Tagesstätte für dein Kind – und was bleibt dir? – 28 Sep 16

Als Eltern denkt man natürlich immer darüber nach, was für sein Kind das Beste ist. In der Tat ist das das Hauptziel: eine Umgebung für das Kind zu schaffen, die die beste Zukunft garantiert und ihn oder sie glücklich macht. Darüber vergessen viele Leute jedoch, dass diese Kinder ihre Eltern auch körperlich brauchen. Dass sie sie bei sich brauchen!

Heute in Gurgaon sprachen Ramona und ich wieder einmal hierüber. Wir waren für eine Knie-Untersuchung meines Vaters im Krankenhaus. Er hatte im März neue Kniegelenke eingesetzt bekommen und hatte einige Themen, über die er mit dem Arzt sprechen wollte. Wir gehen immer in das große Privatkrankenhaus, in dem auch Apra geboren wurde. Man geht hinein und sieht glückliche Krankenschwestern und Koordinatoren, man spricht mit den Ärzten und hat ein gutes Gefühl damit, dass man sich an sie gewandt hat.

Wir warteten gerade darauf, dass wir an der Reihe waren, da sagte Ramona zu mir: ist es hier in der Stadt nicht schön? Die Leute haben ihre Arbeit, wie hier im Krankenhaus, sie arbeiten ihren Arbeitstag lang und sind glücklich, gehen dann nach Hause und haben ihre Familienzeit. Es fühlt sich an, als hätten sie ein gutes Leben.

Als wir in der Cafeteria saßen – nachdem wir mit dem Arzt gesprochen hatten und er meinem Vater weitere Übungen empfohlen hatte – schauten wir eine Weile lang aus dem Fenster. Neben dem Krankenhaus gibt es einen Kindergarten, den wir nun im Laufe der Jahre haben wachsen sehen. Naben dem Name oben auf dem Gebäude sahen wir ein großes neues Plakat: ‚Offen bis 19:30!‘

Als wir das sahen, fühlten Ramona und ich das Gleiche: wie schade, wenn man sein Kind in einen solchen Kindergarten oder eine solche Kindertagesstätte geben muss. Man weckt das Kind in der Früh auf und macht die Morgen-Routine mit Zähneputzen und Frühstück, aber da ist nicht viel Zeit, schon müssen sie in der Schule sein und du bei der Arbeit. Und dann bist du bis zum Abend um halb acht beschäftigt! Hole dein Kind ab, dann eine Abend-Routine mit Essen und Bettgeschichte – und schon wird geschlafen!

Was hat dein Kind da von dir? Was hast du von deinem Kind? Habt ihr überhaupt Zeit, die ihr miteinander verbringen könnt? Die Tatsache, dass eine solche Tagesstätte gebraucht wird, zeigt mir, dass da etwas falsch läuft! Und das ist ein Teil der riesigen Firmenwelt: der Druck, die Zeit, die man dort verbringen muss und das, was die Kinder dadurch verlieren, dass du nicht für sie da bist und bei ihnen bist.

Ist es nicht schrecklich, dass es so ist? Und deshalb ziehe ich dem das Leben in einer kleinen Stadt wie Vrindavan vor: hier verdienen die Menschen vielleicht etwas weniger Geld. Vielleicht haben wir auch weniger Möglichkeiten, wenn es ums Einkaufen und so geht. Was wir jedoch haben, das ist Zeit für unsere Kinder. Natürlich ist das verallgemeinert. Der Trend geht auch hier in diese Richtung. Es ist wirklich schade…

Was auch immer du tust und wo auch immer du lebst: ich bin immer noch sehr stark der Meinung, das es besser ist, etwas weniger zu verdienen, etwas einfacher zu leben – dafür aber glücklich zu sein!

Eltern eines Schulmädchens – Perfektionierung unserer täglichen Aufgaben! – 22 Sep 16

Ich habe euch bereits erzählt, dass Apra seit Juli auf eine Schule in Mathura geht und dass das unser Leben wieder einmal verändert hat. Ja, unser und nicht nur Apras – denn wir sind nun Eltern eines Schulmädchens, was eine völlig neue Dimension des Eltern-Daseins ist!

