Weibliche Unabhängigkeit ist attraktiv – Kein Bedarf an Bedürftigkeit! – 30 Aug 16

Ich habe gestern etwas erwähnt, das einiger meiner feministischen Leserinnen erzürnt haben mag. Ich versichere euch, liebe Damen, dass die Worte, die ihr gelesen habt, nicht so gemeint waren, wie ihr sie verstanden habt. Ich bin in der Tat für unabhängige Frauen und denke nicht, dass man nur dann ‚einen Kerl bekommt‘, wenn man bedürftig ist.

Diese Frage kam von einem Satz, den ich geschrieben habe: „Solange du der Welt zeigst, dass du eine taffe alleinstehende Frau bist, die das Leben selbst angeht und ihre Unabhängigkeit liebt, gibt es vielleicht wenige Männer, die sich trauen, ein entsprechendes Angebot zu machen.“

Einige meiner weiblichen Leser fühlten sich von diesem Satz offensichtlich beleidigt und interpretierten es als Aufforderung an Frauen, hilfsbedürftig und abhängig zu erscheinen, unfähig, diese harte Welt alleine zu meistern! Oder, dass man nur einen Mann bekommt, der einen liebt, wenn man sich eben so verhält. Damen, bitte versteht mich nicht falsch, das ist wirklich nicht das, was ich meinte und ich dachte, der darauffolgende Satz würde es etwas deutlicher machen: „Du scheinst als würdest du sie nicht in deinem Leben haben wollen!“

Also noch einmal, etwas ausführlicher: bitte sei unabhängig und taff! Du kannst dich dieser Welt alleine gegenüberstellen und brauchst dafür sicher keinen Mann. Ich glaube eigentlich nicht, dass alle Männer kinderähnliche Frauen wollen, um die sie sich in jeder Hinsicht kümmern müssen. Nein, ich finde es an einer Frau attraktiv, wenn sie ihren Mann stehen kann und ich bin sicher nicht der einzige Mann, der so denkt!

Gleichzeitig jedoch senden viele dieser Frauen Männern gleichzeitig ein Signal, das diese von ihnen fernhält. Sie sagen ihnen mit ihrem Verhalten, ihren Gesten und sogar ihren Worten praktisch, dass sie besser Abstand halten sollten! Vielleicht denkst du innerlich, jeder Mann hätte gerne eine bedürftige Frau und deswegen verteidigst du automatisch deine Unabhängigkeit! Du gehst davon aus, dass ein Mann dich hierfür angreifen würde und so beugst du jeglicher Handlung von ihrer Seite aus vor, indem du ihnen zeigst, sie sollen sich dir besser überhaupt nicht nähern.

Genau das meinte ich mit meinem Satz. Du brauchst nicht vorgeben, bedürftig zu sein, um einen Mann zu bekommen. Doch du könntest dir überlegen, sie nicht zu verschrecken! Du kannst zeigen, dass du offen dafür bist, jemandem nahe zu kommen. Du kannst zeigen, dass du dafür bereit wärst, weiter zu gehen, wenn der Richtige kommt – ein Mann, der deine Unabhängigkeit respektiert.

Können wir in eurem Ashram Sex haben? – 8 Feb 16

Wir bekommen jeden Tag Anfragen für Aufenthalte im Ashram. Während wir allen antworten, gibt es einige, bei denen wir bereits wissen, dass sie wahrscheinlich nicht kommen werden, andere, von denen wir glauben, dass es ihnen hier sehr gut gefallen könnte und einige, von denen wir wissen, dass ihre Erwartungen nicht mit unserem Ort zusammen passen und denen wir dann sagen, dass sie besser nicht kommen. Das alles nur von der Beschreibung dessen, was sie auf ihrer Reise in Indien gerne tun möchten. Heute bekamen wir eine Email, in der die Autorin nicht wirklich viel savon erzählte, welchen Retreat oder welche Aktivitäten sie denn gerne hätte. Sie verwendete so ziemlich die ganze Email darauf zu erklären, dass sie vorhatte in unserem Ashram Sex zu haben!

Ja, das war die Hauptsache dieser Email – aber es hörte sich überhaupt nicht ‚schmutzig‘ an! Nein, sie erzählte sehr höflich, dass sie mit ihrem Partner reisen würde und fragte, ob sie denn ein Zimmer teilen könnten. Wenn ihnen das für die Nacht nicht erlaubt würde, dürften sie sich denn dann tagsüber in den Zimmern des jeweils anderen treffen? Oder wäre es ihnen aufgrund des unterschiedlichen Geschlechts überhaupt nicht erlaubt, miteinander zu sprechen?

