Das Teilen von intimen Erinnerungen stärkt die Beziehung – 25 Sep 16

Neulich haben Ramona und ich in der Früh über die Zeit gesprochen, als wir einander noch nicht kannten. Über unsere Erlebnisse und Gedanken, aber auch über unsere Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, über intime Augenblicke und unser erstes Mal. Wir haben gelacht und gewitzelt und einfach unsere Zeit miteinander genossen. Solche Morgengespräche liebe ich. Diese Zeit bringt uns noch enger zusammen, als wir es sowieso schon sind. Während wir so redeten, sagte ich ‚Für indische Paare ist es undenkbar, so miteinander zu reden!‘ Und das ist wahr!

In dieser Gesellschaft ist Sex im Allgemeinen ein Tabuthema. Man spricht nicht über Sex, aber da ist noch mehr: selbst wenn man mit seinen Freunden – gleichgeschlechtlich natürlich – Witze über Sex macht, sprichst man nicht über persönliche Erfahrungen. Und selbst wenn man das Thema Sex mit seinem Ehepartner anspricht, was an sich bei einem indischen Paar schon eine Ausnahme wäre, würde man nie über seine Erfahrungen von VOR der Ehe sprechen!

Das kommt daher, dass alle Inder zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit eigentlich Jungfrauen sein sollten! Oh ja, selbst wenn deine Ehe arrangiert wurde, als du bereits 35 warst, haben dich deine Eltern als Jungfrau präsentiert! Natürlich, alles andere wäre ja wie Kleidung aus zweiter Hand!

Es ist also unmöglich, mit seinem Ehepartner so frei zu sprechen! Es wäre wahnsinnig hilfreich, wenn man über solche frühere Erfahrungen sprechen würde, weil man dann schon einmal erzählen könnte, was einem gefällt und was nicht, man könnte lustige intime Augenblicke miteinander teilen und vor allem könnte man sich zu einem Grad öffnen, das man mit niemand anderem jemals erreicht! Das könnte euch wirklich viel enger zusammenbringen und eure Beziehung zu etwas Besonderem machen.

Es ist befreiend, solche Gespräche zu führen, weil der andere dann wirklich alles über dich weiß! Da ist dann nichts mehr verborgen und du kannst darauf vertrauen, dass der andere dich und deine Reaktionen versteht – weil du auch die traurigen oder verletzenden Augenblicke deiner Vergangenheit nicht versteckst!

Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass viele Inder und sogar viele Leute im Westen Sex immer noch für etwas Schmutziges halten. Dieser Gedanke und diese Gefühle sind über Generationen der Unterdrückung der Sexualität hinweg entstanden. Natürlich ist es nicht einfach, solche Gedanken hinter sich zu lassen, wenn einem seine Eltern immer erzählt haben, dass es eine Sünde an Gott ist, überhaupt an Sex zu denken!

Doch die Zeiten ändern sich und viele Menschen haben schon ihre Sicht auf Traditionen und Bräuche geändert – warum also nicht auch die Reste aufgeben wie zum Beispiel Schuldgefühle, wenn es ums Thema Sexualität geht?

Fühlst du dich allein? Öffne dich und du erlebst neue Möglichkeiten – 29 Aug 16

Vor ein paar Tagen haben wir eine Email bekommen von einer Dame, die bereits vor ein paar Jahren bei mir zu einer Beratung war. Damals hatte sie körperliche Probleme und ich konnte ihr mit einigen Tipps für Yogastellungen und Ayurvedische Ernährung helfen. Dieses Mal jedoch schrieb sie mir wegen eines anderen Problems: sie fühlte sich einsam!

Diese junge Frau ist etwas über 30, hat ihre Arbeit, die ihr Spaß macht und geht regelmäßig mit ihren Freunden aus. Sie sehnt sich jedoch nach einem Partner. Das ist nicht überraschend, jeder Single um die 30 hat solche Themen, männlich oder weiblich. Das ist eigentlich nur Biologie. Die Einzelheiten jedoch ließen mich darüber nachdenken, dass meine Antwort vielleicht noch einigen weiteren Leuten in ihrer Situation helfen könnte.

