Das korrupte System der Religion – wenn Geld dich Gott näher bringt! – 10 Sep 16

Gestern habe ich erwähnt, wie Geld einen im Gesundheitssystem weiterbringen kann. Das ist jedoch nicht nur ein Thema, wenn es um Ärzte oder Krankenhäuser geht, das ist etwas, was man in fast jedem Sektor und Bereich sehen kann! Auch in der Religions-Industrie!

Ja, die spirituelle Industrie ist vom Geschäft auch nicht unberührt geblieben! Besonders hier in Indien bringt dir dein Geld eine bessere Behandlung von einem spirituellen Guru! Solche religiösen Gottmänner geben dir viel schneller einen Termin, als sie einem ‚gewöhnlichen‘ Anhänger geben würden, der keine extra Geldscheine parat hat! Man kommt diesem Guru auch näher, wenn dieser das Gefühl hat, dass man es wert ist. Dieser Wert wird jedoch an deinen Finanzen gemessen und nicht, wie man meinen mag, in spirituellen Maßen! Man wird einfach viel besser behandelt.

Selbst Tempel bieten diese Art von System: in dem sogenannten ‘Ort Gottes’ wird das auch in keinster Weise geheimgehalten: es gibt gedruckte Tickets unterschiedlicher Preisklassen. Die teureren bringen dich schneller zu den heiligsten Orten und du darfst der Götterstatue näher kommen. Normale Gläubige müssen warten und sich Gott von weiter weg ansehen!

Also entscheidet dein Geldbeutel, wie nahe du Gott kommst. Irgendein Skeptiker wie ich machte einmal einen Witz: wenn ich etwas mehr zahle, kann ich Gott vielleicht bitten, stattdessen zu mir zu kommen! Warum gehe ich zu ihm? Er kann doch zu mir kommen – vielleicht muss ich nur etwas mehr zahlen. Und wenn ich viel mehr zahle, kommt er doch sicher bis zu mir nach Hause! Dann muss ich nirgendwohin!

Warum nicht? Wenn du Gott per Bestechung dazu bringen kannst, all deine Sünden zu vergeben, warum solltest du ihn dann nicht auch dazu bekommen, in das Haus eines reichen Anhängers zu kommen?

Gott und Religion – eigentlich ist sowieso alles nur Geschäft!

Das Geld-System hat die Gesundheits-Industrie krank gemacht – 9 Sep 16

Heute war ich also, nach recht langer Zeit mal wieder, bei einem Arzt hier in unserer Nachbarstadt Mathura. Ich habe wieder einmal ein System gesehen, dass zeigt, wie es sogar bei deiner Gesundheit nicht wirklich wichtig ist, wie krank du bist, sondern wie viel Geld zu hast!

Bevor ihr mich besorgt fragt, warum ich denn zum Arzt musste, sage ich euch kurz, dass es nichts Ernstes oder Lebensbedrohliches war! Nein, überhaupt nicht – ähnlich wie Ramona vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen kleinen Fleck auf dem Rücken, der seit mehreren Tagen juckt und mit unseren üblichen Salben nicht weggegangen ist. Also beschloss ich, diese Stelle dem gleichen Dermatologen zu zeigen. Ramona kam mit, da sie ihn bereits kennt und weiß, wie das in der Praxis funktioniert. Wir gingen zu dem Reservierungs-Schreibtisch und gaben meinen Namen und mein Alter für die Untersuchung an. Ramona fügte hinzu, dass es ein Notfall war und gab einen 500-Rupien-Schein statt den 300 Rupien, die es normal kosten würde.

Oh ja, so funktioniert das hier vielerorts! Es gibt eine normale Gebühr und dann noch eine, eine höhere, für schnelleren Zugang zu deiner Untersuchung. Du bekommst den Arzt schneller zu Gesicht, wenn du ein bisschen mehr zahlst. Normalerweise heißt das ‚Notfall‘, doch natürlich nimmt jeder, der nicht gerne wartet und es sich leisten kann, diese Möglichkeit in Anspruch!

