Lüge dein Kind nicht an – lies hier warum nicht! – 15 Feb 16

Heute möchte ich euch ein Beispiel dafür geben, warum du dein Kind nicht anlügen solltest, etwas, was leider oft geschieht und ich denke mal nicht nur in Indien.

Vor etwa zehn Tagen wollten einige unserer Gäste Henna auf ihre Hände gemalt bekommen. Unsere Massage-Therapeutin Shilpi kann das und so verbrachten die Damen einen schönen Nachmittag damit, ihre Hände zu Kunstwerken zu machen. Natürlich wollten die Kinder das dann auch. Die Jungs schrieben ihre Namen auf ihre Hände und Apra bekam ein schönes Blumengemälde.

Nun kam Apra vorgestern in unser Büro und bat Ramona um etwas Geld. Sie erklärte, dass sie davon Henna-Paste kaufen wollte, weil wir keine hatten und Shilpi welche würde kaufen müssen und sie dafür auch mit ihr mitgehen müsste. Der letzte Teil wurde mit einem bestätigenden Kopfnicken hinzugefügt, so dass wir nicht irgendwie auf die Idee kommen, dazu nein zu sagen!

Also zog Ramona einen Geldschein aus der Tasche und gab ihn ihr. Natürlich kannst du gehen, sagte sie ihr mit einem Lächeln.

Nur etwa eine Minute später stand Apra wieder bei uns im Büro, dieses Mal weinend. Unter Schluchzen versuchte sie zu erzählen, was passiert war: Shilpi wollte nun nicht mit ihr Henna kaufen gehen. Wir hatten noch welches im Haus, aber sie würde es ihr nicht auf die Hände malen, da man das nicht jeden Tag machte.

Wir wussten sofort, was passiert war: Apra hatte ihre Hände nochmal bemalen wollen und hatte begonnen, Shilpi deswegen andauernd zu fragen. Anstatt ihr jedoch klar ein ‘Nein’ zu sagen’ – denn das kann schwierig sein oder zumindest einen unangenehme Situation herbeiführen – log sie! Sie sagte ihr, dass wir keine Farbe hätten und dachte, da würde Apra aufgeben.

Apra jedoch ist jetzt in einem Alter, in dem sie weiß, dass Probleme dafür da sind, gelöst zu werden und so ging sie hin und tat genau das! Wir haben kein Henna? Da müssen wir welches kaufen. Dafür brauche ich Geld. Das bekomme ich von meiner Ma – aber ich muss es so machen, dass ich auch mitdarf!

Sie löste das Problem selbst und war da auch stolz drauf. Doch dann erfuhr sie, dass sie angelogen worden war!

So sollte man ein Kind nicht behandeln! Niemals solltest du Kinder anlügen! Sie war schrecklich unglücklich deswegen, denn schließlich hatte sie sich darauf gefreut, ihre Hennabemalung zu bekommen, nachdem sie das Problem gelöst hatte! Damit stieg die Enttäuschung unglaublich mehr, als wenn man ihr am Anfang schon einfach nein gesagt hätte.

Nicht nur lernt dein Kind so das Lügen, sondern eben auch nicht, dass man auf ein ‘Nein’ hören muss! Das ist etwas, woran wir und ich glaube Millionen anderer Eltern ständig arbeiten: wenn ich nein sage, ist es einfach ein nein und da handeln oder diskutieren wir nicht weiter! Ich kann normalerweise auch erklären, warum ich nein sage, aber am Ende gibt es auch Situationen, in denen ein Kind einfach die Entscheidung des Erwachsenen akzeptieren muss!

Das müssen sie lernen. Doch das lernen sie nicht, wenn man sie anlügt! Es mag dir im Augenblick einfacher erscheinen, aber schließlich wird das negative auf dich zurückfallen!

Wir müssen also auch mit unseren Mitarbeitern sprechen, so dass sie uns helfen, Apra die Bedeutung des Wortes ‘nein’ beizubringen anstatt sie anzulügen!

Die Armen können sich gute Bildung nicht leisten! – Unsere Schulkinder – 23 Okt 15

Ich möchte euch zwei Jungen vorstellen, die in diesem Jahr an unsere Schule gekommen sind: Dhanesh und Hitesh. Sie sind die älteren zwei von vier Kindern und leben in einer der ärmsten Gegenden Vrindavans.