Sie ist schon seit vielen Jahren Single. Es gab kurze Beziehungen, aber öfter als das waren da One-Night-Stands oder offene sexuelle Begegnungen mit jemandem, mit dem sie eine Vereinbarung hatte: wir können Sex haben, werden es aber nie zu einer Beziehung kommen lassen. Emotional lag ihr an diesem Mann nicht viel, noch hat sie irgendeine andere solche Person, zu der sie sich hingezogen fühlt. Doch sie wünscht sich dieses Gefühl der Nähe. Sie will die Abende und Nächte nicht mehr alleine verbringen. Ein natürliches Bedürfnis danach, gehalten zu werden und zu halten.

Ohne zu viele persönliche Einzelheiten zu erzählen, lasst mich einfach sagen, dass sie in der Vergangenheit Möglichkeiten gehabt hat, Freunden oder Bekannten näher zu kommen, diesen Weg jedoch bewusst nie eingeschlagen hat.

Ich sagte ihr, sie solle sich öffnen und ihre Angst etwas runterkurbeln. Die Angst davor verletzt zu werden oder eine Freundschaft durch eine Beziehung zu ruinieren. Solange du der Welt zeigst, dass du eine taffe alleinstehende Frau bist, die das Leben selbst angeht und ihre Unabhängigkeit liebt, gibt es vielleicht wenige Männer, die sich trauen, ein entsprechendes Angebot zu machen. Du scheinst als würdest du sie nicht in deinem Leben haben wollen! Du schließt praktisch die Türen vor solchen Angeboten, obwohl du willst, dass Leute reinkommen und etwas vorschlagen!

Offen zu sein bedeutet nicht, dass man einfach irgendjemanden reinlässt und auf seinen Gefühlen und Emotionen herumtrampeln lässt. Es bedeutet jedoch, dass man die Bereitschaft signalisiert, dass der Richtige kommen kann. Dass du es zulässt und ein Abenteuer beginnst.

Geh nicht auf Nummer sicher. Das Leben ist nicht sicher und gute Dinge geschehen in dem Augenblick, in dem du deine Wachsamkeit und Zurückhaltung fallen lässt. Lass den Funken, von dem du träumst, zu dir kommen – und du wirst merken, dass es so viel einfacher ist, als ständig mit dir selbst zu kämpfen! Vielleicht gibt es Enttäuschungen und hin und wieder auch Schmerzen – aber mehr als das hast du die Möglichkeit das zu bekommen, wonach du dich sehnst: Liebe.

Die Quelle des Betrugs in der Beziehung – Mangel an Liebe? – 5 Aug 16

Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das zunächst ganz glasklar erscheint, das jedoch Menschen rund um den Globus schon jahrhundertelang Probleme bereitet: Untreue in der Partnerschaft. Wenn ein Partner den anderen betrügt. Oder sogar beide einander. Meiner Meinung nach kann das nur passieren, wenn es an Liebe fehlt. Oder zumindest einer gewissen Art der Liebe!

Wie ich bereits sagte scheint es ganz klar: Betrug ist falsch und schlecht. Man sollte das nicht tun, man befindet sich in einer Beziehung, man hat ohne Worte zugesagt, alles zu tun, um den anderen glücklich zu machen und auch nicht mit jemandem anderen zu schlafen! Also nein, da geht man nicht hin und schläft mit anderen und verletzt den, den man liebt.

Warum jedoch geschieht es trotzdem? Warum würde jemand statt in seiner Beziehung Nähe zu einer komplett anderen Person suchen? Da meine ich, dass es an Liebe fehlt. Man würde gar nicht soweit kommen, das einer geliebten Person anzutun!

Was ist mit denjenigen, die in ihrer Beziehung Polygamie vereinbaren? Sie machen miteinander aus, dass der andere mit einer dritten Person schlafen kann. Sie gehen auf Dates, sie schlafen mit anderen und haben immer noch eine Beziehung miteinander.