Die letzten Male als Ramona bei diesem Arzt war, brachten diese extra zweihundert Rupien gleich nach dem nächsten Kunden dran. Dieses Mal fragte sie ‚Also sind wir als nächstes dran?‘ doch die Dame lächelte und antwortete ‚Nein, es wird fünfzehn Minuten dauern‘. Oh? Wir fragten wie das denn, wir hatten doch für den Notfall bezahlt? ‚Ja, aber da sind noch zwei Notfälle vor Ihnen!‘

Ich machte einen Witz mit dem Angebot, ihr weitere zweihundert Rupien zu geben, um als Nächstes dran zu kommen, aber natürlich hat sie nicht die Autorität, das zu tun – und damit möglicherweise einen weiteren Kunden zu verärgern, der vor uns 500 Rupien bezahlt hatte!

Doch da ist das System einfach falsch: was ist mit all den Leuten, die nur 300 Rupien zahlen können? Jedes Mal, wenn einer der 500-Rupien-Patienten kommt, werden sie hinten angestellt! Das erhöht die Wartezeit leicht um ein Vielfaches, was heißt, dass sie manchmal Stunden darauf warten müssen, dass sie den gleichen Arzt sehen dürfen, zu dem andere in fünfzehn Minuten reingelassen wurden!

Das ist jedoch nicht nur ein indisches Problem – nur ist das System im Westen ein wenig anders! In Deutschland zum Beispiel gibt es eine staatliche Krankenkasse und eine private Krankenversicherung für diejenigen, die selbstständig sind oder einen Betrag verdienen, der eine gewisse Grenze überschreitet. Und jeder Arzt behandelt lieber Privatpatienten, weil sie von ihrer Krankenversicherung mehr verlangen können! Oh ja, sie bekommen bessere Behandlung, schnelleren Zugang und in Krankenhäusern sogar bessere Ärzte als diejenigen, die staatlich versichert sind!

Es ist eine kranke Welt, in der es im Gesundheitssystem für diejenige einen Vorteil gibt, die mehr Geld haben – bei den gleichen Ärzten und in den gleichen Krankenhäusern! Ich will nicht, dass Ärzte kostenlos arbeiten – sie haben ihr Geld verdient, wenn sie anderen helfen. Doch wir müssen einen Weg finden, wie wir die benötigte Hilfe allen zukommen lassen, auch denjenigen, die nicht dafür zahlen können. Sei das nun extra oder überhaupt!

Augenblicke im Leben genießen, die man mit Geld nicht kaufen kann! – 4 Aug 16

Geld ist definitiv nicht alles im Leben! Es gibt Freuden auf dieser Welt, die weit entfernt sind von allem, was man mit Geld kaufen kann!

Gestern, als es Zeit war, das Restaurant zu schließen, begann ein riesiger Monsunregen. Es goss wie aus Eimern. Das ist schönes Wetter, wenn man drinnen ist und raussieht. Wir mussten jedoch noch unser Restaurant schließen und hinter in unser Schlafzimmer kommen! Also wickelten Ramona und ich den Computer in ein Handtuch und eine Plastiktasche, nahmen einen Regenschirm und gingen eng aneinander geschmiegt unter dem Schirm in den Ashram. Wir liefen eng beieinander, Ramona hatte ihren Arm um mich gelegt, ich hielt den Regenschirm über sie und wir gingen so langsam wie nötig und so schnell wie möglich.

Es war einfach nur schön. Es war lustig, obwohl unsere Schuhe durchweichten. Es war auch romantisch, obwohl der Regenschirm zu klein war und Wassertropfen in unsere Nacken fielen. Es war herrlich.

Eine Kleinigkeit, deren Genuss keinen Pfennig kostete,

A small thing to enjoy which does not cost a penny, which does not need anything, just a perfect moment and the readiness to enjoy. I want to fill my days with such instances – why don’t you try, too? It fills life with beauty and happiness!

