Die hässliche indische Angewohnheit, überall hinzuspucken – 21 Sep 16

Im heutigen Blog geht es um ein Thema, das für uns eine nicht-enden-wollende Geschichte ist. Wir hoffen natürlich, dass sie eines Tages ein Ende finden wird, aber da es nun schon Jahre und Jahrzehnte so geht, bin ich nicht sicher, wie hoch unsere Chancen stehen! Es ist das Problem, dass Leute Gutka kauen, eine Mischung aus Betelnuss, Tabak und Aromastoffen. Und die Tatsache, dass sie diese rote Mischung überall hinspucken.

Zunächst war das ein Problem, das wir mit unseren Ashram-Mitarbeitern hatten. Sie kauen und spucken – und hinterlassen überall hässliche rote Flecken. Diese sehen schrecklich aus und sind schwierig sauber zu bekommen. Natürlich haben wir allen gesagt, sie sollen nicht spucken und dieses Zeug am Besten überhaupt nicht kauen. Wir haben sie sogar über die schlechten Auswirkungen auf ihre Gesundheit informiert. Diese Angewohnheit ist einer der Hauptgründe für Mundkrebs! Mit der Zeit wurde es besser, obwohl wir immer noch hin und wieder hier und da einen Fleck fanden.

Mit der Eröffnung von Ammaji’s Ayurvedischem Restaurant nahm dieses Problem – man mag es nicht glauben – ganz neue Dimensionen an! Zunächst einmal bei den Mitarbeitern. Neue Leute, sogar recht viele und viele von ihnen mit schlechten Angewohnheiten! Vom ersten Tag an erklärten wir, dass wir NIRGENDWO Flecken sollten, merkten jedoch bald, dass es etwas mehr Anstrengung benötigen würde, das durchzusetzen. Also wurde ein Strafgeld erhoben für jeden, der dabei erwischt wurde, auf unserem Gelände solche Dinge zu kauen. Es funktionierte – und ein Angestellter ging sogar deswegen! Verrückt, oder?

Naja, nun hatten wir unsere Mitarbeiter unter Kontrolle, aber da ist ein Problem, wegen dem ich mir nicht sicher bin, ob wir es wirklich schaffen werden, dieses ganz von unserem Gelände zu verbannen: wir sehen oft, dass Gäste in unser Restaurant kommen und direkt zum Handwasch-Zimmer oder zur Toilette gehen. Jedoch nicht aus offensichtlichen Gründen! Wenn sie wieder rauskommen, muss man sich mal das Waschbecken oder den Abfalleimer ansehen: das weiße Waschbecken ist rot gesprenkelt oder der Abfalleimer voll mit ihrer roten Spucke!

Ja, es sind gebildete Menschen, die in unserem Restaurant zum Essen kommen. Es ist jedoch eine starke schlechte Angewohnheit, die sie nicht lassen können! Und leider betrifft das nicht nur sie und ihre eigene Gesundheit, sondern auch die Leute, die hinter ihnen saubermachen!

Vor drei Tagen hatte ich ein unglaubliches Beispiel dafür, wie stark diese Angewohnheit ist – und vielleicht wie wenig Inder sich darum kümmern, dass ihre Umwelt sauber bleibt: zwei Gäste kamen ins Restaurant und während einer von ihnen mit dem Kassierer redete, blickte ich auf den, der hinter ihm stand. Dieser fühlte sich unbeobachtet und spuckte sein Gutka aus – mitten in unserem Restaurant, auf den Boden am Kassiertisch! Ja, auf unseren schönen Boden, die Spritzer bis zu unserer Bambus-Verkleidung! Ich stand sofort auf und fragte ihn, so höflich wie mir möglich war, das bitte sauber zu machen! Ich bat einen Kellner, ihm Papiertücher zu geben und brachte ihn dazu, seine Sauerei wieder aufzuwischen.

Das Spucken ist eine Angewohnheit, die ich in diesem Ausmaß in keinem anderen Land und keiner anderen Kultur gesehen habe! Selbst Leute, die kein Gutka kauen, haben oft die Angewohnheit des Spuckens. Oft eben auch nicht nur draußen, sondern auch drinnen! Vielleicht sehen Kinder, wie Eltern Betelnuss und Tabak ausspucken und so lernen sie auch zu spucken, selbst wenn es nur Spucke ist und nichts anderes? Sowieso, wenn jemand in unserem Restaurant spuckt und ich das sehe, sage ich ihnen auf jeden Fall, sie sollen es aufwischen!

Auf diese Weise glaube ich daran, andere zu bilden – selbst wenn es nicht das ist, was ein Geschäftsmann normalerweise machen würde!

Wenn die Geburt eines Kindes kein Grund zur Freude ist: die siebte Tochter – 18 Aug 16

Gestern haben wir die Nachricht bekommen, dass einige unserer Schulmädchen nun eine kleine Schwester haben. Natürlich gibt es bei 250 Kindern ständig neue Geschwister. Wenn man normalerweise über eine Geburt spricht, freut man sich und feiert. In diesem Fall jedoch können wir uns nicht wirklich mit dieser Familie freuen – denn die Eltern selbst freuen sich nicht. Der Grund ist der Gleiche, doch etwas anders: es ist ihre siebte Tochter!

