Eltern: ignoriert urteilende Blicke oder Kommentare – ihr kennt eure Kinder am Besten! – 23 Feb 16

Gestern habe ich geschrieben, dass man über Leute nicht von einem flüchtigen Blick auf ihre Leben urteilen sollte. Besonders als Eltern ist man oft am derjenige, der solche schnellen und unnötigen Urteile abbekommt. Das kann jeden dazu bringen, mit seinen Entscheidungen beim Großziehen der Kinder übervorsichtig zu sein.

Es ist ganz natürlich: dein Kleinkind bekommt im Supermarkt einen Wutanfall. Du weißt, was du laut zahllosen Ratgebern für Eltern tun solltest: ruhig reagieren, ihn oder sie schreien lassen und einfach weiter einkaufen. Sobald das Kind sich beruhigt hat, kann man darüber sprechen. Trotzdem spürst du in dir dieses nervige Gefühl: oh nein, was denken jetzt alle? Du hast Schuldgefühle, als wäre es deine Schuld, dass dein Kind gerade diesen Anfall hatte. Du siehst Blicke von anderen und schämst dich.

Es gibt genug Leute, die auch wirklich da über andere urteilen. Die Fehlverhalten bei Kindern sehen und gleich über die Eltern urteilen, ohne darüber nachzudenken, dass das vielleicht gerade der schlimmste Tag des Kindes ist! Sie denken nicht daran, was vielleicht vor dieser Situation alles geschehen sein könnte!

Dann gibt es noch Leute, die sich irgendwie dazu berechtigt fühlen, über elterliche Entscheidungen anderer Paare zu urteilen: sie kommentieren, dass Kinder im Bett oder im Schlafzimmer von Eltern schlafen, sie sind dagegen, Kinder mehr als eine gewisse Zeit zu stillen, die ihnen als richtig erscheint, andere sind gegen das Füttern mit der Flasche, egal, aus welchem Grund es getan wird und manche haben sogar Probleme mit der Wahl der Kleidung mancher Eltern!

Solange diese Kinder nicht deine eigenen sind und ihre Handlungen dich nicht direkt betreffen, warum musst du überhaupt ein Urteil fällen? Du weißt nicht, was da dahinter steht und in den meisten Fällen geht es dich eigentlich überhaupt nichts an. Du bringst Eltern dazu, sich schlecht zu fühlen – was nebenbei bemerkt dem Kind auch nicht hilft!

Den Eltern möchte ich raten, sich da nicht viel draus zu machen. Seid selbstsicher was eure Entscheidungen angeht und lasst euer Kind und auch eure Umgebung das auch sehen. Manchmal ist es sowieso grundlos, dass ihr euch schämt oder Schuldgefühle einredet, denn oft stellt man sich nur vor, dass andere mehr denken, als sie es wirklich tun – und das macht einen unsicher.

Du bist derjenige, der deine Kinder den ganzen Tag lang sieht, nicht derjenige, der gerade vorbeiläuft. Nicht die anderen Patienten im Wartezimmer beim Arzt. Du weißt, ob dein Kind in der Früh ein Stück Schokolade verdient hat und du entscheidest, ob du am Besten mit deinem Baby in deinem oder einem getrennten Bett schläfst!

Das Elterndasein bringt dir mehr Sicherheit und Vertrauen in die eigenen Entscheidungen und hilft dir, auf diese Weise zu wachsen: du musst dir keine Gedanken mehr über das Urteil anderer Leute machen!

Sei vorsichtig, wenn du über andere urteilst – sie könnten das Gleiche mit dir tun! – 22 Feb 16

Meint ihr nicht auch manchmal, dass wir ein bisschen zu schnell über andere urteilen? Dass wir beschließen, eine gewisse Meinung über sie zu haben, begründet rein auf das, was wir über eine sehr kurze Zeit von ihnen gesehen haben, wie sie sich in einer bestimmten Situation verhalten haben? Merkst du, dass über dich manchmal auch so geurteilt wird?

Meiner Meinung nach müssen wir urteilen. Ja, wir müssen darüber urteilen, was richtig ist und was falsch, gut oder schlecht, sonst werden wir nie im Leben in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen. Mit unserem Urteil über andere jedoch sollten wir anders umgehen! Man muss schnell urteilen, ob man Weg A oder B gehen will, doch wenn man jemand anderen trifft, ist man nicht in Eile und muss manchmal vielleicht auch nicht einmal ein Urteil fällen!

