Glaube kann dich dazu bringen, die Exkremente von Tieren zu essen und zu trinken – 8 Oct 15

Während ich gestern über ein sehr ernstes politisches Thema hier in Indien geschrieben habe, könnte dich das heutige Thema zum Lachen bringen. Oder zum Schaudern. Oder beides. Es ist etwas, was nun sogar von Regierungs-Agenturen und natürlich von Hindu Fundamentalisten gefördert wird, obwohl keinerlei Beweis dafür besteht, dass es wirklich irgendeine positive Wirkung hat: der Verzehr von Kuh-Urin und Kuhdung!

Oh ja, es gibt hier in Indien viele Leute, die glauben, der Konsum von Kuh-Exkrementen würde ihnen irgendwie helfen. Sie glauben ernsthaft, das könnte Hunderte verschiedene Krankheiten heilen. Außerdem ist es natürlich heilig. Heilig, weil es von der heiligen Kuh kommt, die religiöse Hindus sogar die ‚Mutter des Menschen‘ nennen.

Das ist eigentlich nichts Neues. In der Tat erwähnen alte Schriften, dass eine Mischung aus fünf Kuhprodukten – Milch, Joghurt, Ghee, Urin und Dung – in einem Ritual zu sich genommen werden kann und das dann den Körper reinigt. Hier in Vrindavan, in Krishnas Stadt, dem Zuhause des ‚heiligen Kuhhirten‘, sind Produkte aus Kuh-Urin und Kuhdung schon seit Jahren beliebt. Nun, mit einer Partei an der Macht, die den Hinduismus mit seinen Traditionen und Werten fördert, erleben all diese Produkte auf einmal einen richtigen Boom!

Natürlich gibt es in der Werbung jede Menge Unsinn: nicht nur wird behauptet, die Ausscheidungen der Kuh hätten heilende Wirkung, sogar bis zum Krebs – die beliebteste Behauptung für Wunderheilungen. Nein, sie besitzen sogar die Frechheit zu lügen, die NASA würde bestätigen, dass es positive Wirkung hat, wenn man das, was am hinteren Ende der Kuh herauskommt, in seinen Körper aufnimmt! Ich würde wirklich gerne wissen, was die National Aeronautics and Space Administration der USA dazu gebracht hat, Kuh-Pipi zu untersuchen!

Im Ernst jedoch, ich glaube das ist ein Versuch, die Konzentration der Menschen auf Kuh-Dung zu lenken und ihre Aufmerksamkeit so von wahren Problemen in diesem Land abzulenken. Doch mit der ganzen Vorstellung davon, dass die Kuh heilig ist, kann ich nicht anders, als wieder einmal zu bemerken, wie scheinheilig diese Gläubigen sind! Sie nennen Kühe ihre Mutter, verehren sie zu gewissen Anlässen und trinken und essen alles, was aus ihnen rauskommt, mit einem Gefühl der Ehrfurcht – doch sobald die Kühe keine Milch mehr geben, ist es ihnen egal, was mit den Kühen geschieht. Es ist ihnen egal, dass die Kühe in den Straßen Plastik und Müll essen und sie verwenden Lederprodukte wie Schuhe und Gürtel ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden! Wo ist da die heilige Mutterkuh abgeblieben?

Es ist die gestörte Sicht der Religion, die die Exkremente eines Tieres als heilig bezeichnet! Es gibt auch eine gewisse Bewegung, in der Menschen ihren eigenen Urin zur Behandlung trinken. Nun trinkst du Kuh-Urin – da könntest du doch genauso auch Urin von Affen oder Eseln trinken! Jegliche guten Enzyme, die man im Kuh-Urin findet, könnten auch da drin sein!

Ganz im Ernst, das würde ich auch nicht empfehlen! Kot und Urin sind Produkte, die der Körper ausgeschieden hat, weil sie nicht gebraucht werden, sie sind Abfallprodukte! Nachdem sie durch mehrere Organe durch sind, können sie nicht mehr gebraucht werden! Warum sollte man das essen oder trinken? Ich habe sogar von einer gewissen Gefahr der Infektion aufgrund von Darmbakterien gehört, die im Kuhdung gefunden werden!

Das ist die wahre Kraft der Religion! Sie kann dich dazu bringen, Tier-Urin zu trinken und Tier-Kot zu essen. Es ist die gleiche Religion, die dich davon abhält, ein Glas Wasser aus der Hand eines Menschen zu akzeptieren, der für ‚Unberührbar‘ gehalten wird!

Denkt ihr nicht auch, dass da etwas falsch läuft?

Narendra Nayaks Vorführung an unserer Schule – Zaubertricks von Gurus aufgedeckt – 13 Aug 15

Heute hatten wir ein Programm an unserer Schule, auf das wir uns schon sehr gefreut hatten, obwohl es relativ kurzfristig geplant war. Narendra Nayak, wahrscheinlich Indiens bekanntester Rationalist, kam uns besuchen und gab eine Präsentation für unsere Schulkinder!

