Eltern eines Schulmädchens – Perfektionierung unserer täglichen Aufgaben! – 22 Sep 16

Ich habe euch bereits erzählt, dass Apra seit Juli auf eine Schule in Mathura geht und dass das unser Leben wieder einmal verändert hat. Ja, unser und nicht nur Apras – denn wir sind nun Eltern eines Schulmädchens, was eine völlig neue Dimension des Eltern-Daseins ist!

Ich hätte nicht gedacht, dass so viel extra zu tun ist, wenn man sein Kind zur Schule schickt! Naja, das Erste ist, dass es nun einen geregelten Rhythmus geben muss, wann Apra ins Bett muss und wann wir sie aufwecken. Da wir mit der Eröffnung des Restaurants unseren Lebensstil sowieso geändert haben, war es nicht schwierig, auch das mit einzubauen – und während es zumeist Ramonas Aufgabe ist, Apra ins Bett zu bringen, bin ich derjenige, der unseren kleinen Engel in der Früh aufweckt. Ich bin nicht sicher, welche Aufgabe die Schwierigere ist! 🙂

Wir sind jedoch nicht nur dafür verantwortlich, sie zur Schule zu schicken! Bei ihrer Einschulung haben wir einige Papiere mit Anweisungen bekommen und versuchen unser Bestes, diese zu befolgen – doch als erstmalige Schulkind-Eltern arbeiten wir noch an den Einzelheiten!

Natürlich gibt es eine Kleiderordnung. An normalen Tagen ist das die Schuluniform, was recht angenehm ist, da wir uns keine Gedanken drum machen müssen, was wir ihr anziehen sollen. Es gibt jedoch auch ‚Fun Fridays‘ – an jedem Freitag dürfen die Kinder in Apras Klasse in normaler Kleidung kommen. Diese sollte jedoch der ‚Farbe des Monats‘ angepasst sein, welche im September zum Beispiel gelb war. Zumindest ein kleiner Teil dessen, was sie anhat, sollte gelb sein!

Oh ja und Fun Fridays bedeutet auch, dass man ‘Fun Food’ mitbringen kann. Das ist eine Ausnahme zur normalen Regel, dass man nur gesundes Essen in die Brotzeitdose packen sollte. Ramona hatte damit ihre eigenen Schwierigkeiten, da ‚gesund‘ für eine normale indische Familie sehr wohl auch frittierte Kartoffelstücke beinhaltet – jedoch keine Nudeln mit Gemüse! Naja, wir haben mit Paratha und Gemüse einen guten Mittelweg gefunden!

Natürlich gibt es auch besondere Tage wie den 15. August, Indiens Unabhängigkeitstag, an dem man sein Kind in traditioneller Kleidung zur Schule schicken sollte, Tag an denen die Kinder basteln und man Flöten, Glitzer und Dekobänder schicken soll und mehr.

Dann gibt es noch ‘PTMs’, also ‚Parents-Teacher-Meetings‘, was man mit ‚Elterntag‘ übersetzen könnte. Wir hatten diesen Monat unseren Ersten – weil wir den Termin im August verpasst haben. Also kamen Ramona und ich in der Schule an, dachten, dass wir zur Lehrerin gehen, etwas über Apra reden und wieder gehen würden. Aber oh, da war eine ganze Ausstellung dessen, was die Klassen über die Monate hinweg an Kunstwerken produziert hatten und alle Kinder zeigten stolz ihren Eltern ihre Werke und spielten dort… naja, nächstes Mal bringen wir Apra auch mit! 😀

Wie ich bereits sagte, wir arbeiten noch an den Einzelheiten, sind jedoch zuversichtlich, dass wir im Laufe der nächsten Wochen und Monate unsere Schulkind-Eltern-Fähigkeiten noch ausbauen werden können!

Hallo und herzlich Willkommen – selbst wenn ich euch nicht erkenne! – 1 Sep 16

Nachdem unser Ayurvedisches Restaurant Ammaji’s nun schon fünf Monate lang offen ist, gehen die Dinge nun in unserem Alltag eigentlich gut glatt und wir freuen uns sehr, dass Ammaji’s für immer mehr Leute nun zum Lieblingsrestaurant geworden ist. Da gibt es nur ein Problem: ich erinnere mich nicht an jeden!