Sie erklärte sehr höflich weiter, dass sexuelle Enthaltsamkeit für beide nicht in Frage kam – doch wenn das irgendwelche Regeln brechen würde oder von unserer Seite nicht möglich wäre, würde sie das akzeptieren und versuchen, es einzuhalten.

Oh ja, natürlich ist es komisch, diese Zeilen zu lesen – aber wisst ihr was? Von ihrem Sichtpunkt aus macht es vollkommen Sinn solche Fragen zu stellen, denn genau das geschieht an spirituellen Orten und in vielen Ashrams: Sex wird völlig zum Tabu gemacht, wird als schmutzig, sündhaft und böse dargestellt und wird im Allgemeinen verboten! In vielen Ashrams können Männer und Frauen nicht zusammen ins Zimmer, nicht einmal, wenn sie verheiratet sind. Und dann gibt es sogar Orte, an denen Männer und Frauen komplett getrennt werden. Sie dürfen noch nicht einmal miteinander reden!

Um also jegliche Art unangenehmer Überraschung zu vermeiden, ist es eine gute Idee vorher nachzufragen und das zu klären! Schließlich steht nirgendwo auf unserer Seite ausdrücklich, dass es erlaubt ist mit seinem Ehemann, seiner Ehefrau oder seinem Partner zu schlafen! Wir könnten jedoch darüber nachdenken, das mit draufzuschreiben.

Für heute jedoch ist es genug, dieser Dame per Email zu antworten, dass wir uns freuen würden, sie und ihren Partner bei uns im Ashram willkommen zu heißen, dass sie natürlich ein Zimmer zusammen haben können und dass wir keinerlei solche Regeln haben. Wir werden ihnen schreiben, dass sie einfach nur sie selbst sein könenn und dass wir aus einem natürlichen Bedürfnis und einem Akt voller Liebe kein Tabu machen!

Arbeit für beide Geschlechter, doch der Haushalt bleibt den Frauen überlassen – 10 Dez 15

Gestern habe ich begonnen, über die Rollenverteilung der Geschlechter zu sprechen und wie sie auch im Westen noch gegenwärtig ist, wenn auch nicht so stark,wie man sie in Indien sieht. Während ich mich gestern eher darauf konzentriert habe, dass Männer Druck bekommen, nicht ‚unmännlich‘ zu sein, indem sie zum Beispiel Aufgaben im Haushalt erledigen, müssen sich Frauen jedoch auch noch gegen veraltete Vorstellungen von Leuten gegenüber ihrem Geschlecht durchsetzen.

Natürlich erwarten viele Familien in Indien, dass Frauen daheim bleiben, während im Westen bereits Generationen von Kindern mit arbeitenden Müttern aufwuchsen – sei es halbtags oder ganztags! Von Frauen wird nicht erwartet, dass sie nach der Ehe Hausfrauen sind. Die Infrastruktur für arbeitende Mütter hat sich verbessert.

Aber es ist auch nicht perfekt. Frauen sind nicht frei von dieser Rollenverteilung und der Erwartung, wie sie sich verhalten sollen. Wir haben in so vielen Aspekten noch keine Geschlechtergleichheit erreicht: die Chancen für Frauen, ins Management zu kommen, sind niedriger und ihr Gehalt ist auch niedriger als das von männlichen Angestellten in den gleichen Positionen! Und in den Köpfen der Menschen ist die Ungleichheit noch viel schlimmer, was oft die Frauen selbst dazu bringt, ihre eigene Selbstständigkeit und ihre Rolle in der Familie und der Gesellschaft in Frage zu stellen!

Man sieht das daran, wie eine Familie aufgebaut ist. Es mag ja normaler sein, dass eine Mutter auch zur Arbeit geht, aber gleichzeitig sieht man oft, dass sie trotzdem diejenige ist, die eine Mehrzahl von Arbeiten im Haus übernimmt. Auf der Arbeit mag sie die taffeste Frau sein, aber zuhause hält sie es für richtig, dass sie das Kochen übernimmt und die Kinder abholt. Ihr Ehemann, der genauso lange gearbeitet hat wie sie, legt sich auf die Couch. Oft sehen beide da gar nichts falsch dran, bis sie plötzlich unter extremem Stress, Depressionen und Burnout leidet. Sie hat alles geschultert, dachte, es sei ihre Aufgabe, eine moderne, arbeitende Frau zu sein und dabei gleichzeitig eine perfekte Hausfrau und Mutter!

Ich habe viele Frauen getroffen, die sich alle diese Aufgaben selbst aufbürden. Sie willkommen die Idee, dass sie unabhängig sein können, Männern gleich gestellt und dass sie so lange und hart arbeiten können, wie sie – doch sie erwarten von sich selbst trotzdem, all die Aufgaben perfekt erledigen zu können, die ihre Großmütter daheim auch erledigten! Sie vergessen, dass ihre Großmütter nicht nur das taten. Nicht, dass es nicht gewürdigt werden soll – aber du kannst nunmal nicht Superwoman sein und Arbeit, Haushalt und Kinder gleichzeitig perfekt managen!

