Die hässliche indische Angewohnheit, überall hinzuspucken – 21 Sep 16

Im heutigen Blog geht es um ein Thema, das für uns eine nicht-enden-wollende Geschichte ist. Wir hoffen natürlich, dass sie eines Tages ein Ende finden wird, aber da es nun schon Jahre und Jahrzehnte so geht, bin ich nicht sicher, wie hoch unsere Chancen stehen! Es ist das Problem, dass Leute Gutka kauen, eine Mischung aus Betelnuss, Tabak und Aromastoffen. Und die Tatsache, dass sie diese rote Mischung überall hinspucken.

Zunächst war das ein Problem, das wir mit unseren Ashram-Mitarbeitern hatten. Sie kauen und spucken – und hinterlassen überall hässliche rote Flecken. Diese sehen schrecklich aus und sind schwierig sauber zu bekommen. Natürlich haben wir allen gesagt, sie sollen nicht spucken und dieses Zeug am Besten überhaupt nicht kauen. Wir haben sie sogar über die schlechten Auswirkungen auf ihre Gesundheit informiert. Diese Angewohnheit ist einer der Hauptgründe für Mundkrebs! Mit der Zeit wurde es besser, obwohl wir immer noch hin und wieder hier und da einen Fleck fanden.

Mit der Eröffnung von Ammaji’s Ayurvedischem Restaurant nahm dieses Problem – man mag es nicht glauben – ganz neue Dimensionen an! Zunächst einmal bei den Mitarbeitern. Neue Leute, sogar recht viele und viele von ihnen mit schlechten Angewohnheiten! Vom ersten Tag an erklärten wir, dass wir NIRGENDWO Flecken sollten, merkten jedoch bald, dass es etwas mehr Anstrengung benötigen würde, das durchzusetzen. Also wurde ein Strafgeld erhoben für jeden, der dabei erwischt wurde, auf unserem Gelände solche Dinge zu kauen. Es funktionierte – und ein Angestellter ging sogar deswegen! Verrückt, oder?

Naja, nun hatten wir unsere Mitarbeiter unter Kontrolle, aber da ist ein Problem, wegen dem ich mir nicht sicher bin, ob wir es wirklich schaffen werden, dieses ganz von unserem Gelände zu verbannen: wir sehen oft, dass Gäste in unser Restaurant kommen und direkt zum Handwasch-Zimmer oder zur Toilette gehen. Jedoch nicht aus offensichtlichen Gründen! Wenn sie wieder rauskommen, muss man sich mal das Waschbecken oder den Abfalleimer ansehen: das weiße Waschbecken ist rot gesprenkelt oder der Abfalleimer voll mit ihrer roten Spucke!

Ja, es sind gebildete Menschen, die in unserem Restaurant zum Essen kommen. Es ist jedoch eine starke schlechte Angewohnheit, die sie nicht lassen können! Und leider betrifft das nicht nur sie und ihre eigene Gesundheit, sondern auch die Leute, die hinter ihnen saubermachen!

Vor drei Tagen hatte ich ein unglaubliches Beispiel dafür, wie stark diese Angewohnheit ist – und vielleicht wie wenig Inder sich darum kümmern, dass ihre Umwelt sauber bleibt: zwei Gäste kamen ins Restaurant und während einer von ihnen mit dem Kassierer redete, blickte ich auf den, der hinter ihm stand. Dieser fühlte sich unbeobachtet und spuckte sein Gutka aus – mitten in unserem Restaurant, auf den Boden am Kassiertisch! Ja, auf unseren schönen Boden, die Spritzer bis zu unserer Bambus-Verkleidung! Ich stand sofort auf und fragte ihn, so höflich wie mir möglich war, das bitte sauber zu machen! Ich bat einen Kellner, ihm Papiertücher zu geben und brachte ihn dazu, seine Sauerei wieder aufzuwischen.

Das Spucken ist eine Angewohnheit, die ich in diesem Ausmaß in keinem anderen Land und keiner anderen Kultur gesehen habe! Selbst Leute, die kein Gutka kauen, haben oft die Angewohnheit des Spuckens. Oft eben auch nicht nur draußen, sondern auch drinnen! Vielleicht sehen Kinder, wie Eltern Betelnuss und Tabak ausspucken und so lernen sie auch zu spucken, selbst wenn es nur Spucke ist und nichts anderes? Sowieso, wenn jemand in unserem Restaurant spuckt und ich das sehe, sage ich ihnen auf jeden Fall, sie sollen es aufwischen!

Auf diese Weise glaube ich daran, andere zu bilden – selbst wenn es nicht das ist, was ein Geschäftsmann normalerweise machen würde!

Manchmal muss man einfach mit jemandem reden, der weit weg ist! – 8 Sep 15

Vor Kurzem habe ich mit einem Freund telefoniert. Er lebt in Österreich und wir lernten uns kennen, als ich dort vor etwa sechs Jahren Workshops gab. Wir waren über die Jahre hinweg immer mal wieder miteinander in Kontakt und haben einander erzählt, was in unseren Leben so vor sich ging. Letzte Woche rief er mich an, nicht, um nach dem Wetter zu fragen, sondern um die Hilfe eines Freundes zu erbitten.

Jeder sagt immer, dass Freunde für dich da sind, wenn du sie brauchst. Es gibt jedoch Situationen, in denen du ganz engen Freunden dieses Bedürfnis nicht zeigen kannst, in denen du zögerst, mit denen zu teilen, die dir am nahesten stehen. In solchen Zeiten ist es gut, einen Freund zu haben, der etwas weiter weg ist und die Situation aus einer gewissen Distanz betrachten kann. Das war der Fall mit meinem österreichischen Freund.

Als ich ihn kennen lernte, war er gerade mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Söhnen in sein eigenes Haus in seinem Dorf gezogen. Sie freuten sich gerade, ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen, ihr älterer Sohn fing an, ging nun zur Schule und alles war gut.