Im Jahr 2009, als wir in New York waren, stolperten wir im Internet über ein Video seiner früheren Arbeit. In dem Video, zeigt er mit einer Gruppe seiner Schüler Dorfleuten die Tricks falscher Gurus und deckt sie dann auf, zeigt ihnen, dass diese nicht, wie behauptet, Wunder sind, die mit göttlichen Kräften zustande kamen. Ich kam mit ihm in Kontakt und so haben wir die Arbeit des jeweils anderen in den vergangenen Jahren verfolgt. Nach unserem Atheisten-Treff vor ein paar Wochen waren wir wieder in Kontakt und als ich von seinen Plänen hörte, nach Delhi zu kommen, lud ich ihn auch in den Ashram und unsere Schule ein.

So stand er also heute Morgen vor unseren Schulkindern und verbrachte drei Stunden damit, ihnen zu erklären, warum sie denken sollten, bevor sie etwas glauben, Fragen stellen sollen, wenn sie etwas nicht verstehen und niemanden für angeblich göttliche Kräfte und Mächte verehren, da diese nicht existieren und wir Menschen alle gleich sind.

Es war ein Vergnügen, das mit anzusehen! Die Kinder sahen mit Staunen zu, wie Narendra Nayak scheinbar aus der Luft eine Goldkette hervorzauberte, genau, wie es der bereits verstorbene Magier und Guru der Stars Sathya Sai Baba zu tun pflegte. Sie waren stark beeindruckt, als eine Klassenkameradin eine Öllampe anzünden konnte, die mit Wasser statt Öl gefüllt war. Sie atmeten alle scharf ein, als es aussah, als würde er sich einen Dreizack von der Größe eines Schaschlik-Spieß durch die Zunge stoßen. Gespannt sahen sie sich Videos an, in denen er mit bloßen Händen Operationen durchführt und Brot in heißem Öl frittiert.

Mehrere Kinder und sogar Lehrer wurden nach vorne gerufen und wurden zum Teil der Vorführung: sie hielten eine Schnur, die in der Mitte durchgeschnitten wurde und dann wieder zusammengefügt wurde, als wäre nie etwas passiert. Sie wählten Karten aus einem Set aus, die er dann erriet, als würde er ihre Gedanken lesen. Er berührte ihre Arme mit einer brennenden Fackel und legte ein brennendes Stück Kampfer auf die rausgestreckten Zungen mehrerer Schüler, ohne, dass jemand Verbrennungen erlitt!

Natürlich liebten alle die Vorführung. Doch es war mehr, als nur eine Zaubershow! Nach jedem Trick, den Narendra Nayak unseren Kindern zeigte, erklärte er auch, wie dieser funktionierte. Das ließ so viele ‚Wunder‘ auf einmal zu einfachen Tricks, die durch Geschwindigkeit, das richtige Material oder einfach nur die Grundgesetze der Physik erreicht werden!

Unsere Kinder konnten nicht nur die Tricks bestaunen, sondern auch über all die Dinge nachdenken, die religiöse Gläubige ihnen über Wunder erzählen. Es gab ihnen die Möglichkeit sich zu fragen, was wahr ist und was nicht.

Ich glaube, es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, unseren Kindern beizubringen, ihren Verstand einzusetzen. Nicht blind zu glauben. Fragen zu stellen und Antworten zu verlangen.

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Narendra Nayak show

Posted by Swami Balendu on Wednesday, August 12, 2015

Warum es für westliche Frauen schwierig sein kann, in Indien einen Freundeskreis aufzubauen – 2 Jul 15

Ich habe die letzten Tage über Herausforderungen geschrieben, denen sich westliche Frauen eventuell stellen müssen, wenn sie mit ihren indischen Ehemännern in Indien leben. Diese reichen von Schwierigkeiten mit der Schwiegermutter zu Fragen, wie weit man abergläubische Traditionen akzeptiert bis hin zur häuslichen Gewalt, vielleicht sogar gegen deine Kinder. Heute möchte ich gerne noch ein bisschen weiterdenken, außerhalb deiner Beziehung und außerhalb deiner Großfamilie. Wie sieht es mit seinem Sozialleben aus?

Natürlich musst du, wenn du in ein anderes Land ziehst, bei fast null noch einmal mit deinem örtlichen Sozialleben beginnen. Ich sage ‚fast‘, weil dein Ehemann und seine Familie darin vielleicht von Hilfe sind. Vielleicht. Das Problem ist, dass es nicht so sehr der Ort ist, an dem du mögliche Freunde finden kannst – Indiens Bevölkerung ist so groß, normalerweise findet man jemanden – sondern, ob du denn diesen Menschen wirklich nahe sein möchtest!

