Religion ist die Wurzel des Terrorismus – 11 Sep 16

Heute ist der Tag, den die ganze Welt als den Tag in Erinnerung behalten wird, an dem der größte Terror-Anschlag bis dahin den Westen erschüttert hat und für die Politik der kommenden Jahre den Ton setzte. Am 11. September 2001 flogen Terroristen zwei Flugzeuge in die zwei Türme des World Trade Centers und eines in das Pentagon. Ein Terroranschlag mit beinahe dreitausend Opfern.

George W. Buch erklärte einige Tage später dem Terrorismus den Krieg – ein Krieg, der bis heute nicht beendet ist. Terrorismus ist in den darauffolgenden Jahren gewachsen und in vielen Teilen der Welt sind Kriege und Konflikte am Laufen, deren Wurzel man auf den heutigen Tag vor fünfzehn Jahren zurückführen kann.

Politiker waren in den Jahren danach immer sehr diplomatisch. Es gab immer Gespräche über Terroristen und viel zu oft haben die Gespräche das Thema Religion nicht gestreift. Warum? Weil niemand diese religiösen Gefühle verletzen wollte, von denen ich euch in den vergangenen Tagen erzählt habe!

Meiner Meinung nach muss man es sehr deutlich sagen: die Gewalt, die an jenem Tag und mit den Anschlägen deutlich wurde, basiert auf Religion, die Religion des Islam.

Viele Leute sagen, es sei nicht die Religion, sondern nur einige Fanatiker, die das tun. Einverstanden, es sind Fanatiker – doch Religion ist die Grundlage dafür, dass sie zu Fanatikern geworden sind! Religion schürt fanatische Vorstellungen und in der Folge auch Gewalt.

Jedes Mal, wenn man sagt ‘Das ist nicht Religion’, verteidigt man eigentlich das, was die Religion macht. Man fördert das und gibt denjenigen Energie, die bereit sind zur Gewalt! Nur, wenn man direkt dagegen, also gegen die Wurzel des Problems spricht, kann man etwas erreichen und wirklich die Ursache und die Folgen gleichzeitig bekämpfen! Es ist ein Kampf, der damals begonnen wurde und in dem wir uns heute immer noch befinden – doch um den Kern des Problems herumzureden wird nicht helfen!

Gebt Terroristen nicht das, was sie wollen! – 25 Jul 16

Heute möchte ich ein wenig über kürzliche Vorfälle in Europa schreiben. In meinem zweiten Heimatsland, um genau zu sein: in Deutschland. Ihr habt sicherlich von dem Anschlag in München gehört – und ihr könnt euch vorstellen, dass wir uns alle auch von diesem Thema berührt fühlen. Doch egal wie sehr dich diese Vorfälle aufwühlen, möchte ich eines sagen: lass dich durch diese Angst nicht unterkriegen. Denn das ist genau das, was Terroristen wollten.

Ja, es ist wahr: was ist das Ziel der Terroristen? Angst und Schrecken zu verbreiten. Dein normales Leben auf eine Weise zu stören, die es dir unmöglich macht, nicht an sie zu denken. Terroristen wollen, dass du aus Angst handelst und das ist genau das, was wir nicht tun sollten, wenn wir nicht wollen, dass sie gewinnen!

Aus Angst zu handeln heißt nicht nur, dass man nicht mehr rausgeht oder Konzerte, Festivals und im Allgemeinen große Menschenmengen vermeidet. Nein, es geht da auch um deine Handlungen in Bezug auf Menschen, die anders sind. Es geht auch um deine Gedanken, deine Einstellung und dein Verhalten! Beginnst du, diejenigen, die anders aussehen zu vermeiden? Wechselst du auf einmal die Straßenseite, wenn du einen Mann in anderer Kleidung oder mit anderem Haar siehst? Beginnt deine Einstellung sich in eine Richtung zu bewegen, in der du Ausländern, ja sogar Flüchtlingen verbieten würdest, dein Land zu betreten?

Denn das ist es, was in vielen Teilen der Welt gerade geschieht und das spielt Terroristen direkt in die Hände. Was könnte Unsicherheit, negative Gefühle und schließlich Hass gegen andere mehr schüren als ein großer Politiker, der sagt, Ausländer sollten nicht ins Land kommen? Und diese Anführer werden von Menschen unterstützt, die aus Angst handeln. Die von den Anschlägen schockiert waren und beschlossen haben, gegen andere zu denken anstatt darüber nachzudenken wie wir, als Gesellschaft und Menschheit, einander in Liebe statt Angst helfen können.

So werden Männer wie Donald Trump Präsidentschaftskandidaten! So werden Männer wie Narender Modi Premierminister!

Und so bekommen sie die Macht, diesen Hass noch weiter zu schüren.

Am Ende liegt es in all unseren demokratischen Ländern an uns: wollen wir in Angst leben und denjenigen Macht geben, die unsere Angst für sich zu Geld machen? Oder sollen wir nicht die Handlungen von Terroristen verachten, uns weigern, ihnen die Macht zu geben, unsere Gedanken und Handlungen zu beeinflussen und stattdessen Mitgefühl und Liebe verbreiten?

Ich bitte euch, letzteres zu tun – für die Menschheit und den Frieden auf dieser Welt!

