Lügen, Ausreden und Verspätungen – Unehrlichkeit ist keine professionelle Einstellung – 19 Apr 15

Ich sagte, ich würde in meinen Sonntagseinträgen aus meinem Privatleben erzählen und davon, was im Ashram vor sich geht, womit meine Tage gefüllt sind, wenn ich mal nicht am Computer sitze oder mit Apra spiele. Viele Wochen lang ist es nun natürlich schon unser Ayurvedisches Restaurant ‚Ammaji’s‘, das wir bald zu öffnen planen. Wir sind mit der Innenausstattung beschäftigt, aber zur Zeit ärgere ich mich immer mehr über die Art und Weise, wie sich die Menschen hier beruflich verhalten, wie sie die Dinge verzögern und sich einfach nie an ihr Wort halten!

Die Menschen sind einfach nicht ehrlich! Sie sagen ‚Ich komme morgen‘, während sie bereits wissen, dass sie lügen und das auf keinen Fall schaffen können! Sie lügen dir schamlos ins Gesicht – und scheren sich überhaupt nicht um die Tatsache, dass du das auch weißt!

Ich gebe euch unser größtes Beispiel: unser Bambus-Unternehmer. Nach vielen Verspätungen kam der erste Lastwagen mit einigen Arbeitern bei uns an. Nun soll die zweite Ladung ankommen, so dass sie weiterarbeiten können. Der Unternehmer, dessen Verantwortung es ist, das Material hierher zu bringen, ist noch nicht aufgetaucht – obwohl er schon seit einer Woche hier sein sollte!

Die Sache, über die ich mich am meisten wundere, ist die Einstellung, die diese Leute haben! Erstens ist er sich nie sicher und sagt Dinge wie ‚Ich komme am 12., spätestens am 13.‘, aber dann kommt er, nachdem wir ein Datum festgelegt haben, schließlich an keinem der zwei Tage! Er verschiebt, gibt uns zwei weitere Termine, wann er kommen könnte.

Natürlich gibt es auch jedes Mal eine Ausrede: einmal behauptete er, selbst krank zu sein, ein anderes Mal war es seine Frau, einmal ging der Lastwagen für die Bambusstangen kaputt und musste repariert werden und ein anderes Mal war es eine Ausstellung, auf die er gehen musste – und die anscheinend völlig überraschend auftauchte, da er sie ja nicht vorher hatte planen können! Er erzählte einmal sogar, er würde um ein Uhr Nachmittag hier sein, schickte dann eine SMS um zwei Uhr, dass er auf dem Weg war, tauchte jedoch nie hier auf! Ein anderes Mal schrieb sie seien unterwegs, also bat ich unsere Innenarchitektin her – aber sie kamen Stunden später, als diese bereits wieder abgefahren war…

Wisst ihr, wenn so etwas einmal passiert, ist es absolut kein Problem, aber wenn das jedes Mal passiert, jedes einzige Mal, wenn er sagt, dass er kommt, weiß man, dass es nur Ausreden, Lügen, nichts Wahres ist! Und dann weiß man bereits, dass es dieser Person nicht einmal Leid tut, dass er Verspätungen verursacht hat.

Es ist ein Problem mit der Einstellung und der Tatsache, dass Leute mit einer solchen Einstellung sich nicht um Ehrlichkeit und den Wert ihrer Worte scheren!

Wie Reisen helfen, die Auffassung von richtig und falsch zu verändern – 6 Nov 14

Gestern habe ich geschrieben, dass es in Fragen des Lebensstils und den meisten Entscheidungen im Leben kein richtig oder falsch gibt. Während ich im Allgemeinen vorschlage, mit Selbstvertrauen an das ranzugehen, was man macht, würde ich auch empfehlen, sich selbst nicht zu sehr festzulegen und damit die Möglichkeit einzuschränken, dass andere vielleicht auch Recht haben könnten. Bleib offen und flexibel!

Man bekommt seine Vorstellungen von richtig und falsch zuallererst von seinen Eltern, dann von seiner unmittelbaren Umgebung. Andere Leute haben jedoch auch Eltern, die ihnen etwas anderes beibringen, wenn es um richtig oder falsch geht. Und das ist etwas, für das man offen bleiben muss. Andere Orte, andere Häuser, andere Länder und andere Kulturen – überall gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen von richtig und falsch und wenn du nicht fest auf deiner beharrst, kannst du mehr über die ihre herausfinden! Vielleicht merkst du ja, dass du deine auch ein bisschen anpassen könntest.

Reisen helfen in dieser Hinsicht wirklich sehr. Natürlich spreche ich hier nicht von einem einwöchigen Strandurlaub im All-Inklusive-Hotel. Das bringt dich in keiner Weise einer anderen Kultur näher, weil die Organisatoren solcher Urlaube versuchen, deine Kultur in ihre Hotels und an ihre Strände zu holen, so dass du dich wohlfühlst. Nein, du musst schon etwas länger bleiben, um die Unterschiede wirklich zu sehen, zu erleben und zu verstehen!

Das fängt bei den kleinen Dingen an. In deinem Land würdest du einen Fremden mit einem Handschlag und vielleicht einem Küsschen auf die Backe begrüßen. Das würde man als richtig empfinden. In anderen Ländern ist Körperkontakt nicht so üblich. Man könnte den anderen sogar mit dieser plötzlichen Nähe vor den Kopf stoßen oder beleidigen. Beim Essen, am Tisch, würdest du es falsch nennen, mit den Fingern zu essen, sie abzuschlecken oder zu rülpsen. In anderen Ländern würde der Koch das als Zeichen dafür ansehen, dass dir das Essen geschmeckt hat und du gut gegessen hast, bis du satt warst.

