Abschied von Vishal, dem besten Koch von Ammaji’s – 5 Jun 16

Heute muss ich euch traurige Nachrichten übermitteln: einer unserer Köche ist letzte Nacht verstorben. Er hieß Vishal und war erst 25 Jahre alt. Wir werden ihn sehr vermissen!

Vishal war einer der Köche, die wir gleich nach Beginn des Restaurants einstellten, als die Menge der Gäste jeden Tag wuchs und wir merkten, dass wir ein größeres Team brauchten. Er kam, um die chinesische Abteilung unserer Küche zu leiten, doch bald fanden wir heraus, dass er so viel mehr konnte: er half mit der kontinentalen Küche, er konnte auch mal eine Lücke in der nordindischen Abteilung füllen – er war wirklich ein Allrounder!

Der frisch verheiratete junge Mann erwies sich als wahre Bereicherung, nicht nur im kulinarischen Sinn. Er war ein enthusiastischer Koch, liebte das, was er tat und brachte einen frischen und positiven Wind in unsere Küche! Wenn neue Köche oder Helfer da waren, war er derjenige, der ihnen half, sich im Team wohl zu fühlen, der ihnen erklärte, wie die Dinge hier liefen, wo die Zutaten waren und so weiter.

Er kochte wirklich mit der Liebe, die wir in Ammaji’s Küche sehen wollen und die wir in unseren Mahlzeiten versprechen! Seine Liebe fürs Essen wurde in seinen Neuschöpfungen und seinem Wunsch, uns diese probieren zu lassen deutlich.

Es war ein Schock für uns, als wir vor etwa zehn Tagen einen Anruf mit der Nachricht erhielten, dass Vishal einen Unfall gehabt hatte. Ein Mann hatte ihn bis zum Krankenhaus gebracht – und sofort fuhren zwei unserer Mitarbeiter von hier los um zu helfen. Es war da bereits klar, dass es ein schwerer Unfall gewesen war.

Bei seinem Fall von seinem Motorrad hatte Vishal sich alle drei Knochen eines Beins gebrochen und beide Unterschenkelknochen des anderen Beins. Wundersamerweise hatte er keine anderen Verletzungen außer einigen blauen Flecken am Arm. In zwei Operationen arbeiteten die Ärzte an seinen Knochenbrüchen: an einem Tag ein Bein, zwei Tage später das andere.

Alle Operationen waren erfolgreich, wir besuchten ihn vorher und hinterher. Die Mitarbeiter und auch das Management waren ihn mehrmals im Krankenhaus. Es ging ihm den Umständen entsprechend gut, er redete und machte sogar Witze. Wir versicherten seiner Familie unserer Unterstützung bis er völlig genesen sein würde und wieder zur Arbeit kommen würde. Ramona und ich besuchten ihn noch einmal an dem Tag an dem er entlassen werden sollte. Am Abend wurde er mit dem Krankenwagen nach Hause gefahren.

Am Abend des nächsten Tages hatte er einen Herzanfall. Seine Familie brachte ihn noch ins Krankenhaus, doch die Ärzte konnten nur noch seinen Tod feststellen. Es war ein Schock. Nach allen Operationen sollte er sich eigentlich nur noch erholen – und niemand weiß, was eigentlich gesehen ist und wie.

Es ist auch nicht mehr wichtig – Vishals Strahlen hat uns für immer verlassen. Das Restaurant war in Trauer heute Früh und Mittag geschlossen und erst am Abend wieder offen. Und was auch immer wir in unserer Küche zubereiten werden, Vishal wird in unseren Gedanken immer lebendig bleiben!

Wie geht man mit dem Wissen um, dass man nicht mehr lange leben wird? – 28 Okt 15

Nachdem ich über finanzielle Schwierigkeiten und Schwierigkeiten mit zwischenmenschlichen Beziehungen geschrieben habe, würde ich heute gerne über ein komplett anderes Thema schreiben, das deine Welt erschüttert, wenn es auftaucht: wenn du erfährst, dass du oder jemand, der der dir sehr nahe steht, eine schlimme Krankheit oder andere gesundheitliche Probleme hat. Ich spreche natürlich nicht von einer kleinen Erkältung – nein, ich meine die Nachricht, dass jemand Krebs hat, Unfälle, in denen ein Verletzter ein Glied verloren hat oder querschnittsgelähmt wurde. Wie geht man mit einer solchen Situation um?

Natürlich gebe ich keinen medizinischen Rat jeglicher Art. Dafür findest du jede Menge qualifizierte Ärzte, die dir durch jede mögliche Therapie helfen können. Ich möchte beleuchten, wie du emotional und mental mit diesen Situationen umgehen kannst.

