Wenn die Verehrung eines führenden Politikers wichtiger ist als alte Freundschaften – 15 Feb 15

Ich möchte über ein Thema schreiben, das ich in meinem Leben nun schon eine Weile lang beobachte. Letzte Woche habe ich euch von einem früheren Freund erzählt, der ein Problem mit meiner Religionslosigkeit hatte. Ein ganz anderes Thema, dem ich mich stellen musste, ist, dass manch einer mir bereits aus politischen Gründen die Freundschaft gekündigt hat!

Im letzten Jahr habe ich diese Erfahrung mit recht alten Freunden zweimal gemacht. Einer war seit mehr als 50 Jahren Freund meines Vaters und kam uns jedes Mal im Ashram besuchen, wenn er in Vrindavan war. Der andere war einer meiner Freunde, den ich schon seit über 20 Jahren kannte. Ab und zu telefonierte ich mit ihm und seiner Familie und wir besuchten einander zuhause. In beiden Fällen hatten diese Freunde ein Problem mit dem, was ich auf sozialen Netzwerken über politische Themen und insbesondere über Indiens derzeitigen Premierminister Modi schreibe.

Ja, ich habe Freunde, langjährige Freunde, verloren, weil wir unterschiedliche politische Meinungen haben.

Ich war schockiert. Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass das mit jemandem geschehen könnte, den ich persönlich kenne, mit dem ein Band der Liebe besteht, eine Beziehung, die schon viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte lang besteht! Wegen Politik! Weil sie für eine Partei sind und besonders für diesen einen politischen Führer und ich eben überhaupt nicht.

Ich bin keine politische Person. Ich halte Politik schon immer für zu viel Theater, zu viel Schauspielerei. Politiker wechseln immer dann Parteien, wenn es ihrer Karriere gut tut und sie etwas davon haben. Sie versprechen etwas, wenn es ihnen hilft, gewählt zu werden und machen etwas anderes, wenn sie dann an der Macht sind. Und sie erscheinen mir immer alles andere als feinfühlig, als käme es nicht aus dem Herzen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ich kein Interesse daran habe, was in meinem Land geschieht! Ich habe Interesse, informiere mich und bilde mir auch eine Meinung. Ich bin jedoch nicht für eine bestimmte Partei – und so schreibe ich meine Kommentare über die komischen Taten und Worte jeder Partei und ihrer Politiker. Auf sozialen Medien, weil mein Blog von zu vielen nicht-Indern gelesen wird, die die Einzelheiten nicht kennen und die sie auch nicht interessieren würden. Online kann man filtern. Lies, was du lesen willst, ignoriere das, was dir nicht gefällt.

Warum regst du dich über eine Aussage eines Freundes auf, dessen Meinung du doch wahrscheinlich sowieso schon kennst? Weil er dein Vorbild kritisiert, den Politiker, den du nicht nur unterstützt, dem du geradezu ergeben bist. Eine Beziehung der Verehrung ist entstanden – und ironischerweise ist das genau das, was ich am meisten kritisiere. Dass man keine Person verehren sollte, sei es ein religiöser Führer oder ein politischer! Dass du kein blinder Anhänger sein solltest, der die Fehler und Mängel seines Guru auf jede erdenkliche Weise zu entschuldigen versucht. Ich weiß, das Wort ‚Anhänger’ ist nicht sehr beliebt und du würdest dich lieber ‚Bewunderer‘ nennen. Wenn du dich jedoch aufregst und Freundschaften kündigst, beweist du, dass du genau das bist: ein Anhänger.

Ich bin dafür, dass du deine Augen öffnest und der Wahrheit ins Gesicht siehst. Der Guruismus hat mich Freunde gekostet – aus religiösen Gründen und nun auch noch aus politischen Gründen! Es ist am Besten, solche Menschen gehen zu lassen und sich nicht weiter bedrücken zu lassen. Ihre Hingabe und Verehrung ist stärker als die Liebe einer Freundschaft!

Ich habe noch viele weitere Gedanken zu diesem Thema und werde morgen noch mehr dazu schreiben.

Tempelgesänge fürs Geld, nicht aufgrund der Hingabe – 7 Apr 14

Wir haben die Schuleinschreibungen für das nächste Schuljahr an unserer Schule bereits beendet. Wir haben am 1. April begonnen und schon am nächsten Tag hatten wir genug Kinder für die niedrigste Vorschul-Klasse, sowie einige Neuzugänge in den höheren Klassen. Vom Tag darauf an, mussten wir die Kinder auf eine Warteliste schreiben und den Eltern sagen, dass wir keine Kinder mehr aufnehmen können. Vom ersten Tag an gehen Ramona und Purnendu die neuen Kinder besuchen, um zu sehen, wie sie leben und um einen Eindruck von ihrer finanziellen Situation zu bekommen. Natürlich machen sie dadurch täglich jede Menge interessante Erfahrungen und einige von diesen möchte ich heute und in den nächsten Tagen gerne mit euch teilen.

Keiner der Eltern unserer Schulkinder verdient wirklich viel. Sie haben keine großartigen Arbeitsstellen, haben oft kein regelmäßiges Einkommen und kommen für gewöhnlich mit Müh und Not über die Runden. Diejenigen, die sich am meisten abmühen, sind interessanterweise diejenigen, die religiöse Arbeit machen.

