Wie jede Menge Sex ein trockenes Ritual werden kann – 2 Dez 15

In den vergangenen zwei Tagen habe ich euch zwei Gründe erklärt, warum offene Beziehungen oft nicht funktionierten. Hinter beiden Szenarien, die ich da beschrieben habe, gibt es einen wesentlichen Grund für das Scheitern: Sex wird als Technik gesehen, eine Handlung, die wie Unterhaltung ist, von der man einen gewissen Nervenkitzel bekommt – und sie vergessen die Liebe!

Es gibt viele Leute, die von der Vorstellung offener Beziehungen fasziniert sind und bei ihrem Versuch jede Menge Sex mit jeder Menge verschiedener Menschen haben. Sie wecheln ihre Partner manchmal so häufig, dass sie sich nicht einmal mehr daran erinnern, mit wem sie alles geschlafen haben! Da fehlt das Gefühl. Dann ist Sex nur körperlich, ein Ritual, das man durchführt, da ist keine Liebe mehr!

Nach einer Weile beginnen sie, etwas zu vermissen. Sie erkennen, dass sie etwas nicht haben, nach dem sie suchten: die tiefere Bedeutung einer Beziehung. Die Möglichkeit, sich auf einer Ebene zu verbinden, die so viel tiefer geht als reine körperliche Berührung es kann! Ihnen felt die Liebe!

Das kann ja auch gar nicht sein! Wenn Sex für dich nur ein Ritual ist, wenn es eigentlich egal ist, mit wem, oder wenn du auch deine Partner auswählst, sie aber häufig wechselst, kannst du nicht auf die gleiche Weise eine Verbindung eingehen, wie du das in einer Beziehung mit nur einer Person kannst. Und du kannst nicht das gleiche Gefühl, das du usprünglich mit diesem einen Partner hattest, mit jedem deiner Sexualpartner teilen.

Du kannst Sex teilen, körperlichen Kontakt und das Ritual, aber du kannst nicht die gleiche Zuneigung, das gleiche Gefühl und die gleiche Liebe teilen. Liebe ist der Kleber, der dich und deinen Partner zusammenhält. Die Leute denken oft, Sex sei der Kleber – doch in Wirklichkeit ist es die Liebe.

Sex ist meiner Meinung nach auch wichtig! Oh ja, Sex kann in einer Beziehung so viel intensivieren und eine wichtige Rolle dabei spielen, zwei Menschen einander wirklich nahe zu bringen. Aber nur, wenn es auch eine weitere Verbindung gibt, als nur die körperliche. Man kann eine tolle Nacht mit jemandem haben und sogar regelmäßige sexuelle Erfahrungen, die jedes körperliche Bedürfnis stillen und es kann sich trotzdem noch anfühlen, als würde dir etwas fehlen.

Dieses ‘etwas’ ist Liebe. Und meiner Meinung nach ist es unmöglich, diese tiefe Liebe und diese Verbindung mit mehr als einer Person zu haben!

Vorbereitungen für die Veranstaltung ‘Leben nach dem Tod’ – 23 Jul 15

Wir befinden uns mitten in unseren Vorbereitungen für eine Veranstaltung, die an diesem Wochenende hier in unserem Ashram stattfinden wird. Wir haben Menschen eingeladen, zu kommen und sich zur Körperspende einzutragen. Sie werden zustimmen, dass ihre Körper nach ihrem Tod Krankenhäusern gegeben werden, so dass sie für den Fortschritt der Medizin verwendet werden können!

Jede Religion hat ihre eigenen Rituale und Zeremonien für die Zeit nach dem Tod. Manche Religionen verbrennen den Körper, andere Religionen begraben ihn. All das wird für die Seele getan, um in den Himmel zu gelangen und ähnliche Ziele zu erreichen. Was soll jemand tun, der nicht an all diesen ‚Vorteilen‘ interessiert ist, weil er nicht an sie glaubt?

Ich glaube, es wäre viel besser, seinen Körper stattdessen der Medizin zu schenken. Wenn irgendein Organ dafür verwendet werden kann, das Leben einer anderen Person zu retten, wäre das nicht toll? Für mich ist es jedoch nicht so sehr der Gedanke, dass man dann ‚weiterleben‘ würde, sondern die Vorstellung, dass man sogar nach dem Tod jemandem helfen könnte zu leben! Doch selbst, wenn man so alt ist, dass die Organe nicht mehr transplantiert werden können, kann die Medizin trotzdem daraus Nutzen ziehen! Ja, es gibt so viele Medizinstudenten, die lernen müssen, mit was sie in Zukunft arbeiten werden – und sie könnten an dir lernen!

Vor langer Zeit hat mich mein Vater bereits gefragt herauszufinden, wo und wie es für ihn möglich ist, seinen Körper nach dem Tod der Medizin zu schenken. Es mag euch vielleicht überraschen, doch mein Vater ist wirklich ein sehr offener Denker und hat diesen Gedanken schon sehr lange gemocht!

An diesem Wochenende wird er nun endlich in der Lage sein, ein Formular auszufüllen, das genau das bestätigt. Ich habe einige atheistische Freunde, die ich über soziale Netzwerke kennen gelernt habe und zusammen haben wir dieses Treffen für Freitag und Samstag angesetzt. Wir treffen uns mit weiteren Atheisten – da religiös Gläubige normalerweise diesen Weg nicht wählen werden – und informieren sie, haben Gespräche, treffen einander, lernen einander kennen, schließen neue Freundschaften und helfen weiteren Leben und auch der Wissenschaft auf diese Weise!

