Das korrupte System der Religion – wenn Geld dich Gott näher bringt! – 10 Sep 16

Gestern habe ich erwähnt, wie Geld einen im Gesundheitssystem weiterbringen kann. Das ist jedoch nicht nur ein Thema, wenn es um Ärzte oder Krankenhäuser geht, das ist etwas, was man in fast jedem Sektor und Bereich sehen kann! Auch in der Religions-Industrie!

Ja, die spirituelle Industrie ist vom Geschäft auch nicht unberührt geblieben! Besonders hier in Indien bringt dir dein Geld eine bessere Behandlung von einem spirituellen Guru! Solche religiösen Gottmänner geben dir viel schneller einen Termin, als sie einem ‚gewöhnlichen‘ Anhänger geben würden, der keine extra Geldscheine parat hat! Man kommt diesem Guru auch näher, wenn dieser das Gefühl hat, dass man es wert ist. Dieser Wert wird jedoch an deinen Finanzen gemessen und nicht, wie man meinen mag, in spirituellen Maßen! Man wird einfach viel besser behandelt.

Selbst Tempel bieten diese Art von System: in dem sogenannten ‘Ort Gottes’ wird das auch in keinster Weise geheimgehalten: es gibt gedruckte Tickets unterschiedlicher Preisklassen. Die teureren bringen dich schneller zu den heiligsten Orten und du darfst der Götterstatue näher kommen. Normale Gläubige müssen warten und sich Gott von weiter weg ansehen!

Also entscheidet dein Geldbeutel, wie nahe du Gott kommst. Irgendein Skeptiker wie ich machte einmal einen Witz: wenn ich etwas mehr zahle, kann ich Gott vielleicht bitten, stattdessen zu mir zu kommen! Warum gehe ich zu ihm? Er kann doch zu mir kommen – vielleicht muss ich nur etwas mehr zahlen. Und wenn ich viel mehr zahle, kommt er doch sicher bis zu mir nach Hause! Dann muss ich nirgendwohin!

Warum nicht? Wenn du Gott per Bestechung dazu bringen kannst, all deine Sünden zu vergeben, warum solltest du ihn dann nicht auch dazu bekommen, in das Haus eines reichen Anhängers zu kommen?

Gott und Religion – eigentlich ist sowieso alles nur Geschäft!

Religionen preisen das Leiden, damit sie die Leute weiter unterdrücken und ausbeuten können – 5 Sep 16

Ich habe gestern kurz einen Grund für Kritik an Mutter Teresa erwähnt und zwar, dass sie an Schmerz und Leid als Weg zu Gott glaubte. In der Tat förderte sie die Idee, dass Armut ein Zeichen der Nähe zu Gott ist. Ihr könnt euch die Folgen vorstellen – etwas, über das ihr vielerorts lesen könnt: in ihren Krankenhäusern wurden Schmerzmittel nicht ordentlich verabreicht und nicht jeder bekam die medizinische Hilfe, die sie eigentlich benötigt hätten. Aufgrund einer Philosophie, die in allen Religionen existiert, jedoch nur eine Methode der Religion ist, die Menschen weiter zu unterdrücken und auszubeuten!

Ja, das ist genau das, was ich von dieser Vorstellung halte. Religionen rund um die Welt haben diesen Gedanken verwendet: wenn du arm bist, ist es das, was Gott für dich will. Wir können dir helfen, Gottes Wunsch richtig anzuwenden, so dass es dir bald besser geht. Aber wenn das nicht klappt, ist das auch Gottes Wunsch! Vielleicht musst du in unseren Tempeln, Moscheen und Kirchen etwas mehr spenden. Vielleicht musst du besser auf das hören, was unsere Priester predigen. Und vielleicht musst du etwas mehr von unseren Schriften mit ihrer Gehirnwäsche lesen!

Leide, weine, genieße deinen Schmerz – ein Zeichen von Gottes Liebe für dich? Ich habe mich immer gefragt, wie jemand an einen so grausamen Gott glauben kann? Warum würde dein imaginärer Freund wollen, dass du unglücklich bist? Warum wäre er da glücklich und froh darüber? Und warum genießt du freiwillig solches Leid? Es ist deine Wahl! Du könntest stattdessen auch einfach glücklich sein!