Ich habe definitive ein recht gutes Gedächtnis für Gesichter und erinnere mich normalerweise an das, was die Person mir erzählt hat, wo wir uns getroffen haben und einige Einzelheiten, selbst wenn der Name nicht immer zu diesen Einzelheiten gehört. Jetzt jedoch treffe ich all diese Leute und alle hier, in unserem Restaurant!

Da gibt es einige regelmäßige Gäste, mit denen ich gesprochen habe, die mir ihre Geschichte erzählt haben oder wo sie leben und so erinnere ich mich an sie. Doch es passiert immer öfter, dass ich einen Gast sehe, weiß, dass ich ihn oder sie schon einmal gesehen habe, nett grüße – mich aber einfach an den Namen nicht mehr erinnern kann!

Tja, liebe Gäste, ich denke, wir werden in dem Fall einfach Hallo sagen und vielleicht erzählt ihr mir einfach noch einmal, wo ihr herkommt. Bei einem könnt ihr euch jedoch sicher sein: wir heißen euch hier liebend gerne willkommen, servieren euch unser bestes Essen und unterhalten uns auch gerne mit euch!

Also bis bald – und für all meine Leser auf der ganzen Welt, die noch nicht hier waren: solltet ihr einmal bis hierher kommen, erinnere ich mich ganz sicher an euch!

Tag der Unabhängigkeit und mein mangelnder Vaterlandsstolz – 15 Aug 16

Heute ist der 15. August, Indiens Unabhängigkeitstag! Es ist der Tag, an dem Indien seine Freiheit vom britischen Empire feiert, der Tag, and dem 1947 Indiens erster Premierminister Jawaharlal Nehru die indische Flagge hisste. Und das ist es, was in Indien seither an diesem Tag geschieht: Schulen im ganzen Land hissen die Flagge, singen die Nationalhymne und singen und tanzen zu patriotischen Liedern. Natürlich haben unsere Schule und unser Restaurant auch die indische Unabhängigkeit gefeiert – doch um ehrlich zu sein fühle ich den Patriotismus, den die meisten meiner indischen Landsleute verspüren, überhaupt nicht.

Ramona und meine Großmutter haben heute früh die Flagge über unserem Ashram gehisst und die Schulkinder haben dazu gejubelt. Auf die Nationalhymne folgte ein schönes Programm, das die Kinder vorbereitet hatten: sie tanzten, sangen und trugen Gedichte vor. Wie immer war es großartig zu sehen und es lässt das Herz höher schlagen unsere Kinder zu sehen, die sonst vielleicht nicht die Chance gehabt hätten, zur Schule zu gehen, so eine Feier zu organisieren und daran selbst teilzunehmen. Schließlich haben alle noch Kekse bekommen und gingen dann früh nach Hause.

Im Restaurant sagten wir der Küche und Bäckerei, sie sollten etwas Besonderes für den Unabhängigkeitstag machen – und sie haben unsere Erwartungen übertroffen! Wir bekamen alle Arten von dreifarbigen Gerichten: Kuchen in den drei Farben Indiens, dreifarbige Dosa, Pasta-Salat, Momos und Paneer – alles herrlich in orange, weiß und grün! Das sah nicht nur schön aus, sondern war auch noch sehr lecker! Eine Dekoration mit diesen drei Farben vervollständigte unsere Unabhängigkeits-Tags-Atmosphäre im Restaurant.

Am Ende jedoch verspürte ich keinerlei Stolz darauf, Inder zu sein. Nicht einmal an diesem Tag, mit all unserer Deko, Feier und unserem Essen.

Ich weiß, dass das etwas ist, was viele Inder schockieren mag, die grundsätzlich zum Patriotismus neigen. Es ist etwas, das bereits relativ kleinen Kindern beigebracht wird, auch mit genau solchen Feiern. Ich jedoch hatte dieses Gefühl niemals und habe auch jetzt noch nicht das Gefühl, dass der Ort, an dem man geboren ist, die Nationalität, die man irgendwie per Zufall hat, etwas ist, worauf man stolz sein müsste.