Wir wissen nicht, wie viele Menschen schließlich kommen werden. Über sechzig Leute haben ihre Pläne zu Kommen bestätigt, doch ihr wisst, wie es in Indien ist – es könnten auch viel mehr werden! So sind wir gerade mitten in den Vorbereitungen für das Essen und die Unterkunft, dafür, den Ashram schön und bereit zu machen und natürlich aufgeregt und voller Vorfreude!

Am Sonntag werde ich euch den vollen Bericht der Veranstaltung geben!

Der lustige Bericht von nicht-Hindus nach einer religiösen Zeremonie in Indien – 26 Feb 15

Ich habe euch schon oft erzählt, dass wir im Ashram gerne Gäste haben! Es ist wirklich schön, wenn man Menschen unterschiedlicher Länder an einem Ort hat, wenn alle ihre Gedanken und ihre Meinungen teilen und austauschen. Natürlich erzählen sie uns auch, was sie in Indien gesehen und erlebt haben – und vor kurzem hat uns ein Bericht nicht nur zum Lachen gebracht, sondern uns auch ins Nachdenken gebracht, und zwar über Menschen, die religiöse Rituale durchführen und versuchen, andere zur Teilnahme zu bewegen.

Zwei unserer Ashramgäste waren ans Keshi Ghat gegangen, der Ort in Vrindavan, an dem Treppenstufen in den Fluss Yamuna führen. Zur Zeit hat der Fluss einen sehr niedrigen Wasserstand, aber das hält die Menschen nicht davon ab, täglich eine Feuerzeremonie für Pilger abzuhalten, die den Fluss verehren wollen. Das Paar ging, um sich diese Zeremonie anzusehen – und ihr Bericht dieser Erfahrung war einfach zum Brüllen komisch.

Für Gewöhnlich setzen sich die Leute an die Seite und sehen aus einer gewissen Entfernung zu, was dort vor sich geht. Sie kamen an den Ort und überlegten noch, wo sie sich am Besten hinsetzen sollten, als einige Pilger kamen und ihnen durch Gesten anzeigten, dass sie weiter nach Vorne kommen sollten. Sie folgten ihnen und fanden sich bald in der Mitte einer Menschenmenge wieder und machten, was ihnen gesagt wurde, um keinerlei religiöse Gefühle zu verletzen und natürlich auch, um diese einzigartige Erfahrung zu machen.

Und einzigartig war sie allemal! Sie erzählten, wie sie Teigstücke bekamen, die sie in den Fluss werfen sollten, wie sie brennende zeremonielle Kerzenständer halten mussten, die in der Menge umherschwingen sollten, immer darauf bedacht, nicht ihre Nachbarn zu versengen und wie sie sogar kleine Kerzenboote mit Hilfe eines langen Stabes balancierend in den seichten Fluss geben mussten. Irgendwann wurde ihnen eine hohle Art Horn gegeben, die dann mit Milch gefüllt wurde und die sie, wie ihnen wieder mit Gesten bedeutet wurde, über den Fluss halten sollten, so dass die Milch in den Fluss floss. Es war ein Balanceakt zu versuchen, das Horn weit genug raus zu halten, dafür, dass die Milch das Wasser erreichen würde, während zu versuchen, selbst nicht über das Geländer zu fallen! Sie waren erleichtert, als es schließlich leer war – und schockiert, als zweimal jemand kam, um es nachzufüllen!

Zurück im Ashram spielten sie die Handlungen noch einmal nach und ernteten großes Gelächter. Natürlich hatten sie auch Freude daran und sagten, dass sie wirklich mitten drin waren, aber gleichzeitig waren sie erschöpft. Es war viel Lärm, der Fluss floss nicht wirklich und stank ziemlich und sie mussten jede Menge ungewöhnliche Bewegungen vollführen. Und dann machten sie sich auch ein bisschen über diese Handlungen lustig. Und das ist ja auch klar: sie wussten wirklich nicht, was sie da machten, was die Logik oder der Symbolismus hinter diesen Handlungen war!

Während ich glaube, dass sie jede Menge Erinnerungen von dieser Erfahrung davontragen und obwohl wir unseren Gästen immer empfehlen, diese Zeremonie zu besuchen, um die Atmosphäre zu erleben, glaube ich auch, dass sie nicht da hineingezogen werden sollten.

Wirklich, wenn man seine eigene, ganz offensichtlich hinduistische Zeremonie vollführt und eine Person kommt, die ganz deutlich kein Hindu ist, die also deine Rituale und Traditionen nicht kennt, warum versuchst du, diese Person dazu zu bewegen, es dir nachzumachen? Wenn du demjenigen deine Religion zeigen möchtest, wäre es nicht nötig, ihn all diese Dinge, die er eh nicht versteht, machen zu lassen. Davon lernt er deine Religion doch kein bisschen besser kennen! Willst du deine eigene Religiosität zur Schau stellen? Auch dafür müsste der andere nicht das tun, was du tust! Oder willst du am Ende nur eine größere Spende? Ein religiöses Drama für Geld?

