die einfach nur entspannen will

Der erste dieser ‘Typen’ ist einfach ein durchschnittlicher Mann oder eine durchschnittliche Frau, die die Nase voll hat vom Stress und der Hektik in riesigen Konzernen, der Anonymität in Arbeit, Wohngegend und dem Leben im Allgemeinen. Die vielleicht einsam ist und unter Depressionen leidet, Entspannung und Wege zur Stressbewältigung sucht oder sogar unter körperlichen Schmerzen leidet, sich entgiften will, Schmerzen lindern will und Übungen lernen will, die helfen, in Zukunft Schmerzen zu verhindern.

Natürlich stehen unsere Türen offen für diese ‘Art‘ von Person, weil wir wissen, dass Yoga und Ayurveda Wissenschaften sind, die nicht nur bei vielen körperlichen Themen helfen, sondern auch mental entspannen. Ein Aufenthalt bei uns im Ashram kann helfen – und wir lernen liebend gerne neue Freunde in allen Lebensphasen, aus allen Arbeitsbereichen und von allen Orten der Welt kennen.

2. Die Gesundheitsbewussten mit viel Wissensdurst

Ein weiterer Typ, der uns schreibt, ist derjenige, der an einer alternativen Lebensweise interessiert ist, die unserem Körper und unserem Planeten nicht schadet. Es sind Vegetarier, Veganer, Rohköstler, Therapeuten, Masseusen und Heilpraktiker – und natürlich noch viele, viele mehr. Eben einfach jemand, der weiß, dass Yoga und Ayurveda ihm eine andere Sichtweise, mehr Wissen, viele nützliche Tipps, Ideen und Inspiration, um ihr Leben weiter zu verändern.

Wir öffnen diesen Menschen unser Haus und genießen es, unser Wissen mit ihnen zu teilen und auch zu hören, was sie gelernt und erlebt haben. Sich austauschen und Unterstützung anbieten – wundervoll!

3. Der esoterische Hippie auf seiner Traumreise nach Indien

Dieser letzte ‘Typ’ ist die esoterisch interessierte Person, derjenige, der sich selbst spirituell, aber nicht religiös nennen würde. Männer und Frauen, die an Philosophie und einer anderen Lebensweise interessiert sind, die sich selbst als ‚anders‘ sehen und oft nicht dazu passen zu scheinen. Oft machen sie sich gerade auf eine lange Reise, um sich selbst zu finden. Um herauszufinden, was sie wirklich wollen, wer sie wirklich sind und was sie glücklich macht. Sie suchen nach einem tieferen Sinn und wollen es im Land von Yoga und Ayurveda versuchen.

Während ich das Wort ‘Hippie’ verwende, würden viele der Leute, die in diese Kategorie fallen, sich selbst nicht als solche bezeichnen und das macht mir nichts aus oder ist mir eigentlich egal. Ich weiß nur, dass unsere Herzen diesen Menschen offen stehen und wir freuen uns, dass wir oft der erste Anlaufpunkt sein können, der erste Ort, den sie in Indien besuchen, da dieses Land sich oft als ganz anders herausstellt, als sie es sich vorgestellt haben. Natürlich bekommen sie, wie ich gestern erklärt habe, in unserem Ashram einen Ort ohne religiöse Dogmen. Wir lieben es, ihnen einen sanften Start in diese verrückte Kultur zu geben und indem wir sie an unserem Leben teilhaben lassen und sie mit Liebe und Lebendigkeit umgeben, hoffen wir, dass wir sie auf ihrer Suche nach sich selbst ein klein wenig unterstützen können!

Warum ich lieber materialistisch bin als spirituell – 29 Jan 15

In spirituellen Kreisen besteht die Vorstellen, dass spirituell zu sein auch bedeutet, nicht materialistisch zu sein. Je spiritueller du bist, desto weniger materialistisch bist du. Die spirituellsten Menschen sagen, sie wollen erreichen, dass sie nichts Materielles mehr brauchen. Ich bin gegen diesen Gedanken. Ich glaube nicht, dass es möglich ist und ich würde wirklich sagen, dass ich materialistisch sein will.