Ich habe eine ganz andere Philosophie. Ich glaube überhaupt nicht an Gott – aber ich glaube ans glücklich-sein. Ich glaube an die Freude, ich glaube an die Liebe, ich glaube ans Lachen und Spaß haben. Ich entscheide, dass jeglicher Grund, in meinem Leben unglücklich zu sein, geändert werden kann! Wenn ich leide, verändere ich etwas. Wenn ich unglücklich bin, verändere ich etwas – außen oder innen!

Es liegt in meinen eigenen Händen, nicht in den Händen eines Wesens, das nicht einmal existiert. Ich weigere mich, an so etwas zu glauben. Und ich finde es schrecklich zu denken, dass Krankenschwestern und Ärzte die Möglichkeit haben, solches Leiden zu beenden oder zumindest zu lindern und es nicht tun, weil sie an einen grausamen Gott glauben!

Nein, erinnere dich dran, dass es deine Entscheidung ist, etwas zu verändern, deine Entscheidung ist, glücklich zu sein!

Hungrige Kinder füttern oder doch die Affen? – 23 Aug 16

Gestern hatte eine liebe deutsche Freundin von uns Geburtstag. Ihr Name ist Susanne und sie hat uns nun schon mehrere Jahre lang unterstützt. Sie war mit einer Gruppe Natur-Friseure hier und wir hatten in den vergangenen Jahren viele tolle Workshops, Sitzungen und auch schöne private Zeit miteinander. Für ihren Geburtstag hat sie das Essen für die Kinder gespendet – und noch etwas extra dazu gegeben, so dass wir ihnen auch Bananen kaufen konnten!

Nur einige Stunden später war ich im Restaurant und sah draußen dem Verkehr zu, als ein Auto vor unserem Gebäude anhielt. Die Insassen öffneten die Fenster und begannen Bananen aus dem Auto zu werfen. Sofort war da eine riesige Menge an Affen, die alle versuchten, zumindest eine Banane zu erhaschen, wenn nicht zwei oder drei! Sie balgten sich darum und als schließlich keine Bananen mehr nachkamen, rannten sie davon mit allem, was sie ergattern konnten. Das Auto fuhr davon.

Ich sah also diese zwei Bananen-Verteilungen und fragte mich: warum würde jemand dieses Essen Affen geben anstatt Kindern?

Es war das schönste Gefühl, in den Augen der Kinder die Freude über eine Banane zu sehen! Wir verteilen immer mal wieder Früchte, immer, wenn es die Jahreszeit für etwas ist und wir viele dieser Früchte bekommen, so dass die Kinder auch ihre Vitamine bekommen. Wir wissen, dass sie daheim nicht viel davon haben, weil Früchte teuer sind! Also füllt eine Verteilung von Früchten – oder Essen im Allgemeinen – nicht nur ihre Bäuche, sondern auch unsere Herzen, weil wir wissen, dass wir diesen Familien geholfen haben, ihre Kinder zu füttern und dass das ihnen hilft zu wachsen.

Diejenigen, die die Affen füttern – und das war heute kein Einzelvorfall, das geschieht öfter – haben eine andere Idee im Kopf. Sie glauben das ist etwas, was Gott gut findet. Viele von ihnen verehren den Affengott Hanuman und glauben, indem sie die Affen füttern, dienen sie Gott direkt.

Wenn sie Gott dienen, ist Gott ihnen gnädig. Dann bekommen sie gute Gesundheit, Glück, Erfolg und so weiter. Sie fühlen Genugtuung, wenn sie die Affen gefüttert haben, denn am Ende nutzt das ihnen. Es ist ein eigennütziger Wunsch, der sie dazu bringt, die Bananen zu verteilen.

Für die Anwohner jedoch bedeutet das, dass es auf den Straßen und in der ganzen Gegend mehr Affen gibt. Und das ist etwas, was niemandem hier wirklich gefällt. Sie randalieren nicht nur in deinem Garten und zerstören deine Pflanzen, sondern sie sind wirklich auch gefährlich! In der Stadt sind Leute von ihrem Dach gefallen und gestorben, weil Affen im Clan gekommen sind und sie angegriffen haben – für Essen, das sie in der Hand hatten oder einfach, weil sie meinten, es sei ihr Revier. Die Regierung hat schon mehrere Pläne, um Herr dieses Problems zu werden – sie einzufangen, zu kastrieren, sie in Wälder außerhalb der Stadt zu bringen und mehr. Sie kommen wieder und machen weiter Probleme für die Leute, die hier leben. Doch religiöse Menschen glauben, es sei eine Tugend, sie zu füttern!