Oh, wir kennen diese Familie nun schon seit so vielen Jahren und sehen ihre Entwicklung mit Sorge: der Vater ist Maurer und hat bereits an unserem Ashram, der Schule und dem Restaurant-Gebäude gearbeitet. Seine älteste Tochter war eine der ersten Kinder unserer Schule – und die nächsten drei Töchter kamen in den darauffolgenden Jahren. 2013 stellte ich euch diese Familie in meinem Blog vor. Damals hatten sie bereits fünf Töchter und wir wussten genau warum: sie versuchten immer wieder, einen Sohn zu bekommen!

Der Vater ist ein harter Arbeiter und hat es geschafft, etwas Geld für den Bau seines Hauses zu sparen – doch natürlich ist es eine ziemlich große Aufgabe, sechs Kinder zu füttern – und nun will noch ein weiterer Bauch gefüllt werden! Wir werden da sein, um die Grundschulbildung der Mädchen zu übernehmen – doch es gibt andere Ausgaben, die auch gedeckt werden wollen!

Wir haben den Vater mit unseren Gedanken konfrontiert und erlebten eine Überraschung: er begann zu weinen und erzählte uns, dass er selbst und auch seine Eltern seiner Frau schon nach der zweiten Tochter gesagt hatten, dass zwei Kinder genug seien. Er beklagte sich, dass jeder meinte, er sei derjenige, der unbedingt einen Sohn haben wollte – wo es doch in Wirklichkeit seine Frau war!

Sie war sogar soweit gegangen, ihm zu drohen: wenn er sie nicht wieder schwängern würde, würde sie sich bei jemand anderem Hilfe holen! Für sie der Grund dafür, sich nicht wie verrückt über das Neugeborene zu freuen, ist klar: es ist ‚nur‘ ein weiteres Mädchen! Noch ein Mädchen, das gefüttert werden muss, das sie verheiraten müssen und das schließlich das Haus verlassen wird. Kein Sohn, der den Familiennamen weiterträgt, der daheim bleiben wird und für die Eltern Geld verdient, wenn sie alt sind oder dessen Frau sich um sie kümmern würde!

Es ist hier in Indien leider immer noch so und diese Mentalität ist etwas, das zu entfernen oder verändern es immer noch lange dauern wird! Mädchen und Jungen sind hier nicht gleichberechtigt. Eltern mögen ihre Töchter lieben, doch Töchter und Söhne sind in ihren Augen nie gleichwertig. Das sagen sie auch ganz deutlich vor ihren Mädchen: wir wollten einen Sohn!

Ich fühle mit diesen Mädchen, ich fühle mit diesen Familien, die ihre Armut nur mit diesem Wunsch nach einem männlichen Kind steigern. Eure Tochter ist wertvoll – denke nicht, sie sei weniger wert und gib ihr nicht das Gefühl, sie sollte etwas anderes sein, als sie ist!

Warum man in Indien Vierjährige dazu bringt, sich für Nacktheit zu schämen – 5 Jul 16

In den vergangenen Wochen habe ich wieder einmal etwas erlebt, was das letzte Mal ein Thema war, als Apra noch klein war, gerade mal ein paar Wochen alt: die Vorstellung, dass Nacktheit sogar bei Kindern etwas sei, für das man sich schämen müsste. Für mich ist es die absurdeste Idee, einem nackten Kind ‚schäm dich, schäm dich‘ zuzurufen!

Lasst mich das ein bisschen ausführen. Zum ersten Mal stießen wir auf dieses Thema, als Apra noch ganz klein war. Statt sie den ganzen Tag in Windeln zu stecken, krabbelte sie oft nur in ihrem Kleid herum. Die Unterhosen, die mit diesen Kleidchen kam, war für gewöhnlich zu eng für ihre Beine und störte sie – also ließen wir sie weg. Einige Male sahen sie Vorbeilaufende mit großen Augen an und sagten ‚Oh, schäm dich, schäm dich!’ Natürlich reagierte ein Kind im Alter einiger Wochen oder Monate da überhaupt nicht drauf, aber wir schon: wir erklärten immer so ruhig und nett wie möglich, dass an einem nackten Baby nichts war, wofür es sich schämen müsste. Der nackte Körper ist einfach nur natürlich.

Die Leute lernten das und in der Umgebung unseres Ashrams hörte man solche Worte bald gar nicht mehr. Je älter Apra wurde, desto öfter trug sie natürlich alle Kleidungsstücke, aber sie ist immer noch daheim – manchmal geht man daheim nun einmal ohne Kleidung von einem Zimmer ins andere!

