Nicht-Hindus mit Hindu Titeln – in einer Religion, zu der man nicht übertreten kann – 30 Jan 13

In den letzten Tagen habe ich über die Kumbh Mela geschrieben und habe dabei natürlich viel über Hindus und über Inder geschrieben, über indische Pilger und nebenbei vielleicht auch ein bisschen über Pilger aus anderen Ländern. Ich habe jedoch noch nicht über eine weitere Art von Person geschrieben: nicht-indische Sadhus und Gurus, die auf der Kumbh Mela ganz klar keine Besucher oder Touristen sind, sondern Aussteller und Darsteller.

Ich habe zuvor bereits erklärt, dass Hinduismus eigentlich keine Bekehrungen erlaubt. Man kann zum Islam übertreten, man kann zum Christentum übertreten, aber es gibt keine Möglichkeit, zum Hinduismus überzutreten. In keiner Hindu Schrift findet man eine Beschreibung einer Zeremonie oder eines Rituals dazu, wie man zum Hindu wird. Man kann nur von Geburt an Hindu sein. Das ist der Grund warum der Vishwanath Tempel in Varanasi, der Jagannath Tempel in Puri, Orissa und die meisten Hindu Tempel in Südindien nicht-Hindus noch heute am Betreten hindern. Vor diesen Tempeln stehen Schilder mit diesem Hinweis und das ist der Grund, warum kein Ausländer die Tempel betreten kann. Ich habe diesen religiösen Rassismus einmal in einem Eintrag beschrieben, aber es zeigt einfach wieder, dass man nicht zum Hinduismus übertreten kann.

Das Lustige ist, dass die Geschäftsmänner des Hinduismus, die religiösen Führer und Gurus ihre eigene Religion selbst auseinandergenommen haben. Die Zeitschriften schreiben täglich über Sadhus von aus Amerika, Russland, Schweden und anderen Ländern auf der Kumbh Mela in Allahabad. Sie sind keine einfachen Sadhus, die einem indischen Guru folgen, nein, sie sind selbst Gurus mit großen Lagern und werden von den indischen Gurus um sie herum vollständig angenommen und akzeptiert – weil sie von einer sehr alten religiösen Hindu Organisation eingeweiht wurden, die die Autorität hat, den Titel Mahamandaleshwar zu verleihen, Führer einer Gruppe Anhänger. Und sie haben diesen Titel auch an Ausländer verliehen! Jeder weiß nun jedoch, dass solche Titel käuflich sind – wer genug Geld hat, kann einen kaufen.

Die Hindu Religion erlaubt Ausländern nicht einmal, ihre Tempel zu betreten, wie kommt es, dass eine alte Organisation dieser Religion die gleichen Ausländer einweiht und ihnen hohe Titel verleiht? Sie machen nun ihre eigenen Anhänger, haben ihre Zelte und Lager auf der Kumbh Mela und werden angebetet und verehrt und das von Menschen von der ganzen Welt – auch von indischen Hindus, die offensichtlich vergessen haben oder nie wussten, was ihre eigenen Schriften besagen.

Was das noch schlimmer macht ist, dass man sieht, wie sie alle zusammen bei diesem Fest ihre Geschäfte betreiben. Die westlichen Gurus und Sadhus stehen den indischen hier in keinster Weise nach, geben mit ihrem Reichtum an und vergnügen sich mit weiblichen Anhängern, obwohl Sanyasis mit diesem Titel nicht einmal mit Frauen reden sollten! Von einem westlichen Guru ist bekannt, dass er eine Messerspitze Asche für 1100 Rupien verkauft – umgerechnet in etwa 15 Euro! Sie machen dort das große Geld, während sie eigentlich von allem Materiellen losgelöst sein sollten.

Darum sage ich, dass Religion reine Geschäftssache ist und nichts anderes. Jeder manipuliert sie nach seinem Vergnügen, gibt seine Interpretation, schafft seine eigene Tradition und öffnet seinen Laden, um Gott und Religion zu verkaufen. Das religiöse Publikum unseres Landes ist bereit dazu, alles zu kaufen, was im Namen der Religion verkauft wird.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Westler, die sich selbst Hindus nennen, meinen Worten nicht zustimmen können und von ihnen am allermeisten die Gurus, deren Geschäft Religion ist. Das letzte Mal, als ich über dieses Thema schrieb, bekam ich jede Menge wütende Antworten von denen, die das Gefühl hatten, dass ich die Wahrheit aussprach. Ich weiß auch, dass die üblichen religiösen Menschen, die Anhänger, mich für meine Worte verfluchen werden, aber sie werden sich vor den Gurus verneigen, die sich selbst bereichern, während sie die Schriften verspotten, die sie anderen als Richtlinien geben. Ich kann wieder nur zu dem Schluss kommen, dass das Ganze entweder traurig oder lächerlich ist – und ich lache lieber.