Am Telefon erzählte er mir, dass die Situation sich dramatisch verändert hatte. Er hatte herausgefunden, dass seiner Frau ihn über Jahre hinweg mit einem gemeinsamen Freund betrogen hatte. Er wollte sich also von ihr trennen und eine Scheidung. Das war etwas, was ihm das Herz gebrochen hatte, doch er hatte sich bereits entschieden: er konnte ihr das nicht vergeben, er musste diese Beziehung beenden.

Um zu verstehen, warum er darüber nicht mit seinen Freunden sprechen konnte, müsst ihr noch zwei Einzelheiten wissen: mein Freund lebt in einem kleinen Dorf, in dem wirklich jeder jeden kennt. Jegliche Neuigkeit wie eine Trennung oder auch nur Eheprobleme macht wie Lauffeuer die Runde und jeder weiß sofort darüber Bescheid.

Die zweite Sache ist die, dass seine Frau ein Alkoholproblem hat und das schon seit einer ganzen Weile. Mein Freund hat versucht ihr zu helfen, hat sich dabei jedoch immer bemüht, es zu verstecken, um zu vermeiden, dass das ganze Dorf davon erfährt. Er wollte seine Frau, den Ruf der Familie und auch seine Söhne auf diese Weise beschützen.

Und das tat er auch jetzt noch. Er wollte seinen Herzschmerz mit seinen Freunden nicht teilen, er wollte nicht über seine Beziehungsprobleme sprechen, denn dann wüsste gleich das ganze Dorf Bescheid. Das nächste Problem jedoch ist, dass er seine Söhne nicht bei seiner Frau lassen will, da diese ja ein Alkoholproblem hat! Das wiederum kann er niemandem erzählen ohne ihr zu schaden, zumindest dachte er das! Jeder würde dann Bescheid wissen – etwas, was er schon so lange zu vermeiden versucht hat!

Also rief er mich an und fragte, was er tun sollte.

Zunächst einmal sagte ich ihm, er solle aufhören, sich Sorgen zu machen, was andere Leute von ihm und seiner zukünftigen Ex-Frau halten. Das ist doch ganz egal! Wichtig ist sein Herz, seine Gefühle und seine Kinder! Egal, was andere sagen, seine Kinder müssen sicher sein! Ich empfahl ihm also, erst einmal einen guten Anwalt zu finden und die Sache mit ihm zu besprechen, ohne sich um anderes zu kümmern.

Danach soll er mit seinem besten Freund sprechen. Du musst doch aussprechen und teilen, was in dir ist! Seine Frau braucht Hilfe mit ihrem Alkoholproblem und die bekommt sie nicht, wenn man es noch weiter versteckt. Es wäre also auch ihr nichts Gutes getan, wenn man versucht, es weiter zu verstecken – und seine Söhne brauchen ihn jetzt!

Ich habe ihm erklärt, dass es auch kein großes Thema wäre in eine andere Stadt zu ziehen, noch einen Neuanfang zu machen und einfach mal für eine Weile aus dem Klatsch und Tratsch rauszukommen. Eines Tages kühlt sich das alles ab und seine echten Freunde werden auch auf seiner Seite sein!

Er war froh, vor allem darüber, dass er sich mal das Herz ausschütten konnte. Und ich freue mich, dass ich Freunde habe, die mich anrufen, wenn sie wirklich jemanden brauchen!

Monikas alkoholsüchtiger und gewalttätiger Vater – etwas, was man als Schicksal akzeptieren muss? – 18 Dez 14

Als wir von Monikas Unfall hörten, beschlossen wir sofort, mit ihr ins Krankenhaus zu gehen. Natürlich wollten wir davor mit ihren Eltern sprechen und so kam ihre Mutter am nächsten Tag zur Schule. Nach dem Gespräch mit ihr, schrieb ich sogar einen Tagebucheintrag über ihre Situation, ohne ihre Identität preiszugeben. Sie meinte jedoch, das würde ihr nichts ausmachen und so schreibe ich nun die ganze Geschichte hier. Gestern habe ich euch bereits von der finanziellen Situation in Monikas Familie erzählt – aber Geld ist nicht das einzige Problem!

Das größte Problem für Monikas Mutter ist ihr Ehemann. Nicht nur, dass er nicht arbeitet, nein, kein Tag geht vorüber, ohne dass er sich betrinkt. Das ist etwas, was uns seine Frau erzählte, als sie zur Schule kam, was uns seine Tochter in der Schule erzählte und was und beide sagten, als wir bei ihnen daheim waren. Er wollte es nicht zugeben, musste aber, als diese zwei Damen darauf bestanden.

Irgendwie findet er immer Geld für seine Sucht. Wenn er die paar Rupien nicht selbst verdient, sucht er im Haus nach dem Gesparten seiner Frau und stiehlt es, um sich Zigaretten und Alkohol zu kaufen.

Als sei das nicht genug, beginnt er immer wieder Streit mit seinen Brüdern, Nachbarn und völlig Fremden. Und natürlich mit seiner Frau und seinen Kindern. Die Beleidigungen, von denen Monika uns da erzählt sind nichts, was einem 12-jährigen Mädchen jemals zu Ohren kommen sollte! Er kommt nachts nach Hause, weckt alle auf, obwohl seine Frau um 5 Uhr früh zur Arbeit muss und beginnt einen Streit.

Wenn ihm das Streiten nicht reicht, wird er auch gewalttätig. Gegen seine Frau und die Kinder. Gegen seine Tochter, die vor nur einigen Monaten ihr ganzen Gesicht, ihren Brustkorb und ihre Arme verbrannt hat! Er schlägt sie – auf den Rücken. Wie rücksichtsvoll von ihm, oder?

Daher kommt die große Frage, die wir Monikas Mutter wieder stellen, als wir im Krankenhaus waren: warum verlässt du ihn nicht? Nimm die Kinder mit und geh, lass sie nicht in einer solchen Umgebung aufwachsen!

