Wie ständige Anleitung die Entwicklung deines Kindes einschränken kann – 11 Aug 15

Während Ramona und ich Apra beim Spielen zusahen, kam unser Gespräch, wie so oft, wenn wir mit ihr Zeit verbringen, zum Thema Erziehung und Elternsein und wie das, was man jetzt tut, so eine riesige Auswirkung auf die Zukunft seines Kindes hat. Dieses Mal dachten wir über die Unterschiede im Kind nach, wenn man ihm immer Anweisungen gibt, was es machen soll und wenn man seinem Kind die Freiheit gibt zu tun, was es will.

Ich glaube, man benötigt ein Gleichgewicht aus beidem, doch bei einem kleinen Vergleich unserer zwei Länder und Kulturen bemerkten wir, dass viele Leute oft in eine oder die andere Richtung ins Extreme gehen!

Wenn man Familien hier in Indien besucht, merkt man oft, dass zwar Erwachsene daheim sind, sie sich jedoch nicht aktiv mit den Kindern beschäftigen. Die Mutter macht den Haushalt, andere Familienmitglieder unterhalten sich und die Kinder spielen allein. Sie finden selbst ihre Spiele, ihre Spielsachen und füllen ihre Zeit praktisch ohne Anleitungen, feste Spiele oder Erwachsene, die mit ihnen spielen.

Manchmal und besonders in ungebildeten Familien kann das zu großen Gefahren führen! Kinder erforschen ihre Umgebung – die definitiv nicht kindersicher ist – und verletzen sich oft auch ernsthaft. Wäre ein Erwachsener bei ihnen gewesen oder einfach nur ein bisschen aufmerksamer gewesen, hätten Unfälle vermeidet werden können. Selbst in Großfamilien, wo genug Erwachsene wären, die sich um die Kinder kümmern könnten, geschehen solche Dinge.

Im Westen sind die Kinder, wie ich in vielen Familien gesehen habe, wirklich immer unter Aufsicht und meistens auch aktiv mit einem Erwachsenen beschäftigt. Während das schlimme Unfälle verhindert, gibt es Erwachsenen auch die Möglichkeit, Talente zu entdecken und zu fördern.

Von klein auf gibt es strukturierte Spielzeit. Erwachsene bereiten die Spielsachen vor, mit denen die Kinder spielen sollen und spielen mit ihnen, geben ihnen ständig neue Informationen und bringen ihnen Neues bei. Später gehen die Kinder in den Kindergarten und in die Schule, wo sowieso immer Struktur herrscht. Nach der Schulzeit gibt es Musikunterricht, wird das Instrument geübt und natürlich werden auch Hausaufgaben gemacht. Es gibt Anleitungen, was wann und in welcher Reihenfolge getan werden soll. Sogar bei Spielnachmittagen mit Freunden habe ich Eltern gesehen, die das Bedürfnis verspüren, ihren Kindern genau zu sagen, was gespielt werden soll.

Ich glaube, das Problem bei zu viel dieser Anleitung ist, dass die Kinder sich so daran gewöhnen zu tun, was andere ihnen sagen, dass sie nicht einmal mehr wissen, was sie selbst machen wollen! Besonders mit traditionellen Lehrmethoden und strengen Eltern werden sie nicht dazu ermutigt, selbst auszuprobieren und es herauszufinden! Sie können nicht hinfallen und sich verletzen. Sie mussten nie entscheiden, was sie tun sollen. Und sie wissen auch nicht, was sie tun wollen!

Am Ende haben wir jede Menge junge Erwachsene, die eigentlich keine Ahnung haben, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Sie kommen aus der Schule und warten immer noch darauf, dass ihre Eltern ihnen sagen, wo sie sich bewerben sollen oder dass ein Lehrer ihnen sagt, was sie jetzt mit ihrem Leben weiter machen sollen. Sie folgen nur dem, was ihnen gesagt wird, weil sie sich damit sicher fühlen.

Ich glaube, wir müssen Kindern freien Raum geben, ihre eigenen Wünsche zu entwickeln. Wir sollten sie sanft zum Lernen anleiten, doch gleichzeitig müssen wir ihnen genug Raum geben, herauszufinden, was sie gerne lernen möchten! Wir sollten ihnen Sicherheit geben, ohne ihnen die Möglichkeit zu nehmen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

Ma und Pa das erste Mal allein daheim, ohne ihre dreieinhalb-jährige Tochter – 14 Jul 15

Gestern habe ich euch von Apras großer Reise ohne uns erzählt: zwei Nächte und drei Tage mit ihrem Onkel und ihrer Urgroßmutter in Khajuraho! Sie hatte so viel Spaß – und was ist mit uns, ihrer Ma und ihrem Pa?