Ich habe schon oft gesagt, dass diese Art der Beziehung meiner Meinung nach nie lange hält. Nun gehe ich noch einen Schritt weiter: ich glaube, dass in dieser Art der offenen und polygamen Beziehung nie diese Art der Liebe, der Leidenschaft und Intimität entstehen kann, wie in einer Beziehung zwischen nur zwei Partnern! Oft kommt die Idee einer offenen Beziehung schließlich genau daher: man hat das Bedürfnis nach mehr, du spürst nicht genug dieser Liebe und Leidenschaft, doch du willst auch diesen Anker nicht verlieren. Du willst Sicherheit und gleichzeitig den Nervenkitzel des Sex anderswo.

Versteht mich nicht falsch: wenn ich sage, dass es in beiden Fällen an Liebe mangelt, bedeutet das nicht, dass da gar keine Liebe ist. Nein, die besteht wahrscheinlich schon – aber ich glaube, das könnte eher wie Liebe zwischen Geschwistern aussehen, eine Liebe für die Sicherheit, die der andere dir gibt, indem er einfach immer da ist, eine Liebe für das Gefühl, dass da jemand ist, wenn man niemand anderen findet.

Doch man kann diese Gefühle, die man zwischen zwei Liebenden hat, nicht auch haben, wenn man Sex mit vier Personen hat! Man kann nicht allen Sexpartnern das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein, der Einzige zu sein, mit dem man so tief und so weit geht, den man so nah an sich ranlässt!

Trotzdem ist Betrug in allen Fällen falsch. Wenn du das Gefühl hast, dass in deiner Beziehung etwas fehlt, beende bitte entweder deine Beziehung oder erkläre es deinem Partner, um für eine offene Beziehung die Weichen zu stellen. Wenn euch das glücklich macht, ist das toll für euch. Aber betrüge deinen Partner nicht und mache ihn nicht unglücklich! Mache dein Leben freudenvoller, das ist definitiv wichtig, doch nicht indem du jemand anderen unglücklich machst und sein oder ihr Vertrauen brichst!

Die Folgen häuslicher Gewalt und arrangierter Ehen – 10 Jun 16

Gestern habe ich euch erzählt, dass einer meiner Facebook-Freunde gekommen ist. In einem unserer längeren Gespräche, kamen wir natürlich auch auf die Themen von Kultur, Beziehungen und Liebe zu sprechen. Wir teilten einige Gedanken zu den Problemen, die da entstehen könnten und sprachen natürlich auch über mögliche Lösungen. Mit all diesen Gedankengängen, wollte ich einen kleinen Teil hiervon auch mit euch teilen.

Wenn wir über indische Kultur und Beziehungen sprechen, wird da immer ein Thema aufkommen: arrangierte Ehen. Jede Menge Menschen hier, in der Tat die Mehrheit der Inder, glaubt immer noch sehr stark an dieses Konzept. Darunter sind auch junge Leute, die von Beginn ihres Lebens die Vorstellung haben, dass ihre Eltern ganz sicher den richtigen Partner für sie finden. Was jedoch muss man dafür tun, dass diese Vorstellung zur Wirklichkeit wird? Außer dem Glück, jemanden passenden zu finden, braucht es Vertrauen. Was jedoch kann man tun, wenn ein Kind dieses Vertrauen nicht hat?

Ich glaube, das geschieht in dieser Gesellschaft recht oft und sogar noch häufiger mit dem Fortschreiten moderner Medien, der Globalisierung und Möglichkeiten zu reisen, mehr zu sehen und freier zu sein. Junge Menschen bekommen viel mehr zu sehen, als was sie in der Vergangenheit erfahren konnten. Sie vertrauen vielleicht auch nicht mehr, dass ihre Eltern die richtige Entscheidung treffen. Und oft muss man auch gar nicht lange suchen um zu verstehen warum: bei ihnen daheim sehen sie oft ein Beispiel dafür, wie Ehe NICHT aussehen sollte.

Streit, Unterdrückung und sogar Gewalt – in vielen indischen Familien nichts Ungewöhnliches!

Es ist meiner Meinung nach auch kein Wunder, dass das bei einem kleinen Kind Narben hinterlässt. Diese Narben können so tief gehen, dass die Vorstellung von Ehe furchterregend wirkt. Dass in dem jungen Menschen der Wunsch nach Liebe, Nähe und Intimität besteht – doch die Angst vor Gewalt zu groß ist! Da ist kein Vertrauen – in das andere Geschlecht, dass die Eltern die richtige Wahl treffen und sogar, dass sie selbst die richtige Wahl treffen.