Der Vater der Jungs arbeitet als Maler, hat jedoch keine feste Anstellung mit monatlichem Gehalt – er muss sich jeden Tag Arbeit suchen und dazu entweder seine Kontakte zu Bauleitern zu Hilfe nehmen oder auf den Markt gehen, wo Baufirmen und Bauleiter nach Arbeitern suchen. An einigen Tagen findet er Arbeit, an anderen nicht – und natürlich verdient er mehr, wenn er an den meisten Tagen des Monats Arbeit hat. Normalerweise jedoch ist das nur für etwa die Hälfte des Monats der Fall.

Das Geld, das er so verdient, ist gerade so genug, um irgendwie über die Runden zu kommen. Allein für die Miete muss er fünf Tage lang arbeiten. Die sechsköpfige Familie wohnt in einem Zimmer, das eine andere Familie in ihrem Haus vermietet. Sie duschen sich an der Wasserpumpe in der gemeinsamen Eingangshalle und verrichten ihre Notdurft draußen auf dem Feld vor der Stadt.

Die Mutter der Jungs ist zu Hause und kümmert sich um die Kinder. Dhanesh ist mit zehn Jahren der Älteste und hilft auch schon viel mit. Hitesh ist sechs Jahre alt und sie haben noch einen vierjährigen Broder sowie eine kleine Schwester, die fast zwei Jahre alt ist. Sie alle verbringen einen großen Teil des Tages draußen, wo sie auf der Straße mit Nachbarskindern spielen.

Als wir sie zu Hause besuchten, fragten wir sie, ob Dhanesh denn vorher noch nicht zur Schule ging. Wir erfuhren, dass er sehr wohl zur Schule gegangen war – dass es jedoch eine billige Privatschule war, deren Bildungsqualität sehr niedrig war! Dhanesh erzählte, dass ihr Mathematiklehrer mitten im Jahr die Schule verlassen hatte und dass sie deshalb den Rest des Jahres keinen Mathematikunterricht mehr hatten.

Außer der Sorge also, wie sie die Schule für noch drei weitere Kinder bezahlen sollten, hatten die Eltern das Gefühl, dass das Geld, das sie auf die Schule verwendet hatten, nicht gut investiert war! Deshalb waren sie mehr als froh, als sie genau rechtzeitig für die Schuleinschreibung von unserer Schule hörten!

Jetzt lernen Dhanesh und Hitesh in der Vorschulklasse unserer Schule. Sie sind lebendige, schlaue Kinder und die Lehrerinnen freuen sich darauf, sie weiter zu unterrichten!

Ihr könnt die Bildung von Jungen wie Hitesh und Dhanesh unterstützen, indem ihr eine Kinderpatenschaft übernehmt oder das Essen für einen Tag spendet.

Wie Ammaji’s Ayurvedisches Restaurant helfen wird, das Bildungsgeschäft in Indien zu stoppen! – 21 Mai 15

Zu Beginn dieser Woche habe ich euch von dem großem Problem mit der Bildung hier in Indien erzählt und von meiner Vision für Gleichheit. Gestern habe ich im Detail beschrieben, wie man meiner Meinung nach gegen das Geschäft mit der Bildung in Indien angehen kann. Heute möchte ich noch etwas genauer werden und euch erzählen, warum ich mir sehr gut vorstellen kann, dass dieser Traum mit der Hilfe unseres Ayurvedischen Restaurants Ammaji’s Wirklichkeit werden kann.

So viele Jahre lang führen wir nun schon unsere Schule und unsere wohltätigen Projekte durch die Unterstützung unseres Geschäfts und mit der Hilfe von Paten und Spendern. All unsere ‚Geschäftskunden‘ und eine große Mehrheit unserer Spender sind Westler. Nicht-Inder, die für Yoga und Ayurveda Retreats in den Ashram kommen, die an Workshops teilnehmen oder das Angebot für Einzelsitzungen wahrnehmen. Und Nicht-Inder, die arme Kinder in Indien unterstützen wollen.

Nun stehen wir mit der Eröffnung unseres Ayurvedischen Restaurants Ammaji’s kurz davor, einen neuen Geschäftszweig zu eröffnen. Wir werden jedem, der leckeres Essen möchte und dabei seinem Körper etwas Gutes tun will, Essen guter Qualität anbieten. Mit dem Verzehr der falschen Nahrungsmittel schaffen wir jede Menge Krankheiten – und nicht nur gesundheitsbewusste Menschen werden in unserem Restaurant gesund essen und gleichzeitig ihre Gaumen verwöhnen! Wir werden Tipps und Informationen geben, zu Ernährung und dem Körper mit einem extra Vorteil: mit jeder Mahlzeit in unserem Restaurant unterstützt du die kostenlose Bildung von Kindern!