Ich habe euch schon erzählt, dass wir mit Apra über das Einschlafen ohne uns gesprochen haben, bevor sie wegfuhr. Wir wussten, dass das für sie am Schwierigsten sein würde. Wir erklärten ihr, dass wir nicht da sein würden und dass sie dann auch nicht zu uns kommen könnte – doch sie bestand darauf, dass sie damit kein Problem haben würde. Während wir schon dachten, dass sie uns wohl tagsüber nicht vermissen würde, fragten wir uns, ob wir das Gleiche denn auch über uns sagen könnten!

Sobald sie abgefahren waren, hatten wir ein ganz seltsames Gefühl: zum ersten Mal in dreieinhalb Jahren war Apra nicht bei uns! Erst dann erkannten wir, in wie vielen kleinen Handlungen wir uns um sie kümmern und sie mit einbeziehen! Natürlich kam sie nicht in unser Büro, um uns von der Arbeit abzulenken und natürlich war es zu den Mahlzeiten eher ruhig. Es waren jedoch noch viel mehr die kleinen Dinge, die uns zeigten, wie sehr wir unsere Kleine vermissten: wenn wir am Morgen leise sprechen, um sie nicht aufzuwecken – obwohl sie gar nicht in unserem Bett ist! Wenn man für ein Telefongespräch den Raum verlässt, obwohl sie gar nicht da war, um einem in das andere Ohr zu quatschen!

Oh ja, wir haben sie sehr vermisst. Ich kenne viele Eltern, die sagen, dass ein ‚kinderfreies Wochenende‘ herrlich ist, Zeit ohne ihre Kinder. Wir hatten dieses Gefühl nicht wirklich. Ich glaube der Hauptgrund ist, dass uns nichts abgeht, wenn sie hier ist. Wir tun alles, was wir tun möchten und wir genießen alles mit ihr! Es gab nichts, was wir ‚endlich tun konnten‘, als sie nicht mehr da war!

Natürlich waren wir traurig, als wir sie am ersten Abend weinen sahen, doch viel mehr als das waren wir glücklich und unendlich stolz, dass sie auf diese Reise gegangen war, dass sie in der zweiten Nacht ohne Weinen eingeschlafen ist und uns nicht vermisst hat und dass sie wiedergekommen war, übersprudelnd mit all den Abenteuern, von denen sie uns erzählen wollte!

Sie hat auf dieser Reise so viel gelernt! Sie begreift das Konzept der Entfernung ein bisschen besser und versteht, dass man nach einer langen Fahrt im Auto nicht einfach bei seiner Ma und seinem Pa sein kann. Sie hat gelernt, dass sie jemanden um Hilfe bitten kann, wenn man seinen Onkel einen Augenblick lang nicht mehr sie. Sie hat auch gelernt, dass man nicht einfach alleine davonläuft, ohne jemandem davon zu erzählen… eine unschätzbar wertvolle Lektion, wie mir sicher alle Eltern zustimmen werden! Sie hat außerdem noch tausende andere Dinge gelernt, die man eben nur erleben kann, wenn man nicht daheim ist.

Ich glaube, es ist der erste Schritt in die Art von Unabhängigkeit, die ich meinem Kind geben möchte. Ich möchte, dass sie weiß, dass wir immer da sind, egal was, ein sicherer Hafen. Ein Anker für Sicherheit – aber keine Kette, die sie an das bindet, was sie kennt! Sie soll frei sein, diese Welt zu erforschen. Sie soll dieser Aufregung vor einer Reise und neuen Erlebnissen folgen. Auf diese Weise lernt sie glaube ich mehr über die Welt als wir ihr jemals beibringen können, wenn wir nur hier im Ashram herumsitzen! Natürlich werden wir auch mit ihr reisen, aber es wird der Tag kommen, wenn sie nicht nur mit ihren Onkeln verreist, sondern auch allein!

Ich weiß, ich werde an jenem Tag sehr stolz sein – und ich weiß auch, dass ich sie schrecklich vermissen werde!