Es geht jedoch nicht nur um Tischmanieren und Willkommensgrüße! Sobald man etwas tiefer reicht und einen anderen Menschen, eine andere Einstellung und eine andere Sicht auf die Dinge im Leben wirklich kennen lernt, hilft es, den Geist zu öffnen. Die Erlebnisse des Lebens anderer Personen rückt dein eigenes Leben wieder in Relation und deine Einstellung, Lebensansichten und Gedanken können sich ändern, wenn du die anderer kennenlernst.

Selbst wenn du nicht das Geld dafür hast, weit zu reisen, Orte wie Indien zu besuchen, kannst du deinen Horizont trotzdem durch Reisen erweitern! Mache kleinere Reisen, mit dem Zug oder Bus, fahr in eine andere Stadt, etwas weiter weg, als du es für gewöhnlich tust – andere Kulturen sind nicht so weit weg, wie du meinst!

Liebe Ärzte, eine ungebildete Angestellte ist auch ein Mensch, bitte behandelt uns alle gleich! – 31 Okt 13

Im gestrigen Blogeintrag habe ich euch erzählt, wie schwierig es für eine weniger gebildete Mitarbeiterin war, eine Abtreibung bei einer örtlichen Frauenärztin zu bekommen. Ramona war bei ihr und während sie von den erwähnten Schwierigkeiten überrascht war, erzählte sie mir von etwas anderem, was ihr in der ganzen Situation ein unangenehmes Gefühl gab: der Art, wie die Ärztin mit unserer Angestellten sprach.

Nur um das klarzustellen, möchte ich hier erwähnen, dass es sich hier nicht um eine Dorfärztin ohne jegliche Erfahrung handelt. Wir sprechen von einer Frau mit einer eigenen Praxis, die ein Medizinstudium absolviert hat und sogar in großen Krankenhäusern in den Metropolen Indiens gearbeitet hat. Sie konnte eine ganze Unterhaltung mit Ramona in Englisch führen und es fehlte ihr auch nicht an Worten, wenn das Gespräch ins Hindi wechselte – solange ihre Worte direkt an Ramona gerichtet waren. Sobald sie mit der Frau sprach, die Ramona begleitete, also ihre Patientin, änderten sich ihr Ton und ihre Ausdrucksweise.

Vor nicht allzu langer Zeit erzählte ich von meinem Besuch beim Augenarzt und wie mir nicht erklärt wurde, was sie eigentlich machten. Damals erzählte ich, wie viele Ärzte ihren Patienten die Diagnose und Behandlung nicht erklärten, aber ich hatte auch eine kleine Entschuldigung für sie parat, weil ich die Tatsache auch bedachte, dass viele von ihnen zum Großteil vollkommen ungebildete Patienten haben, die von ihrem Körper keine Ahnung haben und auch nicht wirklich haben wollen. Sie wollen nur so schnell wie möglich gesund werden. Dieses Mal jedoch hatte Ramona ein anderes Gefühl.

Sie wusste, dass unsere Mitarbeiterin nicht sehr gebildet war und wenig über Schwangerschaften, Verhütungsmittel, medizinische Behandlungen und all solche Dinge wusste. Sie wusste, dass diese Frau die medizinischen Begriffe, die Ärzte oft verwenden, nicht verstehen würde und vielleicht sogar die volle Bedeutung einiger eigentlich recht gebräuchlicher Wörter nicht ganz klar war. Trotzdem war diese Frau nun da, eine zahlende Patientin dieser Ärztin, ein Mensch, der es verdient hatte, mit Respekt und Würde behandelt zu werden! Egal, wie ungebildet deine Patientin ist, sie zahlt nicht weniger als eine Professorin, die zu dir kommt und du hast einen Eid abgelegt, jedem zu helfen, der zu dir kommt!

Du solltest nicht nur ihre Körper heilen, sondern sie auch bei Gefühlsfragen unterstützen! Diese Frauen kommen zu dir mit einem Thema, das ihnen sehr am Herzen liegt! Wir reden hier nicht von einem Fieber, einer Grippe oder einem gebrochenen Arm! Es ist die Frage eines neuen Lebens, ihrer Nachkommen, für manche von ihnen ihr Lebenssinn! Sie haben ihre eigene Meinung, ihre Emotionen und Vorstellungen und obwohl diese dir vielleicht in deiner Welt seltsam erscheinen, sind sie in ihrer Welt gerechtfertigt. Du kannst und musst erklären, von was du da sprichst, höflich sein und ihnen die gleiche Entscheidungsfreiheit geben, wie andere Patienten sie bekommen, anstatt sie herumzubefehlen und zu versuchen, sie zu dem zu zwingen, was du für richtig hältst. Ja, du hast eine gewisse Autorität dazu, Ratschläge zu geben – aber du musst auch ihre Emotionen miteinbeziehen!

Ramona fühlte sich wirklich unbehaglich, dass sie auf andere Weise, wie auf einer anderen Ebene behandelt wurde als die Frau, die da neben ihr saß. Sie erzählte mir, wie sie immer wieder die Unterhaltung zur eigentlichen Patientin zurückführte, ihr ruhig und im Einzelnen erklärte, was vor sich ging und auf gleicher Ebene mit ihr redete, nicht von einem höheren Standpunkt aus nach unten.