Leider spielen Männer auch eine Rolle darin, diesen Glauben zu stärken: es ist so bequem, wenn die Ehefrauen alles machen, warum also helfen? Warum aufstehen und das Geschirr selbst spülen? Warum die eigenen Hemden bügeln, wenn es doch jemand für dich tut?

Weil du deine Frau liebst und willst, dass deine Töchter auch starke Frauen werden. Bringe deinen Söhnen bei, dass sie daheim helfen können, indem du ihnen ein Beispiel bist. Zeige deinen Töchtern, dass Männer und Frauen einander helfen und Arbeit und Haushalt zusammen meistern! Übernimm daheim Verantwortung – schließlich hilft deine Frau durch ihre Arbeit finanziell auch mit!

Wir stecken immer noch in veralteten Geschlechterrollen und es wird noch eine lange Weile dauern, bis wir da rauskommen und Gleichberechtigung erreichen. Solange wir jedoch einen Schritt nach dem anderen machen, können wir eines Tages dort ankommen!

Nein, das Haus zu putzen ist überhaupt nicht unmännlich – 9 Dez 15

Als ich gestern über das Schulbuch schrieb, das vorschlug, dass man sich vor mindestens einem Familienmitglied, meistens dem Vater, fürchten sollte, musste ich ein wenig über Geschlechterrollen nachdenken. Ich kam zu dem Schluss, dass selbst in modernen Ländern die Menschen immer noch mit dem Probleme haben, was sie ‚tun sollten‘, einfach nur, weil sie entweder Mann oder Frau sind.

Natürlich ist in Indien die traditionelle Verteilung von Aufgaben nach dem Geschlecht immer noch sehr gegenwärtig. Der Mann ist der Versorger der Familie. In vielen Familien gehen die Frauen nur zur Arbeit, wenn die Familie sonst überhaupt nicht überleben kann. Selbst unter den armen Familien unserer Schule gibt es jedoch auch einige jener Väter, die es als große Schande sehen würden, wenn ihre Frau arbeiten und zum Familieneinkommen beitragen würde! So kommt es, dass sie lieber hungrig ins Bett gehen, als ihre Frau arbeiten zu lassen. Und das, obwohl die Frau mehr als willig ist, arbeiten zu gehen!

Natürlich bleiben in Indien viele Frauen nach ihrer Ehe und wenn sie Kinder haben immer noch daheim, obwohl sie an einer Universität studiert haben. Sie haben Master-Studiengänge abgeschlossen, doch weil sie Frauen sind haben sie die Aufgabe, sich um das Haus zu kümmern, Kinder zur Welt zu bringen und sie großzuziehen.

Doch im Westen habe ich auch gesehen, dass sich beide, Frauen und Männer, ohne diese Rollen immer noch nicht völlig wohl fühlen. Ich finde es auch völlig in Ordnung, wenn eine Frau als Mutter daheim bleiben und die Kinder großziehen möchte. Wenn es finanziell möglich ist und sie glücklich macht, würde ich das empfehlen. Doch gleichzeitig sollte es genauso in Ordnung sein, wenn stattdessen ihr Ehemann beschließt, das zu tun! Sie geht zur Arbeit und finanziert das Haus, während der Ehemann die Arbeit von der Wäsche bis zu den Windeln übernimmt!

Leider werden Männer, die sich für diesen Weg entschieden, oft ausgelacht. Ihre Anstrengungen werden herabgesetzt – was nur zeigt, wie wenig du in der Tat die Frauen respektierst, die all diese Arbeit tun! Du denkst immer noch, dass die ganze Arbeit, die daheim erledigt wird, weniger wichtig ist, weniger schwierig und von jemandem erledigt werden kann, der nicht für die ‘höhere Arbeit‘, die, bei der man Geld verdient, geeignet ist! Was für ein Unsinn! Das beste Heilmittel für jeden, der so denkt, wäre, es einfach mal an sich selbst auszuprobieren! Nimm die Herausforderung an und zeige mir, wie du das ganze Haus putzt, einkaufen gehst, für die ganze Familie kochst und jedermanns Klamotten wäscht, während zwei Kleinkinder um dich herumtoben!

Ist es nicht unglaublich, dass auch heute noch, 15 Jahre nach Beginn des 21. Jahrhunderts, so viele Menschen denken, es sei unmännlich, seine eigene Kleidung zu waschen und sein eigenes Essen zu kochen, geschweige denn, seine Sprösslinge zu füttern, die für einen eines Tages das gleiche tun werden?