Rauchen ist im Ashram verboten, aber Raucher werden weder verboten noch verurteilt! – 26 Apr 15

Ich habe es mir nun zur Gewohnheit gemacht, euch jeden Sonntag etwas Aktuelles aus meinem Leben zu erzählen. Heute werden das einige Gedanken sein, die aus einer gestrigen Unterhaltung entstanden. Eine Ashram-Besucherin was sehr positiv überrascht, als wir ihr sagten, es würde uns nichts ausmachen, wenn sie raucht und auch nicht, wenn sie Kaffee trinkt!

Wir sind ein sehr untraditioneller, unkonventioneller und unreligiöser Ashram. Wir haben keine Verhaltensregeln und Vorschriften, was du wann machen musst. Die einzigen Dinge, die wir verbieten sind Alkohol und Drogen im Ashramgelände und das Rauchen auf dem Zimmer oder im Garten. Wenn du ein Raucher bist, kein Problem, geh einfach aus dem Ashram raus und rauch vor dem Tor! Wirklich, viele Besucher tun das – und für uns ist das kein Problem!

Oft kommen die Menschen mit einer gewissen Anspannung hier an, da sie beschlossen haben, dass sie nach Indien gehen und den Ashram besuchen wollen, sich dann aber Sorgen machen, weil sie eine Nikotinsucht haben! Wo können sie dann rauchen? Ihr könnt euch ihre Erleichterung vorstellen, wenn sie unsere Haltung dazu hören – und die allermeisten sind dazu auch noch sehr überrascht.

Der Grund dafür ist, dass es viele Ashrams gibt, die sehr strenge Regeln und eine sehr engstirnige Vorstellung dessen haben, was man tun sollte. Die Grundlage hierfür ist natürlich ihr Glaube, für gewöhnlich ihre Hindu Religion mi dem Einfluss der Ansichten und Lehren ihres Gurus! Wenn ihre Gruppe oder Sekte predigt, Schokolade sei eine Sünde, isst niemand in ihren Ashrams Schokolade!

Das Gleiche gilt für Kaffee und so ist es immer eine weitere riesige Überraschung für viele Leute, wenn wir sie fragen, ob sie denn einen Kaffee dem Chai, dem indischen Gewürztee, den sie üblicherweise hier kriegen, vorziehen würden.

Warum sollte ich dich wegen solcher Dinge aburteilen? Meine Empfehlung wäre, nicht zu rauchen, weil es der Gesundheit schädlich ist. Ich möchte nicht neben dir stehen, während du rauchst, weil ich selbst nicht geschadet werden will und den Geruch nicht mag. Gleichzeitig jedoch halte ich dich nicht für eine schlechte Person, weil du rauchst!

Es ist deine Entscheidung und deine Verantwortung, was du mit deinem eigenen Körper machen willst. Solange du anderen nicht schadest und den Leuten um dich herum mit Respekt und Liebe begegnest, bist du im Ashram herzlich willkommen. Sei du selbst und genieße das Leben – ich kann dir versprechen, dass ich nicht aufgrund solcher Gewohnheiten über dich urteile!

‘Let’s talk about Sex’ heißt nicht ‘Lass uns Pornos schauen’! – 7 Aug 14

Gestern habe ich über die Schuldgefühle geschrieben, die Religionen vielen Menschen dafür vermitteln, dass sie Sex haben – und dass sie Spaß am Sex haben, an Sex denken oder über irgendetwas nachdenken oder sprechen, das mit Sex auch nur entfernt zu tun hat. Für viele ist Sex damit zu einem solchen Thema geworden, dass sie jede Art von Relation und gesundem Verstand in Bezug auf dieses Thema verloren haben. Alles, was damit zu tun hat ist einfach nur schrecklich.

Ich hatte einmal mit einem engen indischen Freund eine Unterhaltung über einen meiner Blogeinträge, in denen ich sagte, dass man offen sein und mit Kindern über Sex reden sollte – auf altersgemäße Weise. Ich erzählte ihm, dass ich auch mit meiner Tochter eines Tages über Sex reden würde. Dass ich möchte, dass meine Tochter volle Freiheit bei der Partnerwahl hat und auch selbst entscheiden wird, mit wem sie denn schlafen möchte. Es sollte auch ihre Wahl alleine sein, wer bei ihr ins Bett steigt – da werde ich mich sicher nicht einmischen!