Ich hätte nicht gedacht, dass so viel extra zu tun ist, wenn man sein Kind zur Schule schickt! Naja, das Erste ist, dass es nun einen geregelten Rhythmus geben muss, wann Apra ins Bett muss und wann wir sie aufwecken. Da wir mit der Eröffnung des Restaurants unseren Lebensstil sowieso geändert haben, war es nicht schwierig, auch das mit einzubauen – und während es zumeist Ramonas Aufgabe ist, Apra ins Bett zu bringen, bin ich derjenige, der unseren kleinen Engel in der Früh aufweckt. Ich bin nicht sicher, welche Aufgabe die Schwierigere ist! 🙂

Wir sind jedoch nicht nur dafür verantwortlich, sie zur Schule zu schicken! Bei ihrer Einschulung haben wir einige Papiere mit Anweisungen bekommen und versuchen unser Bestes, diese zu befolgen – doch als erstmalige Schulkind-Eltern arbeiten wir noch an den Einzelheiten!

Natürlich gibt es eine Kleiderordnung. An normalen Tagen ist das die Schuluniform, was recht angenehm ist, da wir uns keine Gedanken drum machen müssen, was wir ihr anziehen sollen. Es gibt jedoch auch ‚Fun Fridays‘ – an jedem Freitag dürfen die Kinder in Apras Klasse in normaler Kleidung kommen. Diese sollte jedoch der ‚Farbe des Monats‘ angepasst sein, welche im September zum Beispiel gelb war. Zumindest ein kleiner Teil dessen, was sie anhat, sollte gelb sein!

Oh ja und Fun Fridays bedeutet auch, dass man ‘Fun Food’ mitbringen kann. Das ist eine Ausnahme zur normalen Regel, dass man nur gesundes Essen in die Brotzeitdose packen sollte. Ramona hatte damit ihre eigenen Schwierigkeiten, da ‚gesund‘ für eine normale indische Familie sehr wohl auch frittierte Kartoffelstücke beinhaltet – jedoch keine Nudeln mit Gemüse! Naja, wir haben mit Paratha und Gemüse einen guten Mittelweg gefunden!

Natürlich gibt es auch besondere Tage wie den 15. August, Indiens Unabhängigkeitstag, an dem man sein Kind in traditioneller Kleidung zur Schule schicken sollte, Tag an denen die Kinder basteln und man Flöten, Glitzer und Dekobänder schicken soll und mehr.

Dann gibt es noch ‘PTMs’, also ‚Parents-Teacher-Meetings‘, was man mit ‚Elterntag‘ übersetzen könnte. Wir hatten diesen Monat unseren Ersten – weil wir den Termin im August verpasst haben. Also kamen Ramona und ich in der Schule an, dachten, dass wir zur Lehrerin gehen, etwas über Apra reden und wieder gehen würden. Aber oh, da war eine ganze Ausstellung dessen, was die Klassen über die Monate hinweg an Kunstwerken produziert hatten und alle Kinder zeigten stolz ihren Eltern ihre Werke und spielten dort… naja, nächstes Mal bringen wir Apra auch mit! 😀

Wie ich bereits sagte, wir arbeiten noch an den Einzelheiten, sind jedoch zuversichtlich, dass wir im Laufe der nächsten Wochen und Monate unsere Schulkind-Eltern-Fähigkeiten noch ausbauen werden können!

Warum wir Apras Schule wechseln mussten – 12 Sep 16

Ich habe gerade gemerkt, dass ich in der Zeit, in der ich weniger Blogeinträge geschrieben habe, es verpasst habe, euch von einem wichtigen Tag zu erzählen, der noch eine große Veränderung in unser Leben gebracht hat: Apra geht nun ganz offiziell zur Schule!

Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ich euch letztes Jahr von Apras Besuchen in unserer Schule erzählt habe. Mit ihren dreieinhalb Jahren war sie immer noch sehr klein und wir hatten eigentlich nicht vorgehabt, sie so früh zur Schule zu schicken. Wir sind allgemein der Meinung, dass Kinder in dem Alter die Zeit zum Spielen brauchen und nicht dafür, in der Schule zu sitzen und zu lernen, wie es hier so oft der Fall ist. Doch Apras Ashram-Brüder gingen alle in der Früh zur Schule und so wollte sie auch unbedingt gehen – und sie ging gerne in den Unterricht, in dem Lehrer mit den Kindern sangen und spielten!