Eine junge Frau kann sehr wohl Angst davor bekommen, dass ihr zukünftiger Ehemann sie genauso schlägt, wie ihr Vater ihre Mutter geschlagen hat. Junge Männer können Angst davor haben, dass ihre zukünftigen Ehefrauen sich ständig beschweren, ihre Enttäuschung zeigen und versuchen, Streit anzuzetteln, genau wie ihre Mutter das mit ihrem Vater tat.

Gleichzeitig haben sie ein Verlangen nach diesem Ideal der Liebe, das sie in Filmen sehen oder von dem sie in Geschichten hören. Sie haben dieses Bedürfnis nach Akzeptanz und Liebe, aber sie trauen sich nicht.

Für mich macht das eines ganz deutlich: wir müssen mehr dafür tun, häusliche Gewalt zu stoppen. Wir müssen den Menschen ihre Möglichkeiten bewusst machen, die Möglichkeit zu gehen zum Beispiel oder sogar Anzeige zu erstatten. Wir müssen das Anzeigen einfach machen. Und schließlich halte ich arrangierte Ehen immer noch für den falschen Weg, da mehr Menschen von ihrem Partner, der für sie ausgesucht wurde, enttäuscht sind. Das führt zu Konflikten und einer ungesunden Umgebung für Kinder.

Mehr als alles andere jedoch möchte ich die Eltern bitten: seid euren Kindern ein Beispiel, denn sie lernen mehr von euren Taten als von euren Worten!

Ehe und Beziehungen – ein schwieriges Konzept für eine Vierjährige! – 7 Mär 16

Heute möchte ich euch gerne von Liebe, Heirat und Kindern erzählen – und von ihren vielen Fragen! Ich tue das, während ich zusehe und zuhöre wie meine vierjährige Tochter mehr über das Leben lernt!

Apra weiß, dass ihre Eltern verheiratet sind. Sie hat Bilder davon gesehen, wie Ma und Pa heiraten, von der Feier mit den Gästen und natürlich das schöne Kleid. Viele der Freunde ihrer Eltern sind verheiratet: Thomas und Iris, Sonja und Peter, Michael und Andrea und so weiter. Selbst Oma und Opa. Es gibt andere, alleinstehende Freunde, die immer alleine kommen. Natürlich kommt bei ihnen diese Fragen gar nicht erst auf. Da gibt es jedoch noch eine dritte Art Freund: diejenigen, die nicht verheiratet, aber in einer Beziehung sind!

Apra nimmt einfach an, dass sie verheiratet sind. Veri und Chris waren vor Kurzem hier. Ich habe euch von ihrem Besuch erzählt. Irgendwie kamen wir auch das Thema Hochzeiten und ich glaube da fragte Apra Veri: Wann habt ihr denn geheiratet?

Veri antwortete, dass sie überhaupt nicht verheiratet seien – und eine gute Weile lang konnte Apra das gar nicht glauben! Sie fragte dreimal hintereinander, ob das wahr sei und ließ sich die Antwort jedes Mal auch von ihrer Mutter bestätigen, für den Fall, dass Veri und Chris sich mit ihr einen Spaß erlauben.

Doch die Information wurde wiederholt und so fragte sie schließlich: warum nicht?

Nun versuchen wir alle, dieser Vierjährigen zu erklären, dass man jede Menge Zeit zusammen verbringen kann, den anderen lieben kann und trotzdem nicht verheiratet sein muss. Wann oder warum heiratet man dann, wenn es sowieso fast das Gleiche ist? Ich witzele immer und nenne diese Zeit vor der Hochzeit die ‚Testperiode‘ einer Beziehung! Eines Tages beschließt man einfach, dass es vorbei ist! Nun kann man eine Feier veranstalten und es ‚offiziell‘ machen, dass die Beziehung für immer halten wird!

Wäre deine Liebe nicht gut genug ohne dieses Zertifikat? Ich habe den Menschen schon immer erzählt, dass wir verheiratet sind, bevor wir ein Papier unterschrieben hatten – denn so fühlte es sich für mich an. Versuche mal, das einem kleinen Mädchen zu erklären!