Nun sag mir mal, was mehr Sinn macht: Früchte an hungrige Kinder zu verteilen und sich damit gut zu fühlen, oder sie an wilde Tiere zu verteilen und sich vorzustellen, dass ein imaginäres Wesen dich dafür belohnt?

Überraschende Reaktionen von Restaurant-Besuchern, wenn sie erfahren, dass ich Atheist bin – 29 Jul 16

Nach der Eröffnung unseres Restaurants hatte ich mehrmals in Gesprächen die Situation, dass jemand annahm, ich sei religiös. Da kommt nun die Frage auf, ob ich diese Annahme korrigieren sollte oder nicht. Wir befinden uns in Vrindavan, viele unserer Gäste sind auf Pilgerreise hier und sind auch ganz klar religiös. Ich sage euch, dass ich trotzdem in fast jeder Situation klargestellt habe, dass ich eigentlich wirklich nicht religiös bin. Dass ich Atheist.

Wir fragten uns alle, was für eine Wirkung das auf die Leute haben würde. In Vrindavan ist das definitiv nicht normal – und die Leute waren überrascht. Ich hatte gedacht, einige würden negativ reagieren, aber hier war die Überraschung auf unserer Seite: kein einziger reagierte anders als interessiert!

Wirklich, die meisten Leute drücken Überraschung aus, haben dann aber auch Interesse daran, mehr zu erfahren. Wie kommt es, dass jemand in spiritueller Kleidung, geboren und aufgewachsen in Vrindavan, zum Atheisten geworden ist?

Es gibt auch andere, denen der Gedanke des Atheismus nicht gefällt – doch auch diese stört es eigentlich nicht! Und wirklich, warum sollte es sie stören? Es hat mit ihnen ja eigentlich nichts zu tun, ob der Betreiber des Restaurants, in das sie zum Essen gekommen sind, an Gott glaubt oder nicht!

Hier sehe ich ganz klar eines: wenn jemand online aus der sicheren Entfernung schreibt, kann er leicht beleidigend und unhöflich werden. Da wird eine Sprache verwendet, die man jemandem nie direkt ins Gesicht sagen würde! Vielleicht habe wir hier in unserem Restaurant nettere Menschen als die, die für gewöhnlich online sind – doch es ist definitiv Tatsache, dass ich auf die Nachricht, dass ich Atheist bin, nur positives Feedback bekommen habe.

Und das gibt mir Hoffnung: selbst wenn es viele Menschen gibt, die es sich nie träumen lassen würden, ihren Glauben an Gott aufzugeben, sind sie doch intellektuell fortgeschritten genug, dass es für sie kein Problem ist, wenn andere sagen, dass sie nicht an Gott glauben, ja, dass es überhaupt keinen Gott gibt!

Warum es sich für mich gut anfühlt, dass es keinen Gott und keine höhere Macht gibt – 27 Jul 16

Vor Kurzem wurde ich gefragt was ich, als Atheist, von Chancen und Gelegenheiten halte. Da ich nicht an Gott glaube, würde ich natürlich auch keinem göttlichen Wesen dafür danken, dass ich in der Lage dazu bin Dinge zu tun, die ich mir gewünscht habe oder dafür, dass mein Leben in schönen Bahnen läuft. Nein, das würde ich nicht. Ich kann jedoch trotzdem dankbar und glücklich sein!

Ich habe schon oft gehört, wie religiöse Menschen diejenigen, die nicht an Gott glauben, ‘undankbar’ nennen. Sie denken jeder sollte Gott für alles, was er oder sie im Leben bekommt, dankbar sein. Wer das nicht ist, wenn einem etwas Gutes geschieht, der begeht in ihren Augen eine Sünde. Jedoch offensichtlich nicht in den eigenen, wenn man ja nicht an ein solches Wesen glaubt.

Ich glaube nicht, dass eine höhere Kraft mir oder irgendjemandem Gelegenheiten verschafft. Die meisten solcher Gelegenheiten schaffst du dir selbst durch deine harte Arbeit und deine Art und Weise, das Leben zu sehen. Du arbeitest auf gewisse Ziele im Leben hin und siehst nach den Möglichkeiten, die du bekommst. Mit deinen Bemühungen schaffst du Gelegenheiten und siehst diese besonders deswegen, weil du deinen Blick auf diese Themen gerichtet hast.