Werde aktiv und lass Hass nicht die Welt regieren – 1 Feb 16

Heute möchte ich gerne über ein Thema schreiben, das ich normalerweise sonst nicht so oft erwähne: die Politik. Naja, die Sache ist nunmal die, das uns Politik am Ende alle betrifft und wir, wenn wir uns überhaupt nicht engagieren, wir daheimbleiben und nicht wählen, Politikern erlauben, das Land ohne unsere Stimme zu regieren. Und das ist etwas, was wir nicht tun sollten, da es an uns ist, Verrückte daran zu hindern, an Machtpositionen zu kommen!

Ich bin eigentlich recht zuversichtlich, dass wir in demokratischen Ländern genug intelligente Menschen haben, dass wir hasserfüllte Menschen in Top-Positionen vermeiden könnten. Solche Leute, die das Feuer für Konflikte schüren, die rassistische, sexistische und homophobe Gedanken stärken. Die anderen durch falsche Moral Ausreden für Gewalt geben. Ich glaube, wir könnten sie daran hindern, an die Macht zu kommen.

Wenn wir uns jedoch einmal in der Welt umsehen, sehen wir, dass genau solche Leute zur Zeit langsam vorrücken!

In Indien haben wir derzeit unseren Premierminister Modi mit dem Hintergrund einer nationalistischen Partei, die den Hinduismus preist und damit Konflikte zwischen Hindus und Moslems schürt, wobei nicht-hinduistische Minderheiten im Land es mit der Angst bekommen.

In Frankreich konnte die alte rechte Partei ‘Front National’ mit Marine Le Pen an der Spitze in der jüngsten Vergangenheit große Erfolge feiern. Eine Partey, die die weiße Bevölkerung Frankreichs bevorzugt, zum Nachteil von Immigranten aus Afrika und früheren französischen Kolonien, trotz der Tatsache, dass viele der ‚dunkelhäutigen‘ Franzosen dort bereits seit Generationen leben!

In Deutschland ist eine relative neue rechte Partei entstanden, die AfD heißt, ‚Alternative für Deutschland‘ und die aktiv Ideale verbreitet, die man aus Geschichtsstunden über den zweiten Weltkrieg und der Nazi-Zeit in Deutschland kennt! Die Parteivorsitzende erwähnte sogar, dass Polizisten das Recht haben, Flüchtlinge an der Grenze zu erschießen, wenn sie diese illegal überqueren – und sie sollten dieses Recht auch nutzen!

Schließlich blacken wir heute auf die erste der Vorwahlen in den USA, bei denen es darum geht, ob Donald Trump Präsidentschaftskandidate wird oder nicht. Wenn Modi es hier geschafft hat, wäre es auch nicht unmöglich, dass dieser Mann gewinnt, obwohl man manchmal meint, man hätte es mit einer Cartoon-Figur zu tun. Mit seinem Hass gegen Mexikaner, Moslems und im Grunde Einwanderer überhaupt, hat man das Gefühl, es wäre für ihn lächerlich, das in einem Land überhaupt zu versuchen, das eine Geschichte der Einwanderung hat, dessen fast ganze Bevölkerung seine Wurzeln auf der ganzen Welt hat! Aber nein, er ist doch so weit gekommen und führt in den meisten Umfragen dafür, wer der Präsidentschaftskandidate für die Republikaner wird!

Doch hier kommt, was wir meiner Meinung nach tun können: es gibt genug von uns, die diese Leute verrückt, unheimlich und gefährlich finden. Die nicht wollen, dass sie an die Macht kommen, nach der sie streben oder die sie bereits erlangt haben. Wir haben eine Stimme und wir müssen sie auch anwenden! Mit dem Internet haben wir ein Medium, um uns auszudrücken und zu zeigen, dass wir solche Leute nicht unterstützen.

Modi verliert bereits Anhänger hier in Indien. Viele Leute protestieren gegen seine Regierung und sogar diejenigen, die davon überzeugt waren, dass er eine Veränderung bringen könnte, beginnen, die Dinge anders zu sehen. In Frankreich haben die Wähler erkannt, dass sie nicht einfach daheim bleiben und den Front National so viele Stimmen bekommen lassen können – und so stärkten sie andere Parteien mit ihren Stimmen!

Das zeigt, dass wir alle aufstehen und unser Recht zu wählen wahrnehmen müssen, unsere Stimmen erheben müssen, sagen müssen, was wir denken und zeigen müssen, dass wir hier sind, um zusammen zu leben, nicht gegeneinander. Um Lösungen für Konflikte zu finden, die die ganze Menschheit weiterbringen, nicht nur einige auserwählte Einzelpersonen. Um Frieden zu bringen, egal, wie kitschig sich das anhören mag!

Beschämende und ärgerliche Situation in Indien – 7 Okt 15

Normalerweise schreibe ich in meinem Blog nicht über Politik. Dafür verwende ich soziale Medien, aber da die Situation in Indien sich zu verschlimmern scheint und die Themen auch internationale Aufmerksamkeit bekommen, möchte ich meine Unzufriedenheit und meinen Protest, wenn man es so nennen möchte, heute auf diese Weise zum Ausdruck bringen.

Vor Kurzem hat ein Vorfall in Indien auf der ganzen Welt Schlagzeilen gemacht. Vielleicht habt ihr auch schon davon gehört. Im Hindu Tempel eines Dorfes verkündete der Priester des Tempels, was der Sohn eines hohen Parteimitglieds von Indiens regierender Partei, der BJP ihm erzählt hatte. Es war das Gerücht, dass eine muslimische Familie des Dorfes Rinderfleisch gegessen hatte. Als sie das hörten, formte sich schnell ein Pöbel, der sich dann zu dieser Familie nach Hause bewegte und den Familienvater und den Sohn brutal angriff. Ihre Schläge töteten den Vater und der Sohn wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Hinterher stellte sich heraus, dass sie nicht einmal Rind gegessen hatten, sondern Lamm – doch das erweckte den toten Ehemann und Vater auch nicht wieder zum Leben!

