Wir haben viele Beileidsbekundungen bekommen und das auf unterschiedlichen Wegen und ich bin dankbar für all die Unterstützung und Anteilnahme in dieser Zeit der Trauer. Ich konnte nicht jedem Einzelnen antworten, aber wisst, dass jede Zeile des Mitgefühls unsere Herzen erreicht hat. Es ist schön zu wissen, dass andere in Gedanken bei dir sind, selbst wenn das die traurigen Tatsachen nicht ändern kann.
Wir haben einfach nie gedacht, dass unsere Mutter so schnell von uns gehen würde. Wenn jemand am Ende eines langen Lebens angekommen ist, wie meine Großmutter, so ist man auf eine Weise darauf vorbereitet, dass sie bald gehen wird. Dieser plötzliche Herzanfall bedeutete, dass wir mental nicht auf ihr Ableben vorbereitet waren, aber andererseits bedeutete es auch, dass sie nicht leiden musste. Das tröstet uns immer wieder – dass sie bis zum letzten Abend ihres Lebens gelacht hat und glücklich und gesund war.
Vierzig Jahre unseres gemeinsamen Lebens und unzählige Erinnerungen sind in den letzten Tagen vor meinem inneren Auge vorbeigezogen und in der Familie haben wir unsere Erinnerungen miteinander geteilt.
Eine meiner liebsten Erinnerungen ist von der Zeit, als meine Schwester geboren wurde. Wir fuhren in der Rickshaw, Ammaji saß vorne und ich stand hinten drauf. Ich war sehr stolz, dass ich meine Mutter ins Krankenhaus gebracht hatte, damit sie meine kleine Schwester bekommen konnte.
Ammaji erzog uns zu Menschen, die Verantwortung übernehmen können und stolz darauf sein können, was sie erreicht haben. Purnendu und ich erinnern uns daran, wie sie mir 500 Rupien gab, was damals viel Geld war, und mir sagte, ich solle mit dem Geld nun einen Monat lang das Haus führen. Wenn etwas übrig bleiben würde, so wäre es meins. Ich erinnere mich auch, wie ich ein anderes Mal die Stromrechnung zahlen gegangen bin, während sie sich um meine jüngeren Geschwister zu Hause kümmerte. Es war toll, ihr Vertrauen in mich zu spüren und ich war stolz, meine Aufgaben gut zu erledigen!
Wir drei Brüder erinnern uns alle an unser Geschenk zu unserem zehnten Geburtstag. Am 14. Oktober 1981 ging Ammaji mit mir zur Bank, am 22. Juli 1983 ging sie mit Purnendu und am 8. August 1990 ging sie mit Yashendu. Jedes Mal hatte sie ein paar Rupien dabei und eröffnete damit ein Konto – unser Geburtstagsgeschenk.
Als ich mit meinem Vater zu reisen begann, war Purnendu daheim der Älteste und er half auch viel mit. Er lernte von ihr auch das Kochen und sie konnte sich völlig darauf verlassen, dass er die Mahlzeiten für die Familie zubereitete. Er lernte all seine Organisationskünste von ihr – darin war sie Meister!
Jedes Jahr an den Diwali Festtagen gibt es einen Tag, an dem man etwas für das Haus kauft. Ich weiß, wie sie an dem Tag immer im Ashram saß und darauf wartete, dass Purnendu vom Markt kam – jedes Jahr machte er ihr ein Geschenk, das ihre Augen zum Leuchten brachte. Ein neuer Wok, ein großer neuer Gasherd, um Essen für die große Ashram-Familie zu machen oder ein riesiger neuer Dampfkochtopf.
Sie hat ihre Liebe immer durchs Essen ausgedrückt und dadurch, dass sie denjenigen zu Essen gab, die sie liebte. Wenn wir aßen, wollte sie uns immer etwas mehr geben, während wir witzelten, dass wir bloß Menschen waren und nicht keinen einzigen Bissen mehr essen konnten! Am Ende nahmen wir immer doch noch ein bisschen mehr, bloß weil es so gut schmeckte. An ihrem letzten Abend, als wir bereits mit dem Essen fertig waren, sagte sie Yashendu, er solle noch ein Brot nehmen: ‚Aashu, nimm noch eins!‘ Nach ihrem üblichen Spiel des Anbietens und Ablehnens, nahm er es schließlich, obwohl er bereits mehr als voll war. Es war das letzte Brot, das sie von ihren machen sollte.
Yashendu war und blieb der Jüngste, ihr Baby. Sie hob immer noch eine Portion Süßes extra für ihn auf. Wenn wir alle im Bett waren, ging er noch einmal in ihr Zimmer und fragte sie, ob sie noch etwas zu Essen hatte, so dass sie es schließlich rausholte. Selbst an ihrem letzten Abend hatte sie das letzte bisschen Gajar ka Halwa für ihn zur Seite gelegt, was er sich dann später am Abend schmecken ließ.
Jetzt sind nur noch Erinnerungen übrig und wir müssen lernen, ohne sie zu leben. Die Welt geht weiter und wir werden auch weiterleben, aber jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Mutter stirbt.
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