Wenn man sie fragt, mit was sie ihr Geld verdienen, antworten sie, dass sie Priester sind oder dass sie in Tempeln in der Umgebung Kirtan singen und chanten. Diejenigen, die für Privatleute Zeremonien durchführen oder Priestern assistieren, indem sie die Zutaten für die Poojas bringen, wissen nie, wann sie wieder Arbeit haben werden. Es ist unsichere Arbeit und besonders in dieser Stadt, wo tausende Leute genau das tun. Warum? Weil es einfach ist und man vielleicht auch mal Pilger und religiöse Leute findet, die etwas mehr spenden – oder sogar einen Fernseher oder Kühlschrank schenken, wie wir in einigen Häusern gesehen haben.

Diejenigen, die ihr Geld damit verdienen, in Tempeln oder Ashrams Kirtan zu singen, haben oft eine regelmäßigere Anstellung. Sie gehen jeden Tag zur gleichen Zeit zum Singen, zum Beispiel von sieben bis acht am Morgen. Eine Stunde täglich singen für ungefähr 10 Euro pro Monat.

Ihr seht also, wenn ihr als Pilger oder Tourist in unsere Stadt kommt und von der Hingabe derjeniger beeindruckt seid, die ihr den ganzen Tag lang in den Tempeln sitzen seht, wo sie scheinbar ständig singen und Gott preisen, wisst ihr jetzt, was da dahinter steckt: nicht Hingabe, sondern Geld. Sie müssen ihren Lebensunterhalt verdienen! Über die Lautsprecher hört man oft, wie viel Hingabe sie wirklich haben, wenn sie ihre Kirtans in gelangweiltem Ton runterleiern, monoton und ohne jeglichen Enthusiasmus.

Jemand argumentierte, wie schön es doch sei, dass sie aufgrund der Religion eine Arbeit haben. Ich halte es für eine Verschwendung von Arbeitskräften. Ich spreche hier von starken, großen Männern, doch satt zur Entwicklung dieses Landes oder der Gesellschaft beizutragen, sitzen sie dort und singen. Dabei machen sie nicht einmal etwas für sich selbst! Sie meditieren nicht und finden da keinen inneren Frieden – sie sitzen nur da, weil sie dieses kleine bisschen Geld bekommen und das auf recht einfache Weise!

Es gibt viele Eltern, die hart arbeiten, um ihr Geld zu verdienen. Sie tragen Ziegel und Zement von einer Seite der Baustelle auf die andere. Am Ende des Tages haben sie zum Bau eines Hauses beigetragen. Religion jedoch lässt andere Eltern dasitzen und in ein Mikrofon singen, damit ihre Nachbarschaft nerven und Vorbeilaufende glauben, dass die Singer großartige Gläubige seien.

Nein, ich bin wirklich kein Fan von Religion – und diese Gedanken helfen nicht gerade, mich umzustimmen!

Das verlockende Angebot der Gurus, dich von jeglicher Verantwortung zu befreien – 3 Apr 13

Gestern habe ich über die Verantwortung geschrieben, die beide, Autor und Leser für ihr Leben und ihre Handlungen haben und übernehmen sollten. Jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein und diese übernehmen. Während das etwas ist, das die meisten Leute als das akzeptieren würden, wie es sein sollte, lehren Hinduismus und Guruismus leider etwas völlig anderes: man kann und sollte alle seine Verantwortung an seinen Guru abgeben.

Ja, das steht in den höchsten Schriften geschrieben und das predigen Gurus seit Jahrhunderten und versuchen Anhänger schon immer zu erreichen. Die Vorstellung ist, dass man sich selbst vollkommen einem Guru hingibt. Sich selbst an ihn abgibt, sein schlechtes, aber auch sein gutes Karma dem Guru gibt und macht, was er sagt, ohne für sich selbst irgendetwas zu erwarten. Dann erreicht man den Punkt, an dem man für sich selbst kein Karma mehr hat und deshalb nach seinem Tod in den Himmel kommt.

Dieses Konzept ist eigentlich der Schlüsselpunkt, mit dem der Guruismus überhaupt funktioniert. Gurus laden die Leute ein: Kommt, gebt mir all euer Karma, macht, was ich sage und dann müsst ihr euch nicht mehr um euer Leben oder sogar euer Nachleben sorgen. Gebt euch hin und lasst los, ich werde mich in dieser Inkarnation und auch danach um dich kümmern.

Ist das nicht ein herrliches Konzept? Ein verlockendes Angebot für jeden normalen, unschuldigen, religiösen Menschen! Jeder Hindu, der in dieser Religion aufgewachsen ist, glaubt, dass das der richtige Weg ist und alle anderen können verstehen, wie einladend das klingt: Setz dich in mein Boot, ich rudere und nehme dich mit ans andere Ufer! Du musst nicht nachdenken und dir keine Sorgen machen, du wirst gut ankommen. Du kannst das Boot nicht zum Kentern bringen, du kannst nicht von der Strömung mitgerissen werden, du kannst nicht ertrinken – du wirst nicht einmal nass werden!

Sie geben sich hin und lassen los. Es ist einfach und wird in der Gesellschaft sogar als etwas Gutes angesehen! Sie sagen stolz ‚Ich bin ein Anhänger, ich habe mich selbst aufgegeben und tue, was mein Guru mir sagt. Ich bin niemand‘. Diese Bescheidenheit ist genau das, was von ihnen erwartet wird. ‚Vernichte dein Ego‘ wird ihnen gesagt, sonst kann der Guru nicht übernehmen. Er wird sich um dein Karma-Konto kümmern, also musst du ihm alle Rechte dafür übertragen.