Liebe Ärzte, euer Wissen und eure Erfahrung sind das, warum die Menschen zu euch kommen und was euch eine höhere Stellung gibt – missbraucht diese Stellung nicht und seid euch immer darüber bewusst, dass jeder, der zu euch ist, ein Mensch mit Wünschen, Emotionen und Träumen ist!

Wohltätige Organisationen und ihre Darstellung von Elend – warum wir es anders machen – 12 Apr 13

Eine wohltätige Organisation zu betreiben ist etwas Wundervolles! Man gibt einen großen Teil seines Lebens, seiner Bemühungen und seines Geldes und hat natürlich auch noch jede Menge Arbeit damit, aber am Ende hat man das Gefühl, dass die Liebe, die man in sein Projekt hineingesteckt hat tausendfach zurückbekommt! Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man das Lächeln der Kinder sieht, wenn man sie lachen hört und erkennt, wie viel sie mit deiner Hilfe gelernt haben! Es gibt jedoch auch einige Augenblicke, in denen ich ganz klar sagen muss, dass unsere Arbeit sich von dem unterscheidet, was andere wohltätige Organisationen tun und vielleicht ist sie damit für manche Leute nicht so attraktiv.

Ihr wisst wahrscheinlich bereits, dass Deutschland meine zweite Heimat ist. Ich bin dort viel gereist, habe viele Freunde und meine Frau ist auch Deutsche. Wir haben auch unseren gemeinnützigen Verein in Deutschland, der gegründet worden war, um unsere Projekte in Indien zu unterstützen und unsere Workshops außerhalb Indiens zu organisieren. Freunde und Helfer können also an andere weitergeben, dass es einen eingetragenen deutschen Verein gibt, über den sie spenden können. So wurde neulich auch ein Freund von einer Bekannten kontaktiert, deren Firma etwas für arme Kinder spenden wollte. Es ist eine große Firma, die jährlich einen festen Betrag für wohltätige Zwecke spenden. Die Organisation, die schließlich das Geld bekommt wird in einer Art Wettbewerb ausgewählt. Die Angestellten müssen Bilder und Beschreibungen der Projekte abgeben, die sie gerne unterstützen wollen. Die Verwaltung oder die Manager entscheiden dann, wer die Gelder bekommt.

Unser Freund hat sowieso immer Beispielbilder bei sich, unseren Flyer, die Internetseite und einige Bilder des ‚Essen für einen Tag‘, für das er und seine Frau gespendet hatten. Als er ihr die Bilder als Beispielbilder zeigte, meinte seine Bekannte ‚Oh, die Kinder hier tragen so schöne Kleidung und sehen so glücklich aus – so gewinnt das nie! Wir sollten Bilder von Kindern in zerrissener Kleidung schicken, die traurig in die Kamera schauen und nach Not und Elend aussehen!‘

Als mein Freund mir das sagte, war er bereits in einem emotionalen Wirrwarr und ich glaube, ich konnte das mit einer deutlichen Aussage ganz einfach lösen: ‚Sag ihnen, wenn sie nur solche Bilder wollen, können sie ihr Geld woanders hinbringen! Solche Bilder mache ich von meinen Kindern nicht!‘

Das meine ich Ernst! Ich will euer Geld nicht zu solchen Bedingungen! Ich weiß genau, wo dieser Gedanke herkommt – jede große Charity zeigt Bilder von verhungernden Kindern, die im Dreck sitzen, kaum Kleidung am Körper haben, ihre Knochen deutlich sichtbar, im ganzen Gesicht Fliegen und Tränen in den Augen! Sie verwenden diese Bilder in ihrer Werbung um die Herzen der Menschen zum Schmelzen zu bringen. Sie zeigen das Schlimmste vom Schlimmen, die schrecklichsten Szenen.

Ich bestreite ja nicht, dass es auf der Welt solch schreckliche Szenen gibt, doch jeder der jemals in einer solchen Organisation gearbeitet hat, weiß genauso, dass das Extremfälle sind und dass sie auch ganz viel andere, wichtige Arbeit haben. Doch die Bilder jener Arbeit würden den Betrachter vielleicht nicht gleich zum Weinen bringen.

Ich meine es wirklich ernst, wenn ich sage, dass ich von meinen Kindern keine solchen Bilder machen will. Nein, ich will sie nicht so sehen und noch weniger will ich sie in diesem Licht präsentieren! Es sind meine Kinder und ich kümmere mich genauso um sie, wie ich mich um mich selbst kümmere. Ich gebe ihnen gute Kleidung, gutes Essen und ich unterrichte sie in klimatisierten Klassenzimmern! Für eine Spende mache ich da nichts anders. Es sind meine Kinder und sie sind wie ich – fröhlich, sie spielen und sie lachen!

Eine abgelehnte Volunteer-Bewerbung – Beispiel einer falschen Einstellung – 11 Apr 13

Unser Ashram ist immer offen für Besucher und Gäste. Wenn wir unsere Retreats haben, wie zum Beispiel den Ayurveda Yoga Urlaub, haben wir oft den ganzen Ashram voll mit Teilnehmern, aber außerhalb dieser Zeiten, haben wir hier Besucher, die mit allen möglichen unterschiedlichen Interessen in den Ashram kommen. Es gibt solche, die uns gebeten haben eine individuelle Reise durch Indien für sie zu organisieren, Freunde natürlich, die einfach nur so vorbeikommen, normale Besucher, die Interesse daran haben, Vrindavan, unseren Ashram oder unsere wohltätigen Projekte zu sehen und auch freiwillige Helfer, Gäste, die während ihrer Zeit im Ashram teilzeit bei uns arbeiten. Heute würde ich euch gerne von einer Volunteer-Anfrage erzählen, die Ramona zu einer Antwort veranlasste, die etwas schärfer ausfiel als ihr üblicher Email-Verkehr.