Sie erzählt, dass sie deswegen ihre jüngste Tochter ihren Eltern gegeben hat: sie will sie nicht bei ihrem Mann lassen, wenn sie zur Arbeit geht! Als die Kinder alle noch klein waren, ging sie manchmal monatelang zu ihren Eltern, aber jetzt, mit begrenzten Schulferien und ihrer Arbeit, kann sie das nicht.

Warum gehst du nicht einfach? Du bekommst nichts von dieser Familie, die nicht mit dir spricht. Deine Eltern sind die Einzigen, die dir Kleidung und Töpfe schenken, wenn du kein Geld dafür hast und du selbst verdienst doch das Geld, mit dem du deine Kinder großziehst! Das Einzige, was du dort hast, ist ein Zimmer, in dem du schlafen kannst – und das könntest du für ein Zehntel deines Gehalts mieten!

Sie meint, sie habe da schon einmal drüber nachgedacht und auch ihren Eltern davon erzählt. Doch bei der Antwort, die sie da bekam, verlor sie allen Mut, es jemals zu tun: „Tochter, das ist nun einmal dein Schicksal, dagegen kannst du nicht ankämpfen!“

Also ist es besser, für den besoffenen Ehemann Geld zu verdienen und zu akzeptieren, dass er dich und die Kinder schlägt! Ihr könnt euch unsere Emotionen vorstellen, als wir diese Worte hörten! Zu der Geschichte dieser Familie gehört noch mehr – aber das erzähle ich euch morgen!

Wir werden uns auf unsere Arbeit konzentrieren, darauf, Monika zu helfen und ihr könnt sicher sein, dass keine Rupie unserer und eurer Hilfe an ihren Vater geht! Wir bezahlen die Rechnungen direkt und auch unsere Unterstützung für die Familie wird direkt stattfinden, so dass kein Geld für etwas anderes als seinen Zweck verwendet werden kann!

Ihr könnt uns helfen, Monika und ihre Behandlung zu unterstützen! Hier könnt ihr noch einmal die Einzelheiten ihres Unfalls nachlesen und hier könnt ihr spenden!

Wie viel Sex nennt man eine Sucht? – 24 Jun 14

In meinem Vortrag über ‘Sex und Freiheit’ gab es eine weitere Frage, von der ich dachte, dass sie auch für euch interessant wäre. Die Fragestellerin wollte meine Meinung dazu wissen, wenn Sex ungesund wird, wenn er zur Sucht wird.

Ich musste der Wortwahl widersprechen. Mit meiner Definition kann Sex nicht zur Sucht werden. Wir sprechen über Gefühle und Liebe – was kann da Sucht sein? Wenn du mich fragst, ob ich süchtig bin nach Liebe, muss ich das zugeben. Wenn du mich fragst, ob ich süchtig bin nach Sex, könnte ich nicht ordentlich antworten – was sind denn die Parameter dieser Sucht?

Es gibt definitiv unterschiedliche Parameter für verschiedene Leute – manche machen es einmal die Woche, manche sieben Mal die Woche, manche vielleicht sogar sieben Mal am Tag! Was ist eine Sucht? Wo zieht man da die Grenze?

Ich glaube eigentlich, dass es nicht echter Sex ist, der zur Sucht wird. Wenn Sex im Verstand stattfindet, kann er zur Sucht werden. Sex ist keine Frage des Verstands. Es ist eine Frage des Herzens und des Körpers. Es ist jedoch normal, dass der Verstand zu einem gewissen Grad beeinflusst wird, weil der Verstand nie vom Körper und den Gefühlen getrennt ist. Wenn man Sex jedoch in den Verstand bringt, glaube ich dass man danach süchtig werden kann. Porno kann also zur Sucht werden – nicht Sex.

Wenn man nun auf das Thema der Prostitution kommt, so muss ich sagen, dass das meiner Meinung nach eine ganz andere Sache ist. Ich glaube nicht, dass es Sexsucht ist, wenn ein Mann für Geschlechtsverkehr zu einer Prostituierten geht. Männer wollen etwas anderes, wenn sie für Sex zahlen. Versteht mich nicht falsch – ich will nicht sagen, dass ein Mann zu einer Prostituierten geht, um Liebe zu bekommen, weil er das Gefühl haben will, geliebt zu werden. Nein, ich denke, Männer gehen dorthin, um Liebe zu geben – und auch Geld. Ein anderes Bedürfnis – aber da geht es eigentlich nicht so sehr um Sex.

Natürlich gibt es auch Fälle von geistiger Krankheit, in denen Sex eine Sucht genannt wird – aber dann würde ich das nicht mehr Sex nennen! Es ist etwas, das mit dem Verstand zu tun hat, weniger mit dem Körper und nicht mit dem Herzen.

Du kannst eine andere Meinung haben, du kannst etwas ganz anderes denken, aber ich glaube, bei einem Punkt stimmen wir auf jeden Fall überein: wenn man einmal die wahre Liebe, Sensation und Freude von gutem Sex erlebt hat, würde man das liebend gerne immer wieder tun!

Alkohol und wie er arme Leute noch ärmer macht – Unsere Schulkinder – 6 Jun 14

Heute möchte ich euch Anjali vorstellen, einem Mädchen aus unserer Schule, das 14 Jahre alt und in der dritten Klasse ist. Sie lebt in einer Großfamilie und da gibt es ein großes Problem, das sie davon abhält, aus ihrer Armut zu kommen: Alkohol.

Anjali ist die Jüngste von vier Kindern. Ihre ältere Schwester heiratete letztes Jahr, so dass sie nun zu fünft in einen Zimmer schlafen. Auf ihrem Grundstück wohnen jedoch noch viel mehr Leute: ihr Vater hat sieben weitere Brüder. Von diesen acht leben drei zusammen auf diesem Grundstück mit ihren Frauen und Kindern.