Bald werden wir auch viele indische Gäste haben und den Punkt erreichen, an dem wir nicht nur die Bildung armer Kinder in unserer jetzigen Schule unterstützen, sondern dieses größere Projekt beginnen können! Wir werden eine Schule hohen Niveaus eröffnen mit wirklich guter Qualität und allen möglichen Angeboten – vollkommen kostenlos für jedes Kind, das zum Lernen kommt! Also auch die Kinder unserer Restaurant-Besucher!

Ja, wenn du bei uns im Restaurant zum Essen kommst, unterstützt jede Rupie die kostenlose und qualitativ hochwertige Bildung deiner Kinder! Diese Schule wird von unserem Geschäft dann völlig unterstützt!

Ich glaube, dass diese Mission, dieses Projekt jeden glücklich machen würde: die Eltern armer Kinder, die Bildung bekommen, anstatt Analphabeten zu bleiben, Eltern der Mittelklasse, die sich nicht mehr abrackern müssen, um Bildung guten Niveaus zu bekommen und schließlich finanziell gesicherte Eltern, die kostenlos das bekommen, was sie sonst teuer bezahlen! Wer würde nicht kostenlose Bildung und Gleichberechtigung einer Bildung vorziehen, die man wie in einem Einkaufszentrum erwirbt?

Einzig und allein diejenigen Geschäftsleute, die solche Läden betreiben, könnten meinen Plan nicht gutheißen, weil es ihrem Geschäft schaden würde!

Geschäftsleute aus jedem anderen Industriezweig würden es jedoch lieben. Und das ist der Punkt, an dem ich die Leute bitten würde nach vorne zu kommen und diese Mission mit ihrem eigenen Geschäft und ihren Spenden zu unterstützen! Geschäftsleute können einen Prozentanteil ihres Gewinns spenden, um Ausgaben decken zu helfen. Eltern können in solchen Beträgen spenden, die sie sowieso an andere Schulen gezahlt hätten – ohne, dass es sie finanziell in den Ruin treibt. Es kann Sponsoren für alles Mögliche geben, von Möbeln über Essen zu Büchern! Jeder könnte in seiner eigenen Art und Weise beitragen! Natürlich sind auch Spender und Sponsoren außerhalb Indiens willkommen!

Das kann sich auf andere Städte ausweiten, wo wir weitere Restaurants eröffnen werden und mit jedem Restaurant dann eine weitere Schule. Kostenlos für alle, von so guter Qualität, dass jeder dort lernen will! Sobald wir mehrere Schulen dieser Art in einer Gegend haben, werden die Leute nicht mehr bereit dazu sein, so viel für diese Bildungs-Läden zu bezahlen – und so werden mehr Leute unserem Beispiel folgen!

Ich weiß nicht, wie erfolgreich diese Idee wirklich sein wird und wie schnell sich alles vorwärts bewegen wird, aber ich genieße meine Freiheit, eine Vision zu erschaffen. Meine Freiheit, meine Gedanken und Träume zu haben. Wir werden auf dieser Straße weitergehen und so weit wie möglich, hin zu einer gleichberechtigten Bildung für Kinder aller gesellschaftlichen Schichten und jeden finanziellen Hintergrunds!

Der Traum kostenloser, qualitative hochwertiger Bildung für Reiche und Arme gleichermaßen – 20 Mai 15

Gestern habe ich euch erzählt, dass ich mir in Indien Bildung wünsche, die für alle gleich ist. Gleiche Bildung für jedes Kind, egal, wie viel Geld die Eltern zahlen können, so dass jeder die Möglichkeit hat, das, was er möchte zu erreichen! Glaubt es oder nicht, ich habe wirklich einen Plan, um das zu erreichen!

Wahrscheinlich denkt ihr nun, dass ich ein Tagträumer bin, der gerne Luftschlösser baut. Ich möchte den hohen Stellenwert von Geld in der Bildung beenden und das in einem Land wie Indien, in einer Gesellschaft, in der Geld für so viele Leute beinahe alles ist – weil sie ohne es keine Chance haben.