Also ließen wir sie gehen und ermunterten sie auch dazu. Doch bald merkten wir, dass es nicht so einfach war wie wir dachten. Apra hat ihren eigenen Kopf und begann zwischen den Klassen hin- und her zu wandern. Manchmal setzte sie sich in eine, manchmal in die andere Klasse. Die Lehrerinnen spielten gerne mit der Kleinen – doch das half ihr natürlich nicht zu lernen und gleichzeitig störte es die anderen Klassen! Und wann auch immer sie Lust hatte, kam sie zurück nach Hause, kam in unser Büro und erklärte, dass sie für den Tag mit der Schule fertig war!

Wir erkannten, dass unsere Schule, so sehr wir auch wollten, dass Apra hier lernte, immer dieses Problem aufzeigen würde: sie wäre nie eine unter allen und Zuhause wäre immer zu nahe! Für eine gewisse Disziplin, die sie im Leben lernen muss, braucht sie Abstand zwischen Zuhause und Schule! Doch was sollten wir tun? Wir wussten, dass die Schulen in der Umgebung alle in ihrem Alltag Gewalt anwenden – etwas, was für uns unmöglich zu ertragen wäre! Hatten wir eine andere Möglichkeit?

In den letzten Sommerferien kam schließlich eine Frau als Gast in unser Restaurant, die mal in einer Schule in Mathura gearbeitet hatte, von der wir bis jetzt nur gehört hatten. Wir hatten versucht herauszufinden, wo diese Schule war, hatten online jedoch Schwierigkeiten gehabt. Doch in unserem Gespräch mit ihr fragten wir ganz deutlich, ob dort Gewalt angewandt wurde – und erfuhren, dass es streng verboten war! Das war Musik in unseren Ohren!

Sofort riefen wir dort an und gingen am nächsten Tag die Schule besuchen – wir waren überwältigt! Dort, in Mathura, nicht zu weit von unserem Ashram entfernt, fanden wir einen Ort, der zu unserer Philosophie passt, wo Kinder spielerisch lernen können, wo Gewalt streng verboten ist und wo kein Druck auf die Kleinen ausgeübt wird! Aktivitäts-Stunden sind wichtiger und es gibt jede Menge Spielplätze, Sportplätze und Wiesen für Spiele auf dem riesigen Geländer der Schule. Die Lehrerinnen, die wir trafen, waren mit Apra sehr liebevoll und die Philosophie, die der Direktor uns erklärte, passte so gut mit unseren Vorstellungen zusammen, dass wir sofort die Anzahlung für Apras Aufnahmegebühr!

Und so kam es, dass wir am 4. Juli 2016 in die Schule gingen, Apra zwischen Ramona und mir, in ihrer neuen Schuluniform und unglaublich stolz! Apra und Ramona hatten eine Schultüte gebastelt – und nach einigen Stunden in der Schule durfte sie sie aufmachen und fand Süßigkeiten, Aufkleber und eine Stifte-Etui für das große Schulmädchen!

Jetzt sind wir also offiziell Eltern eines Schulmädchens – und natürlich habe ich einige Geschichten darüber, wie das unser und Apras Leben verändert hat!

Inder schlagen ihre Kinder in der Öffentlichkeit – und haben keinerlei Schuldgefühle! – 8 Jun 16

In unserem Restaurant werden wir immer wieder Zeugen von etwas, gegen das wir nun schon viele Jahre lang arbeiten: häusliche Gewalt gegen Kinder. Leider ist das hier in Indien so üblich, dass kein Tag vergeht, an dem wir nicht sehen, wie ein Kind geschlagen wird oder ihm zumindest mit Schlägen gedroht wird. Mitten im Restaurant, wo es jeder sehen und hören kann. Ohne Scham oder Schuldgefühle. Es ist ganz normal.

Ich wusste das. Ich habe es schon immer gewusst, weil ich hier aufgewachsen bin. Für Ramona war es schockierend, wenn es auch im Laufe der Zeit erst so klar wurde. In den vergangenen Jahren, war das eher ein Thema, das wir in Schulen sahen. Klar: wir hatten Patenschaften für Kinder in anderen Schulen übernommen und körperliche Züchtigung, Gewalt, war eines der Probleme, die wir dort sahen. Wir eröffneten unsere eigene Schule und brachten unseren Lehrern bei, wie sie ohne Gewalt unterrichten. Es ist ein endloses Thema, weil man diese Gespräche, Workshops und Stunden mit neuen Lehrern immer wieder wiederholen muss! Es war ein direkter Austausch mit Lehrern, nicht so sehr mit Eltern – obwohl wir natürlich auch das sahen!