Wenn wir eine Anfrage zum Volunteering bekommen, so ist das meistens, nachdem derjenige unsere Volunteer-Seite gelesen hat und oft dazu auch meinen früheren Blogeintrag zu freiwilliger Arbeit im Ashram, in dem ich erkläre, dass wir Hilfe bei der Computer-Arbeit brauchen können. Man kann also für vier Stunden Arbeit die Kosten seines Aufenthalts senken, aber wir bitten trotzdem um einen nominellen Betrag, der uns hilft, die Kosten, die wir durch ihren Aufenthalt haben, zu decken. Dadurch bleibt ihnen genug Zeit, während ihrem Aufenthalt die Stadt zu erkunden, mit den Ashram-Kindern zu spielen, sich im Garten zu entspannen, Yoga zu machen, Massage zu genießen oder einfach das zu tun, nach dem ihnen der Sinn steht.

Ramona erklärt das alles für gewöhnlich denjenigen, die Anfragen stellen und Leute, denen Computerarbeit liegt, freuen sich für gewöhnlich über dieses Konzept, da es ihnen die Zeit für sich gibt, um das zu tun, wofür sie nach Indien gekommen sind. Nicht so jedoch die Frau, der sie dieses Mal antwortete! Hier ist der Auszug aus dem Antwortschreiben dieser Frau, der Ramona dazu brachte, ihr eine etwas ausführlichere Antwort zu schreiben:

"Hört sich nicht so rosig an… Ich versteh ja, dass ihr keine Verluste machen wollt, aber es gibt wohl keinen Ort mehr auf diesem Planeten, an dem sich Menschen gegenseitig helfen ohne Geld zu verlangen.

Das ist schade, aber es ist nun mal so und ich muss mich damit abfinden."

Ich möchte Ramonas Antwort gerne einfach hier hinkopieren, da diese meine Gedanken zu dem Thema, als sie mir davon erzählte, genau ausdrückt:

 

Liebe Julia (Name abgeändert, um die Identität der Fragestellerin zu schützen),

Ich möchte hier noch etwas klarstellen: wir helfen hier Menschen, ohne dafür Geld zu verlangen – 150 Kinder kommen hier jeden Tag zur Schule, lernen hier kostenlos, essen hier kostenlos, wir bezahlen ihnen alle Schulutensilien, Uniformen, Bücher, bezahlen das Gehalt der Lehrer etc. Diese Kinder könnten sich ansonsten keine Schulbildung leisten und sie würden vielleicht Analphabeten bleiben, wenn sie nicht an unserer Schule lernen könnten.

Ein Teil der Ausgaben für diese Kinder wird von Spenden gedeckt, der Rest von dem Geld, das wir mit unserer Arbeit verdienen. Wir verwenden also das, was wir hier verdienen für diese Kinder statt für uns selbst.

Und nun schreibst du mir hier in deiner Mail, dass es auf der Erde wohl keine wohltätigen Menschen mehr gibt, die an Nächstenliebe und Hilfe füreinander interessiert sind.

Wir helfen den armen Kindern hier, deren Eltern froh sind, dass sie sich zumindest um das Mittagessen nicht sorgen müssen. Wenn wir also Gäste, die um die 700 Euro und mehr für einen Flug zahlen können und es sich leisten können, auf längere Zeit Urlaub zu nehmen, also nicht zu arbeiten und Geld zu verdienen, bitten, zumindest das Geld für ihre Wasserkosten, Stromkosten (Klimaanlage, Licht, Handy, Laptop etc.), ihr Essen und weiteres zu zahlen, so wird uns gesagt, wir wären nicht wohltätig, sondern gewinnsüchtig. Unterbringung und Essen sollte dann jedoch schon auf europäischem Standard sein!

Es ist nun mal so, ja, und ich glaube, wir sind nicht der richtige Ort für dich.

Vielleicht kannst du dir meine Worte ja etwas durch den Kopf gehen lassen, bevor du so etwas an die nächste wohltätige Organisation schreibst, die sich jeden Tag dafür einsetzen, dass Menschen überleben und kleine Menschen eine bessere Zukunft haben.

Ich hoffe, du findest genau einen solchen Ort, an dem du das bekommst, was du suchst.

Alles Liebe,

Ramona

Kannst du mit Schuldgefühlen ehrlich sein? – 23 Nov 12

In der vergangenen Woche habe ich viel über inneren Frieden, das Finden seiner selbst und all solche Dinge geschrieben, die mit Überlegungen zur eigenen Einstellung, den Gefühlen und den Gedanken zu tun haben. Als wir in dieser Woche eine Email bekamen, die uns dazu einlud, an einer Umfrage teilzunehmen – ich glaube, es ging um Konsumverhalten und Umweltfreundlichkeit – beschloss Ramona, daran teilzunehmen. Als sie mir von einigen der Fragen erzählte, stellte ich mir vor, was die Leute wohl antworten würde – und da es den Blogeinträgen dieser Woche ähnlich ist, beschloss ich, meine Gedanken mit euch zu teilen.