Film-Figuren auf Kleidung – nicht für die Kinder, sondern für die großen Unternehmen! – 21 Mai 16

Vor ein paar Tagen habe ich euch erzählt, wie viel Spaß Apra in Deutschland hatte, als sie Regentropfen auf unserem Auto sah! Als wir dort waren, sah ich Deutschland mit den Augen eines Vaters einer vierjährigen. Während es so viele Dinge gibt, die für die Kleinen wirklich toll sind, gibt es andere, die meiner Meinung nach eher für den Gewinn Erwachsener gemacht wurden, nicht für Kinder! Eines dieser hat etwas mit der Geschichte zu tun, von der ich euch gestern erzählt habe: Elsa und Rosa.

Wir gingen mehrmals für unterschiedliche Dinge einkaufen. Eines davon war Unterwäsche für Apra. Bereits auf unserer letzten Reise nach Deutschland gingen wir für sie Unterwäsche kaufen und als wir an dem Stockwerk ankamen, auf dem Unterwäsche verkauft wurde, gab es eine Überraschung für Apra: Unterwäsche mit Bildern von Elsa und Rosa! Wow!

Wir kauften sie damals und als wir nun wieder Unterwäsche brauchten, fragte Apra ganz aufgeregt: ‚Kann ich wieder welche mit Elsa und Rosa haben?‘ Also gingen wir mit Apras deutschen Großeltern einkaufen. Und ihr könnt es nicht glauben, wie viel Elsa und Rosa wir in den Läden überall fanden! Es war nicht nur Unterwäsche, sondern auch Shirts, Hosen, Röcke, Taschen, Hüte, Handschuhe, Haarbänder, Socken, Badeanzüge und grundsätzlich alles mit Bildern von Elsa und Rosa drauf!

Wir schafften es, nur mit der Unterwäsche rauszugehen, die wir auch wirklich haben wollten. Das klappte hauptsächlich deswegen, weil Apra selbst ein bisschen überwältigt war von all den Dingen, die sie in dem großen Einkaufszentrum in dem wir waren, sehen konnte. Ramona jedoch meinte, als wir den Laden verließen: ‚Würden wir in Deutschland leben, würde ich Apra wahrscheinlich sagen, dass wir nichts mit Gesicht drauf kaufen!‘ Da wir die meiste Zeit weg von diesem riesigen Angebot und überwältigendem Marketing verbringen, ist es in Ordnung, wenn sie hin und wieder solche Dinge bekommt.

Hier sehe ich wirklich die Vorteile des Lebens in Indien und in einer Stadt wie Vrindavan: wir haben diese Übermacht an Angeboten gar nicht! Man mag sagen, dass wir keine Auswahl haben, aber wenn es um diese Art des Marketings rund um die Kleinen geht, ist das ein riesiger Vorteil!

Marken, Bilder und Film-Figuren werden nicht hauptsächlich dafür beworben, um unseren Kindern eine Freude zu bereiten. Das Hauptziel ist, sie dazu zu bringen, mehr und mehr zu wollen, so dass sie ihre Eltern nerven, die sich dann dazu verpflichtet fühlen, immer mehr zu kaufen – was am Ende die Taschen großer Unternehmen füllt.

Nein, da steht nicht die Freude der Kinder im Vordergrund. Und bin ich sehr froh, dass Apra nicht diese ‚Ich will alles haben‘-Einstellung entwickelt hat, wahrscheinlich, weil wir in einer kleinen indischen Stadt wohnen!

Wenn man im Bewerbungsgespräch Geld als Bewerbungsgrund angibt – 22 Dez 15

Gestern habe ich euch von den Bewerbungen erzählt, die wir für die freie Lehrstelle an unserer Schule haben und auch, dass wir mehrere Leute aufgrund ihrer übertrieben religiösen Einstellung ablehnen mussten. Es gab auch noch viele andere, die für diese Stelle kamen – und wenn ich sie mir so ansehe, so ist es wieder einmal schön, die Vielfalt an unterschiedlichen Typen Mensch zu sehen, die es so gibt!

Ihr erinnert euch vielleicht noch an die Bewerberin, von der ich euch gestern erzählte, für die das Geld grundsätzlich gar nicht wirklich wichtig war. Da gab es jedoch noch andere, die zu diesem Thema eine ganz andere Meinung hatten – und auch nicht zögerten, diese auszudrücken!