Mit Apras Geburt und in den Jahren, die folgten, wurden wir sehr stark daran erinnert, dass das auch in den Häusern und Familien ein Problem ist. Die Kinder von Angestellten im Ashram wurden geschlagen – und wir stellten uns dagegen. Wir schafften Regeln für Angestellte. Sie durften in unserem Ashram keine Gewalt und keine gewalttätige Sprache verwenden. Das war unsere kleine Welt hier, in der wir lebten.

Nun, mit der Eröffnung des Restaurants, ist die Außenwelt zu uns gekommen und dieser Aspekt davon ist etwas, was uns nicht gefällt. Etwas, was uns sogar sehr missfällt – was wir jedoch nicht ändern können, außer in unserer eigenen Umgebung.

Das sind kleine Kinder, die einfach nur hungrig sind, darauf warten, dass ihre Eltern endlich bestellen und dass dann das Essen kommt. Sie werden ungeduldig, können nicht stillsitzen und spielen mit dem Besteck, den Servietten und dem Geschirr. Manchmal gibt es nur die Drohung: ‚Hör jetzt auf oder es setzt was!‘, ‚Mach weiter und es hagelt Ohrfeigen!‘ und so weiter. Viel öfter sehen wir gleich die Handlung: eine Ohrfeige, ein Schlag auf die Hände, auf den Hintern. Und dann geht das Gespräch einfach weiter.

Es ist auch für alle um sie herum einfach nur normal. Nur wir sitzen da mit dem Gefühl, dass wir widersprechen wollen, dass wir einspringen und das Kind beschützen wollen. Mit dem Bedürfnis ihnen zu sagen, so etwas in unserem Restaurant nicht zu tun. Am Ende jedoch sind wir diejenigen, die hier seltsam erscheinen. Diejenigen, die es anders machen.

Schließlich sind unsere Gäste gebildete Menschen. Während die Eltern unserer Schulkinder daher kommen, was die Gesellschaft ‚untere Schicht‘ nennen würde, sprechen wir hier von der höheren Mittel- und der oberen Klasse.

Das, meine lieben Leser, ist Kultur. Es ist einer der dunkleren Aspekte unserer Kultur. Ich hoffe, das wird eines Tages verschwinden. Wir werden sowieso weiter dagegen kämpfen und hoffen nur, dass andere dem folgen, so dass wir den Tag noch erleben, an dem in unserem Restaurant kein Kind geschlagen wird!

Ehe ist ein Band der Liebe – Kinder beweisen, dass das Geschlecht keine Rolle spielt! – 15 Mär 16

Während wir die letzten Tage in Gurgaon verbracht haben, fand eine Veranstaltung statt, zu der Ramona gegangen wäre, wäre sie in Vrindavan gewesen: ein Mädchen, das an unserer Schule gelernt hatte, heiratete. Warum ich jedoch nun hierüber schreibe, ist nicht diese Tatsache, sondern vielmehr Apras Reaktion darauf, als wir diese junge Frau gestern trafen!

Das Mädchen, von dem ich schreibe, hat später mit der Schule begonnen als Kinder es gewöhnlich tun – und so haben ihre Eltern beschlossen, sie nun zu verheiraten. Nach ihrer Hochzeit war sie einige Tage zu ihrem Ehemann nach Hause gegangen. Gestern kam sie wieder zurück und da sie in der Nähe wohnt, machte sie auf dem Weg einen kleinen Zwischenstopp in unserem Restaurant. Sie war in Begleitung ihrer Schwester und beide unterhielten sich eine Weile lang mit Ramona. Natürlich stand Apra da neben ihnen, sah und hörte zu.

Nachdem sie gegangen waren, fragte Apra Ramona: ‘Ma, hat sie eine Frau oder einen Mann geheiratet?‘

Für uns war das eine Frage, die uns glücklich und irgendwie zufrieden machte: unsere Definition der Ehe, von der wir natürlich auch Apra erzählt haben, ist, dass zwei Menschen einander so sehr lieben, dass sie beschließen, auf immer zusammen zu leben. Bitte anmerken: zwei Menschen, nicht ein Mann und eine Frau.

Da die Mehrheit der Ehen in unserem Umfeld aus einem Mann und einer Frau bestehen, waren wir uns nicht komplett sicher, ob Apra sich dieser Einzelheit bewusst war oder nicht. Diese Frage jedoch bestätigte: für Apra ist es einfach natürlich, dass sich zwei Männer oder zwei Frauen genauso sehr lieben können, wie ihre Ma und ihr Pa es tun.