Für diese Dienste muss man natürlich auch einen gewissen Betrag zahlen. Manche Gurus nehmen diesen Betrag nicht direkt. Manche sind wie Banken, bei denen man eine bestimmte Versicherung abschließen muss, bevor einem besondere Dienste zugängig gemacht werden. Doch man muss zahlen, sei das direkt oder indirekt.

Große Mengen an Geld ist nicht der einzige Vorteil, den die Gurus von dieser Einstellung haben. Sie haben viele Menschen, die ihnen so ergeben sind, dass sie alles machen, würden, was auch immer sie sagen. Diese Macht, die ihnen ihre Anhänger geben, ebnet ihnen den Weg zu sexuellem Missbrauch. Viele frühere weibliche Anhänger von Gurus haben mir erzählt, dass sie ihren Guru einfach für einen Got gehalten haben. Sie haben sich vollkommen hingegeben und vertrauten darauf, dass sie durch ihn und dadurch, dass sie tun, was auch immer er will, gerettet werden. Als er ihnen auftrug, ihm in seinem privaten Schlafzimmer zu dienen, seine Genitalien zu massieren und sogar Sex mit ihm zu haben, sind viele darauf eingegangen! Es gibt so viele Fälle von Gurus, die Frauen missbrauchen, weil sie unschuldig glauben, dass es das ist, was sie tun sollten.

Ihr seht also das Ausmaß des Problems, wenn die Leute keine Verantwortung für sich selbst übernehmen wollen und lieber den leichten Weg nehmen – und diese an jemand anderen übergeben. Es ist nie richtig, das zu tun. Nimm deine Verantwortung für deine Handlungen und ihre Folgen in deine Hände und erkenne, dass du keinen Guru brauchst, um im Leben glücklich zu sein.

Wie schädlich kann Hingabe sein? – 12 Sep 12

Gestern habe ich geschrieben, dass Religion den Geist manipuliert und dich dazu bringt, verrückte Dinge zu tun, die du nie tun würdest, wenn du bei rechtem Verstand wärst. Die Menschen geben viel Geld aus, gehen auf Pilgerfahrten und nehmen große Mühe auf sich, um sogenannte heilige Orte zu sehen und dann gibt es sogar die, die aus Religionsgründen zu Terroristen werden. Doch vielleicht ist es nicht wirklich die Religion, die diese Folgen hat, vielleicht ist es die Hingabe.

Was da der Unterschied ist, fragst du? Naja, ich glaube, dass Hingabe nicht unbedingt religiös sein muss.

Man kann sich selbst Gott, einer Religion, einem bestimmten Glauben und all den Regeln, die dazu gehören, hingeben, da stimme ich zu. Hingabe ist, wenn man seinen Gott nicht nur liebt, sondern ihm alles was man hat und ist widmet und sich selbst in seine Hände gibt. Das an sich mag niemandem schaden – aber wenn die Religion mit ihren religiösen Führern, widersprüchigem Rat in Schriften und veralteten Vorstellungen kommt, wie man leben sollte und wie andere leben sollten, kommt man in einen Bereich, in dem Hingabe gefährlich wird.

Ich habe Erfahrungsberichte von Frauen gelesen, die ihren Gurus vollkommene Hingabe entgegenbrachten und dadurch ausgenutzt, gedemütigt und sogar sexuell missbraucht wurden. Weil sie glaubten, dass ihr Guru Gott, göttlich und derjenige ist, dem sie folgen müssen. Sie haben getan, was auch immer er ihnen sagte. Und sie bereuten es, sobald es mit ihrer Hingabe vorbei war.

Diese Gefahr besteht mit der Hingabe nicht nur, wenn es um religiöse Dinge geht. Seht euch nur jemanden an, der sich selbst dem Alkohol hingibt. Er wird süchtig und vergisst jegliche Logik und seinen Verstand. Er schadet erst sich selbst und dann vielleicht auch noch die um ihn herum.

Wenn du da widersprichst und sagst, dass der Alkohol dich süchtig macht und verrücktes Verhalten auslöst, kann ich ein weiteres Beispiel geben: Menschen, die sich ihrer Arbeit hingeben sind nicht weniger betroffen. Jemand, der sich seiner Arbeit hingibt, denkt nur an seine Arbeit. Er hört den Ruf seines Körpers nicht, sich auszuruhen und eine ordentliche Mahlzeit zu sich zu nehmen. Er wird zum Workaholic, er verschmilzt vollständig mit seiner Arbeit – und schadet sich selbst und seiner Familie.

Das Einzige, dem man sich meiner Meinung nach hingeben sollte, ist Liebe. Gebe dich selbst der Positivität hin, in Liebe zu sein und Liebe zu verbreiten. Ich denke nicht, dass man da etwas falsch machen kann. Man braucht dazu jedoch keinen Mittelmann, keinen Meister oder Guru. Übe die Hingabe zur Liebe direkt und nicht durch eine bestimmte Person, von der du meinst, du musst zu lieben lernen.