Das passt sehr gut mit der Einstellung meiner Frau zusammen, die als jemand, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, solche Gefühle auch nicht kennt. In Deutschland gibt es aufgrund ihrer Geschichte solche Feiern in Schulen gar nicht. Die Flagge kommt nur bei Fußballspielen zum Vorschein!

Ich weiß, was in meinem Heimatland vor sich geht. Ich kenne das Gute und das Schlechte. Und während ich immer ehrlich das Gute lobe, gibt es viele Dinge, wo noch Verbesserungen notwendig sind. Und daran arbeiten wir mit unserer wohltätigen Schule. Um unser Land zu einem besseren Ort zu machen. Das ist etwas, worauf ich stolz sein kann – die Bemühungen meiner eigenen zwei Hände, Füße und meines Verstandes!

Hier seht ihr Bilder unserer Schulfeier

Unregelmäßigkeiten in meinem Blog – aufgrund von Veränderungen – 22 Mai 16

Ihr habt vielleicht bemerkt, dass ich in letzter Zeit meinen üblichen Rhythmus nicht beibehalten habe, mit dem ich jeden Freitag ein Video von Kindern daheim gepostet habe, Samstags Rezepte und Sonntags einen Eintrag über mein Leben. Zwischendurch habe ich sogar einige Blogeinträge ausgelassen oder sie kamen später, so dass ihr nicht jeden Tag einen neuen Eintrag lesen konntet. Natürlich ist das eine Folge der Veränderungen in unserem Leben in letzter Zeit.

Mit der Eröffnung unseres Restaurants haben wir alle viele neue Aufgaben. Wir führen nun zwei Unternehmen, die unsere wohltätigen Projekte unterstützen – welche natürlich auch unsere Aufmerksamkeit benötigen.

So kommt es, dass sich meine Aktivität in sozialen Netzwerken extrem reduziert hat, doch ich versuche trotzdem, euch hier in meinem Blog über all die Dinge auf dem Laufenden zu halten, die hier und in unserem Leben geschehen oder in unserem Kopf vor sich gehen.

Ich bin mir sicher, dass es wieder Zeiten geben wird, in denen ich mehr schreibe, doch für jetzt kann es sein, dass meine Blogeinträge etwas weniger regelmäßig erscheinen. Ich lese jedcoh sehr gerne euer Feedback und beantworte auch Fragen jederzeit! Und um sich auf dem Laufenden zu halten ist es natürlich am Besten, wenn man selbst herkommt – ich würde mich freuen, euch all die Veränderungen hier selbst zu zeigen!

Auf dem Weg nach Deutschland, zum ersten Mal mit gemischten Gefühlen – 5 Mai 16

Ich schreibe diese Zeilen, während ich in einem Flugzeug von Delhi nach Frankfurt sitze. Natürlich bekommt ihr das erst später zu lesen, doch ich weiß bereits, dass ich unsere Gründe für diese Reise und unsere Gefühle dazu mit euch teilen möchte.

Der Grund ist recht einfach: es gibt etwas offizielle Büroarbeit zu tun, für die meine Anwesenheit in Deutschland erforderlich ist. Ich muss meine Aufenthaltserlaubnis verlängern. Ich kann euch sagen, wäre das nicht der Fall, würde ich diese Reise jetzt wahrscheinlich nicht unternehmen. Trotzdem freue ich mich auch darüber!

Die vergangenen Wochen, wenn nicht Monaten, waren sehr intensive! Die Zeit vor der Eröffnung des Restaurants waren voller Arbeiten in letzter Minute, die eben noch vor dem wahren Beginn erledigt werden mussten. Dann war da die spannende Zeit der Eröffnung, gleichzeitig Babbajis Knie-Operation und danach die überwältigende Resonanz, von der ich euch erzählt habe!