Und dann musste ich jedoch auch wieder an die Hindus denken, die bei dem Ritual mitmachen. Viele von ihnen wissen in Wirklichkeit auch nicht, was sie da tun! Sie ahmen nur das nach, was der Priester macht und was ihre Eltern und Vorfahren ihnen gezeigt und immer wieder wiederholt haben. Sie kennen die Symbole und den gedachten Sinn dahinter nicht. Also ist es auf gewisse Weise für sie auch nur ein Spiel. Ein Spiel mit den Vorteilen eines möglichen, göttlichen Segens.

Ich kann verstehen, dass du den Spaß eines Spiels gerne mit einem Fremden teilen möchtest. Aber lass mich dir sagen, dass dich das auch in Gefahr bringt, ausgelacht zu werden – und ich weiß sicher, dass du das nicht möchtest! Warum also können wir es nicht einfach so halten: wenn jemand kommt und aktiv Interesse daran zeigt, mitzumachen, lass sie das tun. Wenn nicht, lass sie einfach nicht zusehen! Dränge niemanden und mach einfach dein Ding!

Und vor allem würde ich dir raten, wenn du mal etwas freie Zeit hast, an den Fluss zu denken, die Verschmutzung und andere Probleme und welchen Unsinn du da eigentlich machst! 🙂

Junge, moderne Inder: schämt ihr euch für eure Familie? – 23 Dez 14

Vor einiger Zeit schrieb mir ein junger, indischer Mann mit einigen Fragen. Kurz gesagt, er wollte wissen, wie er, ein moderner, aufgeschlossener Inder aus der jungen Generation mit dem traditionellen Lebensstil und den veralteten Ansichten seiner Familien umgehen sollte. Ich weiß, dass das nicht nur das Problem dieses Mannes ist und so wollte ich euch meine Antworten in meinem Blog schreiben.

Der Mann beschrieb, was ich auch schon bei vielen anderen jungen Leuten gesehen habe. Sie gehen zum Studieren in die Universität, oft in eine größere Stadt, bekommen dort jede Menge der ‚modernen Welt‘ zu sehen, lesen viel und haben Zugang zu internationalen Medien, haben vielleicht Kontakt mit nicht-Indern und erfahren mehr darüber, was außerhalb Indiens so geschieht. Wenn sie in ihre kleinere Stadt oder sogar in ihr Dorf zurückkehren, sind sie andere Menschen als damals, als sie gingen. Für viele geschieht das Gleiche während sie daheim sind! Das Internet bietet heutzutage so viele Möglichkeiten, mehr über diese Welt herauszufinden, so dass man dafür eigentlich gar nicht mehr raus muss!

Also entwickeln diese jungen Menschen ihre Gedanken in eine Richtung, in die sich ihre Familie natürlich nicht bewegt. Die jungen Mädchen und Jungen haben Freunde, die genauso wie sie fortschrittlich sind und nicht an der alten Religion mit ihren vielen Grenzen und Ritualen hängen. Wenn sie daheim sind, sehen sie, wie ihre Familie all dem folgt und sie erkennen, dass ihre engen Verwandten, die Menschen, die sie lieben, alle höchst abergläubisch sind. Dass sie an das Kastensystem glauben, etwas, das sie selbst nun stark ablehnen. Sie befolgen all die schlechten Traditionen zum Umgang mit Frauen, die wir hier in Indien haben.

Sie versuchen, bei sich zu Hause Argumente anzubringen, aber das ist hoffnungslos. Sie sind dort eine Minderheit und schließlich lieben sie ihre Familien, also wollen sie sie auch nicht beleidigen! Aber sie schämen sich schon ein bisschen. Sie vermeiden es, mit ihren Freunden über ihre Familie zu sprechen. Es ist ihnen schon peinlich, wenn sie nur daran denken, ihre modernen Freunde mit nach Hause zu bringen und sie ihrer Familie vorzustellen. Welchen Eindruck sie wohl von ihrer Familie, den Menschen haben werden, mit denen sie zusammenleben?

Weißt du, ich würde zuerst einmal sagen, dass du dich nicht für deine Familie schämen musst. Du bist nicht für sie und ihre Handlungen, ihren Glauben oder ihre Gedanken verantwortlich. Sag ihnen genau, was du denkst, erkläre ihnen, warum du nicht an die Dinge glaubst, an die sie glauben und auch ihren Traditionen nicht folgen möchtest. Sprich, so dass sie es wissen, auch wenn sie es nicht zu verstehen scheinen. Du musst es vielleicht auch noch ein paar Mal wiederholen und erklären, aber am Ende ist es doch deine Familie. Sie lieben dich und ihr solltet auf dieser Basis doch eine gemeinsame Grundlage haben. Seid tolerant miteinander – sie sollten dich nicht dazu zwingen, bei Zeremonien mitzumachen, die du nicht magst oder Traditionen oder Ritualen beizuwohnen, die du für falsch hältst. Doch genauso kannst du sie einfach das tun lassen, was sie tun, wenn du ihnen ja schon gesagt hast, dass du meinst, es sei nicht richtig. Es tut dir ja schließlich nicht weh, wenn sie beten oder fasten, oder?

Und wenn es um deine Freunde geht, so würde ich das Gleiche vorschlagen: sprich. Erzählt ihnen von deiner Familie und deinen Gefühlen. Sicher bist du nicht der Einzige! Sprich einfach darüber und lass es sie wissen. Wahre Freunde sehen dich wegen dem Glauben deiner Familie nicht anders. Im Gegenteil, sie können dich besser verstehen, weil sie nun wissen, wo du herkommst.