Ja, ich will materiellen Besitz haben. Warum? Weil die Kinder, denen wir hier helfen, Materielles brauchen! Hätten wir kein Geld und würde unsere wohltätige Organisation keine Spenden bekommen, wie würden wir denn ihr Essen, ihre Bücher, ihre Stifte, Uniformen und Lehrer bezahlen?

Ja, gut, ich stimme zu, dass es nicht hilfreich ist, materielle Besitztümer anzusammeln, nur um sie anzusehen oder um zu wissen, dass man sie hat. Gleichzeitig jedoch leben wir in einer materiellen Welt. Man kann ohne Spiritualität leben, aber nicht ohne Materielles.

Du isst Essen – Materielles. Du trägst Kleidung – Materielles. Du heist dein Haus – Materielles! All das kommt von Materiellem und jeder, der kein Essen, keine Kleidung oder keine Wärme hat, will genau das: genug materiellen Besitz, so dass er essen, sich kleiden und sich warmhalten kann!

Wenn du also auf dem spirituellen Weg bist und glaubst, dass du alles Materielle loswerden musst, vergiss es, wahre Spiritualität ist, wenn du lernst, das Materielle zu teilen.

Menschen wie Warren Buffet und Bill Gates – der noch nicht einmal religiös ist, ja noch nicht einmal an Gott glaubt – haben 80 oder 90 Prozent ihres Reichtums an andere gespendet. Für mich sind sie viel spiritueller als all jene Gurus und große, religiöse Menschen, die riesige Tempel und Ashrams gebaut haben, während sie allen anderen predigen, sie sollten ihren Materialismus hinter sich lassen! Sie bereichern sich am materiellen Besitz anderer und geben vor, die Spirituellsten von allen zu sein!

Wenn du materialistisch bist und lernst, deinen materiellen Besitz zu teilen, brauchst du keine Spiritualität mehr, materialistisch zu sein ist gut, wenn du dein Materielles teilen kannst. Wir alle brauchen Essen, Kleidung und Wärme. Wenn du nur daran denkst und lernst zu teilen, kannst du jede spirituelle Lektion, die du jemals bekommen hast, vergessen.

Du brauchst keine Spiritualität, wenn du weißt, wie du deinen materiellen Besitz teilst. Aber du kannst nicht sagen, dass du keinen materiellen Besitz brauchst, wenn du Spiritualität hast.

Eine herrliche Kombination aus Musik, Yoga, Tanz und Liebe – 24 Aug 14

Ich habe euch von den zwei Wochen des Sommers 2006 erzählt, während denen ich Vorträge auf dem No Mind Festival in Angsbacka, in Schweden hielt. Ich erwähnte, dass die Besucher dieses Festivals ihre Zeit wirklich genossen, dass sie unbekümmert und entspannt waren. Und heute möchte ich da noch etwas hinzufügen: in diesen zwei Wochen gab es jede Menge Sex!

Ja, viele Leute schliefen während dieser zweiwöchigen Festival-Zeit miteinander. Sie kamen dorthin, um eine tolle Zeit zu haben und was ist es, was den meisten Leuten doch am meisten Spaß macht? Richtig!

Nein, wirklich, ich mache keine Witze. Jeden Tag gab es neue Paar-Konstellationen. Untertags lernten die Leute einander kennen und an den Abenden, an den Lagerfeuern, kamen sie einander näher und machten die ersten Schritte. Oft verließen sie das Feuer in Richtung Zelte gemeinsam. Bei einigen hatte ich den Eindruck, dass sie genau hierfür gekommen waren.