Sieh, wir bekommen im täglichen Leben für gewöhnlich nur einen flüchtigen Blick auf andere Leute. Außer, wenn du viel Zeit mit dem anderen verbringst, kannst du nicht wirklich verstehen, wo er oder sie herkommt, warum derjenige so handelt, wie er handelt und was in seinem Kopf vor sich geht.

Du gehst also durch dein Leben und erhascht einen flüchtigen Blick auf die Leben anderer Menschen. Manche von uns fällen gleich ihr Urteil: Die Frau im Anzug ist geldgierig. Der Mann mit seinen zwei Kinder ist ein guter Vater. Die alte Frau mit einer Tasche leerer Flaschen ist Alkoholikerin. Aber woher wissen wir das alles wirklich?

Das Leben ist nicht achwarz auf weiß. Umstände führen zu Handlungen, viele Farben ergeben ein Bild. Dein Weg muss nicht immer der richtige sein. Vielleicht für dich, vielleicht nicht für andere um dich herum! Du fühlst dich gut, so wie du lebst, doch es mag andere geben, die anders leben wollen und nur weil dir das nicht gefallen würde, gefällt es jedoch ihnen!

Indem wir urteilen, versuchen wir die Welt zu kategorisieren und sie in ein System zu stecken, in das sie nicht wirklich hineinpasst. Wir erkennen nicht, dass wir in der Folge manchmal negativ auf andere reagieren, was völlig unnötig ist. Wir verhindern mit diesem schnellen Urteil vielleicht sogar, dass uns positive Dinge passieren.

Bleibe offen. Das hilft dir unglaublich bei dem Versuch, nicht über andere zu urteilen. Erinnere dich daran, dass es vielleicht andere Umstände gibt, als die, die du gleich siehst. Und selbst wenn du etwas nicht zustimmst, steht es dem anderen doch frei anders zu denken und zu handeln, oder? Oft hat das auch auf dich überhaupt keine Auswirkung, also kannst du es einfach so stehen lassen, anstatt auf den Unterschied zu reagieren.

Ich denke es würde den meisten von uns helfen, all diese Punkte zu bedenken, wenn wir andere Leute treffen. Seid offen füreinander und für alles Neue, was auf euch zukommt!

Ziehe keine übereilten Schlüsse über eine andere Kultur – lerne sie erst kennen! – 29 Mai 13

Wir haben im Ashram viele Erfahrungen mit Gästen gemacht und natürlich gibt es, genauso wie ich hier unsere Erfahrungen in meinem Blog beschreibe, Gäste, die Blogs schreiben und darüber schreiben, was sie in Indien gesehen und getan haben. Wir sind oft über soziale Medien mit ihnen in Kontakt – vielmals bereits vor ihrem Besuch im Ashram – also lesen wir auch dort, was sie ihren Freunden so erzählen. Manchmal möchte ich den Schreibenden dann sagen, dass sie Indien noch ein bisschen länger reisen sollten, in Indien eine Zeit lang leben sollten, die Sprache lernen und sich mit Indern umgeben sollten anstatt mit anderen Ausländern.

Warum sage ich das? Ich habe so oft gesehen, dass Leute für zwei Monate, vier Wochen oder auch nur zwei Wochen nach Indien kommen und dann einen Artikel mit Ratgebern schreiben wie ‚Wenn du nach Indien kommst, musst du folgendes tun..‘ oder ‚Inder sind so..‘. Sie machen sehr starke Aussagen, die sich nicht nur auf ihre eigene Situation oder Erfahrung beziehen. Sie verallgemeinern alles, was sie gesehen haben und erzählen allen, dass das Indien ist.