Ein Mann mit bescheidenem englischen Vokabular zum Beispiel wurde gefragt, warum er sich für die Stelle an unserer Schule bewarb. Er antwortete: ‚Weil ich finanzielle Probleme habe: ich werde im April heiraten!‘ Oh ja, das Konzept der arrangierten Ehe in Indien bringt Verantwortung und auch Druck mit sich – aber Ramona konnte nicht anders, als zu denken, wie wahnsinnig romantisch das doch war! 🙂

Eine weitere Bewerberin wurde gefragt warum sie denn auf die Anzeige geantwortet hatte und war da auch sehr offen: ‚Für die Erhöhung!‘ Einen Augenblick lang war Ramona verwundert, bis sie verstand, dass die Dame vor ihr ein höheres Gehalt meinte! Sie redete weiter: ‚Ich meine, ehrlich, ich glaube jeder bewirbt sich deswegen, wir suchen doch alle nach einer Erhöhung! Und dafür müssen wir einen Ort verlassen und einen anderen suchen.‘

Naja, dachte Ramona, zumindest war sie ehrlich. Das wäre doch eine gute Eigenschaft! Ihre nächste Frage jedoch brachte eine Antwort, die Ramona zum Lächeln brachte: ‚Warum haben Sie sich das Unterrichten für Ihre Karriere ausgesucht?‘ – ‚Weil das meine Leidenschaft ist!‘ Das beruhigt uns jetzt, wir dachten schon, es ginge hier nur ums Geld!

Nun ein ernster Rat an alle, die zu einem Bewerbungsgespräch gehen, sei das an unserer Schule oder einer anderen oder einfach nur allgemein eben ein Bewerbungsgespräch: die Frage warum du die Arbeitsstelle wechseln willst oder warum du gerne dort arbeiten würdest, wo du dich bewirbst, kommt fast sicher und du kannst ganz leicht eine gute Antwort parat halten! Es wäre gut, etwas Info über den Ort einzuholen, an den du willst und dann ehrlich zu antworten, was du daran magst.

Wenn du zum Beispiel über unsere Schule gehört hast, dass es eine wohltätige Schule ist, kostenlos für arme Kinder, könntest du antworten, dass dir das gefällt und dass du dein Geld lieber bei der Unterstützung eines guten Zwecks verdienen würdest! Das ist nur ein Beispiel – du findest sicher auch außer Geld etwas, was du an dem Ort magst, an dem du dich bewirbst!

Wir haben ein weiteres Muster insbesondere bei den Antworten der weiblichen Bewerberinnen entdeckt – doch mehr dazu morgen!

Wer fordert vom Sofa aus gleiches Geld für alle? – 25 Nov 15

Vor einiger Zeit hatten wir einen Gast im Ashram, der eine sehr starke Vorstellung hatte, dass alle gleich sein sollten. Während wir in unserem Ashram an Gleichheit glauben, erklärte er uns einige seiner Ideen und Idealvorstellungen, denen ich und wir nicht wirklich zustimmen konnten. Eine davon war sein Glaube, dass jeder genau das gleiche Gehalt haben sollte, je nach der Dauer, wie lange er arbeitet. Und jeder sollte nur das arbeiten, was er gerne macht. Zusammen mit der Tatsache, dass er selbst eher faul war, hat mich das nicht wirklich überzeugt!

Ich verstehe die grundlegende Idee und kann einigen Punkten auf jeden Fall zustimmen: einerseits gibt es Menschen auf dieser Welt, die mit einem Minimum an investierter Zeit so viel verdienen, dass sie dieses Geld in ihrem Leben nicht ausgeben können. Andererseits gibt es Menschen, die den ganzen Tag lang arbeiten, ohne jeglichen Urlaub und sie schaffen es gerade so, über die Runden zu kommen. Es sollte mehr Gleichberechtigung geben und niemand sollte aufgrund von Geldsorgen verhungern.

