Bleibe mental nicht an altmodischen Traditionen oder religiösen Dogmen hängen – 9 Okt 14

Als ich euch gestern erklärte, dass man seinen mentalen Müll hinter sich lassen muss, sprach ich von Erinnerungen und Gedanken, die sich auf deine persönliche Geschichte beziehen. Ein weiterer Gedanke kam mir jedoch in den Sinn: was ist mit alten Gedankenmustern, alten Werten und veralteten Einstellungen?

Ich bin der festen Meinung, dass jeder immer mal wieder auch seinen moralischen Haushalt aufräumen sollte. Was von den Dingen, die du früher geglaubt hast, ist denn noch wahr? Hast du denn wirklich noch Vertrauen in die Mächte, die du verehrst oder zu denen zu betest? Hältst du nur deswegen an Traditionen fest, die dich langweilen und eigentlich gegen das sind, was du wirklich tun willst, weil es immer so war oder weil du das von deinen Vorfahren gelernt hast?

Traditionen und Religionen haben die Eigenschaft, dass sie einen Wert, eine Regel oder eine Verhaltensweise vorschreiben und dann glauben die Leute, dass das für die nächsten tausend Jahre feststeht und in Stein gemeißelt ist. Wenn etwas einmal in einem heiligen Buch steht, muss es als ewige Wahrheit angesehen werden. Das ist Unsinn.

Die Zeiten ändern sich, Leute ändern sich, Verhaltensweisen miteinander ändern sich und sogar Sprachen ändern sich! Warum sollten sich unsere Werte nicht verändern? Mit der Zeit hat die Wissenschaft so viele Dinge entdeckt und erforscht, dass es lächerlich wäre, an das zu glauben, was vor 200 Jahren in der Schule gelehrt wurde! Wir haben das verändert, was wir unseren Kindern in der Schule beibringen, warum also sollten wir das nicht ändern, was wir ihnen daheim beibringen? Warum nicht das ändern, was wir selbst glauben und wie wir handeln?

Viele Leute zögern, ihre alte traditionelle, religiöse oder sogar kulturelle Last abzuwerfen! Es ist offensichtlich, dass sie das manchmal wirklich wollen würden, dass sie diejenigen beneiden, die ihre Last so einfach abwerfen können und mit Werten, die sie selbst gewählt haben, frei in ihre Zukunft gehen können. Gleichzeitig jedoch haben sie das Gefühl, dass sie selbst das nicht können. Sie wollen, sind jedoch nicht ganz sicher, dass das auch wirklich richtig ist. Im Grunde haben sie Angst. Angst, dass es ihnen schaden könnte, wenn sie nicht das tun und glauben, was ihre Eltern und Großeltern glaubten und taten! Und Angst davor, was ihre Nachbarn, ihre Verwandten, die Gesellschaft von ihnen denken könnten!

Bitte tu dir selbst einen Gefallen, sammle etwas Mut und mach einen Schritt vorwärts! Du hinkst hinterher, zusammen mit den Leuten einer oder zwei Generationen vor dir. Nächstes Mal also, wenn du deinen Frühjahrsputz oder dein Diwali-Putz zuhause machst, setz dich eine Weile hin und entrümple deinen Verstand, deine persönliche Geschichte und auch deinen Glauben und deine Werte.

Wenn du diesen Schritt einmal gemacht hast, wirst du sehen, wie frei du dich fühlst!

Verwendung uralter Rituale wie Schwitzhütten in modernen Zeiten – 5 Aug 11

Ich bin über eine Nachricht über einen modernen amerikanischen Guru, James Ray, gestolpert, der für spirituell Interessierte Schwitzhütten-Retreats angeboten hat. In einem dieser Retreats sind jedoch drei Menschen gestorben. Er wurde der fahrlässigen Tötung angezeigt.

Natürlich glaube ich nicht, dass dieser Mann ein Mörderer ist. Er hatte keine kriminelle Absicht, sondern war wahrscheinlich von dem Geld, das er von einem solchen Retreat bekommt, geblendet gewesen. Er hatte 56 Teilnehmer bei diesem Retreat und jeder von ihnen zahlte 10000 US-Dollar. Sie waren in einer Schwitzhütte, die offensichtlich zu klein war und dann auch zu heiß für diejenigen, die darin starben. Dafür wurde er verurteilt: er war für die Menschen des Retreats verantwortlich und er gab nicht genug auf sie Acht, weil er sah, dass er mehr verdienen könnte, wenn mehr Menschen kamen. Ich habe bei anderen, ähnlichen Veranstaltungen gesehen, dass Menschen krank wurden oder in Schwitzhütten unbewusst wurden.