Es ist der gleiche Grund, aus dem Menschen meinen, Männer sollten nicht weinen, der gleiche Grund, aus dem man im Westen Frauen Hand in Hand laufen sieht, aber keine Männer. Warum Zuneigung zu zeigen etwas ist, was Frauen machen und Alkohol die Lösung für Probleme ist anstatt dass mans über seine Gefühle redet!

Höre auf, dem Mann so viel Druck aufzubürden und dabei die Fähigkeiten der Frauen nicht wert zu schätzen und zu respektieren! Frauen haben ihre eigene Last zu tragen – aber mehr dazu morgen.

Sind wir so negativ, dass wir überall Geschlechterdiskriminierung und andere Übel sehen? – 25 Okt 15

Heute hatte ich einige Gedanken zur Gleichberechtigung der Geschlechter, zum Feminismus und der Einstellung einiger Menschen, die in allem, was sie sehen, etwas Schlechtes suchen. Lasst mich euch das erklären und auch, was das alles mit der Ashram-Küche zu tun hat.

Heute hatten einige unserer Ashram-Gäste einen Ayurvedischen Kochworkshop. Sie hatten in der Früh damit begonnen, Paneer zu machen und am Nachmittag saßen alle zusammen in der Eingangshalle des Ashrams und lasen Spinatblätter aus. Es war eine nette Frauenrunde mit meiner Großmutter, drei unserer weiblichen Mitarbeiter und unsere Gäste. Ich fand das eine hübsche Szene und machte ein Bild.

Nachdem ich es auf Facebook gestellt hatte, bekam ich mehrere positive Kommentare und dazu noch zwei weitere, die einander ähnelten:

“Tragen bei euch die Frauen die volle Verantwortung dafür, das Essen zuzubereiten?“ und „Nach deinen vorherigen Einträgen hoffte ich, dass die Männer in eurem Ashram an der täglichen Essensvorbereitung teilnehmen würden!“

Ganz offensichtlich nahmen diese zwei Kommentatoren nach nur einem einzigen Bild von unserem Ashram, einer Abbildung eines einzigen Augenblicks, an, dass die Damen, die den Spinat auslasen, auch diejenigen sein würden, die die Mahlzeit zubereiteten. Dass sie diejenigen waren, die für die Küche zuständig waren.

Ich antwortete mit einem weiteren Bild der Situation in unserer Küche: mehrere männliche Mitarbeiter in der Küche, die Fladenbrot ausrollten und backten. Ich erwähnte meine Hoffnung, dass dieses Bild keine Diskussion darüber auslösen würde, warum wir in unserer Küche keine Frauen erlaubten!

Die Kommentatoren sind Menschen, die nie hier waren, die ich nicht persönlich kenne und die wirklich keine Vorstellung vom Aufbau und der Struktur unseres Ashrams, unserer Mitarbeiter und unserer Familie haben.

An alle, die dieses Bild sehen: ihr könnt euch sicher sein, dass Männer und Frauen hier in allen Bereichen zusammenarbeiten und sich die Arbeit teilen! Zur Zeit ist der Hauptkoch unserer Küche männlich. Seine Helfer sind sowohl männlich als auch weiblich. Sie alle schneiden Gemüse, rühren in den Töpfen und bringen sie an den Tisch! Es würde uns auch gar nichts ausmachen, eine weibliche Hauptköchin zu haben! Meine Mutter war diejenige, die immer die Küche leitete, während meine Brüder und ich das nach ihrem Tod übernahmen – es ist ganz egal, welchem Geschlecht die Person angehört, solange er oder sie weiß, was getan werden muss und wie!

Die Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter hatte ich also nicht lange im Kopf, da ich weiß, dass wir hier niemanden diskriminieren – doch ich dachte etwas länger über die mentale Situation der Kommentatoren nach. Ich finde, es spiegelt das Innere wieder, wenn man bei allem, was man sieht, nach etwas Negativem sucht. Ohne mehr zu wissen, interpretiert man etwas in Bilder hinein.

Warum kann man die Dinge nicht einfach hin und wieder leicht nehmen? Warum kann man nicht einfach ein schönes Bild ansehen und es dabei belassen, ohne nach einem Fehler zu suchen?

Wie unsere Schule am praktischen Beispiel Gleichberechtigung vermittelt – 24 Aug 15

Jeder, der schon einmal hier war, weiß über unsere Schule Bescheid. Die große Mehrheit dieser Besucher hat auch mit uns eine Führung durch die Schule gemacht und von den grundlegenden Prinzipien unserer Schule erfahren: Gewaltlosigkeit und Gleichwertigkeit.