Krankheit und Tod sind die zwei Situationen, in denen man nur eine Möglichkeit hat: zu akzeptieren.

Das ist so viel leichter gesagt als getan und ich bin mir dessen bewusst, dass jeder, der sich selbst in dieser Lage befindet, weiß, wie schwer das wirklich ist. Wenn du weißt, dass du möglicherweise in einem Jahr oder zwei nicht mehr lebst. Wenn du weißt, dass du deine Beine vielleicht nie wieder spüren wirst. Wenn du weißt, dass sich dein ganzes Leben verändern wird, weil dein Partner nun keine Arme mehr hat.

Die Hauptsache hier ist, dass du eigentlich keine andere Möglichkeit hast, als zu akzeptieren. Die Tatsachen zu akzeptieren und dann sicherzustellen, dass du das Beste aus der Situation vor dir machst.

Wenn du oder ein von dir geliebter Mensch weiß, dass für einen von euch die Zeit auf dieser Erde stark begrenzt ist, setz alles daran, dass diese Tage, Wochen oder Monate die schönsten aller Zeiten werden. Schaffe jede Menge Erinnerungen für diejenigen, die länger verweilen werden. Tue Dinge, die du immer machen wolltest, aber immer auf später aufgeschoben hast. Sieh die Schönheit dieser Welt zusammen mit denen, die du liebst. Wenn du ein Talent zum Schreiben hast, würde ich sogar vorschlagen, das, was du durchmachst, aufzuschreiben, so dass andere in der gleichen Situation aus deiner Erfahrung Stärke ziehen können!

Wenn du überlebst, was auch immer du durchmachst, auch wenn du einen Verlust davonträgst oder dein Leben sich dramatisch verändert, schätze jede einzelne Sekunde deines Lebens! In fast jeder Situation gibt es noch jemanden, der noch schlimmer dran ist. Hast du schon einmal das Video eines Motivationsredners, der weder Arme noch Beine hat? Es ist unglaublich, ihm dabei zuzuhören, wie er über Lebensfreude spricht!

Akzeptiere, was auch immer es ist, womit du nun leben musst und erschaffe dein Leben um das herum. Sobald du beginnst zu akzeptieren, wirst du merken, wie viele liebevolle Menschen du um dich herum hast, die bereit sind, dir zu helfen und dich auf jede erdenkliche Weise zu unterstützen! Akzeptiere nicht nur deine Situation, sondern auch die Hilfe anderer, wenn du sie brauchst.

Natürlich ist das schwierig, aber sobald du beginnst, es zu akzeptieren, wird es einfacher und du kannst die positiven Dinge im Leben wieder sehen!

Wie man als Atheist die Fragen seiner Kinder zum Tod beantwortet – 3 Sep 15

Ich habe euch zuvor bereits erzählt, dass wir mit Apra viel reden. Sie hatte bereits früh mit dem Sprechen begonnen und hat schon immer schnell verstanden, was man ihr sagte. Das ermutigte uns noch mehr, als wir es sowieso vorhatten, ihr alles zu erklären, was um uns herum vorgeht. Und das beinhaltet auch die Frage des Todes – die bei ihr bereits vor einiger Zeit aufgekommen ist.

Ihr wisst, dass meine Mutter plötzlich gestorben war, als Apra elf Monate alt war. Wir schätzen diese Monate, die unsere Tochter mit ihrer Großmutter verbringen konnte sehr. In Babbajis Zimmer hängen große Bilder, auf denen Ammaji und Apra beide drauf sind und eines Tages, als Apra sich diese wieder einmal betrachtete, fragte sie: ‚Wo ist Ammaji denn jetzt?‘

Die meisten Menschen in Indien würden etwas antworten wie ‘Sie ist zu Gott gegangen’ oder ‘Gott hat sie mit nach Hause genommen‘. Ich habe von europäischen Freunden gehört, dass solche Aussprüche auch dort verwendet werden, selbst von denen, die nicht wirklich an Religion glauben und einfach nur Mitglieder der christlichen Kirche sind, weil sie einmal im Jahr dorthin gehen. Sie glauben, das sei die einfachste Art, den Tod zu erklären.

Natürlich war das für uns keine Möglichkeit. Ich habe mich auch manchmal gefragt, ob das für die Kinder nicht genau die gegenteilige Wirkung dessen hatte, was der Gläubige eigentlich im Sinn hatte: ich denke, ein Kind wäre auf Gott wütend, dass er die Großmutter zu sich nach Hause geholt hat, anstatt sie zum Spielen da zu lassen! Es hört sich so grausam an! Gott nimmt dir deine geliebten Menschen und du siehst sie nie wieder! Kein Wunder, dass Kinder vor Gott Angst haben!