Naga Sadhus – Konzept der Loslösung oder das Herzeigen von Genitalien und Drogenkonsum – 29 Jan 13

Immer, wenn man etwas über die Kumbh Mela liest, denkt man üblicherweise an die bekanntesten Szenen, die man ja normal auch in den Nachrichten sieht: tausende nackte Männer rennen in den Ganges. Viele Leute sind sich darüber bewusst, dass diese Männer nicht nur für ihr heiliges Bad im Ganges nackt sind – das ist ihre übliche Kleidung: überhaupt keine Kleidung. Sie werden Naga Sadhus genannt und sind interessant genug, dass ich nun einen ganzen Artikel über sie und ihre Philosophie schreibe.

Naga bedeutet einfach nur nackt, also sind sie die nackten Sadhus. Man kann sagen, dass sie die Höchstform der Sadhus sind. Das Prinzip eines Sadhu ist ganz klar: sie üben Loslösung. Sie habe jegliche Verbindung zu ihrer Familie abgebrochen, so dass sie sich von ihnen loslösen können. Sie sind immer unterwegs, so dass sie auch keine Anhaftung zu einem bestimmten Ort entwickeln. Sie haben auch nicht viel Hab und Gut. Sie essen, was sie finden oder was ihnen die Menschen geben. Sie lagern nichts und heben nichts auf, sondern essen genau so viel, wie sie in den Händen halten können.

Ein Naga Sadhu geht noch einen Schritt weiter und löst sich sogar von seiner Kleidung. In dem Prozess, immer weniger an den Dingen zu haften, ist das der logische nächste Schritt. Wenn man nichts mehr hat außer der Kleidung an seinem Körper, sich aber von allem lösen will, müssen die Klamotten weg. Wer Kleidung hat, muss diese auch waschen. Während man sie wäscht, muss man auch etwas tragen, also braucht man mindestens ein weiteres Set Kleidung. Wenn man zwei Hosen hat, trägt man eine und muss die zweite in einer Tasche oder einem Stofftuch aufbewahren. Wenn du nun eine Tasche hast, musst du aufpassen, wo du sie hintust, wenn du dich schlafen legst und darauf achten, dass du sie nicht vergisst. Wenn sie jemand stiehlt, kannst du das nicht mehr ruhig hinnehmen – die Anhaftung ist also schon zu einem Problem geworden. Die Naga Sadhus haben beschlossen, all solche Sorgen zu verbannen und nackt zu bleiben.

Naga Sadhus sollen so tief in ihrer Spiritualität und Liebe zu Gott sein, dass es ihnen egal ist, wie sie aussehen und sogar, ob es warm oder kalt ist. Sie haben sich von ihrem eigenen Körper so sehr losgelöst, dass sie ihn nicht mehr vor hohen oder niedrigen Temperaturen schützen.

So soll es zumindest sein und vielleicht war es das in alten Zeiten auch wirklich. Sie hatten nichts, noch nicht einmal Kleidung. Heute sieht man meistens, dass sie alles haben, nur keine Kleidung. Viele von ihnen haben Geld, Gold, Schmuck – sie sind Luxus-Sadhus! Die normalen, bekleideten Sadhus heutzutage geben bis zu drei Millionen Rupien dafür aus, ihre temporären Zeltbehausungen auf der Kumbh Mela aufzustellen und zu dekorieren! Genauso laufen die Naga Sadhus herum, nackt, aber mit wertvollen Ringen an den Händen und bitten die Leute um Geld, während sie ihnen ihre Genitalien zeigen. Die Naga Sadhus wissen, wie sie vor einer Kamera posieren müssen und wie sie ihre nackten Körper Mädchen aus dem Westen zeigen können, in dem Wissen, dass ihre Bilder in den internationalen Medien veröffentlicht werden. Sie haben Drogen und spüren deswegen die Kälte nicht. Wie sehr losgelöst ist das wirklich?

Ich habe gehört, dass es auch weibliche Naga Sadhus auf der Kumbh Mela gibt, getrennt und in einem anderen Zelt, das für die Öffentlichkeit verschlossen bleibt. Wenn das wahr ist, warum sitzen sie dann nicht in der Öffentlichkeit, wie die Männer es tun? Ist es nicht sowieso seltsam, dass es eine Erregung öffentlichen Ärgernisses ist, wenn eine normale Person seine Genitalien in der Öffentlichkeit zeigt, wenn es jedoch ein religiöser Mann macht, ist es in Ordnung! Wenn du das tust, wirst du festgenommen und musst wahrscheinlich Strafgeld zahlen. Wenn sie das tun, machen die Leute Bilder von ihnen, diese werden dann auf der ganzen Welt in Magazinen abgedruckt und alle sind fasziniert, nicht verärgert.