Es ist für sie ganz natürlich zu fühlen und zu glauben – und ich glaube, solange man Kindern nicht aktiv beibringt, anders zu denken, wachsen Mädchen und Jungs zu Erwachsenen heran, die Homosexualität als normal betrachten. Etwas, das mit den Gefühlen einer Person zu tun hat.

Als wir über diesen Vorfall sprachen, erzählte Ramona mir lachend von einer weiteren Unterhaltung, die sie mit unserer Tochter hatte: Apra und sie erfanden eine Geschichte über zwei Prinzessinnen. Sie waren Schwestern und Apra beschloss, dass sie auch heiraten würden, doch als Ramona einwarf, dass man seine Schwester nicht heiraten kann, antwortete Apra: ‚Okay, sie können einen Prinzen heiraten. Aber den müssen sie teilen!‘

Das, meine liebe Tochter, ist Promiskuität und ein Thema, über das wir ein anderes Mal sprechen werden! 🙂

Nein, liebe Tochter, nicht jede dicke Frau ist schwanger! – 9 Mär 16

Gestern habe ich euch erzählt, wie aufgeregt Apra wird, wenn sie schwangere Frauen sieht. Diese Aufregung hat eine lustige Situation geschaffen, von der ich euch gerne erzählen möchte. Ich bin mir nicht sicher, ob die Schlussfolgerung dieser Situation ist, dass Inder direkter sind oder dass sie die Wahrheit einfacher akzeptieren – oder keins von beidem.

Ihr wisst bereits, dass Apra aufgeregt ist, wenn sie schwangere Frauen sieht und sie uns auch extra zeigt. Sie rennt für gewöhnlich zu uns und ruft ‚Schaut, Ma und Pa, da ist eine schwangere Frau!‘ Das ist ziemlich niedlich und bringt uns und für gewöhnlich auch die werdenden Eltern zum lächeln.

Naja, nur dass in einem Fall vor Kurzem die Frau überhaupt nicht schwanger war!

Oh, wie peinlich Ramona das sofort fand! Die schwere Dame jedoch lachte laut auf und erklärte Apra: ‚Nein, ich bin nur fett!‘

Es war zum Schreien komisch! Die Überraschung in Apras und auch Ramonas Augen! Ramona hatte erwartet, dass die Dame empört und wütend reagieren würde, doch das war überhaupt nicht der Fall! Sie wusste, warum unser Mädchen sie für schwanger gehalten hatte: ihr Bauch wölbte sich nach vorne als wäre sie schwanger!

Sie ging weiter, immer noch belustigt, und ließ uns dort stehen, mich am Lachen, Apra ein verlegenes Lächeln und Ramona zwischen Verlegenheit und Heiterkeit! Und da war noch ein Gefühl: Erstaunen darüber, wie diese Frau so klar und laut mit einer Menschenmenge um sich herum sagen konnte: ‚Ich bin fett‘!

So etwas kann man in Indien oft sehen: jemand, der definitive übergewichtig ist, kann ganz klar sagen: ich bin dick. Da wird überhaupt nicht gezögert und man ist auch nicht verlegen. Es ist eine Akzeptanz dieser Wahrheit, die so ganz anders ist als das Schamgefühl und Schuldgefühl, das man sonst so oft sieht, wenn es um das Thema Gewicht geht!

Gleichzeitig jedoch gibt es die gleiche fixe Idee, dünn sein zu wollen, die man auch im Westen beobachtet! Frauen machen einander Komplimente zu ihrem Gewichtsverlust und beklagen sich über ihr eigenes Gewicht. Vielleicht ist nur die Art und Weise, wie sie es tun anders?

Eines ist jedoch sicher: Apra hat gelernt, dass nicht jede Frau mit dickem Bauch auch schwanger ist!

Können Männer Babys haben? Warum nicht? – Fragen einer Vierjährigen – 8 Mär 16

Gestern habe ich euch erzählt, wie fasziniert Apra von der Tatsache war, dass wir Freunde, Paare, haben, die zwar zusammen sind, aber nicht verheiratet. Sie ist mindestens genauso fasziniert von der Vorstellung, dass Frauen Babys bekommen können!