Es gibt jedoch einige Probleme bei unterschiedlichem Glauben, die man nicht einfach so tolerieren und ignorieren kann. Manchmal ist da eine Grenze, wenn ein Glaube oder eine Tradition dich oder deine Freunde wirklich beleidigt oder euch schadet. Das ist jedoch ein anderes Thema und morgen möchte ich mehr darüber schreiben.

Die Hochzeit meiner deutschen Freunde bei uns im Ashram – 14 Jul 13

Heute möchte ich euch von einem Ereignis im Jahr 2005 erzählen, dem ich persönlich nicht beiwohnte, von dem mir jedoch viele Male berichtet wurde und von dem ich Bilder und Videos gesehen habe: zwei meiner deutschen Freunde heirateten im Ashram! Aber ich will die Geschichte von Anfang an erzählen.

Diese zwei Freunde hatten mir erzählt, dass sie gerne eine Reise nach Indien machen wollen. Der Mann war schon mehrere Male in Indien gewesen, aber für seine Frau wäre es das erste Mal. Sie hatten von den Zeremonien und Ritualen bei indischen Hochzeiten gehört, hatten Videos gesehen und waren fasziniert davon. Als ich sie einlud, zu uns in den Ashram zu kommen, äußerten sie den Wunsch, eine indische Hochzeit zu haben. Ich antwortete, dass das natürlich möglich war und so machten sie ihre Pläne. Irgendwie hatten wir an diesem Punkt jedoch ein kleines Missverständnis.

Sie kamen im Oktober am Flughafen in Delhi an und wurden dort herzlich von meinem Bruder Yashendu willkommen geheißen, den sie bereits in Deutschland kennen gelernt hatten. Sie kamen in der Erwartung im Ashram an, mich an der Türschwelle umarmen zu können – aber ich war gar nicht da! Meine Brüder erklärten, dass ich in Irland ein Programm hatte! Sie waren sehr überrascht, um es milde auszudrücken. Sie kannten Yashendu nicht richtig und unseren mittleren Bruder Purnendu überhaupt nicht, aber vor allem hatten sie eine Frage: was sollte denn nun aus ihrer Hochzeit werden, wenn ich nicht da war, um sie durchzuführen?

Ich erfuhr erst viel später, dass sie gar nicht wussten, dass ich nicht da sein würde. Ich dachte, ich hätte ihnen das gesagt und ich hatte natürlich meinen Brüdern von dem geplanten Besuch erzählt. Mein Programm stand schon länger fest – aber da hatten wir wohl offensichtlich aneinander vorbeigeredet! Genauso wie sie nicht wussten, dass ich nicht da sein würde, wusste ich nicht, dass sie von mir erwartet hatten, dass ich ihre Hochzeitszeremonie durchführen würde! Ich verstehe, warum sie vielleicht gedacht hatten, dass ich das tun könnte: ich kannte ja die heiligen Schriften und natürlich auch alles über die Rituale zu verschiedenen Anlässen, da diese ja auch in den Schriften beschrieben sind. Sie wussten jedoch nicht, dass wir für die Durchführung all dieser Zeremonien eine andere Art von Priester haben! Ich hatte in meinem Leben noch niemanden verheiratet und auch mein Vater und meine Brüder nicht! Wir waren Prediger, die die Schriften interpretierten, rezitierten und erklärten und normal führten wir keine Rituale durch. Wir kannten jedoch Priester, die das taten und das hatte ich auch im Sinn gehabt, als ich sie zu ihrer Hochzeit im Ashram einlud.

Da waren sie also, ein bisschen verwirrt und sogar bereit dazu, die Hochzeit ausfallen zu lassen und weiterzureisen. Purnendu beschloss, dass es an der Zeit für ein Gespräch mit mir war und drückte ihnen einfach das Telefon in die Hand. Es ist lustig, dass ich mich selbst jetzt nicht daran erinnern kann, dass sie mir da gesagt hätten, dass sie meinten, ich würde da sein. Naja, wie auch immer, ich sagte ihnen, dass meine Familie alles für die Hochzeit vorbereiten würde und dass sie sich keine Sorgen machen, sondern einfach entspannen und genießen sollten.

Glücklicherweise beschlossen sie, genau das zu tun und meine Familie begann mit den Vorbereitungen für ihre Hochzeit am 19. Oktober 2005. Meine Brüder und meine Schwester organisierten alles. Sie besorgten die Hochzeitskleidung, bereiteten die Feuerstelle für das Ritual vor, all die Dinge, die für die Hochzeit benötigt werden, baten den Priester zu kommen, halfen unseren Freunden in die Kleidung, erklärten ihnen, wann sie was tun sollten und machten Bilder und Videos. Es war für alle ein unvergesslicher Abend, der sie tief mit meiner Familie und dem Ashram verband.

Obwohl ich nicht da war, bin ich sehr froh, dass meine Freunde ihre indische Hochzeit bei uns hatten. Sie blieben sogar für die Diwali-Feierlichkeiten, die nicht viel später waren und hatten ein Festessen bei uns zu Hause. Heute noch erzählen sie, wie sehr es sie berührte, als sie wie Familienmitglieder aufgenommen wurden und dass sich alle ohne jegliche Erwartungen rührend um sie kümmerte.