Deshalb erzählen wir Apra, dass jeder alt wird und irgendwann einmal stirbt. Dann kommen sie nicht mehr wieder. Das ist traurig, aber so ist es nun mal. Tiere sterben auch so und auch Pflanzen. Sie hat gesehen, dass das mit Blumen geschieht, sie hat Geschichten von Tieren gehört und sie versteht, dass ihre Großmutter, meine Mutter, gestorben ist und nicht mehr wiederkommt.

Sie hat es auch wirklich verstanden. Als Nächstes realisierte sie, dass Naniji, meine Großmutter, auch alt war. Das wusste sie schon vorher, doch nun hatte sie einen neuen Blickwinkel auf diese Tatsache! Also ging sie zu Naniji und fragte: ‚Bist du alt?‘ und als Naniji das bestätigte, fuhr sie fort und fragte: ‚Stirbst du bald?‘

Oh, meine Großmutter fragte sich natürlich, wo dieser Gedanke herkam, bestätigte jedoch auch das: ‚Ja, wahrscheinlich sterbe ich bald, aber niemand weiß genau wann.‘

Ich glaube, wenn dieser Tag kommt, wird Apra hierdurch bereits so weit wie möglich vorbereitet sein. Es wird besser sein, als wenn wir ihre Frage vermieden und ihre Neugierde nicht gestillt hätten. Der Tod ist ein Teil des Lebens und obwohl es immer traurig ist, wenn ein geliebter Mensch uns verlässt, ist es etwas, was wir alle akzeptieren müssen.

Apra ist auf dem besten Weg dorthin. Sie nickte zustimmend zu Nanijis Aussage, antwortete dann aber ganz nüchtern: ‚Wir werden dich vermissen. Und ich werde weinen.‘

Naniji meinte ‘Natürlich’ und war darüber auf seltsame Weise auch etwas glücklich!

Die sinnlose Tradition Santhara rechtfertigt keine Selbstmorde!- 26 Aug 15

Am Montag ging ich ganz kurzfristig zu einer Fernseh-Debatte nach Delhi. Das Thema der Debatte war der religiöse Brauch ‚Santhara‘, der in der Jain Religion üblich ist. Lasst mich euch erklären, was genau das ist, warum es ein Thema für das Fernsehen war und was ich dazu sagte.

Santhara, auch Sallekhana genannt, ist eine Sitte unter Jain-Gläubigen, nach der Menschen, die älter als 75 Jahre alt sind, freiwillig den Tod wählen. Wenn eine alte Person der Jain Religion das Gefühl hat, dass das Leben keinen Sinn mehr macht, wenn er Erlösung möchte, wenn er das Gefühl hat, dass die Welt ihn nicht mehr braucht oder er die Welt nicht mehr braucht, hört er einfach auf zu trinken und zu essen. Er isst keinen Bissen mehr und trinkt keinen Schluck Wasser mehr. Er wird sterben – und seine Glaubensbrüder bejubeln das.

So starben ihre Heiligen und das ist der Sterbensweg, den die Jain Religion glorifiziert. Doch jetzt hat das hohe Gericht diesen Brauch verboten, da er als Selbstmord befunden wurde.

Natürlich ist die Jain-Gemeinschaft mehr als unglücklich hierüber und will zum Obersten Gerichtshof gehen, um dieses Verbot aufheben zu lassen. Sie sagen, ein Gericht und ein Gesetz können diesen alten Brauch und diese Tradition nicht verbieten.

Also hatte ich mit fünf weiteren Leuten eine Diskussion zu diesem Thema. Ich erklärte ganz klar, dass das nichts anderes war als Selbstmord – weswegen es ja vom Gericht verboten wurde! Jedes Jahr bringen sich in Indien 200 Menschen auf diese Weise um! Wenn jemand auf Hungerstreik geht, lässt die Regierung denjenigen nicht sterben – er wird stattdessen zwangsweise ernährt! Hör auf zu essen und zu trinken, dann stirbst du – was ist der Unterschied?

Meinen Worten bekamen starken Widerspruch – es sei kein Selbstmord, sondern eine tolle Sache für die Seele. Die Seele würde den richtigen Zeitpunkt kennen und es sei ein notwendiger Brauch für die Reinkarnation.

Ich widersprach wiederum dieser Antwort und meinte, das sei Unsinn, es gibt so etwas wie Seele oder Reinkarnation nicht. Wenn man diesen Menschen erlaubt, sich selbst umzubringen, muss man allen Leuten Selbstmord erlauben. Macht ein Gesetz für den Tod einer jeden Person nach seinem Wunsch – dann kann jeder sein eigenes Leben beenden, wann auch immer er will. Ihr jedoch wollt dieses Recht nur für euch, denn für den Rest der Leute ist es ja verboten! Ihr verherrlicht diese Sterbensweise und deswegen werden die Menschen euch folgen! Ihr ermutigt sie dazu, Selbstmord zu begehen!