An diesem Punkt möchte ich etwas ganz Wichtiges hinzufügen: wenn ich solche Zeilen schreibe, denken einige meiner Leser, dass ich da etwas Schlechtes beschreibe. Manche denken vielleicht sogar, es sei schlecht, dass ich überhaupt an einer solchen Veranstaltung teilgenommen habe. Und manche haben vielleicht den Eindruck, dass ich selbst auch meine, dass das falsch war. Dass ich über dieses Festival und seine Besucher schlechte Dinge erzähle.

Wer das denkt, hat einen ganz falschen Eindruck bekommen. Wenn ich darüber schreibe, dass Leute Sex hatten, dann erzähle ich das aus meiner Sicht. Wenn du das hörst, dann hörst du das mit deinen Ohren. Ich glaube jedoch wirklich und ganz ehrlich, dass es ganz natürlich und schön ist!

Auf einer solchen Veranstaltung trifft man gleichgesinnte Leute, mehr, als man je treffen könnte, wenn man in seiner eigenen Stadt auf einen Abend ausgeht. Schließlich kamen all diese Leute zusammen, weil sie Interesse an den gleichen Dingen haben wie du! Dazu kommt, dass es viele Workshops gab, die sich eigentlich alle darum drehten, dass man seine Sexualität akzeptiert. Ich habe zum Beispiel einen Vortrag über ‚Sex und Freiheit‘ gegeben, es gab Tantra Workshops und überall bekam man die Nachricht, dass man seinen Gefühlen freien Lauf lassen sollte.

Wenn man sich also mit jemandem gut fühlt, wenn man sich zu jemandem hingezogen fühlt und der andere das Gleiche fühlt, warum sollte man dann nicht eine schöne Nacht zusammen verbringen? Wenn es dann länger anhält, super! Wenn nicht, auch gut! Wenn ich an dem Festival für jemanden diese Art von Gefühle gehabt hätte, hätte ich vielleicht das Gleiche gemacht – und da auch nichts Falsches dran gefunden! Ich war auch Single – aber als Vortragender hatte ich eine andere Verantwortung und wollte auch nicht mit Leuten näherkommen, mit denen ich arbeitete.

Bevor ihr nun den Eindruck bekommt, dass es bei diesem Festival nur um Sex ging, möchte ich eurer Vorstellungskraft hier einmal Einhalt gebieten. Wie ich letzte Woche beschrieben habe, gab es jede Menge wunderbare Workshops, Vorträge, Yoga, Malerei, viel Musik und schönen Tanz, alles eingebettet in herrliche Natur. Die Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen und zu genießen und mit anderen, aber auch sich selbst, in Kontakt zu kommen. Die Teilnehmer waren glücklich.

So erinnere ich mich an die zwei Wochen den No Mind Festivals als eine tolle Zeit, die vielen Leuten sehr viel Spaß gemacht hat. Ich persönlich habe wirklich viele nette Menschen kennen gelernt, darunter auch einige gute Freunde, mit denen ich noch heute Kontakt habe.

Drogen-Halluzinationen sind keine spirituellen Erfahrungen – 27 Apr 14

Letzte Woche habe ich euch von dem Wochenende erzählt, das ich mit Freunden, einer Gruppe junger Leute, im Wald verbracht habe. Mehrere von ihnen waren Musiker und sie waren alle im Allgemeinen an Spiritualität, Indien und indischer Musik interessiert. Und, leider, anscheinend auch an bewusstseinserweiternden Drogen. Das brachte mich dazu, dass ich ein bisschen mehr über die Verbindung von Drogen und dem nachdachte, was die Menschen als ‚Spiritualität‘ erleben.

Als ich diese Gruppe junger Männer und Frauen zum ersten Mal traf, waren einige von ihnen zu meiner Meditation gekommen. Sie blieben nach dem Programm noch etwas und wir unterhielten uns. Es war interessant und es machte Spaß. In den nächsten Tagen kamen sie wieder und wir hatten auch einige Musiksessions. Sie fragten mich nach meiner Ansicht zu vielen Themen und dann war da auch diese eine Frage: rauchst du? Als ich mit ‚nein‘ antwortete, erläuterten sie vorsichtig, dass sie da nicht von Tabak sprachen.