Sie verarbeitet alle Information, die man ihr gibt, speichert sie in ihrem kleinen, aber so schnellen Kopf ab und verknüpft sie mit anderen Dingen, die sie gehört oder gelernt hat. Dir macht das auch Freude, weil du das Gefühl hast, dass du ihr etwas Besonderes übers Leben beigebracht hast, etwas, das wirklich wertvoll ist. Du hast das Gefühl, sie hätte etwas Wichtiges verstanden. Dazu kommt, dass du Dinge sagen kannst wie ‚Ma und Pa haben einander soooooo lieb!‘

Und dann, Stunden später, wirst du gefragt: ‚Bist du sicher, dass Veri und Chris nicht verheiratet sind?‘ 🙂

Aufregender, verbotener Sex in einem Yoga Ashram – 9 Feb 16

Gestern habe ich euch von einer Email erzählt, in der die Verfasserin fragte, ob sie mit ihrem Partner in einem Zimmer übernachten könnten. Während wir glauben, dass das keine Frage sein sollte, ist es das leider für viele spirituelle Orte und Ashrams. Sie machen etwas Schmutziges aus Sex, etwas, was auf ihrem Grund und Boden nicht stattfinden sollte und kontrolliert werden muss. Die Folge ist jedoch klar und deutlich: dann wird das eben im Geheimen erledigt!

Ich kannte einen Mann aus Deutschland, der dort ein Yogazentrum hatte. Ich hatte ihn in Deutschland kennen gelernt und in seinem Zentrum sogar Programm gegeben. Als er zusammen mit seiner Freundin nach Indien reiste, kam er auch in unseren Ashram und natürlich hatten sie zusammen ein Zimmer. In jenen Tagen führten wir auch einige Unterhaltungen über diese seltsame Regel, weil seine Freundin gerade in einem solchen Ashram gewesen war!

Sie hat eine vierwöchige Yogalehrerausbildung in einem Ashram eines Yoga-Gurus gemacht. In dem Ashram wurden Männer und Frauen streng getrennt und es war sogar verheirateten Paaren nicht erlaubt in einem Zimmer zu schlafen. Das wurde ihnen klar, als ihr Freund sie nach etwa zwei Wochen besuchen kam und sie sich im Ashram nicht treffen konnten! Er hatte ein Zimmer, sie ein anderes und es war ihnen nicht erlaubt, den jeweils anderen im Zimmer zu besuchen!

Am Ende schlich er sich an seinem letzten Abend dort in ihr Zimmer und sie trafen sich für eine körperliche Wiedervereinigung und einen Abschied im Bett. Er wollte nicht gehen, ohne seine Freundin zumindest einmal geküsst zu haben! Er erzählte mir, dass es ihm schon leid tat, dass er die Regel verletzt hatte, dass er aber trotzdem das Gefühl hatte, dass es für sie gut und notwendig gewesen war, einander zu spüren. Sie wussten beide, dass sie nie wieder an diesen Ort zurückkehren würden.

Das Einzige, was dieser Ashram also mit seiner Regel geschafft hatte, war, in den Herzen zweier liebender Menschen Abneigung zu schaffen! Sie schafften es nicht, sie auseinander zu halten, konnten sie nicht davon abhalten, miteinander zu schlafen. Sie haben es vielleicht geschafft, das Ganze etwas aufregender zu machen, weil es verboten war – aber am Ende glaube ich nicht, dass dieses Paar auf lange Sicht hin Sex als schmutzig ansehen wird!

Leider gibt es sicher auch Leute, bei denen sie Erfolg haben. Die Sex und die liebevolle Berührung einer anderen Person als etwas Schmutziges sehen werden. Und das ist falsch!

Der größte Witz an dem Guru der Frau war jedoch, dass er nur in den Augen der Öffentlichkeit enthaltsam lebte! Ich kannte den Mann und war nicht der Einzige, der genau wusste, dass er auch eine Freundin hatte! Er war schon viele Jahre lang in einer Beziehung, tat aber öffentlich weiter so, als lebe er enthaltsam. Diese Gurus halten sich nicht etwa von Sex fern, aber sie kontrollieren gerne und schaffen deshalb diese Regel für ihre Schüler und Anhänger!

