Ma und Pa das erste Mal allein daheim, ohne ihre dreieinhalb-jährige Tochter – 14 Jul 15

Apra

Gestern habe ich euch von Apras großer Reise ohne uns erzählt: zwei Nächte und drei Tage mit ihrem Onkel und ihrer Urgroßmutter in Khajuraho! Sie hatte so viel Spaß – und was ist mit uns, ihrer Ma und ihrem Pa?

Ich habe euch schon erzählt, dass wir mit Apra über das Einschlafen ohne uns gesprochen haben, bevor sie wegfuhr. Wir wussten, dass das für sie am Schwierigsten sein würde. Wir erklärten ihr, dass wir nicht da sein würden und dass sie dann auch nicht zu uns kommen könnte – doch sie bestand darauf, dass sie damit kein Problem haben würde. Während wir schon dachten, dass sie uns wohl tagsüber nicht vermissen würde, fragten wir uns, ob wir das Gleiche denn auch über uns sagen könnten!

Sobald sie abgefahren waren, hatten wir ein ganz seltsames Gefühl: zum ersten Mal in dreieinhalb Jahren war Apra nicht bei uns! Erst dann erkannten wir, in wie vielen kleinen Handlungen wir uns um sie kümmern und sie mit einbeziehen! Natürlich kam sie nicht in unser Büro, um uns von der Arbeit abzulenken und natürlich war es zu den Mahlzeiten eher ruhig. Es waren jedoch noch viel mehr die kleinen Dinge, die uns zeigten, wie sehr wir unsere Kleine vermissten: wenn wir am Morgen leise sprechen, um sie nicht aufzuwecken – obwohl sie gar nicht in unserem Bett ist! Wenn man für ein Telefongespräch den Raum verlässt, obwohl sie gar nicht da war, um einem in das andere Ohr zu quatschen!

Oh ja, wir haben sie sehr vermisst. Ich kenne viele Eltern, die sagen, dass ein ‚kinderfreies Wochenende‘ herrlich ist, Zeit ohne ihre Kinder. Wir hatten dieses Gefühl nicht wirklich. Ich glaube der Hauptgrund ist, dass uns nichts abgeht, wenn sie hier ist. Wir tun alles, was wir tun möchten und wir genießen alles mit ihr! Es gab nichts, was wir ‚endlich tun konnten‘, als sie nicht mehr da war!

Natürlich waren wir traurig, als wir sie am ersten Abend weinen sahen, doch viel mehr als das waren wir glücklich und unendlich stolz, dass sie auf diese Reise gegangen war, dass sie in der zweiten Nacht ohne Weinen eingeschlafen ist und uns nicht vermisst hat und dass sie wiedergekommen war, übersprudelnd mit all den Abenteuern, von denen sie uns erzählen wollte!

Sie hat auf dieser Reise so viel gelernt! Sie begreift das Konzept der Entfernung ein bisschen besser und versteht, dass man nach einer langen Fahrt im Auto nicht einfach bei seiner Ma und seinem Pa sein kann. Sie hat gelernt, dass sie jemanden um Hilfe bitten kann, wenn man seinen Onkel einen Augenblick lang nicht mehr sie. Sie hat auch gelernt, dass man nicht einfach alleine davonläuft, ohne jemandem davon zu erzählen… eine unschätzbar wertvolle Lektion, wie mir sicher alle Eltern zustimmen werden! Sie hat außerdem noch tausende andere Dinge gelernt, die man eben nur erleben kann, wenn man nicht daheim ist.

Ich glaube, es ist der erste Schritt in die Art von Unabhängigkeit, die ich meinem Kind geben möchte. Ich möchte, dass sie weiß, dass wir immer da sind, egal was, ein sicherer Hafen. Ein Anker für Sicherheit – aber keine Kette, die sie an das bindet, was sie kennt! Sie soll frei sein, diese Welt zu erforschen. Sie soll dieser Aufregung vor einer Reise und neuen Erlebnissen folgen. Auf diese Weise lernt sie glaube ich mehr über die Welt als wir ihr jemals beibringen können, wenn wir nur hier im Ashram herumsitzen! Natürlich werden wir auch mit ihr reisen, aber es wird der Tag kommen, wenn sie nicht nur mit ihren Onkeln verreist, sondern auch allein!

Ich weiß, ich werde an jenem Tag sehr stolz sein – und ich weiß auch, dass ich sie schrecklich vermissen werde!

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