Mit der Eröffnung unseres Restaurants haben wir nun viele neue Leute bei uns. Unsere neuen Angestellten kennen uns noch nicht so gut und so geschah es neulich wieder: wir hatten in der Früh geduscht und da die meisten von Apras Klamotten im Schrank bei meinem Vater sind, kam sie mit nichts als ihren Schlappen aus unserem Zimmer. Wir waren gerade auf dem Weg zum Zimmer meines Vaters, als ein Mitarbeiter die bekannten Worte sagte: ‚Ooooh, Apra, schäm dich, schäm dich!‘

Wir hielten an uns drehten uns um, wobei wir gleich zu unserer Erklärung ansetzen: Nacktheit ist nichts schamvolles! Wenn du findest, dass sich ein vierjähriges Mädchen dafür schämen sollte, dass sie nackt in ihrem eigenen Haus von einem Zimmer ins andere läuft, ist bei dir etwas falsch, nicht bei ihr! Wir Erwachsenen laufen aufgrund unserer kulturellen Konditionierung, unserem Moralsinn, Schamgefühl und so weiter nicht nackt rum, aber in Wahrheit gibt es nichts Natürlicheres als einen nackten Körper! Was du in meiner Tochter hervorbringen willst, ist etwas, was ich nicht will, dass sie lernt! Du sprichst von Schamgefühl zu einem Kind, das dieses Konzept noch gar nicht begreifen kann!

Wenn überhaupt, würde sie gerne nackt herumlaufen, weil es sich gut anfühlt oder eben, weil du ihr sagst, dass sie das nicht tun sollte. Es ist etwas, was man normalerweise nicht macht – also würde sie es extra und absichtlich machen, weil du ihr das beibringst. Ohne diese Art von Worten würde sie einfach üblicherweise Kleidung tragen, weil das jeder macht – ohne sich schrecklich zu fühlen, wenn sie mal nackt ist!

Langsam bekommen auch unsere neuen Mitarbeiter mit, dass wir etwas anders denken. Dass wir uns nicht so sehr an indischen Moralvorstellungen orientieren. Sie werden lernen, solche Dinge nicht zu sagen, selbst wenn sie unsere Gründe nicht verstehen oder ihnen nicht zustimmen.

Doch es bringt einen dazu, darüber nachzudenken, was wir unseren Kinder über unsere Körper beibringen – Scham- und Schuldgefühle. Ändere etwas. Bringe ihnen bei, sich selbst zu akzeptieren und natürlicher zu leben. Das wird ihnen im Leben sehr helfen!

Meine Erfahrung mit indischen Essens-Liebhabern und ihren Ratschlägen – 1 Jul 16

Ich habe in meinem Blog sicherlich bereits einmal erwähnt, dass Inder Experten in Sachen Essen sind. Wir haben eine Essens-Kultur hier in Indien und sind darauf auch stolz. Mütter sind glaube ich in beinahe jeder Nation die besten Köche und in Indien nimmt dieser Stolz noch ganz andere Dimensionen an! Das macht natürlich jeden Sohn und jede Tochter zum Kenner – oder zumindest hält sich ein jeder für einen Experten. Das wusste ich schon lange – doch nun, im Restaurant-Geschäft, erlebe ich das von einer ganz anderen Perspektive!

Inder geben liebend gerne Ratschläge zum Essen! Meine lieben indischen Leser, bitte entschuldigt die Verallgemeinisierung, doch wer seine eigenen Gewohnheiten oder die unserer Landsleute in Restaurants mal genauer betrachtet, der merkt, dass das wahr ist! Ich habe lange bei Leuten gewohnt, die Restaurants in England, Deutschland und anderen europäischen Ländern hatten – und wirklich, Europäer verhalten sich in Restaurants anders! Sie geben den Kellnern viel weniger Vorschläge, wie das Essen sein sollte!

Versteht mich nicht falsch – ich sage nicht, dass Inder sich immer beschweren oder viel Essen nicht mögen. Nein, selbst wenn sie die Mahlzeit, die sie bekommen haben mögen, machen sie Vorschläge, wie sie noch besser sein könnte! Mehr noch als in den Restaurants, wo ich auch essen war, sehe ich das in unserem eigenen Restaurant: die Leute lieben unser Essen. Das sage ich nun nicht, um anzugeben. Jeder, der sich unser Feedback online ansieht kann das sehen! Trotzdem ist es sehr oft der Fall, dass unsere Gäste uns Ratschläge geben, wie ein Gericht noch besser schmecken könnte – oder wie es ihrer Meinung nach richtig zubereitet werden soll.

So gerne ich auch Feedback und neue Ideen bekomme, so muss ich mich manchmal doch wundern: das geschieht auch bei Geschmacksfragen! So erzählt uns einer, dass das Roti, das Fladenbrot, zu knusprig war, während es einem anderen zu weich war. Uns wurde gesagt, wir sollten unseren Shahi Paneer, ein Gericht, das für gewöhnlich in einer leicht süßlichen Soße kommt, noch süßer machen – und am nächsten Tisch wurde uns genau das Gegenteil gesagt, nämlich, dass es überhaupt nicht süß sein sollte!