Sobald wir die anwesenden Familienmitglieder zusammenhatten, fragten wir Anjalis Vater, mit was die Familie denn ihren Unterhalt verdiene. Er ist Maurer und Anjalis ältester Bruder bestickt die Kleidung von Götterstatuen. Zusammen verdienen sie etwa 160 US-Dollar, sagt der Vater. An diesem Punkt protestiert seine Frau mit einem Lachen: er hat nun schon seit einer Weile nicht mehr gearbeitet und ist meistens krank! Was für eine Krankheit, fragen wir. Er hat’s an der Leber.

Natürlich ist das ein Zeichen dafür, dass er ein Alkoholproblem hat. Auf unsere Fragen hin, versucht er eine richtige Antwort zu vermeiden und sagt, er würde im Moment nicht trinken. Also bohren wir noch etwas nach: du hast also mal getrunken. Wie viel? Anjalis Vater antwortet ‚Sieben oder acht Tage im Monat‘ – eine Aussage, die ihm von seiner Frau einen weiteren Lacher einbringt. Sie korrigiert die Zahl auf ‚15 bis 20 Tage pro Monat!‘

Das Gute für die Familie ist, dass er betrunken nicht gewalttätig oder schlecht gelaunt ist – er schläft einfach nur ein. Die weiteren Folgen jedoch sind schwerwiegender: er gibt nicht nur Geld für Alkohol aus, am nächsten Tag kann er nicht früh genug für die Arbeit aufstehen, also bleibt er daheim und verdient natürlich nichts. Dazu kommt, dass er nun ein Leberproblem hat und sie Geld für seine Medizin brauchen. Es ist also die Arbeit des ältesten Sohnes, die die Familie im Augenblick wirklich über die Runden bringt.

Die einzige andere Einkommensquelle, die sie haben, sind die vier bis fünf Liter Milch pro Tag, die ihre Büffelkuh gibt – neben der Tatsache, dass sie immer genug Milch daheim haben, bringt die auch etwas Geld ein, selbst wenn es nur ein bisschen was ist.

Die Felder, die sie vor einigen Jahren hatten und die ihnen halfen, ihre Ausgaben zu decken, wurden in der großen Überflutung 2010 vom Fluss Yamuna weggespült. Die Yamuna hat dann ihren Weg etwas geändert und so ist das, was früher ihr Feld war, nun das Flussbett.

So war Anjali die letzten vier Jahre an unserer Schule. Wenn man mit den Lehrerinnen spricht, hört man, wie sie nicht nur ihre Hingabe zum Lernen loben, sondern auch ihr fröhliches Naturell. Sie lächelt viel, hilft gerne anderen und folgt auch dem Unterricht.

Wenn ihr Kinder wie Anjali mit kostenloser Bildung und Essen in unserer wohltätigen Schule unterstützen wollt, würden wir uns über eine Kinderpatenschaft oder die Spende des Essens für einen Tag freuen.

Das Glücksspiel und der Alkohol lassen kein Geld für die Familie übrig – Unsere Schulkinder – 7 Mär 14

Es ist wieder einmal Freitag und damit der Tag, an dem ihr ein weiteres unserer Schulkinder kennenlernt. Heute ist Shelly dran, ein fröhliches, achtjähriges Mädchen, das in unserer niedrigsten Klasse, einer Vorschulklasse ist, in der die Kinder das Alphabet und viele Lieder, Reime und Gedichte lernen.

Shelly stellt sich manchmal selbst als ‘Selly’ vor und meistens findet man sie, wie sie irgendwo herumrennt, lacht und spielt. So haben wir sie getroffen, als wir im Haus eines Jungen in ihrer Nähe zu Besuch waren. Sie war immer noch in ihrer Schulkleidung, mehrere Stunden nach Schulschluss – sie hatte nicht die Muße gehabt, sich umzuziehen.

Wir fragten sie, ob sie uns zu sich nach Hause mitnehmen würde, wo wir ihre Mutter und Familie trafen und etwas mehr über den Hintergrund dieses Mädchens erfuhren. Ihr Vater ist Maurer und verdient etwa 50 US-Dollar pro Monat, aber seine Mutter erzählt, dass nicht immer viel für daheim übrig bleibt: er spielt Karten gegen Geld. Manchmal gewinnt er, viel öfter verliert er. Und wenn er gewinnt, gibt er sein Geld für Alkohol aus.

Da bleibt nicht viel über für seine Frau, seine zwei Töchter und seine zwei Söhne. Deshalb leben sie immer noch in ihrem alten Haus mit zwei Zimmern aus Ziegelsteinen ohne Toilette oder Badezimmer. Geduscht wird im Hof draußen und ihre Notdurft verrichten sie draußen auf der Straße.

Shelly hat eine ältere Schwester, aber beide Brüder sind jünger als sie. Wie es jedoch aussieht, ist sie bald das Familienmitglied mit der meisten Bildung im Haus. Ihre Schwester war einige Jahre lang an eine staatliche Schule gegangen, hat dort jedoch nicht ordentlich Lesen und Schreiben gelernt. Sie geht dort nicht mehr hin. Als wir ihre Mutter fragten, wie alt das Mädchen war, antwortete sie ‚18 oder 10‘, obwohl das Mädchen ganz klar erst 13 oder 14 Jahre alt ist. Vielleicht bereitet sich die Familie darauf vor, sie zu verheiraten und hat bereits begonnen zu verbreiten, dass sie bereits im legalen Heiratsalter ist. Wir haben dem Mädchen und der Mutter gleich gesagt, dass wir das Mädchen sehr gerne im nächsten Jahr in unserer Schule begrüßen würden.

Es war ein Besuch, der uns wieder einmal ins Denken brachte, da die Situation dieser einfachen Familie so im Kontrast zu dem glücklichen und fröhlichen Naturell von Shelly steht. Die Lehrerinnen loben sie ihre schnelle und gründliche Arbeit – und erwähnen natürlich, wie lebendig sie ist.

Wir hoffen, dass wir nicht nur Shelly, sondern auch Shellys Schwester im nächsten Jahr unterrichten dürfen!