Ist es nicht eine sehr seltsame Welt?

Mehr abwaschen als nur Sünden – Verschmutzung des Ganges durch die Kumbh Mela – 28 Jan 13

Letzte Woche habe ich angefangen zu erklären, warum ich definitive nicht nach Allahabad gehen werde, wo die Kumbh Mela zur Zeit in vollem Gang ist. Neben dem ganz offensichtlichen Grund – dass ich nicht religiös bin und nicht glaube, dass mir ein solcher Ausflug etwas bringen würde – habe ich die Ausbeutung von Kindern erwähnt und auch das große Geschäft, das dort gemacht wird. Es gibt jedoch einen weiteren, sehr wichtigen Aspekt, der nicht nur Ungläubige wie mich davon abhalten sollte, dorthin zu gehen, sondern auch die frömmsten Gläubigen ins Denken bringen sollte: die Flussverschmutzung des Ganges!

In Allahabad fließt der heilige Fluss Yamuna in den heiligen Ganges und von Allahabad an fließt nur noch der Ganges weiter. Für religiöse Menschen ist das ein sehr heiliger Ort, weil dort die zwei heiligen Flüsse aufeinandertreffen und so natürlich doppelte Heiligkeit entsteht. Zusätzlich ist da die Geschichte mit dem Nektar der Unsterblichkeit, der in Allahabad zu Boden getropft sein soll, also ist die Flussmündung ganz klar der perfekte Ort für das größte religiöse Fest auf Erden.

Die wichtigste Handlung für jeden Besucher der Kumbh Mela in Allahabad ist das Bad im Ganges. Es soll dich von deinen Sünden reinigen. Für sie ist es ein heliges Bad, eine Reinigung und Erfrischung. Für mich sieht es nach einem der schmutzigsten Orte aus, an dem man sich waschen könnte! Diese Stelle ist wahrscheinlich einer der am meisten verschmutzten Abschnitte beider Flüsse! Die Yamuna kommt dort an und bringt das ganze Abwasser von Delhi, Agra und anderen Städten mit! Der Ganges selbst ist auf seinem Weg von den Bergen herunter auch nicht gerade sauber geblieben! Willst du wirklich in dieses Wasser voller menschlicher und industrieller Abfälle springen?

Ich weiß jedoch, dass man blinde, religiöse Gläubige auf keine Weise davon abhalten kann, in diesem Schmutzwasser nicht nur zu baden, sondern sogar einige Schlucke zu trinken. Das soll die Sünden wegwaschen, aber sie sind offensichtlich alle bereit dazu, Allergien, Hautkrankheiten, Magen- und Verdauungsprobleme und vielleicht ernsthafte Krankheiten in Kauf zu nehmen, die sie davontragen, wenn sie Wasser trinken, dessen Verschmutzungsgrad bereits an einem normalen Tag hoch über den normalen Werten liegt.

Naja, wenn du das deinem Körper antun willst, gibt es wahrscheinlich niemanden, der dich davon abhalten kann, dich selbst krank zu machen. Ich habe jedoch Einwände gegen dieses ritualistische Baden, weil es indirekt auch mich betrifft! Wie? Wasserproben vor und nach dem großen Massenbad am 14. Januar haben gezeigt, dass der Grad der Verschmutzung bereits zu hoch zum baden oder gar trinken war, bevor alle hineinsprangen, danach aber war es fast doppelt so schlimm!

Das ist nicht sehr überraschend – geschätzte acht Millionen Leute haben nicht nur ihre Sünden abgewaschen, sondern gleich auch noch ihren eigenen Dreck! Über die ganze Zeit der Kumbh Mela verteilt, wird erwartet, dass 100 Millionen Besucher im Fluss baden und dazu noch ihre Zeremonien abhalten, wobei sie ihren religiösen Müll auch noch hineinwerfen. Ihr verschmutzt den längsten und größten Fluss unseres Landes und das nicht zu gering! Ja, das wirkt sich auch auf mich aus und auf jeden anderen Inder, letztlich auf jede andere Person dieser Erde!

Jetzt wurde von offizieller Seite mehr Wasser von einer höheren Staustelle abgelassen, so dass sich die Verschmutzung auf etwas mehr Wasser verteilt und an einem Ort nicht ganz so schlimm ist – sie haben wahrscheinlich keine Lust, wegen einer Masseninfektion oder einer ansteckenden Krankheit unter Festbesuchern international in die Nachrichten zu kommen!

