Wie wir uns von gewöhnlichen Reiseleitern unterscheiden – 22 Jul 15

In den vergangenen zwei Tagen habe ich euch erzählt, wie einmal ein Reiseleiter in den Ashram kam und meinte, er würde uns einen Teil seiner Provision geben. Zu Beginn hatte ich da bereits erwähnt, dass wir uns von den üblichen Reiseleitern unterscheiden und gerade diesen Unterschied sehr wichtig finden. Das heutige Tagebuch möchte ich gerne darauf verwenden, euch genau zu erklären warum.

Ich denke, wer die Blogeinträge der vergangenen zwei Tage gelesen hat, hat bereits eine gewisse Vorstellung. Ich habe erwähnt, dass wir niemanden um Trinkgeld bitten, sondern im Gegenteil darum bitten, unseren Mitarbeitern kein Trinkgeld zu geben. Der Grund hierfür ist Gleichberechtigung, Fairness. Wir möchten, dass sich die Leute gut fühlen. Das gilt genauso für die Leute, die hier arbeiten, wie für diejenigen, die zu einem Retreat, einer Ausbildung oder einer Reise hierher kommen! Ein Teil des Wohlfühlens ist, dass sie einen fairen Preis für das zahlen, was sie bekommen und sie niemand ausnützt. Wir möchten mehr haben als nur Kunden, wir möchten gerne Freundschaften schließen!

Wir haben damit begonnen, Reisen durch Indien zu organisieren, als Freunde uns darum baten. Wir wurden von Leuten, die uns kannten und die unseren Ashram bereits besucht hatten, um Hilfe bei ihrer Planung gebeten. Sie hatten Angst, sie könnten anderswo betrogen werden oder hatten schlechte Erfahrungen gemacht und vertrauten uns, ihnen korrekte Informationen und Hilfe zu bieten.

Daher beschlossen wir, unsere Angebote zu machen und bis heute sind es meine Brüder, Yashendu und Purnendu, die auf diese Reisen gehen. Wenn sie nicht hier sind, bieten wir keine Reisen an, weil wir bis zu diesem Tag noch niemanden gefunden haben, dem wir mit unseren Gästen genug vertrauen können. Dem wir das Vertrauen unserer Gäste anvertrauen können. Wir sehen es als unsere Pflicht, unsere Freunde von der Art von Provisionsgeschäft zu bewahren, das normale Reiseleiter eben die ganze Zeit betreiben!

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft meinen Brüdern bis zu 80% Provision auf Produkte angeboten wurde, die ihre nicht-indischen Begleiter kauften! Das tun wir nicht! Sie werden mit dir in einem Laden stehen und, wenn du das möchtest, mit dem Verkäufer handeln, so dass du den besten Preis bekommst, den du kriegen kannst! Wenn du sie fragst, ob sie denn glauben, ein Ding sie den genannten Preis wert, bekommst du eine ehrliche Antwort! Sie werden alles Mögliche versuchen, das zu finden, was du sehen oder kaufen willst – zu vernünftigen Preisen. Das ist, neben anderem, ein großer Vorteil daran, eine geführte Reise durch Indien mit uns zu buchen!

Gleichzeitig haben wir auch einen Fahrer für unser Taxi, dem wir vertrauen, so dass jeder, der Lust hat, ohne Sorgen mit ihm losfahren kann. Keine Sorgen wegen Unfällen oder dass man das Auto nicht mehr finden könnte, wenn man aus berühmten Sehenswürdigkeiten herauskommt, dass man sich verfahren könnte oder zu vorherbestimmten Geschäften gebracht wird, wo er auch wieder eine Provision bekommt!

Wir hoffen, dass wir eines Tages auch einen Reiseleiter finden, dem wir vertrauen können, aber bis zu diesem Punkt werden wir einfach uns selbst vertrauen. Und ich sage euch, ich werde niemanden mit einer Frau oder einem Mann mitschicken, dem ich nicht völlig vertraue, dass er oder sie meine Freunde in meinem Land nicht betrügt!

Und so, meine Freunde, unterscheiden wir uns von anderen Leuten, die geführte Reisen anbieten!

Was ein unreligiöser Ashram auf religiöse Anfragen antwortet – 11 Feb 15

Ich habe euch gestern erzählt, wie unser Ashram sich auch mit den Veränderungen in mir und meiner Familie verändert hat. Er ist zu einem unreligiösen Ashram geworden, in dem die Menschen besonders dann ihre Zeit genießen, wenn sie nicht nach Gurus, Verehrung oder Religion suchen. Das heißt jedoch nicht, dass wir von Menschen mit solchen Interessen keine Anfragen bekommen. Was antworten wir ihnen?