Das alles zeigt einfach, dass Inder Essen lieben und ihre eigenen Vorstellungen dafür haben, wie es zu sein hat. Sie sind echte Foodies, die für gewöhnlich immer bereit dafür sind, etwas Neues auszuprobieren und nicht mit ihrer Meinung und ihrem Feedback zurückhalten!

Die Folgen häuslicher Gewalt und arrangierter Ehen – 10 Jun 16

Gestern habe ich euch erzählt, dass einer meiner Facebook-Freunde gekommen ist. In einem unserer längeren Gespräche, kamen wir natürlich auch auf die Themen von Kultur, Beziehungen und Liebe zu sprechen. Wir teilten einige Gedanken zu den Problemen, die da entstehen könnten und sprachen natürlich auch über mögliche Lösungen. Mit all diesen Gedankengängen, wollte ich einen kleinen Teil hiervon auch mit euch teilen.

Wenn wir über indische Kultur und Beziehungen sprechen, wird da immer ein Thema aufkommen: arrangierte Ehen. Jede Menge Menschen hier, in der Tat die Mehrheit der Inder, glaubt immer noch sehr stark an dieses Konzept. Darunter sind auch junge Leute, die von Beginn ihres Lebens die Vorstellung haben, dass ihre Eltern ganz sicher den richtigen Partner für sie finden. Was jedoch muss man dafür tun, dass diese Vorstellung zur Wirklichkeit wird? Außer dem Glück, jemanden passenden zu finden, braucht es Vertrauen. Was jedoch kann man tun, wenn ein Kind dieses Vertrauen nicht hat?

Ich glaube, das geschieht in dieser Gesellschaft recht oft und sogar noch häufiger mit dem Fortschreiten moderner Medien, der Globalisierung und Möglichkeiten zu reisen, mehr zu sehen und freier zu sein. Junge Menschen bekommen viel mehr zu sehen, als was sie in der Vergangenheit erfahren konnten. Sie vertrauen vielleicht auch nicht mehr, dass ihre Eltern die richtige Entscheidung treffen. Und oft muss man auch gar nicht lange suchen um zu verstehen warum: bei ihnen daheim sehen sie oft ein Beispiel dafür, wie Ehe NICHT aussehen sollte.

Streit, Unterdrückung und sogar Gewalt – in vielen indischen Familien nichts Ungewöhnliches!

Es ist meiner Meinung nach auch kein Wunder, dass das bei einem kleinen Kind Narben hinterlässt. Diese Narben können so tief gehen, dass die Vorstellung von Ehe furchterregend wirkt. Dass in dem jungen Menschen der Wunsch nach Liebe, Nähe und Intimität besteht – doch die Angst vor Gewalt zu groß ist! Da ist kein Vertrauen – in das andere Geschlecht, dass die Eltern die richtige Wahl treffen und sogar, dass sie selbst die richtige Wahl treffen.

Eine junge Frau kann sehr wohl Angst davor bekommen, dass ihr zukünftiger Ehemann sie genauso schlägt, wie ihr Vater ihre Mutter geschlagen hat. Junge Männer können Angst davor haben, dass ihre zukünftigen Ehefrauen sich ständig beschweren, ihre Enttäuschung zeigen und versuchen, Streit anzuzetteln, genau wie ihre Mutter das mit ihrem Vater tat.

Gleichzeitig haben sie ein Verlangen nach diesem Ideal der Liebe, das sie in Filmen sehen oder von dem sie in Geschichten hören. Sie haben dieses Bedürfnis nach Akzeptanz und Liebe, aber sie trauen sich nicht.

Für mich macht das eines ganz deutlich: wir müssen mehr dafür tun, häusliche Gewalt zu stoppen. Wir müssen den Menschen ihre Möglichkeiten bewusst machen, die Möglichkeit zu gehen zum Beispiel oder sogar Anzeige zu erstatten. Wir müssen das Anzeigen einfach machen. Und schließlich halte ich arrangierte Ehen immer noch für den falschen Weg, da mehr Menschen von ihrem Partner, der für sie ausgesucht wurde, enttäuscht sind. Das führt zu Konflikten und einer ungesunden Umgebung für Kinder.

Mehr als alles andere jedoch möchte ich die Eltern bitten: seid euren Kindern ein Beispiel, denn sie lernen mehr von euren Taten als von euren Worten!

Inder schlagen ihre Kinder in der Öffentlichkeit – und haben keinerlei Schuldgefühle! – 8 Jun 16

In unserem Restaurant werden wir immer wieder Zeugen von etwas, gegen das wir nun schon viele Jahre lang arbeiten: häusliche Gewalt gegen Kinder. Leider ist das hier in Indien so üblich, dass kein Tag vergeht, an dem wir nicht sehen, wie ein Kind geschlagen wird oder ihm zumindest mit Schlägen gedroht wird. Mitten im Restaurant, wo es jeder sehen und hören kann. Ohne Scham oder Schuldgefühle. Es ist ganz normal.