Das Fazit ist, dass es nicht empfehlenswert ist, an diesem Fest teilzunehmen – es ist spiritueller Unsinn, Menschen werden ausgenutzt, es dreht sich sowieso alles nur ums Geld und es schadet sowohl deiner Gesundheit als auch der Umwelt. Jetzt kannst du selbst darüber nachdenken, was du machen möchtest!

Artikel der BBC zur Verschmutzung des Ganges durch die Kumbh Mela

Zurschaustellung und Geldmacherei – Sadhus und Gurus auf der Kumbh Mela – 24 Jan 13

Ich sagte gestern, dass ich nicht an die reinigende Wirkung eines Bades im Fluss Ganges glaube und dass ich also keinen Grund sehe, warum ich zur Kumbh Mela gehen sollte. Ich bin jedoch nicht nur ‚nicht interessiert‘ daran, hinzugehen, dort gehen jede Menge Dinge vor sich, die ich abstoßend finde und weshalb ich froh bin, dass ich im Augenblick nicht in der Nähe von Allahabad bin. Der Hauptaspekt ist dabei das Geld, das geldbezogene Verhalten all dieser Sadhus, Gurus und religiöser Führer. Das große Geschäft, das im Namen der Religion geschieht.

Ich habe Berichte von Leuten gehört und gelesen, die in den letzten Tagen in Allahabad waren und das Haupt-Feedback ist, dass das religiöse Geschäft dort überall ist. Ich habe die Sadhus, Gurus und all die religiösen Führer erwähnt, die auf der Kumbh Mela anwesend sind. Sie sind jedoch nicht nur Gurus oder Sadhus – sie haben viele verschiedene Wege gefunden, Geschäfte zu machen!

Sie sind Prediger: Es ist ihre ganz normale Arbeit, dort Reden und Vorträge zu halten. Sie geben Zeremonien und nehmen natürlich auch ihr Bad im Ganges, zusammen mit den Leuten um ihnen. Während sie für ihre Vorträge vielleicht kein Geld verlangen, nehmen die meisten von ihnen schon etwas für das Durchführen besonderer Zeremonien für Einzelpersonen. Sie haben ihre Anhänger in ihren Lagern zusammengesammelt und geben sich gleichzeitig die größte Mühe, bei dieser Gelegenheit neue Anhänger zu finden. Die Anhänger geben ihnen dann Geld für ihren Segen, für die Zeremonien und einfach nur für ein Treffen mit ihnen.

Sie sind Verkäufer: Diese Gurus haben alle ihre eigenen Geschäfte in ihren Lagern, verkaufen Malas, Anhänger mit ihren Bildern darauf, Altarzubehör, Götterstatuen und vieles mehr. Ihr müsst nun nicht argumentieren, dass sie selbst ja nicht dort sitzen und Geld einnehmen! Genau wie jeder andere erfolgreiche Geschäftsführer haben sie ihre Angestellten, die dort sitzen und die körperliche Arbeit verrichten.

Sie sind auch Hotelbesitzer: Das ist etwas, was ich erst in diesem Jahr erfahren habe. Diese Sadhus haben begonnen, ‚Spirituelle Urlaubsangebote‘ für Anhänger zu machen, die kommen wollen und in ihrem Lager einige Tage während der Kumbh Mela übernachten wollen! Unsere örtliche Zeitung hat ihre Preise veröffentlicht, die sich durch die ganze Zeit der Kumbh Mela veränderten – an Tagen, wenn eine höhere Besucheranzahl erwartet werden kann, sind die Preise höher. Die Preise waren in drei Kategorien unterteilt: normale Besucher, VIPs und VVIPs – sehr, sehr wichtige Persönlichkeiten.

In den Erfahrungsberichte von Leuten, die die Kumbh Mela in Allahabad besucht hatten, konnte ich lesen, dass sie dort kein einziges bisschen Spiritualität oder Göttlichkeit fanden. Mit all den Angeboten, den Verkaufsständen, dem Essen, das dort verkauft wurde und all den Leuten, die sie in ihre Zelte locken wollten, erschien ihnen das ganze Spektakel eher wie ein großer, spaßiger Jahrmarkt.