Im Westen aufgewachsen, denkst du anders, als der durchschnittliche Inder. Das allein kann es dir schwierig machen, mit bestimmten Situationen in Indien umzugehen.

Hier ist ein Beispiel: du bist mit deinem Ehemann auf dem Markt und triffst eine weibliche Bekannte von ihm. Ihr tauscht ein paar Worte aus und du hoffst, dass das deine erste Freundin in Indien wird. Sie scheint auch begeistert, dich getroffen zu haben! Ihr tauscht Telefonnummern aus und sie verspricht, dass sie am Wochenende vorbeikommt. Du bist aufgeregt, bereitest Erfrischungen zu und gewöhnst dich an die Tatsache, dass es keine feste Zeit gibt, sondern eben nur die Worte ‚am Wochenende‘.

Kannst du dir das Gefühl vorstellen, wenn am Sonntagabend immer noch niemand vorbeigekommen ist?

Inder geben den Worten, die sie sagen, für gewöhnlich nicht viel Wichtigkeit, besonders, wenn es um solche Treffen geht. Du bist es gewöhnt, ein bestimmtes Datum und eine feste Zeit auszumachen und du rufst an, solltest du nicht kommen können. Sie nehmen das Ganze gleich gar nicht so ernst! Darum tut es ihnen dann auch nicht leid, wenn sie nicht kommen können – es ist ein ganz anderes Konzept, eine ganz andere Wahrnehmung! Für sie sind ganz andere Dinge wichtig und deswegen denken sie ganz anders.

Natürlich sind auch die Gesprächsthemen unterschiedlich, da die Interessen einer Person ja auch vom kulturellen Hintergrund abhängen. Viele Frauen scheinen kein anderes Thema zu kennen, als wann du dann erstes Kind bekommen wirst oder wie viele überhaupt – während du eigentlich gerne etwas tiefer Themen besprechen würdest!

Ich habe bereits den Aberglauben erwähnt, der in den meisten Familien so üblich ist. Selbst, wenn deine indische Familie außerordentlich ist und nicht an Aberglauben glaubt, oder nicht so sehr, ist es bei den Menschen um euch herum so üblich, dass es bei jedem Gespräch aufkommt! Magst du keine Fragen über den astrologisch richtigen Zeitpunkt, über das Fasten und alle möglichen Zeremonien? Gewöhne dich daran oder hör auf, mit deinen neuen Freunden zu sprechen. Das hört sich hart an? Vielleicht erlebst du selbst, dass du irgendwann kein Interesse mehr daran hast, in eine solche Freundschaft viel Energie zu investieren.

Ich habe auch bereits über häusliche Gewalt geschrieben und darüber, dass man diese niemals daheim und gegen seine Kinder akzeptieren darf. Doch was machst du mit deinen Freunden und bei deinen Freunden daheim? Möchtest du da hingehen, möchtest du, dass dein Kind mit ihren Kindern spielt und dann zusieht, wie deine Freunde ihre eigenen Kinder schlagen, weil sie nicht gehorchen? Das wird dir nicht gefallen und du wirst es nicht mögen, wenn deine Tochter oder dein Sohn das sehen und erleben! Also wirst du wieder beginnen, dein Kind auf deine Weise und in deiner Umgebung großzuziehen.

Vielleicht ist es in Indiens großen Städten, in denen Menschen offener sind und einen anderen Weg gehen, etwas anders. Doch nicht völlig und nicht für jeden! Es ist auch da nicht üblich einen nicht-traditionellen Lebensweg zu gehen.

Ich spreche aus eigener Erfahrung mit meiner deutschen Frau, wenn ich euch sage, dass man viel Ausprobieren muss, um auch nur ein paar Freunde zu finden, mit denen man gerne Zeit verbringt. Doch auch das hängt wieder von der individuellen Situation ab, von jeder beteiligten Person und von dem, was man sucht. Also auf geht’s – ich wünsche dir das Allerbeste!

Sollten du und dein indischer Ehemann stattdessen beschließen, in dein Land im Westen zu ziehen, kannst du meinen Blog am Montag weiterlesen – ich werde auch einige Themen ansprechen, denen er in dieser neuen Umgebung begegnen wird.

Westliche Frauen verheiratet in Indien: befolgt ihr ‘indische Menstruations-Regeln’? – 30 Jun 15

Gestern habe ich erklärt, dass eine westliche Frau, die einen indischen Mann heiratet und mit ihm in seiner Großfamilie lebt, sich einigen Herausforderungen stellen muss. Eine von diesen wird wahrscheinlich ihre Schwiegermutter sein und die Entscheidung, bis zu welchem Punkt sie diese ihr Leben beeinflussen lässt. Ein weiterer Aspekt ist der, über den ich heute schreiben werde: inwiefern wirst du, eine Frau aus dem Westen, religiöse und abergläubische Bräuche akzeptieren und annehmen? Wirst du sie befolgen?