Ich wusste das. Ich habe es schon immer gewusst, weil ich hier aufgewachsen bin. Für Ramona war es schockierend, wenn es auch im Laufe der Zeit erst so klar wurde. In den vergangenen Jahren, war das eher ein Thema, das wir in Schulen sahen. Klar: wir hatten Patenschaften für Kinder in anderen Schulen übernommen und körperliche Züchtigung, Gewalt, war eines der Probleme, die wir dort sahen. Wir eröffneten unsere eigene Schule und brachten unseren Lehrern bei, wie sie ohne Gewalt unterrichten. Es ist ein endloses Thema, weil man diese Gespräche, Workshops und Stunden mit neuen Lehrern immer wieder wiederholen muss! Es war ein direkter Austausch mit Lehrern, nicht so sehr mit Eltern – obwohl wir natürlich auch das sahen!

Mit Apras Geburt und in den Jahren, die folgten, wurden wir sehr stark daran erinnert, dass das auch in den Häusern und Familien ein Problem ist. Die Kinder von Angestellten im Ashram wurden geschlagen – und wir stellten uns dagegen. Wir schafften Regeln für Angestellte. Sie durften in unserem Ashram keine Gewalt und keine gewalttätige Sprache verwenden. Das war unsere kleine Welt hier, in der wir lebten.

Nun, mit der Eröffnung des Restaurants, ist die Außenwelt zu uns gekommen und dieser Aspekt davon ist etwas, was uns nicht gefällt. Etwas, was uns sogar sehr missfällt – was wir jedoch nicht ändern können, außer in unserer eigenen Umgebung.

Das sind kleine Kinder, die einfach nur hungrig sind, darauf warten, dass ihre Eltern endlich bestellen und dass dann das Essen kommt. Sie werden ungeduldig, können nicht stillsitzen und spielen mit dem Besteck, den Servietten und dem Geschirr. Manchmal gibt es nur die Drohung: ‚Hör jetzt auf oder es setzt was!‘, ‚Mach weiter und es hagelt Ohrfeigen!‘ und so weiter. Viel öfter sehen wir gleich die Handlung: eine Ohrfeige, ein Schlag auf die Hände, auf den Hintern. Und dann geht das Gespräch einfach weiter.

Es ist auch für alle um sie herum einfach nur normal. Nur wir sitzen da mit dem Gefühl, dass wir widersprechen wollen, dass wir einspringen und das Kind beschützen wollen. Mit dem Bedürfnis ihnen zu sagen, so etwas in unserem Restaurant nicht zu tun. Am Ende jedoch sind wir diejenigen, die hier seltsam erscheinen. Diejenigen, die es anders machen.

Schließlich sind unsere Gäste gebildete Menschen. Während die Eltern unserer Schulkinder daher kommen, was die Gesellschaft ‚untere Schicht‘ nennen würde, sprechen wir hier von der höheren Mittel- und der oberen Klasse.

Das, meine lieben Leser, ist Kultur. Es ist einer der dunkleren Aspekte unserer Kultur. Ich hoffe, das wird eines Tages verschwinden. Wir werden sowieso weiter dagegen kämpfen und hoffen nur, dass andere dem folgen, so dass wir den Tag noch erleben, an dem in unserem Restaurant kein Kind geschlagen wird!

Wie eine Inderin davonlief, als ihr eine Arbeit als Kellnerin angeboten wurde – 4 Mai 16

Natürlich haben wir nun mit dem Restaurant alle Arten von Erfahrungen, nicht nur mit unseren Mitarbeitern oder mit Gästen, sondern auch mit Leuten, die nach Arbeit suchen. Neulich war da eine Frau, die wieder einmal das bestätigte, worüber ich zuvor bereits geschrieben habe: viele Menschen denken für bestimmte Arbeiten, sie seien zu gut für sie. In unserem Restaurant haben wir das auch erlebt.

Eines Tages betrat eine Frau unser Restaurant zusammen mit ihrer Tochter und kam direkt zu mir zur Kasse. Sie stellte sich und ihre Tochter kurz vor und erklärte warum sie da waren: ihre Tochter, zwanzig Jahre alt, studierte gerade, um Diplomkauffrau zu werden und suchte eine Arbeit nebenbei. Sie sagte wörtlich: ‚Sie kann jede Art von Arbeit übernehmen‘.