Wie sieht es jedoch mit der Hingabe zum Partner aus? Ich glaube, dass diese Hingabe beidseitig sein muss. Ihr müsst euch beide einander hingeben, weil ihr in eurer Beziehung gleichwertig sein sollt. Wenn nur einer von euch sich dem anderen hingibt, ist einer der Meister und der andere der Anhänger. Der Anhänger wird immer niedriger und weniger wichtig sein, unfähig, Entscheidungen zu treffen. Der Meister jedoch hat so zu viel Verantwortung. Ein Partner hat so leicht das Gefühl, dass der andere zu sehr an ihm hängt, dass er zu demütig ist und selbst keine Persönlichkeit hat, sondern vollständig von ihm abhängig ist. Nein, eine Beziehung braucht Hingabe, doch diese muss beidseitig sein.

Nur dann, wenn du dich selbst in deiner Hingabe zur Liebe oder der beidseitigen Hingabe mit dem Partner verlierst, kannst du Verstand und Logik beibehalten. Du kannst verrückt werden in Liebe –dein Partner bewahrt dich vor jeglichem Schaden.

Wie die heimliche Manipulation der Religion dich verrückt macht – 11 Sep 12

Wir machen jeden Abend in unserem Ashram einen kleinen Spaziergang auf dem Weg vom Haus zum Tor. Mit Apra auf dem Arm laufen wir und halten manchmal am Tor an, um das Geschehen auf der Straße eine Weile lang zu beobachten. Apra liebt es zu beobachten, wie die Autos, Fahrräder und Motorräder vorbeifahren, die Menschen von der Arbeit nach Hause kommen oder die Pilger ihre Runden auf dem Parikrama Marg gehen, dem Pilgerweg um unsere Stadt. Pilger und viele Ortsansässige gehen diesen Weg täglich, barfuß und während sie Mantras rezitieren. Manche machen sogar etwas mehr: sie legen sich auf den Weg, stehen auf, gehen drei Schritte und legen sich wieder hin. So bringen sie die ganzen zehn Kilometer des Wegs hinter sich.

Vor ein paar Tagen standen wir dort und beobachteten den Verkehr wie üblich, als wir einen dieser Pilger sahen, wie er sich auf den Weg legte, dann aufstand, einen kleinen Tanz vollführte und sich wieder hinlegte, offensichtlich vollkommen verzückt in seiner Hingabe an Gott. Ramona drehte sich zu mir mit den Worten ‚Man wird ein bisschen verrückt, wenn man das macht, oder?‘ Nach einer kleinen Pause antwortete ich ‚Nein, man muss ein bisschen verrückt sein, um das du tun!‘

Bevor nun eine ganze Sturmflut hinduistischer Gläubiger zur Verteidigung dieser Tradition kommen und bevor einer meiner Freunde ausruft ‚Aber du hast das doch selbst auch gemacht!‘, lasst mich sagen, dass ich ja, den Parikrama selbst so gegangen bin und dass ja, meine Frau das auch weiß.

Ich weiß selbst, in welchem Geisteszustand ich mich damals befand, kurz, bevor ich in die Höhle gegangen bin. Vom heutigen Standpunkt, wenn ich den Mann treffen würde, der ich damals war, würde ich ihn wahrscheinlich selbst verrückt nennen.

Es ist einfach unglaublich, was religiöser Glaube und ein Glaube an Gott mit deinem Geist und Verstand machen. Da ist einfach nur so viel Hingabe und die Überzeugung, dass diese Art von Handlung nicht nur für dich gut ist, sondern für die Welt, so dass du nicht mehr logisch darüber nachdenkst. Wie sollte es denn deinem Gott helfen, wenn du zwei oder drei Tage auf der Straße verbringst, dich immer wieder hinlegst und wieder aufstehst und kaum vorwärts kommst? Sie nennen es Hingabe, aber ich würde es Manipulation nennen. Wenn Hingabe auf diese Ebene gelangt, macht sie dich blind. Du fühlst keinen Schmerz und denkst nicht nach, alles wird nur immer verrückter.

Während ich glaube, dass das ein bisschen verrückt ist, gibt es viel verrücktere Dinge, zu denen die Religion Menschen bringt. Es ist das gleiche Gefühl, die gleiche Manipulation durch Religion, wenn jemand glaubt, dass es gut ist, wenn er seinen letzten Pfennig bis zu einem bestimmten Tag ausgibt, an dem er meint, dass die Welt untergehen wird. Es ist die gleiche religiöse Manipulation, die jemanden dazu bringt, eine Bombe an den eigenen Körper anzulegen und sich selbst in einer vollen U-Bahn in die Luft zu sprengen und dabei sich und Dutzende weitere Menschen umzubringen. Oder ein Flugzeug zu entführen und es in einen Turm zu fliegen und damit in Tausenden Menschen Trauer zu verursachen.

Es ist verrückt. Es ist Religion. Einige der Auswirkungen sind weniger schädlich, einige sind es mehr. Man kann es tolerieren, wenn es niemandem schadet und auch ihm selbst nicht schadet. Nenne ihn ein bisschen verrückt. Aber am Ende ist es Religion, die den Geist zu diesem Akt der Hingabe bringt.

Hingabe oder mangelnde Hingabe verantwortlich für Erfolg oder Scheitern von Beziehungen – 6 Jul 11

In den letzten Wochen, während meiner Arbeit in ganz Deutschland, habe ich viele Einzelsitzungen gegeben. Da waren zwei Sitzungen, von denen ich schon in der Zeit dachte, dass ich sie euch gerne in einem meiner Artikel im Tagebuch beschreiben würde. Sie haben eine nach der anderen stattgefunden.