Bei einer solchen Gelegenheit wurde ich einmal gefragt, was meine Meinung zu Schwitzhütten sei. Ich persönlich bin noch nie in einer gewesen und habe diese Erfahrung noch nicht gemacht. Ich weiß jedoch, was es ist und ich weiß, dass es ein uraltes Ritual der Indianer in den USA ist, das in der spirituellen Szene und auf der ganzen Welt immer bekannter und beliebter geworden ist. Ich kenne einige ähnliche Rituale aus Stammeszeiten und ich habe auch eine Meinung zur Teilnahme an solchen Ritualen.

Stell dir das Zeitalter vor, in dem all diese Rituale erfunden wurden. Die Menschen lebten in Stämmen, lebten mit der Natur zusammen, mit der Hitze und Kälte, wie sich das Jahr veränderte. Das war vor Hunderten oder sogar Tausenden von Jahren. Wie können wir uns mit ihnen vergleichen? Eine Sache ist, dass wir körperlich nicht in der gleichen Verfassung sind. Du lebst in deinem mehrstöckigen Hochhaus, in klimatisierter Wohnung, bist normal auch nicht viel in der Natur und beschließt dann, in eine Schwitzhütte zu gehen. Natürlich kann das deine Gesundheit gefährden. Das ist jedoch nur ein nebensächlicher Aspekt.

Ich verstehe nicht, warum wir diese Rituale nachahmen sollten. Es sind uralte Praktiken und es ist schön, wenn diese von den wahren Nachfahren dieser Stammesleute bewahrt werden. Früher führten die Schamanen dieser Stämme sie aus und heute könnten es deren Urenkel sein. Warum aber müssen wir sie imitieren? Warum müssen wir vorgeben, jemand zu sein, der wir nicht sind? Wir sind keine Indianer, wir leben nicht in Stämmen. Die meisten von uns haben keine Verbindung zu diesen Zeiten, warum sollten wir sie also nachahmen? Warum trägst du Federn und Leder und verkleidest dich als Indianer, wenn du doch keiner bist? Ich weiß, dass das für manche Menschen ein großes Geschäft ist. Wenn sie sich so verkleiden und eine Show daraus machen, können sie mehr Menschen anlocken. Warum möchtest du jemand sein, der du nicht bist? Nur um Aufmerksamkeit und Geld zu bekommen? Dann bist du nicht du selbst.

Manchmal fragen die Leute uns, warum wir die Kleidung tragen, die wir tragen. Ich antworte immer, wenn ich Jeans und T-Shirt tragen würde, wäre ich nicht ich selbst! Ich ziehe nicht andere Kleidung an, um anzugeben. Das ist das, was ich normal und in meinem täglichen Leben trage, wo auch immer ich bin. Es ist ein Teil meiner Kultur, ein Teil von mir und es fühlt sich für mich richtig an. Es ist bequem und für mich einfach nur natürlich. Ich will nicht, dass man meine Kleidung imitiert, ich will, dass jeder einfach nur er selbst ist! Auf die gleiche Weise, wenn du irgendein Ritual ausführst, möchte ich dich bitten, es mit deinem Herzen und voller Ehrlichkeit zu tun. Tue es nicht aus Faszination, sondern siehe den tieferen Sinn dahinter und frage dich, ob das mit dem übereinstimmt, der du bist. Hänge dich nicht an irgendein Ritual, nur weil irgendeine Schrift, Religion, ein Guru oder Meister dir das gesagt haben. Fühle es selbst und du wirst wissen, was richtig ist.

Freude, einen Freund aus Deutschland im Ashram zu haben – 3 Jul 11

Wir landeten mittags in Delhi und wurden am Flughafen von meinen Brüdern Purnendu und Yashendu willkommen geheißen. Sie hatten sich schon darauf gefreut, meinen deutschen Freund zu treffen, der so spontan beschlossen hatte, mich nach Indien zu begleiten.

Zusammen brachen wir nach Vrindavan auf. Auf dem Weg hatte mein Freund den Wunsch, irgendwo für einen Chai anzuhalten. Er war schon zuvor in Indien gewesen, aber nicht in unserer Gegend und er wusst, dass man fast überall entlang der Straße Chai, indischen Tee, trinken kann. Wir hielten an, machten eine kleine Pause und er trank seinen Chai, ehe wir weiterfuhren. Es war schön zu sehen, dass er sich in seiner Umgebung wohlfühlte und dass es für ihn einfach war, in Indien und in dieser Kultur zu sein.