Ich sagte ihnen noch einmal klar nein, und dass ich auch anderen Leuten vorschlagen würde, das nicht zu tun.

Ich weiß jedoch, warum sie das dachten: Ich kam aus Indien, hatte das Leben eines Sadhu geführt, drei Jahre lang in einer Höhle gelebt und sprach in meinem Programm über Spiritualität, Meditation und ähnliche Themen. Ich trug meine Haare in Dreadlocks, wie viele Sadhus in Indien und es ist weit bekannt, dass sie rauchen und dann im Rausch ihre spirituellen Erfahrungen machen. Doch das eine und das andere hatte meiner Meinung nach nichts miteinander zu tun.

Niemand sagte mir offen, dass sie selbst irgendetwas rauchten, vielleicht aus Respekt vor mir und meiner Meinung oder weil sie Angst hatten, ich würde über sie urteilen. Doch an dem Abend im Wald sah ich, dass einige von ihnen definitiv etwas genommen hatten, das sie entspannter werden ließ, als sie es normalerweise waren. Ein bisschen offener, das zu sagen, was sie dachten. Ein bisschen bereiter zu lachen und einfach zu genießen, ohne allzu viel zu denken.

Warum denke ich, dass das nicht gut ist? Weil ich nicht verstehe, warum man diesen Zustand derSorglosigkeit, der Offenheit und der Entspannung nicht auch ohne Drogen erreichen können sollte! Weil ich glaube, dass es keine spirituellen Erfahrungen sind, wenn man etwas Stärkeres raucht, damit man halluziniert.

Diese Gruppe wusste also, dass sie zu Beginn angenommen hatte, ich wäre jemand, der ich eben nicht war. Vielleicht war das der Grund, dass wir nicht mehr sehr lange in Kontakt waren, obwohl wir ein sehr schönes Wochenende miteinander verbracht hatten. Ich denke, sie suchten nach etwas anderem. Nach einem Rausch und dann spirituellen Erfahrungen. Etwas, an das ich nicht glaubte.

Warum willst du, dass ein Guru die Führung über dein Leben übernimmt? – 22 Jul 13

Heute ist in Indien Guru Purnima, der Tag der Meister. Es ist ein Tag, an dem jeder Schüler seinen Guru ehrt. Selbst wenn er das ganze Jahr nicht an ihn denkt, kommt er an diesem Tag, wäscht die Füße seines Gurus, zeigt seine Hingabe und überrascht ein Geschenk sowie etwas Geld. Selbst wenn er weit weg ist, wird er ihn anrufen, um ihn zu grüßen. Ich habe die Rolle des Guru selbst gespielt und kenne die Szene sehr gut. Ich habe mich geändert und zwar so sehr, dass ich heute das, was ich vor Jahren selbst empfohlen habe, vollständig ablehne. Und damit auch das Prinzip des Guruismus.

Ich glaubte und predigte das, was in den Schriften steht: ohne Guru erreicht man keine Erlösung. Erlösung ist das, wonach alle streben – also sollte jeder einen Guru finden, der ihn zur Erlösung bringt.

Heute habe ich das Gefühl, dass diese Bedingung der Grund ist, warum es in diesem Bereich so viel Korruption gibt. Unschuldige, leichtgläubige Menschen kommen und sie lehren ihnen drei Dinge:

1. Man kann nur Erlösung finden, wenn man einen Guru hat.

2. Man kann nur einen Guru haben, genau wie man nur einen Vater haben kann.

3. Dem Guru musst du alles widmen, was du hast und was du tust. Er übernimmt Verantwortung für dich und dafür musst du tun, was er sagt.