Ich freue mich, dass wir diese zwei besonderen Freunde nach diesem ersten Besuch im Ashram noch viele weitere Male begrüßen durften. Meine Familie und ich wurden bei ihnen daheim mit der gleichen Liebe willkommen geheißen. Und heute kann ich mit viel Freude sagen, dass sie bei uns daheim geheiratet haben und die deutsche Hochzeit meiner Frau und mir bei ihnen daheim stattfand!

Wenn die ganze heilige Milch im Abfluss landet… – 24 März 13

Wenn ich an das Jahr 2005 zurückdenke, muss ich sagen, dass ich mich da immer noch in einem großen Prozess der Veränderung befand. Natürlich besteht dein ganzes Leben aus Veränderung, aber nachdem ich im Dezember 2000 die Höhle verlassen habe, hat sich in meinem Leben so viel verändert, dass es noch Jahre später zu spüren war – und die Veränderung ging ja immer weiter! Weg vom Leben als Guru und damit natürlich auch langsam bei einigen Überlegungen zur Religion und was alles hinter dem ‚Guruismus‘ steht, den ich ja hinter mir gelassen hatte. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine lustige Situation mit einem Freund in Deutschland, die mich einerseits zum Lachen brachte, mich andererseits jedoch den Sinn einiger religiöser Rituale in Frage stellen ließ.

Ich hatte während meinen Reisen in ganz Deutschland viele Freundschaften geschlossen und natürlich waren darunter auch viele Heilpraktiker, die zu meinen Vorträgen, Programmen und Einzelsitzungen kamen. Einer von ihnen war ein Mann, der auch großes Interesse daran hatte, mein Programm bei sich zu organisieren. Ich hatte freudig zugestimmt und so hatte er mich nach Heidelberg eingeladen, wo ein Freund von ihm ein Zentrum hatte. Während ich dort arbeitete, hatten wir einige Gespräche und ich erfuhr, dass mein neuer Freund ein neues Haus baute, nicht weit weg, in einem Vorort von Heidelberg. Das Haus sollte in ein paar Wochen fertig sein und er fragte mich, ob ich nicht zu ihrer Einweihungsfeier kommen wollte und vielleicht sogar eine Zeremonie machen wollte, um das Haus zu segnen. Ich willigte ein – das war nichts Neues für mich und für einen Freund würde ich das doch gerne machen.

So waren wir mit mehreren Freunden im neuen Haus zusammen gekommen, sobald es fertig war. Es war eine nette Gruppe mit etwa 30 Leuten, von denen ich mehrere kannte. Wir führten eine traditionelle Segens-Zeremonie mit Abhishek aus, ein Ritual, in dem man die Statue Gottes mit Milch, Honig und einigen anderen Zutaten wäscht und um Segen bittet. Alle nahmen an dem Ritual teil und wurden so zu einem Teil davon, während ich dabei Mantras rezitierte. Am Ende dieses Rituals bekommt normalerweise jeder ein Glas der Milch und der anderen Zutaten. Es ist lecker und wird natürlich als gesegnet angesehen. Ein heiliges Getränk, das dir etwas von Gottes Energie, Stärke und Glück bringt.

Als wir also fertig waren, reichte jemand meinem Freund die Milch und er stand auf und ging damit hinaus. Der ganze Raum wartete und manche von ihnen wussten, was nun kommen würde – sie waren in freudiger Erwartung dieses Getränks, das voller positiver Energie sein sollte. Als mein Freund jedoch zurückkam, hatte er nicht wie erwartet mehrere Gläser voll des heiligen Getränks in den Händen – nein, er trug die leere Schüssel vor sich her! Was war denn mit der gesegneten Milch passiert?

Ganz einfach, er hatte sie weggeschüttet! Er hatte nicht gewusst, was er eigentlich damit machen wollte und hat es in den nächstbesten Abfluss geschüttet! Manche Leute waren ernsthaft geschockt, als er das sagte – hatte er etwa all die heilige Milch weggeschüttet? Als ich jedoch in sein Gesicht sah, musste ich doch lachen – er hatte ganz offensichtlich Schuldgefühle deswegen, aber er hatte einfach nicht gewusst, dass es heilig war und getrunken werden sollte! Mit mehreren meiner Freunde kann ich heute noch über diese Geschichte lachen – es war einfach zu lustig, wie alle auf ein besonders heiliges Getränk warteten, dass er einfach dorthin goss, wo man normal dreckiges Putzwasser entsorgt!

Ich habe euch jedoch bereits gesagt, dass das noch Grund für einen weiteren Gedanken war: was bedeutet Heiligkeit, wenn jemand davon nichts weiß? Man macht ein Ritual und glaubt, das Ergebnis sei ein heiliges Getränk, aber die andere Person, die so ein Ritual noch nie durchgeführt hat, meint, es wären nur ein paar seltsame Zutaten zusammengemischt, nichts Besonderes. Macht dieses Ritual denn wirklich Sinn? Ist es ein Segen für das Haus, selbst wenn es nun durch die unterirdischen Rohre fließt? Manche Menschen würden sogar sagen, es sei das Gegenteil – wenn man die heilige Milch in den Abfluss schüttet, muss das für das Haus schlecht sein!