Genauso, wie es für mich, als ich bei ihm war, das erste Mal gewesen war, im Haus einer Person eines anderen Landes zu leben, war es für mich und meine Familie auch das erste Mal, einen Ausländer bei uns zu Hause zu haben. Wir alle, meine ganze Familie, waren aufgeregt und freuten uns, dass er bei uns war. Er lebte mit meinen Brüdern und mir und einer Gruppe Schülern im Ashram, die da waren, um Sanskrit und die Schriften zu lernen. Zusätzlich wohnten dort noch einige Kühe. Ich erinnere mich lebhaft noch an einige Ereignisse während der Zeit, die er 2001 mit uns in Indien verbrachte.

Wie es auch vorher meine Angewohnheit gewesen war, gingen wir jeden Tag zum Haus meiner Eltern, um mit der Familie zusammen zu essen. Ich erinnere mich als wir an einem dieser Tage, vielleicht am ersten seiner Zeit bei uns, im Haus meiner Eltern beim Abendessen saßen. Wie üblich kochte meine Mutter und meine Schwester servierte das Essen auf die Teller. Wie in Indien üblich kam sie zu jedem und fragte, ob sie mehr mochten. Auf diese Weise kam sie zu meinem deutschen Freund und er nahm das Brot an, nahm auch noch Reis an, auch das Gemüse, die Linsen und alles auch, als sie es nochmal brachte. Er wollte gerne alles probieren und das Essen war wirklich lecker und so hatte er einen richtig vollen Teller und war natürlich nicht in der Lage, das alles aufzuessen. Ich denke, er kam einfach nicht auf die Idee, nein zu sagen, als meine Schwester mit Essen vorbeikam.

Ich wusste, dass mein Freund nach dem Abendessen immer eine Zigarette rauchte. Er rauchte sonst nicht, nur eine Zigarette in 24 Stunden und die nach dem Abendessen. Er ging vor den Ashram, um seine Zigaretten zu rauchen und zu Beginn fragte er mich, den Zigarettenstummel in der Hand, wo er ihn denn wegwerfen könne. Ich sah ihn an und konnte nur mit den Schultern zucken. Ich hatte keine Ahnung, wo man das wegwerfen könnte! Er wurde daraufhin erfinderisch und so sahen wir ihn nach jeder seiner Zigaretten auf der Straße in die Hocke gehen und ein Loch in den sandigen Boden graben. Er warf seinen Zigarettenrest hinein und bedeckte das Loch wieder mit Sand. Es war schön zu sehen, dass er es nicht einfach irgendwohin warf, sondern sich wirklich darüber Gedanken machte.

Es war eine großartige Zeit. Wir lachten viel miteinander und übereinander, über die Gewohnheiten und die Kultur des anderen. Eine andere Person und dessen Kultur auf diese Weise kennen zu lernen ist wirklich toll und mein Freund war so offen, mehr zu erfahren, dass wir alle Spaß daran hatten, ihm die Gegend zu zeigen, für ihn zu kochen, mit ihm zu sprechen und ihn an verschiedene Orte mitzunehmen.

Natürlich zeigten wir ihm Vrindavan und die umliegenden Städte. Wir fuhren nach Agra zum Tag Mahal und nach Fatehpur Sikri. Wir sind sogar bis nach Khajuraho gefahren, wo wir die berühmten Kama Sutra Tempel besuchten, die für Touristen in Indien natürlich immer interessant sind. Es ist in etwa 500 Kilometer weit weg und wir fuhren mit dem Auto. Wir waren zu dritt: Yashendu, mein Freund und ich. Yashendu und ich wechselten uns beim Fahren ab und auf dem Rückweg wollte mein deutscher Freund auch einmal fahren. Also wechselten wir und dann fuhr er da, auf der linken Straßenseite im indischen Verkehr. Es hat vielleicht ein paar Minuten gedauert, bis er sich daran gewöhnt hatte, aber dann fuhr er recht gut und auch eine gute Strecke. Er saß ungefähr zwei Stunden hinterm Steuer und wir hatten wirklich viel Spaß. Bis heute ist er der Einzige meiner Freunde aus dem Westen, der sich getraut hat, im indsichen Verkehr Auto zu fahren.

So verging unsere gemeinsame Zeit schnell und der letzte Tag vor der Abreise meines Freundes kam. Als wir am Abend vom Abendessen im Haus meiner Eltern zurückkamen, standen wir im Ashram und sahen einander in die Augen. Ich bin eine sehr emotionale Person und mit dem Gefühl des Abends und dem Blick in seine Augen, kamen mir die Tränen und liefen mir die Wangen hinunter. Er bekam auch feuchte Augen und so standen wir da und sahen uns einfach nur an. Ich werde dieses schöne Gefühl nie vergessen. Wir umarmten uns fest.

