Eine wohltätige Organisation zu betreiben ist etwas Wundervolles! Man gibt einen großen Teil seines Lebens, seiner Bemühungen und seines Geldes und hat natürlich auch noch jede Menge Arbeit damit, aber am Ende hat man das Gefühl, dass die Liebe, die man in sein Projekt hineingesteckt hat tausendfach zurückbekommt! Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man das Lächeln der Kinder sieht, wenn man sie lachen hört und erkennt, wie viel sie mit deiner Hilfe gelernt haben! Es gibt jedoch auch einige Augenblicke, in denen ich ganz klar sagen muss, dass unsere Arbeit sich von dem unterscheidet, was andere wohltätige Organisationen tun und vielleicht ist sie damit für manche Leute nicht so attraktiv.
Ihr wisst wahrscheinlich bereits, dass Deutschland meine zweite Heimat ist. Ich bin dort viel gereist, habe viele Freunde und meine Frau ist auch Deutsche. Wir haben auch unseren gemeinnützigen Verein in Deutschland, der gegründet worden war, um unsere Projekte in Indien zu unterstützen und unsere Workshops außerhalb Indiens zu organisieren. Freunde und Helfer können also an andere weitergeben, dass es einen eingetragenen deutschen Verein gibt, über den sie spenden können. So wurde neulich auch ein Freund von einer Bekannten kontaktiert, deren Firma etwas für arme Kinder spenden wollte. Es ist eine große Firma, die jährlich einen festen Betrag für wohltätige Zwecke spenden. Die Organisation, die schließlich das Geld bekommt wird in einer Art Wettbewerb ausgewählt. Die Angestellten müssen Bilder und Beschreibungen der Projekte abgeben, die sie gerne unterstützen wollen. Die Verwaltung oder die Manager entscheiden dann, wer die Gelder bekommt.
Unser Freund hat sowieso immer Beispielbilder bei sich, unseren Flyer, die Internetseite und einige Bilder des ‚Essen für einen Tag‘, für das er und seine Frau gespendet hatten. Als er ihr die Bilder als Beispielbilder zeigte, meinte seine Bekannte ‚Oh, die Kinder hier tragen so schöne Kleidung und sehen so glücklich aus – so gewinnt das nie! Wir sollten Bilder von Kindern in zerrissener Kleidung schicken, die traurig in die Kamera schauen und nach Not und Elend aussehen!‘
Als mein Freund mir das sagte, war er bereits in einem emotionalen Wirrwarr und ich glaube, ich konnte das mit einer deutlichen Aussage ganz einfach lösen: ‚Sag ihnen, wenn sie nur solche Bilder wollen, können sie ihr Geld woanders hinbringen! Solche Bilder mache ich von meinen Kindern nicht!‘
Das meine ich Ernst! Ich will euer Geld nicht zu solchen Bedingungen! Ich weiß genau, wo dieser Gedanke herkommt – jede große Charity zeigt Bilder von verhungernden Kindern, die im Dreck sitzen, kaum Kleidung am Körper haben, ihre Knochen deutlich sichtbar, im ganzen Gesicht Fliegen und Tränen in den Augen! Sie verwenden diese Bilder in ihrer Werbung um die Herzen der Menschen zum Schmelzen zu bringen. Sie zeigen das Schlimmste vom Schlimmen, die schrecklichsten Szenen.
Ich bestreite ja nicht, dass es auf der Welt solch schreckliche Szenen gibt, doch jeder der jemals in einer solchen Organisation gearbeitet hat, weiß genauso, dass das Extremfälle sind und dass sie auch ganz viel andere, wichtige Arbeit haben. Doch die Bilder jener Arbeit würden den Betrachter vielleicht nicht gleich zum Weinen bringen.
Ich meine es wirklich ernst, wenn ich sage, dass ich von meinen Kindern keine solchen Bilder machen will. Nein, ich will sie nicht so sehen und noch weniger will ich sie in diesem Licht präsentieren! Es sind meine Kinder und ich kümmere mich genauso um sie, wie ich mich um mich selbst kümmere. Ich gebe ihnen gute Kleidung, gutes Essen und ich unterrichte sie in klimatisierten Klassenzimmern! Für eine Spende mache ich da nichts anders. Es sind meine Kinder und sie sind wie ich – fröhlich, sie spielen und sie lachen!
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