Ich sehe die Lösung zu diesem Problem jedoch nicht in der gleichen Idee, die unser Gast hatte! Er erzählte mir, ein Arzt, ein Wissenschaftler, ein Bauarbeiter und eine Putzfrau sollten alle das gleiche Gehalt bekommen. Gleichzeitig sollten wir alle unsere Bedürfnisse reduzieren und mit so wenig wie möglich leben. Auf diese Weise würde jeder bekommen, was er braucht.

In der Theorie scheint das perfekt, aber im praktischen Leben kann das gar nicht funktionieren! Natürlich ist jedermanns Arbeit wichtig, egal, was sie tun, weil die Fliesen erst installiert und dann gesäubert werden müssen, bevor wir auf ihnen laufen und wissenschaftliche Arbeit betreiben können! Ein Arzt jedoch hat mehrere Jahre in sein Studium investiert und seine Arbeit rettet Leben. Er könnte genauso gut Geschirr waschen – aber andersrum geht das eben nicht.

Gleichzeitig sind wir auch alle noch unterschiedliche Menschen! Eine Person mag eine Aufgabe in viel weniger Zeit fertigbringen als eine andere Person. Wenn das wiederholt geschieht, ist der Erste einfach viel effizienter – und es wäre nicht überraschend, wenn er dafür auch mehr Geld bekommen würde, oder?

Wenn du nun nein sagst, die individuellen Fähigkeiten sollten Ausschlag gebend sein, wir sollten alle gleich nach der Zeit bezahlt werden, die wir einsetzen, so habe ich eine weitere Frage: was ist mit denen, die faul sind? Und wer bist du, dass du anderen erzählst, sie sollten ihre Bedürfnisse zurückschrauben? Vielleicht ist ihr Gefühl, was sie brauchen, anders als deines?

Und darum musste ich über die ganze Theorie dieses Mannes lachen: während er in seinem klimatisierten Zimmer saß, warm duschte und gute Mahlzeiten aß, hatte er kein echtes Interesse an der Arbeit, die er eigentlich machen sollte.

Während ich also wirklich glaube, dass wir den Armen helfen sollten und dass die meisten von uns etwas kürzer treten könnten, sind diejenigen, die die größten Reden halten, moistens diejenigen, die ganz bequem auf ihrem Sofa sitzen und das, was sie predigen, nicht befolgen.

Ich liebe Sex, Geld, Materielles sowie meine Frau und habe deswegen keine Schuldgefühle! – 19 Nov 15

Vor einiger Zeit hatten wir einen Gast im Ashram, der eine sehr fixe Weltsicht hatte. Gestern habe ich euch erzählt, dass es Menschen gibt, die dir immer ein schlechtes Gefühl geben wollen, egal, was du sagst oder tust. Dieser Mann war einer von ihnen – und ich möchte euch gerne ein Beispiel solchen Verhaltens geben.

Dieser Herr hatte einige kommunistische Vorstellungen, nannte sich selbst Atheist und war immer an einer Unterhaltung interessiert – was sich oft als Versuch herausstellte, andere runterzumachen. Auf diese Weise gingen wir einmal im Ashram spazieren und unterhielten uns, als er mich nach meiner Kleidung fragte. Es ist definitiv nicht das erste Mal, dass ich danach gefragt wurde. Eigentlich geschieht das recht oft. Dieses Mal jedoch schwang da eine gewisse Anschuldigung mit: wenn ich mich selbst Atheist nenne, warum trage ich dann solche Kleidung, die einen ganz anderen Eindruck erweckt?

In meinem Blog habe ich bereits erwähnt, dass ich mit meiner Kleidung keine Botschaft aussenden will. Ich liebe meine Kleidung einfach so, wie sie ist und habe keine Lust, etwas anderes anzuziehen.

Die Antwort hierauf war ein weiterer Angriff: was? Du liebst deine Kleidung? Heißt das, du liebst Materielles?

Oh ja, das tue ich! Ich liebe Materielles und ich verdiene gerne Geld. Ich liebe meine Arbeit, meine Frau und mein Kind! Ich habe mich nicht auf ein religiöses Dogma festgelegt oder auf irgendeine Art der Philosophie, die mir sagt, was ich lieben soll und was nicht! Ich lasse die Vorstellungen anderer Menschen nicht meine Gefühle diktieren!