Ihr wisst jedoch, dass wir diese Schule nun schon acht Jahre lang führen und bereits davor arme Kinder unterstützt haben, indem wir ihnen Schulbildung ermöglicht haben. Meine Ideen sind nicht aus der Luft gegriffen, sie stehen auf der festen Grundlage unserer Erfahrung. Jedes Jahr hat sich die Anzahl der Kinder in unserer Schule vergrößert. Mit der Hilfe eines großzügigen Spenders konnten wir den ersten Stock bauen, um fünf weitere Klassen unterzubringen und noch mehr Kinder zu unterrichten!

Natürlich gibt es eine Grenze und die wird es auch immer geben.

Ich glaube nicht, dass ich davon träumen könnte, die Korruption in diesem Land zu beenden. Ich kann auch nicht jeden reich genug machen, als dass sie alle ihre Kinder in teure Schulen mit guter Bildungsqualität schicken könnten. Nein, meine Vorstellung ist, etwas auf realistischer Ebene zu tun mit einem kleinen Beginn, aber mit der Möglichkeit, riesig zu werden und einen großen Einfluss zu haben!

Ich werde eine Schule schaffen nach meinem Traum der Gleichheit. Eine Schule, in der wir Kinder aus allen Gesellschaftsschichten unterrichten werden, von allen finanziellen Hintergründen und völlig kostenlos! Wir werden jedem Schüler Bildung einer richtig guten Qualität geben, sei es der Sohn eines Rickscha-Fahrers oder die Tochter eines erfolgreichen Bankmanagers!

Genau wie jetzt wird unsere Schule Bücher, Uniformen und Essen bereitstellen. Jedes Kind wird über die Schule krankenversichert. Und jedes Kind wird dem neben ihm vollkommen gleichberechtigt sein.

Als wir unsere kostenlose Schule für kleine Kinder aufmachten, beeinflusste das das Geschäft einiger kleinen und billigen Schulen auf negative Wiese und eine Schule musste sogar schließen – weil die Kinder zu uns kamen.

Stell dir nun vor, wir würden viele solcher Schulen eröffnen, die einfach jedem, der zur Zeit der Schuleinschreibung kommt, Bildung ermöglicht, bis alle Plätze belegt sind! Dieses riesige Geschäft der Bildung wird einen ernsthaften Schlag erhalten – denn sogar Kinder, die normalerweise in solche Bildungs-Läden gehen würden, werden stattdessen an unsere Schule kommen, um mit guter Qualität jedoch kostenlos zu lernen!

Wie ich mir das finanziell vorstelle? Mit unserem Ayurvedischen Restaurant Ammaji’s! Wie das? Das lest ihr morgen!

Kindererziehung ohne Gott – 24 Feb 15

Vor einigen Tagen, als wir am Abend in der Haupthalle des Ashrams saßen, hatte Ramona eine kleine Unterhaltung mit Pranshu, einem der Jungs im Ashram, und Apra. Ich möchte euch gerne erzählen, über was sie redeten.

Es begann damit, dass Apra in Nanijis Zimmer lief und nach Bonbons fragte. Naniji, die weiß, dass sie vor dem Essen keine Süßigkeiten essen sollte, fragte, ob sie schon gegessen hatte. Zuerst nickte Apra, beschloss dann jedoch, doch die Wahrheit zu sagen und schüttelte den Kopf. Sie kam aus dem Zimmer – natürlich ohne Bonbons – und Ramona hörte Naniji, meine Großmutter, von hinten sagen ‚Lügen ist eine Sünde!‘

Sie dachte nicht weiter darüber nach, aber als Pranshu, acht Jahre alt und zur Zeit Apras Lieblings-spielkamerad, diese Worte wiederholte, setzte sie sich neben ihn auf die Couch. „Weißt du denn, was eine Sünde ist?” fragte sie den Jungen. „Naniji hat das gesagt,“ antwortete er und gab nach einer weiteren Frage zu, dass er keine Ahnung hatte, was das eigentlich bedeutet. Also begann Ramona ihre eigene Erklärung:

“Was Naniji damit meinte war, dass Gott auf dich wütend ist, wenn du lügst. Nun sieh mal, ich glaube nicht an Gott, also wäre es mir egal, wenn ich Sünden begehen würde, wenn er auf mich wütend wäre – weil ich ja meine, dass es ihn gar nicht gibt. Glaubst du denn, dass es Gott gibt?“

Pranshu lächelte und schüttelte den Kopf. Apra, die neben ihm saß, rief laut: “Nein!” und lachte.