Und inmitten des Jahrmarkts sind da noch die Sadhus und Gurus, die ihr eigenes Theater aufführen und ihren Reichtum zur Schau stellen. Sie kommen in Luxusautos an der Kumbh Mela an und wohnen in ihren klimatisierten, fünf-Sterne-Zelten. Sie sitzen auf goldenen oder silbernen Thronen und haben eine ganze Reihe silberner Töpfe und Tische um sich, tragen goldene Halsketten und Schmuck mit kiloweise Edelsteinen. Sie zeigen, wie reich sie sind und unterscheiden sich da wieder einmal nicht von vielen normalen, reichen Geschäftsmännern. Es ist eben einfach nur ein religiöses Geschäft.

Worüber man lachen muss ist, dass ihr eigentlicher Titel ‚Sadhu‘ oder ‚Sanyasi‘ bedeutet, dass sie an nichts anhaften. Es ist ein Wort für diejenigen, die mit der materiellen Welt und insbesondere mit Geld nichts zu tun haben. Ihre Zurschaustellung von Materiellem und Geld ist völlig gegen das eigentliche Konzept des Sadhu-Daseins und doch sieht man genau das bei diesem Fest! Nein, ich möchte wirklcih nicht dorthin.

Reise vom heiligen Mann zum Geschäftsmann – 3 Mar 11

Letztes Jahr habe ich mit einem unserer Organisatoren einfach nur allgemein über unser Programm gesprochen und nach einigen Minutem Gespräch sagte er ‚Swami Ji, ich sehe in dir einen Geschäftsmann!‘ und er lachte. Ich fühlte mich gut mit dieser Aussage. Ich kann mir vorstellen, wie jetzt einige von euch die Stirn runzeln und sich fragen, wie mich so etwas fröhlich stimmen kann. Manche meinen vielleicht sogar, dass diese Aussage für mich beleidigend sein sollte. Gestern habe ich bereits mit einer Erklärung dafür begonnen, warum sie das eben nicht ist.

Was ist Geschäft? Für mich lautet die Definition in etwa so: Zuerst machst du eine Investition. Danach unternimmst du Anstrengungen und steckst Arbeit hinein und erntest zum Schluss die Früchte. Auf diese Weise bekommst du das zurück, was du investiert hast und hoffentlich noch etwas mehr.

Vor meiner Zeit in der Höhle war ich es gewohnt, als Guru zu leben. Ich wurde als Heiliger gefeiert und verehrt. In der Zeit war ich nicht wirklich Geschäftsmann. Das sehe ich so, weil ich nichts investiert habe, sondern nur die Früchte geerntet habe. Im Geschäftsleben verdienst du deine Investition und etwas mehr, so dass sich dein Geld auf deinem Konto vermehrt. Eine spirituelle Person, die behauptet, sie sei vom Materiellen losgelöst sollte eigentlich kein Geschäftsmann sein und wenn man einige der größten Gurus dieser Zeit so nennen würde, würden sie sich wahrscheinlich beleidigt fühlen und wütend werden. Vielleicht hätte ich mich auch so gefühlt, wenn du mich vor 15 oder 20 Jahren als Geschäftsmann bezeichnet hättest.

Jetzt jedoch fühle ich mich nicht so. 1997 ging ich in die Höhle und in den Jahren danach hat sich mein ganzes Leben verändert. Ich habe eine Reise gemacht vom heiligen Mann zum Geschäftsmann. Ich lerne gerne und mache gerne Geschäfte und mein Geist und mein Weg entwickeln sich so in die richtige Richtung mit all den Aktivitäten, die wir anbieten und unseren Wohltätigkeitsprojekten, die jeden Tag zu wachsen scheinen.

Da gibt es nur einen kleinen Unterschied zu gewöhnlichen Geschäftsmännern: Ich will meinen Gewinn nicht auf mein Bankkonto einzahlen! Ich will damit Gutes tun. Wir arbeiten sehr hart und geben unser Bestes bei allem, was wir tun. Einmal sagte mir jemand, der sich unsere Internetseite angesehen hatte ‚Ich habe noch nie eine Internetseite einer wohltätigen Organisation gesehen, die sogar einen Online-Shop hat! Ihr bietet euren Besuchern wirklich viele Dinge an!‘ Und ich sagte ihm ja, das ist es, was ich tun möchte. Ich will Retreats, Aktivitäten und auch Dinge in unserem Shop anbieten.

Wir hatten schon viele Erfahrungen im Ashram und mit all den Angeboten, eine wahre Mischung aus süß und sauer. Durch all dies wurde meine Vorstellung, ein Geschäftsmann zu sein, sehr deutlich. Und meine Belohnung ist nicht das Geld. Meine Belohnung ist das Lächeln dieser Kinder!