Ich habe euch auch erzählt, wie viel Freude ich an dieser neuen Arbeit habe und ich kann euch ernsthaft sagen, dass ich, so sehr wir auch damit beschäftigt waren und soviel Arbeit es auch war, wir auch genauso viel Spaß hatten! So haben wir relativ spät unsere genauen Daten festgelegt und unseren Flug gebucht. Wir haben versucht, so viel wie möglich vorher zu erledigen und alles so vorzubereiten, dass Purnendu und Yashendu das alte und das neue Geschäft auch ohne uns führen konnten!

Wir jedoch werden mit dieser Reise nun natürlich eine Pause unseres täglichen Tagesablaufs haben und auch darauf freue ich mich schon. Es wird toll, so Freunde und Familie wiederzusehen und allen von Ammaji’s zu erzählen! Natürlich wissen sie alle von unserem Restaurant und haben online Bilder gesehen, doch Ramona, Apra und ich freuen uns darauf, ihnen persönlich davon zu erzählen!

Insbesondere Apra freut sich nun schon seit Längerem! Sie erinnert sich an viele Dinge von ihrem letzten Besuch und ist freut sich darauf, einige davon wieder zu erleben. Sie hat mit einigen unserer Freunde bereits ausgemacht, mit ihr schwimmen zu gehen, geplant, mit welchen Haustieren von Freunden sie spielen würde und sogar, was sie ihren indischen Brüdern mitbringen würde!

Ich sage euch, Freunde, das Leben ist großartig und zum Genießen da – es ist immer etwas los!

Wie Qualitätskontrolle in Ammaji’s stattfindet – 28 Apr 16

Ich habe euch bereits erzählt, dass wir in unserem Restaurant persönlich sehr involviert sind. Unsere Arbeit hier ist nicht nur, mit Gästen zu sprechen und ihnen Essen zu servieren, sondern wir arbeiten auch mit den Köchen und sind verantwortlich für eines der wichtigsten Dinge in einem Restaurant: Qualitäts-Kontrolle! 🙂

Ja, ich glaube, ich habe euch das bereits einmal erzählt: wir essen selbst in unserem Restaurant! Meine Brüder, Frau und ich essen von dem ersten Tag der Eröffnung hier im Restaurant. Damals aßen wir von den normalen Tellern des Restaurants. Für uns bedeutete das, dass wir so ziemlich zum ersten Mal praktisch daheim von getrennten Tellern aßen. Jeder, der uns schon einmal im Ashram besucht hat und selbst diejenigen, die nur Bilder von unseren Mahlzeiten gesehen haben, wissen, dass wir vier ansonsten immer von einem großen Teller aßen!

Natürlich waren die ersten Tage des Restaurants einfach nur aufregend und so ziemlich alles war neu. Nach einigen Mahlzeiten auf diese Weise jedoch merkten wir, dass uns etwas fehlte, dass unsere Essens-Erfahrung nicht mehr so war wie zuvor! Schnell verstanden wir warum: es störte uns, dass wir alle von getrennten Tellern aßen! Also kehrten wir zu unserem Essen von einem großen Teller zurück – im Restaurant!

Die Restaurant-Gäste sehen das natürlich, wenn sie zur gleichen Zeit hier essen. Ein Gast fragte sogar: ‚Was für ein Thali ist denn das? Steht das in der Speisekarte, können wir es bestellen?‘

Gäste mögen nicht nur die Tatsache, dass wir von unserem Thali essen, sondern auch die Tatsache, dass wir überhaupt in unserem Restaurant essen. Es macht einen guten Eindruck und gleichzeitig wissen sie, dass das Essen hier so gut ist, dass wir auch liebend gerne hier essen!

Das Tolle ist, dass wir gleichzeitig die Qualität des Essens, das unsere Köche zubereiten und das wir unseren Gästen servieren, prüfen können! Wir wissen, was es hier gibt und wir können es verbessern, wenn es damit irgendwelche Probleme gibt! Ich habe sogar begonnen, Essen zu probieren, welches ich normalerweise in einem Restaurant nie bestellen würde, nur damit ich auch dazu Feedback geben kann. Und es natürlich unseren Gästen empfehlen kann!

Yashendu, Purnendu und ich haben unseren Köchen beigebracht, gesünder und Ayurvedisch zu kochen. Wir verbringen selbst viel Zeit in der Küche, machen Eis, zeigen unseren Köchen Neues, backen und kochen. Und schließlich probieren wir es auch selbst – um sicherzustellen, dass es super lecker ist!