Wenn du gerne unsere Projekte unterstützen willst, kannst du eine Kinderpatenschaft übernehmen, das Essen für einen Tag spenden oder eine Spende in beliebiger Höhe machen.

Danke!

Kinderheirat, Kinderarbeit und Alkoholprobleme – Unsere Schulkinder – 24 Jan 14

Heute möchte ich über einen Jungen schreiben, Rajendra, den ich euch bereits zuvor einmal vorgestellt habe. Während wir damals positiv auf die Zukunft seiner Familie sahen, können wir das Gleiche leider heute nicht mehr von ihnen sagen und wir hoffen nur, dass wir die Möglichkeit haben werden, Rajendra noch viele Jahre in unserer Schule zu haben.

Als ich 2010 über seine Familie schrieb, war die Familie gerade einige Monate zuvor nach Vrindavan gekommen und Rajendras Vater suchte nach Arbeit. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für seinen Schwiegervater, seine Schwägerin, seine Tochter und zwei Söhne. Sie erzählten eine herzzerreißende Geschichte, wie die Mutter der Kinder an Nierenversagen starb, weil sie sich die Behandlung nicht leisten konnten, wie der Bruder des Vaters Selbstmord beging und wie sie einfach nur verzweifelt nach Arbeit suchten.

Wir stellten die drei Erwachsenen ein und nahmen die Kinder an unserer Schule auf mit dem Wunsch, eine positive Veränderung in ihr Leben zu bringen. Während der Großvater und die Tante den Ashram bald verließen und zurück in ihr Dorf zogen, holte der Vater, ein Rikscha-Fahrer, die Kinder jeden Tag mit seiner Rikscha ab und brachte sie wieder nach Hause. Doch das regelmäßige Einkommen, das wir ihm hierfür gaben, schien bald nicht mehr genug. Er wollte mehr Geld, kam oft vorbei, um nach extra Geld zu fragen und wollte bald so viel Geld, dass wir uns seinen Dienst nicht mehr leisten konnten. Dazu hatten wir auch noch die Vermutung, dass er einen Teil seines Gehalts auf Alkohol verwendete. Trotzdem unterrichteten wir seine Kinder weiterhin kostenlos.

Bis seine Tochter Rajbai eines Tages nicht mehr zur Schule kam. Wir gingen bei ihnen fragen, warum sie nicht mehr kam und erfuhren, dass sie ihre Tante auf dem Dorf besuchen gegangen war. Nein, sie würde eine ganze Weile lang nicht kommen können. Wir erklärten, wie schlecht das für ihren Fortschritt in der Schule wäre, wenn sie einen Monat oder sogar länger nicht kommen würde. Ja, er würde sie so bald wie möglich wieder zur Schule schicken. Das tat er nicht. Wir erfuhren später, dass sie wieder in Vrindavan war und als Dienstmädchen arbeitete. Dann, vor etwas mehr als einem Jahr, hörten wir, dass sie geheiratet hatte. Als wir 2010 über sie schrieben, war sie dreizehn. Bei ihrer Hochzeit war sie also fünfzehn Jahre alt.

Wenn man mit ihrem Vater darüber zu sprechen versucht, besteht er darauf, dass sie bereits achtzehn war und er sie erst vor ein paar Monaten verheiratet hat. Er versucht sogar, uns davon zu überzeugen, dass er keine andere Möglichkeit gehabt hatte, da er nicht genug Geld gehabt hatte, um sie zu durchzufüttern und großzuziehen. Wenn man ihren jüngeren Bruder Rajendra nach ihrer Hochzeit fragt, so wiederholt er einen Satz, den er gut auswendig gelernt hat: ‚Sie war achtzehn!‘ Es gibt keine Geburtsurkunde, die etwas anderes beweisen könnte.

Als letztes Jahr das neue Schuljahr begann, kam ihr Bruder Narendra nicht mehr zur Schule. Jetzt, mit vierzehn Jahren, arbeitet er in einem Geschäft in der Stadt, verkauft dort Chai, indischen Tee. Er hat kein Interesse daran, noch mehr zu lernen, sagte man uns und der Junge antwortete gar nichts. Alle Bemühungen, ihn zurück zur Schule zu bekommen, halfen nichts.

Als wir dieses Mal in den Winterferien wieder bei ihnen zu Hause ankamen, bekamen wir eine traurige Situation zu sehen. Rajendra rannte los, um seinen Vater aufzuwecken – um elf Uhr am Morgen. Er kam heraus, das Haar zerrauft und definitiv mit einem Kater. Er stank nach Alkohol. Er war im Bett gelegen, während sein älterer Sohn unterwegs war und Geld verdiente und sein jüngerer Sohn draußen spielte. Rajendra sagte ihm, er solle sich eine Jacke anziehen, versuchen, sein Haar in Ordnung zu bringen und drängte ihn immer wieder dazu, doch einen guten Eindruck zu machen.

Es versetzte uns einen Stich ins Herz, die Anstrengung dieses Jungen zu sehen, seinen Vater vorzeigbar zu machen. Wir hatten unser Gespräch, erfuhren, dass er mit seiner Rikscha heutzutage sehr wenig verdiente, wofür er das Wetter und alles Mögliche andere verantwortlich machte. Die Miete von etwa 15 Euro wird vom Gehalt seines Sohnes gezahlt, das etwa 30 Euro im Monat beträgt. Er sieht offensichtlich nicht die Notwendigkeit, selbst noch viel zu tun – wenn es für seinen Alkohol reicht, muss er sich um nicht viel mehr kümmern, da ja sein Sohn genug für alles andere verdient.

Wir gingen, nachdem wir ihm noch einmal eindringlich gebeten hatten, an die Zukunft seiner Kinder zu denken. Wir drängten ihn, nicht einmal daran zu denken, seinen letzten Sohn aus der Schule zu nehmen und erklärten ihm noch einmal die Vorteile einer soliden Bildung.