Mein Vorschlag ist, keinen Ort zu besuchen, der solche Regeln aufstellt. Damit begibst du dich in eine Umgebung, in der natürliche Gefühle unterdrückt werden. Und meistens sind es scheinheilige Menschen, die solche Regeln schaffen und durchzusetzen versuchen!

Wenn deine Schwiegermutter nach deiner Hochzeit deinen Menstruations-Kalender führt – 11 Jan 16

Zu Apras Geburtstag waren viele Freunde gekommen und es war wirklich schön, wieder einmal mit Ihnen zu reden! Als wir beisammen saßen, erzählte eine Freundin, die vor etwa einem Jahr geheiratete hat, wie viel Druck sie nicht nur von ihrer Familie und ihren Schwiegereltern bekam, sondern auch von der Gesellschaft allgemein. Was für Druck? Endlich schwanger zu werden!

Ja, hier in Indien ist es recht normal, dass einige Monate nach der Hochzeit – die natürlich arrangiert war – jeder die frohe Nachricht erhält: ein Baby ist auf dem Weg! So funktioniert es, so soll es sein und das ist schließlich der ganze Sinn der Ehe. Von dir wird erwartet Kinder zu bekommen, vorzugsweise Jungen, um sicherzustellen, dass der Familienname fortgeführt wird und dass du Erben für das Familiengeschäft zur hervorbringst! Das ist dein Haupt-Lebenszweck nach der Hochzeit: so schnell wie möglich Kinder zu bekommen!

Diese Freundin erzählte, dass sie und auch ihr Ehemann eigentlich recht zufrieden damit waren, nicht gleich Kinder zu bekommen, sondern stattdessen einfach etwas Zeit damit zuzubringen, einander kennen zu lernen und ihre Beziehung zu intensivieren. Das ist in Indien eine sehr ungewöhnliche Idee, da die meisten Menschen sagen, das Kind sei eine Art Kleber oder Magnet für die Eltern, die einander aufgrund des Kindes näher kommen! Während sie beide mit dieser Situation glücklich waren, waren das die Familien jedoch nicht! Sie war unglücklich über den Druck, der von überall her aufgebaut wurde!

Eine weitere Freundin, deren dreijährige Tochter in dem Augenblick mit Apra spielte, erinnerte sich an die gleiche Situation nach ihrer eigenen Hochzeit. Ihre Schwiegermutter hatte begonnen, sie jeden Monat anzurufen und zu fragen, ob sie bereits ihre Periode gehabt hatte. Sie begann sogar, im Kalender anzustreichen, wann ihre Schwiegertochter ihre Menstruation hatte und rief genau an diesen Tagen an, woraufhin sie immer wieder sehr enttäuscht war, wenn sie hörte, dass sie blutete, also nicht schwanger war!

Könnt ihr euch vorstellen, was für ein Gefühl das einer Frau gibt? Du bist praktisch nur als Brutstation da, sonst nichst! Egal, was du willst oder nicht – deine ganze Umgebung denkt, du musst ein Baby wollen. Sie warten alle auf die frohe Nachricht.

Wenn diese einige Monate lang oder sogar ein Jahr lang nicht kommt, beginnen die Gerüchte: sie müssen Probleme haben, schwanger zu werden! Wer der beiden ist wohl unfruchtbar? Sind sie in Behandlung? Oder ist er vielleicht nicht an Sex interessiert, etwa gar schwul?

Oh, Gerüchte-liebende Nachbarschaften freuen sich, solche Themen zu haben und sie riechen überall Skandale, auch wenn da nichts anderes ist als Mutter Natur am Werk!

Es ist lächerlich, dass wir Frauen und auch Männern sagen, wie ihr Leben aussehen sollte und wann sie im Leben was denken oder wünschen sollen! Es ist für eine Gesellschaft im Ganzen und auch für die individuellen Frauen nicht gesund. Denn was geschieht, wenn sie wirklich nicht schwanger werden können? Doch zu diesem Szenario morgen mehr.