Sie sagten ihre Vorfahren hätten diese Tradition auch schon immer befolgt. Ein Anwalt, der gegen das Verbot kämpfen möchte, behauptete, es wäre gar nicht Selbstmord, da die Seele ja nur zu ihrer bestimmten Zeit den Körper verlassen würde. So käme es, dass Menschen monate- und sogar jahrelang ohne Essen und Trinken auskämen. Dazu, so das Argument, würden sie ja nicht jungen Menschen sagen, Santhara zu begehen, sondern nur denen, die über 75 Jahre alt sind.

Nun ist es für mich kein Argument zu sagen ‘unsere Vorfahren haben das auch gemacht’! Das bedeutet doch nicht, dass es richtig ist und nur, weil die falsche Dinge getan haben, heißt doch nicht, dass ihr das Gleiche machen müsst! Es war das Gleiche mit der Hindu Tradition des Sati, wenn Frauen sich bei der Leichenverbrennung ihres Ehemannes mit in das Feuer geworfen haben! Sie wurden dazu gezwungen, diesem Brauch zu folgen, bis er schließlich verboten wurde! Da protestierten auch viele Menschen – doch am Ende kann man einfach auf der Grundlage von Religion oder Tradition kein Gesetz verabschieden!

Das Argument, diesen Brauch nur alten Leuten ans Herz zu legen ist auch hinfällig! Wer entscheidet denn, wer alt ist und wer nicht? Wer sagt, alte Leute seien nicht mehr wichtig? Warum setzt man ihnen denn die Idee in den Kopf, dass sie nach 75 bald sterben müssen? Jede Menge Politiker und Menschen anderer Arbeitsbereiche arbeiten bis sie über 80 Jahre alt sind! Wenn ich nur sehe, wie unschätzbar wertvoll meine Großmutter für meine Tochter ist – ich würde sie nicht aufgrund so einer dummen Tradition missen wollen! Sie ist nun 95 Jahre alt oder noch mehr und so hätten wir sie schon vor 20 Jahren verloren!

Und ich habe nicht einmal Lust, eine Antwort auf die Vorstellung zu geben, jemand könnte noch leben, wenn er einen Monat lang, geschweige denn mehrere Jahre lang noch nicht einmal einen Schluck Wasser getrunken hat! Das ist einfach nur Unsinn und eine Behauptung von Betrügern!

Ich bin sicher, dass das Verbot bestehen bleibt und denke es ist gut, dass diese Praxis am Ende schließlich vollkommen eingestellt wird.

Vorbereitungen für die Veranstaltung ‘Leben nach dem Tod’ – 23 Jul 15

Wir befinden uns mitten in unseren Vorbereitungen für eine Veranstaltung, die an diesem Wochenende hier in unserem Ashram stattfinden wird. Wir haben Menschen eingeladen, zu kommen und sich zur Körperspende einzutragen. Sie werden zustimmen, dass ihre Körper nach ihrem Tod Krankenhäusern gegeben werden, so dass sie für den Fortschritt der Medizin verwendet werden können!

Jede Religion hat ihre eigenen Rituale und Zeremonien für die Zeit nach dem Tod. Manche Religionen verbrennen den Körper, andere Religionen begraben ihn. All das wird für die Seele getan, um in den Himmel zu gelangen und ähnliche Ziele zu erreichen. Was soll jemand tun, der nicht an all diesen ‚Vorteilen‘ interessiert ist, weil er nicht an sie glaubt?

Ich glaube, es wäre viel besser, seinen Körper stattdessen der Medizin zu schenken. Wenn irgendein Organ dafür verwendet werden kann, das Leben einer anderen Person zu retten, wäre das nicht toll? Für mich ist es jedoch nicht so sehr der Gedanke, dass man dann ‚weiterleben‘ würde, sondern die Vorstellung, dass man sogar nach dem Tod jemandem helfen könnte zu leben! Doch selbst, wenn man so alt ist, dass die Organe nicht mehr transplantiert werden können, kann die Medizin trotzdem daraus Nutzen ziehen! Ja, es gibt so viele Medizinstudenten, die lernen müssen, mit was sie in Zukunft arbeiten werden – und sie könnten an dir lernen!