Von dem Augenblick an, in dem du von deinem Guru eingeweiht wirst, widmest du ihm alle deine Rituale. Du folgst seinem Rat und betest mit dem Gedanken an ihn. Du wirst freiwillig und freudig zur Marionette dieses Meisters mit seinem Versprechen, dass er dich aus dieser Welt der Illusion herausholt. Offensichtlich mögen diese Gurus die Macht und alles, was damit kommt. Darum sagen sie es sei ein Muss und notwendig, die Einweihung durch einen Guru zu haben. Um ihre Anhänger bei sich zu halten, fördern sie die Regel, dass jeder Anhänger nur einen Guru haben kann.

Dieses ganze System ist meiner nach wie für den Missbrauch gemacht, der in den vergangenen Jahrzenten und Jahrhunderten stattgefunden hat. Diese Gurus bekommen sehr viel Macht über die Gedanken dieser Menschen und sie missbrauchen diese Macht wissentlich, um Reichtum zu erlangen und nicht nur ihre körperlichen Bedürfnisse zu stillen, sondern auch ihre sexuellen Fantasien, die nicht selten die Grenze dessen überschreiten, was man ‚normal‘ nennt. Es ist falsch, was da geschieht.

Meiner Meinung nach ist ein Guru nur ein Lehrer, im grundlegenden Sinn des Wortes. Wenn man etwas lernen will, braucht man einen Guru. Als ich zur Schule ging, nannte unsere ganze Klasse unseren Lehrer ‚Guruji‘, um ihm Respekt zu zeigen. Es ist egal, wer es ist, jeder von dem du lernst, sei das eine jüngere oder ältere Person, kann dein Guru sein. Und es ist egal wie viele Gurus man hat, wer auch immer dir etwas beibringt, ist dein Guru.

Werde nicht zur Marionette eines anderen. Gib jedem, von dem du lernst, den Respekt eines Guru, aber mache dich nicht von einer Person vollständig abhängig. Schaffe eine Beziehung von Lehrer und Schüler – der Aspekt der Göttlichkeit ist da absolut unnötig.

Manch einer mag nun dagegenhalten, dass man einen spirituellen, religiösen Guru braucht, wenn man etwas zu den Schriften und zur Religionsphilosophie lernen möchte. Ich habe einen großen Teil meines Lebens damit verbracht, genau das zu lernen. Heute jedoch möchte ich euch frage: warum willst du diese Philosophie überhaupt lernen? Meiner Meinung nach ist das vollkommen nutzlos. Du willst ein ehrliches und glückliches Leben leben. Warum brauchst du dazu die Veden, den Koran oder die Bibel? Mit dem Studium dieser Bücher grenzt du nur dein Sichtfeld ein, schränkst du deinen Weg ein und verwirrst dich selbst. Wenn du diese Philosophie also nicht brauchst, wozu brauchst du dann einen Guru?

Sei dein eigener Guru. Lass deine eigene Liebe, Bescheidenheit und Moral dein Guru sein. Sie werden dir ein guter Führer sein, wenn du sie nur lässt.

Religion war in der Vergangenheit grausam und ist es in der Gegenwart immer noch! – 9 Apr 13

Gestern habe ich über Grausamkeit in uralten Religionen oder Glauben geschrieben, zu denen sich die Leute heutzutage seltsamerweise hingezogen fühlen, wobei sie die grausamen Aspekte vergessen, verleugnen oder einfach ignorieren. Das tun sie jedoch nicht, wenn es um ähnlich ursprüngliche Stammestraditionen der heutigen Zeit geht!

Man muss in der Zeit nicht so weit zurückgehen, wenn man nach einer ursprunghaften Religion oder einem solchen Glauben sucht. Geh einfach nach Afrika, wo auch heute noch die Menschen an Wesen in Steinen und Pflanzen glauben. Und wo auch heute noch kleine Mädchen und junge Frauen beschnitten werden. Das wird getan, weil es immer so war. Aufgrund von Tradition, Kultur und schließlich Glaube. Man kann es vielleicht nicht Religion nennen, weil es nicht niedergeschrieben ist, sondern von einer zur nächsten Generation mündlich überliefert wurde, aber es ist das Gleiche!