Seine Antwort schockierte mich. Er sagte ‘Aber ich kann nicht mit meiner Tochter zusammen Pornos ansehen!‘

Ich nehme wirklich an, dass die meisten von euch nun etwas verwirrt sind und sich fragen, was das denn nun mit dem eigentlichen Thema zu tun hat. Doch nach einem kurzen Nachdenken muss ich sagen, dass ich bestürzt war über den Gedankengang hinter dieser Aussage, darüber, was er da impliziert und die Erkenntnis, dass Leute wirklich in diese Richtung denken.

Wirklich, wer würde so etwas tun? Wer würde sich mit seiner Tochter auf die Couch setzen, um Pornos anzusehen? Aber wer hat von so etwas überhaupt geredet? Als ob ‚über Sex sprechen‘ und Pornos ansehen das Gleiche wäre! Da liegen Meilen dazwischen!

Es scheint mir, als seien die Leute, besonders religiöse Menschen, so unglaublich engstirnig was das Thema Sex angeht, dass sie nicht einmal das Wort Sex sagen können, ohne selbst erregt zu werden! All ihre unterdrückte Sexualität kommt in dem Augenblick auf, in dem sie an einen nackten Körper denken! Nacktheit, Sex, Gespräche über Sex, das alles ist einfach zu viel für sie! Sie können nicht normal über Sex reden – also nehmen sie an, dass auch kein anderer das kann!

Aber – Überraschung! Wenn ich sage, dass ich mit meiner Tochter über Sex sprechen werde, habe ich nicht vor, ihr die besten Stellungen zu empfehlen, erogene Zonen zu zeigen oder erregende Literatur vorzuschlagen, geschweige denn mit ihr Pornos anzusehen! Es wird eine ganz normale Vater-Tochter Unterhaltung. Über die Wünsche unserer Herzen, der Reaktion unseres Körpers, wie natürlich das alles ist und auch über ihre eigene Verantwortung in diesem Bereich.

Tatsächlich hoffe ich, dass wir es schaffen, unsere Tochter auf eine Weise zu erziehen, die es uns möglich macht, über Sex zu reden, ohne dass wir uns schämen. Aber der Gedanke, dass das bedeuten könnte, ich hätte ein obszönes Gespräch mit ihr, ist, was die Gesellschaft so krank macht.

Die engstirnige Unterdrückung eines natürlichen Bedürfnisses. Das unglaubliche Zögern, Worte, die mit dem Thema Sex zu tun haben, auch nur auszusprechen. Erregung bei dem kleinsten Gedanken und Schuldgefühle, so viel Scham bei diesem Thema – das ist die Grundlage der kranken Mentalität, die wir in Indien heutzutage beobachten können. Die Unterdrückung wandelt sich in sexuelle Gewalt gegen Frauen.

Weil du ‘Pornos schauen’ hörst, wenn ich ‘über Sex sprechen’ sage.

Wer ist der mit den dreckigen Gedanken, du oder ich?

Du verlierst nicht deine Freiheit, wenn du liebst! – 3 Jul 14

Gestern habe ich euch von einer Frau erzählt, die zu einer Beratung zu mir kam mit der Idee im Kopf, dass sie eine Beziehungspause wolle. Da war noch ein anderer Mann, der darüber nachdachte, seine Freundin zu verlassen. Seine Situation jedoch war etwas anders und das gab mir wieder einmal den Eindruck, dass der Individualismus, der im Westen so beliebt ist, in Wirklichkeit für die Herzen der Menschen sehr grausam ist.

Dieser Mann erzählte mir, dass er 20 Jahre lang verheiratet gewesen war, eine Frau und Kinder gehabt hatte, dann jedoch seine Familie verlassen hatte und sich hatte scheiden lassen. Der Grund? ‚Es war mir einfach zu viel!’ versuchte er zu erklären. Er hatte den Eindruck gehabt, dass in sein Familienleben zu involviert war und er dadurch seine Freiheit verliert. Da gab es so viele Dinge, die er in seinem Leben noch tun wollte, selbst im Alltag und die mit einer Familie, mit Kindern und all der Verantwortung, die damit zusammenhängt, einfach nicht möglich waren! ‚Ich will auch meine Spiritualität leben, die Energie meines wahren Ich ausdrücken und mehr als Yogi leben!‘ Also ging er.