Wer steht Gott näher – Superreiche Gurus oder Superreiche Geschäftsleute? – 1 Mar 11

Ich habe mich vor einigen Wochen sehr gefreut, als ich eine Nachricht in der Zeitung las, dass zwei der reichsten Männer der Welt, Warren Buffett und Bill Gates Pläne haben, dieses Jahr nach Indien zu reisen. Eigentlich war es nicht so sehr die Tatsache, dass sie kommen würden, die mich froh stimmte, sondern eher der Grund, warum sie kommen. Sie wollen Indiens Millionäre und Milliardäre dazu ermutigen, mehr von ihrem Vermögen zu spenden!

Warren Buffet, Bill Gates und seine Frau Melinda haben diese Kampagne ‚Giving Pledge‘ begonnen und sie fordern reiche Leute auf, 50% oder mehr ihres Geldes für wohltätige Zwecke zu spenden. Sie haben selbst versprochen, großzügig zu spenden und sie haben bereits viele reiche Menschen davon überzeugt, dass das die richtige Handlungsweise ist. Es geht ihnen nicht darum, Geld für eine bestimmte Organisation oder einen bestimmten Zweck zu sammeln, sie sprechen von Menschenliebe, von Wohltätigkeit, vom Geben und Teilen mit denen, die es brauchen. Ich liebe diese Vorstellung für eine Kampagne und wünsche ihnen viel Erfolg!

Besonders hier in Indien gibt es viele Menschen, die viel spenden könnten und mit eigenen Augen sehen würden, wie ihre Spende in ihrem Land verwendet würde, wenn sie das Mitgefühl für ihre Mitmenschen hätten. Diese Kampagne fordert alle Menschen mit Reichtümern auf, damit Gutes zu tun und da richten sie sich im Besonderen an Geschäftsleute. Meiner Meinung nach sind einige der größten Geschäftsleute Indiens die, deren Geschäftsbereich Spiritualität und Religionen sind.

Die meisten Gurus und religiösen Führer wären nicht begeistert, wenn man sie Geschäftsleute nennen würde, doch sie sind einige der erfolgreichsten Indiens. Es ist das ‚Geschäft der Götter‘, wie es in diesem Artikel schön beschrieben wird. Ich will jetzt keine Aufzählung reicher religiöser Leute beginnen, weil die Liste sehr lang werden würde. In dem Artikel werden nur ein paar von ihnen genannt und die Zahlen sind bereits vier Jahre alt, heute wären sie um einiges höher.

Es gibt einfach so viele Leute, die Spenden sammeln, indem sie behaupten, sie würden Tempel bauen oder wären eine Art Gott. Sie leben sogar wie Götter und lassen in Indien und um die Welt viele Ashrams und riesige Tempel bauen.

Vergessen sie, dass es nicht nur Menschen gibt, die ihre Vorträge anhören wollen oder spirituelle Rituale durchführen möchten, sondern auch Menschen, die Essen brauchen und ums Überleben kämpfen? Sie brauchen keine Tempel, sie brauchen ein Dach über ihrem Kopf! Sie brauchen deinen Segen nicht, sie brauchen dein Geld!

Manch einer mag mir jetzt sagen, dass viele dieser Gurus auch Krankenhäuser und Schulen bauen oder auf andere Weise wohltätig sind. Das ist jedoch ein solch kleiner Teil ihres Reichtums, so ein kleiner Teil von dem, was sie geben könnten, dass sie sich schämen sollten, ihre wohltätige Einstellung auf diese Weise zur Schau zu stellen.

Eigentlich sollten sie in der Lage sein, 100% ihres Hab und Gut hinter sich zu lassen, weil sie sich selbst als Sanyasi darstellen, ihr Leben einzig Gott gewidmet und von materiellen Gütern abschwören. Stattdessen nehmen sie, was sie kriegen können und verteilen es großzügig unter ihren Familienmitgliedern. Sie predigen Loslösung, scheinen aber weitaus mehr an ihren Rupien zu hängen als Bill Gates an seinen Dollar!

All diese Leute sind Geschäftsleute, die Gurus und auch die Gründer dieser Kampagne. Doch jetzt scheinen die Rollen vertauscht zu sein – die spirituellen Leute kommen immer mehr ins Geschäft, während die Geschäftleute immer spiritueller werden und an andere geben, um ihnen zu helfen. Was glaubst du, wer Gott näher ist, diejenigen, die Gott verkaufen und das zu ihrem Geschäft machen oder die, die wirklich Geschäfte tätigen und dann spenden, so dass andere ein besseres Leben haben?

Ich will nicht zu viel über Geld im spirituellen Geschäft sagen, aber wenn all diese reichen Super-Gurus in all ihrem Überfluss auch 50% oder mehr von dem, was sie haben, spenden würden, könnten sie in dieser Gesellschaft einen bedeutenden Unterschied bewirken und die Welt für viele zu einem besseren Ort machen.