Vor langer Zeit hat mich mein Vater bereits gefragt herauszufinden, wo und wie es für ihn möglich ist, seinen Körper nach dem Tod der Medizin zu schenken. Es mag euch vielleicht überraschen, doch mein Vater ist wirklich ein sehr offener Denker und hat diesen Gedanken schon sehr lange gemocht!

An diesem Wochenende wird er nun endlich in der Lage sein, ein Formular auszufüllen, das genau das bestätigt. Ich habe einige atheistische Freunde, die ich über soziale Netzwerke kennen gelernt habe und zusammen haben wir dieses Treffen für Freitag und Samstag angesetzt. Wir treffen uns mit weiteren Atheisten – da religiös Gläubige normalerweise diesen Weg nicht wählen werden – und informieren sie, haben Gespräche, treffen einander, lernen einander kennen, schließen neue Freundschaften und helfen weiteren Leben und auch der Wissenschaft auf diese Weise!

Wir wissen nicht, wie viele Menschen schließlich kommen werden. Über sechzig Leute haben ihre Pläne zu Kommen bestätigt, doch ihr wisst, wie es in Indien ist – es könnten auch viel mehr werden! So sind wir gerade mitten in den Vorbereitungen für das Essen und die Unterkunft, dafür, den Ashram schön und bereit zu machen und natürlich aufgeregt und voller Vorfreude!

Am Sonntag werde ich euch den vollen Bericht der Veranstaltung geben!

Wenn die Halb-Erleuchteten kein Feingefühl besitzen – 2 Nov 14

Ich habe euch bereits erzählt, dass ich nach dem Tod meiner Schwester 2006 von meinen Freunden viel Unterstützung bekommen habe. Obwohl niemand wirklich die Trauer, die man spürt, lindern kann, ist es trotzdem schön, wenn man jemanden hat, den man umarmen kann und dazu eine Hand auf der Schulter, mit Liebe und Mitgefühl. Es gab jedoch auch einige Menschen, die ich für Freunde heilt, die jedoch bei ihrem Kontakt nicht wirklich vorhatten, uns zu unterstützen.

Ich habe eine solche Email bekommen. Sie kam von einer Frau, die ich einmal als sehr gute Freundin betrachtet hatte, von der ich jedoch bereits erkannt hatte, dass sie für mich ein bisschen zu tief in der Esoterik-Szene war. Sie glaubte an Dinge, die ich für viel zu unglaublich hielt und aufgrund ihrer Versuche, andere zu überzeugen, die nicht wirklich gut aufgenommen wurden, hatte ich etwas Abstand zwischen uns schaffen müssen.

Sie fing ihre Email damit an, ihr Mitgefühl über den Tod meiner Schwester Para auszudrücken. Daraufhin jedoch erklärte sie, sie hätte einen Traum gehabt. In diesem Traum wäre Para in einer Art Zwischenwelt und ihre Seele hinge dort fest aufgrund ihres Karma, das sie in ihrem Leben nicht mehr hatte auflösen können – da dieses ja vorzeitig beendet worden war. Ich sollte bestimmte Zeremonien und Gebete machen, um der Seele meiner Schwester beizustehen.

Ist das zu glauben? Dass jemand eine solche Mail einem Mann schicken würde, der gerade seine Schwester verloren hatte und deshalb in tiefer Trauer ist? Wer würde schon gerne hören, dass ein geliebter Mensch in einer Art Fegefeuer sitzt und dort leiden muss? Ein Versuch der Erpressung, um irgendwelche seltsamen Rituale zu veranstalten?

Ich schickte eine verärgerte Antwort zurück und obwohl ich nicht mehr genau weiß, was ich geschrieben habe, glaube ich, dass ich ihr antwortete, sie solle sich nicht um das Wohlergehen meiner Seele oder der Seelen meiner Familie kümmern. Vielleicht hatte sie es gut gemeint, aber es war definitiv nichts, was man einer trauernden Person sagt!

Einigen Menschen fehlt einfach jede Art von Feingefühl, wenn es um die Gefühle anderer geht. Eine weitere Frau war einmal zu Besuch in den Ashram gekommen. Wir kannten einander seit Jahren. Als sie ging, stieg sie in das Taxi, das sie zum Flughafen bringen sollte und fragte den Fahrer nach dem Gurt. Da die meisten Leute in Indien diesen eigentlich nicht anlegen, musste er ein paar Minuten suchen, bis er ihn hinter der Sitzabdeckung hervorgeholt hatte. Als der Gurt einschnappte, drehte sie sich zu uns und sagte ‚Ich habe aus eurer Erfahrung gelernt!‘ und fuhr davon.

Selbst mit einem Gurt hätte meine Schwester und jeder andere auf ihrer Seite des Autos keine Überlebenschance gehabt. Ungeachtet dessen jedoch sagt ein Freund so etwas nicht. Ich denke, ich brauche nicht erwähnen, dass wir nicht mehr befreundet sind.