Ramona sprach weiter: “Okay, das bedeutet also, dass es dir egal sein kann, ob Gott wütend ist oder nicht, aber ich sage dir, dass ich wütend werde, wenn du lügst und mich gibt es ganz sicher, hier bei dir daheim, oder?“

Sie sagte die letzten Worte mit einem Lächeln und Pranshu lachte auch.

Er verstand, was sie sagen wollte – und wir haben gesehen, dass unsere Jungs unsere Denkweise auch mit kleinen Infos von unserer Seite erfahren und verstehen. Bei Apra weiß ich ganz sicher, dass Gott für sie einfach nur eine weitere Figur in einer Geschichte ist.

Wir wollen, dass unsere Kinder eine realistische Sicht auf das Leben haben und ein Teil davon ist, dass sie wissen, dass Gott nicht existiert.

Ein Haus, vier Zimmer, vier Familien – Unsere Schulkinder – 14 Nov 14

Als wir die neuen Schulkinder dieses Jahr zu Hause besuchten, kamen wir auch zu dem Haus von Priya und Himanshu. Und merkten wieder einmal, was es bedeutet, ein ordentliches Haus mit Platz für alle zu haben.

Himanshu schlief im Haus und als sie uns kommen sah, rannte Priya rein, um ihn aufzuwecken und rauszuholen. In der Zwischenzeit hatte sich uns ihr älterer Bruder, der draußen gespielt hatte, auch angeschlossen. Ihre Mutter erzählte uns, dass Priyas Vater ursprünglich gelernter Schweißer war, in seinem Arbeitsfeld jedoch keine Arbeit fand. So arbeitet er zurzeit als einfacher Arbeiter auf Baustellen in Vrindavan. Er hat keine feste Anstellung, sondern geht auf den Markt, wo Arbeiter und Bauleiter jeden Tag zusammenkommen, um seine Arbeit anzubieten. In einem Monat verdient er üblicherweise um die 45 Euro.

Bei diesem niedrigen Einkommen haben sie Glück, dass sie keine Miete zahlen müssen! Das Haus gehört ihnen – oder zumindest ein Viertel davon. Ihr Haus war von Priya und Himanshus Großeltern gebaut worden und als sie starben, wurde es an ihre vier Söhne weitergegeben. So wohnt nun jeder von ihnen in einem der vier Zimmer des Hauses, sie teilen eine Küche und eine gemeinsame Eingangshalle.

Es ist ein altes Haus. Die Straße und die Gegend um sie herum wurde mit der Zeit aufgefüllt, aber das Haus haben sie einfach auf dem Grundstück gebaut, so wie es war. Deswegen ist das Haus jetzt ein halbes Stockwerk niedriger als die Straße. Es gibt einen Hintereingang zu einer Seitenstraße, der auf Straßenlevel liegt – aber zum eigentlichen Hauseingang muss man nach unten klettern.

Obwohl sie das Geld sparen, das andere auf die Miete verwenden, ist das Gehalt nicht sehr hoch und so müssen sich Priyas Eltern trotzdem darum sorgen, wie sie über den Monat kommen. Sie haben bereits für ihren älteren Bruder gezahlt und jetzt würden auch noch Priya und Himashu zur Schule gehen! Sie erzählten ihren Nachbarn von ihrer Not – und ihnen wurde unsere Schule empfohlen.

So lernen Priya und Himanshu seit Juli 2014 an unserer Schule. Sie sind sehr fröhliche, aktive Kinder und wir freuen uns, dass sie am Lernen so viel Spaß haben! Ihre Eltern freuen sich auch: ihre Kinder bekommen Bildung und obendrauf eine warme Mahlzeit pro Tag! Ohne, dass sie zahlen müssen. Für sie ist es eine großartige Unterstützung. Für ihre Kinder ist es die Grundlage für eine bessere Zukunft!

Du kannst unser Projekt unterstützen, indem du eine Kinderpatenschaft übernimmst oder das Essen für einen Tag spendest! Hilf uns dabei, ihnen zu helfen!

Der Verkauf von Malas bringt nicht genug ein, um Schulgebühren zu zahlen – Unsere Schulkinder – 7 Nov 14

Es ist wieder einmal Zeit dafür, dass ich euch zwei Kindern unserer Schule vorstelle. Sie heißen Kriti und Sumit, sind sechs und zehn Jahre alt und haben in diesem Jahr erst begonnen, bei uns zu lernen.

Als wir im April dieses Jahres bei ihnen zu Hause ankamen, betraten wir das Haus durch eine enge Tür und stiegen dann genauso enge Treppenstufen in den ersten Stock des kleinen Hauses hinauf. Wir standen auf einer Art offenem Balkon und konnten etwas weiter hinten zwei Zimmer sehen.