Ich gebe euch ein Beispiel: In dem Blog einer Besucherin habe ich gelesen ‚Einander zu berühren ist selbst unter Freunden in Indien tabu! Niemand umarmt einander, es findet kein körperlicher Kontakt jeglicher Art statt!‘ Ich war so überrascht, so etwas zu lesen und fragte mich wie sie während ihrer Zeit in Indien und insbesondere im Ashram nicht mitbekommen konnte, dass viele Leute Arm in Arm spazieren gehen, dass sie nicht zögern, die Hand auf die Schulter des anderen zu legen und dass besonders Freunde miteinander recht engen Körperkontakt haben. Ja, Männer und Frauen im heiratsfähigen Alter umarmen und berühren einander normalerweise nicht oft, das ist schon wahr. Doch besonders in Freundschaften unter Männern oder unter Frauen sind die Menschen einander sehr nahe, auch körperlich. Diese Frau hatte nur einen kleinen Teil Indiens gesehen und hatte offensichtlich nicht gut genug hingesehen – doch sie traf eine Aussage über ganz Indien und bemitleidete jeden in dem Land für ein Fehlen menschlicher Berührung, das nur in ihrem Geist existierte.

Diese Frau schrieb also von einem eher negativen Eindruck von Indien. Ein weiterer Blogautor überraschte mich jedoch mit einer übereilten Schlussfolgerung, die für das Land etwas zu positiv ausfiel. Ja, in Indien leben die Leute in Großfamilien mit ihren Eltern, Tanten, Cousins und anderen Familienmitgliedern. Es ist ein herrliches Konzept, das ich voll unterstütze und das meiner Meinung nach richtig ist. Auch bei uns im Ashram hat man ein Beispiel einer Gemeinschaft, die zusammen lebt, ohne die Streitereien und Spannungen, die Westler meistens für unvermeidbar halten. Das bedeutet jedoch nicht das, was dieser Autor annahm: ‚In ganz Indien leben die Familien in Frieden und Harmonie zusammen. Sie lieben einander und streiten sich nicht um das Geld und Eigentum ihrer Eltern und sie schaffen es, alles bedingungslos zu teilen!‘ Leider sieht auch in Indien nicht alles so rosig aus! Es gibt Konflikte in Familien, genau wie überall und in vielen ist es genau das, Geld und Erbe, an dem sie zerbrechen. Wir sind zur Zeit Zeugen einer Bewegung hin zu getrennten Häusern – etwas, das dieser Mann in einem Gespräch mit uns hätte erfahren können, aber schwerlich dadurch, dass er seine Umgebung beobachtet, da niemand gerne seine Familienprobleme vor einem Fremden ausbreitet…

Es ist gut, dass die Leute ehrlich und frei von ihrer Erfahrung erzählen. Andere bekommen einen Eindruck von Indien und wollen auch kommen. Ziehe einfach keine schnellen Schlussfolgerungen für ein ganzes Land, eine ganze Kultur und eine ganze Gesellschaft. Was du gesehen hast, ist nur ein kleiner Teil eines riesigen Landes mit unzähligen Aspekten des Lebens!

Entscheide nicht vorher, wie die Zukunft aussehen wird – 27 Jan 09

In den letzten beiden Tagen habe ich über das Verurteilen anderer geschrieben und heute kam eine Frau zur Heilsitzung, die auch darüber gesprochen hat. Als ich sie fragte, wofür sie denn Heilung möchte, sagte sie, sie möchte ihre Denkweise ändern. „Ich merke selber, dass ich in Schubladen denke. Ich bemerke oft, dass ich andere verurteile, bevor ich sie wirklich kennen gelernt habe. Ich höre nur ihre Stimme oder ich sehe sie und dann gebe ich ihnen schon gleich keine Chance.“

Ich habe ihr gesagt, dass es schon wirklich toll ist, dass sie das erkennt. Das ist der erste Schritt. Ich glaube, ich habe schon vorher über dieses Thema geschrieben. Viele Menschen haben sich schon festgelegt. Da kann es um Personen gehen, um Orte, aber auch um Situationen. Stell dir vor, jemand erzählt dir von einem neuen Restaurant und sagt dir den Namen. Du magst den Namen nicht und du mochtest das Restaurant nicht, das zuvor in dem gleichen Haus war und sofort denkst du dass das neue Restaurant nicht gut sein kann.