Gespräche mit Restaurant-Gästen – eine andere Dimension der Unterhaltung – 25 Apr 16

Gestern habe ich begonnen, euch von unseren Tagen im Restaurant zu erzählen und ich habe vor, euch in den nächsten Tagen noch mehr Einblicke in unser neues Leben als Besitzer und Kellner von Ammaji’s Ayurvedischem Restaurant zu gewähren. Heute möchte ich euch ein bisschen mehr dazu schreiben, wie anders diese Arbeit ist

Früher habe ich schon auf unterschiedliche Weise gearbeitet. Ich war Darsteller auf der Bühne, vor Tausenden Menschen. Ich habe Einzelsitzungen und Beratungen gegeben. Ich habe Workshops und Meditationen geleitet. Ich habe am Computer gearbeitet. Ich heiße auch heute noch in unserem Zuhause Retreat-Gäste willkommen. Und nun heiße ich sie in unserem Restaurant willkommen. Diese Arbeit bringt eine ganz andere Beziehung zu Menschen mit sich, als ich zuvor gehabt hatte!

Ich habe schon immer eine recht tiefe Beziehung mit den Menschen hergestellt, die ich getroffen und mit denen ich gearbeitet habe. Viele dieser Menschen wurden zu Freunden. Sie kamen oft, nur um mich zu treffen und wir hatten auch lange Gespräche. Nun treffe ich immer noch viele Leute – doch sie kommen aus einem anderen Grund und so kommt es, dass die Beziehung, die ich zu ihnen entwickle, auch anders ist.

Meine Unterhaltungen zur Zeit sind kürzer. Sie sind zum Essen da, haben Hunger und wollen wählen, was sie essen. Sie wollen an einem netten Ort sitzen und gut essen, weshalb sie ja zu uns gekommen sind. Und sie haben Interesse an unserem Konzept, unseren Ideen und unserem Essen. Den meisten Leuten erkläre ich also die Ayurvedischen Werte unserer Mahlzeiten und wie wir in unserer Speisekarte für jedes Dosha ein Zeichen abgedruckt haben. Ihnen gefällt das Konzept, gesund zu essen und etwas zu sich zu nehmen, was neben dem guten Geschmack auch noch gut für ihren Bauch ist.

Wenn ich gefragt werde, woher wir die Idee für dieses Konzept haben, erzähle ich ihnen von meiner früheren Arbeit in Europa, Amerika und Australien. Naja, soviel wie ich in der begrenzten Zeit eben erzählen kann. Es ist wie eine fünfminütige Zusammenfassung der vergangenen Jahre meines Lebens!

Natürlich haben die Leute auch Interesse an unseren Retreats im Ashram sowie unseren Kochworkshops – wer hätte das nicht, nach so leckerem Essen? Wenn ich ihnen schließlich von unserer wohltätigen Arbeit erzähle, schätzen das alle sehr! Ihre Mahlzeit in unserem Restaurant unterstützt auch die kostenlose Bildung und das Essen unserer Kinder!

Am Ende nehmen die Leute eine Visitenkarte mit und lassen ihre hier, nehmen unsere Telefonnummer und sagen, sie würden für ein Essen wiederkommen, sie würden anrufen oder manchmal, sie würden in den nächsten Tagen für ein längeres Treffen und Gespräch kommen. Das ist jedoch keine ernsthafte Verabredung. Sie waren hier zum Essen, nicht um Freundschaften zu schließen. Vielleicht kommen sie, vielleicht nicht. Ich erinnere mich vielleicht daran, vielleicht nicht.

Eines jedoch weiß ich sicher: ihnen hat ihre Zeit hier gefallen, ihre Mahlzeit und ihr Gespräch mit ihr. Das macht mich glücklich und ist schließlich etwas, was diese Arbeit mit allen Vorherigen gemeinsam hat: ich bin vollkommen glücklich, weil ich Menschen helfen kann und ein Bedürfnis stillen kann, während ich mittellose Kinder unterstütze!