So wie immer hängt die Frage auch hier wieder sehr von der individuellen Situation ab. Wo bist du aufgewachsen, wie religiös war dein Umfeld, welchem Glauben gehörst du selbst an und wie weit bist du bereit, einen Teil einer anderen Religion zu praktizieren, nur, um jemanden zufrieden zu stellen? Gleichzeitig hängt es von deinem Partner und seinem Glauben ab, sowie von seiner Familie und wie stark sie an Traditionen festhalten!

Eines ist sicher und daran musst du immer denken: du musst nichts tun, was du wirklich nicht willst. Niemand kann dich dazu zwingen, religiöse Handlungen durchzuführen, die gegen das gehen, was tief in deinem Herzen verwurzelt ist. Sei dir dessen immer bewusst und wenn dein Partner versucht, dich in eine Richtung zu schieben, die du nicht einschlagen willst, ist es an der Zeit zu überlegen, ob das wirklich wahre Liebe ist und ob es den Kampf wert ist.

Das vornweg gesagt, glaube ich jedoch, dass es meistens andere Wege gibt, mit solchen Situationen umzugehen, da es eure Liebe ist, die euch zusammenhält und euch den anderen tief drinnen respektieren lässt.

Es gibt Fragen im täglichen Leben wie die Folgende: das Essen ist fertig, du hast beim Kochen geholfen und deine Schwiegermutter gibt dir einen Teller, bringt dich zum Hausaltar und erklärt dir – oder zeigt dir, wenn ihr keine gemeinsame Spracht habt – wie man alles Essbare erst einmal Gott anbietet, bevor man es selbst isst. Wirst du diese Regel nicht nur befolgen, sondern auch diejenige sein, die das Essen Gott darbietet?

Dann gibt es noch Fragen, die einmal im Monat auftauchen: im Hinduismus dürfen Frauen während ihrer Menstruation nicht die Küche betreten. Auch heute noch essen viele Frauen an diesen Tagen nicht zusammen mit ihrer Familie. Sie dürfen auch nicht die Kleidung anderer waschen. Während ihrer Periode sind sie nicht rein. Wie streng ist die Familie deines Ehemannes mit dieser Tradition? Meiner Meinung nach ist das völliger Unsinn und eine Frau sollte nicht für etwas erniedrigt werden, was einfach ein biologischer, natürlicher Vorgang im Körper ist! Wenn du das Gleicht denkst, würde ich vorschlagen, dass du deinem Mann verständlich machst, dass dieser Vorgang ein Teil des Zyklus ist, der eines Tages Söhne und Töchter hervorbringt – und damit nichts Schmutziges oder Unreines! Am Ende ist es deine Wahl, wie weit du dabei gehen willst, solchen Aberglauben zu akzeptieren oder abzulehnen – doch du solltest vorbereitet sein, indem du dir selbst diese Frage einmal gestellt hast!

Während es dir also wahrscheinlich nichts ausmacht, an Festtagen an der Familienzeremonie teilzunehmen und während du höchstwahrscheinlich bei vielen kleinen Dingen einfach mitmachst, wird es auch andere Aspekte geben, die dich stören. Ich möchte dich bitten, solche Probleme nicht in dir zu behalten. Du musst darüber sprechen und dein Ehemann muss offen sein, sich das anzuhören und zu bedenken. Ich bin mir sicher, dass ihr einen Weg findet, der für euch beide angenehm ist – egal, was die Leute um euch herum dazu sagen!

Ein Sadhu sagt ‚Da ist Gold‘ und die indische Regierung fängt an zu graben – 4 Nov 13

Ich erzähle euch nun eine Geschichte, die vielleicht schwer zu glauben ist. Doch obwohl sie unglaublich klingt, ist es etwas, was in Indien wirklich passiert ist. Und ja, vielleicht ist Indien der einzige Ort auf der Welt, wo eine solche Idiotie wirklich stattfinden kann.

Vor einigen Wochen erzählte ein Sadhu mit dem Namen Shoban Sarkar den Leuten um ihn herum, dass er von einem Schatz geträumt hatte. Es war ein Schatz, der nicht weit entfernt von ihm begraben lag, in Unnao, einem Bezirk in unserem Bundesstaat Uttar Pradesh. Der Ort des angeblichen Schatzes war ein verlassenes Fort aus dem 19. Jahrhundert. Er behauptete, dass das nicht nur ein Traum gewesen sei, laut ihm waren dort wirklich 1000 Tonnen Gold und Silber in dem Fort vergraben und wenn du dort graben würdest, würdest du ihn finden! Doch da war noch ein Haken: wenn man nicht ordentlich graben würde, würde sich das ganze Gold in Erde verwandeln!