Es gibt viele Leute, die glauben, dass Nicht-Anhaftung und Freiheit von Materiellem der richtige Weg ist. Es gibst auch viele Leute, die an Enthaltsamkeit und auch emotionale Freiheit glauben. In Indien sind das zumeist religiöse Sadhus. Im Westen sind das Menschen in der esoterischen Szene. Sie mögen unreligiös sein, haben jedoch trotzdem eine gewisse Ideologie und eine Vorstellung, was man anstreben sollte.

All diese Menschen glauben, dass wir unsere Kleidung nicht lieben sollten, dass wir Geld nicht lieben sollten und keine emotionale Verbindung zu den Menschen um uns herum aufbauen sollte. Sie können glauben, was sie wollen, doch ich will mein Leben genießen! Ich glaube es ist falsch, das nicht zu tun und so liebe ich meine Kleidung und auch meine Arbeit. Ich genieße es, Geld zu verdienen, genauso wie ich es genieße, armen Kindern zu helfen! Ich liebe meine Tochter und meine Frau, ich liebe Sex und ich liebe Komfort. Ich liebe es, Urlaub zu machen, wie ich es jetzt gerade in Deutschland tue, mit jeder Menge Zeit für Freunde und Familie!

Ich liebe es, das Leben zu genießen. Ich liebe das Leben und ich glaube, wir alle sollten es so viel wie möglich genießen. Wenn du anders denkst, so kannst du das – doch versuche nicht, mir aufgrund meiner Vorstellungen ein schlechtes Gefühl einzureden. Das wird dir nicht gelingen und so vergeudest du nur meine und deine Zeit. Ich werde nicht versuchen, dich zu überreden. Ich kann dir nur vorschlagen: versuche nur einmal, das Leben so zu genießen und zu lieben wie ich. Es ist es wert!

Vertrauen ist gut – doch vertraue auch deinen Zweifeln! – 16 Nov 15

Ich weiß, ich erzähle den Leuten normalerweise, etwas mehr zu vertrauen. Anderen Menschen nicht von Beginn an mit einer negativen Einstellung zu begegnen. Es gibt jedoch Situationen, in denen man definitiv niemandem vertrauen sollte, ohne vorher herauszufinden, ob der andere nicht doch ein Betrüger ist. In solchen Situationen geht es meistens ums Geld. Wenn man Zweifel hat, ob der andere ehrlich ist oder ein Betrüger, ist der heutige Blogeintrag vielleicht interessant.

Zunächst einmal muss man darauf achten, sich von der äußeren Erscheinung der Person vor einem nicht zu sehr beeindrucken zu lassen. Derjenige mag ein großes Auto fahren, in der besten Designer-Kleidung herumlaufen und das neueste iPhone in der Hand haben – doch das macht ihn nicht ehrlich! Je größer der Betrüger, desto größer die Möglichkeiten für Kleidung und Zubehör. Große Lügner und Betrüger haben all die Dinge, die Eindruck machen und zu beweisen scheinen, dass sie völlig ehrenhaft sind.

Ein weiterer Punkt ist: Lügner und Betrüger reden fast immer viel zu viel. Und da kann man oft herausfinden, dass sie alles andere als ehrlich sind! Hört euch einfach an, was diese Person zu sagen hat: wenn er ein Lügner ist, erinnert er sich nicht einmal mehr daran, was er vor zwei Minuten gesagt hat. Er wird einfach weiterreden und Lügen erzählen, wobei er sich selbst widerspricht. Gewohnheitslügner haben keine Ahnung, was sie vorher gesagt haben, weil sie so viele Lügen erzählen, dass sie sich nicht mehr an jede erinnern können. Wenn man also nur still bleibt, findet man gewöhnlich heraus, ob der andere lügt.