Vielleicht kann man das noch als etwas sehr Fernes abtun, etwas, das weit weg ist von dem, was man normalerweise hört, in Afrika, dort, wo sowieso so viel Schlimmes geschieht, wo Kinder verhungern und Kriege stattfinden. Vielleicht denkst du sogar, dass solche Stämme doch nur noch Überreste aus der Vergangenheit sind. Ich muss euch jedoch sagen, dass solche Grausamkeit in Traditionen, Kultur und Glaube noch viel weiter verbreitet ist! Es ist ein Teil dieser großen Hauptreligionen, die wir Weltreligionen nennen!

Seht euch nur Länder wie Saudi-Arabien an! Vor Kurzem gab es dort einen Fall, in dem ein Verbrecher jemanden erstach und derjenige von der Verletzung querschnittsgelähmt war. Nach dem islamischen Sharia-Gesetz, nach dem die Richter dort entscheiden, wurde dieser Mann zu einer schrecklichen Strafe verurteilt: seine Wirbelsäule sollte gebrochen werden, so dass auch er querschnittsgelähmt würde. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Es gibt Orte auf dieser Welt, wo Frauen verkauft werden, weil die Religion sagt, sie seien nur wie Gegenstände, die ein Mann besitzen kann. Es gibt Orte auf der Welt, wo Frauen geschlagen werden, weil Religion ihren Männern und Vätern sagt, sie müssen gemaßregelt werden, wenn sie nicht gehorsam sind. Ich sage ‚Orte auf dieser Welt‘ und es hört sich an, als wäre das weit, weit weg. Wenn ich dir sage, dass das alles ganz in deiner Nähe geschieht, überall um dich herum, merkst du, dass das für viele Leute auf dieser Erde die grausame Wirklichkeit ist! Davor kannst du die Augen nicht verschließen!

Grausamkeit, Blut und Krieg ist Teil aller Religionen. Das Christentum hat auch jede Menge grausame Bibelstellen und der Hinduismus Stellen in den verschiedenen Schriften. Man kann nicht einfach nur den guten Teil nehmen und sagen, dass es das ist, dem man folgt. Wenn man Religion folgt, ist Grausamkeit ein Teil dessen, an was man Glaubt, da jene Schriften doch die Grundlage der Religion sind.

Das Einzige, was man machen kann, wenn man sich von dieser Grausamkeit distanzieren will, ist, dass man sich von der Religion selbst distanziert.

Ich glaube eigentlich, dass die meisten Leute das eines Tages tun werden und dass die Religionen, die wir heute als die Weltreligionen kennen, an Wichtigkeit verlieren und eines Tages auch zu Geschichte werden, wie so viele vor ihnen.

Fasziniert von keltischer oder indianischer Spiritualität? Sieh auch ihre blutige Grausamkeit! – 8 Apr 13

Am Freitag sind die Teilnehmer unserer Himalaya Reise wieder im Ashram angekommen. Einige waren in Rishikesh geblieben, um ihre Reise von dort fortzusetzen und der Rest kam zurück in den Ashram. Gestern sind dann schließlich unsere letzten Gäste abgefahren, unsere Freunde Sylvia, Melanie, Thomas und Iris. Es war schön, noch einen weiteren Tag mit ihnen zu haben, so dass wir noch ein bisschen zusammensitzen und reden konnten. Während einem Gespräch erinnerte ich mich an ein Thema, das Thomas und ich angeschnitten hatten, bevor sie sich in die Berge aufmachten: die Spiritualität der Menschen vor unserer Zeit und die Faszination, die manche Menschen dafür verspüren.