Für alle, die keine Zeit haben weiterzulesen, kann ich diese Frage in einem Satz beantworten: wir sagen ihnen, sie sollen nicht kommen. Ich würde das aber doch gerne noch etwas weiter ausführen.

Wenn wir eine Anfrage bekommen, sehen und lesen wir zwischen den Zeilen schon sehr viel über diese Person. Es ist ziemlich deutlich, wenn jemand für uns nicht der Richtige ist: die Sprache, die Art zu schreiben und sogar der Name zeigt oft schon die Religiosität, und meistens ganz stark. Gewisse Sekten verwenden bestimmte Namen und Anreden für andere, natürlich auch für uns.

Üblicherweise lehnen wir dann höflich ab. Nicht nur, damit wir unseren eigenen Frieden haben, sondern auch ihnen zuliebe. Wir wissen bereits, dass es ihnen hier nicht gefallen wird! Sie werden sich nicht wohl fühlen und auch nicht die Erfahrung haben, nach der sie hier suchen!

In unserem Ashram haben wir einfach nicht diese Atmosphäre des ständigen Singens und der Zeremonien. Es gibt keine heiligen Männer und keine philosophischen Weisheiten, die miteinander geteilt werden und über die man dann meditieren sollte.

Was diese Menschen im Leben für wichtig halten ist etwas, an das wir nicht glauben. Und etwas, das wir nicht bereitstellen, weswegen sie unzufrieden wären, wenn sie hierherkämen!

Dazu kommt, dass sie einfach nicht anders können, als anderen von ihrer Religiosität zu erzählen und zu versuchen, ihren eigenen Glauben anderen zu verkaufen. Oft wollen die anderen das nicht und wenn sie unsere Gäste sind, schafft das einfach nur Unruhe untereinander.

Warum also würden wir sie einladen, hierher zu kommen. Warum sollten wir eine so unzufrieden, unglückliche Situation schaffen? Nein, wir lehnen ganz nett ab. Die meisten verstehen das – und ich glaube, dass es der ehrlichste Weg ist.

Mögen sie untereinander bleiben und wir unter uns! 🙂

Willkommen in unserem Ashram – für ein völlig unreligiöses Erlebnis! – 10 Feb 15

Ich habe bereits erwähnt, dass es dumm von mir gewesen wäre, immer die Rolle einer religiösen Person nur zu spielen und dann zu beschließen, meinen ‚wahren Charakter‘ zu zeigen, den eines Nicht-Gläubigen und Atheisten. Das war die Vorstellung und der Verdacht einer Person, die meinte, das hätte für mich finanzielle Vorteile gehabt. Wieder würde ich jedoch sagen, dass es für einen Ashram in einer Pilgerstadt finanziell doch eine bessere Idee gewesen wäre, religiös zu sein, oder nicht?

Wirklich, als ich mich von der Religion abwandte, gab ich ein etabliertes Geschäft auf, das viele Leute in unseren Ashram gebracht hätte. Ich hatte viele Anhänger, die regelmäßig gekommen wären und mit diesem Hintergrund und meiner Abstammung, hätte der Ashram ein Ort für Pilger und andere religiös interessierte Menschen sein können. Der Ashram wäre gewachsen und mit regelmäßigen Zeremonien, religiösen Aktivitäten und so weiter auch gut gelaufen.

Ich beschloss jedoch, mit der Veränderung, die in mir stattgefunden hatte, ehrlich zu sein. Wir hatten sowieso schon erklärt, dass wir keine Leute aus Sekten hier willkommen heißen wollten. Ich schrieb öffentlich über meinen Weg weg von Religion und Gott und so erfuhren die Leute, dass unser Ashram anders ist. Wisst ihr was? Es erwies sich am Ende eigentlich als wirklich gut.

Jetzt kommen die Menschen hierher und genießen in ihrer Unterkunft eine religionsfreie Erfahrung. Sie erleben indische Kultur, aber ohne die religiösen Aspekte, die sie Dinge machen lassen würden, die sie nicht möchten.

In unserem Ashram muss man nicht um 4 Uhr morgens zum Gebet oder einer Zeremonie aufstehen. Wir haben keine Zeiten der Stille oder Bettruhe. Frauen müssen kein besonderes Zeichen tragen, das anzeigt, wenn sie ihre Periode haben, so dass sie beim Essen einen separaten Platz bekommen. Es gibt keine Kleiderordnung. Wir haben keinen Guru, bei dessen täglichen Predigten man anwesend sein müsste oder dessen Bildnis verehrt werden müsste. In der Folge versuchen unsere Gäste auch nicht, einander oder andere von einem bestimmten Glauben zu überzeugen.

Bei uns kannst du einfach nur du sein. Die Menschen können in unseren Ashram kommen, raus in die Stadt gehen und all die Tempel besuchen, die Gesänge hören und alles, was so vor sich geht, beobachten – und dann an einen Ort zurückkehren, wo sie sich entspannen und über das nachdenken können, was sie gesehen haben.