Indien ist ein Land voller gläubiger Menschen. Gläubige beschränken sich jedoch nicht auf die allgemeine Öffentlichkeit, es gibt auch Politiker und Minister, die alles Mögliche glauben. Irgendwie ist der Traum dieses Sadhus bis zu einem Minister der Regierung gelangt und mit seiner Hilfe wurde die ASI, die ‚Archaeological Survey of India‘ davon überzeugt, dass diese Geschichte wahr sein könnte. Die ASI kümmert sich um Gedenkstätten, die Instandhaltung von historischen Plätzen und auch die Art von Grabungen, die nun auf Geheiß der Regierung in besagtem Fort begannen.

Die Nachrichten waren überall in den Medien. Es war sensationell und natürlich gab es auch kritische Stimmen. Jede Menge Geld wurde da auf eine Ausgrabung aufgegeben, nur weil ein sogenannter Seher einen Traum von einem Schatz gehabt hatte? Es gab skeptische Menschen wie mich, die die Regierung kritisierten oder sich wegen dieser Entscheidung über sie lustig machten. Andere traten ins Rampenlicht, um auch einen Teil des Schatzes zu bekommen: die Nachkommen des ehemaligen Königs wollten ihren Teil abbekommen, sollte auf dem Land ihrer Vorväter einmal etwas gefunden werden!

Fernsehsender kamen an und stellten ihre großen Vans und ihre Ausrüstung neben dem Fort auf, um von dort Live-Übertragungen zu machen! Die Prognose war, dass wenn dieser Schatz gefunden werden würde, würde Indien die Wirtschaft der Welt führen, da es der größte Schatz war, der jemals auf Erden gefunden wurde! Plötzlich war dieses Dorf voller Leben, die Menschen waren von überall gekommen und mit dieser Menschenmenge musste es mehr Sicherheitsvorkehrungen geben! Zu jeder Zeit musste es dort zahlreiche Polizisten und Sicherheitskräfte geben. Die Dörfler reagierten schnell, um von ihrer plötzlichen Bekanntheit auch noch Nutzen zu haben. Sie begannen damit, Samosas, Chai, Pakori und mehr Snacks und Essen an kleinen Ständen und sogar an der Straßenseite zu verkaufen.

Sie gruben und gruben tagelang! Als sie nach drei oder vier Tagen noch nichts gefunden hatten, fing die Aufmerksamkeit langsam an zu schwinden. Die ersten Reporter reisten ab und auch viele Leute kehren nach Hause zurück. Der Sadhu ermutigte jedoch weiter die Leute, nicht aufzugeben. Als sie nach sechs oder sieben Tagen immer noch nichts gefunden hatten, sorgten sich die Regierungsbeamten langsam um ihren Ruf. Auf der Suche nach einer Ausrede erklärte ein Beamter, dass die ASI eigentlich nicht wegen dem Traum eines Mannes Ausgrabungen machte, sondern weil ein Metalldetektor wirklich angezeigt hatte, dass da etwas war. Eine weitere Person versicherte, dass es für sie auch dann ein Schatz wäre, wenn sie statt Gold einige alte Statuen finden würden! Trotzdem hatten die Leute nach einigen Tagen keine Lust mehr und als sie gingen, verschwanden auch langsam die Essensstände. Am 12. oder 13. Tag der Ausgrabungen beschlossen sie schließlich, das Projekt zu schließen. Den Schatz haben sie nicht gefunden.

Ist es nicht unglaublich? Wie viel Geld wegen dieser Behauptung irgendeines alten Mannes ausgegeben wurde, der ganz offensichtlich nur ein paar Minuten Berühmtheit wollte? Die Meinung des Sadhus ist offensichtlich: es wurde nicht ordentlich gegraben. Wenn man nur ordentlich graben würde, würde man den Schatz auch finden! In was für einem Land leben wir hier nur!?

Toleranz gegenüber Glauben oder Verantwortung dafür, Kinder vor Aberglauben zu bewahren – 9 Oct 13

Gestern habe ich euch erzählt, dass ich einiges an Rückmeldungen bekam, als ich erzählte, dass zwei unserer Mitarbeiter wegen den Windpocken ihre Arbeitsstelle aufgegeben haben. Während ich gestern berichtete, wie manche abergläubige Leute fragten, warum wir sie denn zum Arzt geschickt haben, gab es andere, die sich auf einen anderen Punkt konzentrierten: als sie fragten, ob sie zurückkommen konnten, wenn sie ohne Medizin wieder gesund würden, lehnten wir das ab. Warum?

Mir wurde in Verbindung mit dieser Entscheidung vorgeworfen, ich hätte jemandem die Arbeitsstelle genommen, weil sie nicht an das glaubten, woran ich glaubte. Zunächst möchte ich einmal auf diese Anschuldigung antworten. Mir ist es normalerweise wirklich und ehrlich völlig egal, an was unsere Angestellten glauben. Ob sie Hindus, Christen, Moslems oder Atheisten sind – das ist eihre eigene Sache und weder frage ich sie danach, noch mische ich mich da auf irgendeine Weise ein. Ihre Glaubenseinstellung hat für mich nichts mit ihrer Arbeitsqualität zu tun. Ich habe da eine professionelle Einstellung und erwarte das auch von ihnen.