Es gibt andere Chancen, die einfach dadurch entstehen, dass andere nett sind oder durch Dinge, auf die du keinen Einfluss hast – und dann ist es Zufall, Natur oder der gute Wille einer anderen Person. Das war’s. Ja, Dinge wie Zufälle gibt es. Ohne jeglichen Gott.

Das mag sich nun nüchtern, ja sogar langweilig anhören, doch ich bin allgemein eine sehr vernünftige Person und wenn es für mich keine höhere Kraft gibt, die Leuten Probleme verschafft, gibt es auch keine, die dir im Leben Chancen oder Gelegenheiten verschafft. Natürlich nimmt das die Magie raus, es entfernt die Möglichkeit, dass da jemand da sein könnte, der sich ‚um dich kümmert‘, aber weißt du was? Es beantwortet auch die Frage, wessen Schuld es ist, wenn bedauernswerte, unaufhaltsame Dinge geschehen: niemandens.

Für mich fühlt sich das gut an. Es gibt keine höhere Kraft, die sich wünscht, dass Kinder verhungern oder dass Wildbrände die Lebensgrundlage Tausender vernichten. Es ist Natur, es ist die Folge menschlichen Handelns, es ist alles außer irgendeiner Art allmächtiger Kraft, die zum eigenen Vergnügen Schwierigkeiten herbeibringt!

Ich denke es geht uns ohne den Gedanken an Gott besser – doch natürlich ist das jedermanns eigene Entscheidung und eigener Gedanken!

Warum Kinder in der Schule nicht von Gott und Religion beeinflusst werden sollten – 25 Aug 15

Wer den gestrigen Blogeintrag gelesen hat, weiß, dass wir den Kindern unserer Schule Gleichberechtigung vermitteln und uns nun wöchentlich mit ihnen treffen, um über unterschiedliche Themen zu sprechen. Natürlich ist eines dieser Themen Atheismus, oder eher, ihnen zu zeigen, wo die Religion Fehler macht und wie sie uns sogar schadet. Es gibt ihnen einen anderen Sichtpunkt und während es viele Schulen gibt, die auf unterschiedliche Weise religiöse und traditionelle Werte unterrichten, glaube ich, dass Religion in der Schule nichts verloren hat. Leider sehen das viele Lehrer anders – und es gibt sogar Schulbücher, die religiöse Lehren unterstützen!

Letztes Jahr bemerkten wir, dass Gott in vielen Büchern unserer Schule recht oft erwähnt wurde. Insbesondere die Bücher im Fach ‚Moral Science‘ behandelten oft die Frage, was Gott denn gut fände und welches Verhalten er von dir nicht sehen wollte. Das war für uns ein Grund, den Verlag dieses Jahr zu wechseln!

Jetzt haben wir Bücher, die Gott nur minimal erwähnen – und wir haben den Lehrern gesagt, solche Kapitel zu überspringen. Es gibt zum Beispiel je ein Gebet in den Fächern Hindi und Englisch. Normalerweise müssen Kinder diese auswendig lernen und in Prüfungen dann wiedergeben. Ein Paragraph, in dem geschrieben stand, jeden Tag müsse man beten und gute Kinder sollten Gott vertrauen, musste rausgenommen werden.

Ich weiß nicht, ob es hier in Indien überhaupt Textbücher gibt, die solche Dinge nicht beinhalten. Ich wäre froh, wenn ich den Lehrern solche Dinge nicht sagen müsste! Stattdessen hätte ich darin gerne kritische Artikel über Gottmänner und ihre Praktiken!

Ich möchte, dass unsere Kinder eine Möglichkeit haben, die sie sonst nie haben würden: kritisch zu denken, Fragen zu stellen, offen zu sein und ohne die Einschränkungen der Religion die Welt zu entdecken. Ich glaube, dass diese Wolke über ihrem Verstand, die durch Glaube und Tradition entstanden ist, gelüftet werden kann und sie auch in andere Richtungen denken können.