So habe ich gelernt, dass man in schlechten Zeiten auch herausfindet, welche Freunde wirklich echt sind und welche nicht.

Wie das Leben selbst nach Tragödien weitergeht – 26 Okt 14

Zurück in Deutschland arbeiteten Yashendu und ich weiter so, wie wir es vor dem Tod meiner Schwester getan hatten. Wir reisten von einem Ort zum anderen, blieben überall etwa eine Woche lang, gaben Workshops und Einzelberatungen. Wenn im Leben etwas Schlimmes geschieht, muss man weitermachen, aber Tragödien verändern das Leben eben doch – und das merkt man auch im Alltag.

Wir reisten zusammen mit unserem indischen Flötenspieler in viele verschiedene Städte Europas. Wir waren schrecklich traurig, aber sogar in dem Zustand kamen wir mit Leuten in Kontakt, machten unsere Workshops, lächelten und teilten. Wenn man seinen Verstand mit etwas anderem als seiner Trauer beschäftigt, ist es einfacher, nicht daran zu denken, nicht wieder in die Trauer zu verfallen und einfach so zu reagieren, zu denken und zu sprechen, wie man das normal auch tun würde. Doch während den Einzelsitzungen musste ich oft an meine Schwester denken.

Die Leute kommen zu mir, um ihre Probleme mitzuteilen und oft sind diese von emotionaler Natur. Als eine Frau damals zu mir kam und mir erzählte, dass ihr Ehemann gestorben war, wie hätte ich da nicht an meine Schwester denken können? Ich teilte meine eigene Trauer mit ihr. Zusammen saßen wir einfach nur eine Weile da und spürten die Liebe für die, die gegangen waren. Wir teilten das Gefühl, einen geliebten Menschen im täglichen Leben zu vermissen. Am Ende sagte ich ihr, wir müssten weitermachen und wir sahen uns an in dem Wissen, das wir beide genau das tun würden.

Ein anderes Mal kam eine junge Frau und erzählte mir von einem großen Streit mit ihrem Bruder. So schlimm war es gewesen, dass sie allen Kontakt zu ihm abgebrochen hatte. In Tränen erzählte sie mir, dass sie ihn liebte, dass sie ihn aber auch nie wiedersehen wollte. Gegensätzliche Emotionen. Ich konnte nicht anders als froh sein, dass meine Schwester und ich nie einen solchen Streit gehabt hatten. Ich erinnerte diese Frau an die Tatsache, dass das Leben sehr kurz sein kann. Sie liebte ihn und in diesem Wissen sollte sie diesen Streit nicht das Letzte sein lassen, das zwischen den beiden geschah. Beende nicht alles mit einem Streit – man weiß nie, was morgen sein wird!

Mehrere Male weinte ich mit Freunden, die sie gekannt hatten. Wir erinnerten uns zusammen an sie und ich spürte wieder einmal die Unterstützung derjenigen, die mich liebten.

Das Leben ging weiter und gleichzeitig war Para immer bei mir und kein Tag ging vorbei, an dem ich nicht an sie dachte.

Der Verlust eines geliebten Menschen kann den Glauben an der Wurzel erschüttern – 12 Okt 14

I habe euch vom Tod meiner Schwester Para im September 2006 erzählt und davon, wie unsere gesamte Familie versuchte, damit umzugehen. Im Hinduismus gibt es bestimmte Rituale, die nach dem Tod eines Familienmitglieds durchgeführt werden müssen. Das Thema dieser Rituale hat mir gezeigt, wie sehr Paras Tod meinen eigenen Glauben und meine innere Welt veränderte.

Meine Familie bereitete die Rituale vor. Wir alle sind keine Angeber und waren noch dazu voller Kummer, also war nichts Großes geplant. Sie begannen jedoch ein paar Rituale – und mir gefiel das gar nicht. Ich wurde sogar recht wütend deswegen. Nichts würde meine Schwester wiederbringen! Egal, wie viele Gebete sie sprechen würden, egal, wie viel sie irgendeinem Gott an Opfergaben darbieten würden, sie würde nicht wieder lebendig werden!

Ich wurde erst richtig wütend, als der Priester kam, der die Rituale tun sollte und schickte ihn gleich wieder fort. Natürlich war der Priester verblüfft, aber er ging, als er sah, dass ich ihn und meine Familienmitglieder in unserem Haus keine Zeremonie abhalten lassen würde. In meinem Wutausbruch machte ich ganz deutlich, dass ich das alles für sinnloses Theater hielt.