Ich habe nie daran geglaubt, dass ein Ritual eine negative Auswirkung auf dich haben könnte, selbst wenn du es nicht so durchgeführt hast, ‚wie es sein sollte‘! Ist das alles also nicht nur ein psychologischer Effekt?

Es war ein Gedanke, der hochkam, etwas, das in mir blieb. Es mag auf mich keine sofortige Wirkung gehabt haben, war aber ein kleines Puzzlestück der großen Veränderung in mir.

Abergläubische Menschen – Typ 3: Der erfolgreiche, wohlhabende Geschäftsmann – 13 Mar 13

Nach dem ungebildeten Dorfbewohner und der Durschnittsperson aus der Mittelklasse, will ich euch heute den dritten Typ abergläubischer Personen beschreiben:

Der abergläubische, erfolgreiche Geschäftsmann

Ich kenne diesen Typ sehr gut, da ich mit vielen von ihnen in einem früheren Teil meines Lebens in Kontakt war, als ich ein Guru in Indien war. Als ich Vorträge gab und predigte, kamen immer viele reiche Leute und waren oft auch meine Organisatoren und so weiß ich viel über die Mentalität dieser erfolgreichen, wohlhabenden Geschäftsmänner, die gleichzeitig auch noch religiös und damit abergläubisch sind.

Wieder einmal kommt der Aberglaube Hand in Hand mit der Angst. Je größer ihr Erfolg, desto größer die Angst, dass es wirklich wahr sein könnte, dass der Zeitpunkt und das Datum einen großen Einfluss auf deinen Erfolg und damit auf deine finanzielle Situation haben! Das würde heißen, dass ein schlechtes Timing für eine wichtige Entscheidung das Scheitern bedeutet! Vielleicht sogar der vollkommene Ruin – was für diese Person dem Weltuntergang gleichkommt!

Der abergläubische Geschäftsmann macht also Geschäfte, achtet jedoch gleichzeitig darauf, wichtige Termine auf die richtigen Tage zu legen oder, wenn das nicht möglich ist, Zeremonien durchzuführen, um die Probleme ungünstiger Zeiten auszugleichen. Mit der Zeit wird er davon überzeugt, dass dieser Erfolg auf seinem Aberglauben beruht und hat deswegen schreckliche Angst, etwas falsch zu machen und alles zu verlieren! Wenn ihr Erfolg von einer höheren Kraft, einem Segen oder einer Energie abhängt, so haben sie das Gefühl, sie können es jederzeit verlieren, wenn sie etwas falsch machen.

Was bedeutet das eigentlich? Es ist ganz einfach – sie vertrauen weder sich selbst noch ihren Fähigkeiten. Sie haben wenig Selbstvertrauen und beschließen, dass es nicht ihre Arbeit oder ihr Talent war, das ihnen Geld und Erfolg gebracht hat, sondern eine mysteriöse Kraft. Ganz offensichtlich macht sie das unsicher, da sie nie wissen, wann ihr Glück sie verlassen kann. Da sie keinerlei Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, müssen sie weiterhin dem Aberglauben folgen und versuchen herauszufinden, wie sie diese gute Energie dazu überreden können, bei ihnen zu bleiben, so dass sie weiterhin erfolgreich bleiben!

Wenn ihr nicht glaubt, dass wirklich erfolgreiche Geschäftsleute so abergläubisch sein können, habe ich das perfekte Beispiel dafür, euch das Gegenteil zu beweisen: Mukesh Ambani, der mit einem Vermögen von 27 Milliarden US-Dollar der reichste Mann Indiens ist und auf der Liste der reichsten Männer der Welt an neunter Stelle steht, hat sich in Mumbai für eine Milliarde US-Dollar ein 27-stöckiges Haus bauen lassen. Bevor er jedoch einziehen konnte, fand er heraus, dass das Haus laut Vastu, dem indischen Feng Shui, energetisch für die Familie nicht gut war. Aus diesem Grund zog die Familie monatelang nicht in das Haus ein! Erst nach einer langen Zeit und wahrscheinlich jeder Menge Zeremonien und Rituale, um das Problem zu beheben, konnten sie schließlich einziehen. Ihr seht also, selbst Indiens reichster Mann, der für dieses teure Haus viel kritisiert wurde, wartete mit dem Einzug darauf, dass seine Priester, Astrologen und andere Quacksalber ihm grünes Licht gaben!

Niemand geht durch Rituale in den Himmel – sagt meine Großmutter – 3 Jan 13

Bei all den Ereignissen des letzten Monats ist eines ganz sicher: meine Familie und ich wurden in unserer unreligiösen Ansicht des Lebens – und des Todes – bestätigt. Die Leute haben vielleicht nicht direkt gefragt, aber ich weiß, dass da in den Köpfen meiner Leser eine Frage herumschwirrte: was sagen und denken mein Vater und meine Großmutter über die Entscheidung, nach Ammajis Tod nichts religiöses zu tun. Schließlich hatte ich hin und wieder geschrieben, dass sie religiöser waren als wir Kinder.

Natürlich haben meine Eltern und meine Großmutter ihre Leben in enger Nähe zur Religion verbracht. Das ist hier, besonders in Vrindavan, für jede normale Person recht üblich, aber noch mehr für meinen Vater, der wie mein Großvater Prediger war und somit sein Geld damit verdiente, den Menschen religiöse Texte näher zu bringen. Meine Großmutter hat heute noch einen Altar im Zimmer und betet täglich.