Zuerst kam eine Frau zu mir, die sagte, sie sei jetzt etwas über 60 Jahre alt. Sie ist entschlossen, in diesem Alter ihr Leben drastisch zu verändern. Sie ist nicht zu einer Beratung gekommen, um mich zu fragen, ob sie diese Veränderung machen sollte oder nicht, sondern hat bereits beschlossen, dass sie das auf jeden Fall tun würde. Sie kam, weil sie ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle hat. Sie will sich von ihrem Ehemann trennen, der jetzt 80 Jahre alt ist. Sie waren 40 Jahre lang zusammen und haben zwei erwachsene Kinder. Sie sagt, dass sie jetzt etwas für sich selbst tun möchte.

Gleich danach kam ein junges Paar zu mir, beide etwas über dreißig. Sie sind seit dreieinhalb Jahren in einer Beziheung, aber weil sie recht weit voneinander entfernt wohnen, konnten sie sich immer nur an Wochenenden treffen. Manchmal kam er zu ihr, manchmal besuchte sie ihn. Vor fünf Monaten fiel der junge Mann vom Dach seines Hauses, auf dem er arbeitete. Er hat sich die Wirbelsäule gebrochen und ist jetzt mit einer Querschnittslähmung im Rollstuhl. Er wird immer noch im Krankenhaus behandelt und sie hat ihn abgeholt, um ihn mit zu mir zu bringen. Sie machen jetzt Pläne, wie sie mit dieser Veränderung im Leben weitermachen. Sie haben beschlossen, zusammenzuziehen, nahe zu ihrer Arbeitsstelle und sie freuen sich darauf, diesen Schritt zu machen.

Wenn du die obigen zwei Abschnitte gelesen hast und bis hier gekommen bist, muss ich dir glaube ich nicht viel dazu sagen, was in meinem Kopf vor sich ging. Ich hatte das gleiche Gefühl wie du jetzt. In diesen zwei Geschichten dreht es sich um das gleiche Thema, aber die Personen gehen in völlig unterschiedliche Richtungen. Das gemeinsame Thema ist deutlich: Hingabe. Beiden Paaren ist etwas geschehen, das niemand hätte verhindern können. Für das ältere Paar ist es einfach das Alter. Jeder wird älter. Für das jüngere Paar war es ein Unfall, etwas, das jedem jederzeit passieren kann. In einer Geschichte ist keine Hingabe, nicht einmal nach einer so langen Zeit zusammen. Da muss nicht einmal ein guter Grund für Trennung vorhanden sein, der Mangel an Hingabe ist genug für den Wunsch zur Trennung. In der anderen Geschichte ist ganz viel Hingabe. Sie zeigt Bindung, stärkt die Liebe und gibt dem Paar ein gutes Gefühl und obendrauf noch jedem, der diese Geschichte hört.

Philosophische Fiktion religiöser Schriften ist nicht die einzige Wahrheit – 27 Mai 11

Auf den gestrigen Tagebucheintrag habe ich viele Rückmeldungen bekommen und unter diesen war auch eine, in der ich nach meiner Meinung zu religiösen Schriften gefragt wurde.

Zuallererst möchte ich erwähnen, dass ich jede Schrift einer jeden Religion respektiere. Die Vedas, Gita, Ramayan, Puranas, Upanishaden, aber auch die Bibel und den Koran. Was ich an den Schriften liebe ist, dass sie immer etwas für jeden enthalten. In diesen Schriften ist so viel Philosophie, dass man wirklich einiges an Ideen bekommt, wie man sein Verhalten oder auch seine Denkmuster ändern kann. Viele Menschen, die die Schriften studieren, erkennen auf diese Weise viel über ihr eigenes Verhalten und entwickeln sich weiter, was im Allgemeinen etwas Gutes ist.

Ihr seht also, ich bin nicht gegen die Philosophie der Schriften, aber ich bin nicht damit einverstanden, eine Schrift zu seiner einzigen Wahrheit zu machen. Es gibt viele Menschen, die glauben, dass alles was in einer bestimmten Schrift geschrieben steht, die universelle Wahrheit für alle Menschen auf Erden darstellt. Dort steht was richtig und was falsch ist. Mit solch einer Person kann man keine gesunde Diskussion führen, da das immer damit endet, dass derjenige einem sagt, seiner Meinung nach ist etwas eine Tatsache, einfach weil es in der Schrift steht.

In diesem Fall glaube ich, dass die Verwendung der Schriften falsch ist. Du solltest darüber nachdenken, ob das, was du tust, für dich richtig oder falsch ist. Als Beispiel, können wir uns einmal die Bhagavad Gita ansehen. Ich liebe ihre Philosophie und verwende auch heute noch hin und wieder ein Shloka oder Mantra aus der Gita in meinen Vorträgen. Ich glaube, dass darin jede Menge Weisheit steht. Es gibt jedoch darin auch Passagen, denen ich nicht zustimme. Hier ist eines dieser Shlokas, das 24. und letzte Shloka des 16. Kapitels der Gita:

Tasmac chastram pramanam te karyakarya-vyavasthitau |
Jnatva shastra-vidhanoktam karma kartum iharhasi ||

Übersetzt bedeutet dieses Shloka in etwa:

"Man sollte also anhand der Regeln der Schriften verstehen, was seine Pflicht ist und was nicht. Mit dem Wissen dieser Regeln sollte man sich so verhandeln, dass man allmählich ansteigt.“

Dem stimme ich nicht zu. Die Regeln, die in diesen Schriften stehen, wurden vor mehr als tausend Jahren geschrieben! Die Zeiten haben sich geändert, wie sollte man sie den heute anwenden? Doch viele Menschen bestehen darauf, dass die Schriften genau das sagen und alles so getan werden muss, wie es dort beschrieben steht.