Es ist eine schreckliche Geschichte, über die zurecht international berichtet wurde, doch fast noch erschreckender sind die Reaktionen anderer Mitglieder der Regierungspartei! Jener Sohn eines hohen Parteimitglieds, dessen Worte das alles ausgelöst haben und einige weitere wurden festgenommen. Die Vorsitzenden der Partei jedoch entschuldigen ihr Verhalten und sagen diese jungen Erwachsenen, die alle über achtzehn sind, seien unschuldige Kinder, nur Kinder, die etwas zu aufgeregt waren! Sie versuchen zu verhindern, dass sie des Mordes angeklagt werden!

Gleichzeitig jedoch heißen sie deren Handlungen offen gut und sagen jeder, der Rind isst, sollte auf diese Art bestraft werden! Ein Parlamentsmitglied der Regierungspartei meinte, die Kuh sei unsere Mutter und wer unsere Mutter tötet, der würde auch getötet! Diese Menschen sind dazu bereit, jemanden aufgrund seines Fleischkonsums zu töten!

Natürlich sind all diese Politiker scheinheilig! Die teuersten Restaurants des Landes verkaufen Rindfleisch, in vielen Bundesstaaten ist Rindfleisch für die Bevölkerung vor Ort ganz normales Essen und das alles ist kein Problem! Doch sie verwenden diese Empfindung des normalen, religiösen Hindu bewusst dafür, Gewalt zu provozieren, so dass die Bevölkerung des Landes sich polarisiert und sie mehr Wählerstimmen bekommen!

Ja, es ist ein großer Plan. Ein weiteres hohes Tier in der BJP sagte ‚Wenn es Ausschreitungen gibt, gewinnen wir die Wahl‘, kurz vor den Wahlen der einzelnen Staaten und in der Vergangenheit hat sich genau das als wahr erwiesen! Politische Anführer provozieren gewalttätige Reaktionen verschiedener religiöser Gruppen, zumeist Hindus und Moslems, und teilen das Land auf diese Weise. Einige Menschen sterben in den Ausschreitungen. Am Ende bekommen sie die Stimmen der Hindus, also eine Mehrheit. Und so sitzen jetzt diejenigen, die vor einigen Jahren noch angeklagt wurden, Ausschreitungen anzuzetteln, in der Landesversammlung! Es ist eine einfache Strategie, sich im Namen der Religion oder der Kaste Wahlstimmen zu sichern!

Um dem Ganzen die Krönung aufzusetzen, schweigt unser Premierminister vehement. Seine Partei zeigt wirtschaftlichen Aufschwung als ihr Hauptziel. Selbst das ist nur eine Farce, etwas, das nur für die Reichen stattfindet. Die werden reicher, während sich der gemeine Bürger und der Arme immer noch in der gleichen Situation befinden wie zuvor! Schlimmer noch, wenn sie nicht religiöse Hindus sind, sind sie sogar in Gefahr. Leider sind mit der Regierung dieser rechts orientierten Partei extremistische und nationalistische Hindus an der Macht und haben die politische Unterstützung dafür, Gewalt gegen die anzuzetteln, die etwas anderes glauben.

Bekannte Rationalisten und atheistische Autoren wurden aus den gleichen Gründen umgebracht und religiöse Extremisten haben eine Liste, auf der sie bereits ihr nächstes Ziel stehen haben.

Es ist eine empfindliche Zeit für unser Land und so kommt es, dass ich heute hier schreibe. Gestern habe ich euch erzählt, wie viel sogar eine kleine Bemühung hilft und viele größere Schriftsteller dieses Landes hatten den gleichen Gedanken. Als Zeichen ihres Protests haben sie Auszeichnungen der Regierung, die sie für ihre Werke bekommen hatten, zurückgegeben. Wir alle müssen zeigen, dass das nicht das Indien ist, das wir haben wollen. Das ist nicht das offene, multikulturelle, willkommen-heißende Land, das wir behaupten zu sein!

Vergewaltigung in der Ehe gibt es in Indien nicht, weil die Institution hier heilig ist – 6 Mai 15

Ich möchte gerne über ein Thema schreiben, das in unserer Gesellschaft hier immer aktuell ist und damit auch in meinem Blog: Frauen in Indien. Der Grund dafür, dass ich heute wieder über die Probleme in diesem Zusammenhang schreibe, ist eine Aussage eines Regierungsministers, der vor Kurzem sagte, das Konzept einer Vergewaltigung in der Ehe würde in Indien einfach nicht existieren. Ist das nicht toll?

Hier eine kleine Erklärung, wie es zu dieser lächerlichen Aussage kam: ein weibliches Parlamentsmitglied zitierte den UN Population Fund, der befunden hatte, dass 75% der verheirateten Frauen in Indien von ihren Ehemännern vergewaltigt werden. Die Politikerin fragte die Regierung, was sie dagegen zu tun gedenken.

Die Antwort eines Ministers der regierenden Partei war, dass das eine Vorstellung aus dem Westen sei, die in Indien nicht existierte. Etwas, was ‚für unser Land nicht gut‘ sei! In Indien sei laut ihm eine Ehe eine heilige Verbindung und aufgrund religiösen Glaubens und der indischen Kultur geschehe das in Indien einfach nicht.