Ich liebe Sex, Geld, Materielles sowie meine Frau und habe deswegen keine Schuldgefühle! – 19 Nov 15

Vor einiger Zeit hatten wir einen Gast im Ashram, der eine sehr fixe Weltsicht hatte. Gestern habe ich euch erzählt, dass es Menschen gibt, die dir immer ein schlechtes Gefühl geben wollen, egal, was du sagst oder tust. Dieser Mann war einer von ihnen – und ich möchte euch gerne ein Beispiel solchen Verhaltens geben.

Dieser Herr hatte einige kommunistische Vorstellungen, nannte sich selbst Atheist und war immer an einer Unterhaltung interessiert – was sich oft als Versuch herausstellte, andere runterzumachen. Auf diese Weise gingen wir einmal im Ashram spazieren und unterhielten uns, als er mich nach meiner Kleidung fragte. Es ist definitiv nicht das erste Mal, dass ich danach gefragt wurde. Eigentlich geschieht das recht oft. Dieses Mal jedoch schwang da eine gewisse Anschuldigung mit: wenn ich mich selbst Atheist nenne, warum trage ich dann solche Kleidung, die einen ganz anderen Eindruck erweckt?

In meinem Blog habe ich bereits erwähnt, dass ich mit meiner Kleidung keine Botschaft aussenden will. Ich liebe meine Kleidung einfach so, wie sie ist und habe keine Lust, etwas anderes anzuziehen.

Die Antwort hierauf war ein weiterer Angriff: was? Du liebst deine Kleidung? Heißt das, du liebst Materielles?

Oh ja, das tue ich! Ich liebe Materielles und ich verdiene gerne Geld. Ich liebe meine Arbeit, meine Frau und mein Kind! Ich habe mich nicht auf ein religiöses Dogma festgelegt oder auf irgendeine Art der Philosophie, die mir sagt, was ich lieben soll und was nicht! Ich lasse die Vorstellungen anderer Menschen nicht meine Gefühle diktieren!

Es gibt viele Leute, die glauben, dass Nicht-Anhaftung und Freiheit von Materiellem der richtige Weg ist. Es gibst auch viele Leute, die an Enthaltsamkeit und auch emotionale Freiheit glauben. In Indien sind das zumeist religiöse Sadhus. Im Westen sind das Menschen in der esoterischen Szene. Sie mögen unreligiös sein, haben jedoch trotzdem eine gewisse Ideologie und eine Vorstellung, was man anstreben sollte.

All diese Menschen glauben, dass wir unsere Kleidung nicht lieben sollten, dass wir Geld nicht lieben sollten und keine emotionale Verbindung zu den Menschen um uns herum aufbauen sollte. Sie können glauben, was sie wollen, doch ich will mein Leben genießen! Ich glaube es ist falsch, das nicht zu tun und so liebe ich meine Kleidung und auch meine Arbeit. Ich genieße es, Geld zu verdienen, genauso wie ich es genieße, armen Kindern zu helfen! Ich liebe meine Tochter und meine Frau, ich liebe Sex und ich liebe Komfort. Ich liebe es, Urlaub zu machen, wie ich es jetzt gerade in Deutschland tue, mit jeder Menge Zeit für Freunde und Familie!

Ich liebe es, das Leben zu genießen. Ich liebe das Leben und ich glaube, wir alle sollten es so viel wie möglich genießen. Wenn du anders denkst, so kannst du das – doch versuche nicht, mir aufgrund meiner Vorstellungen ein schlechtes Gefühl einzureden. Das wird dir nicht gelingen und so vergeudest du nur meine und deine Zeit. Ich werde nicht versuchen, dich zu überreden. Ich kann dir nur vorschlagen: versuche nur einmal, das Leben so zu genießen und zu lieben wie ich. Es ist es wert!

5 Tipps zum Verbessern deiner Gespräche – 19 Aug 15

In meinem Leben ging es immer viel um Worte und ich habe immer viel gesprochen. Von meiner Kindheit an bin ich professioneller Redner und wurde dafür bezahlt, vor Tausenden Leuten, vor kleineren Gruppen, mit nur ein paar Leuten oder mit Einzelpersonen zu sprechen. Egal, ob du Massen ansprichst oder eine Einzelperson, es gibt gewisse Dinge, auf die du achten solltest und über diese möchte ich heute schreiben.