Das alles würde nicht unbedingt bedeuten, dass der andere ein Betrüger war in dem Bereich, über den du mit ihm sprechen wolltest. Wir kommen jedoch zu dem Punkt, wenn es ums Geld geht: vertraue nie jemandem, wenn er sagt ‚Du kannst mir vertrauen, gib mir das Geld‘. Wenn du dann klar sagst, dass du die Person nicht kennst und Schwierigkeiten hast, ihm zu vertrauen, antwortet er oder sie vielleicht ‚Wenn du mir nicht vertraust, können wir nicht zusammen arbeiten!‘ Das ist der Punkt, an dem ein Betrüger auch einfach vielleicht wegrennt.

Die Lehre ist: manchmal sind Zweifel einfach nur richtig, wenn sie da sind. Wenn du zögerst, jemandem zu vertrauen, sei nie zu scheu, deine Zweifel auch auszudrücken! Wenn die Person auf irgendeine Weise ernsthaft und ehrlich ist, wird er oder sie Bemühungen unternehmen, diese Zweifel zu beseitigen und dein Vertrauen zu gewinnen. Nur Betrüger rennen davon!

Wie wir uns von gewöhnlichen Reiseleitern unterscheiden – 22 Jul 15

In den vergangenen zwei Tagen habe ich euch erzählt, wie einmal ein Reiseleiter in den Ashram kam und meinte, er würde uns einen Teil seiner Provision geben. Zu Beginn hatte ich da bereits erwähnt, dass wir uns von den üblichen Reiseleitern unterscheiden und gerade diesen Unterschied sehr wichtig finden. Das heutige Tagebuch möchte ich gerne darauf verwenden, euch genau zu erklären warum.

Ich denke, wer die Blogeinträge der vergangenen zwei Tage gelesen hat, hat bereits eine gewisse Vorstellung. Ich habe erwähnt, dass wir niemanden um Trinkgeld bitten, sondern im Gegenteil darum bitten, unseren Mitarbeitern kein Trinkgeld zu geben. Der Grund hierfür ist Gleichberechtigung, Fairness. Wir möchten, dass sich die Leute gut fühlen. Das gilt genauso für die Leute, die hier arbeiten, wie für diejenigen, die zu einem Retreat, einer Ausbildung oder einer Reise hierher kommen! Ein Teil des Wohlfühlens ist, dass sie einen fairen Preis für das zahlen, was sie bekommen und sie niemand ausnützt. Wir möchten mehr haben als nur Kunden, wir möchten gerne Freundschaften schließen!

Wir haben damit begonnen, Reisen durch Indien zu organisieren, als Freunde uns darum baten. Wir wurden von Leuten, die uns kannten und die unseren Ashram bereits besucht hatten, um Hilfe bei ihrer Planung gebeten. Sie hatten Angst, sie könnten anderswo betrogen werden oder hatten schlechte Erfahrungen gemacht und vertrauten uns, ihnen korrekte Informationen und Hilfe zu bieten.

Daher beschlossen wir, unsere Angebote zu machen und bis heute sind es meine Brüder, Yashendu und Purnendu, die auf diese Reisen gehen. Wenn sie nicht hier sind, bieten wir keine Reisen an, weil wir bis zu diesem Tag noch niemanden gefunden haben, dem wir mit unseren Gästen genug vertrauen können. Dem wir das Vertrauen unserer Gäste anvertrauen können. Wir sehen es als unsere Pflicht, unsere Freunde von der Art von Provisionsgeschäft zu bewahren, das normale Reiseleiter eben die ganze Zeit betreiben!

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft meinen Brüdern bis zu 80% Provision auf Produkte angeboten wurde, die ihre nicht-indischen Begleiter kauften! Das tun wir nicht! Sie werden mit dir in einem Laden stehen und, wenn du das möchtest, mit dem Verkäufer handeln, so dass du den besten Preis bekommst, den du kriegen kannst! Wenn du sie fragst, ob sie denn glauben, ein Ding sie den genannten Preis wert, bekommst du eine ehrliche Antwort! Sie werden alles Mögliche versuchen, das zu finden, was du sehen oder kaufen willst – zu vernünftigen Preisen. Das ist, neben anderem, ein großer Vorteil daran, eine geführte Reise durch Indien mit uns zu buchen!