Am nächsten Tag brachte ich ihn nach Delhi.

Gefühl des Zuhause-Seins unter Westlern und im fremden Land – 12 Jun 11

Bei meinem deutschen Freund daheim angekommen, traf ich seine Frau und seinen Sohn wieder, den fröhlichen fünf Jahre alten Jungen, den ich mit ihm im Flugzeug und dann auch auf Mallorca getroffen hatte. In den folgenden Tagen machte ich wieder mehrere neue Erfahrungen.

Wie er mir bereits auf unserem Flug nach Mallorca erzählt hatte, war mein Freund ein Doktor und Psychotherapeut. Er zeigte mir seine Praxis in der Stadt Lüneburg und zeigte mir so, wo er arbeitete. Wir gingen zusammen einkaufen und ich kochte in ihrere Küche indisches Essen.

Er hatte ein paar Freunde eingeladen, auch vorbeizukommen, so dass sie mich kennen lernen konnten und ich sie kennen lernen konnte. Ich zeigte ihnen in seinem Wohnzimmer etwas Yoga und sie versuchten mitzumachen. Natürlich hatten sie Spaß dabei, mich zu kopieren, aber es gefiel ihnen auch einfach, mir zuzusehen. Jeder hatte eine gute Zeit und sie waren genauso neugierig auf mich wie ich auf sie.

Es war eine sehr neue Erfahrung für mich. Es war das erste Mal, dass ich mit einem Ausländer oder Fremdstämmigen in einem Haus lebte. Zum ersten Mal war ich für längere Zeit mit jemandem zusammen, der nicht aus meinem Land kam, nicht meiner Kultur angehörte und meine Sprache nicht sprach. In Itzehoe war ich bei meinem indischen Freund gewesen und auch auf Mallorca, in London und in Thailand war ich bei indischen Familien gewesen, umgeben von Menschen, die aus Indien kamen, dort ihre Wurzeln hatten, Hindi sprachen und verstanden und verstanden, wer ich war.

Ich war auch zuvor schon in Kontakt mit Westlern gekommen. In Kontakt kommen ist jedoch etwas völlig anderes, als wirklich mit ihnen zusammen zu leben. Ich lernte etwas über die Essgewohnheiten in Deutschland, über den Lebensstil und viele kleine Dinge, die einfach zu dem gehören, wie das Leben dort anders abläuft als in Indien.

In der westlichen Familie gab es noch einen weiteren Unterschied: wie die Familie mich sah. Mein neuer Freund war keine religiöse Person. Wo auch immer ich zuvor gewesen war, überall waren die Menschen religiös und respektierten mich als heiligen Mensch. Natürlich war es in London etwas entspannter und familiärer, aber hier fühlte ich mich einfach nur wie unter Freunden. Da war Neugier und Respekt für das, was der andere erlebt hat und welche Erfahrungen er gemacht hat, aber nicht diese Ehrfurcht, die begonnen hatte, mich etwas unwohl fühlen zu lassen.

Wir wussten also nicht sehr viel über die Kultur des jeweils anderen und trotzdem waren seine Frau und er mutig genug, meine Gastgeber zu sein und ich war mutig genug, ihr Gast zu sein. Es war das Haus eines Fremden, aber ihre Liebe hat mir das Gefühl gegeben, daheim zu sein. Wir unternahmen vieles gemeinsam und lernten einander besser kennen. Ich erkannte, dass er zwar keine religiöse Person war, sehr wohl aber ein sehr spiritueller Mensch. So haben wir herausgefunden, dass wir beide gerne meditieren und verbrachten etwas Zeit zusammen in Meditation.

Meine Vorstellung von Urlaub – Kein Lernen sondern Entspannung – 25 Jan 11

In Cochin habe ich über Kirchen, Tempel und Sehenswürdigkeiten geschrieben und ein paar Kommentare bekommen, in denen Menschen ausdrücken, dass sie die Architektur solcher Tempel, Kirchen und anderer Gotteshäuser sehr wohl schätzen.
Auch dieser Vorstellung stimme ich vollkommen zu. Ich bin selbst in Paris gewesen und habe Notre Dame dort gesehen, davorgestanden, über die vielen Hände gestaunt, die die Kirche gebaut haben und das Genie des Architekten bewundert, der sich all dies zuvor bereits so ausgemalt hatte. Ich habe auch die Kamasutra Tempel in Khajuraho besucht, die mit religiösem Zweck gebaut wurden und war von ihrer Architektur beeindruckt. Ein weiteres Beispiel von Architektur, die ich bewundere, ist das Taj Mahal in Agra. Jeder Gast, der in den Ashram kommt, bekommt die Empfehlung, einen Tagesausflug von Vrindavan zu machen und sich dieses wunderschöne Denkmal der Liebe anzusehen.