Ich glaube, dass deine Antworten für jede Art von Umfrage anders sind, wenn du sie anonym gibst oder wenn du deinen Namen für deine Antworten angegeben hast. Das ist einer der Gründe dafür, warum diejenigen, die die Umfrage erstellen, sich oft für die anonyme Version entscheiden – die Ergebnisse sind einfach viel ehrlicher! Der Grund ist klar: jeder weiß, wie die Antwort eigentlich lauten sollte.

Wenn die Frage lautet: ‘Machst du das Licht aus, wenn du das Zimmer verlässt?’, so weiß jeder, dass man das tun sollte. Wenn die Leute nun ihren Namen in der Umfrage angegeben haben, beschließen sie wahrscheinlich, ‚Immer‘ anzukreuzen. In einer anonymen Umfrage jedoch beschließen sie vielleicht, ehrlicher zu sein und kreuzen ‚Meistens‘ an oder manche sogar ‚Manchmal‘.

Gibst du darauf Acht, kein Essen wegzuwerfen? Befolgst du Mülltrennung? Sparst du Wasser, wann auch immer möglich? Versuchst du, alternative Energien zu verwenden und zu fördern? Kaufst du Lebensmittel aus der Gegend und vermeidest importierte Waren oder Gemüse, das gerade nicht in Saison ist?

Du willst für alle Fragen ‘JA!’ schreien und ich weiß, dass viele von euch auf die meisten dieser Fragen sogar ehrlich mit ‚Ja, immer‘ antworten können. Es gibt jedoch viele Menschen, die das nur dann tun würden, wenn ihr Name da steht. Wenn sie wirklich ehrlich wären, müssten sie aber eigentlich anders antworten.

Warum und woher kommt das? Schämst du dich dafür, dass du nicht so umweltfreundlich bist, wie du sein solltest? Da geht es nicht nur um die Umwelt, es kann eine Umfrage zu jedem beliebigen Thema sein! Du weißt, was richtig ist – warum also handelst du nicht auch danach? Du weißt das ja alles, aber wenn du die Fragen liest, hast du ein nagendes Schuldgefühl, weil du nicht ehrlich die richtige Antwort auswählen kannst.

Immer, wenn du dich in einer solchen Situation wiederfindest, solltest du etwas ändern. Das ist der richtige Punkt, um über dein Verhalten nachzudenken und zu erkennen, dass du nicht das tust, was deines Wissens nach richtig ist. Es steht auch nicht zur Frage, ob du es richtig machen willst, natürlich willst du, aber vielleicht warst du bis heute einfach nur zu faul es auch zu tun. Das Leben war immer zu bequem für eine Veränderung, du hast nicht die Energie aufgebracht, etwas zu ändern oder es hat dir zu viel Stress verursacht.

Lass dich von nichts daran hindern, genau jetzt mit der Veränderung zu beginnen! Lass dieses Thema nicht wieder langsam verblassen, sondern tu wirklich etwas, so dass du das nächste Mal, wenn diese Frage aufkommt, nicht wieder das Gleiche Schuldgefühl bekommst, dich schämst oder dich in der Anonymität der Menge verstecken musst.

Tu, was du meinst, das richtig ist. Das wird dich glücklich machen.

Emotionale Operationen für Menschen, die an ihrer Krankheit hängen – 23 Jun 11

Man bemerkt oft, dass Menschen, die schon länger an einer Krankheit leiden, eine negative Einstellung gegenüber ihrer eigenen Gesundheitssituation haben. Hast du nicht auch schon einmal jemanden getroffen, der nicht den Wunsch zu haben schien, gesund werden zu wollen? Diese Menschen sind ihrem Heilprozess gegenüber negativ eingestellt, sagen, dass sie nie gesund werden und dass sie wohl mit ihrem Problem leben müssen.

Ich habe viele Menschen in dieser Situation getroffen und hatte immer das Gefühl, dass sie begonnen haben, ihre Krankheit zu lieben. Wenn da eine Krankheit ist, die lange im Körper verweilt, Krebs zum Beispiel, entwickeln die Menschen unbewusst eine Beziehung damit. Denn es ist ja auch ein Teil ihres Körpers. Diese Beziehung lässt sie denken, dass sie nicht ohne könnten – auch wenn sie sich dessen selbst nicht immer bewusst sind.

Sie denken nicht wirklich, dass es gut ist, krank zu sein. Sie wissen, dass ihre Krankheit für sie schlecht ist und dass sie ohne sie ein besseres Leben hätten. Sie mögen ihre Krankheit nicht, wollen sie aber trotzdem nicht loslassen.

In diesem Fall hängen die Kranken an ihrem Problem. Es ist zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden. Sie mögen ihre Krankheit nicht, denken aber gerne daran und genießen irgendwie, sich deswegen schlecht zu fühlen. Über was sollten sie denn nachdenken, wenn sie ihre Krankheit wirklich heilen würden? Sie haben Angst vor dem Leben nach ihrer Krankheit.

In vielen Fällen fühlen die Menschen sich unterbewusst sogar als etwas Besonderes wegen ihrer Krankheit. Immerhin ist das etwas, das nicht jeder hat und es ist immer ein Thema, das einem die Aufmerksamkeit anderer sichert. Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, die sich nach Aufmerksamkeit sehnen, handeln oft so. Für sie ist das die Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu bekommen, ohne mit irgendwas angeben zu müssen.

Das sind alles Gefühle, die nicht wirklich offen darliegen. Vielleicht sind sich die Menschen dieser Gefühle bewusst, aber normalerweise würden sie zu niemandem darüber sprechen. Jedermann würde sie für verrückt erklären, oder?