Loslösung durch Kontrolle des Geistes – 16 Feb 10

Auf eine Weise ist das, worüber ich geschrieben habe auch die Philosophie der Bhagavad Gita. Wenn unser Geist aktiv ist und nicht konzentriert, ist es schwierig, Frieden zu spüren. Der Geist ist einmal hier und dann wieder dort. Die Gita sagt auch, dass man den Geist kontrollieren muss. Und um den Geist zu kontrollieren, muss man losgelöst sein.

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass man nicht an Materiellem anhaftet. Und deshalb frage ich mich, warum all diese Swamis und Gurus, die sogar Vorträge aus der Gita halten, so sehr am Materiellen anhafen. Wenn man ihren Lebensstil sieht, spiegelt sich das sehr schön wieder. Ich glaube, dass ich nicht weiter erklären muss auf welche Weise, jeder weiß das.

Jetzt eine Frage, die sich jeder selbst stellen kann: haftest du an Materiellem? Die sofortige Antwort vieler Menschen ist sicher ‚Nein!‘, aber wir wollen da tiefer gehen als nur das. Vielleicht glaubst du, dass du völlig losgelöst bist, weil du ja sowieso nicht viel hast, aber lass dir gesagt sein, das ist nicht die Definition von Nicht-Anhaftung. Wenn du wirklich viel hast und alles verlierst, dann merkst du, ob du wirklich losgelöst bist. Und auch wenn du nicht viel hast und den Rest verloren hast, wirst du die Anhaftung an die Dinge, die du verloren hast, vergessen können.

Es ist vielleicht sehr schwierig, nicht an irgend etwas anzuhaften. Versuche, so wenig wie möglich anzuhaften, lass alte Dinge zurück, sortiere aus und gib sie jemandem, der sie dringender braucht als du.

Eine ehrliche Meinung wird nicht immer Geschätzt – 24 Nov 09

Obwohl ich in meinem Tagebuch nie über eine bestimmte Person schreibe und nie einen Namen erwähne, stören sich manche Leute an dem, was ich schreibe. Es sind insbesondere Swamis und Gurus, die nicht möchten, dass ich so schreibe.

Ich schreibe über das allgemeine System, aber natürlich fühlen sich einige Swamis und Gurus, als ob ich direkt für sie oder über sie schreibe. Und wer kann sich so fühlen? Offensichtlich diejenigen, die das tun, über was ich schreibe. Diejenigen, die wirklich auf dem Weg der Liebe und auf dem Weg zu Gott sind, fühlen das nicht, weil es sich nicht auf sie bezieht. I

ch habe nur gesagt, dass es Swamis und Gurus gibt, die daran interessiert sind, Gold und Geld anzusammeln. Ich denke nicht, dass jemand nicht mit mir einverstanden wäre, wenn ich sage, dass es da einen Widerspruch zweier Dinge gibt: einerseits das Anhäufen von Geld und Gold und andererseits das Lehren von Nicht-Anhaftung an Materiellem.

Ich sage das auch nicht nur über Swamis und Gurus, ich richte mein Wort an alle, die die Möglichkeit haben, zu helfen und zu teilen. Das können Industrielle, Politiker, berühmte Menschen und jeder sein, der jemandem, der es nötiger braucht, etwas geben kann. Warum sammelst du das alles, was machst du damit, wenn du einmal diese Welt verlassen must? Gib denen, die es brauchen, etwas von dem, was du hast und am Wichtigsten deine Liebe. Es ist in Ordnung, wenn manche Menschen sich mit dem, was ich im Tagebuch schreibe, nicht wohlfühlen. Ich lasse sie fühlen, was sie wollen, aber das wird mich nicht davon abhalten, das was ich fühle auszudrücken.

Auf dem Bild seht ihr den Jungen, Shekhar, von dem ich gestern erzählt habe. Er hatte heute seinen ersten Schultag und es hat ihm gut gefallen.

Paramahansa – Wahre Bedeutung und Missbrauch – 14 Aug 09

Gestern haben wir über das Guru Image gesprochen, das viele Menschen gerne haben und behalten. Es sind nicht nur Inder, die in den Westen kommen, sondern auch westliche Menschen, die sich von diesem Image und von dem ganzen Drama, das von diesen Gurus geschaffen wird, beeindrucken lassen. Es ist ein großes Geschäft in Indien, spirituelle Titel und Namen zu verkaufen. Und so sehe ich einige Meister hier, die den Titel ‚Paramahansa‘ tragen.