1. Gib Acht, ob der andere wirklich Interesse hat oder nicht.

Warst du jemals in der Situation, dass jemand mit dir geredet hat, das Thema, das er betonte, dir aber eigentlich völlig egal war? Ich war schon oft in dieser Situation, ich hatte wenig bis kein Interesse an dem, was der andere da sagte und fragte mich, warum er mir das alles erzählte. Wenn ich zu dem Thema keinen Bezug habe, wenn ich nicht glaube, dass das etwas ist, was ich gerne hören möchte oder brauchen würde.

Wenn auch immer du also mit einer anderen Person sprichst, überprüfe bitte, ob der andere dem, was du da redest, überhaupt zuhört! Das siehst du im Gesicht und an der Körpersprache! Wenn der andere sich langweilt, hör auf zu reden!

2. Komm auf den Punkt und bleibe beim Thema

Wenn du etwas sagen willst, sag es. Viele Redner beginnen und kommen von einem Thema zum nächsten, machen einen Themenstrang daraus. Sie kommen nie zu einer Schlussfolgerung, aber das Hauptthema, das, mit dem alles begonnen hat, ist verloren und vergessen.

Ich habe kein Interesse an den fünfzig anderen Themen, über die du sprichst, also verlängere bitte deine Rede nicht künstlich.

3. Mach es kurz

Wenn du eine Botschaft rausbringen willst, dehne es nicht aus! Dein Gesprächspartner mag nicht einmal so viel Zeit haben, wie du. Am wichtigsten ist: je kürzer du deine Rede hältst, desto beeindruckender wird sie! Dann geht dein Kernpunkt direkt in die Köpfe, ohne viel Dekoration außen herum!

Wenn du also deine Meinung ausdrücken willst und deine Nachricht rausbringen willst, tu es in wenig Worten – das ist viel wirkungsvoller!

4. Unterbreche keine laufende Unterhaltung

Ich sehe das die ganze Zeit: zwei Menschen reden, ein Dritter kommt dazu und reißt die Unterhaltung einfach an sich. Das sollte man nicht machen. Unterbrich niemanden!

Obwohl das auf der ganzen Welt zum Anstand zu gehören scheint, habe ich gelernt, dass die Menschen im Westen da viel mehr darauf achten. Hier in Indien wollen viele Leute einfach nur sich selbst ausdrücken und da ist es ihnen egal, ob ein anderer gerade geredet hat. Es sieht ungehobelt aus, hört sich ungehobelt an und fühlt sich auch genauso ungehobelt an!

5. Höre dem anderen zu

Damit kommen wir schon zum letzten Punkt, der auch noch sehr wichtig ist: sprich nicht nur über deine Meinung und hör dir nicht selbst beim Sprechen zu. Lass den anderen auch sprechen und höre ihm oder ihr zu! Interessiere dich für das, was der andere zu sagen hat. Nur dann wirst du den anderen dazu bekommen, dir ein anderes Mal wieder zuzuhören!

Meine deutsche Frau und ich – unsere eigene interkulturelle Beziehung – 5 Jul 15

In den letzten zwei Wochen habe ich über Paare gesprochen, die aus einem indischen Mann und einer westlichen Frau bestehen. Begonnen hat die ganze Serie, als ich über westliche Frauen zu schreiben anfing, die mit indischen Männern chatten – denn so viele von ihnen werden enttäuscht, wenn der indische Mann die Beziehung nicht ernst nimmt. Ich habe daraufhin Paaren, die es wirklich ernst meinen, einige Ideen gegeben, die Herausforderungen beschrieben, denen sie sich vielleicht stellen müssen. Natürlich haben mich nicht nur die vielen Paare zu diesen Blogeinträgen inspiriert, die mir von ihren Erfahrungen erzählt haben, sondern auch meine eigene Beziehung. Trotzdem kann ich mit Freude sagen, dass Ramona, meine deutsche Frau, und ich es auf jeden Fall viel einfacher hatten als viele andere internationale Paare!