Ein Ort frei von allem, was einen an Gehirnwäsche erinnert. Das Einzige, was wir haben, ist eine ansteckend positive Einstellung und Liebe zum Leben.

Und ja, ohne darüber vorher nachgedacht zu haben, ist das etwas, was die Menschen mögen und was sie zu uns kommen lässt. Das mag natürlich der Grund dafür sein, dass neidische Leute seltsame Dinge sagen. Für mich jedoch ist das ein Beispiel dafür, dass man sich vor Veränderungen im Leben nicht fürchten sollte! Lebe ehrlich und bemühe dich – es klappt schon!

Sei ehrlich, sei nett, sei liebevoll, aber täusche es nicht vor! – 9 Sep 14

Gestern habe ich euch von einem Vorfall am Samstag auf unserem Ausflug nach Delhi erzählt, als ich über die indische Höflichkeit lachen mussten – eine Höflichkeit, die die Leute oft als falsch erscheinen lässt, während es einem manchmal ein richtig gutes Gefühl gibt.

Wenn man sich unser Erlebnis in Delhi betrachtet, kann man sehen, dass diese Dame versuchte, höflich zu sein, es aber eigentlich gar nicht so meinte. Sie sagte, wir sollten zahlen, was auch immer wir wollten, doch als wir genau das taten, war sie so unglücklich, dass sie uns noch hinterhertelefonierte, als wir bereits ihre Wohnung verlassen hatten, nur damit sie den Rest des Geldes bekam.

Ramona hatte zu Beginn ihrer Zeit in Indien viele ähnliche Erlebnisse gemacht. Einmal traf sie auf einer Feier eine Frau, mit der sie dann eine nette Unterhaltung begann. Diese meinte, dass sie uns sehr gut kannte. Am Ende lud diese Frau sie zu sich nach Hause ein. Ramona freute sich und sagte zu, da sie in Vrindavan noch nicht viele Kontakte geknüpft hatte. Hinterher erzählte Ramona uns von diesem Gespräch und fragte uns, wo die Frau denn wohnte – aber wir kannten sie nicht einmal! Selbst als sie Ramona einlud, wusste sie genau, dass Ramona nie zu ihr nach Hause finden würde, weil keiner von uns mit ihr befreundet war, auch wenn sie zuvor vorgegeben hatte, so eng wie eine Sandkastenfreundin zu sein!

Andererseits können solche Einladungen durchaus ernst gemeint sein! Man kann so zu Leuten nach Hause kommen und sie machen dir Mittagessen, Abendessen, Chai, Knabbersachen und Süßes! Selbst, wenn ihr Zuhause unordentlich ist und sie keine Gäste erwartet haben, können sie dich von Herzen willkommen heißen!

Inder sind für ihre einladende, hilfreiche Natur bekannt und das ist auch völlig wahr. Es liegt der typischen, indischen Person im Blut, nicht nur höflich zu sein, sondern andere auch einzuladen, offen, tolerant und mitfühlend zu sein. Wie kommt es also, dass es auch diese falsche Höflichkeit gibt, solche Worte, die gesagt werden, um nett zu sein, obwohl sie gar nicht so gemeint sind?

Ich glaube, die Leute wissen, wie es ‘sein sollte’. Sie haben diese Vorstellung, dass sie höflich und einladend sein sollen. Dass sie andere einladen und nicht direkt über Geld sprechen sollten, selbst wenn sie etwas verkaufen. Da sind diese Vorstellungen von Wert und Moral und obwohl die Leute das nicht wirklich fühlen, handeln sie nach diesen unausgesprochenen Regeln, nur, damit sie gut dastehen. Sie geben vor, nett zu sein, obwohl ihre Worte nur eine Hülle sind.

Obwohl ich vollständig der Ansicht bin, dass wir offen, liebevoll und voller Herz auf andere zugehen sollten, ist das nicht der richtige Weg. Wenn du dich nicht danach fühlst, ist nichts falsch daran, eine andere Person einzuladen. Und verwirre andere nicht damit, ihnen zu sagen, es sei dir egal, was sie zahlen, wenn du eigentlich einen bestimmten Preis willst! Das alles schafft hinterher nur Probleme für dich!

Sei ehrlich, sei nett, sei liebevoll, aber täusche es nicht vor!

Schreiber: fühlt euch geehrt, wenn jemand eure Texte kopiert

Bist du ein Schreiber? Vielleicht nicht einmal Autor von veröffentlichten Büchern, vielleicht nicht einmal der Schreiber eines Blogs, einfach nur jemand, der gerne schreibt – und die Ergüsse hin und wieder der Öffentlichkeit zugänglich macht? Ja? Dann hast du das, worüber ich heute schreiben möchte, vielleicht schon selbst erlebt: das schamlose Kopieren unserer unglaublich schlauen, urkomischen und noch nie zuvor gesehen original Inhalte.