Von der Art, wie sie hereinkamen und erklärten, dass die junge Frau mit dem Computer umgehen konnte, war ziemlich klar, dass sie eigentlich an der Kasse arbeiten wollte. Ich dachte eine Sekunde darüber nach, wie genau ich antworten sollte, doch als die Frau weitersprach und sagte ‚Bitte, wir brauchen gerade das zusätzliche Geld‘, antwortete ich: ‚Wir würden uns freuen, Ihre Tochter zu unseren Mitarbeitern zu zählen. Am Computer arbeiten wir selbst, doch wir brauchen etwas Hilfe bei der Bedienung.‘

Ich konnte förmlich sehen, wie der Verstand der Frau diese Information verarbeitete und wie sich die Reaktion deutlich auf ihrem Gesicht ausbreitete: Unglauben und bald darauf eine Art Entrüstung über meinen Vorschlag! ‚Sie meinen meine Tochter soll hier Wasser und Essen austeilen?‘

Ich wusste nun bereits, wie es um die Einstellung dieser Familie stand: dieses Mädchen würde hier nicht arbeiten… Ich stellte klar: ‚Ja, das beinhaltet das Servieren von Wasser und Mahlzeiten, das Willkommen-Heißen von Gästen und Ähnliches.‘

Oh, das gefiel ihr gar nicht, aber ich fuhr fort: ‚Meinen Sie etwa, dass sei niedere Arbeit? Ich tue das selbst, es ist sehr wichtige und respektable Arbeit!‘ Die Mutter war jedoch sehr erzürnt und rief fast: ‚Aber sie ist gebildet, sie macht ihren Universitätsabschluss!‘ Ich antwortete: ‚Aber Sie haben doch gesagt, sie würde jede Arbeit machen!‘ Ohne weitere Antwort nahm sie ihre Tochter beim Arm und stürmte aus dem Restaurant.

Ich weiß, dass das ein sehr übliches Problem ist: die Leute meinen, dass sie für gewisse Arbeiten zu gut sind. Arbeiten, die von Menschen gemacht werden, die gesellschaftlich unter ihnen stehen. Daran glaube ich nicht. Jede Arbeit ist notwendig und muss auch respektiert werden. Du brauchst Arbeit, denkst aber, du seist zu gut für das, was wirklich gebraucht wird? Tja, dann passt du hier nicht rein und dann wird dir unsere Denkweise sowieso nicht gefallen!

Lassen sich Westler zu schnell scheiden oder bleiben Inder zu lange? – 17 Mär 16

Gestern habe ich euch von einer unserer ersten Erfahrungen in Ammaji‘s Ayurvedischem Restaurant erzählt. Wir vier, Purnendu, Yashendu, Ramona und ich, haben uns völlig unserer neuen Arbeit gewidmet und lieben es, uns ganz in dieses neue Abenteuer zu stürzen! Wir reden daher oft vor oder nach der Bestellung mit unseren Gästen, sammeln Feedback, helfen beim Servieren und verbessern unser neues Unternehmen ständig. Eine dieser Unterhaltungen, die Ramona mit einem weiblichen Gast hatte, war recht interessant, da es eine sehr indische Sicht auf Westler und deren Beziehungen offenlegte!

Die Dame war mit ihrer Tochter aus Delhi gekommen. Es war ihr erster Besuch in Vrindavan und sie freuten sich, dass sie unser Restaurant gefunden hatten, so dass sie sich nach einem geschäftigen Morgen mit Besuchen in Tempeln beim Mittagessen etwas ausruhen konnten. Ramona begann, sich mit ihnen zu unterhalten und bald fragten sie auch, wo sie herkam und wie lange sie bereits in Indien war. Sie erfuhren also, dass wir verheiratet waren und gerade als Ramona das erzählte, lief ich hinter ihr vorbei. Ich hielt bei meiner Vorstellung also an, um unsere Gäste auch zu begrüßen. Die ältere Dame wurde ganz ernst und erzählt Ramona: ‚Wissen Sie, nun haben sie hierher geheiratet und da sollten sie auch hier bleiben. Wir Inder glauben nämlich, dass eine Ehe für immer ist!‘

Wir antworteten, sie solle sich keine Sorgen machen, Ramona würde mir nicht davonlaufen!

Natürlich lachten wir, doch die Tatsache, dass die Frau das so gesagt hatte, zeigte eine weit verbreitete Annahme von Indern, wenn es um Beziehungen und Ehen im Westen geht: sie glauben Westler beenden ihre Beziehungen schnell und verlassen ihre Ehepartner auch häufiger, vielleicht sogar, ohne viel darüber nachzudenken.

Auf eine Weise stimmt das ja auch: die Scheidungsrate im Westen ist deutlich höher als die in Indien. Es ist also wahr, der durchschnittliche Inder hat in seinem Leben eine niedrigere Anzahl Beziehungen als der durchschnittliche Westler.

Es gibt jedoch auch ein paar andere Gedanken und Tatsachen zu diesem Thema: in Indien werden Beziehungen vor der Ehe nicht gutgeheißen, weswegen viele Leute es nicht publik machen, wenn sie sich eine Beziehung eingehen. Oder sie sehen körperlichen Kontakt und emotionale Bindungen nicht als Beziehung an, da es in dieser Gesellschaft einfach nicht üblich ist. Es geschieht im Verborgenen und wenn es vorbei ist, ist es eben, als wäre gar nichts geschehen. So kommt es, dass es im Westen viel mehr Versuche zu geben scheint – während das Gleiche in Indien auch geschieht, nur eben nicht offiziell. Vielleicht eben weniger, doch es gibt es auch.