Das Problem ist, dass man, um eine Krankheit emotional loszuwerden, auch eine Art Operation durchführen muss. Wenn die Ärzte beschließen, das betroffene Gewebe aus dem Körper zu schneiden, musst du deine Krankheit auch emotional herausschneiden. Für diese Operation brauchst du einen starken Willen und musst zuerst einmal die Entscheidung dafür treffen. Deine Wunden werden etwas Zeit brauchen, um vollständig zu heilen, aber sie werden heilen. Habe keine Angst, sondern lass es ziehen. Sobald du deine Operation durchgeführt hast, wirst zu merken, dass das Leben leichter und einfacher ist.

Vergewaltigungen in Indien im Zusammenhang mit Unterdrückung von Sexualität – 22 Jun 11

Ich habe schon einmal erwähnt, dass ich, wenn ich hier in Deutschland bin, online indische Zeitungen lese und darüber informiert bleibe, was in Indien geschieht. In den letzten Tagen habe ich bemerkt, dass es wirklich viele schlimme Nachrichten zu einem Thema gab, so dass ich es hier auch erwähnen möchte. Hier sind einige dieser Überschriften:

Vater vergewaltigt minderjährige Tochter und teilt sie mit 100 Anderen

Minderjähriges Mädchen in einem Monat vier Mal von mehreren Männern vergewaltigt

Mädchen im Teenageralter von Vater und Bruder vergewaltigt

Mutige Frau entlarvt Vater als Vergewaltiger

Tochter bringt Vater im Versuch um, ihn an ihrer Vergewaltigung zu hindern

Frauen auf offener Straße in Kleinbus gezogen und von mehreren vergewaltigt.

Elf Polizisten vergewaltigen und ermorden 14-jähriges Mädchen

Feldarbeiterin angegriffen und vergewaltigt

Schulmädchen auf Heimweg gekidnappt und vergewaltigt

Frau von mehreren Männern vergewaltigt und bei lebendigem Leib verbrannt

Nach missglücktem Vergewaltigungsversuch stechen Angreifer dem Opfer die Augen aus

Man könnte diese Liste mit ähnlichen Nachrichten immer weiter führen. Wenn ich all das lese, tut es mir weh und macht mich sehr traurig. Was passiert da? Wir behaupten, dass dieses Land eine großartige, uralte Kultur hat, dass es das Land mit dem höchsten Gottes-Bewusstsein ist, dass es einige der größten Heiligen und Philosophen aller Zeiten hervorgebracht hat und dass es auch heute noch der Ort auf Erden ist, an dem man überall Spiritualität begegnet. In der Geschichte unseres Landes liest man die Namen großartiger Frauen. Wir preisen die starken Familienbande an, in denen sich alle umeinander kümmern und niemand jemals alleine ist. Und trotzdem ist die Sicherheit von Frauen und Mädchen offensichtlich so wenig gesichert, dass es mehr als eine ganze Seite Nachrichten darüber ergibt, wie sie vergewaltigt und sexuell missbraucht wurden – von Fremden und Verwandten gleichermaßen.

Das geschieht überall und in jedem Land, doch in den meisten Ländern nicht so sehr wie in Indien. Natürlich ist Indien ein sehr großes Land und hat eine große Bevölkerung, doch wenn man den Durchschnittswert hernimmt und sich nur das Verhältnis betrachtet, so hat Indien einen hohen Anteil an sexuellen Verbrechen an Frauen und Mädchen.

Wir hören vielleicht nur von den Fällen, in denen Frauen und Mädchen wirklich vergewaltigt oder ermordet wurden, aber die Zeitungen schreiben nichts über den sexuellen Missbrauch, der jeden Tag stattfindet. Frauen werden in der Öffentlichkeit und zu Hause unanständig betatscht. Sie laufen auf der Straße und Männer rufen ihnen vulgäre Sprüche zu, beleidigen sie oder fordern sie auf, mit ihnen zu schlafen.

Was geschieht in diesen Fällen? Da ist ein Mann, der ein weibliches Wesen sieht. Was kommt ihm in den Sinn? Er sieht sie nicht als Mensch, als respektable Person. Er sieht, dass sie eine weiche Frau und damit ein einfaches Ziel ist, um seinen sexuellen Drang zu befriedigen. Wenn es ein Kind oder Teenager ist, erscheint es noch einfacher, aber im Endeffekt ist es egal, ob es ein ein oder zwei Jahre altes Baby ist oder eine 80 Jahre alte Frau. Die Einstellung eines solchen Mannes gegenüber Frauen beschränkt sich auf ihr eigenes sexuelles Bedürfnis und so sehen sie Frauen als ein Instrument, das sie benutzen können.

Woher kommt es, dass sie Frauen gegenüber eine solche Einstellung haben, dass sie nur an ihre Genitalien denken, wenn sie sie sehen? Sie stellen sich vor, wie es wäre, mit ihr zu schlafen. Ich glaube, dass wir in Indien ein großes Problem mit Unterdrückung haben. Das ganze Theme des Geschlechtsverkehrs und jeglicher Art von sexueller Aktivität wird so unterdrückt, dass Männer schließlich an nichts anderes mehr denken können. Sie haben kein natürliches Ventil für ihre Gedanken, Gefühle und natürlichen Bedürfnisse. Es ist so tabu, dass sie noch nicht einmal daran denken sollten. Am Ende denken sie aber an nichts anderes mehr. Man verdeckt und versteckt, redet aber nicht darüber. Männer, die keine Willensstärke besitzen und diese Unterdrückung natürlicher Gefühle sehr stark erleben, können diese Art von Verbrechen begehen. Und da besteht nicht die Frage, ob dieser Mann gebildet war oder nicht – Vergewaltiger haben ganz unterschiedlichen Hintergrund.