Schon lange weiß Apra, dass sie aus Ramonas Bauch gekommen ist. Wir haben ihr die Geschichte erzählt, wie sie im Bauch wir, wie wir ins Krankenhaus gegangen sind und die Ärzte den Bauch ihrer Ma aufgeschnitten haben und sie herausgeholt haben. Wir erzählen ihr, wie sehr wir uns auf sie freuten und wie schön es war, sie endlich zu sehen. Bis vor Kurzem ging es da einzig und allein um sie, da sie damit beschäftigt war, mehr über ihre eigene Identität zu lernen. Jetzt jedoch wird sie älter, weiß viel mehr über sich selbst und will mehr über die Welt um sich herum erfahren. Und dazu gehören natürlich auch Babys anderer Leute!

Also fragte sie Ramona ob nur Frauen Babys bekommen. Könnten denn nicht auch Männer Babys bekommen? Und warum denn nicht? Die nächste Frage war, wie viele Babys denn in einer Mutter sein könnten. Zwillinge, Drillinge, Vierlinge… es dauerte eine Weile bis sie verstand, dass dann all diese Kinder auch gleich alt sein würden und nicht, dass alle Geschwister Zwillinge oder Drillinge genannt werden!

Nun freut sie sich, wann auch immer sie eine schwangere Frau sieht. Sie ruft Ramona oder mich aufgeregt, zeigt uns die schwangere Frau und erklärt uns, dass diese bald ein Baby bekommen würde. Dann stellt sie für gewöhnlich weitere Fragen, die wir normalerweise nicht beantworten können: wann wird das Baby rauskommen? Wie viele Babys sind da drin?

Als wir neulich für eine von Monikas Untersuchungen im Krankenhaus waren, sah sie eine schwangere Ärztin, deren Arztkittel noch gerade so über ihrem Bauch zuging. Apra wurde so aufgeregt, dass sie sich nur mit Mühe beherrschte, Ramona nicht am Shirt zu der Frau zu ziehen: ‚Schau mal, Ma, eine Frau Doktor, die ein Baby bekommt! Sie hat ein Baby im Bauch!‘ Natürlich gingen ihre Gedanken noch weiter und eine Frage folgte: ‚Wer hilft ihr denn dann, das Baby rauszuholen?‘ Oh, eine andere Ärztin natürlich – und sie war die Chefärztin der zahnmedizinischen Abteilung des Krankenhauses, also gehört Geburtshilfe wahrscheinlich sowieso nicht zu ihren alltäglichen Aufgaben…

Ich liebe ihre Neugier, selbst wenn es manchmal ein bisschen viel des nie-enden-wollenden ‚Warum?‘ und ‚Warum nicht?‘ ist. Es hilft ihr mehr Wissen anzuhäufen, die Welt besser zu verstehen und eine bessere Vorstellung des Lebens zu bekommen! Eine neues, vierjähriges Wesen auf dieser Welt will besser verstehen, wie das Leben funktioniert, wie es beginnt – ist das nicht wunderschön?

Ehe und Beziehungen – ein schwieriges Konzept für eine Vierjährige! – 7 Mär 16

Heute möchte ich euch gerne von Liebe, Heirat und Kindern erzählen – und von ihren vielen Fragen! Ich tue das, während ich zusehe und zuhöre wie meine vierjährige Tochter mehr über das Leben lernt!

Apra weiß, dass ihre Eltern verheiratet sind. Sie hat Bilder davon gesehen, wie Ma und Pa heiraten, von der Feier mit den Gästen und natürlich das schöne Kleid. Viele der Freunde ihrer Eltern sind verheiratet: Thomas und Iris, Sonja und Peter, Michael und Andrea und so weiter. Selbst Oma und Opa. Es gibt andere, alleinstehende Freunde, die immer alleine kommen. Natürlich kommt bei ihnen diese Fragen gar nicht erst auf. Da gibt es jedoch noch eine dritte Art Freund: diejenigen, die nicht verheiratet, aber in einer Beziehung sind!

Apra nimmt einfach an, dass sie verheiratet sind. Veri und Chris waren vor Kurzem hier. Ich habe euch von ihrem Besuch erzählt. Irgendwie kamen wir auch das Thema Hochzeiten und ich glaube da fragte Apra Veri: Wann habt ihr denn geheiratet?