Ja, das geschieht. Das ist im Laufe der Geschichte schon immer geschehen und es wird auch in Zukunft immer geschehen – aber die Methoden werden sich immer weiter verändern! Ich habe damit bereits jede Menge Erfahrungen gemacht!

Als ich noch in Indien Vorträge gab, gab es Leute, die meinen Erfolg sahen und Vorträge so geben wollten wie ich. Wie man das am Besten macht? Notizen machen und üben! Früher – das hört sich an, als wäre ich alt, aber in Wirklichkeit hat sich die Technologie wirklich schnell weiterentwickelt! – gab es Kassettenrekorder, mit denen man seine eigenen Vorträge aufgenommen und diese verkauft hat. Oder die Vorträge anderer. Dann setzten sich diejenigen daheim hin und lernten jedes Wort des Vortrags auswendig, inklusive Ton und Emotionen. Am Ende gab es sicherlich ein paar Leute, die sich beim Vortrag genauso anhörten wir ich. Aber ich habe mir immer vorgestellt, wie sie den Vortrag beenden und so schnell wie möglich von der Bühne rennen, damit ihnen niemand Fragen stellen kann! Die Antworten wüssten sie nämlich nie!

Ich wusste damals nicht und ich weiß auch heute nicht, wer genau meine Worte verwendet. Online jedoch findet man immer wieder mal Ausschnitte und Sätze, bei denen man das Gefühl hat, man hätte sie zuvor schon einmal gelesen. Man liest sie und denkt ‚Da stimme ich von Herzen zu!‘ Man liest etwas weiter und denkt ‚Wow, als hätte ich das selbst geschrieben!‘ und einen Augenblick später merkt man: ‚Hey! Das habe ja WIRKLICH ich geschrieben!‘ Nicht nur eine Zeile, nicht zwei, ganze Blogeinträge, 600 Worte und mehr!

Manchmal frage ich mich, ob ich mich darüber freuen sollte, dass sie meinen Text so übernommen haben, wie er war – statt meine sorgfältig strukturierten Sätze zu verhunzen, sie in Stücke zu reisen und sinnlose Worte einzufügen, um danach den Text als ihren eigenen zu verkaufen!

Ich wurde einmal gebeten, die Einführung, das Vorwort eines Buches zu schreiben. Das tat ich. Ich bekam die Kopie des Buches. Ich sah meinen Namen. Doch die Worte waren nicht meine! Vielleicht sollte ich mich jedoch geehrt fühlen, dass ich berühmt genug bin, um wahllose Zitate meinem Namen zugeschrieben zu bekommen… Er hatte mein Vorwort geändert und seine Worte eingefügt. In dem Buch jedoch fand ich viele meiner eigenen Worte und natürlich war er nun der Autor dieses Buches – und offiziell auch der Verfasser dieser Worte.

 

Naja, das ist das schwere Schicksal eines Schreibers. Doch dann denke ich wieder, ich sollte es als wohltätige Tat einstufen: vor Kurzem schrieb ich einen Mann an, auf dessen Facebook-Seite ich wiederholt meine Texte gesehen hatte – ohne meinen Namen oder Link zu meiner Seite. Zuerst bereute er es, dass er erwischt worden war – und versprach, sich zu ändern. Beim zweiten Mal entschuldigte er sich ‚Es ist mir zur Gewohnheit geworden‘. Beim dritten Mal kam schließlich die Wahrheit ans Licht:

‘Es ist so, nachdem ich Ihre Worte gepostet hatte, hielten mich die Leute auf einmal für klug!‘ Ein bisschen wohltätige Arbeit für den guten Ruf eines Mitmenschen?

🙂

Warum wir die kleinen Lügen der Eltern unserer Schulkinder hinnehmen – 18 Aug 14

Alle, die meinen Blog regelmäßig lesen, wissen, dass ich meinen Lesern jeden Freitag ein Kind unserer Schule vorstelle. Dafür besuchen wir dir Kinder bei ihnen Zuhause, machen ein Video von ihrem Haus und ihrer Familie, reden mit ihnen und fragen sie nach ihrer Situation. Leider haben wir oft das Gefühl, dass sie nicht wirklich die Wahrheit erzählen. Unehrlich zu sein, zumindest, was einige gewisse Punkte angeht, ist für viele Leute eine Sache der Gewohnheit.