Eines Tages sagte ein Freund von mir ‚Ich mag keine Pilze‘ und legte sie auf seinem Teller zur Seite. Als ich ihn fragte, ob er jemals Pilze probiert hätte, antwortete er ‚Nein, nie.‘ Wie kann er dann wissen, dass er sie nicht mag, wenn er doch nie probiert hat? Oder es lädt dich jemand zu einem Treffen in einem Cafe ein und du stellst dir vor, dass du dort doch nur herumstehen würdest und es dir schrecklich langweilig werden würde. Also hast du dich zuvor festgelegt und gehst nicht hin. Oder du gehst dorthin, aber mit schlechter Laune, weil du ja schon davor wusstest, dass es langweilig wird. Aber vielleicht kannst du es ja einfach deshalb nicht genießen, weil du davor schon entschieden hast, dass es dir nicht gefällt. Du kannst nicht offen sein und Spaß haben oder die Situation so akzeptieren, wie sie ist, weil du dich vorher festgelegt hast. Und so hältst du dich selbst davon ab, Spaß zu haben, zu genießen, glücklich zu sein.

Die Frau, die heute bei mir war, hat das schon erkannt und weiß, dass man an sich selbst arbeiten muss, um diese Denkweise loszuwerden. Sei offen und akzeptiere die Dinge so, wie sie kommen. Dann kannst du wirklich genießen.

Gruppen-Zugehörigkeit für Sicherheit und Identität – 26 Jan 09

Gestern habe ich geschrieben, dass Menschen, die fühlen, dass sie von anderen verurteilt werden, selber beginnen, andere zu verurteilen. In Schulen kann man sehen, dass Kinder und Teenager nach ihren Interessen bestimmte Gruppen bilden. Da gibt es zum Beispiel welche, die gerne Sport treiben und andere, die Wissenschaften bevorzugen und ihre Zeit gerne mit Lesen verbringen. Und die Mitglieder einer Gruppe mögen die der anderen Gruppen oft nicht. Entscheidungen werden in der Gruppe getroffen und danach, was die Gruppe denkt.

Das ist normal und das kann man nicht nur bei Kindern oder Teenagern beobachten. Wenn sie aufwachsen und einen Beruf wählen, so bilden sie eine Gruppe mit Menschen des gleichen Berufs. Dann gibt es Gruppen je nachdem, was sie in ihrer Freizeit gerne machen. Menschen brauchen das Gefühl, irgendwohin zu gehören. Wenn sie in einer Gruppe sind, haben sie das Gefühl der Sicherheit. Ob es nun eine Gruppe von Freunden oder eine Gemeinschaft ist, eine Gruppe von Menschen bietet Sicherheit. Spirituelle Menschen bilden auch eine eigene Gruppe und wie in jeder Gruppe gibt es auch hier Wettbewerb und Eifersucht. Wenn sich das Interesse und der Weg einer Person verändert, so verändern sich auch die Gruppen, denen er sich zugehörig fühlt.

Wir machen diese Gruppen, aber eigentlich muss jeder seinen eigenen Weg gehen. Ein berühmter Dichter, Tagore, hat ein sehr berümtes Gedicht hierüber geschrieben, das ‚Ekala Chalo Re‘ heißt, was ‚Geh allein‘ bedeutet. Jeder kommt allein in diese Welt und geht auch wieder allein.

In Indien haben wir auch eine Redewendung, die besagt, dass Sadhus, spirituelle Menschen, keine Gruppen bilden. Sie übernehmen ihre eigene Verantwortung ohne sich dabei auf andere zu verlassen oder über das Urteil anderer nachzudenken. Darum bin ich nicht an irgendeiner Gruppe interessiert und sehe mich nicht irgendeiner Gruppe zugehörig und möchte keine Gruppe bilden.

Heute haben uns Roger und Mady in Erkelenz abgesetzt und sich mit Tränen in den Augen von uns verabschiedet. Aber wir werden sie in drei Wochen wiedersehen, weil sie mit uns nach Indien fahren. Die Woche in Erkelenz hat mit einem Darshan heute Abend begonnen. Davor hatten wir ein großartiges Abendessen, dass Carolin für uns zubereitet hat. Ich bin so beeindruckt von ihren Kochkünsten. Sie ist erst elf Jahre alt und obwohl ich weiß, dass sie immer zugesehen hat, wenn ich hier gekocht habe, bin ich doch erstaunt, dass dieses deutsche Mädchen allein ein vollständiges Ayurvedisches Abendessen zubereitet hat. Und es war sehr lecker!