Ja, unsere Schule basiert auf Gleichwertigkeit und das alles begann mit der Vorstellung, dass die Kinder wirklich alle gleich sein sollten, egal, wie arm sie waren. Dieser Gedanke ging jedoch noch weiter: wir machten auch nie einen Unterschied zwischen den Kasten, etwas, was in vielen Schulen und in ganz Indien immer noch sehr stark geschieht! Und wir machen auch keinen Unterschied aufgrund von Religion.

Ja, wir haben Priester, hohe Brahmanen in unserer Schule, aber auch Kinder der ‚unberührbaren Kaste‘. Wir haben Hindu Kinder in unserer Schule und genauso auch Moslems.

Armut macht keinen Halt vor unterschiedlichen Religionen oder Kasten! Wir verweigern keinen Kindern aus religiösen Familien den Schulplatz, weil wir mit ihren Ansichten nicht übereinstimmen! Wir geben all diesen Kindern, die aus völlig religiösen Familien kommen, eine Schulbildung. Sie wachsen in ihrer Familie in der Umgebung einer scheinheiligen Religion auf und bringen natürlich all diese Gedanken auch mit in die Schule. Egal jedoch was daheim ihr Glaube ist, die Eltern haben finanzielle Schwierigkeiten ihre Kinder zur Schule zu schicken – und das ist es, was für uns zählt.

Hier also lernen sie vor allem eines: dass sie alle gleich sind. Sie sitzen alle nebeneinander und essen miteinander, egal, aus welcher Kaste sie sind und welcher Religion sie angehören. Sie spielen miteinander und laufen von der Schule gemeinsam nach Hause. Wenn dieser Same in der Schule in ihr Herz gelangt, werden sie irgendwann in der Lage sein, anders zu denken als sie es daheim gelernt haben.

Wir haben nun begonnen, uns jeden Samstag mit den größeren Kindern zusammen zu setzen und mit ihnen über verschiedene Themen zu sprechen – Atheismus natürlich, aber auch das Kastensystem, Aberglaube, Geschlechterrollen, Schönheitsideale und mehr.

Wir hatten das Thema ‘Kasten’ letzte Woche und die Kinder erzählten von sich daheim, wie ihre Eltern ihnen verbieten, mit den Kindern der niedrigsten Kaste zu spielen. Wie sie sich trotzdem rausschleichen, um zu spielen – weil sie so einen Unterschied nicht kennen.

Kinder haben ein begrenztes Verständnis dieses Kastensystems, weil es eine unlogische Trennung der Menschen in Gruppen darstellt, die einfach keinen Sinn macht. Mit ständigem Input werden sie sich eines Tages wie ihre Eltern verhalten und einander diskriminieren. Wir hoffen, dass wir für ihre Zukunft etwas verändern können.

Nein, eigentlich hoffen wir nicht nur, wir glauben stark, dass wir das auch werden! Eines Tages werden diese Kinder einander treffen und sich an ihre Zeit in der Grundschule erinnern. Sie werden wieder an einem Tisch sitzen, lachen und witzeln, sich daran erinnern, wie sie bereits als kleine Kinder miteinander aßen!

Vielleicht setzen sie sich eines Tages gegen diese Ungerechtigkeit füreinander ein. Vielleicht gehen sie mit ihren eigenen Kindern anders um. Auf jeden Fall haben sie hier, an unserer Schule, dann Gleichberechtigung erlebt, und das wird einen Unterschied bewirken!

Wie man andere Kinder vor den Augen des eigenen Kindes behandelt – 18 Aug 15

Wir haben immer Kinder im Ashram und natürlich seit dreieinhalb Jahren auch unsere eigene Tochter. Sie ist immer noch die Jüngste und während sie für uns immer besonders sein wird, tun wir, was wir können, um ihr Eines beizubringen: wir alle sind gleichwertig. Du und die anderen Kinder, ihr seid alle gleich. Ich glaube, es kann Eltern geben, denen es schwer fällt, ihren Kindern diese Botschaft zu vermitteln – weshalb ich heute diesen Eintrag schreibe.

Wir haben in unserer Schule dieses eine grundlegende Prinzip, ich habe dieses grundlegende Prinzip in meinem Leben und ich will auch meiner Tochter genau das Gleiche beibringen: wir sind alle gleich und gleich viel wert. Es gibt niemanden höher als du, du kannst alles schaffen, was du willst. Gleichzeitig ist auch keiner niedriger als du.

Natürlich wird dein Kind für dich immer etwas Besonderes sein. Du hast das Gefühl, dass dein Kind intelligenter, schöner, einfach mehr von allem ist. Das ist völlig in Ordnung und du kannst dieses Gefühl genießen und auch dein Kind loben, wenn du das Gefühl hast, dass er oder sie etwas sehr gut gemacht hat.