Schockiert euch eine solche Aussage? Ich sage euch, wir können von einer Regierung, die die Religion fördert und sich darauf konzentriert, alte Kultur und Tradition zu bewahren, nicht mehr erwarten! Trotzdem sitze ich als Inder hier und wundere mich über die fehlende Überlegung oder sogar mangelnde Intelligenz hinter solchen Aussagen!

Nach unserer alten, religiösen Kultur, gibt es auch das Konzept der Scheidung nicht! Scheidungen begannen in Indien erst, als Indien unabhängig wurde und unsere Verfassung geschrieben wurde. In die ‚Hindu Code Bills‘ wurden Paragrafen zur Scheidung und zu Frauenrechten mit aufgenommen. Erst von da an war es illegal, eine zweite Ehefrau zu haben. Damals gab es große Proteste mit dem Argument, es sei nicht Hindu-Kultur, seinen Ehemann zu verlassen, denn laut dem Hinduismus heiratet ein Paar immer für die nächsten sieben Leben. Protester sagten, solche Gesetze würden die religiöse Kultur zerstören.

Ich nehme mal an, dieser Minister vergisst auch, dass es in dieser großartigen Kultur auch einmal Tradition war, die Witwe zusammen mit ihrem verstorbenen Mann zu verbrennen, weil sie dann wieder als seine Frau wiedergeboren würde. Rajaram Mohan Roy schuf ein Gesetz, um diese Tradition zu beenden – aber trotzdem gab es Menschen, die das lange Zeit weitergemacht haben und glaubten, es würde ihre Kultur zerstören, wenn sie das nicht täten!

Damals war es Hindus noch erlaubt, viele Ehefrauen zu haben und in Tempeln hatten Priester religiöse Prostituierte, Devadasis genannt, um ihr sexuelles Verlangen zu stillen!

Das war alles einmal unsere Kultur. In der Geschichte sieht man die Situation unserer Gesellschaft, der Traditionen dieses Landes und des Glaubens der Menschen! Und durch den Lauf der Geschichte sieht die Hindu Religion Frauen als zweitklassige Bürger. Sie sind nur wie Gegenstände, da zum Gebrauch und zum Kinder gebären.

Die UN kann sagen, dass 75% der verheirateten Frauen vergewaltigt werden und dass es als Verbrechen angesehen wird. Unsere nationalistische, religiöse Regierung jedoch stimmt dem nicht zu, weil es ‚gegen Religion und Kultur‘ ist! Ja, in diesem Land verwenden Männer Vergewaltigung, um Frauen ihren Platz zu zeigen, um ihnen zu zeigen, dass sie das ‚schwächere Geschlecht‘ sind! Und wenn eine Frau sich über eine Vergewaltigung beschwert, so war es ihre Schuld – sie hat den Mann dazu gezwungen, sie zu vergewaltigen, indem sie die falsche Kleidung getragen hat oder sich falsch verhalten hat! Wenn man etwas großzügiger ist, ist Vergewaltigung ein ‚Fehler von Jungs‘ – wie der Vater des Chief Ministers Mulayam Singh Yadav unseres Bundesstaates einmal sagte.

In der traditionellen indischen Kultur ist eine Frau das Eigentum ihres Ehemannes. Er hat alle Rechte, was seine Frau angeht. Frauen lernen das schon früh. Ein Mann erlaubt seiner Tochter nicht, unbekannte Jungen anzusehen oder mit ihnen zu sprechen. Sie wird an einem Hochzeitstag einem Fremden gespendet und dazu gezwungen, mit jemandem zu schlafen, den sie nicht kenn. Ist erzwungene arrangierte Ehe denn weniger als Vergewaltigung?

Aber nein, Vergewaltigung in der Ehe gibt es in unserem Land nicht. Die UN muss falsch liegen. Jede Frau, die sich beschwert, muss falsch liegen.

Wenn der Politiker den Guru ersetzt – Menschenverehrung in Indien – 16 Feb 15

Gestern habe ich euch erzählt, dass ich im letzten Jahr zwei Freunde aufgrund politischer Gründe verloren habe. Zuerst war es für mich unglaublich, dass so etwas passieren konnte – schließlich sollte Freundschaft wichtiger sein, als politische Meinung, oder? Doch dann analysierte ich das Problem noch etwas tiefer und ich glaube, ich konnte einen Grund finden, der solches Verhalten erklärt: Indiens lange Tradition der Menschenverehrung.

Ja, ich weiß ganz sicher, dass die Verehrung von menschlichen Idolen in der Kultur und Geschichte dieser Gesellschaft liegt und auch heute noch sehr präsent ist. Denkt doch nur an all jene religiösen Anführer und Gurus, über die ich schon so oft geschrieben habe! Sie sind der Vergewaltigung und des Mordes angeklagt, aber das hält ihre Anhänger nicht davon ab, sie zu verehren und sei es von außerhalb der Gefängnismauern, hinter denen sie sitzen! Es ist selbst für Nicht-Gläubige nicht schwierig, dieses Konzept auch auf andere zu übertragen, Vorfahren zum Beispiel oder Vorbilder wie Filmstars, Sänger oder politische Anführer!