Kritis Mutter rief ihre drei Kinder und wir lernten Kriti, die jüngst, Sumit, ihren älteren Bruder, den ältesten Bruder Manoj, der bereits in die 7. Klasse einer anderen Schule ging und ihren Vater kennen. Die Eltern wollten Sumit und Kriti an unsere Schule schicken – weil sie wussten, dass sie die Schulgebühren für alle drei nicht bezahlen konnten.

Das Familiengeschäft, das Kritis Vater zusammen mit seinem Bruder führte, ist die Herstellung und der Verkauf von Malas, spirituellen Halsketten mit dem Bildnis Gottes darauf und ähnliches. Sie haben alle Perlen daheim, fädeln sie dort ein, machen Knoten und hängen die kleinen Anhänger hin. Auf einem kleinen Wagen schieben sie dann an religiösen Feiertagen ihre Ware raus zu der Seite der Pilgerstraße.

Vrindavan ist eine Pilgerstadt und es gibt viele Leute, die den Parikrama, den Pilgerweg um die Stadt gehen. Diese Pilger sind mögliche Kunden – und das Überleben der Familie hängt von ihren Einkäufen ab. Sie erzählten, wie letztes Jahr, nach einem großen Unglück in einer Pilgerstadt in den Himalayas ihr Geschäft stockte, da weniger Menschen danach auf Pilgerschaft gingen.

Genau in dieser Zeit finanzieller Schwierigkeiten bekam Kriti ein schlimmes Fieber. Nachdem sie den Rest ihres Gelds für Medizin ausgegeben hatten, hatten sie nicht mehr genug, um ihre Schulgebühren zu zahlen. Die Schule ließ sie nicht mehr an den Jahresendprüfungen teilnehmen, sondern schickte sie von der Schule.

So kamen sie zu uns in der Hoffnung, dass zwei ihrer Kinder an unsere Schule kommen könnten und sie so nicht mehr die Last der Schulgebühren hätten, zusätzlich zu den Ausgaben, die sie sowieso haben.

Sumit ist nun in der 3. Klasse und Kriti im UKG. Sie sind beide etwas schüchtern, lernen aber schnell und sobald sie sich öffnen, ist ihr Lächeln riesig und es ist eine Freude, ihnen beim Lachen und Lernen zuzusehen!

Ihr könnt Kinder wie Sumit und Kriti unterstützen! Übernehmt eine Kinderpatenschaft oder spendet das Essen für einen Tag!

Ein Flachbildfernseher, aber kein Geld für die Schule – 3 Okt 14

Ich möchte euch heute einem schüchternen Jungen vorstellen, der jede Menge Unsinn im Kopf hat. Sein Name ist Mohit, er ist acht Jahre alt und geht dieses Jahr zum ersten Mal in seinem Leben zur Schule. Warum ist er noch nie zuvor zur Schule gegangen? Wegen Geldproblemen.

Ihr Haus sieht heruntergekommen aus und als wir fragen, erfahren wir, dass sie vor einem Jahr einen Kredit aufgenommen haben, um es kaufen zu können. All ihr Geld geht in die monatlichen Raten und immer wieder müssen sie ihre Verwandten bitten, ihnen zur Unterstützung etwas Geld zu schicken.

Mohits Vater ist Priester, einer von den Tausenden, die es in unserer religiösen Stadt Vrindavan gibt. Dass es eine Vielzahl an Leuten gibt, die ihre Dienste für Zeremonien und Rituale anbietet, bedeutet, dass jeder einzelne von ihnen sich anstrengen muss, dass er für diese Arbeit genommen wird. Sie werden nicht angestellt, sondern versuchen jeden Tag, einen Ort zu finden, an dem sie gebraucht werden. In Tempeln fragen sie, ob eine größere Zeremonie stattfindet, bei der sie helfen könnten. Sie versuchen, als Erste mit den Pilgern von außerhalb Vrindavans zu sprechen, die für Zeremonien nach Vrindavan kommen. Natürlich haben sie so kein geregeltes Einkommen, in Monaten religiöser Feste verdienen sie mehr und in anderen Monaten müssen sie manchmal einen Ashram finden, wo sie gegen etwas Geld mit anderer Arbeit aushelfen können.