Kleine Lügen sind wirklich nicht sehr ungewöhnlich. Wahrscheinlich würden wir viele von ihnen nicht einmal bemerken, wäre da nicht immer die Unehrlichkeit in Sachen Finanziellem. Natürlich fragen wir bei einem solchen Gespräch immer nach dem Beruf des Familienversorgers und gleich darauf nach seinem Gehalt. Wie viel verdient er und hat die Familie noch anderes Einkommen?

Jetzt haben wir ja eine ungefähre Vorstellung von der üblichen Lohnhöhe ihrer Berufe. Wir wissen, wie viel ein Rickscha-Fahrer, ein Maurer, ein Ochswagen-Fahrer oder ein Schneider üblicherweise verdient. Wir haben selbst schon oft Leute mit solchen Berufen angestellt. Was die Eltern unserer Kinder uns an Beträgen für ihr Einkommen nennen, ist fast immer niedriger als der normale, durchschnittliche Betrag. Wir wissen das, akzeptieren ihre Antwort und fügen in Gedanken ein bisschen hinzu, in dem Wissen, dass es wirklich keinen großen Unterschied macht.

Wirklich nicht. Wenn eine Person etwa 35 Euro im Monat verdient, uns aber sagt, es waeren nur 30 oder auch nur 25 Euro pro Monat, so machen ihn diese fünf oder zehn Euro mehr auch nicht reich. Besonders, wenn wir wissen, dass er drei oder vier Kinder hat!

Darum akzeptieren wir diese kleinen Lügen – aber manchmal ist es einfach nur zu offensichtlich! Ihre Lügen werden so unrealistisch, dass niemand jemals von dem kleinen Betrag leben könnte, den sie nennen – besonders, wenn man bei ihnen daheim steht und also praktisch sehen kann, für was sie ihr Geld ausgeben.

Doch was sollen wir tun? Wir sehen, dass sie definitiv nicht reich sind. Wir sehen, dass sie arm sind und es sich nicht leisten könnten, ihre Kinder in eine gute Schule zu schicken. Es macht keinerlei Sinn, zu dem Zeitpunkt mit ihnen zu streiten. Also müssen wir solche Lügen akzeptieren – aber wir erzählen euch davon.

Viele arme Leute zeigen sich selbst ärmer als sie sind, wenn sie meinen, sie haben da einen Vorteil. Es ist normal und verständlich. Aber auch interessant – eine Gewohnheit der kleinen Unehrlichkeiten. Ich glaube, es ist die Grundlage dafür, auch bei größeren und wichtigeren Themen unehrlich zu sein!

Sei ehrlich, selbst wenn du weißt, dass der andere sich über deine Antwort nicht freut – 22 März 13

In den vergangenen zwei Tagen habe ich zwei Möglichkeiten analysiert, wie man eine Frage beantwortet, wenn man genau weiß, dass der Fragesteller nicht gerade glücklich über die Antwort sein wird. Heute schreibe ich meine Lieblings-Lösung aller Zeiten:

3. Möglichkeit: Sei ehrlich

Diese ist definitiv die Möglichkeit, die den meisten Leuten bereits beim Drandenken Bauchschmerzen bereiten, aber ich garantiere dir, dass du dich hinterher besser fühlst!

Ich bin im Allgemeinen sehr direkt mit meiner Meinung und glaube, dass man auch deutlich sein sollte. Wenn man anderen sagt, wer man ist, herrscht da niemals Verwirrung und man hat in Zukunft weniger unangenehme Situationen. Wenn man nicht deutlich genug ist, werden dich die Menschen nie richtig kennen und können nie vorhersagen, wie deine Meinung wohl aussehen wird.

Selbst wenn mir also jemand eine Frage stellt, bei der ich weiß, dass eine ehrliche Antwort nicht gut ankommen wird, gebe ich normalerweise trotzdem eine ehrliche Antwort. Dann kann der andere sie akzeptieren, wenn er denn möchte. Wenn er zufällig mit mir übereinstimmt, ist das schön, aber auch wenn nicht, ist das völlig in Ordnung für mich. Wir haben alle das Recht auf unsere eigene Meinung, warum sollten wir sie also verstecken, nur um anderen einen Gefallen zu tun? Wir werden sowieso nie alle übereinstimmen, lasst uns also lieber ehrlich sein!

Die Hauptsache an dieser Lösung ist deine Präsentation. Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, achte ich normalerweise darauf, deutlich zu sein, aber nicht unhöflich. Man muss deine Meinung ausdrücken und keinen Zweifel daran lassen, was man denkt. Sei also sicher, dass der andere wirklich versteht, was du sagst, so dass du in Zukunft nicht nochmal in eine solche Situation gerätst. Während du der anderen Person etwas sagst, das sie vielleicht nicht ganz so leicht akzeptieren können, kannst du es auch schön verpacken, um es demjenigen ein bisschen einfacher zu machen.