Das erinnerte mich an einen Kommentar, den ein weiterer Freund, Annan Boodram aus Amerika, mir schon vor einiger Zeit schrieb:

”Um ehrlich zu sein, stelle ich das Konzept von Avataren in Frage. Wenn man die Leben von Rama und Krishna analysiert, sieht man viele Dinge, die mit Gott inkongruent sind. Zum Beispiel entführte Krishna eine Frau, die kurz davor stand, zu heiraten. Und er scherzte mit den Gastgebern verheirateter Frauen. Beide, Rama und Krishna, unterstützten das unmenschliche Kastensystem und die Unterwerfung der Frauen. Beide waren Befürworter der Gewalt als Lösung für Probleme. Diese Auflistung kann man noch weiter betreiben… Andererseits ist der Gott, den ich akzeptiere gnädig, liebend, mitfühlend, gewalt-verneinend und toleriert keine Ungleichheiten jeglicher Art. Alles, was darunter liegt, kann nicht Gott sein.”

Ich stimme dem absolut zu und sage hier wieder, dass eine Schrift kein Beweisstück ist und nicht mit dem Gedanken gelesen werden sollte, dass alles, was darin steht, zu 100% richtig und für diese Zeit relevant ist. Und das ist etwas, das für alle Religionen wahr ist, nicht nur für den Hinduismus.

Ich habe nicht viel akademische Bildung genossen, habe aber dreißig Jahre meines Lebens damit verbracht, Schriften zu studieren. Meine persönliche Meinung ist heute, dass diese Geschichten, die in den Schriften stehen, vielleicht ganz schön sind, aber immer noch Fiktion sind, sie sind schöne erfundene Geschichten und keine Beweise. Wer weiß, ob Krishna das wirklich getan hat? Wer weiß, wer Rama wirklich war? In diesen Geschichten stecken viele Widersprüche. Die unterschiedlichen Schriften und manchmal sogar die unterschiedlichen Versionen der gleichen Schrift widersprechen einander. Das zeigt, wie die Dinge im Laufe der Zeit hinzugefügt wurden und sich verändert haben. Wenn jemand heute kommt und sagt, dass eine bestimmte Handlung richtig ist, nur weil Krishna auch so gehandelt hat, sehe ich es als Ausrede für ein falsches Verhalten.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für diese Geschichten und wenn man sie mit Hingabe liest, sind sie schön. Ich möchte auch intellektuelle Menschen bitten, sie auf diese Weise zu lesen. Lies diese Schriften nicht vom intellektuellen Gesichtspunkt aus mit dem Versuch, den Inhalt wissenschaftlich zu beweisen. Es sind nur Geschichten.

Diese Schriften wurden von Menschen wie du und ich geschrieben, ganz normale Menschen. Es war ihre Erfahrung, die Erfahrung derhenigen, die in der Zeit geschrieben haben. Es war für sie okay und richtig, aber das bedeutet nicht, dass es auch heute noch passt. Du weißt nicht, in welchen Situationen sie sich befanden und zu welcher Zeit sie das schrieben. Die Zeiten ändern sich, Definitionen ändern sich, unsere Umgebung ändert sich und wir müssen uns auch mit entwickeln. Warum solltest du heute die gleiche Erfahrung machen wie jemand, der vor 1000 Jahren gelebt hat? Zeiten haben sich geändert und du machst deine eigenen Erfahrungen. Wenn deine Erfahrung sich von dem unterscheidet, was die Bibel oder die Gita dir sagen, warum glaubst du dann nicht an dich selbst? Warum vertraust du nicht deiner eigenen Erfahrung?

Was wir heute lesen ist sowieso meistens nur eine Interpretation. Jeder kann seine eigene Sicht der Dinge haben und ich weiß, dass es tausende unterschiedliche Interpretationen der Gita gibt. Wieder, vertraue nicht der Interpretation einer anderen Person, vertraue deinen eigenen Gefühlen. Du kannst den positiven Aspekt jeder Schrift nehmen und ihn für dich verwenden. Lass das weg, was nicht zu dir passt, was du so nicht fühlst und das, was du für falsch hälst.

Mein Konzept von Gott ist einfach nur Liebe, die in uns allen ist. Wir müssen nicht in Schriften oder in Religion nach Gott suchen. Deshalb ist für mich das Konzept von Avataren, einem Gott, der als Reinkarnation hier unter uns auf Erden lebt, nicht sinnvoll. Es ist einfach nur erfunden. Doch leider behaupten die Menschen aufgrund dieser Idee, dass sie Gott seien und andere verehren sie, als wären sie es wirklich. Deshalb sage ich immer, dass ich gegen Verehrung von Menschen bin. Es ist einfach nicht wahr.