Nach einiger Zeit allein, traf er wieder eine Frau. Mit ihr begann er eine offene Beziehung. Sie leben in getrennten Häusern, sie macht ihr Ding, er lebt sein Leben, aber sie haben auch eine Beziehung. Eine offene Beziehung, was klar gesagt bedeutet, dass sie beide auch mit anderen Leuten Sex haben können. Das hört sich an, als hätte er seine volle Freiheit, während er auch jemanden hat, mit dem er Intimität genießen kann, oder? Naja, nein, ihm erschien das nicht so. Eigentlich hatte er das gleiche Gefühl wie Jahre zuvor in seiner Ehe!

Er hatte das Gefühl, dass diese Frau zu sehr von ihm abhängig war und dass er dadurch zu viel Verantwortung hatte, selbst ohne Kinder, sogar mit getrennten Wohnungen. Ihr lag sehr viel an ihm und obwohl sie einander erlaubten, auf Dates mit anderen zu gehen, tat sie das nicht. Er sagte ‚Ich bin wieder in dieser Situation!‘ doch er zögerte, sie zu verlassen. ‚Wenn ich sie jetzt verlasse, ist sie am Boden zerstört! Und sie hat dann niemanden, der ihr wieder aufhilft! Sie ist dann ganz alleine!‘

Er fasste es für mich zusammen: ‘Ich will sie nicht so verletzten – aber ich will meine Freiheit!‘

Ich fragte ihn: liebst du sie?

Zwei Minuten lang saß er mit geschlossenen Augen vor mir, bevor er langsam sagte ‚Ja, ich glaube, ich liebe sie!‘

Das wusste ich bereits. Es war keine echte Frage, sondern eine Hilfe zur Realisierung! Ich glaube, es ist Liebe, wenn man sich um jemanden sorgt und sein Zögern, sich zu trennen, die Angst, sie zu verletzen, zeigte mir, dass er sie liebte. Warum also, fragte ich, würdest du diesen Schmerz verursachen. Nicht nur für sie, sondern auch für dich! Weil egal, wie offen du bist, wenn du eine Beziehung zu jemandem führst, wenn du jemandem im Herzen nahe stehst, ist da Liebe. Und wenn du dieses Band trennst, dann schmerzt es!

Liebe ist das Wichtigste in deinem Leben. Habe keine Angst davor, dass dir jemand wirklich nahe kommt – das wird dich nicht deine Freiheit kosten! Du kannst frei sein, auch wenn du liebst!

Es steht dir nun also frei zu tun, was du willst, doch wäre ich in deiner Situation, würde ich mich für die Liebe entscheiden, nicht für die Angst!

Ein Gespräch über meine Beziehung zu meiner Frau Ramona – 12 Feb 14

Vor zwei Tagen habe ich euch erzählt, dass wir letzte Woche ein Paar in ihren Flitterwochen im Ashram hatten und ich eine schöne Unterhaltung mit ihnen hatte. Eines der Themen, über die wir sprachen, war etwas, das für ein frisch verheiratetes Paar natürlich interessant war: Beziehungen. Sie fragten mich über meine Beziehung mit Ramona – und ich erzählte ihnen gerne von unserer Liebe und davon, wie glücklich wir sind!

Sie fingen mit einer Frage an: Was siehst du als Erfolg in deiner Beziehung mit Ramona?

Ich sagte ihnen, dass wir noch nie auch nur eine Nacht lang voneinander getrennt waren. Wir sind immer zusammen gewesen, seit wir begonnen haben, gemeinsam zu reisen und wo auch immer wir hingehen, gehen wir gemeinsam. Wir essen zusammen, wir schlafen immer in einem Bett, wir duschen sogar meistens miteinander – und mit meistens meine ich außer den vier Mal im Jahr, wenn Apra einfach nicht duschen will, aber auch mit niemandem anderen als einem von uns beiden spielen will.

Sie waren erstaunt und fragten etwas, was vielen Menschen automatisch in den Sinn kommt, wenn sie hören, wie nahe wir einander sind: Habt ihr denn nie Probleme miteinander? Keinen Streit?

Ich kann ehrlich und stolz mit Nein antworten, wir haben keine Probleme. Manchmal haben wir unterschiedliche Meinungen, aber es ist und bleibt dann auch nur das: ein Meinungsunterschied. Sie mag Pasta und ich nicht. Ich mag Kardamom in Süßigkeiten und sie nicht. Unterschiede sind natürlich und normal.

Wie geht ihr denn mit solch unterschiedlichen Meinungen um?