Wir nennen Indien ein enorm spirituelles Land und in dieser vollständigen Frömmelei verstecken wir die Tatsache, dass es solche Themen gibt, die auch angesprochen werden müssen! Wenn jemand mit einer anderen Person Sex hat, ohne mit demjenigen verheiratet zu sein, ist es ein solch riesiges Problem, die größte Sünde, die man begehen kann. Wenn diese Person au seiner anderen Kaste stammt, kann sogar ein Ehrenmord die Folge sein. Selbst heute gibt es noch nicht genug Bewusstsein über dieses Thema, die Menschen sind gegen Sexualkunde und wollen gegenüber ihren Kindern im Teenager-Alter nicht einmal erwähnen, dass es so etwas wie Sex überhaupt gibt. Sie verfluchen die offene Sexualität des Westens und erzählen, dass dort jeder mit allen anderen Sex hat. Dabei sehen sie nicht, dass das nicht der Wahrheit entspricht und dass es in westlichen Ländern zu solchen Verbrechen mehr Bewusstsein gibt. Es gibt dort nicht so viele Männer, die wie die Teufel handeln. Kontrollierte und unterdrückte Sexualität explodiert auf diese Weise.

Ich bin nicht dafür, fremdzugehen oder mit der nächst-besten Person zu schlafen, doch viele Inder müssen sich in Bezug auf dieses Thema etwas entspannen. Und Religion spielt in dieser Unterdrückung eine große Rolle. Wenn man nicht mehr erlauben würde, dass Sexualität auf diese Weise unterdrückt wird, würde sie auch nicht mehr so explodieren.

Sexualkunde für Mädchen bewahrt sie vor Geschlechtskrankheiten, Abtreibungen und Tod – 11 Apr 11

Gestern habe ich über die Vorteile von Sexualkunde für Jungen gesprochen. Für Mädchen hat Sexualkunde sogar noch mehr Vorteile, die meiner Meinung nach so wichtig sind, dass sie sogar in altmodischen Gesellschaften nicht länger ignoriert werden sollten. Frauen wird beigebracht, dass sie sie Scham empfinden mit allem, was ihre Sexualorgane betrifft. Verhütung, Empfängnis, das Gebären und alles, was diese Themen umgibt, einschließlich ihre eigene Gesundheit, ist etwas, über das nicht gesprochen werden sollte. Wenn sich diese Einstellung ändern könnte, wenn diese Frauen alle regelmäßig zur Gynäkologin gehen könnten und sich untersuchen lassen könnten, wie viele Fälle von Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert, behandelt und geheilt werden könnten? Und schließlich, wie viele Leben gerettet werden könnten?

Dieser Punkt sollte nicht unterschätzt werden. Junge Menschen haben heutzutage auch Sex, oft noch vor der Ehe, doch ohne jegliche Art von Sexualunterricht und natürlich verstecken und verheimlichen sie das vor ihren Eltern und ihrem Umfeld. Was meinst du tun sie, wenn sie entdecken, dass sie eine Geschlechtskrankheit haben, die sie wahrscheinlich deshalb bekommen haben, weil ihnen nicht beigebracht wurde, wie sie Verhütungsmittel und schützende Maßnahmen richtig anwenden? Sie haben niemanden, an den sie sich wenden könnten!

Was sollen Mädchen denn tun, wenn sie eine ungewollte Schwangerschaft entdecken? In ihrer Verzweiflung gehen sie zu irgendeinem Apotheker, in einer Stadt, in der sie keiner kennt und erstehen dort irgendeine Medizin zur Abtreibung, so dass sie das Leben, das in ihnen heranwächst, loswerden können. In Zeitungen habe ich Werbung für ‚Mensurole‘ gesehen, eine Tablette, die ‚deine unterbrochene Menstruation wieder einsetzen lässt‘. Sie können nicht deutlich sagen, dass die Tablette dazu führt, dass der Foetus abgeht, da das ja illegal wäre, doch das ist genau das, was sie meinen. Man braucht keine Verordnung vom Arzt, einfach kaufen und anwenden, auf eigene Verantwortung. Andere junge Frauen, besonders die, bei denen die Schwangerschaft schon weiter fortgeschritten ist, gehen zu ‚Ärzten‘, Scharlatanen ohne Genehmigung und lassen dort eine Abtreibung vornehmen, oft mit den primitivsten Instrumenten, in unhygienischen Situationen und weit weg von ihrer Familie, so dass niemand erfährt, was sie tun. Es ist riskant und viele sind bei dem Versuch gestorben, ihre Ehre oder die ihrer Familie zu bewahren.

Wenn sie mehr gewusst hätten, hätten sie sich vielleicht gar nicht erst in dieser Situation wiedergefunden. Im Westen gab es all diese Situationen auch bereits und die Menschen haben solche Geschichten gesehen und davon gehört, doch durch Sexualkunde und einen offeneren Umgang mit der eigenen Sexualität, sind solche Fälle nun seltener. Die Menschen haben etwas daraus gelernt und es ihren Kindern beigebracht. Dort ist es unvorstellbar, dass man über eine Anzeige in der Zeitung und ohne Verschreibung vom Arzt an Abtreibungspillen kommt.