Religiöse Gebäude waren schon immer die Orte, an denen Architekten ihre beste Arbeit gezeigt haben und ich sehe mir ihre Arbeit gerne an. Doch ich brauche keinen Tempel für Gott und ich will meinen Urlaub nicht damit verbringen, nur solche Gebäude anzusehen, besonders, wenn sie nicht wirklich Meisterwerke der Kunst sind. Doch hier in Südindien ist diese Art religiöser Tourismus üblich, besonders unter indischen Touristen.

Auf diese Weise machen die Tempel jede Menge Geld. Man zahlt Eintritt, um in den Tempel zu gelangen, aber nicht nur das! Es gibt verschiedene Kategorien und man kann sich aussuchen, wie nahe man der Statue Gottes und dem Altar kommen möchte und wie viel man zahlen will. Man kann nur wenig zahlen und praktisch an der Türe stehen, um einen Blick von weit weg zu haben oder man zahlt mehr und darf ganz nahe nach vorn. Deine Verehrung hängt also davon ab, wie viel Geld du hast. Um Gott nahe zu sein, brauchst du einen dicken Geldbeutel. Ich will diese Art religiösen Geschäfts sicher nicht unterstützen und so sagte ich, dass Religion meiner Meinung nach in Museen gehört.

Ich bin auch kein Tourist, der eine lange Liste von Orten in der Hand hat, die er alle sehen will, denn meine Vorstellung von Urlaub ist es nicht, geschichtliche Gebäude zu besichtigen und viel zu lernen. Das kann ein Teil meines Urlaubs sein, aber nicht das Hauptziel. Andererseits ist mein Hauptziel auch nicht einkaufen und essen. Ich esse genauso, wie ich daheim auch esse, zu den gleichen Zeiten und oft sogar die gleichen Gerichte. Ich brauche nicht viel, also wüsste ich auch nicht, was ich einkaufen sollte.

Wenn ich mir meinen Urlaub vorstelle, so denke ich an Entspannung. Wenn ich an einem schönen Ort bin, die Atmosphäre genieße und mir vielleicht auch ein paar Gebäude ansehe. Ich sehe gerne die Unterschiede zu dem Ort, an dem ich normalerweise lebe und ich sehe gerne einen schönen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Auf diese Weise wird es zu einer schönen Mischung aus Natur, Kultur, Entspannung und Sightseeing.

Natürliche körperliche Nähe in Indien stärkt Familien – 18 Jan 11

Gestern sagte ich, dass man eine starke emotionale Beziehung zu jemandem aufbauen kann, wenn man sich körperlich nahe ist. Ich sehe oft, dass da ein großer Unterschied besteht zwischen solchen Beziehungen in Indien und in westlichen Ländern.

Vor vielen Jahren war einmal ein Westler hier. Er sah mich und meine Schwester, die nicht mehr bei uns ist, und sah, wie wir spielten und uns umarmten. Er war auf eine Weise fasziniert und sagte ‚Wenn ich das mit meiner Schwester machen würde, würde sie mich sofort wegtreten! Wir halten nie die Hände oder sitzen so nahe beieinander. Wir hatten einfach nie diese körperliche Nähe und diese Dinge sind für mich etwas, was ich nur mit meiner Freundin machen würde.‘ Und wenn man nicht daran gewöhnt ist, sieht es vielleicht seltsam aus, dass Geschwister sich so nahe sind wie wir.

Oft haben Reisende in Indien auch den Eindruck, dass es in Indien viele homosexuelle Männer gibt. Sie sehen, wie sie Hand in Hand auf der Straße spazieren gehen. In westlichen Ländern bedeutet das üblicherweise, dass Männer schwul sind. Man sieht dort keine männlichen Wesen Händchen halten. Hier in Indien jedoch ist das völlig normal. Yashendu und seine engen Freunde sitzen oft eng beieinander, haben die Arme um die Schultern des jeweils anderen gelegt und sprechen mit gedämpften Stimmen, was einer Person aus dem Westen den Eindruck vermitteln könnte, dass sie ein Paar sind, das einander im Flüsterton die Liebe gesteht. Erst, wenn Touristen etwas Zeit in Indien verbracht haben, bemerken sie, dass Männer hier eine Freundschaft und körperlichen Kontakt haben können. Es ist ganz normal.