Ihr fragt euch vielleicht, was meine Eltern dazu zu sagen hatten und wie sie sich wohl gefühlt haben. Das ist einer der größten Beweise, die ich dafür habe, dass meine Familie die beste ist, die ich auf dieser Erde je hätte haben können: sie akzeptierten, was ich sagte. Sie stritten nicht, wurden auch nicht wütend. Sie verstanden, was ich sagte – und das war für sie in Ordnung.

Dieser Vorfall ist auch der Beweis für die Tatsache, dass meine Religiosität und die meiner Familie nach dem Tod meiner Schwester von Grund auf erschüttert war. Wären wir alle immer noch tief gläubig gewesen, hätten wir uns Sorgen um ihre Seele gemacht und die Rituale auf die größte und bestmögliche Weise durchgeführt. Paras Tod jedoch hatte etwas verändert.

Der Tod meiner Schwester war einer der Hauptgründe dafür, dass ich meinen Glauben verlor. Es war ein so großer Schock, dass es die Säulen von all dem erschütterte, an was ich glaubte. Man beginnt, viele Dinge in Frage zu stellen, beginnend mit den kleinen Dingen: Ich kannte ihr Geburtshoroskop in und auswendig. Nirgendwo war da ein Zeichen dafür, dass sie vor ihrer Zeit von uns gehen würde! Wie hatte uns das passieren können, einer Familie, die einen tiefen Glauben hatte, anderen predigte und auch ihnen zum Glauben verhalf? Und ihr, was hatte sie denn getan, um diese Behandlung der Götter zu verdienen?

Natürlich verliert man seine Religion und seinen Glauben nicht an einem Tag. Es ist ein langer Prozess, der für mich nach meiner Zeit in der Höhle begonnen hatte und den ich in den darauffolgenden Jahren beschritt. Der Tod meiner Schwester war ein großer Punkt auf diesem Weg. Ich hatte bereits die Rolle des Guru hinter mir gelassen, ich hatte bereits begonnen, mich von der Religion zu entfernen, obwohl ich mir immer noch nicht ganz bewusst war, dass das geschah, und später würde ich mich eines Tages sogar von Gott abwenden.

Worte können die Trauer um einen geliebten Menschen nicht beschreiben – 5 Okt 14

Am letzten Sonntag habe ich euch erzählt, wie meine Schwester am 18. September 2006 ums Leben gekommen ist. Die Tage nach ihrem Tod verbrachte ich in einer Art Umnebelung. Ich erinnere mich nicht genau daran, was wann passiert ist, aber an die extreme Traurigkeit der Zeit erinnere ich mich genau.

Was taten wir denn zuhause, nach ihrem Tod? Wir hatten eigentlich nichts zu tun. Wir klammerten uns nur aneinander und stützten einander in unserer Trauer. Naniji hatte eine Enkelin verloren. Babbaji und Ammaji ihre einzige Tochter. Wir drei unsere Schwester.

Am Anfang stand ich noch ganz unter Schock. Ich weinte nicht. Ich hielt meine weinende Mutter in den Armen, war so traurig und in Kummer wie noch nie zuvor oder danach in meinem Leben, aber ich konnte nicht weinen. Wir sprachen über Para und dachten an eine Zukunft ohne sie, die grau, traurig und einsam aussah. Alle weinten – nur ich konnte es nicht.

Ich glaube, der Schock hatte meinen Verstand wirklich zerrüttet. Ich hatte noch nie viel Schlaf gebraucht, aber in den Tagen schlief ich extrem schlecht. Eines Morgens nach einer solchen Nach kam ich in einer Art halbwachem Zustand aus der Höhle. Ich hatte eine lächerliche Idee im Kopf, die mir in dem Augenblick als die Lösung erschien. Als ich Yashendu sah, drängte ich ihn dazu, schnell den Computer anzuschalten: wir würden auf Google nach ihr suchen! Das war’s, sie war nicht weg, wir würden sie finden! Ich konnte die bittere Wahrheit nicht akzeptieren, der Realität nicht ins Auge sehen.

Viele Leute kamen in den Tagen nach Paras Tod bei uns vorbei. Noch mehr Leute, Freunde aus der ganzen Welt, schickten Emails und Nachrichten oder riefen an, um ihre Unterstützung zu zeigen und ihr Mitgefühl auszudrücken. Mit jeder Mail, jedem Wort über sie, sei es eine Erinnerung an die Zeit zusammen oder nur ein Versuch, Trost zu spenden, hatte ich das Gefühl, dass nicht nur ich und nicht nur meine Familie eine wundervolle Person verloren hatte. Nein, die ganze Welt hatte sie verloren. Sie war zu jung, sie hätte so viel von der Welt sehen können und hätte mit ihrem Herzen so viele andere bewegen können!