In Indien ist Politik zu jeder Zeit ein heißes Thema. Mit meiner deutschen Frau kann ich gar nicht anders, als das hin und wieder mit dem zu vergleichen, was ich in Deutschland gesehen habe: weniger Leute sprechen über Politik und wenn sie es tun, dann definitiv nicht so leidenschaftlich wie in Indien. Vielleicht aufgrund ihrer eher nüchternen Art – als Beweis hierfür muss man nur einmal eine deutsche Bundestagssitzung mit einer indischen Parlamentssitzung vergleichen – aber da ist noch ein bisschen mehr dran. In Deutschland habe ich nicht gesehen, dass Menschen ihre führenden Politiker verehren. Sie nehmen nicht einen her und vergöttern ihn als den Besten, das Genie, der einzig wahre, so wie viele Inder es mit den Kandidaten ihrer Parteien tun! Und sie würden wegen ihnen sicher keine Jahrzehnte-alten Freundschaften aufkündigen!

Der Witz ist jedoch, dass so etwas auch wirklich nur die Anhänger dieser Leute – die Politiker selbst haben keine solchen Ideen! Sie konzentrieren sich mehr auf ihre persönlichen Ziele und tun das, was sie ihrer Meinung nach weiter bringen kann, ohne ihre eigenen Worte dabei so ernst zu nehmen, wie ihre Anhänger das tun. Und das ist etwas, was ich all diesen Anhängern von Politikern zeigen möchte. Ich möchte sie bitten, dem Beispiel ihrer Vorbilder noch besser zu folgen!

Indiens Wahlkampagnen sind üblicherweise sehr hitzig und geladen. In der letzten Wahl für den Posten des Chief Ministers von Delhi nannte der derzeitige Premierminister Narendra Modi den Kanditaten einer anderen Partei, Arvind Kejriwal, alles Mögliche, unter anderem Terrorist, pakistanischen Spion, Feind des Landes und mehr – und das in aller Öffentlichkeit! Er hat trotzdem gewonnen – und vielleicht sogar, weil es den Menschen nicht sehr gefiel, dass der ‚Kopf der Nation‘ solche Worte verwendete. Nun, nach der Wahl, traf der neue Chief Minister von Delhi natürlich auch den Premierminister und im Fernsehen konnten wir dieses Treffen mitverfolgen. Sollte es einen überraschen, dass sie einander umarmten, Chai tranken und zusammen in rührender Einheit beieinandersaßen?

Die Anhänger dieses Mannes geben für ihn 20- oder 30-jährige Beziehungen und Freundschaften auf. Was sie nicht sehen, ist, dass er nur Drama ist. Dass sie hinter dem Vorhang alle gleich sind, dass es ihnen nicht so wichtig ist, was sie am Tag zuvor gesagt haben.

Ich möchte jeden Anhänger jeglicher Politiker da draußen eines bitten: bitte kündige wegen diesen Leuten keine Freundschaften. Keine Beziehung, in der Liebe ist und keine, in der die Möglichkeit besteht, dass sie mit Liebe wächst. denn irgendwann im Leben brauchst du einen anderen Menschen aus Fleisch und Blut – und Modi oder deine anderen Politiker sind dann nicht für dich da! Du erkennst ihr Gesicht aus Tausenden, aber für sie ist dein Gesicht eines von Tausenden. Für sie gibt es Millionen wie dich.

Politiker kommen und gehen bei jeder Wahl. Deine Freunde sind für dich da, halten deine Hand und unterstützen dich im wahren Leben, wenn du wirklich jemanden brauchst – Modi nicht.

Egal also, wie sehr du einen Anführer jeglicher Art verehrst, lass diese Verehrung nicht deine Freundschaften zerstören!

Wenn die Verehrung eines führenden Politikers wichtiger ist als alte Freundschaften – 15 Feb 15

Ich möchte über ein Thema schreiben, das ich in meinem Leben nun schon eine Weile lang beobachte. Letzte Woche habe ich euch von einem früheren Freund erzählt, der ein Problem mit meiner Religionslosigkeit hatte. Ein ganz anderes Thema, dem ich mich stellen musste, ist, dass manch einer mir bereits aus politischen Gründen die Freundschaft gekündigt hat!

Im letzten Jahr habe ich diese Erfahrung mit recht alten Freunden zweimal gemacht. Einer war seit mehr als 50 Jahren Freund meines Vaters und kam uns jedes Mal im Ashram besuchen, wenn er in Vrindavan war. Der andere war einer meiner Freunde, den ich schon seit über 20 Jahren kannte. Ab und zu telefonierte ich mit ihm und seiner Familie und wir besuchten einander zuhause. In beiden Fällen hatten diese Freunde ein Problem mit dem, was ich auf sozialen Netzwerken über politische Themen und insbesondere über Indiens derzeitigen Premierminister Modi schreibe.

Ja, ich habe Freunde, langjährige Freunde, verloren, weil wir unterschiedliche politische Meinungen haben.

Ich war schockiert. Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass das mit jemandem geschehen könnte, den ich persönlich kenne, mit dem ein Band der Liebe besteht, eine Beziehung, die schon viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte lang besteht! Wegen Politik! Weil sie für eine Partei sind und besonders für diesen einen politischen Führer und ich eben überhaupt nicht.