Deshalb geht Mohits ältere Schwester, die Älteste der drei Geschwister, an eine andere wohltätige Schule in Vrindavan, wo sie nicht zahlen müssen. Es ist eine Schule mit religiösem Einfluss – und nur für Mädchen. Sein Bruder geht auf eine staatliche Schule. Das bedeutet, dass sie keine Schulgebühren zahlen müssen, aber da sind trotzdem noch andere Ausgaben: Hefte, Stifte, Uniform und mehr. Dazu kommt, dass das Bildungslevel sehr niedrig ist und Kinder als Strafe dafür, dass sie ihre Hausaufgabe nicht machen oder Unsinn machen, geschlagen werden.

Die Eltern hatten nicht das Geld, ihre Söhne – oder einen von ihnen – auf eine Privatschule zu geben, wo sie mehr lernen würden. Als sie schließlich von unserer Schule erfuhren, waren sie erleichtert: ein Ort, an dem ihr Junge kostenlos und ohne geschlagen zu werden lernen würde! Er hat das Alphabet und etwas mehr von seinem älteren Bruder gelernt – und ist dadurch in der Schule froh, dass er schon etwas mehr kann als seine Klassenkameraden.

Eines jedoch überraschte uns, als wir bei Mohit daheim ankamen: neben der Holzpritsche, auf der die Kinder schlafen, unter dem Fenster, einem Loch in der Wand, das mit Zeitung abgedeckt wurde, steht ein recht großer Flachbildfernseher! Wir fragen die Mutter, wie sie sich den denn haben leisten können. Das konnten sie nicht. Es war das Geschenk eines reichen Kunden ihres Ehemannes. Ein religiöser Mann, für den er ein Ritual durchgeführt hat. Er dachte wohl, dass diese arme Familie unbedingt einen guten Fernseher brauchte.

Wir glauben, dass die Kinder Bildung brauchen, so dass sie eine bessere Zukunft haben können!

Wer unsere Anstrengungen unterstützen möchte, kann eine Kinderpatenschaft übernehmen oder das Essen für einen Tag spenden!

Wenn Söhne wegen Geldproblemen bessere Bildung bekommen – Unsere Schulkinder – 11 Jul 14

Ich möchte euch heute gerne einer älteren und einer neuen Schülerin unserer Schule vorstellen: Varsha, zehn Jahre alt, und Kajal, sieben Jahre alt.

Varshas Vater stellt Malas und andere Gegenstände der Gottesverehrung her, die er auf einem Stand an der Straßenseite verkauft. Es ist ein Geschäft, das sehr von religiösen Feiertagen abhängt, von der Pulgermenge, die in die Stadt kommt und seinem Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wir wissen, dass dieser Beruf niemanden reich macht, doch als wir seine Ehefrau nach einem ungefähren Betrag fragten, wie viel ihr Ehemann denn wohl verdiene, kamen wir nicht weit: sie hatte keine Ahnung. Sie hat mit Geld nichts zu tun. Sie ist einfach nur daheim und kümmert sich um die Kinder.

Ihr Zuhause besteht aus einem Zimmer in einem Haus, in dem Varshas Vater und seine drei Brüder leben, alle mit ihren Familien. Das bedeutet, dass das Haus, obwohl es recht groß ist, ziemlich voll wird, wenn alle daheim sind. Jede der Familien hat ein Zimmer und sie verdienen, kochen und essen getrennt. Während uns das zeigt, dass die Tradition der Großfamilien langsam verschwindet, bekommen wir beim Eintreten die zärtliche Szene zu sehen, wie eine Mutter ihren bereits dreizehn Jahre alten Sohn wäscht.

Das Lustige ist, dass Varsha im letzten Jahr den Upper Kindergarten, also die zweite Vorschulklasse unserer Schule bestanden hat, während die jüngere Kajal die zweite Klasse einer billigen Privatschule in der Nähe besuchte. In diesem Schuljahr jedoch hat Kajal wieder von vorne angefangen, in unserer Vorschulklasse. Warum? Weil sie in ihrer vorigen Schule Jahre zugebracht hat, ohne wirklich etwas zu lernen. In nur zwei Jahren bei uns hat Varsha so viel gelernt, dass ihre Eltern unter den Ersten bei der diesjährigen Schuleinschreibung waren, um sicherzustellen, dass auch ihre jüngere Tochter einen Platz in unserer Schule bekommt.