Naja, dann hat sie eben Pasta auf dem Teller und ich esse die Süßigkeiten vom gleichen Teller. Ich beschwere mich nicht, dass sie Pasta isst und sie achtet darauf, sie nicht in mein Essen zu mischen. Sie beschwert sich nicht, dass ich Süßigkeiten mit Kardamom esse und ich achte darauf, dass es für sie auch etwas Süßes gibt.

Wenn es ein Thema gibt, bei dem wir nicht übereinstimmen, sprechen wir drüber, vielleicht argumentieren wir auch, aber das geht nie länger als fünf Minuten und dann beenden wir das Thema. Wir schreien uns nicht an und wir behalten auch nichts im Herzen. Was auch immer einen von uns stört, das teilen wir dem anderen mit. Einfach teilen, was man fühlt, dass der andere zuhört, es akzeptiert und vielleicht auch einfach sagt, dass er sich da anders fühlt, gibt einem ein gutes Gefühl. Am Ende wissen wir, dass wir den anderen so annehmen, wie er ist, egal, was er denkt, sagt oder tut.

Es ist so inspirierend – ihr kommt aus so unterschiedlichen Kulturen! Eure Liebe ist uns ein großes Beispiel!

Schön!

Warum ich Sex ablehnte, obwohl ich diese schöne Frau mochte – 26 Jan 14

Wenn ich an meine Zeit in Australien im Jahr 2006 zurückdenke, erinnere ich mich an einen weiteren Vorfall, von dem ich euch erzählen möchte. Es geht um Privatsphäre, Intimität und moralische Werte in therapeutischen Berufen.

Ich hatte ein einwöchiges Programm in einer Stadt und wie gewöhnlich gab es an den Abenden einige Workshops und Meditationen. Wie oft, sah ich mehrere Gesichter nicht nur in einer dieser Veranstaltungen, sondern öfter und viele von ihnen kamen auch zu Einzelsitzungen. Eine von ihnen war eine Frau in etwa in meinem Alter. Ich hatte sie in den Veranstaltungen gesehen, aber nicht viel mit ihr gesprochen, da immer viele andere Leute außen herum waren. Wir hatten einige Worte gewechselt, aber nicht mehr und nach einigen Tagen war sie schließlich da und saß vor mir in dem Zimmer, in dem ich Einzelsitzungen gab.

Es war eine Beratungssitzung, während der wir uns recht eingehend über ihre mentale Situation unterhielten, da sie mit Familienproblemen zu mir gekommen war. Wir diskutierten einen anderen Sichtpunkt, wie sie mit den Problemen etwas besser umgehen könnte und wie sie sich von all dem nicht so sehr runterziehen lassen könnte, wie sie es nun tat. Es half ihr.

Doch nach diesem Gespräch began sie ein weiteres Thema. Sie erzählte mir, ganz frei heraus, dass sie in mich verknallt war. Sie fand mich attraktiv und nett und würde dieses Gefühl der Anziehung noch gerne etwas weiter erkunden. Mit den Worten meines eigenen Vortrags sagte sie mir, da sei doch nichts falsch dran, wenn zwei Menschen, die beide in keinerlei Beziehung waren und sich an niemand anderen gebunden fühlten, miteinander intim würden. Schließlich hatte ich selbst gesagt, ich glaube nicht an ein Leben im Zölibat, warum also nicht? Sie würde mich abholen kommen und wir könnten zusammen irgendwo hingehen, vielleicht auch zu ihr nach Hause.

Sie war eine schöne und sehr liebe Frau und die Art, auf die sie diese Worte sagte, war in keinster Weise vulgär. Mir gefiel diese offene Annäherung und ich konnte der Tatsache nur zustimmen, dass sie und ich Singles waren und deshalb, allgemein gesehen, auch etwas private Zeit miteinander verbringen könnten. Ja, wäre da nicht dieses eine Gefühl und dieser Gedanke gewesen: Ich konnte nicht mit jemandem ausgehen, den ich gerade erst beraten hatte, mit dem ich gerade eine therapeutische Sitzung hinter mir hatte.

Ich brauchte nur einige Augenblicke, um dieses Gefühl auch wirklich in Worte zu fassen. Ich konnte nicht, sagte ich ihr, aufgrund der Weise, wie wir uns kennen gelernt hatten. Wenn das anders gewesen wäre, hätte ich ihr Angebot vielleicht angenommen. In dieser Situation jedoch fühlte ich mich nicht danach und konnte es also nicht.

Wir gingen als Freunde auseinander.