Ich erzählte Thomas von meiner Überzeugung, dass die heutigen Religionen nicht auf ewig bleiben werden. Er stimmte mir zu und wir sprachen über Religionen, die es früher gab und die wir nun nur noch aus Geschichten kennen. Wir wissen, dass die griechische Mythologie viele verschiedene Götter mit unterschiedlichen Eigenschaften beschreibt, Halbgötter, Dämonen und mehr und die meisten Leute denken, wenn sie davon hören, an Märchen, Disney-Filme oder andere erfundene Geschichten. Die römischen Götter waren ähnlich und obwohl die Kinder im Westen darüber in der Schule lernen, wissen sie genau, dass das nur Fantasiewesen sind und nichts Wirkliches.

Es gibt jedoch auch Kulturen vor diesen, über die man in den Schulen nichts lernt. Diese Tatsache und dass die meisten Menschen nicht allzu viel über sie wissen, macht sie für einige Menschen interessant. Ihr Glaube war vielleicht noch nicht einmal sehr organisiert, weshalb man sie auch schwerlich Religion nennen kann, aber es ist ein Glaube mit Göttern und übernatürlichen Wesen, mit Magie und Energien. Viele Leute sind sehr fasziniert davon und wenn sie die richtige psychologische Vorlage haben, glauben sie gerne, dass solcher Glaube besser war als das, was heute existiert.

In der spirituellen Szene im Westen gibt es einige Menschen die vom Glauben der Ureinwohner Amerikas fasziniert sind, während andere sich zu den Kelten und ihrer Vorstellung von der Erschaffung der Welt hingezogen fühlen. Menschen, die an diesen Dingen Interesse haben, erzählen dir von all dem großartigen Wissen jener Kulturen, wie viele Dinge sie wussten, die wir bereits vergessen haben und wie sie mit all dem Wissen und ihrer Weisheit so viel mächtiger waren als wir heute.

Diese Leute scheinen andere Dinge, die wir von diesen urtümlichen Menschen von vor Jahrhunderten wissen, einfach zu ignorieren! Oder vielleicht wissen sie davon auch gar nichts! Thomas und Iris, die Interesse daran hatten, etwas mehr über die keltischen Überreste in Deutschland herauszufinden, erzählten mir, dass sie ein Museum besucht hatten, wo deren uralte Rituale erklärt und dargestellt wurden. Es war das Gegenteil von dem, was die Leute glauben wollen! Sie brachten Menschenopfer dar, bei denen sie Teile der Toten sogar aßen, weil sie glaubten, sie können so die Stärke dieser Menschen in sich aufnehmen! Sie waren barbarisch und vom heutigen Standpunkt aus würde man ihre Taten als unmenschlich bezeichnen! Das Gleiche habe ich auch von den amerikanischen Ureinwohnern in früheren Zeiten gehört.

Ihr seht also, was geschieht – aus einer Faszination für das Unbekannte machen die Leute sich selbst und andere glauben, dass die alten Zeiten großartig waren, dass unsere Urahnen viel spiritueller waren und das Leben und die Welt viel besser verstanden. In Wirklichkeit glaubten sie einfach nur an Geister und Wesen, weil sie keine bessere Erklärung für natürliche Phänomene hatten! Sie waren barbarisch, weil ihre Welt aus Kriegen unter Stämmen und Familien bestand, aus Gewalt und dem Essen von Tieren, die sie jagten und dem Herstellen von Werkzeug aus anderen Teilen dieser Tiere.

Natürlich beziehen sich die Menschen manchmal auf alte Zeiten und sagen, die Dinge waren viel einfacher damals, als die Menschen noch nicht so viel Besitz hatten, als die Wissenschaft die Welt noch nicht erklärt hatte und es noch nicht all die elektronischen Spielzeuge gab. Als die Zeiten langsamer waren, weil wir nicht allzeit erreichbar sein mussten. Doch die Zeiten waren damals nicht besser – sie waren blutiger, kälter und gefährlicher.