Ich bin keine politische Person. Ich halte Politik schon immer für zu viel Theater, zu viel Schauspielerei. Politiker wechseln immer dann Parteien, wenn es ihrer Karriere gut tut und sie etwas davon haben. Sie versprechen etwas, wenn es ihnen hilft, gewählt zu werden und machen etwas anderes, wenn sie dann an der Macht sind. Und sie erscheinen mir immer alles andere als feinfühlig, als käme es nicht aus dem Herzen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ich kein Interesse daran habe, was in meinem Land geschieht! Ich habe Interesse, informiere mich und bilde mir auch eine Meinung. Ich bin jedoch nicht für eine bestimmte Partei – und so schreibe ich meine Kommentare über die komischen Taten und Worte jeder Partei und ihrer Politiker. Auf sozialen Medien, weil mein Blog von zu vielen nicht-Indern gelesen wird, die die Einzelheiten nicht kennen und die sie auch nicht interessieren würden. Online kann man filtern. Lies, was du lesen willst, ignoriere das, was dir nicht gefällt.

Warum regst du dich über eine Aussage eines Freundes auf, dessen Meinung du doch wahrscheinlich sowieso schon kennst? Weil er dein Vorbild kritisiert, den Politiker, den du nicht nur unterstützt, dem du geradezu ergeben bist. Eine Beziehung der Verehrung ist entstanden – und ironischerweise ist das genau das, was ich am meisten kritisiere. Dass man keine Person verehren sollte, sei es ein religiöser Führer oder ein politischer! Dass du kein blinder Anhänger sein solltest, der die Fehler und Mängel seines Guru auf jede erdenkliche Weise zu entschuldigen versucht. Ich weiß, das Wort ‚Anhänger’ ist nicht sehr beliebt und du würdest dich lieber ‚Bewunderer‘ nennen. Wenn du dich jedoch aufregst und Freundschaften kündigst, beweist du, dass du genau das bist: ein Anhänger.

Ich bin dafür, dass du deine Augen öffnest und der Wahrheit ins Gesicht siehst. Der Guruismus hat mich Freunde gekostet – aus religiösen Gründen und nun auch noch aus politischen Gründen! Es ist am Besten, solche Menschen gehen zu lassen und sich nicht weiter bedrücken zu lassen. Ihre Hingabe und Verehrung ist stärker als die Liebe einer Freundschaft!

Ich habe noch viele weitere Gedanken zu diesem Thema und werde morgen noch mehr dazu schreiben.

Warum das Wahlsystem Deutschlands fairer und demokratischer ist als das indische – 21 Mai 14

Wahrscheinlich wisst ihr bereits, dass wir vor kurzem in Indien Wahlen hatten. Indien ist das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt und ist die größte Demokratie dieser Erde. So kommt es, dass es fünf Wochen dauerte, bis das ganze Land durch die Wahlen war. Ich werde hier nun nicht die Ergebnisse diskutieren, da ich meinen Blog auf keine Weise politisch gestalten möchte. Ich will nicht über die verschiedenen Parteien schreiben und obwohl ich vielleicht eines Tages über die Entscheidungen der Regierung schreiben werde, möchte ich nun nicht weiter auf das Ergebnis eingehen. Stattdessen möchte ich einen Artikel über das Wahlsystem schreiben!

In Indien regiert nun die Party, die 31% der Stimmen der indischen Wähler bekommen hat, mit einer Mehrheit der Sitze im Parlament. Das bedeutet, dass 69% der Menschen diese Party abgelehnt haben. Das kann geschehen, weil wir in Indien für einen örtlichen Kandidaten stimmen. Wer auch immer lokal die höhere Anzahl an Stimmen bekommt, geht ins Parlament – und die restlichen Stimmen gehen verloren. Der Kandidat kann mit einer Stimme gewinnen oder haushoch, das Ergebnis ist, dass seine Party einen weiteren Sitz im Parlament hat. Auf diese Weise wollen also 69% der Wähler nicht, dass diese Party an die Macht kommt, aber wegen unseres Systems hat diese Party eine Mehrheit bekommen, die es ihr einfach macht zu regieren – irgendwie erscheint einem das doch nicht wirklich demokratisch.


Indiens Bevölkerung

1 270 000 000 (2014)

Wahlbeteiligung


815 000 000(2014)

Partei


Wahlstimmen


Sitze

BJP


17,16,57,549


282

Congress


10,69,38,242


44

BSP


2,29,46,182


0

TMC


2,12,59,681


34

SP


1,86,72,916


5

AIADMK


1,81,15,825


37

CPM


1,79,86,773


9

TDP


1,40,94,545


16

AAP


1,13,25,635


4


Als ich das meinen deutschen Freunden erzählte, erklärten sie mir, dass das im deutschen Wahlsystem nie passieren könnte. Ich fragte warum nicht und Iris nahm sich etwas Zeit, es mir zu erklären. Sie erzählte, dass es vielleicht etwas kompliziert ist, dass es dafür viel fairer ist. Dass es sogar eines der fairsten Systeme der Welt ist – und da muss ich zustimmen!

Während wir in Indien nur ein Kreuz auf unserem Wahlzettel machen, machen die Deutschen zwei. Sie können zuerst einfach für eine der teilnehmenden Parteien stimmen, eine wählen, deren Parteiprogramm ihnen gefällt. Danach machen sie ein Kreuz bei einem der örtlichen Kandidaten ihrer Gegend. Dieser Kandidat zieht, wenn er gewinnt, in den Bundestag ein. Auf diese Weise wählen sie eine Person aus ihrem Umkreis, selbst wenn die Person nicht von der Partei ist, die sie mit ihrer ersten Stimme gewählte haben.

Wenn die Stimmen ausgezählt sind, zeigt die erste Stimme an, wie viele Prozent der fast 600 Sitze des deutschen Bundestages an welche Partei gehen.

Gleichzeitig geht jeder Kandidat, der in seinem Wahlgebiet gewinnt, in den Bundestag. Das passiert durch die zweite Stimme.