Die meisten, wenn nicht alle, unserer Angestellten haben eine recht deutliche Vorstellung von der Tatsache, dass wir überhaupt nicht religiös sind. Sie wissen, dass die Einzige in der Familie, die einen Altar hat und diesen auch zur Verehrung verwendet, meine Großmutter ist. Sie weiß, dass wir sogar auf großen religiösen Festen keine Zeremonien durchführen, an Fastentagen essen wie gewöhnlich und dass man an uns keinerlei Zeichen einer Religion oder Kaste findet. Wir halten sie jedoch auch nicht von ihre eigenen Gottesverehrung ab.

In unserem Alltag funktioniert das ganz gut und es hat noch nie solche Probleme gegeben, aber nun haben wir diese Entscheidung aus einem bestimmten Grund getroffen: während der Glaube unserer Mitarbeiter nichts ist, worauf wir Einfluss nehmen wollen oder worüber wir ein Urteil fällen wollen, haben wir doch immer einige Jungen im Ashram, für die wir eine bestimmte Verantwortung haben. Diese Kinder wurden nicht nur in unsere Obhut gegeben, damit wir sie mit Kleidung, Essen oder was sie sonst noch so brauchen ausstatten, sondern auch, damit wir ihnen etwas beibringen – in der Schule und auch daheim. Moral und Werte sind etwas, das ein Kind in der Kultur daheim lernt und diese Kinder sind im Ashram zu Hause.

Wir sind offen und tolerant gegenüber der Welt – diese Kinder lernen den Hinduistischen Glauben durch die Kultur in ihrer Umgebung kennen. Wenn diese Religion jedoch sich jedoch zu einem gefährlichen Aberglauben verändert, so ist eine Grenze erreicht. Das ist der Punkt, an dem wir ihnen mit Worten und Taten zeigen müssen, dass sie die Dinge wissenschaftlich betrachten sollten, dass Krankheiten mit Medikamenten und mit der natürlichen Kraft des Körpers geheilt werden – und nie durch eine Zeremonie.

Wir sind der Meinung, dass es diesen Kindern einen falschen Eindruck geben würde, wenn uns zwei unserer Mitarbeiter verlassen, weil sie ihre Medizin nicht nehmen wollen und dann zurückkommen. Eine Medizin, die diese Kinder selbst genommen haben. Die Angestellten würden zurückkommen und ihren Aberglauben verbreiten, versuchen, den Kindern zu beweisen, dass sie falsch liegen, wenn sie sagen, dass ihnen beim gleichen Problem die Medizin geholfen hatte. Diese Leute, die die Wirkung der Medizin gesehen haben und sie trotzdem nicht nehmen wollten, sondern noch eher ihre Arbeitsstelle verlieren, wären auch stur genug, Dinge gegen diese Medizin zu sagen und die Kinder zu beeinflussen, so dass diese nicht mehr zum Arzt gehen wollen oder ähnlichen Unsinn in ihre Köpfe pflanzen.

Wenn Aberglaube von Unwissen stammt, ist das eine Sache, aber wenn er von einer sinnlosen Sturheit oder blindem Glauben herrührt, so ist das falsch. Und wir nehmen unsere Verantwortung für unsere Kinder ernst – deswegen wollen wir sie vom Einfluss blinden Glaubens fernhalten!

Ist Aberglaube das einzige Heilmittel für Windpocken? – 8 Okt 13

Gestern habe ich euch erzählt, wie wir zwei Mitarbeiter an die Windpocken verloren haben. Nein, sie sind nicht daran gestorben, sondern arbeiten nicht mehr hier, weil sie ihre Medizin nicht nehmen wollten – und wir wollten niemand anderen mit Ansteckung gefährden. Und ja, wir haben ihnen gesagt, sie würden nicht wieder eingestellt, wenn sie gingen und einen Monat später ausgeheilt wiederkämen.

Als ich diese Geschichte online auf sozialen Netzwerken teilte, bekam ich viele Antworten, von denen ich einige erwartet hatte, einige von Unwissenheit zeugten oder auch beleidigend waren und andere unsere Handlungen unterstützten.

Zwei Fragen wurden hauptsächlich gestellt oder, wenn man es anders ausdrücken will, es gab zwei Punkte, bei denen die Leute uns und unseren Handlungen nicht zustimmten. Der Erste war, dass wir die Kinder sowie unsere Mitarbeiter zum Arzt schickten. Das ist normal – religiöse und abergläubische Leute in Indien glauben, dass sich durch Windpocken die Wut der Göttin zeigt und dass man diese als eine Strafe annehmen, sowie Zeremonien und Poojas durchführen sollte. Verschiedene Leute haben versucht, mich darüber aufzuklären, dass das eine Krankheit sei, die ohne einen Arzt heilt und dass es dafür keine Medizin gibt. Sie sagten, in Wirklichkeit sei unser Arzt die abergläubische Person, wenn er an eine Medizin glaubte, die ja gar nicht helfen konnte oder dass er uns betrog.