Gleichzeitig haben wir auch einen Fahrer für unser Taxi, dem wir vertrauen, so dass jeder, der Lust hat, ohne Sorgen mit ihm losfahren kann. Keine Sorgen wegen Unfällen oder dass man das Auto nicht mehr finden könnte, wenn man aus berühmten Sehenswürdigkeiten herauskommt, dass man sich verfahren könnte oder zu vorherbestimmten Geschäften gebracht wird, wo er auch wieder eine Provision bekommt!

Wir hoffen, dass wir eines Tages auch einen Reiseleiter finden, dem wir vertrauen können, aber bis zu diesem Punkt werden wir einfach uns selbst vertrauen. Und ich sage euch, ich werde niemanden mit einer Frau oder einem Mann mitschicken, dem ich nicht völlig vertraue, dass er oder sie meine Freunde in meinem Land nicht betrügt!

Und so, meine Freunde, unterscheiden wir uns von anderen Leuten, die geführte Reisen anbieten!

Unehrlichkeit mit voller Ehrlichkeit – das Provisionsgeschäft der Reiseleiter Indiens – 21 Jul 15

Gestern habe ich von einem Vorstellungsgespräch mit einem Reiseleiter erzählt, der von der Regierung zertifiziert ist. Er erzählte uns, dass die Leute immer darauf bestanden, ihm Geld zu geben. Ich habe ja bereits erklärt, dass die üblichen Reiseleiter immer Geld erwarten, direkt oder indirekt. Heute möchte ich euch noch deutlicher zeigen, wie dieser Mann hier nicht anders war – auch wenn er dachte, dass er uns dabei einen Gefallen tat.

Nachdem dieser Mann seine Einstellung zum Trinkgeld ausgedrückt hatte, war ich bereits sicher, dass er für uns nicht der Richtige war. Was er als nächstes sagte, bestätigte meinen Verdacht:

‘Keine Sorge, ihr seid Brahmanen, ich bin Brahman, ich arbeite für euch! Ich nehme die Leute mit zum Einkaufen und gebe dir einen Anteil an der Provision. Wir sind Brahmanen, ich bringe euch ganz ehrlich den ganzen Teil eurer Provision!‘

Oh, ich weiß, alle Korruption findet in aller Ehrlichkeit statt! Genauso war dieser Mann der Ehrlichste aller Zeiten! Er würde unsere Gäste ganz ehrlich zu diesen schrecklich teuren Läden neben dem Taj Mahal mitnehmen, sie davon überzeugen, dass der Ramsch, den diese Leute verkaufen, von hervorragender Qualität ist und einen zehnfachen Preis für diese Andenken verlangen! Ganz ehrlich nimmt er dann seinen Anteil vom Ladenbesitzer und steckt diesen in seine Tasche, wobei er ganz ehrlich auch einen Teil für uns mitnimmt.

So verdienen viele Leute jede Menge Geld auf Wegen und an Orten, an denen sie eigentlich nichts verdienen sollten! Wie könnten wir jemals einen Gast mit einer solchen Person mitschicken?

Bevor er ging, fügte dieser Mann noch hinzu: ‘Es ist gut, wenn Brahmanen Brahmanen unterstützen. Ich helfe euch, ihr helft mir!‘

Mein Freund hatte diesen Mann mitgebracht, um ihn uns vorzustellen und saß nun neben mir. Das war der einzige Grund, warum ich mich zurückhielt und nicht antwortete: ‚Oh, da haben Sie falsche Informationen, ich bin aus der unberührbaren Kaste! Und jetzt haben Sie in meinem Haus Wasser und Chai getrunkten!‘

Ich wollte meinen Freund jedoch nicht in eine solche Situation bringen und so sagte ich so etwas nicht. Ich erklärte ihm am Telefon jedoch ganz genau, dass wir nicht nach einer solchen Person suchten. Also gehen Yashendu und Purnendu weiter mit unseren Gästen auf Reisen, bis wir jemanden finden, dem wir wirklich vertrauen können!