Wenn es zur Scheidungsrate kommt, ist ganz klar, warum es in Indien weniger Scheidungen gibt: nicht weil die Leute alle in ihren arrangierten Ehen mit Menschen, die sie vorher nicht kannten so wahnsinnig viel glücklicher sind. Nein, zwischen den Eheleuten gibt es mindestens genauso viel Probleme mit der Kommunikation sowie Gründe unglücklich zu sein, wie anderswo – doch Scheidung ist solch ein Tabu in der Gesellschaft, dass die meisten Leute es einfach nicht als Möglichkeit betrachten! Frauen sind von ihren Ehemännern abhängig und können sich oder ihre Kinder nicht selbst durchbringen. Familien bieten Verwandten, die sich scheiden lassen wollen, wenig bis keine Hilfe. Die Religion stellt sich gehen auch nur den Gedanken ‚sich gegen sein Schicksal zu wenden‘. Und schließlich kann das Leben insbesondere als geschiedene Frau manchmal schwierig und sogar unsicher sein.

Während also viele Inder denken, dass sich Westler zu einfach scheiden lassen, glaube ich oft, dass Inder sich die Scheidung zu schwierig machen. Männer und Frauen leben deshalb oft unglücklich miteinander. Natürlich versuchen einige Menschen im Westen nicht, an ihren Beziehungsproblemen zu arbeiten, um sie zu lösen – aber manchmal sehen Inder auch einfach nicht, dass nichts hilft und es besser wäre, wenn jeder seinen eigenen Weg gehen würde!

Gesundes Aussehen, Übergewicht und Size Zero – Unterschiede bei Schönheitsidealen in Indien – 10 Mär 16

Ramona und ich sprachen weiter über das Thema der Schönheitsideale in Indien, insbesondere für Frauen, sowie die Einstellung, die Menschen zu diesen Idealen und ihren Körpern haben.

Einerseits ist die Vorstellung, wie dünn eine schöne Frau sein sollte, hier in Indien definitiv anders als im Westen. In Indien wiegen die Models, die wir für gewöhnlich auf den Postern sehen sowie die Schauspielerinnen, die wir in den Filmen sehen üblicherweise einige mehr Kilos als die im Westen. Size Zero, also Größe Null war und ist hier nicht so beliebt wie dort. Ich glaube, dass das etwas mit der Tatsache zu tun hat, dass hier wirklich auch Menschen an Hunger sterben. Der gewöhnliche Inder assoziiert einen extrem dünnen Körper mit Armut, nicht mit Schönheit.

Genauso werden einige Kilos mehr als der Durchschnitt in Indien als etwas Gutes angesehen. So kommt es, dass wir einmal zu Besuch bei Freunden waren, die wir eine Weile nicht gesehen hatten und die Frau mit einem Lächeln zu Ramona sagte ‚Du siehst gesund aus!‘ Was sie damit meinte war, dass Ramona seit unserem letzten Treffen zugenommen hatte – und es war ein ernst gemeintes Kompliment! Ich erklärte Ramona das später, da sie in dem Augenblick einfach nur verwirrt darüber war, dass sie ein Kompliment für ihr gesundes Aussehen bekommen hatte. Sie musste lachen und erzählt nun immer unseren nicht-indischen Freunden, dass sie nicht unbedingt ‚gesund‘ aussehen möchte!

Das ist also der Unterschied darin, wie Frauen in Indien die Figur sehen. Andererseits jedoch sprechen sie darüber auch sehr ähnlich wie außerhalb Indiens! Man hat Frauen, die Gewicht diskutieren sowie Ideen, wie man schnell abnimmt, Fernsehshows, in denen die weiblichen Rollen auf Diät gehen und schließlich noch jede Menge Produkte sowie Scharlatanerie mit dem Versuch, Pillen zu verkaufen, die einen in sehr wenigen Tagen schlank machen.

Beides sieht und hört man in Indien – aber während diejenigen, die gerne dich sind, immer dicker werden, kennen diejenigen, die dünn und fit sein wollen nur eine Möglichkeit das zu erreichen: eine Diät, bei der man die meiste Zeit vom Tag hungrig ist. Natürlich ist das nicht die richtige und beste Lösung, doch die traurige Wahrheit ist, dass es für Frauen in Indien wenige bis keine Fitness-Angebote gibt! Das hängt natürlich davon ab, wo man ist, da man in Delhi oder Mumbai ganz leicht ein Fitness-Center für Frauen finden könnte – doch sobald man aus den Megastädten raus ist, wird es schwierig! Colleges und Universitäten bieten Sport an, aber für Erwachsene, arbeitende Frauen, Hausfrauen und diejenigen, die eben einfach nie auf eine solche Schule gehen, gibt es gar nichts! Nirgendwo, wo man Übungen lernen könnte, kein Ort, an dem man sich treffen und in einer Gruppe Sport trieben könnte!