Mein ganzes Leben lang habe ich die Schriften gepredigt, sie verehrt und ein ganzes Ritual aus einem Vortrag über die Schriften gemacht. Ich habe das in meinem Blog in der Kategorie ‚Mein Leben‘ beschrieben.

Heute predige ich keine Schriften mehr auf ritualistische Weise. Heute sind all diese Schriften zu fünf Buchstaben zusammengeschmolzen: LIEBE.

Das ist meine einzige Philosophie. Man muss keine komplizierte Philosophie verstehen, lerne einfach zu lieben!

ISKCON und Vergewaltigungen, Morde, Kindesmissbrauch und Prositution in Vrindavan – 25 Feb 11

Ich habe in den letzten Tagen über ISCKON geschrieben und ich nehme an, dass einige meiner Leser gestern schon erwartet hatten, etwas über die Kontroversen zu lesen, die um die Sekte herum existieren.

Da gibt es in der Tat einige. Mit den Devotees der Sekte wurden bereits Morde verbunden und noch mehr Fälle beschuldigten sie der Vergewaltigung, des sexuellen Missbrauchs und mehr.

Eine der Hauptregeln der ‘International Society of Krishna Consciousness’ ist ‘Unerlaubter Sex ist verboten‘. Unerlaubt hat für verschiedene Personen unterschiedliche Definitionen. Im Allgemeinen bedeutet es, dass man nur mit seiner Frau Sex haben darf und mit keiner anderen Frau oder vor der Ehe. Für bestimmte Leute – diejenigen, die ein noch reineres Leben als dieses wollen – bedeutet das, dass sie nur einmal im Monat mit ihrer Frau schlafen dürfen, in ihrer fruchtbaren Zeit, und das natürlich nur, wenn sie vorhaben, Kinder zu zeugen. Ich habe ausführlich über solche religiösen Vorstellungen von Sex und Reinheit geschrieben.

Immer, wenn ich von diesen Regeln höre, frage ich mich, wie es dann so viele Geschichten von Sex-Skandalen in ISKCON geben kann? Sie wurden angeklagt, in verschiedenen Zweigstellen in unterschiedlichen Ländern Kinder missbraucht zu haben. Sie haben es geschafft, die in Frage stehenden Zweigstellen für bankrott zu erklären und eine minimale Summe als Entschädigung an die Opfer und ihre Familien zu zahlen. Es gibt auf jeden Fall viele weitere Erwachsene und Kinder, die missbraucht wurden und aus Scham oder ähnlichen Gründen nicht in die Öffentlichkeit gingen.

Jeder weiß jedoch, dass die Leute in dieser Sekte, in der beinahe jeglicher Sex verboten ist, am meisten Sex haben. Es gab jede Menge Gerüchte um Homosexualität unter Devotees, in niedriger und höherer Rangordnung. Vor Kurzem gab es viele Diskussionen um Prostitution unter den Mitgliedern der Organisation, besonders hier in Vrindavan.

Viele der Devotees der Sekte sind aus frühren Staaten der Sowjetunion nach Indien gekommen. Dort ist die wirtschaftliche Situation schlecht, sie finden keine Arbeit und können sich ihren Lebensunterhalt nicht verdienen. Sie haben sich der Hare Krishna Bewegung angeschlossen, da sie dort um Austausch für Essen und manchmal auch Unterbringung singen und kleinere Dienste verrichten können. Unter dem Deckmantel der Spiritualität und Religiosität kommen sie nach Vrindavan, zeigen sich selbst als Devotees und finden bald einen weiteren, schnellen und einfachen Weg, um Geld zu verdienen: Prostitution.

Wir haben von Ortsansässigen gehört, dass das die Situation vieler weiblicher Devotees ist. Einige reiche Inder, die nach bezahltem Sex suchen, mögen Frauen mit heller Haut und bezahlen gerne etwas mehr, um Sex mit einer Ausländerin zu haben. Und viele Gasthäuser und Ashrams vermieten für geringe Summen Zimmer auch stundenweise.

Mit solchen Devotees kann man seltsame Unterhaltungen führen. Frag sie, was sie tun.
‚Bhakti‘, was bedeutet, dass sie Dienste leisten und Hingabe üben.
Aber von was leben sie, wie überleben sie?
‚Das Universum versorgt uns!‘
Was für Aktivitäten beinhaltet Bhakti denn?
‘Wir verrichten soziale Arbeit’.
Okay, soziale Arbeit! Welcher Art?
‘Wir versuchen nur, andere glücklich zu machen und ihre Wünsche zu erfüllen‘.
Es ist wirklich eine Tugend, andere zu beglücken. Und wenn man etwas Geld damit verdient, jemandem seine Wünsche zu erfüllen, macht das jeden glücklich!

Es ist kein Wunder, dass die Sekte jedem vorschreibt, die Bande zu ihrer Familie und ihren Freunden zu kappen, da diese einer solchen Entwicklung derer, die sie lieben, im Weg stehen könnten.

Leider geht das in unserem Vrindavan vor sich. Es ist traurig, das mitanzusehen, aber solche Dinge hängen mit Sekten wie dieser zusammen. Und es gibt mehrere Organisationen mit unterschiedlichen Namen, die aber die gleichen Regeln befolgen. Sie wurden von ehemaligen Mitgliedern ISKCONs gegründet, die entweder den schlechten Ruf ISKCONs nicht mochten, den diese mit ihrer ‚sozialen Arbeit‘ bekamen oder, die ehrgeizig wurden und selbst ein Guru mit ihrer eigenen Sekte sein wollten. Sie sind wie kleine ISKCON-Gruppen mit den gleichen Prinzipien, nur mit unterschiedlichen Namen und Gurus.