Ich schätze diesen Punkt der indischen Kultur sehr. Eine Familie schläft oft zusammen in einem Raum. Damit meine ich nicht nur Menschen, die sich kein Haus leisten können und nur einen Raum haben, in dem sie alle leben, kochen, essen und schlafen. Nein, auch Familien, die sich mehr als einen Raum zum Leben leisten können. In dem Haus, in dem wir in meiner Kindheit lebten, hatten wir vier Schlafzimmer und trotzdem schliefen alle sechs, meine Eltern, meine Schwester und wir drei Brüder immer in einem Zimmer. Eine Familie lebt zusammen in einem Haus und so haben sie einfach viel mehr körperliche Nähe zueinander. Dadurch ist natürlich auch die emotionale Verbindung stärker.

Ich habe in beiden Kulturen auch Fälle gesehen, in denen Familienmitglieder große Kämpfe und Probleme hatten, einfach nur, weil zwichen ihnen kein Band der Gefühle bestand, was wiederum aufgrund der körperlichen Trennung fehlte. Und ich fühle, dass besonders im Westen jeder auf körperliche Trennung vorbereitet wird.

Es beginnt in sehr junger Kindheit, wenn bereits ein Baby sein eigenes Zimmer in einer Wohnung oder einem Haus bekommt. Sie schlafen getrennt, bevor sie sogar ihre ersten Worte sprechen können! Und wenn ein Kind bis zu einem bestimmten Alter noch kein eigenes Zimmer hat, fangen die Leute um sie herum an zu denken, dass das auf eine Weise unnatürlich ist! Natürlich bringt man Familien Mitgefühl entgegen, die sich kein separates Zimmer für ein kleines Kind leisten können und es deshalb im Schlafzimmer der Eltern schlafen lassen, doch eigentlich glaubt man, es wäre besser für das Kind, getrennt zu schlafen. Für mich ist das seltsam mitanzusehen, einfach weil in meiner Kultur eine Familie auch dann noch in einem Bett schlafen kann, wenn die Kinder vom Alter her bereits erwachsen sind.

Panik bringt dich nicht weiter – 7 Sep 10

Wir haben schon seit einer Weile unter uns und auch mit unseren Freunden Thomas und Iris darüber gesprochen, wie die Menschen hier auf die Überschwemmung reagieren. Wir haben wieder festgestellt, dass es Unterschiede zu westlichen Ländern gibt und natürlich sind das kulturelle Unterschiede, Einstellungen, die unterschiedlich sind aufgrund der Weise, wie man aufgewachsen ist, wie die Menschen um einen herum denken und reden und was deine Eltern dir beigebracht haben, wie du mit Problemen umgehen solltest.

Als wir das erste Mal in der überschwemmten Gegend waren, stieg das Wasser immer noch an, die Menschen wussten noch nicht, wie schlimm es sein würde. Niemand verfiel in Panik. Sie waren einfach nur da, sahen sich die Straße an und diskutierten, ob das Wasser steigen würde oder nicht. Die Eltern stimmten zu, ihre Jungen zum Ashram zu schicken, froh, dass jemand auf sie aufpassen würde. Sie waren vielleicht besorgt, aber sicher nicht in Panik.

Als die Überschwemmung ihren Höhepunkt erreicht hatte, waren wir dort, um Essen zu verteilen und trafen eine bemerkenswert hohe Anzahl Menschen an, die immer noch, relativ ruhig, in der Gegend lebten. Natürlich gab es einige Frauen, die weinten, als sie ihre Häuser im Wasser davonschwimmen sahen, doch die meisten sahen einfach nur zu. Sie saßen auf ihren Dächern und wenn man zuhörte, konnte man verstehen, wie sie ruhig darüber diskutierten, wie weit das Wasser noch ansteigen würde und ob sie das Viertel vollständig verlassen müssten. Sie erkannten die Tragödie, doch sie akzeptierten sie.

Jede Einstellung hat Vorteile und Nachteile. Im Gespräch nahmen wir an, dass die durschnittlichen Deutschen viel aufgeregter, trauriger und wütender gewesen wären, wenn es ihre Häuser gewesen wären. Ich habe das erlebt, ein Rohr bricht und Wasser füllt einen Raum im Keller, so etwas kann passieren und ist in deinem Kontrollbereich. Doch Menschen verfallen in Panik. Du kannst den Kellerraum am selben Tag noch ausräumen, du hast jemanden, den du um Hilfe rufen kannst und schlussendlich hast du sogar eine Versicherung für deinen Schaden, aber du schreist, weinst, rennst herum und bist in Panik wegen diesem kleinen Fehler oder Unfall.