Es ist traurig, aber das ist es, wogegen wir ständig anarbeiten: Eltern, die ihre Kinder aus der Schule nehmen wollen, Kinderehen, Kinderarbeit, ein kleines Gehalt, das ihnen nun mehr wert ist als eine gute Arbeitsstelle in Zukunft. Wir werden uns weiterhin bemühen und anstatt uns von Situationen wie der von Rajbai und Narendra entmutigen zu lassen, wollen wir uns auf unseren Erfolg konzentrieren, den Fortschritt von Rajendra.

Er ist ein kluger Junge und lernt gut. Er ist fröhlich und begegnet einem immer mit Respekt. Es ist nie die Schuld des Kindes und deshalb werden wir alles für Rajendras Zukunft tun, was wir können.

Wer unsere Bemühungen unterstützen kann, kann eine Kinderpatenschaft übernehmen oder das Essen für einen Tag spenden. Danke!

Handbuch zu Swami Balendu, Kapitel Zwei: Fleisch, Alkohol und Zigaretten – 27 Okt 13

Letzte Woche habe ich euch erzählt, wie mein Freund darüber Witze machte, wie er einen Ratgeber schreiben würde, wie man mit mir umzugehen hatte. Wir hatten Spaß dabei, über die kleinen Unterschiede zwischen meinem Lebensstil und dem normalen, westlichen zu reden, aber als ich ernsthaft darüber nachdachte, gab es da natürlich einige Dinge, bei denen sich die Leute nicht sicher waren, bevor sie mich trafen und meine Einstellung, Vorstellungen und Lebensweise kennenlernten.

So hatte ich zwar schon mehrere Jahre im Westen verbracht, war – und bin bis heute – aber nie ins Schwanken gekommen, wenn es um meine Überzeugung als strenger Vegetarier ging. Ich glaubte und glaube immer noch, dass es für den Körper am Besten ist, wenn man kein Fleisch isst und ich dachte und denke auch, dass es das natürliche Essen der Menschen ist. Wir müssen zum Überleben keine Tiere umbringen und ich denke es ist grausam von uns Menschen alle möglichen unterschiedlichen Tiere für Fleisch zu töten, ganz zu schweigen von den schrecklichen Umständen, in denen sie gehalten werden, den Umweltschäden und davon, wie viele hungrige Menschen ihre Bäuche mit dem Essen füllen könnten, das für diese Tiere verwendet wird.

Ich bin in einer vegetarischen Stadt aufgewachsen und auch bei meiner späteren Arbeit war ich immer von Vegetariern umgeben. In diesen Umständen hatte ich, als ich jünger war, wirklich eine sehr schlechte Meinung von Fleischessern. Ich hielt sie für grausam und dachte nicht, dass irgendein guter Mensch Fleisch essen würde. Das änderte sich, als ich in den Westen kam.

Nach kurzer Zeit merkte ich, dass es ein Unterschied der Kultur und Erziehung war und dass es auch unter den Fleischessern viele liebe Menschen gab! Eines änderte sich jedoch nicht: Ich kann immer noch nicht an einem Tisch essen, an dem Fleisch gegessen wird. Ich fühle mich körperlich nicht gut, wenn jemand vor meinen Augen Fleisch isst. Ich kann mein normales Essen dann nicht essen – ich habe nun mal keinen Appetit, wenn da totes Tier vor mir liegt! Ich habe mehrere Male nach jemandem oder an einem anderen Tisch gegessen, nur damit ich in Ruhe essen kann. Doch meistens war dem anderen doch unsere gemeinsame Mahlzeit wichtiger und wir aßen etwas Vegetarisches zusammen – schließlich hatte meistens ich ein leckeres und nahrhaftes indisches Menü gekocht, das keinen Platz dafür lässt, etwas zu vermissen!

Ich erzähle von meinen Essgewohnheiten, wenn jemand fragt oder ich an einem Ort bin, der für mich neu ist, wo mich die Leute noch nicht kennen. Nachdem sie das obige erfuhren, nahmen manche Leute an, ich würde nicht mit ihnen an einem Tisch sitzen, wenn sie Alkohol trinken. Das ist jedoch eine andere Geschichte! Ich würde natürlich ungern zusehen, wie sich jemand betrinkt – und ich habe wirklich sehr selten jemanden betrunken erlebt, den ich wirklich kannte. Wenn jemand zum Essen oder beim Zusammensein danach ein Glas Wein oder ein Bier trinkt, so macht mir das wirklich nichts aus. Ich habe in meinem Leben noch nie Alkohol probiert und habe auch keine Absicht, das jemals zu tun, aber ich weiß, dass du dich mit dem einen Glas nicht betrinkst und dass du höchstwahrscheinlich auch nicht süchtig bist! Ich glaube deshalb nicht, dass du Alkoholiker bist und während ich mich dir nicht anschließen würde und bei mir daheim keinen Alkohol serviere, genieße ich einen Abend bei dir zu Hause auch, wenn du beschließt, eine Flasche Sekt zu öffnen.

Um dieses Thema zu vervollständigen, muss noch ein weiterer Aspekt erwähnt werden: wie sieht es mit dem Rauchen aus? Naja, ich würde ungern in einem Zimmer sitzen, wo die Rauchschwaden unter der Decke hängen und wo meine Kleidung schrecklich stinkt, wenn ich rauskomme. Ich würde lieber nicht direkt neben dir stehen, wenn du rauchst, weil der Rauch, wenn du ihn in meine Richtung bläst, in meiner Nase beißt. Aber nein, obwohl ich denke, dass es schlecht für deine Gesundheit ist und du mit dem Rauchen aufhören solltest, halte ich dich nicht für eine schlechte Person. Du hast eine Sucht, das ist alles.

Das waren also die Hauptaspekte – aber ansonsten war und bin ich eigentlich ganz pflegeleicht!