Um das auf nette Weise zu tun, musst du vielleicht etwas mehr sagen, als nur einen Satz. Wenn dich zum Beispiel jemand um philosophischen Rat bittet und du mit dem Lebensart des anderen, seiner Religion und seiner Philosophie überhaupt nicht übereinstimmst, weißt du bereits, dass deine ehrliche Antwort dem anderen nicht gefallen wird. Anstatt zu sagen ‚Ich finde das, was du glaubst, ist dumm‘, kannst du anfangen zu erklären, woran du glaubst, die Unterschiede erklären und auch die Gründe für diese Unterschiede.

Du kannst immer gleiche eine Information vornewegschicken: ‘Ich weiß, dass meine Vorstellungen sich von deinen wahrscheinlich sehr unterscheiden!‘ oder etwas in der Art, was dem anderen von Beginn an zeigt, dass er nun keine vollständige Zustimmung erwarten muss! Das lindert den Aufprall deiner Worte und damit natürlich die Auswirkungen.

Wenn du am Ende trotzdem noch das Gefühl hast, dass der andere über deine Antwort unglücklich ist oder sogar beleidigt, dann belass es einfach dabei. Der Fragesteller muss auch lernen, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Meinungen haben und dass alles gut ist, wie es ist. Vielleicht dauert es eine Weile, aber am Ende werden die Leute das verstehen.

Ehrlich zu sein ist meiner Meinung nach von allen drei Möglichkeiten die Beste.

Unangenehme Antworten können verhindert werden, indem man überhaupt nicht antwortet – 21 März 13

Gestern habe ich begonnen, Antwortsmöglichkeiten für Situationen zu erklären, in denen man genau weiß, dass der Fragesteller mit einer ehrlichen Antwort nicht glücklich wäre.

2. Möglichkeit: Antworte überhaupt nicht

Während ich das Lügen als Antwort vollständig ausschließe, könnte ich in manchen bestimmten Situationen diese Option empfehlen, besonders, wenn es eine Situation ist, in der man mit jemandem diplomatisch umgehen möchte, der in seinem Leben keine wichtige Rolle spielt. Jemand, den man einmal getroffen hat und dem man seine ganze Philosophie nicht breit erklären möchte, weil man sowieso weiß, dass jegliche Erklärungen und Worte auf ihn verloren wären – er würde nicht zustimmen, nicht einmal darüber nachdenken, was man sagt, sondern sich stattdessen einfach nur beleidigt und schlecht fühlen. Das ist die einzige Situation, in der man diese Möglichkeit ausprobieren könnte, aber nimm dich in Acht: es ist nicht so leicht, wie es sich anhört!

Natürlich kannst du nicht einfach nur stumm bleiben, dich umdrehen und gehen – das wäre wahrscheinlich schlimmer, als zu lügen und definitiv zu unhöflich. Der unbequemen Situation würdest du damit nicht aus dem Weg gehen. Im Gegenteil, sie würde noch viel schlimmer werden! Nein, du musst da etwas eleganter handeln!

Ich gebe euch einmal ein Beispiel für einen Fall, in dem ich diese Methode wirklich angewandt habe, nicht, weil ich um meine eigenen Gefühle besorgt war, sondern eher um den inneren Frieden des Fragestellers. Vor einigen Monaten hatten wir hier im Ashram Besuch von einer Frau, die mich von meiner Zeit als Guru noch kannte. Es war eine alte Frau, die oft zu meinem Programm gekommen war. Sie hatte ihren Sohn, dessen Frau die Kinder der beiden mitgebracht und stellte mich ihnen als ihr Guru vor. Nach etwas normalem Smalltalk fragte sie mich, wann ich denn wieder für einen Vortrag in ihrer Stadt sei.

Ich stand dort, drei Paar Augen richteten sich auf mich in freudiger Erwartung einer Antwort, die ihnen bestätigen würde, dass ich bald zu einem religiösen Programm kommen würde. Ich dachte über meine Möglichkeiten nach und während ich in die Augen der alten Frau sah, die schon bald 80 Jahre alt wird, entschied ich mich für diese Antwortmöglichkeit. Wenn ich ihnen jetzt erzählt hätte, dass ich nicht religiös bin und nicht einmal mehr an Gott glaube, hätte es die alte Dame unnötig verwirrt und sie ohne Grund gestört. „Oh, ich bin jetzt Vater!“ antwortete ich also stattdessen und lachte, während ich mich hinunterbeugte, um Apra aufzuheben. Als ich mit dem Baby auf dem Arm wieder hochkam, fuhr ich fort „Dieses kleine Engelchen braucht zur Zeit all meine Aufmerksamkeit!“ und kitzelte sie unter den Armen. „Sie hat letzte Woche ihre ersten Schritte ganz allein gemacht!“ fügte ich hinzu und nun war alle Aufmerksamkeit auf Apra und ihrer Entwicklung, die Frage unbeantwortet und vergessen. Keiner dachte mehr daran und niemand war enttäuscht.