In diesem Fall hier müssen die Menschen beobachten, ohne irgendetwas tun zu können, wie der Fluss unkontrollierbar in ihre Häuser eindringt. Das Wasser nimmt sich alles, was sie hatten, alles, was sie in ihrem Leben aufgebaut haben und sie wissen nicht einmal, was eine Versicherung ist. Sie haben keine Möglichkeit auch nur irgendetwas zu tun, aber sie geraten nicht in Panik.

Es ist gut, wir hatten keine Massenpanik und die Menschen waren vernünftig, so dass wir mit ihnen reden konnten und gemeinsam überlegten, wie wir ihnen helfen können. Es geht ihnen gut, obwohl die Ersparnisse ihres ganzen Lebens mit dem Wasser den Fluss runter gegangen sind. Es ist faszinierend, die Unterschiede der Reaktionen zu sehen. Doch ich würde sagen, das sind Dinge, die man nicht ändern kann. Akzeptiere sie. Wenn du ruhig bleibst, hast du die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was du machen kannst, was nicht möglich ist, wenn du in Panik gerätst. Du kannst es nicht ändern, das Wasser ist jetzt da und du musst damit umgehen. Sei dort, keine Panik, denke daran, was getan werden muss und die Situation wird sich bessern.

Traditionelle Kleidung Indischer Frauen – 12 Aug 10

Gestern habe ich erwähnt, dass du, egal in welchem Land du bist, dir darüber bewusst sein solltest, was du tust. Das ist wahr und ich würde gerne wieder auf den Punkt zurückkommen, dass man andere Kulturen respektieren und verstehen sollte. Wenn du in ein weit entfernten Land reist, das eine ganz andere Kultur hat als deine, bereitest du dich normalerweise auf deine Reise vor und darauf, was dich erwarten wird. Du versuchst zumindest ein bisschen was zu verfahren, obwohl es nur möglich ist, eine Kultur kennen zu lernen, wenn du sie von innen gefühlt hast.

Wenn du als Frau nach Indien kommst, bekommst du wahrscheinlich schon zuvor den Rat, Kleidung mitzunehmen, die deine Schultern und deine Knie bedeckt. Ich möchte dieses Thema damit beginnen, zu erklären, wie die übliche und traditionelle Kleidung indischer Frauen aussieht.

Es ist nicht wie in manchen Ländern, wo Frauen sich selbst von Kopf bis Fuß bedecken und in Indien kleiden sich die Frauen auch nicht nur in schwarz. Wenn du schon Bilder von indischen Frauen gesehen hast, hast du bestimmt schon bemerkt, wie farbenfroh ihre Kleider sind. Du kannst alles in Hunderten verschiedenen scheinenden Farben kaufen.

Indische Frauen tragen üblicherweise traditionelle Saris oder Punjabi Anzüge. Die Anzüge, auch Salwaar Kameez genannt, sind Hosen mit einer Art langem Shirt darüber und einem Tuch, Dupatta genannt. So sind also nur die Arme frei und das auch nur, wenn es ein Oberteil mit kurzen Ärmel ist. Zusätzlich trägt man die Dupatta über den Brüsten.

Der Sari ist eigentlich nur ein fünf Meter langes Stück Tuch. Um es zu tragen, braucht man noch mehr: ein Petticoat, also ein Unterrock und ein Cholee, eine kurze, enge Bluse. Über dem Petticoat schön gefaltet, um den Körper herum und über das Cholee gelegt kann ein Sari einen Teil des Rückens und des Bauches freilassen. Man kann ihn auch so anlegen, dass er beides, Rücken und Bauch bedeckt, das bleibt dir überlassen.

Ihr seht, Schultern und Beine sind üblicherweise immer bedeck. Deshalb werden sie hier in Indien als sexy betrachtet. In größeren Städten sieht man die Veränderung bereits und viele junge Frauen ziehen sich jetzt im Alltag westlich an, aber sie wissen normalerweise auch, wie man einen Sari für größere Veranstaltungen und Anlässe wickelt.

Morgen möchte ich noch mehr über die Aufmerksamkeit schreiben, die westliche Frauen, die in Indien reisen, manchmal aufgrund ihrer Kleidung auf sich ziehen. Heute jedoch will ich noch hinzufügen, dass das Essen von unserer Freundin Diana Vosyliute gespendet wurde, die dieses Jahr bereits unseren Ashram besucht hat. Wir schicken ihr viel Liebe zu ihrem Geburtstag!
 