Ich kann die Menschen nur davor warnen, sich dieser Sekte anzuschließen und rate jedem, von solchen Organisationen weit weg zu bleiben.

Moderne Version religiöser Rituale – 13 Okt 10

Es ist gerade Navratri, ein Hindu Fest, das sich über neun Tage erstreckt. Hindus verehren die Göttin Durga in ganz Indien, aber in verschiedenen Gegenden Indiens wird das fest unterschiedlich gefeiert, mit unterschiedlichen Traditionen und Arten der Verehrung. Diese Verehrung beinhaltet Fasten, verschiedene Zeremonien, Rituale, Tanz und Musik.

Natürlich ist Vrindavan, als einer der beliebtesten Pilgerorte, auch völlig mit Feierlichkeiten beschäftigt und viele Menschen fasten über die neun Tage. Es gibt bestimmte Essenstypen, die Menschen in der Zeit nicht essen und Essen, das auf bestimmte Weise zubereitet wird und dann Fastenessen genannt wird. Leider tun sie es heute auf sehr moderne Weise: Fastenessen wurde zu Fast Food! Die ursprüngliche Idee war, dem Körper eine Pause zu geben, so dass er sich wieder leicht anfühlt. Heutzutage stellen Unternehmen so viele verschiedene Fastengerichte her und verkaufen sie wie Fast Food!

Ich sehe hier, wie Menschen manchmal seltsame Vorstellungen für diese neun-tägige Feier haben und für diese Zeit plötzlich religiös werden. Da gehen sie in Tempel, verehren und fasten. Normalerweise scheren sie sich nicht um Religion, sie essen sogar Huhn und anderes Fleisch, obwohl der Hinduismuss allgemein vegetarisches Essen anpreist. Doch für diese neun Tage fasten auch diese Menschen und essen Fastenessen, natürlich ohne Fleisch. Es ist egal, was sie das ganze Jahr durch gegessen haben, wenn sie es nur schaffen, für neun Tage zu fasten, wird die Göttin schon glücklich sein. Ja, ich sehe, das seind wirklich die religiösesten aller Menschen.

Es ist auch üblich und traditionell, dass man sich in diesen neun Tagen für einen bestimmten Tanz trifft, der ‚Garba‘ genannt wird. Normalerweise ist das ein Tanz, mit dem man in seiner Hingabe und Liebe zur Ekstase kommt. Heutzutage trinken die Leute gerne Alkohol bevor sie tanzen gehen und denken, sie haben so mehr Spaß. Wenn du sie fragst, ob Alkohol in der Fastenzeit nicht verboten ist, sagen sie, dass es sowieso nur Fruchtsaft ist, Wein, der aus Trauben gemacht wird! Es sei also nichts Falsches daran, während der Fastenzeit wäre Alkohol erlaubt.

Weitere Nachrichten sind, dass in dieser Zeit der Verkauf von Kondomen sehr stark angestiegen ist! Ihr könnt euch vorstellen, wie schön und religiös die Leute fasten und voller Hingabe, voller Liebe und voller Alkohol ihre Liebe verbreiten, aber zumindest geben sie darauf Acht, dabei keine sexuell übertragbaren Krankheiten zu verbreiten.

Ich glaube sowieso nicht an diese religiösen Feiern. Wenn du für deinen Körper etwas Gutes tun willst und beschließt, weniger oder nur Früchte zu essen, so macht das Sinn und ist gut. Wenn du feiern willst, brauchst du keinen Alkohol oder religiösen Grund dafür. Doch wenn du einer Tradition folgst, so behalte bitte ihren Wert bei.

Betrug und gleichzeitig ehrlich sein ist nicht möglich – 1 Mai 10

Hier in Deutschland traf ich einmal einen Mann, von dem ich wusste, dass er in Indien eine Frau und Kinder hatte. Als ich hier sah, wie er nicht nur mit einer, sondern mit mehreren Frauen intim wurde, fragte ich ihn: ‚Was ist geschehen und was machst du da? Hast du denn keine Frau und Kinder, die daheim auf dich warten?‘

Er sagte oh, ja, aber was soll ich machen, ich bin schon so lange von daheim fort. Ich habe auch Gefühle, aber ich tue doch gar nichts. Ich bin vollkommen ehrlich. Ich genieße nur von Außen. Ich umarme, berühre und reibe nur, ich ziehe mich nie aus und es gibt keine Penetration. Und das braucht man auch ganr nicht, man kann alles genießen und so sogar einen Orgasmus haben. Du siehst also: ich betrüge meine Frau nich und ich bin vollkommen ehrlich.

Verstehst du jetzt, worüber ich im vorgestrigen Tagebuch geschrieben habe? Betrug ist nicht nur der körperliche Akt des Geschlechtverkehrs.

Ich habe von einer Freundin eine Mail bekommen, in der sie etwas Wahres schrieb. Sie sagte, dass der Betrug bereits im Kopf beginnt. Wer sich Berührungen von einem anderen wünscht oder vorstellt, ist bereits im Betrug. Es ist wahr, diese Person lebt sicher nicht in völliger Liebe und Hingabe zu seinem oder ihrem Lebenspartner.