Es herrscht sogar keinerlei Bewusstsein während der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass Frauen schwanger aussehen, wenn sie gar nicht sind – nach fünf Kindern und mit keinerlei Rückbildungsgymnastik oder sonstiger Bewegung für die Bauchmuskulatur ist dein Bauch einfach nicht mehr so flach! Kein Beklagen oder Diät machen wird dir da helfen, du musst dich bewegen!

Natürlich ist Yoga eine Möglichkeit, mit der man daheim ganz leicht und mit wenig Ausrüstung und auf kleinem Raum etwas machen kann. Man kann Hilfe wie unser online Yoga-Übungs-Verzeichnis verwenden.

Am Ende jedoch muss India, um seinen Leuten zu helfen, fit und gesund anstatt über- oder untergewichtig zu sein, zuerst einmal das Bewusstsein fördern und die Möglichkeit für Frauen, Workout zu machen. Das könnte das Bild verändern, das die Menschen von sich selbst haben – und es vielleicht eines Tages verbessern!

In Indien solltest du Pläne nur nach ‘Indian Standard Time’ schmieden! – 16 Feb 16

In den letzten Tagen und Wochen kamen und gingen viele Leute und es gab viele Gespräche über Vergleiche von Indien mit anderen Ländern und Kulturen. Natürlich wird Ramona oft gefragt, was sie an Indien mag oder ob sie irgendetwas schwierig fand, als sie herkam. Natürlich erwähnte sie immer eine Sache: das Konzept der ‚Indian Standard Time‘, die sich von der deutschen Pünktlichkeit sehr unterscheidet! Was sie dann natürlich oft aus der Bahn warf!

Es ist wirklich wahr – obwohl das zumeist zu Beginn ihrer Zeit hier in Indien geschah. Das ist ja auch logisch: in Deutschland ist es normal, einen recht eindeutigen Plan davon zu haben, was man in den nächsten Tagen machen möchte. Man plant sogar mehrere Wochen im Voraus! Es ist ganz normal, dass jemand weiß, wo er nächsten Freitag sein wird. Oder ob er am Samstag den Fünften Zeit hat. Oder ob er sich am nächsten Tag um drei mit dir treffen kann. Wenn man einen Termin für ein Treffen ausmacht, wenn man eine Zeit mit ihnen festmacht, um etwas zusammen zu unternehmen, dann machen sie sich im Kopf eine Notiz und schreiben es sich wahrscheinlich etwas später auch auf. Dann sind sie rechtzeitig da. Wenn sie nicht können, rufen sie dich an, schreiben dir oder benachrichtigen dich irgendwie anders.

In Indien ist das anders. Hier kann man nicht planen. Nein, das stimmt nicht, planen kann man schon – aber es gibt keine Garantie dafür, dass deine Pläne auch so klappen, wie sie sollten! Als Deutscher – oder jemand einer anderen Nationalität, die Pläne und Pünktlichkeit ernst nimmt – macht man sich im Kopf diese Notiz und macht seinen Plan fest. Man kann jedoch nicht darauf vertrauen, dass der Inder da das Gleiche macht!

Wenn man mit jemandem Pläne schmiedet, kann es sehr gut sein, dass der andere diese nicht wirklich ernst nimmt. Wenn man also sagt ‚Wir sollten uns am Wochenende treffen‘ und du meinst, dass damit der Plan fest steht, kannst du später merken, dass der andere das nur aus Höflichkeit gesagt hat oder weil es sich in dem Augenblick schön anhörte! Er oder sie dachte vielleicht nie ernsthaft, dass ihr euch wirklich treffen würdet!

Oder du hast jemanden für eine Dienstleistung herbestellt, zum Beispiel einen Elektriker oder einen Bankangestellten. Der Termin ist um 11 Uhr früh. Du bist bereit und wartest um 11 Uhr – aber niemand kommt! Du rufst an und die Antwort kann sein ‘Ich bin auf dem Weg!’ doch dann wartest du noch zwei weitere Stunden! Schließlich kann es sehr gut geschehen, dass der andere bis zum nächsten Tag nicht auftaucht! Vielleicht bekommst du einen Anruf mit dieser Information, vielleicht aber auch nicht!

Es kann auch geschehen, dass eine Gruppe von vier Leuten zusammen etwas plante und du alles dafür vorbereitet hast. Du bist fertig loszugehen, wenn plötzlich alle ins Gespräch kommen und beschließen, etwas ganz anderes zu tun! Alle deine Vorbereitungen waren für nichts – oder wurden zumindest auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.

Du kannst dich verrückt machen lassen – oder dich zurücklehnen und entspannen. Du kannst das Drosseln der Geschwindigkeit akzeptieren und auch die Tatsache, dass du immer einen Plan B brauchst. Daher kommt es, dass Ramona unseren Gästen immer sagt: wenn ihr in Indien seid, entspannt euch und lasst die Dinge auf euch zukommen – sie hat gelernt, genau das zu tun!