Wenn Frauen die außerehelichen Affären ihrer Ehemänner akzeptieren – 7 Dez 15

Als ich in Deutschland war, haben einige Freunde Geschichten von ihren Freunden erzählt. Eine dieser Geschichten ließ mich an die Situation vieler Frauen hier in Indien denken und ich überlegte, ob es am Ende doch kein so großer Unterschied war: in Beziehungen beschließen manche Frauen einfach, die Affären ihrer Ehemänner zu akzeptieren. Aus Bequemlichkeit oder aus Angst.

Ein Freund erzählte mir, dass eine Frau, die er nun schon seit mehr als zwanzig Jahren kannte, schon eine ganze Weile lang mit ihrem Ehemann auf sehr ungewöhnliche Weise lebt: ihr Ehemann kommt sie nur etwa einmal die Woche besuchen. Den Rest der Woche lebt er bei seiner Freundin. Immer, wenn er heimkommt, ist es, als wären sie ein ganz normales Ehepaar: er bingt seine Wäsche heim, die sie wäscht, sie kocht für eine Person mehr und er ist eben einfach wieder daheim.

Sie schlafen jedoch nicht in einem Bett – und das war der Punkt in der Geschichte, an dem ich einfach fragen musste: was kam zuerst, dass sie in getrennten Betten schliefen oder die Freundin? Es war der Schlaf in getrennten Betten! Die Frau hatte ihrem Mann mal gesagt, dass sie keine Lust mehr auf eine sexuelle Beziehung zu ihm hatte. Sie wollte nicht mehr mit ihm schlafen und gab ihm die Möglichkeit, hinzugehen, wo er wollte, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Sie haben sich aus mehreren Gründen nicht getrennt, hauptsächlich, weil es so viel einfacher ist: sie regeln ihre Konten und Steuern gemeinsam, sie kann weiter so leben wie immer und er hat auch seine Freiheit. Sie verstehen sich gut, alles ist in Ordnung.

Ich musste an die Familien denken, die Ramona hier in Indien besuchen geht, die Eltern unserer Schulkinder, von denen die Frauen oft so tun, als hätten sie eine normale, glückliche Beziehung, während ihre Ehemänner außerhalb ihrer Ehe sexuell sehr aktiv sind. Es ist sogar von Außen ganz klar sichtbar, dass die Frau öfter allein ist, als mit ihrem Ehemann zusammen – doch sie halten das Bild einer Ehe aufrecht. Das Vorgeben eines Lebens zusammen als Paar, weil es einfacher ist als eine Trennung und für sie besser, als in einer Gesellschaft, die Scheidungen missbilligt.

Ich sahe Ähnlichkeiten, weil es so ziemlich das Gleiche ist. So ist es bequemer. Gleichzeitig will ich nicht darüber urteilen, ob das richti oder falshc ist oder vielleicht richtig im Kontext eines Landes und falsch in der Situation eines anderen! Es war einfach eine Ähnlichkeit, die ich gesehen habe und aufzeigen wollte – vielleicht findet ihr das ja auch interessant.

Eine offene Beziehung auszuprobieren ist nicht falsch – ich glaube nur nicht, dass es funktioniert! – 3 Dez 15

Nachdem ich in den letzten drei Tagen über offene Beziehungen geschrieben habe und Gründe genannt habe, warum diese oft nicht funktionieren, würde ich hier gerne noch eine weitere Sache klarstellen: während ich glaube, dass es nicht von Erfolg gekrönt sein kann, sehe ich nichts Falsches daran, wenn es jemand ausprobieren will!

Ich bin im allgemeinen sehr offen eingestellt und das gilt auch für das Thema Sex. Ich glaube, es ist vollkommen deine Wahl, mit wem du gerne schlafen möchtest. Wenn du dich danach fühlst, im Laufe der Woche mit mehreren unterschliedlichen Leuten Sex zu haben, tue das doch bitte. Wenn du dich nicht danach fühlst, dich an eine einzelne Person zu binden, tue es nicht. Wenn du gerne einen festen Partner haben möchtest und mit demjenigen übereinstimmst, mehr Sexualpartner zu haben, so ist das auch völlig in Ordnung.