Das beinhaltet, dass sie die Möglichkeit haben zu sehen, dass Gott nicht allmächtig ist und dass man eine gute Person sein kann, selbst wenn man nicht täglich zu Gott betet. Sie werden verstehen, dass moralisches Verhalten nicht für religiös Gläubige reserviert ist! Eines Tages werden diese Kinder sehen können, dass ihr Erfolg nicht von Gottes Wohlwollen abhängig ist.

Ich habe euch bereits von meiner Idee erzählt, dass wir nach der Eröffnung unseres Restaurants, mit dem wir dir Schule unterstützen werden, auch noch weitere Restaurants eröffnen könnten, die auf gleiche Weise mit Schulen verbunden sind. Diese Schulen wären kostenlos – und sie sollten diesen Samen des Rationalismus auch von Beginn an verbreiten.

Dafür, dass das zur Wirklichkeit wird, werden wir meiner Meinung auch rationalistische Lehrer brauchen. Ansonsten werden wird es schwierig, Wirtschaft und Logik sowie das Fehlen dergleichen in Religion zu vermitteln – denn religiöse Leute glauben ja selbst an all das!

Im Augenblick sind unsere Ressourcen leider begrenzt und ich kann noch nicht all die Schritte machen, die ich gerne möchte, doch mit der Zeit und in der Zukunft bin ich sicher, dass ich noch weiter gehen werde damit, Kindern beizubringen, nicht auf Religion und Traditionen reinzufallen.

Sorry, ich kann kein Atheisten-Guru werden! – 6 Aug 15

Ihr habt bereits gelesen, dass ich absolut kein Interesse daran und keine Absicht habe, eine Organisation für Atheisten zu gründen. Gestern habe ich erklärt, dass das Risiko, so etwas könnte in eine Religion ausarten, zu hoch ist und dass wir nicht auf traditionelle Weise versuchen sollten, Atheismus zu definieren. Heute möchte ich noch gerne von einem weiteren Grund erzählen: ich mag die Struktur, die man für eine solche Organisation bräuchte, einfach überhaupt nicht!

Ihr wisst bereits, dass mir das Treffen so vieler Atheisten in unserem Ashram sehr viel Spaß gemacht hat. Ich werde auch in Zukunft gerne Atheisten in unseren Ashram einladen, um sie zusammen zu bringen und ihnen Raum zu geben, wo solche Treffen stattfinden können. Ich rede liebend gerne mit ihnen, sei es online oder in Person, erzähle ihnen von meinen Ansichten, höre mir ihre an und helfe ihnen mit Problemen, wenn ich das kann. Dafür möchte ich jedoch keine Organisation gründen!

Es gab viele persönliche Anfragen hierfür und darum denke ich, sollte ich auch genau den Leuten antworten, die mich hierum gebeten haben: ihr wollt ein System, in das euer Atheismus hineinpasst. Die Hauptsache beim Atheismus ist jedoch, dass es genau gegen das existierende System geht!

Ein Glaubens- oder eher Nicht-Glaubens-Grund rund für viele Atheisten ist, dass sie die Hierarchie nicht mögen, die die Religion ihnen gibt! Ich wäre nicht gern der Leiter einer solchen Organisation, denn viele Jahre lang, in meiner Jugend und im frühen Erwachsenenalter, war ich etwas sehr ähnliches: ein religiöser, spiritueller Guru! Ich war derjenige, der religiösen Menschen sagte, was sie zu tun hatten. Das habe ich unter anderem deshalb aufgegeben, weil ich gleich sein wollte! Ich wollte in der Lage sein, mit jemandem eine normale Unterhaltung zu führen, ohne, dass er oder sie meine Füße küsst!

Wenn ich also nun eine Organisation gründen würde, wäre ich das Oberhaupt. Es würde andere Vorstandsmitglieder geben. Da wären Manager, noch eine Stufe niedriger. Und so würde es weitergehen und einige Leute als höher und andere als niedriger einstufen. Ich denke wir sind alle Menschen und sollten einfach gleich sein. Solche Strukturen mögen in Firmen notwendig sein, um die Geschäfte ordentlich zu führen, doch ich würde das nur sehr ungern unter meinen atheistischen Freunden sehen! Denn das ist eines der Dinge, die in den Religionen auf der ganzen Welt so sehr falsch laufen!