Wenn also eine Partei 30 Prozent der Stimmen bekommt, haben sie 30% der Sitze im Parlament. Diese Sitze werden mit den Kandidaten aufgefüllt, die in ihrem Gebiet örtlich gewonnen haben. Wenn nicht so viele Kandidaten dieser Partei gewonnen haben, füllen sie die Sitze mit anderen Parteimitgliedern nach einer Wahlliste auf, die sie bereits zuvor veröffentlicht hatten. Da wird dann auf eine Weise gerechnet, dass eine faire Anzahl Kandidaten eines jeden deutschen Bundesstaates im Bundestag ist.

Jetzt ist die große Frage: was passiert, wenn eine Party mehr Kandidaten hat, die örtlich gewonnen haben, als sie nach der Erststimme aller Wähler Sitze haben? Dann gibt es die ‚Überhangmandate‘. Diese Kandidaten gehen in den Bundestag, aber weil sie gehen, bekommen auch die anderen Parteien extra Sitze, so dass die Prozentzahl der Parteien zueinander immer noch gleich bleibt, so wie es mit der Erststimme gewählt wurde. Auf diese Weise kann das Parlament wachsen – aber die Prozentzahl bleibt gleich.

Die örtlichen Gewinner sind alle im Parlament. Jede Stimme wird gezählt und die Prozentzahl der Sitze, die jede Partei in der Regierung hat, ist trotzdem garantiert.

Ich halte das für fair. Ich glaube, es ist fairer als das indische System. Demokratischer, mehr das, was sie Menschen wirklich wollen.

Ein Übermaß an Demokratie – 20 Mai 14

Ich glaube, wir stimmen alle überein, dass Demokratie die beste Regierungsform ist. Die Menschen haben eine Stimme und es wird so gehandelt, wie es die Mehrheit der Menschen beschließt. Während ich gerne ein andermal über die indische Wahl, die Wahl der größten Demokratie der Welt schreiben möchte, würde ich euch heute gerne von einem weiteren Phänomen berichten: dem Gefühl, dass es manchmal einfach zu viel Demokratie gibt!

Ja, das meine ich ernst – obwohl, nein, ich muss auch oft über die lustigen Situationen lachen, die sich oft dadurch ergeben, dass meine Demokratie-liebende Frau sich bemüht, die Meinung aller Anwesenden einzuholen, bevor sie eine Entscheidung trifft, egal wie klein. Sollen wir in dieses Restaurant gehen oder in das? – Ich würde dieses vorziehen und du? Lasst uns ihn auch noch fragen, und sie, oh ja, und die anderen zwanzig Leute, die auch noch mitkommen wollten! Ihr könnt euch vorstellen, wie lange ein solcher Entscheidungsprozess dauern kann!

Unser Freund Thomas hat solche Situationen in seiner Schule oft erlebt und er erzählte mir, dass er in seinem Leben nicht ganz so viel Demokratie bräuchte. Hier ist ein Beispiel: 16 Leute sitzen eines Tages zusammen in einem Zimmer mit der Aufgabe zu entscheiden, welcher denn der neue Bürostuhl sein sollte.

In Thomas Schule muss man bei bestimmten Meetings anwesend sein und so auch bei diesem. Man muss da sein, so dass die Mehrheit zu einem Stuhl ja oder nein sagen kann, egal, ob man das für wichtig hält oder nicht. Mindestens eine Stunde deines Lebens hast du dann damit verbracht, darauf zu warten, dass andere über die Höhe, Härte und Rollfähigkeit eines Stuhls diskutieren.

Meistens sah das dann etwa so aus: Person Nummer eins, der Rektor oder ein Lehrer eigens mit dieser Aufgabe, stellt die unterschiedlichen Stühle mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Er endet mit den Worten ‚Ich glaube, dieser wäre der Beste für uns‘. Eine logische Wahl, alle stimmen zu. Nein, warte! Es können nicht alle einfach so zustimmen! Nun muss jede einzelne Person im Raum zu Wort kommen und sagen ‘Ja, das glaube ich auch’ und am besten sagt man noch warum.

Thomas erzählte mir, als er die Einladung bekam, antwortete er seinem Rektor ‘Du bist mein Rektor, ich vertraue, dass du für mich zum Besten entscheiden wirst!‘ und uns gegenüber fügte er hinzu, dass er lieber den Hof kehren und etwas nützliches tun würde, als seine Zeit in einem solchen Treffen zu vergeuden.

Es ist jedoch sicher, dass sich niemand hinterher beschweren kann, er hätte nichts von den neuen Stühlen gewusst!

Was ist dir lieber – Entscheidungen, die hinter deinem Rücken gefällt werden oder ein Übermaß an Demokratie?

Indien, verbietet doch bitte Sex an sich und nicht nur für Junggesellen! – 26 März 13

Vor Kurzem gab es in Indien eine große Diskussion zu einer sehr interessanten Frage: ab welchem Altern sollte Geschlechtsverkehr legal sein? Es gab Versuche, dieses Alter auf 16 zu senken, wie s in vielen Ländern weltweit ist. Am Ende haben jedoch die konservativen Gruppen Indiens einen Sieg errungen, als die Regierung beschloss, dass Sex in Indien immer noch nur dann legal ist, wenn die Teilnehmer 18 Jahre oder älter sind. Nach einigen lebendigen Diskussionen auf sozialen Netzwerken würde ich über diese Frage gerne auch in meinem Tagebuch schrieben.