Sex ist zum Tabu geworden, obwohl es das Angenehmste auf der Erde ist zu tun, auszuprobieren und Experimente mit zu machen. Vielleicht wurde Sex genau wegen dieses Vergnügens immer wieder unterdrückt, im Versuch, die Menschen zu kontrollieren.

Stattdessen kannst du Sex dazu verwenden, dich zu stärken. Wenn ich das sage, meine ich jedoch nicht, dass man stärker wird, wenn man mit so vielen Leuten schläft wie möglich, nur weil die Gesellschaft einem sagt, man solle das nicht tun. Nein, ich meine, dass man auf sein Herz hören sollte und den Bedürfnissen seines Körpers folgen sollte, sowie seinen Gefühlen. Dass man sich von Traditionen und gesellschaftlichen Regeln nicht davon abhalten lassen sollte, den Weg zu gehen, den einen sein Herz führt.

Auf lange Sicht gesehen jedoch glaube ich, dass das Herz der meisten Leute ihnen sagen wird: Oh, das ist der/die Eine, eine Person, die ich nicht mit anderen teilen will und für die ich auch die/der Einzige sein will.

Alles andere ist in meinen Augen einfach nicht erfolgreich.

Wie jede Menge Sex ein trockenes Ritual werden kann – 2 Dez 15

In den vergangenen zwei Tagen habe ich euch zwei Gründe erklärt, warum offene Beziehungen oft nicht funktionierten. Hinter beiden Szenarien, die ich da beschrieben habe, gibt es einen wesentlichen Grund für das Scheitern: Sex wird als Technik gesehen, eine Handlung, die wie Unterhaltung ist, von der man einen gewissen Nervenkitzel bekommt – und sie vergessen die Liebe!

Es gibt viele Leute, die von der Vorstellung offener Beziehungen fasziniert sind und bei ihrem Versuch jede Menge Sex mit jeder Menge verschiedener Menschen haben. Sie wecheln ihre Partner manchmal so häufig, dass sie sich nicht einmal mehr daran erinnern, mit wem sie alles geschlafen haben! Da fehlt das Gefühl. Dann ist Sex nur körperlich, ein Ritual, das man durchführt, da ist keine Liebe mehr!

Nach einer Weile beginnen sie, etwas zu vermissen. Sie erkennen, dass sie etwas nicht haben, nach dem sie suchten: die tiefere Bedeutung einer Beziehung. Die Möglichkeit, sich auf einer Ebene zu verbinden, die so viel tiefer geht als reine körperliche Berührung es kann! Ihnen felt die Liebe!

Das kann ja auch gar nicht sein! Wenn Sex für dich nur ein Ritual ist, wenn es eigentlich egal ist, mit wem, oder wenn du auch deine Partner auswählst, sie aber häufig wechselst, kannst du nicht auf die gleiche Weise eine Verbindung eingehen, wie du das in einer Beziehung mit nur einer Person kannst. Und du kannst nicht das gleiche Gefühl, das du usprünglich mit diesem einen Partner hattest, mit jedem deiner Sexualpartner teilen.

Du kannst Sex teilen, körperlichen Kontakt und das Ritual, aber du kannst nicht die gleiche Zuneigung, das gleiche Gefühl und die gleiche Liebe teilen. Liebe ist der Kleber, der dich und deinen Partner zusammenhält. Die Leute denken oft, Sex sei der Kleber – doch in Wirklichkeit ist es die Liebe.

Sex ist meiner Meinung nach auch wichtig! Oh ja, Sex kann in einer Beziehung so viel intensivieren und eine wichtige Rolle dabei spielen, zwei Menschen einander wirklich nahe zu bringen. Aber nur, wenn es auch eine weitere Verbindung gibt, als nur die körperliche. Man kann eine tolle Nacht mit jemandem haben und sogar regelmäßige sexuelle Erfahrungen, die jedes körperliche Bedürfnis stillen und es kann sich trotzdem noch anfühlen, als würde dir etwas fehlen.

Dieses ‘etwas’ ist Liebe. Und meiner Meinung nach ist es unmöglich, diese tiefe Liebe und diese Verbindung mit mehr als einer Person zu haben!