Mit einer modernen, offenen Sicht auf Sexualität und Sexualkunde, kannst du deine Kinder vor Schuldgefühlen, Schamgefühlen, Krankheiten und Abtreibungen bewahren. Deine Tochter lernt ihren Körper kennen, fühlt sich damit gut und weiß schließlich, wie sie auf ihn achten kann. Soviel für heute. Morgen werde ich mehr auf die moralischen Aspekte in Ländern wie Indien eingehen.

Entspanne dich jeden Tag, nicht nur im Urlaub – 2 Feb 11

Es ist schön, wieder im Ashram zu sein. Ich habe mit einigen Freunden gesprochen, die natürlich das Tagebuch auch weiter gelesen haben, als wir im Urlaub waren. Sie waren froh, dass sie auf diese Weise mit uns in den Süden fahren konnten und sagten mir, dass ich auch den Bildern sogar noch entspannter aussehe als sonst.

Ich musste darüber lachen und sagte ihnen, dass es wirklich ein sehr entspannender Urlaub gewesen war. Gleichzeitig weiß ich jedoch, wenn ich mich selbst beobachte, dass ich immer in der Lage bin, mich zu entspannen, auch wenn ich arbeite. Mir hat mein Urlaub gut gefallen, ich würde auch nächstes Jahr gerne irgendwo in den Urlaub fahren und ich bin nicht gegen die Idee, Urlaub zu machen, aber ich bin davon überzeugt, dass ich in meiner Urlaubszeit nicht entspannter bin als zu irgendeiner anderen Zeit. Ich glaube, dass man sich auch entspannen muss, wenn man nicht im Urlaub ist!

Wenn man zum Entspannen Urlaub braucht, bedeutet das, man ist den Rest des Jahres völlig erschöpft. In westlichen Ländern habe ich diese Art von Ausrufen gehört, wie ‚Ich brauche jetzt dringend Urlaub!‘ Man muss in einem Jahr auch mal Urlaub machen. Für manche Menschen liegt da die Norm bei einem Urlaub, für andere sind es sogar vier Urlaube im Jahr. Sie sagen, sie brauchen ihn dringend und das zeigt, dass sie erschöpft sind und an ihrem gewöhnlichen Leben keine Freude mehr haben. Die Tourismus-Industrie liebt die Vorstellung, diese Einstellung weiter zu fördern: du bist auf jeden Fall erschöpft und brauchst eine Pause!

Ich glaube, dass ist eine westliche Vorstellung von Urlaub. Die Menschen sind gestresst und erschöpft, sie haben keinen Spaß an ihrer Arbeit und daran, wie ihr Leben aussieht. Es ist in der heutigen Zeit des Ehrgeizes, Wettbewerbs, Stresses und Drucks verständlich. Sie müssen mehr Geld verdienen, überleben, während alles immer teurer wird und haben dazu noch Probleme in ihrer Beziehung mit anderen. Die Menschen haben keine Freude am Leben, sie sind nicht zufrieden und sie sind einfach nicht glücklich. Urlaub ist gut, aber das sollte nicht die einzige Zeit im Jahr sein, zu der du dich gut fühlst!

Wenn du eine normale Person hier in Indien fragst, jemanden, der nicht sehr arm ist und auch nicht sehr reich, wie viele Male er in seinem ganzen Leben Urlaub gemacht hat, nennt er vielleicht seine Flitterwochen, aber wahrscheinlich nicht viel mehr als das und viele Leute machen noch nicht einmal Flitterwochen. Hier denken die Leute nicht ‚Mindestens zweimal im Jahr muss man mal rauskommen!‘ Sie machen nicht ein-, zwei- oder dreimal im Jahr Urlaub, oft weil ihnen ihre finanzielle Situation das nicht erlaubt. Doch selbst wenn sie nicht in den Urlaub fahren können, bedeutet das nicht, dass sie sich nie entspannen können!

Wenn die Leute sagen ‘Ich mache einmal die Woche Yoga’ oder ‘Ich hatte in letzter keine Zeit für Spiritualität‘, finde ich, sie sollten Yoga und Spiritualität immer in ihren Alltag mit einbinden. Wenn sie sagen ‚Ich mache zweimal im Jahr Urlaub, um zu entspannen‘, denke ich das Gleiche zu ihrer Entspannung! Warum solltest du dich nicht jeden Tag entspannen?

Meine Arbeit macht mir Spaß. Ich habe jeden Tag Freude an meinem Leben. Wenn ich mich selbst ansehe, so habe ich jetzt das gleiche Bewusstsein und bin im Geiste genauso entspannt wie vor und während meinem Urlaub. Sogar obwohl wir jetzt nach ganzen zwei Jahren wieder Urlaub gemacht haben, hatte ich nie das Gefühl, dass ich viel weniger entspannt war als ich jetzt bin. Ich habe nie das Gefühl, dass ich wirklich einen Urlaub brauche, aber natürlich freue ich mich darauf, wieder eine so schöne Reise zu machen.

Und selbst wenn ich all das hier schreibe, weiß ich, dass meine Freunde, die mein Bild online gesehen haben, sich einfach nur gefreut haben, wie ich meinen Urlaub genieße, mich entspanne und Spaß habe, auch wenn ich mal nicht arbeite. Ich bin sehr dankbar, dass ich solche Freunde habe und ich weiß, dass da ihre Liebe und ihre Freundschaft spricht, die mich gerne bald wieder im Urlaub sehen würde.

Seht euch Bilder von unserem Urlaub in Kerala an