Doch bleib realistisch: Kinder sind alle gleich. Manche sind in einem Bereich talentierter, andere in einem anderen. Wir sind diejenigen, die ihnen eine Handlung oder die andere beibringen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Talente weiter zu entwickeln!

Gleichzeitig sind wir es, die ihnen beibringen, andere gleich zu behandeln. Wir sollten ihnen ein Beispiel hierfür sein. Nicht nur, indem wir Erwachsene gleich behandeln, so, wie wir behandelt werden möchten, sondern auch andere Kinder genauso behandeln, wie unsere eigenen.

Du würdest doch nicht wollen, dass dein Kind auf andere herabblickt, oder? Also tue du das auch nicht.

Meine Tochter wird für mich und natürlich für meine Familie immer besonders sein. Sie ist unsere Prinzessin – aber bei uns leben auch noch andere Kinder! Sie lernen alle die gleichen Regeln und Apra wird genauso geschimpft, wenn sie sich nicht an diese hält.

Doch natürlich ist sie diejenige, die von unserem Teller isst und in unserem Bett schläft. Sie wird immer besonders sein, aber ich möchte ihr beibringen, dass sie zwar für die, um sie herum besonders ist, jede andere Person um sie herum aber wiederum für jemand anderen besonders ist. Und je mehr besondere Menschen du in deinem Leben hast, desto glücklicher bist du.

Wir sind alle gleich, wir sind alle besonders!

Und nun geh ich los – wir feiern heute den Geburtstag von Guddu, Pawans Bruder, einem Jungen, der jetzt bei uns wohnt. Es ist sein besonderer Tag – und wir werden ihm heute zeigen, dass auch er etwas ganz Besonderes ist!

Warum Pornos nicht der Grund für Vergewaltigungen sind – 2 Jun 15

Gestern habe ich erwähnt, dass jemand mir erzählte, wie Pornos seiner Meinung nach die Anzahl der Vergewaltigungen in Indien erhöhte. Ich habe euch bereits gesagt, dass ich Lust für eine sehr schöne Emotion halte. Heute möchte ich gerne über die falsche Schlussfolgerung schreiben, dass Pornos Vergewaltigungen vermehren würden, weil sie Lust bereiten.

Kurz gesagt, diese Folgerung ist falsch. Porno ist nicht der Grund für Vergewaltigungen. Männer sehen sich nicht Pornos an, werden lüstern und gehen dann, mangels anderer Wege zur Befriedigung, hinaus, um sich eine Frau zu suchen, die sie vergewaltigen können. Pornos anzusehen bedeutet nicht, dass man beginnt, andere zu vergewaltigen!

Nebenbei bemerkt sehen sich auch Frauen Pornofilme an! Das mag manche Leute überraschen, ist aber Tatsache. Wie kommt es also, dass sie nicht verrückt werden und überall um sie herum Männer vergewaltigen? Lacht nicht – Vergewaltigung durch Frauen mit Männern als Opfer gibt es durchaus, es geschieht nur nicht ganz so oft und wird als Verbrechen auch oft vertuscht und unterdrückt. Die Tatsache bleibt jedoch: Frauen sehen sich auch Pornos an, was also ist mit ihrer Lust?

Als es keine Pornos gab, gab es andere Kunst und Literatur, wie ich gestern schon erwähnt habe. Das ist uralt und nichts Neues! Denkt einfach nur mal an die erotischen Tempelskulpturen in Khajuraho! Nach dieser Theorie würde jeder, der sich diesen Porno ansieht – was es ja ist, nur nicht technisch so fortgeschritten – bald das Bedürfnis verspüren, jemanden zu vergewaltigen, aufgrund all seiner Lust! Stellt euch vor, wie Touristen zahlen, um die Kamasutra-Tempel zu sehen, dann ein gewisses Bedürfnis verspüren, während sie sich die Statuen ansehen und nach dem Touristen neben sich greifen! Was für ein gefährliches Weltkulturerbe!

Spaß beiseite, ich sage euch, dass weder Pornos noch Lust der Grund für Vergewaltigung sind.

Es gibt Menschen, die sagen, dass die Kleidung der Frauen der Grund für ihre Vergewaltigung ist. Andere sagen, es sei die Verwestlichung der indischen Gesellschaft. Manche lächerlichen Menschen – denen wieder andere auch wirklich glauben – sagen, die Schuld liege an Handys oder westlichem Essen! Du meinst, es seien Pornofilme. Das kannst du gerne weiter glauben, aber ich stimme dem nicht zu. Meiner Meinung nach ist der Grund die Unterdrückung von Lust und in manchen Fällen die Instrumentalisierung von Sex zur Unterdrückung der Frau.