Für mich war es schön zu sehen, dass diese Begegung, obwohl sie anders hätte enden können, obwohl sie zu Sex hätte führen können und nicht tat, friedvoll miteinander endete. Sie hätte sehr enttäuscht sein können oder auch wütend mit dem Gefühl, zurückgewiesen geworden zu sein, was ich ja zuvor auch schon erlebt habe, doch so offen, wie sie mit ihrem Vorschlag war, so problemlos war es für sie auch, als ich ablehnte. Und so sollte es meiner Meinung auch sein.

Freiheit und Verantwortung für mein eigenes Glück mit voller Unterstützung meiner Familie – 1 Dez 13

Ich habe euch von der Reaktion meines Vaters erzählt, als ich erklärte, warum ich kein Guru mehr sein wollte und warum ich nicht einmal mehr einem großen Teil der Schriften folgte, die ich selbst in der Vergangenheit gepredigt hatte. Er sagte mir, die ganze Familie sei glücklich, wenn ich glücklich wäre. Das hätte mich eigentlich nicht sehr überraschen sollen!

Ich hätte wissen können, dass er so reagieren würde. Ich hätte mir überhaupt keine großen Gedanken machen müssen und als er so antwortete, erinnerte ich mich ganz deutlich an die Unterstützung meiner Eltern in der Vergangenheit.

Als ich erst 13 Jahre alt war, hatte ich bereits mit dem Arbeiten begonnen und hatte auch immer mehr zu tun. Manchmal ging ich noch zusammen mit meinem Vater auf Programme, aber ich reiste und arbeitete bereits alleine in verschiedenen Teilen Indiens. Natürlich fanden solche Programme nicht nur an Schulfeiertagen statt und so wurde ich relativ oft auch in der Schule als abwesend eingetragen.

Nach einem meiner Programme in dem Jahr kam ich wieder zur Schule und ein Lehrer fragte mich, wo ich gewesen war und warum ich nicht zur Schule gekommen war. Ich antwortete, dass ich in einem anderen Bundesland gewesen war, in Madhya Pradesh, und dort einen Vortrag gegeben hatte. Natürlich war das auch dem Lehrer nicht vollkommen neu, aber trotzdem fragte er daraufhin ‚Wenn du sowieso so oft nicht zur Schule kommst, warum kommst du denn überhaupt noch?‘ Er sagte mir praktisch, dass ich meinen Beruf ja schon gewählt hatte und mich nicht mehr um die Schule kümmern brauchte, sondern mich eher darauf konzentrieren sollte, was ich gerade machte.

Ich war total verwirrt. Ich hatte auf meine Reisen immer meine Schulbücher mitgenommen und versucht mit dem Stoff mitzuhalten. Als Ergebnis hatte ich auch recht gute Noten, obwohl ich so oft nicht da war! Jetzt schlug dieser Lehrer mir vor, überhaupt nicht mehr zu kommen. Ich war mir nicht sicher, was ich tun oder sagen sollte.

Als ich an dem Tag grübelnd nach Hause kam und meine Eltern fragte, was ich tun sollte, hatte mein Vater die gleiche Antwort für mich parat: tu das, was dir richtig erscheint.

Vielleicht meint ihr nun, dass dies für einen 13-Jährigen eine große Last ist, eine Entscheidung, die er nicht treffen müssen sollte. Ich jedoch hatte ein ganz anderes Gefühl. Ich fand es toll, dass mein Vater mir vertraute und mir zutraute, dass ich meinen Weg selbst wählen und meinem Herzen folgen könnte. Das tat ich auch. Ich wählte meinen Beruf, nicht die Schule.

Es gab mir Freiheit und Verantwortung zugleich. Es befähigte mich dazu, mich selbst darum zu kümmern, dass ich glücklich war, etwas, das ich damals lernte und wofür ich meinen Eltern auf ewig dankbar sein werde! Etwa zwanzig Jahre später tat mein Vater das Gleiche noch einmal. Er, dessen Leben auf Religion aufgebaut war und der dieses als Guru verbracht hatte und dessen Leben immer noch daraus bestand, selbst wenn er sich aus dem aktiven Teil zurückgezogen hatte, sagte mir, ich solle einfach meinem Herzen folgen, selbst wenn mich das von dem Weg abbrachte, den er für sich gewählt hatte.