Sie sind alles andere als reich und so lernt auch nur ihr ältestes Kind und einziger Sohn an einer Privatschule mit etwas besserem Standard. Beide Mädchen waren an einer Privatschule, doch aufgrund des geringen Einkommens der Familie, war das eine sehr billige Schule. Es war trotzdem eine Last für ihr Haushaltsgeld und als sie von unserer Schule hörten, schickten sie zuerst Varsha. Beide Mädchen, die jetzt an unsere Schule gehen, werden eine noch bessere Schulbildung bekommen, als ihr Sohn und wir hoffen, dass das ihrem Leben eine andere, bessere Richtung gibt.

Wenn du uns helfen möchtest, diese Mädchen und ihre Bildung zu unterstützen, kannst du die Patenschaft für ein Kind übernehmen oder das Essen für einen Tag spenden!

Ein teures Internat oder die liebevolle Fürsorge der Eltern – 2 Jun 14

Bildung ist der Weg zu einer besseren Zukunft. Das ist eine Aussage, auf die wie auch unsere wohltätige Schule gegründet haben. Ich bin von der Wahrheit dieses Satzes überzeugt und darum bieten wir armen Kindern völlig kostenlos Bildung an. Doch manchmal sehe ich, wie dieser Gedanke insbesondere wohlhabendere Eltern dazu bringt, ihre Kinder zu immer mehr zu drängen. Da beginne ich mich zu fragen, ob die Gesellschaft heutzutage Liebe, Familie und die Wärme und Sicherheit eines Zuhause zugunsten der Bildung opfern.

Ein Bekannter in Indien erzählte mir vor kurzem, dass seine Kinder beide an ein Internat etwa 600 Kilometer von Vrindavan entfernt gingen. Jedes zweite Wochenende fuhren er und seine Frau zehn Stunden oder mehr mit dem Auto, um sie zu besuchen. Warum? Weil diese Schule einen guten Ruf hatte und es in unserer Gegend angeblich keine solche großartigen Bildungsangebote gäbe. Beide Kinder gehen nun schon seit sechs Jahren an diese Schule. Ihr Sohn ist 18, ihre Tochter 16.

Dieser Mann ist bei Weitem nicht der einzige. Es ist recht normal, dass Leute, die es sich leisten können, ihre Kinder bereits im jungen Alter weiter weg an eine gute Schule schicken, wo sie jede Menge außerschulische Aktivitäten haben, wo ihre Talente gefördert werden und wo sie schließlich einen Abschluss bekommen, der ihnen die Türen zu den besten Universitäten des Landes öffnet. Dann können sie Spitzenmanager, Ingenieure oder Ärzte werden und sich eines Tages sogar in einem anderen Land niederlassen. Das ist der große Traum und sie wollen ihn ihren Kindern ermöglichen.

Sie denken, es ist das Beste, was sie für ihre Kinder tun können. Ich bin mir da nicht so sicher.

Eigentlich bin ich mir sicher, dass es das nicht ist. Warum schickt man ein zehnjähriges Mädchen Hunderte von Kilometern weit weg von ihren liebenden Eltern? Ja, vielleicht hat sie die Möglichkeit exotische Sportarten auszuprobieren oder mit importierten Aquarellfarben zu malen und ja, vielleicht hat sie sogar bessere Lehrer als in den Schulen, die in der Umgebung liegen. Doch es nimmt ihr definitiv die liebevolle Familie, in der sie aufwachsen könnte. Es reißt sie aus der Fürsorge der Mutter und ersetzt diese mit der Fürsorge eines Menschen, dessen Arbeit das ist. Nicht, dass diese Person das nicht gut macht, aber es ist nicht das Gleiche!

Warum seid ihr Eltern geworden? Um euer Kind zu lieben und für es da zu sein? Um es zu umarmen, zu spielen, zu lachen und auch all die ‚negativen‘ Emotionen zusammen durchzustehen? Oder um einen großartigen Ingenieur zu machen? Um sein Kind davonzuschicken?

Tief in meinem Herzen habe ich das Gefühl, dass Eltern ihren Kindern so viel Liebe und Nähe geben sollten, wie sie können, weil eines Tages sowieso der Tag kommt, an dem ihr Baby alt genug ist, alleine zu leben. Wenn ihr, die Eltern, nicht mehr gebraucht werdet. Es ist okay, nicht über den Durchschnitt hinaus gebildet zu sein. Eure Zeit und praktisch jede Aktivität zusammen mit eurem Kind ist in meinen Augen wertvoller als das, was eine weit entfernte Schule bieten kann.

Denn nur ihr könnt eurem Kind die Liebe eines Vater oder einer Mutter geben.