Doch mit den Veränderungen, die meine Brüder und ich über die Jahre hinweg durchgemacht haben, haben sie sich auch sehr verändert. Für mich war es ein langer Prozess vom religiösen Guru und Prediger zu der Person, die ich nun bin. Ich bin, und war immer, eine sehr offene Person und obwohl ich immer darauf Acht gab, die religiösen Gefühle meiner Eltern nicht zu verletzen, konnte ich doch immer mit ihnen sprechen und ihnen erklären, warum meine Gedanken solche Wege gegangen waren. Da die Gründe für diese Entwicklung klar, logisch und mit Verstand und Herz nachvollziehbar sind, nickten sie oft zu meinen Worten, stimmten vielen Punkten zu und akzeptierten die Tatsache, dass ich so dachte.

Es ist für mich also nicht sehr überraschend, dass mein Vater keinen Wunsch hatte, irgendwelche Rituale durchzuführen, weder als 2006 seine Tochter starb noch jetzt, als 2012 seine Frau starb. Er sagte, dass das Licht aus seinem Leben gegangen war, was sollte es also nun helfen, ein Feuer für eine Zeremonie anzuzünden? Es war sein Wunsch, nichts als eine einfache Feuerbestattung zu machen, ein Abschied in der Familie.

Wenn es um Naniji geht, so war ich mir nicht ganz sicher, wie viel sie eigentlich wirklich noch in all diese Rituale und religiöse Traditionen glaubt. Als ihre Verwandten vorbeikamen, hatten wir natürlich einige Unterhaltungen über die Rituale, die wir nicht durchführten, da ja jeder nachfragte. Eines Tages jedoch, nach einer solchen Unterhaltung, rief sie mich in ihr Zimmer. Naniji, eine etwa 90 Jahre alte Frau, die ihr ganzes Leben als religiöse Frau verbracht hat, sagte: „Mein Sohn, mein Haar ist nicht durch die Sonne weiß geworden. Niemand geht dadurch in den Himmel, dass er großartige Rituale durchgeführt hat. Das bedeutet gar nichts. Das Wichtigste ist, was man in seinem Leben getan hat. Tu Gutes und lebe in Wahrheit.‘

Ich kann nur sagen, dass ich meiner Großmutter niemals mehr zugestimmt habe!

Religion sagt: stirb nicht am falschen Tag oder fünf Familienmitglieder müssen auch sterben! – 2 Jan 13

Die Zeit nach Ammajis Tod war sehr intensiv. Natürlich war innerlich und emotional sehr viel los, worüber ich ja bereits geschrieben habe. Dazu kam jedoch auch noch viel Input von Außen, viele Dinge, die Gedanken aufgewirbelt haben, die ich mir notierte, so dass ich sie in meinem Tagebuch ausführen kann, wenn Zeit dafür ist. Natürlich gibt es viel zu schreiben, weil der Tod ja eines der größten Wunder des Lebens ist. Die Menschen haben schon immer viele Geschichten darum erfunden, Religionen haben sie begeistert angenommen und so entwickelten sich Bräuche und Traditionen. Heute möchte ich über ein weiteres Hindu Konzept schreiben, dass für religiöse Leute dann wichtig ist, wenn jemand in ihrer Familie stirbt: Panchak.

Lasst mich zunächst erklären, was Panchak ist. Im Hindu Kalender wird alles nach dem Mond berechnet. In seinem ganzen Zyklus geht der Mond durch alle Sternzeichen und als Letztes durch Wassermann und Fische. In einem Sternzeichen verweilt der Mond etwas weniger als zweieinhalb Tage. Die Zeit des Panchak ist die Zeitperiode, in der der Mond in den Sternzeichen Wassermann und Fische ist, dauert damit fast fünf Tage lang und kommt jeden Monat einmal.

Wenn jemand in diesen fünf Tagen des Panchak stirbt, so bedeutet das laut Hindu Glauben viel Pech. Sogar so viel, dass weitere fünf Mitglieder der gleichen Familie sterben werden. Sie können nur durch eine besondere Zeremonie gerettet werden, die die Familie durchführen muss.

Bei Ammajis Feuerbestattung wurden wir von jemanden gefragt, ob wir nachgesehen hatten, ob Ammaji während Panchak gestorben war oder nicht. Ich antwortete, dass wir daran nicht glaubten und nicht einmal nachsehen müssten. Selbst wenn wir erfahren würden, dass es in dieser Zeit geschehen war, würde es für uns keinen Unterschied machen und wir würden auch keine Rituale durchführen, um uns selbst zu retten.

Es ist wahr, für uns bedeutet es absolut gar nichts, aber offensichtlich bedeutet es doch jeder Menge religiösen Leuten wirklich sehr viel! Sie bekommen Angst und werden von ihrer Angst dann dazu gezwungen, ein weiteres Ritual durchzuführen. In der Vergangenheit haben mir viele Leute gesagt, dass ich Religion in einem sehr negativen Licht sehe. Sagt mir bitte, wenn diese Idee des Panchak einer Familie, die bereits trauert, nicht noch unnötig Angst macht, was dann? Eine Familie hat eines seiner Mitglieder verloren, alle sind traurig und am Boden zerstört und dann gehst du hin und sagst ihnen, dass noch fünf weitere von ihnen sterben werden! Das ist herzlos und grausam. Für mich ist das nur ein weiterer Beweis, dass die Grundlage der Religion einfach nur Angst ist.