Die größte Debatte um dieses Gesetz ist, dass Indiens Gesetz Frauen immer noch verbietet zu heiraten, bevor sie 18 Jahre alt sind und Männer, bevor sie 21 sind. Würden diese neuen Gesetze Sex vor der Ehe zulassen, etwas, das Religion, Tradition und Kultur ganz streng als Tabu sehen?

Wer mich kennt und meine Tagebucheinträge normalerweise liest, kann wahrscheinlich raten, für was ich gestimmt hätte, wenn mich jemand gefragt hätte – das jüngere Alter von 16 Jahren. Warum? Weil wir in modernen Zeiten leben, weil ich nicht an Traditionen wie arrangierte Ehen glaube und am meisten, weil es sowieso bereits in ganz Indien geschieht. Ja, das tut es. Niemand will es zugeben, weil diese Gesellschaft es immer noch für falsch hält, aber junge, unverheiratete Leute haben Sex – und oft heiraten sie recht spät, nachdem sie vor ihrer Ehe jede Menge sexuelle Erfahrungen gemacht haben.

Der durchschnittliche Inder wird dir sagen, dass es falsch ist, vor der Ehe Sex zu haben und der Grund ist, dass sie Sex für etwas Schmutziges halten. Die Religion hat ihnen Schuldgefühle beigebracht, immer wenn es um ihre Sexualität geht, selbst wenn sie verheiratet sind. Doch bevor sie verheiratet sind, wird es als Sünde bezeichnet. Selbst wenn jemand also Sex hatte als er Single war, zum Beispiel während seinen wilden College-Tagen, als er mit Freunden auf Partys ging, weit weg von seinen Eltern und zum ersten Mal im Leben volle Freiheit genoss, selbst dann würde er dir vielleicht sagen, dass es eine Sünde ist. Er würde nicht zugeben, dass er es selbst getan hat und er könnte sich vielleicht sogar deswegen schuldig fühlen. Die letzte Person, mit der er über sein voreheliches Sexleben reden würde wäre seine Frau. Wenn man die Bräute und Bräutigame fragt, so ist jeder Inder bei seiner Hochzeit noch Jungfrau!

Und das obwohl wir eine Kultur der arrangierten Ehen haben! Oder vielleicht gerade wegen dieses Konzepts – schließlich würde es deinen Marktwert drastisch reduzieren, wenn jemand wüsste, dass du unehelichen Sex gehabt hast! Wer würde seine Tochter denn an einen Frauenheld und wer seinen Sohn an ein leichtes Mädchen verheiraten? Arrangierte Ehen sind die Bühnen der Scheinheiligkeit!

Meiner Meinung nach hat Sex jedoch nichts mit Ehe zu tun und sollte moralisch auch nicht damit in Verbindung gebracht werden! Es gibt viele Fälle in diesem Land, in denen jemand nicht den passenden Partner für ein Ehe-Arrangement gefunden hat! Das kann an der Hautfarbe liegen, an der finanziellen Situation, der Kaste oder irgendeinem anderen Grund, aus dem die Eltern einfach nicht den richtigen Jungen oder das richtige Mädchen für ihr Kind finden. Bedeutet das, dass diese Leute dann ihr Leben lang mit niemandem schlafen dürfen, weil sie nicht geheiratet haben?

Ein weiterer Gedanke: Was ist mit denen, die einfach nicht heiraten wollen? Wer die Verantwortung nicht übernehmen will, die mit der Ehe kommt oder der nur jemanden heiraten will, den er wirklich liebt, nicht wie der Kuhhandel der arrangierten Ehen? Indien ist ein freies Land. Sex ist nun nur deshalb nicht ab 16 erlaubt, weil das Heiraten immer noch nur ab 18 erlaubt ist und das unmoralisch erscheint. Ihr wendet demnach diese Moral nun auch aufs spätere Leben an und das bedeutet, dass niemand Sex haben kann, wenn er nicht verheiratet ist. Dann sollte man das zu einem Gesetz machen, so dass man wirklich nur dann mit jemandem schlafen kann, wenn man mit ihm verheiratet ist. Doch das geht nicht, weil Indien ein freies, säkulares Land ist! Dann wende diese Moral auch nicht auf junge Erwachsene an!

Besonders indische Eltern versuchen, ihren Kindern solche Moralvorstellungen zu vermitteln in dem Glauben, dass das richtig ist, egal, ob sie selbst den Regeln ihrer eigenen Eltern gefolgt sind oder nicht.

Ich persönlich weigere mich, irgendeine Ideologie zu akzeptieren, die besagt, dass man nur dann Sex haben kann, wenn man verheiratet ist und darum werde ich das natürlich auch nie auf meine eigenen Kinder projizieren. Ich werde meinen Kindern Freiheit und Respekt beibringen. Ich werde ihnen erklären, was es für Konsequenzen hat, wenn sie mit jemandem schlafen, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen und die Verantwortung, die man übernimmt, aber dann werde ich es ihnen überlassen die Entscheidung zu treffen, mit wem sie schlafen oder wen sie heiraten wollen.

Das Herz der Eltern will immer nur das Beste für das Kind. Natürlich ist es eine sehr individuelle Vorstellung, was ‚das Beste‘ ist. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich es lieber sähe, wenn meine Kinder eine natürlichere Einstellung zum Sex hätten, eine gebildetere Sicht auf alles, was damit zusammenhängt und dann das Verantwortungsgefühl und das Selbstvertrauen, auch selbst zu entscheiden.