Die Iren und der Alkohol – die Bestätigung eines bekannten Vorurteils – 19 Mai 13

Ich habe euch erzählt, dass ich auf meinen Reisen nach Irland, zum Beispiel im Sommer 2005, die Iren im Allgemeinen als fröhliche, glückliche und absolut nicht schüchterne Leute kennen gelernt habe. Ich habe jedoch etwas bemerkt, was man die Bestätigung eines Vorurteils nennen könnte. Eine Klischeevorstellung des typischen Iren ist, dass er trinkt. Viel trinkt.

Als ich dort war, hatte ich viele Einzelsitzungen und viele Leute kamen wie üblich zu mir, um mir von ihren Problemen zu erzählen. Diese verteilen sich normalerweise sehr breit auf alles, was im Leben so passieren kann. Die Leute hatten Beziehungsprobleme, emotionale Unklarheiten, Schmerzen und Krankheiten, geistige Schwierigkeiten, Trauer oder Unruhe, sehnten sich nach innerem Frieden, Stärke oder versuchten, eine Sucht hinter sich zu lassen. In meinen Sitzungen in Irland war ein merklich großer Anteil von Leuten da, deren Probleme auf die eine oder andere Weise mit Alkohol zu tun hatten.

Da war ein Mann, der eine tiefe Depression hatte. Er erzählte mir, dass es alles begonnen hatte, als seine Freundin ihn verlassen hatte. Er war traurig und beschloss, mit einem Freund ein bisschen was zu trinken. Er fühlte sich besser, sei das nun durch den Alkohol oder das Zusammensein mit seinem Freund. Was auch immer ihm geholfen hatte, er probierte es am nächsten Tag nochmal. Der Alkohol schien den Schmerz zu lindern und ließ ihn an andere Dinge denken – oder auch an gar nichts. Er fing langsam an, immer mehr zu trinken und irgendwann fühlte es sich nicht mehr gut an, sondern verursachte Stimmungsschwankungen, schlechte Stimmung und ein allgemeines Unwohlsein. Er machte Suchttherapie und entsagte dem Alkohol – war aber immer noch nicht in stabiler Stimmung.

Eine Frau erzählte mir, dass sie über so lange Zeit hinweg regelmäßig Alkohol getrunken hatte, dass sie nun ernsthafte gesundheitliche Probleme hatte. Sie hatte viel Gewicht zugenommen, was ihrer Beschreibung nach nur vom Alkohol kam, und Ärzte hatten ihr geraten, sofort mit dem Trinken aufzuhören, wenn sie ihre Leber retten wollte. Sie war jedoch süchtig und hatte große Probleme, die Stärke zum Aufhören zu finden.

Ein weiterer Mann erzählte mir unter Tränen, wie viel Trauer der Alkohol in sein Leben gebracht hatte und es war schrecklich, dem Schmerz in seiner Stimme zuzuhören. Einer seiner besten Freunde war mit ihm auf einer Party gewesen und die ganze Gruppe war wie gewöhnlich am Trinken. Er selbst blieb über Nacht, total fertig auf dem Sofa, aber seine Freunde beschlossen, heimzufahren. Es regnete, da war eine Kurve und sie konnten das Auto auf der rutschigen Straße nicht halten. Zwei von ihnen starben. Jahre später ist seine Frau auf dem Weg nach Hause. Ein angetrunkener Fahrer fährt sie an. Sie kam nie wieder zu Hause an.

Trotzdem schienen junge Leute noch mehr zu trinken, als die Generationen vor ihnen, wie die Leute mir erzählten. Komatrinken, den Alkohol in sich hineinschütten, bis sie im Krankenhaus wieder aufwachen. Alkohol, die größte Gefahr auf der Straße und der Grund für die Krankheiten und Trauer der meisten Leute.

Ich war mir dessen nicht bewusst gewesen, dass dieses Bild der Iren so wahr war. Natürlich gibt es auch Leute, die nicht trinken und ich denke mal, dass ich mit meiner Arbeit in der spirituellen Szene viele von ihnen getroffen habe, solche Leute sich ihrer Körper und der schlechten Auswirkungen solcher Drogen bewusster sind. Trotzdem hörte ich jedoch viele, wirklich viele Geschichten und das machte mich traurig.

Ich hoffe, dass nicht nur die Iren, sondern Leute auf der ganzen Welt eines Tages verstehen, dass Alkohol sehr gefährlich ist.

Die Kultur des Westens ist nicht für Sex-, Alkohol- und Glücksspiel-Probleme in Indien verantwortlich – 16 Jan 13

Gestern habe ich erklärt, dass viele Leute den Einfluss der westlichen Kultur für alle sexuellen Verbrechen in Indien beschuldigen. Der Westen ist zum Sündenbock geworden und das nicht nur für alles, was hier in Bezug auf Sexualität schief läuft, sondern auch für so viele andere Probleme! Die Leute verfluchen den Westen, wenn sie sehen, wie Menschen sich im Glückspiel verlieren, sie geben dem Westen die Schuld an den Alkoholproblemen ihrer Familienmitglieder und ja, am wütendsten sind sie auf den Westen, wenn sie im Fernsehen Sexszenen sehen, wenn Kinder ihnen Fragen zu Sexualität stellen oder wenn schreckliche Sexualverbrechen geschehen. Lasst mich euch erklären, warum es vollkommen unlogisch ist, den Westen für all diese Probleme verantwortlich zu machen.

Lasst uns mit dem Problem des Glückspiels beginnen. In Indien ist Glücksspiel illegal. Die einzigen Kasinos in diesem Land befinden sich in Goa – nirgendwo sonst kann man legal an Glücksspiel teilnehmen. Trotzdem bekommen Tausende, wenn nicht Millionen von Leuten regelmäßig ihren Adrenalinschub davon, dass sie in Kartenspielen und Wetten Geld einsetzen. Manchmal gewinnen sie, aber meistens verlieren sie. Sie werden süchtig danach, nach der Spannung in dem Augenblick, aber auch nach der Hoffnung, der Möglichkeit, dass sie eines Tages das große Los ziehen, Millionen gewinnen und superreich werden könnten. Stattdessen gehen sie bei solchen Spielen meistens als Verlierer aus. Manche von ihnen verlieren richtig viel, ruinieren damit ihr Leben und stürzen ihre Familienmitglieder in große Sorge. Viele religiöse Menschen behaupten, dass der Westen dieses Laster nach Indien gebracht hat.