Ihr könnt euch vorstellen, worauf ich hinauswill: in Gesellschaften, die in Sachen Sex offener sind und in denen die Gleichberechtigung der Geschlechter weiter fortgeschritten ist, gibt es nicht so viel Sexualverbrechen wie in Ländern, in denen Frauen unterdrückt werden und Sex ein großes Tabu ist! Wo Unterdrückung herrscht und wo alles, was mit Sex zu tun hat, versteckt wird, bricht es als Ergebnis heraus.

Für Männer, die an das Beherrschen des weiblichen Geschlechts glauben, ist Vergewaltigung ein Werkzeug, um Frauen ihren Platz zu zeigen. Eine Handlung, um ihre Willenskraft zu brechen und zu beweisen, dass sie schwach ist. Keine Lust ist dazu nötig und darin ist kein Genuss. Ich glaube, dass selbst der Vergewaltiger hierbei keine wahre Befriedigung erlangt!

Und wie ich bereits aufgezeigt hatte, ist die Grundlage der Unterdrückung des anderen Geschlechts sowie des natürlichen Sexualinstinkts und Bedürfnisses die Religion. Religion, Traditionen und Kultur haben das Sexualverlangen auf unnatürliche Weise im Kopf der Leute in ein Monster verwandelt. Man darf keinen Sex haben, nicht an Sex denken und Sex nicht genießen! Wenn du das tust, bist du unrein, hast eine Sünde begangen und wirst dafür bestraft! Es ist die Unterdrückung, die es irgendwann in die Luft gehen lässt!

Wer ein gesundes Liebesleben hat, hat natürlich nie angestaute Liebe in sich. Warum würde irgendjemand zum Vergewaltiger, wenn er sexuell befriedigt wäre? Wenn du in der Nähe niemanden hast, mit dem du deine Lust genießen kannst, ist das etwas anderes. Doch auch in diesem Fall ist Vergewaltigung nicht die logische Folge! Jeder weiß, dass es auch eine Lösung gibt: du kannst dir selbst helfen! Ja, Männer und Frauen haben beide alle körperlichen Möglichkeiten, um sich Erleichterung zu verschaffen. Leider wird auch das eingeschränkt: Religionen haben jedem erzählt, man würde blind werden, Lebensenergie verschwenden und, wieder einmal, eine Sünde begehen! Ich werde in den nächsten Tagen einen weiteren Blogeintrag zur Masturbation schreiben und auf das Problem eingehen, dass viele Menschen sich dabei schuldig fühlen.

Am Ende bleibt es bei einfach bei einer Schlussfolgerung: Porno ist nicht der Grund für Vergewaltigung. Es ist dir Unterdrückung der Lust – und das Ergebnis ist das, was wir in Indien sehen.

Rettung der Männer vor dem weiblichen Sexualtrieb – Ein Plädoyer für Geschlechtergleichheit – 7 Mai 15

Als ich gestern über Vergewaltigung in der Ehe schrieb, merkte ich wieder einmal, dass immer die Frage der Einwilligung der Frau aufkommt, wenn es um Sex geht. Ich habe nie jemanden die Einwilligung des Mannes besprechen hören! Und ich habe in solchen Diskussionen auch noch nie etwas vom sexuellen Bedürfnis der Frau gelesen! Wie kommt das?

Wie ich gestern erklärt habe, erwartet der Hinduismus von Frauen, dass sie ihren Ehemännern einfach gehorchen. Das bedeutet, wenn er Sex haben will, sollte sie bereits sein. Der Islam ist, wie ihr euch vorstellen könnt, ähnlich respektlos gegenüber den Wünschen der Frau. In der Tat habe ich vor Kurzem gelesen, dass Mohammed die erforderliche Verfügbarkeit einer Frau für ihren Ehemann sehr detailreich beschrieb: eine Frau sollte sich ihrem Mann bei dessen Verlangen nach Sex nicht verweigern, selbst wenn sie gerade ‚auf einem Kamelsattel‘ sitzt!

Wow – dieser Prophet hatte eine ziemlich lebendige Fantasie, oder?

Also geht es bei der ganzen Diskussion um die Einwilligung der Frau. Sie sollte für ihren Mann immer zum Sex bereit sein. Aber was geschieht, wenn sie ihr Ehemann nie – oder sehr selten – darum bemüht? Was ist mit ihrem eigenen Bedürfnis nach Sex?

Es geht bei allem und immer darum, dass Männer wie Tiere zu jeder Tageszeit Sex wollen! Nein, nicht nur zu jeder Zeit, sondern egal, in welcher Situation sich ihre Frau befindet – außer natürlich, sie hat gerade ihre Menstruation, denn dann ist sie unrein und unberührbar. Könnte es nicht sein, dass ein Mann auch mal einfach keine Lust hat auf Sex?