Ich bin mir sicher, dass mehr als die Hälfte von ihnen nicht einmal wissen, was Paramahansa bedeutet. Sie schreiben diesen Titel gerne vor ihren Namen und mögen es, viele Anhänger zu haben, auf einem silbernen oder goldenen Thron zu sitzen, eine Hand hochhaltend in der Haltung eines Hindu Gottes, mit schweren goldenen Ketten voller Edelsteine und mit ihren Anhängern zu ihren Füßen, die Malas und Anhänger mit ihren Bildern um den Hals tragen.

Ich habe wirkliche Paramahansas getroffen, die diesen Respekt einer spirituellen Person mit einem sehr hohen Bewusstseinslevel haben. Keiner von ihnen sitzt jemals auf einem Thron. Sie sind an so etwas nicht interessiert und brauchen dieses Drama nicht, weil sie niemanden mit ihrem Reichtum beeindrucken müssen. Wir nennen Ramkrishna mit viel Liebe und Respekt Paramahansa. Er hat seinen Körper 1886 im Alter von 50 Jahren verlassen. Das Wort ‚Paramahansa‘ kann man sehr ausgiebig erklären, kurz gesagt beschreibt es eine Person, die fern von dieser materiellen Welt ist und sogar von seinem Körper und seinen Sinnen losgelöst ist.

Ich verstehe nicht, wie diese Gurus, die das Materielle, Silber und Gold lieben, Paramahansa sein können. Es macht mich einfach nur traurig zu sehen, dass unschuldige und liebevolle Menschen von diesen Meistern ausgenutzt werden.

Heute hatten wir am Abend eine Chakra Dance Party.

In der Liebe gibt es keine Anhaftung – 30 Apr 08

Ich möchte mit meinem Vortrag fortfahren:
Ich habe euch vielleicht schon von diesem spirituellen Mann, einem Gyan Yogi erzählt. Er war ein wunderbarer Mann, ein wirklich groβartiger, weiser Mann. Leider hatte er Krebs und war sehr krank. In 1989, ich war damals 18 Jahre alt, wurde es sehr schlimm und viele Ärzte sagten ihm, dass seine Zeit zu Ende ginge. Also ging ich, wie viele andere, zu ihm. Er lag auf einem Bett und wir, Ärzte und viele Anhänger waren um ihn herum versammelt. Jemand fragte ihn: ‚Hast du viele Schmerzen?’ Und er antwortete mit einem Mantra der Vedanta: ‘Chidanand Rupah Shivoham Shivoham. Oh, ja, ich habe Schmerzen im Körper,’ und er lächelte und scheinte geradezu. ‚Aber ich bin nicht der Körper!’ Sein Gesicht war voll Licht, er litt nicht von den Schmerzen, die sein Körper hatte. Wenn ich Schmerzen in der Hand habe, hat die Hand Schmerzen, nicht ich. Ich bin nicht die Hand. Was ist Selbst-erkenntnis? Wenn du erkennst, dass du nicht der Körper bist. Dann fühlst du keinen Schmerz. Dieser Mann hatte so viele Schmerzen und lächelte. Er hat bewiesen, dass Schmerzen von der Anhaftung an den Körper kommen.

Wenn du keine Anhaftung hast, wenn du in der Liebe bist, dann hast du keine Schmerzen. Wenn ich zum Beispiel diesem Wecker hier anhafte und ihn verlieren würde, wäre ich sehr traurig. Es würde mich schmerzen, dass ich ihn verloren habe. Wenn ich ihn aber liebe, ist das nicht so. Okay, vielleicht habe ich ihn verloren, aber jemand anders hat ihn gefunden und das freut mich.

Die Philosophy der Liebe ist wundervoll. Vielleicht kennt ihr die Gopis und Krishna. Zwischen ihnen war eine große Liebe und die Gopis sagten zu Krishna: ‚Wir lieben dich, aber wenn du woanders glücklich bist, ist es in Ordnung. Wir brauchen keinen körperlichen Kontakt, um dich zu lieben. Wir lieben dich, wir sind nicht angehaftet. Geh dorthin, wo du gebraucht wirst, wir lieben dich immer und wo auch immer du bist,’ Ich will dich nicht binden, sondern frei lieben.

Man sieht, die Trennlinie zwischen Liebe und Anhaftung ist sehr dünn. Manchmal könnte Anhaftung wie Liebe aussehen und was wir auch immer behaupten, meistens ist es, aus der Sicht eines Yogis, nicht Liebe sondern Anhaftung.

Wir hatten eine Chakra Tanz Party heute Abend. In Deutschland ist es eine alte Tradition, in den Mai zu tanzen und wir haben das heute auf besondere Weise gemacht. Viele Freunde waren heute hier und alle haben es sehr genossen.