Diejenigen, die auf diese Weise antworteten, dachten praktisch, dass meine Familie und ich und mit uns all die Menschen im Westen, die damit zum Arzt gehen, einfach nur dumm sind. Das war’s – wir werden von Ärzten betrogen, von denen wir, naiv wie wir sind, meinen, sie könnten uns helfen. Sie sagten sogar, es gäbe dagegen keinerlei Medikamente! Meine Antwort: macht eure Hausaufgaben!

Natürlich muss der Körper seine Antikörper gegen den Varicella-Zoster Virus, im Volksmund Windpocken genannt, selbst aufbauen. Ich weiß, dass es nichts wie eine Pille gibt, die die Krankheit in drei Tagen heilt! Man kann sein Immunsystem jedoch in dem Kampf unterstützen und man kann vieles tun, um die Symptome zu lindern! Da gibt es einen antiviralen Wirkstoff für Erwachsene und da gibt es Salben und Pulver mit Zink. Man kann etwas gegen das Fieber einnehmen und sich selbst waschen, um zu vermeiden, dass sich die Krankheit verbreitet! Man kann jede Menge tun – und so ging es all unseren Kindern nach etwa einer Woche wieder gut, während es ohne Behandlung mehrere Wochen dauern kann, bis Patienten wieder fit sind. Zusätzlich kann es viele Komplikationen geben, die sogar die Augen und das Gehirn beeinträchtigen können – nicht etwas, das man gerne riskieren würde, oder?

Oh, aber ja, manche Menschen eben doch! Wie man an dem Beispiel unserer ehemaligen Angestellten sieht, glauben sie einfach nicht an Medizin, sondern halten lieber an ihrem Aberglauben fest, selbst wenn das positive Ergebnis der Medizin ihnen direkt vor Augen liegt. Wenn sie gesund werden, war es die Gnade der Göttin – nicht ihr Immunsystem, das stark genug war, den Eindringling in ihr System zu bekämpfen! Sie beten, machen Opfergaben und leiden wochenlang, aber sie ändern ihre Einstellung nicht. Ich hoffe, dass sie es eines Tages tun werden – oder vielleicht die nächste Generation.

Der zweite Punkt, zu dem Fragen gestellt wurden war die Tatsache, dass wir ihnen sagten, sie sollten nicht wiederkommen, wenn sie gesund wären. Über die Fragen und Antworten zu diesem Aspekt der ganzen Geschichte möchte ich morgen schreiben.

Abergläubige geben lieber ihre Arbeitsstelle auf als ihren Aberglauben – 7 Okt 13

Letzte Woche habe ich euch erzählt, dass Apra Windpocken hatte – sie ist heute schon fast wieder völlig in Ordnung, nur einige der roten Punkte jucken immer noch und die meisten von ihnen sind schon fast abgeheilt. Bewundernswert, was das Immunsystem eines Kindes alles kann! Ich wollte euch auch noch von den anderen Leuten im Ashram erzählen, die auch die Windpocken hatten und von dem interessanten Problem, das wir aufgrund dieser Krankheit hatten.

Es ist für eine Familie mit einem kleinen Kind recht normal, einmal im Leben die Windpocken durchzumachen. Es ist wahrscheinlich fast unvermeidlich, dass Kinder im Kindergarten oder in der Schule irgendwann einmal diese Krankheit aufschnappen. Schulen sind wie Brutplätze, an denen der Virus den engen Kontakt zu so vielen Menschen genießt. Er springt von einem zum anderen, bevor man es überhaupt merkt. So lagen auch Pawan und Jay Singh mit Fieber und Windpocken am ganzen Körper im Bett, als Pranshu mit seiner Behandlung bereits fertig war. In der Zeit bemühten wir uns sehr, Apra von ihnen fern zu halten und isolierten sie sogar, soweit eben möglich, so dass sich niemand weiteres aus der großen Ashram-Familie ansteckt.

Wir waren jedoch nicht erfolgreich, wie ihr bereits wisst, und ich glaube auch, dass dieser Virus ziemlich hinterhältig ist, da er sich selbst immer erst dann auf der nächsten Person zeigte, wenn die vorherige bereits geheilt zu sein schien. Wie auch immer er das schaffte weiß ich nicht, aber er steckte nicht nur unser Baby an, sondern auch zwei unserer Mitarbeiter, 25 und 35 Jahre alt.