Du kannst also bei dem Thema beginnen, zu dem die Frage gestellt wurde und einfach daran vorbeireden, ohne jemals zu antworten, um daraufhin sanft zu einem ähnlichen Thema überzuwechseln, um den Fragesteller von seiner oder ihrer Frage abzulenken. Vielleicht kannst du einen Witz machen oder zu einem umstrittenen Thema überwechseln. Vielleicht fragst du den anderen ja sogar eine Rückfrage, von der du meinst, dass der andere sie gerne beantworten würde – und natürlich darüber seine Originalfrage vergessen würde.

Diese Technik ist ein bisschen schwierig und ich muss dich warnen, dass das nicht immer funktioniert. Wenn der andere dich ernsthaft etwas fragt und ihm die Frage wichtig ist, lässt er dich damit nicht davonkommen! Er fragt dann nochmal nach und es würde wirklich seltsam aussehen, wenn du ihm nochmal ausweichst.

Die Hauptsache ist, dass du die Frage wirklich nicht beantwortest. Du musst also vorher entscheide, on der andere nur neugierig ist und etwas Smalltalk betreibt oder ob er wirklich Interesse hat. Wenn das der Fall ist, kannst du diese Möglichkeit vergessen – dann wird sie das Problem nicht lösen!

Lüge nicht, nur um anderen einen Gefallen zu tun – 20 März 13

In meinem Leben ist es schon oft geschehen, dass ich etwas gefragt wurde und bereits vorher wusste, dass der Fragesteller über meine Antwort nicht sehr glücklich sein würde, wenn ich wirklich ehrlich ware. Ich weiß, dass es jedem irgendwann so geht und es ist eine Situation, die vielen Leuten äußerst unangenehm ist. Lasst uns heute und in den nächsten Tagen unsere Antwort-Möglichkeiten erkunden:

Erste Lösung: Lügen

Das ist die Möglichkeit, die wahrscheinlich jedem ganz schnell einfällt: sag einfach, was der andere hören will. Es wäre eine Lüge und das weißt du genau, doch in so einem Augenblick erscheint einem diese Möglichkeit immer attraktiv.

Besonders, wenn du einer der Menschen bist, der immer versucht, alle glücklich zu machen, hast du dich wahrscheinlich selbst bereits einmal in dieser Situation befunden. Nehmen wir einmal ein Beispiel her: du und deine Freundin planen, zusammen ins Kino zu gehen und deine Freundin sagt ganz enthusiastisch: ‚Meine Schwester wollte den Film auch anschauen, würde es dir was ausmachen, wenn sie mitkommt?‘ Eigentlich magst du die Schwester deiner Freundin nicht sehr und würdest viel lieber einen Abend allein mit deiner Freundin haben. Du willst sie jedoch auch nicht enttäuschen und vor allem willst du nicht zugeben, dass du ihre Schwester nicht magst! Also ist deine Antwort ‚Ja, natürlich, ich geh gerne mit deiner Schwester ins Kino!‘

Du willst, dass sie alle gut fühlen und du willst einfach nur Harmonie, was schadet es also, wenn du nur dieses eine Mal nicht ganz ehrlich bist? Es ist okay, du verbringst ja sowieso viel Zeit mit deiner Freundin, also kannst du sie auch mit ihrer Schwester teilen! Und solltest du nicht lernen, auch mit ihren Verwandten klar zu kommen?

Das denkst du vielleicht jetzt, aber später bemerkst du dann deinen Fehler, wenn du überhaupt keinen Spaß an deinem Abend hast! Vielleicht machst du den Fragesteller für jetzt glücklich machen, für eine kurze Zeit, aber auf lange Sicht wird er herausfinden, dass du nicht ehrlich warst. Lügen haben kurze Beine und neben der Tatsache, dass sie moralisch falsch sind, kommen die Folgen später auf dich zurück und das kann dann recht unschön werden.

Zusätzlich dazu, dass du jemand anderem Probleme bereitest, machst du dich selbst mit der Lüge unglücklich. Selbst wenn dir dein Gewissen die Lüge erlaubt, so wirst du nicht in der Lage dazu sein, dich danach auch zu verhalten. Es ist nicht deine Wahrheit. Wenn du sagst ‚Ja, ich liebe blau auch!‘, dann aber immer rot wählst, merkt das der andere! Oder du achtest darauf, immer blau zu wählen – obwohl du eigentlich viel lieber rot hättest. Das Ergebnis: du bist unglücklich, der andere ist unglücklich, diese Lösung ist gescheitert.