Warum brauchst du jemanden, der dir sagen muss, was du tun sollst oder wo du hingehen sollst? Warum suchst du überhaupt nach einer solchen Person oder Gruppe? Ich denke, du kannst die Vorstellung besser verbreiten, wenn du an dich selbst und deine eigene Erfahrung glaubst! Warum kannst du anderen nicht ohne Organisation vom Atheismus erzählen?

Ich will das nicht. Wenn wir das täten, wären wir meiner Meinung nach in keiner Weise besser als organisierte Religionen und ihre Gläubigen.

Glaubt mir also, wenn ich sage, dass ich nie eine solche Organisation gründen möchte. Ich finde es lustig, wenn mich jemand im Witz den ‚Atheisten-Guru‘ nennt, aber in Wirklichkeit kann ich das gar nicht sein!

Warum ich keine atheistische Organisation gründen werde – und auch keine Religion! – 5 Aug 15

Ich habe euch von unserem Atheisten-Treffen im Ashram erzählt und einige meiner Gedanken zu dem Thema Atheismus in meinem Blog aufgeschrieben. Ich wurde bei diesem Treffen und auch danach auf sozialen Netzwerken mehrmals gefragt, ob ich denn nun eine atheistische Organisation eröffnen würde. Die ganze Erfahrung hat mich in meiner vorherigen Entscheidung, so etwas nie zu tun, bestätigt!

Meiner Meinung nach ist das Risiko, dass sich ein solches Unternehmen eines Tages in eine vollwertige Religion verwandelt, einfach zu hoch! Ihr wisst alle, was ich von Religion halte – und das würde ich nie wollen! Oh, die Leute sagen, es würde nie zur Religion werden, denn ich glaube ja nicht an Gott! Wenn man jedoch an die Beginne des Buddhismus denkt, ist das genau das, was dort auch passiert ist! Buddha sagte, jeder soll sein eigenes Licht sein – heute ist der Buddhismus eine Weltreligion!

Nicht jede Religion basiert notwendigerweise auf den Glauben an Gott. Es gibt viele Menschen, Sekten und auch Religionen, die ein Konzept ohne Gott haben. Sie glauben jedoch an jede Menge unterschiedlichen Unsinn! Für mich ist Atheismus nicht nur der Glaube, dass Gott nicht existiert. Ich lehne jede Art des Aberglaubens ab und damit auch die Vorstellung der Reinkarnation, des Himmels, von Karma und alles Ähnliche.

Einige Leute meinten zu mir, dass die Veden, die alten Hindu Schriften, bereits Verse beinhalten, die mindestens agnostisch erscheinen, also die Existenz Gottes anzweifeln. Besonders im Rig Veda steht, dass wir nicht wissen, wer diese Welt geschaffen hat. Ich antwortete, dass man vielleicht nicht weiß wer, dass es da also auf jeden Fall ‚jemanden‘ gibt, der sie geschaffen hat, oder? Einige Leute sagen, dass es das Konzept einer Welt ohne Gott schon sehr lange gibt und geben auch mehrere andere Schriften als Referenz.

Ich verstehe einfach nicht, wofür wir diese Beispiele brauchen sollten! Die Menschen, die diese Schriften geschrieben haben, egal vor wie langer Zeit, waren auch nur Menschen wie du und ich. Sie hatten Gedanken und schrieben diese auf. Wenn man jedoch ihre geschriebenen Worte hernimmt, sie studiert, versucht, sie zu beweisen oder die Wahrheit darin zu finden, geht man den gleichen Weg, den alle Religionen gegangen sind. So versucht man, diese Schriften zum Anker zu machen, an dem man sich festhält, einer Richtlinie, die einem sagt, wie man sich verhalten soll.

Meiner Meinung nach kann der Atheismus das nie sein. Atheismus ist nicht keine Anleitung, die einen Menschen von Null an führt, ganz einfach aus einem Grund: es ist reaktionär! Es ist nicht ein Weg, den man von Schritt eins begeht, sondern ein Weg, den man beschließt zu gehen, wenn man den Weg der Religion ablehnt! Es geht gegen die falsche Illusion eines Gottes, ein rebellischer Gedanke gegen die Ordnung der Religion! Man reagiert auf Religion, Aberglaube und die erdichtete Vorstellung eines Gottes. Wenn es keinen Theismus gibt, kann es auch keinen Atheismus geben. Ein Kind, das ohne Religion und ohne oder Vorstellung eines Gottes aufwächst, wird nicht zum Atheisten. Das Kind wird einfach nur natürlich ohne Gott leben.