Eine liebe Freundin, bei der Para nach ihrer Landung in Deutschland eine Weile wohnen wollte, stieg sogar ins Flugzeug und kam in den Ashram. Sie kam zu uns, um einfach nur da zu sein und mit uns um meine Schwester zu trauern.

Schließlich kam jedoch der Punkt, an der ich es loslassen konnte. Ich fing an zu weinen und weinte, bis ich keine Tränen mehr hatte. Es war erleichternd, es rauszulassen – aber es linderte die Trauer kein bisschen. Nichts würde jemals diesen Raum füllen, den sie zurückgelassen hatte.

Die schlimmste Zeit meines Lebens: als meine Schwester starb – 28 Sep 14

Im September 2006 stieg ich, nach einer herrlichen Zeit mit meiner Familie in Vrindavan, in meinen Flug nach Südafrika. Es sollte ein kurzer Aufenthalt werden, gefolgt von der schlimmsten Zeit meines Lebens bis heute.

Ich arbeitete wie überall, gab Einzelsitzungen, Workshops und Vorträge. Nach ein paar Tagen, am 18. September 2006, bekam ich am frühen Morgen einen Anruf. Es war mein jüngerer Bruder Yashendu aus Deutschland. Mit erstickter Stimme und unter Tränen gab er mir die schrecklichsten Nachrichten, die ein Bruder jemals hören muss: unsere Schwester war in einem Autounfall gestorben.

Purnendu und Para waren in der Nacht auf dem Weg zum Flughafen gewesen. Para wollte nach Deutschland fliegen, wo sie Yashendu treffen sollte und ich würde mich später denen beiden anschließen. Ihre zweite Reise nach Deutschland.

Aber nun war sie tot. Sie hatten einen Autounfall gehabt. Purnendu war im Krankenhaus. Yashendu sagte, er würde nun einen Flug buchen.

Meine Hände und Beine zitterten. Ich schwitzte und einige Minuten lang war es schwierig, überhaupt etwas zu denken. Dann rief ich unseren Vater an und sagte ihm, ich würde sofort kommen.

Der nächste Flug nach Delhi war via Dubai. Ich buchte das Ticket und eilte zum Flughafen. Ich kann meine Gefühle nicht beschrieben. Nie zuvor und niemals danach habe ich einen solchen Schock gespürt, diese Schmerzen, dieses Unglauben und dann wieder Schmerzen, als mich die Realität wieder einholte. Ich weinte keine einzige Träne. Irgendwie schaffte ich es, diese Stunden rumzubringen, der schwierigste Flug, den ich je hatte.

Ich landete am Morgen und erreichte das Krankenhaus, wo meine Eltern und Yashendu auf mich warteten. Purnendu war im Krankenhauszimmer, sein Bein gebrochen und im Gips. Ansonsten ging es ihm gut. Ein paar Kratzer, ein kleiner Verband hier oder da. Er hatte vor dem Unfall geschlafen und war danach bewusstlos gewesen. Aufgewacht war er im Krankenhaus. Ich erfüllte die schwierige Aufgabe, ihm zu sagen, dass Para nicht mehr am Leben war.

Sobald Purnendu entlassen wurde, nahmen wir Paras Leichnam aus dem Krankenhaus und fuhren in Richtung Vrindavan. Auf dem Weg riefen wir ein paar Leute an, um die Verbrennung zu organisieren. Wir wollten keine Minute länger warten, als unbedingt notwendig. Alle weinten, Ammaji am Boden zerstört über den Verlust ihrer Tochter und wir mussten noch unserer Großmutter, die daheim wartete und vom Ausmaß der Tragödie nichts wusste, die traurigen Nachrichten überbringen.

Im Ashram waren die Vorbereitungen für die Verbrennung begonnen wurden. Dadurch hatte Naniji verstanden, dass das Schlimmste geschehen war. Es waren die dunkelsten Stunden für unsere Familie.

Alle weinten, aber ich fand weder Zeit noch Raum für Tränen. Es schien, als wäre mein Verstand noch nicht zu dem Punkt gekommen zu akzeptieren, was geschehen war. Einmal hob ich sogar das Tuch über ihrem Gesicht an, als könnte ich nicht glauben, dass das wirklich geschehen war. Es war sie.

Wir brachten ihren Körper zum Verbrennungsplatz. Purnendu blieb wegen seinem gebrochenen Bein zuhause. Ich habe zuvor schon und auch danach noch den Tod gesehen, aber bis heute bleibt dies der schrecklichste Augenblick meines Lebens: als wir das Holz unter dem Leichnam meiner Schwester in Brand setzten. Sie war weg.