In unserem Beispiel würde das bedeuten, dass du im Kino sitzt und die zwei Geschwister einen Mordsspaß haben, während du dich nicht wirklich am Gespräch beteiligst. Die Schwester deiner Freundin fragt dich was und du, genervt von der Situation oder sogar von ihr selbst, antwortest unhöflich oder mit nicht ganz so viel Herz wie deine Freundin es gewohnt ist – also fragt sie, was denn das Problem sei. Sie könnte auch wütend auf dich werden, schließlich hatte sie dich gefragt, ob es okay sei, wenn sie ihre Schwester mitbrachte, was sei also das Problem? Dein Abend ist gelaufen.

Lügen löst überhaupt nichts, es macht immer mehr Probleme, die du zuvor gar nicht hattest. Ich glaube also, es ist am Besten für dich und diejenigen um dich herum, wenn du diese Möglichkeit nicht wählst!

Kannst du mit Schuldgefühlen ehrlich sein? – 23 Nov 12

In der vergangenen Woche habe ich viel über inneren Frieden, das Finden seiner selbst und all solche Dinge geschrieben, die mit Überlegungen zur eigenen Einstellung, den Gefühlen und den Gedanken zu tun haben. Als wir in dieser Woche eine Email bekamen, die uns dazu einlud, an einer Umfrage teilzunehmen – ich glaube, es ging um Konsumverhalten und Umweltfreundlichkeit – beschloss Ramona, daran teilzunehmen. Als sie mir von einigen der Fragen erzählte, stellte ich mir vor, was die Leute wohl antworten würde – und da es den Blogeinträgen dieser Woche ähnlich ist, beschloss ich, meine Gedanken mit euch zu teilen.

Ich glaube, dass deine Antworten für jede Art von Umfrage anders sind, wenn du sie anonym gibst oder wenn du deinen Namen für deine Antworten angegeben hast. Das ist einer der Gründe dafür, warum diejenigen, die die Umfrage erstellen, sich oft für die anonyme Version entscheiden – die Ergebnisse sind einfach viel ehrlicher! Der Grund ist klar: jeder weiß, wie die Antwort eigentlich lauten sollte.

Wenn die Frage lautet: ‘Machst du das Licht aus, wenn du das Zimmer verlässt?’, so weiß jeder, dass man das tun sollte. Wenn die Leute nun ihren Namen in der Umfrage angegeben haben, beschließen sie wahrscheinlich, ‚Immer‘ anzukreuzen. In einer anonymen Umfrage jedoch beschließen sie vielleicht, ehrlicher zu sein und kreuzen ‚Meistens‘ an oder manche sogar ‚Manchmal‘.

Gibst du darauf Acht, kein Essen wegzuwerfen? Befolgst du Mülltrennung? Sparst du Wasser, wann auch immer möglich? Versuchst du, alternative Energien zu verwenden und zu fördern? Kaufst du Lebensmittel aus der Gegend und vermeidest importierte Waren oder Gemüse, das gerade nicht in Saison ist?

Du willst für alle Fragen ‘JA!’ schreien und ich weiß, dass viele von euch auf die meisten dieser Fragen sogar ehrlich mit ‚Ja, immer‘ antworten können. Es gibt jedoch viele Menschen, die das nur dann tun würden, wenn ihr Name da steht. Wenn sie wirklich ehrlich wären, müssten sie aber eigentlich anders antworten.

Warum und woher kommt das? Schämst du dich dafür, dass du nicht so umweltfreundlich bist, wie du sein solltest? Da geht es nicht nur um die Umwelt, es kann eine Umfrage zu jedem beliebigen Thema sein! Du weißt, was richtig ist – warum also handelst du nicht auch danach? Du weißt das ja alles, aber wenn du die Fragen liest, hast du ein nagendes Schuldgefühl, weil du nicht ehrlich die richtige Antwort auswählen kannst.

Immer, wenn du dich in einer solchen Situation wiederfindest, solltest du etwas ändern. Das ist der richtige Punkt, um über dein Verhalten nachzudenken und zu erkennen, dass du nicht das tust, was deines Wissens nach richtig ist. Es steht auch nicht zur Frage, ob du es richtig machen willst, natürlich willst du, aber vielleicht warst du bis heute einfach nur zu faul es auch zu tun. Das Leben war immer zu bequem für eine Veränderung, du hast nicht die Energie aufgebracht, etwas zu ändern oder es hat dir zu viel Stress verursacht.

Lass dich von nichts daran hindern, genau jetzt mit der Veränderung zu beginnen! Lass dieses Thema nicht wieder langsam verblassen, sondern tu wirklich etwas, so dass du das nächste Mal, wenn diese Frage aufkommt, nicht wieder das Gleiche Schuldgefühl bekommst, dich schämst oder dich in der Anonymität der Menge verstecken musst.

Tu, was du meinst, das richtig ist. Das wird dich glücklich machen.