Liebe Ärzte, eine ungebildete Angestellte ist auch ein Mensch, bitte behandelt uns alle gleich! – 31 Okt 13

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Im gestrigen Blogeintrag habe ich euch erzählt, wie schwierig es für eine weniger gebildete Mitarbeiterin war, eine Abtreibung bei einer örtlichen Frauenärztin zu bekommen. Ramona war bei ihr und während sie von den erwähnten Schwierigkeiten überrascht war, erzählte sie mir von etwas anderem, was ihr in der ganzen Situation ein unangenehmes Gefühl gab: der Art, wie die Ärztin mit unserer Angestellten sprach.

Nur um das klarzustellen, möchte ich hier erwähnen, dass es sich hier nicht um eine Dorfärztin ohne jegliche Erfahrung handelt. Wir sprechen von einer Frau mit einer eigenen Praxis, die ein Medizinstudium absolviert hat und sogar in großen Krankenhäusern in den Metropolen Indiens gearbeitet hat. Sie konnte eine ganze Unterhaltung mit Ramona in Englisch führen und es fehlte ihr auch nicht an Worten, wenn das Gespräch ins Hindi wechselte – solange ihre Worte direkt an Ramona gerichtet waren. Sobald sie mit der Frau sprach, die Ramona begleitete, also ihre Patientin, änderten sich ihr Ton und ihre Ausdrucksweise.

Vor nicht allzu langer Zeit erzählte ich von meinem Besuch beim Augenarzt und wie mir nicht erklärt wurde, was sie eigentlich machten. Damals erzählte ich, wie viele Ärzte ihren Patienten die Diagnose und Behandlung nicht erklärten, aber ich hatte auch eine kleine Entschuldigung für sie parat, weil ich die Tatsache auch bedachte, dass viele von ihnen zum Großteil vollkommen ungebildete Patienten haben, die von ihrem Körper keine Ahnung haben und auch nicht wirklich haben wollen. Sie wollen nur so schnell wie möglich gesund werden. Dieses Mal jedoch hatte Ramona ein anderes Gefühl.

Sie wusste, dass unsere Mitarbeiterin nicht sehr gebildet war und wenig über Schwangerschaften, Verhütungsmittel, medizinische Behandlungen und all solche Dinge wusste. Sie wusste, dass diese Frau die medizinischen Begriffe, die Ärzte oft verwenden, nicht verstehen würde und vielleicht sogar die volle Bedeutung einiger eigentlich recht gebräuchlicher Wörter nicht ganz klar war. Trotzdem war diese Frau nun da, eine zahlende Patientin dieser Ärztin, ein Mensch, der es verdient hatte, mit Respekt und Würde behandelt zu werden! Egal, wie ungebildet deine Patientin ist, sie zahlt nicht weniger als eine Professorin, die zu dir kommt und du hast einen Eid abgelegt, jedem zu helfen, der zu dir kommt!

Du solltest nicht nur ihre Körper heilen, sondern sie auch bei Gefühlsfragen unterstützen! Diese Frauen kommen zu dir mit einem Thema, das ihnen sehr am Herzen liegt! Wir reden hier nicht von einem Fieber, einer Grippe oder einem gebrochenen Arm! Es ist die Frage eines neuen Lebens, ihrer Nachkommen, für manche von ihnen ihr Lebenssinn! Sie haben ihre eigene Meinung, ihre Emotionen und Vorstellungen und obwohl diese dir vielleicht in deiner Welt seltsam erscheinen, sind sie in ihrer Welt gerechtfertigt. Du kannst und musst erklären, von was du da sprichst, höflich sein und ihnen die gleiche Entscheidungsfreiheit geben, wie andere Patienten sie bekommen, anstatt sie herumzubefehlen und zu versuchen, sie zu dem zu zwingen, was du für richtig hältst. Ja, du hast eine gewisse Autorität dazu, Ratschläge zu geben – aber du musst auch ihre Emotionen miteinbeziehen!

Ramona fühlte sich wirklich unbehaglich, dass sie auf andere Weise, wie auf einer anderen Ebene behandelt wurde als die Frau, die da neben ihr saß. Sie erzählte mir, wie sie immer wieder die Unterhaltung zur eigentlichen Patientin zurückführte, ihr ruhig und im Einzelnen erklärte, was vor sich ging und auf gleicher Ebene mit ihr redete, nicht von einem höheren Standpunkt aus nach unten.

Liebe Ärzte, euer Wissen und eure Erfahrung sind das, warum die Menschen zu euch kommen und was euch eine höhere Stellung gibt – missbraucht diese Stellung nicht und seid euch immer darüber bewusst, dass jeder, der zu euch ist, ein Mensch mit Wünschen, Emotionen und Träumen ist!

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