Kultureller Austausch zwischen Indien und USA – 21 Juli 10

Im Mai, als wir in Texas waren, waren wir bei unseren Freunden Jeff und Joanne. An einem Tag hat uns Jeff mit zu seiner Kirche genommen, der Bay Area Unitarian Univeralist Church in League City, wo sie auch eine kleine Schule haben. Er ist dort Lehrer und zeigte sie uns. Die Kirche beschloss auch, Pate für eines der Kinder unserer Schule zu werden und während wir darüber sprachen, hatte Jeff die Idee, dass wir einen kulturellen Austausch für die Kinder organisieren könnten.

Sie hatten im Juli eine kulturelle Woche geplant, in der die Kinder mehr über verschiedene Länder lernen sollten und Indien konnte doch eines davon sein. Wir freuten uns alle sehr darauf. Und letzte Woche erzählte Purnendu dann den Kindern in unserer Schule davon und eines der Mädchen bereitete einen Tanz vor, den wir mit Skype aufnahmen. Das Video haben wir hochgeladen und Jeffs Schule zugeschickt, so dass die Kinder dort unsere Kinder etwas kennen lernen können, sehen, wie sie essen und welche Art von Tanz sie tun. Sie freuen sich schon darauf, die Vorführung der Kinder in Texas zu sehen, die diese aufnehmen und schicken werden.

Wir freuen uns sehr über diese Art von Austausch. Durch das Internet und unsere internationalen Verbindungen haben wir die Möglichkeit, unseren Kindern die Welt zu zeigen. Sie bekommen einen einzigartigen Einblick, etwas, das früher nie möglich war, und vielleicht können sie sich eines Tages im Land des anderen auch persönlich treffen. Wer weiß? Wenn einer von euch ein ähnliches Projekt im Kopf hat und gerne einen Austausch machen würde, heißen wir jeden Vorschlag gerne willkommen, zusammen etwas für die Kinder zu tun.
 

Umgang mit Missverstandenen Botschaften als Guru und später – 12 Juni 10

Wenn man etwas ausdrückt, will man üblicherweise der anderen Person eine Botschaft übermittlen. Du willst etwas mitteilen oder du brauchst Information und drückst deine Unkenntnis oder Verwirrung aus. Und wenn die andere Person deine Botschaft bekommt, wird er oder sie verstehen, was du sagen willst, dir eine Antwort geben, dir das reichen, was du gebraucht hast oder einfach die Information, die du ihnen mitgeteilt hast im Kopf behalten.

Was aber, wenn diese Botschaft ihren beabsichtigten Empfänger nicht erreicht? Was, wenn derjenige, an den du es gerichtet hat, es nicht versteht oder es völlig falsch versteht? Das passiert mir manchmal, besonders, wenn ich telefonieren, wenn die Person also nicht persönlich vor mit steht. Ein Grund dafür ist natürlich die Sprache und ein anderer die Kultur, weil man Dinge auf unterschiedliche Weise ausdrückt und es einfacher ist, zwischen den Zeilen zu lesen, wenn es in der eigenen Sprache oder Kultur ist. Naja, manchmal passiert das, oft kann man die Dinge wieder gerade rücken, aber manchmal raubt es einem viel Energie.

Ich habe mich heute gefragt, warum das zuvor in meinem Leben nicht so oft geschehen ist, in den letzten Jahren aber zugenommen hat. Und ich glaube, dass ich auch dafür eine Antwort gefunden habe. Als ich das Leben eines Guru lebte, war ich einfach nicht zugänglich. Ich habe Menschen Vorträge, Heilsitzungen und Beratungen gegeben, aber ich saß immer etwas höher, war immer in einer bestimmten Entfernung. Das kommt mit dem Beruf des Gurus. Und selbst nach der Zeit in der Höhle, als ich das Reisen begann, gab es immer noch diese Entfernung. Heutzutage sage ich es deutlicher und mache es in meinen Handlungen deutlich. Ich bin zugänglich; ich lasse die Menschen wissen, dass ich ein ganz gewöhnlicher, normaler Mensch bin. Und jetzt kann mich jeder missverstehen, unabsichtlich oder sogar absichtlich, und ich muss persönlich damit umgehen. Naja, ich denke mal, das ist es, was diese kleinen Veränderung mit sich bringt. Aber ich freue mich auch über diese Veränderung, weil mein Leben schön ist und ich einfach nur sehr glücklich bin.