Es beginnt alles mit der Tatsache, dass wir uns nicht online getroffen haben. Natürlich war der erste Kontaktpunkt eine E-Mail von ihr an mich, aber bald danach trafen wir uns im echten Leben – und lernten einander danach persönlich kennen. Obwohl wir uns per Chat und Telefon unterhielten, hatten wir nie Zweifel daran, dass das, was der andere von sich erzählte, die Wahrheit sagte, da wir den anderen sowieso bald sehen und so mehr herausfinden würden. Das bedeutete, dass wir nie die Unsicherheit derer hatten, die online eine Beziehung beginnen – denn unsere begann ja im wahren Leben.

Wir waren beide persönlich da, in Deutschland. Ich hatte bereits einen Großteil der sieben Jahre bevor wir uns getroffen haben im Westen verbracht, mit den Menschen dort gearbeitet, sie kennen gelernt und ihre Mentalität verstehen gelernt. Ich hatte viele deutsche Freunde und hatte also auch schon viele der kulturellen Unterschiede zwischen uns erlebt. Erlebt und auch oft wert geschätzt, so sehr, dass ich sogar einige der Eigenschaften der Landsleute meiner Frau in mein eigenes Leben aufgenommen hatte. Während also meine Frau zum ersten Mal in ihrem Leben einen Inder näher kennen lernte, konnte ich mir schon vorstellen, welche Wege ihre Gedanken gingen, als wir uns unterhielten.

Wir konnten uns beide auf unsere Liebe und Beziehung konzentrieren – und mussten nicht einmal darüber nachdenken, ‚nach Indien umzuziehen‘. Wir verbrachten die ersten Jahre unserer Beziehung damit, um die Welt zu reisen und blieben dabei nie länger als drei, maximal vier Monate in einem Land. Wir reisten von Deutschland nach Indien und in viele andere Länder und kamen einander näher, tauchten tiefer in unsere Liebe ein, ohne uns wirklich Sorgen um eine bestimmte Lebenssituation machen zu müssen. Ramona hatte also nie diesen großen Umzug, diesen Punkt des ‚Emigrierens‘, da es langsam und Stück für Stück geschah, nicht auf einmal.

Während den Monaten im Ashram jedoch und auch nach unserer Entscheidung, weniger zu reisen und daheim in Indien zu bleiben, befanden wir uns in einer außerordentlich guten Situation. Warum? Weil ich eine außerordentliche Familie habe. Ja, ich kann es nur wiederholen, stolz und voller Liebe für meine Brüder, Eltern und Großeltern. Sie hätten meiner Frau nicht liebevoller begegnen können!

Ich hatte das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, die schon immer sehr offen war. Diese Bereitschaft das, was kommt zu erkunden und zu akzeptieren, hat es möglich gemacht, dass meine deutsche Frau ganz einfach in jedermanns Herz einen Platz fand und sofort geliebt wurde. Ohne weitere Fragen, ohne Regeln und ohne Bedingungen. Sie war die Frau, die ich liebte, also liebten sie sie auch.

Ich glaube, ich muss keine extra Worte auf die Beziehung meiner Frau und meiner Schwiegermutter verlieren. Es war eine Beziehung voller Liebe, was man im Blogeintrag meiner Frau nach dem Tod meiner Mutter lesen kann.

Ich schreibe all das, einerseits um euch wissen zu lassen, dass es natürlich teilweise persönliche Erfahrung ist, die mich dazu bringt, solche Blogeinträge zu schreiben, dass ich jedoch glücklicherweise mit meiner Frau diese Probleme nicht hatte. Auch meine Frau mit meiner Familie nicht. Andererseits habe ich beim Schreiben wieder einmal gemerkt, wie viel Glück wir doch haben – und das passte gut für einen Eintrag am Sonntag, in dem ich über mein Privatleben schreibe!

Ich wünsche euch, in welcher Beziehung auch immer ihr euch befindet, interkulturell, international oder auch nur inter-menschlich, so viel Glück und Liebe, wie wir es hatten und immer noch haben!