Veri antwortete, dass sie überhaupt nicht verheiratet seien – und eine gute Weile lang konnte Apra das gar nicht glauben! Sie fragte dreimal hintereinander, ob das wahr sei und ließ sich die Antwort jedes Mal auch von ihrer Mutter bestätigen, für den Fall, dass Veri und Chris sich mit ihr einen Spaß erlauben.

Doch die Information wurde wiederholt und so fragte sie schließlich: warum nicht?

Nun versuchen wir alle, dieser Vierjährigen zu erklären, dass man jede Menge Zeit zusammen verbringen kann, den anderen lieben kann und trotzdem nicht verheiratet sein muss. Wann oder warum heiratet man dann, wenn es sowieso fast das Gleiche ist? Ich witzele immer und nenne diese Zeit vor der Hochzeit die ‚Testperiode‘ einer Beziehung! Eines Tages beschließt man einfach, dass es vorbei ist! Nun kann man eine Feier veranstalten und es ‚offiziell‘ machen, dass die Beziehung für immer halten wird!

Wäre deine Liebe nicht gut genug ohne dieses Zertifikat? Ich habe den Menschen schon immer erzählt, dass wir verheiratet sind, bevor wir ein Papier unterschrieben hatten – denn so fühlte es sich für mich an. Versuche mal, das einem kleinen Mädchen zu erklären!

Sie verarbeitet alle Information, die man ihr gibt, speichert sie in ihrem kleinen, aber so schnellen Kopf ab und verknüpft sie mit anderen Dingen, die sie gehört oder gelernt hat. Dir macht das auch Freude, weil du das Gefühl hast, dass du ihr etwas Besonderes übers Leben beigebracht hast, etwas, das wirklich wertvoll ist. Du hast das Gefühl, sie hätte etwas Wichtiges verstanden. Dazu kommt, dass du Dinge sagen kannst wie ‚Ma und Pa haben einander soooooo lieb!‘

Und dann, Stunden später, wirst du gefragt: ‚Bist du sicher, dass Veri und Chris nicht verheiratet sind?‘ 🙂

Versucht nicht, perfekte Eltern zu sein – 25 Feb 16

Gestern habe ich über Perfektionismus geschrieben und erwähnt, dass wir aus unseren Fehlern lernen müssen. Ich weiß keinen Lebensbereich in dem das wahrer sein könnte als im Elterndasein. Wenn du Vater oder Mutter eines oder mehrerer dieser wundervollen Wesen bist, erkenne bitte, dass du niemals perfekt sein kannst – und dass du auch kein schlechter Vater oder keine schlechte Mutter bist!

Ich habe schon viel zu viele Eltern getroffen, die sich Sorgen machen, dass sie beim Großziehen ihrer Kinder Fehler machen könnten. Ich habe es schon immer gesagt und ich sage es jetzt wieder, als Vater einer Vierjährigen: ja, ihr werdet Fehler machen, aber das bedeutet nicht, dass ihr als Eltern versagt habt! Die Tatsache, dass du dir so viele Gedanken machst, zeigt bereits, dass dem nicht so ist!

Es gibt zu viele Ratgeber für Eltern und zu viele ‚Experten’, die da ihre Meinung abgeben. Diese Meinungen stimmen nicht überein, hinter diesen Gedanken stehen unterschiedliche Philosophien und wenn man versucht, Ihnen allen zu folgen, hat man ein schreckliches Durcheinander. Das kommt davon, dass es keinen einzig richtigen Erziehungsweg gibt!

Wir unterscheiden uns alle voneinander und auch unsere Kinder sind ganz unterschiedliche Menschen. Frage eine Mutter von zwei oder mehr Kindern und sie wird dir genau sagen können, wie unterschiedlich ihre Kinder vom Charakter her sind. Deshalb behandeln wir alle, auch unsere Kinder, unterschiedlich und so nehmen auch Kinder die Dinge unterschiedlich auf. Eines nimmt sich sehr zu Herzen, wenn es geschimpft wird, während das andere Kind das Gleiche zehn Mal hören kann und immer noch keine Anzeichen zeigt, etwas zu ändern. Es ist völlig normal und zeigt nur wieder, dass es keinen Normalen Weg gibt, dem du folgen musst.

Natürlich gibt es einige grundlegende Regeln, an die sich jeder halten sollte: zum Beispiel, dass man sein Kind nicht verletzen oder erniedrigen sollte. Das ist etwas, an was sich nicht überall jeder hält und besonders hier in Indien arbeiten wir dagegen an, aber es sollte klar sein. Außerdem würde ich sagen, folge deinem Herzen und liebe dein Kind, versuche, ihm oder ihr beizubringen, wie man ein guter Mensch ist.