Atheismus ist eine Reaktion und darum möchte ich allen Atheisten, die meine Zeilen lesen, sagen: versucht bitte nicht, eine atheistische Schrift für eine atheistische Religion zu finden. Atheismus folgt keiner Tradition und ist damit völlig individuell. Sprich über deine eigene Erfahrung, über deine Gefühle und deine Gedanken. Sprich über das hier und jetzt, nicht über uralte Schriften! Es geht um dich.

Keine Organisation kann all diese unterschiedlichen individuellen Gefühle zusammenbringen und Regeln oder ein Rahmenwerk für sie alle erstellen. Das wiederum würde die Menschen dazu zwingen, sich diesen Regeln zu beugen und nicht sie selbst zu sein. Und das ist Religion. Also nein, ich werde keine atheistische Religion gründen!

Verbessern wir die Welt, wenn wir den Atheismus verbreiten? – 4 Aug 15

Gestern habe ich erklärt, warum die Frage des Atheismus und des Glaubens in Indien wichtiger ist als im Westen. Hier sind den Menschen Gott und Religion einfach viel wichtiger! Ich habe erwähnt, dass ich glaube, die Welt sei ein besserer Ort, wenn immer mehr Menschen Religion hinter sich lassen und Atheisten werden würden. Heute möchte ich diese Aussage noch ein bisschen erläutern und erklären, warum es nicht dein Glaube oder Nicht-Glaube an Gott ist, der hier den Unterschied macht!

Ich möchte das hier noch einmal ganz klar machen: es ist mir eigentlich so ziemlich egal, ob du an Gott glaubst oder nicht. In beiden Fällen kann ich mit dir befreundet sein – und in beiden Fällen kann ich euch nicht mit dir befreundet sein. Allein die Tatsache, dass zwanzig, hundert oder tausend Leute sagen, dass sie nicht an Gott glauben, wird die Welt auch nicht bessern. Ich bin nicht wirklich gegen diesen Glauben, sondern gegen das Ausnutzen der Menschen, die Manipulation ihrer Gedanken und den unglaublichen Betrug, der mit Hilfe dieses Glaubens geschieht!

Darum beschränke ich mich mit meinen Worten und Gedanken auch nicht auf den Hinduismus und Indien! Ich denke das, was ich sage, ist für alle anderen Religionen und Glaubensrichtungen ebenfalls interessant, da die Menschen auf vielerlei Weise ausgenutzt werden, wenn es um ihren Glauben geht! Hier möchte ich ganz explizit auch esoterische Praktiken und ‘Spiritualität‘ mit einschließen!

Es ist alles das Gleiche: eine Gruppe Männer, die ein Buch schreibt, das schließlich zu einer Schrift wird, der andere folgen sollen. Das Oberhaupt einer Religion, das Regeln veröffentlicht, die andere befolgen sollen. Gurus, die ihren Anhängern vorschreiben, was sie tun sollen. Sektenführer, die ihre Schäfchen leiten. Hellseher, die behaupten, die Zukunft zu sehen. Medien, die allen, die an sie glauben, Anweisungen ihrer verstorbenen Ahnen weitergeben.

Wenn ich sage, dass ich Atheist bin, glaube ich auch nicht an ‘das Universum’ oder irgendeine höhere Energie, die uns alle leitet. Andere denken da vielleicht anders. Nur aufgrund der Tatsache, dass eine Person nicht an Gott oder ein ähnliches Wesen glaubt, bessert sich die Welt nicht.

Doch wenn ich sage, dass ich das tue, was sich für mich gut anfühlt und anderen Gutes bringt, niemandem schadet und auch niemanden manipuliert und mir jemand erzählt, dass er vor Kurzem zum gleichen Schluss gekommen ist, so denke ich, dass das die Welt zu einem besseren Ort macht!

Da es jedoch in Religion und Spiritualität so viel Manipulation gibt, stehen die Chancen, dass genau das passiert, wenn du Religion hinter dir lässt, ziemlich hoch. Ich schreibe meine Gedanken hier auf, damit mehr Leute die gleichen Gedanken auch haben und sich nicht mehr von anderen ausnutzen lassen.