Das Gleiche wird auch über den Alkohol gesagt. Jeder weiß, was für Probleme Spirituosen, Bier und Wein mit sich bringen. Menschen betrinken sich, verhalten sich, als hätten sie jegliche Kontrolle über sich verloren und werden sogar gewalttätig, beschädigen das Hab und Gut anderer, schlagen ihre Familien oder begehen Verbrechen. In Indien können nur Geschäfte mit Lizenz Alkohol verkaufen und im Fernsehen darf es keine Werbung geben, die Alkohol oder Zigaretten anpreist.

Ich glaube auch, dass all diese Dinge schlecht sind. Ich stimme zu, dass die Menschen weder um Geld spielen noch trinken sollten. Die Beschuldigung der westliche Kultur jedoch kann ich so nicht einfach akzeptieren. Es ist nicht die moderne Kultur des Westens, die den Alkohol nach Indien gebracht hat und das Glücksspiel haben den Indern auch keine Westler beigebracht! Glücksspiel ist nichts Neues und keine solche Erfindung, die nicht auf unterschuedlichen Orten der Welt gemacht werden kann! Die Leute tranken und spielten bereits zu der Zeit, als die Hindu Schriften geschrieben wurden! Zur Zeit der Mahabharat existierte das Glücksspiel und ist dort erwähnt. Andere Schriften beschreiben 64 Künste, in denen der Mensch hervorragend sein kann – und eine dieser Künste ist das Glücksspiel! Genauso beschreiben die Veden, dass Alkohol Göttern am Altar als Opfergabe gegeben wird!

Wenn es zu der Frage des Sex kommt, habe ich grundlegend eine ganz andere Meinung als all die religiösen Menschen, die den Westen für den Werteverfall in Indien beschuldigen, die die sexuelle Offenheit des Westens als Grund für Sexualverbrechen in Indien sehen. Ich glaube, man sollte seine Instinkte nicht unterdrücken und Sex im Allgemeinen als viel natürlicheres Thema behandeln. Ich bin jedoch trotzdem gegen die Idee, dass das alles nur ein westliches Konzept ist! Wer waren denn die Architekten und Baumeister der erotischen Skulpturen in Tempeln in ganz Indien? Wer hat die Szenen auf den Tempelwänden Khajurahos, Konarks und vieler anderer Orte dargestellt? Sie kamen nicht aus dem Westen, sie waren Inder! Vatsyayana, der Autor des Kamasutra, des wahrscheinlich ältesten und bekanntesten erotischen Texts, ist nicht aus Amerika oder Europa nach Indien eingewandert!

Glücksspiel und Alkohol hatten sehr schlechte Auswirkungen auf unsere Kultur. Sex ist kein Problem für sich, aber insofern als es viel sexuelle Belästigungen und sexuelle Verbrechen gibt. Die Wurzel dieser Probleme liegt jedoch nicht im Westen! Die Probleme, die wir heute in Indien sehen, sind in Wirklichkeit viel schlimmer und weiter verbreitet als die gleichen Probleme im Westen! Ihr beschuldigt den Westen, weil die Leute dort offen um Geld spielen und es sogar Kasinos für diesen Zweck gibt. In Wahrheit jedoch verlieren dort viel weniger Menschen ihr gesamtes Vermögen. Viel mehr Leute gehen einfach nur mit einem bestimmten Betrag hin und wenn sie diesen verloren haben, gehen sie wieder nach Hause. Alkohol wird auch ganz anders verwendet. Es gibt viele Leute, die regelmäßig ein Glas Wein oder eine Flasche Bier trinken – deswegen aber nicht völlig außer Kontrolle geraten und sich wie Tiere benehmen! Sex wird viel offener behandelt, aber Männer begrapschen Frauen nicht wahllos in Bussen oder Menschenmengen.

Versteht mich nicht falsch, weder werbe ich hier für Alkohol oder Glücksspiel, noch will ich die Kultur des Westens kopieren. Es ist nicht so, dass ich die Kultur im Westen bewundere, da ich ganz deutlich die Nachteile und all die Probleme der Menschen dort sehe. Ich will einfach nur die Vorstellung und Meinung entgegenwirken, der Westen hätte Probleme mit Alkohol, Glücksspiel und Sexualverbrechen nach Indien gebracht. Das ist einfach nicht wahr.

Ihr verflucht die westliche Kultur, ihr verflucht, was auch immer von dort kommt, sagt, es zerstört eure Kultur und euer Land. Wenn ihr dieser Meinung seid, denkt bitte noch einmal darüber nach, was ihr da sagt und handelt auch danach. Zuallererst solltet ihr eure Hosen und Hemden ausziehen und Dhotis anziehen. Das, was ihr da tragt, ist westliche Kleidung, nicht indische. Löscht euer Facebook-Konto und verkauft euer iPhone – das ist definitiv nicht indisch! Ihr lebt in einer modernen Welt – wenn ihr alles verdammt, was aus dem Westen kommt, müsst ihr viel aufgeben. Seht, was die moderne Wissenschaft euch gegeben hat, seht, was heutzutage medizinisch möglich ist und das nur, weil im Westen geforscht wurde! Natürlich gab es auch in Indien Wissenschaftler, Forscher und Genies, aber die meisten Leute waren zu sehr mit ihren Zeremonien und Ritualen beschäftigt, als am Fortschritt teilzunehmen. Und diejenigen, die wirklich aktiv daran beteiligt waren, eine modernere Welt zu schaffen, sind sicherlich nicht diejenigen, die die moderne Welt verdammen!

Öffnet eure Augen und Herzen und akzeptiert, dass es in jedem Land Fehler und Nachteile gibt. Konzentriert euch auf die positiven Aspekte und versucht, etwas zu verändern.