Was soll denn da in kleinen Familien geschehen? In denen vielleicht nur noch drei weitere am Leben sind? Werden sie einfach alle sterben? Eine ganze Familie ausgelöscht durch die falsche Todeszeit. Diese Tradition ist kompletter Unsinn, was durch die Tatsache bewiesen werden kann, dass denen, die nichts vom Panchak-Konzept wissen, auch nichts geschieht. In ihren Familien stirbt niemand – oder ist diese Regel nur auf Hindus anzuwenden?

Die Erinnerung an diesen religiösen Aberglauben überzeugte uns nur wieder davon, dass wir keine Rituale oder Zeremonien machen wollten, sondern einfach nur unseren Verlust betrauerten und Ammajis mit viel Liebe gedachten.

Hindu Traditionen 13 Tage nach dem Tod – an Tehravi feiern und mit Geld angeben – 28 Dez 12

In den vergangenen Tagen habe ich über all die religiösen Bräuche und Traditionen geschrieben, denen Hindu Familien normalerweise folgen, die wir jedoch abgelehnt haben. Nebenbei habe ich die Tradition erwähnt, dass es am 13. Tag nach einem Tod in einem Haus ein großes Essen gibt. Es wird ‚Terahvi‘ genannt.

Religiöse Menschen verbringen die Tage nach einem Tod in ihrem Haus sowieso mit vielen Ritualen und täglich kommt ein Priester bei ihnen vorbei, um die eine oder andere Zeremonie durchzuführen. Dieser Tag ist jedoch der wichtigste, weil es das Ende ihrer Unberührbarkeit bedeutet. Es gibt Rituale, die nach den Anweisungen eines Priesters durchgeführt werden müssen und die Hauptsache an diesem Tag ist das große Essen.

Zuerst gibt man 13 Brahmanen zu essen, gibt ihnen Kleidung, gibt ihnen Geld, Töpfe und andere Haushaltsgegenstände. Sie sind die wichtigsten Gäste und bekommen mit ihrem Essen jede Menge Geschenke. Das ist jedoch nicht alles! Dazu muss man auch noch so viele Menschen wie möglich zum Essen einladen. Es werden 50, 100, 500 oder 1000 Gäste eingeladen, je nach sozialem Stand und finanziellen Möglichkeiten.

Da fangen für viele Leute die Probleme an und da kommt auch der Grund dafür, warum diese Praxis nicht nur bei unreligiösen Menschen wie uns nicht beliebt ist: dieses Essen ist zu einer Art Wettbewerb geworden dafür, wer nach dem Tod eine geliebten Menschen den meisten Leuten zu Essen geben kann. Je mehr Leuten man zu Essen gibt, desto mehr hat man die Person geliebt. Was jedoch sollen diejenigen tun, die sich nicht so viel leisten können? Menschen, die für die Hochzeit ihrer Töchter Kredite aufgenommen haben, weil sie eine hohe Mitgift geben mussten? Stellt euch einmal ihre Situation vor, wenn plötzlich jemand stirbt und von ihnen erwartet wird, dass sie die ganze Stadt einladen! Das würde sie vollkommen in den Ruin treiben!

Obwohl es heutzutage Menschen gibt, die sich dieser Tradition widersetzen, ist es immer noch ganz normal und die Leute waren überrascht, als wir ihnen erzählten, dass wir gar nichts machen würden. Für manche Menschen bedeutet das offensichtlich, dass sie mit ihren eigenen Festen noch mehr angeben müssen. Ein Mann sagte uns, er hätte 900 Leute eingeladen, als seine Frau gestorben war! Ganz toll, aber was willst du uns damit sagen? Dass du im Trauern besser bist als wir? Wenn du so willst, darfst du das gerne so sagen… Wir wussten jedoch, dass wir 13 Tage nach Ammajis Tod kein Festessen organisieren wollten.

Solche Essen fühlen sich wirklich oft nach Festen an! Ein Festessen und die Leute sind froh, dass sie nun nicht mehr unrein sind. Nein, wir wären nicht in der Lage gewesen, mehr als das zu tun und wir sehen nicht ein, warum wir jede Menge Leute einladen sollten und anderen zeigen sollten, wie viel Geld wir zu diesem Anlass ausgeben können! Wir geben nicht gerne an, wir glauben sowieso nicht, dass wir die ganze Zeit unrein waren und wir machen keine Rituale.

Als wir dann gefragt wurden, wann denn das Essen stattfinden würde, sagten wir, dass wir keines abhalten würden. Auch Babbajis Freunde, die von dem Besuch seines alten Freundes gehört hatten, fragten übers Telefon und Babbaji sagte ihnen, dass wir gar nichts machen würden. Am Ende kam keiner aus diesem Kreis und wir sind damit auch vollauf zufrieden.

Schließlich bleibt zum Schluss nur noch ein Gedanke: wenn die Zeremonie an dem Tag dich wieder rein macht und wir sie nicht gemacht haben, bleiben wir dann in den Augen der Menschen unrein? Werden sie denn nie wieder kommen, bis wir das Ritual durchgeführt haben?

Ein interessanter Gedanke, aber ich glaube nicht, dass die Leute dann doch so extrem sein werden!