Oh ja, und dass eine Frau hingegen sehr viel Lust auf Sex hat? Unterschätze niemals das Sexualverlangen einer Frau! Viele Frauen würden alles Erdenkliche tun in dem Bemühen, einen Mann zu sich ins Bett zu bringen, wenn sie das wollen, nein, wenn sie das brauchen! Das ‚schwächere Geschlecht‘ erlangt dann unglaubliche Kraft und hat ein viel größeres Repertoire an verwendbaren Waffen als Männer, deren Gehirne bekanntlich nicht der aktivste Teil ihres Körpers ist, wenn das Blut gen Süden fließt! Und mit der Hilfe ihres Intellekts kann sich das ‚schöne Geschlecht‘ sehr schnell gar nicht mehr so schön verhalten!

Deshalb plädiere ich hiermit für die Berücksichtigung der männlichen Einwilligung in jeglicher zukünftigen Diskussion über einvernehmlichen oder nicht-einvernehmlichen Sex! Ein Aufruf gegen die Diskriminierung der männlichen Unlust und eine Forderung nach Gleichberechtigung der Geschlechter!

Die Enttäuschung, wenn ein Mädchen zur Welt kommt – selbst in der indischen High Society! – 14 Jan 15

 

Als ich gestern über Monika schrieb, musste ich wieder an ihre ganze Familiensituation denken und die Geschichte ihrer Mutter, deren zwei Töchter zur Adoption freigegeben worden waren. Weil es Mädchen waren, nicht Jungen. Ramona hatte vor einiger Zeit ein Gespräch mit ihrer Frauenärztin – und was sie erzählte, bestätigte wieder einmal, dass das auch in höheren gesellschaftlichen Kreisen die schreckliche Antwort ist!

 

Das Krankenhaus, in dem Ramonas Gynäkologin arbeitet, in dem Apra geboren wurde und in dem auch Monika behandelt wird, ist, wie ich euch bereits erzählt habe, ein gutes Krankenhaus. Das bedeutet, dass die Ärzte wissen, was sie tun, die Mitarbeiter sehr freundlich und kompetent sind und man natürlich dafür auch zahlt. Wenn die Ärztin uns von den Frauen erzählt, die dort Kinder zur Welt gebracht haben, so spricht sie von Frauen der oberen Mittelschicht oder der Oberschicht. Sie sind gebildet, hatten oder haben oft gute Arbeitsstellen und haben Zugang zu internationalen Medien, einem modernen Lebensstil und der Wahrheit über veraltete Werte.

Leider berichtete die Ärztin, dass sie ständig von Aberglauben und schrecklichen Wertvorstellungen und Einstellungen. Sie bekommt nicht nur regelmäßig die Bitte, einen Kaiserschnitt am richtigen Datum und zum richtigen Zeitpunkt zu machen – dem ‚Muhurt‘, der sich aus der Sternen- und Planetenkonstellation errechnet – und dem Kind somit das bestmögliche Geburtshoroskop zu verschaffen.

Nein, ein weiterer Aspekt ihrer Arbeit ist es, die Frauen zu trösten, die gerade ein Mädchen zur Welt gebracht haben. Es gibt Frauen mit hohen Universitätsabschlüssen, die stundenlange Wehen aushalten und dann in Tränen ausbrechen, wenn das Baby schließlich geboren ist. Nicht aus Erleichterung oder Erschöpfung, sondern aus Erleichterung. Die Worte ‚Es ist ein Mädchen!‘ bringen weder Freude noch Wärme ins Herz!

Ihr seht also, es ist egal, ob die Frau gebildet ist oder nicht, ob sie bereits einen Jungen hat oder nicht, sie kann meinen, ein Sohn sei mehr wert als ein Mädchen. Mit diesem Gedanken ist sie aufgewachsen, solche Dinge hört sie ihre Familie sagen und so sehen die Erwartungen derer aus, die möchten, dass sie einen Jungen zur Welt bringt.

Wenn wir Kindern Fragen zu ihrer Familie stellen, zum Beispiel ob ihr Onkel und ihre Tante auch Kinder haben, hören wir Dinge wie ‘Sie haben nur drei Mädchen, keine Jungen’. Wenn Mädchen reden, sprechen sie manchmal über die schlimme Situation ihrer Familie, weil ‚wir so viele Schwestern sind‘. Als Ramona schwanger war, wünschten ihr mindestens zehn Leute, dass es ein Junge wird!

Indien wächst und entwickelt sich – aber das Land muss noch viel Fortschritt machen, um solch schreckliche Vorstellungen, Einstellungen und Werte loszuwerden!