Du wirst öfter mal merken, dass du einen Fehler gemacht hast. Erkenne das und wiederhole ihn nicht. Ab einem gewissen Alter kannst du deinen Kindern sogar erklären, was du verändert hast und erklären warum: weil wir alle dazulernen! Wenn wir etwas vorher nicht wussten, uns dann aber änderten, als wir davon hörten oder darüber nachdachten, sind wir auf dem richtigen Weg!

Wenn es dir hilft, kannst du deine Hauptziele aufschreiben, so dass du dich hin und wieder daran erinnerst. Im Laufe der Zeit wirst du merken, dass Einzelheiten diese Ziele ergänzen und dir zeigen, wie es weitergeht! Habe keine Angst – genieße, lache, liebe und lerne!

Eltern: ignoriert urteilende Blicke oder Kommentare – ihr kennt eure Kinder am Besten! – 23 Feb 16

Gestern habe ich geschrieben, dass man über Leute nicht von einem flüchtigen Blick auf ihre Leben urteilen sollte. Besonders als Eltern ist man oft am derjenige, der solche schnellen und unnötigen Urteile abbekommt. Das kann jeden dazu bringen, mit seinen Entscheidungen beim Großziehen der Kinder übervorsichtig zu sein.

Es ist ganz natürlich: dein Kleinkind bekommt im Supermarkt einen Wutanfall. Du weißt, was du laut zahllosen Ratgebern für Eltern tun solltest: ruhig reagieren, ihn oder sie schreien lassen und einfach weiter einkaufen. Sobald das Kind sich beruhigt hat, kann man darüber sprechen. Trotzdem spürst du in dir dieses nervige Gefühl: oh nein, was denken jetzt alle? Du hast Schuldgefühle, als wäre es deine Schuld, dass dein Kind gerade diesen Anfall hatte. Du siehst Blicke von anderen und schämst dich.

Es gibt genug Leute, die auch wirklich da über andere urteilen. Die Fehlverhalten bei Kindern sehen und gleich über die Eltern urteilen, ohne darüber nachzudenken, dass das vielleicht gerade der schlimmste Tag des Kindes ist! Sie denken nicht daran, was vielleicht vor dieser Situation alles geschehen sein könnte!

Dann gibt es noch Leute, die sich irgendwie dazu berechtigt fühlen, über elterliche Entscheidungen anderer Paare zu urteilen: sie kommentieren, dass Kinder im Bett oder im Schlafzimmer von Eltern schlafen, sie sind dagegen, Kinder mehr als eine gewisse Zeit zu stillen, die ihnen als richtig erscheint, andere sind gegen das Füttern mit der Flasche, egal, aus welchem Grund es getan wird und manche haben sogar Probleme mit der Wahl der Kleidung mancher Eltern!

Solange diese Kinder nicht deine eigenen sind und ihre Handlungen dich nicht direkt betreffen, warum musst du überhaupt ein Urteil fällen? Du weißt nicht, was da dahinter steht und in den meisten Fällen geht es dich eigentlich überhaupt nichts an. Du bringst Eltern dazu, sich schlecht zu fühlen – was nebenbei bemerkt dem Kind auch nicht hilft!

Den Eltern möchte ich raten, sich da nicht viel draus zu machen. Seid selbstsicher was eure Entscheidungen angeht und lasst euer Kind und auch eure Umgebung das auch sehen. Manchmal ist es sowieso grundlos, dass ihr euch schämt oder Schuldgefühle einredet, denn oft stellt man sich nur vor, dass andere mehr denken, als sie es wirklich tun – und das macht einen unsicher.

Du bist derjenige, der deine Kinder den ganzen Tag lang sieht, nicht derjenige, der gerade vorbeiläuft. Nicht die anderen Patienten im Wartezimmer beim Arzt. Du weißt, ob dein Kind in der Früh ein Stück Schokolade verdient hat und du entscheidest, ob du am Besten mit deinem Baby in deinem oder einem getrennten Bett schläfst!

Das Elterndasein bringt dir mehr Sicherheit und Vertrauen in die eigenen Entscheidungen und hilft dir, auf diese Weise zu wachsen: du musst dir keine Gedanken mehr über das Urteil anderer Leute machen!