So kommt es, dass ich meiner ganze Familie bis an mein Lebensende dankbar sein werde für ihre Unterstützung bei allem, was ich tat und wer ich war. Wir haben diese Reise des Lebens gemeinsam angetreten und ich hatte sie zu jedem Zeitpunkt an meiner Seite. Sie waren immer für mich da und genauso werde ich immer ihre Wünsche respektieren und unterstützen, egal wo diese hinführen. Ich glaube, dass wir alle nur auf diese Weise glücklich sein können!

Atheist zu sein bedeutet… – 27 Jun 13

Atheisten glauben nicht an übernatürliche Kräfte, sondern an sich selbst.

Atheisten vermeiden falsche Handlungen nicht, weil sie Angst vor der Hölle haben, sondern weil diese Handlungen falsch sind.

Atheisten tun Gutes nicht für einen Platz im Himmel, sondern um anderen etwas Gutes zu tun.

Atheisten glauben nicht blind an Bücher, die vor Tausenden Jahren geschrieben wurden, sondern denken frei mit Hilfe ihres Verstandes.

Atheisten geben die Verantwortung für ihre Handlungen nicht an einen Guru, eine Religion oder einen Gott ab, sondern übernehmen sie selbst.

Atheisten nehmen keine Befehle von Religionen und religiösen Einrichtungen, sondern verwenden wissenschaftliche Forschung, Erfahrungsberichte und den gesunden Menschenverstand, um informierte Entscheidungen zu treffen.

Atheisten bestechen Gott nicht während dem Gebet, sondern tun das, was sie tun wollen, mit Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.

Atheisten fühlen sich nicht schuldig für Dinge, die sie nicht getan haben und über die sie keine Kontrolle haben, sondern akzeptieren die Folgen ihrer eigenen Handlungen und falschen Entscheidungen.

Atheisten leben nicht mit der Angst vor einer fiktiven, mysteriösen Macht oder Wesen, sondern voller Staunen über die Vielfalt der Arten, die die Evolution nach den Regeln der Physik hervorgebracht hat.

Atheisten verlangen kein Geld oder Spenden mit dem Versprechen von Glück in diesem Leben und dem Himmel danach.

Atheisten sind nicht abergläubisch.

Ungeformte Liebe – 25 Jun 13

Kann man mehr als einen lieben?

Natürlich kann man. Was ist Liebe?

Wenn man für einen Mann Liebe empfindet, muss man ihn heiraten?

Wenn man eine Frau liebt, muss man wirklich mit ihr schlafen?

Verliebe dich in so viele Menschen, wie du willst. Verschenke deine Liebe großzügig, halte dich nicht zurück. Spüre die Freude daran, andere zu lieben und geliebt zu werden. Sieh ihnen in die Augen, sprich über das, was dich wirklich bewegt, teile, was dir auf dem Herzen liegt.

Nicht nötig zu heiraten. Nicht nötig, mit jedem Sex zu haben.

Liebe hängt nicht nur von der körperlichen Beziehung ab. Es muss kein Kuss, keine Romanze, nicht einmal ein Flirt sein.

Liebe ist einfach nur Liebe.

Deine Liebesbeziehung mag die große Liebe sein, der einzig Wahre, den du heiraten willst. Diejenige, mit der du den Rest deines Lebens verbringen willst.

Das ist Liebe.

Deine Liebesbeziehung mag eine langjährige Freundschaft sein.

Das ist auch Liebe.

Deine Liebesbeziehung mag nur bis zu einer gemeinsamen Stunde bei einer Tasse Kaffee führen.

Das ist auch Liebe.

Deine Liebesbeziehung mag sich nur auf einen einzigen Augenblick ausdehnen, wenn eure Augen sich treffen und eine Verbindung herstellen. Der Bruchteil einer Sekunde, während dem du erkennst, dass du und der andere diese Welt miteinander teilen. Nichts weiter.

Das ist auch Liebe.

Liebe hat auf jeder Weise seine Schönheit. Ob der Geliebte nun von deiner Liebe weiß oder nicht, genieße sie.

Liebe ist eine Erfahrung. Es ist ein Gefühl. Es gehört dir, aber auch jedem anderen.

Versuche nicht, sie in eine Form zu bringen, sie an deine Vorstellungen anzupassen. Gib ihr nicht den Namen einer bestimmten Beziehung. Grenze sie nicht ein, sondern liebe frei.

Lass die Liebe sein, was sie ist.

Liebe ist frei.

Liebe ist für alle.