Wir taten das, was die meisten Menschen im Westen als die logische Konsequenz betrachten würden, wenn man jemanden mit juckenden Bläschen am Körper sieht und dazu noch mit einem Fieber, dass ihn von Kopf bis Fuß zum Bibbern bringt: wir haben sie zum Arzt geschickt. Wir haben die Arztgebühren und ihre Medizin gezahlt – schließlich wollten wir, dass sie wieder fit werden und dass der Rest ihrer Kollegen gesund bleibt.

Sie gehörten zu den Mitarbeitern, die auch bei uns wohnen, und sie hatten von hier aus ihre Familien angerufen und ihnen von der Krankheit erzählt. Am nächsten Tag standen Mitglieder ihrer Familien bei uns im Ashram und wollten mit uns sprechen. Uns wurde gesagt, dass diese zwei Männer ihre Medizin nicht nehmen würden, sondern dass stattdessen Zeremonien durchgeführt werden mussten. Es war, ihrer Meinung nach, die Wut der Göttin, die sich in diesen Bläschen zeigte. Nur Hingabe und Opfergaben würden das beheben können.

Es ist ein normaler, verrückter Aberglaube hier in Indien, dass es für Windpocken kein Heilmittel gibt. Ich habe auch 2010 bereits darüber geschrieben und leider hat sich auch in der Zwischenzeit daran noch nichts geändert. Die Menschen denken, es gibt dafür keine Medizin, es würde von selbst verschwinden und man sollte da auch gar nichts zu tun versuchen. Im Gegenteil – wenn man Medikamente nimmt oder Salben aufträgt, verärgert man die Göttin möglicherweise noch mehr, weil man ihre Strafe ja ganz offensichtlich nicht annimmt!

Wir zeigten unseren Mitarbeitern die Kinder, die im Laufe einer Woche mit der Hilfe unseres Hausarztes wieder auf den Beinen waren – aber sie akzeptierten keine solchen Argumente. Die teure Medizin wurde weggeschmissen und sie verließen den Ashram mit ihren Familien. Als sie zum Tor hinausgingen, fragten sie, ob sie zurückkommen könnten, wenn sie wieder gesund wären, aber wir lehnten das ab. Sie waren bereit dazu, ihre Arbeit aufzugeben, aber nicht dazu, Medikamente einzunehmen.

Als ich diese Geschichte noch während sie im Geschehen begriffen war, auf sozialen Netzwerken teilte, bekam ich viele unterschiedliche, interessante und auch etwas beunruhigende Rückmeldungen, von denen ich euch morgen berichten möchte.

Kein Unterschied in Glaube und Aberglaube – Verliere den Glauben an deinem Glauben! – 5 Jul 13

Bei Themen wie dem gestrigen gibt es immer ein paar religiöse Leute, die mir sagen, dass ich zwei unterschiedliche Dinge vermische: Glaube und Aberglaube. Mir wird gesagt, dass ich doch den grundlegenden Glauben an Gott nicht Aberglaube nennen sollte und dass beides sehr wohl getrennt betrachtet werden müsste. Im heutigen Eintrag möchte ich ganz deutlich machen, dass ich mir über die Bedeutung des Wortes ‚Aberglaube‘ sehr wohl bewusst bin und dass ich auch Gottvertrauen und Aberglaube nicht miteinander verwechsle. Ich weiß sehr wohl, was ihr mir damit sagen möchtet, aber ich muss euch sagen, dass meiner Meinung nach euer Gottvertrauen in die gleiche Kategorie gehört wie Religion und Aberglaube. Ich will es euch erklären.

Natürlich sind es religiöse Menschen und Menschen mit Gottvertrauen, die so etwas sagen. Warum? Sie wollen nicht abergläubisch genannt werden! Sie mögen es nicht, wenn ich sage, dass ihre religiösen Handlungen abergläubisch sind. Für sie ist es Glaube, wenn sie eine Blume auf den Altar legen, während Zitronen und Chili an der Tür gegen schlechte Energien Aberglaube ist. Für mich ist da nicht allzu viel Unterschied zwischen den beiden – beides wird in dem Glaube getan, dass da eine übernatürliche Kraft auf diese Handlung reagiert. Darauf sollst du vertrauen, wird dir gesagt, obwohl es keinen Beweis dafür gibt. Du sollst zu jemandem beten, dessen Existenz immer noch nicht sicher ist. Du nennst es Glaube, ich sage es ist erfunden.

Im gleichen Zusammenhang wurde ich einmal gefragt, ob es Aberglaube wäre, zum Tempel zu gehen. Ich sagte, diese Frage könnt ihr euch selbst beantworten! Was ist ein Tempel? Es ist ein Haus oder ein Zimmer, die Wände mit Silber und Gold geschmückt, in der Mitte ein Altar mit einem Thron, auf dem eine Statue sitzt, oft aus Stein, aber manchmal auch aus Silber oder Gold. Da gehst du hin, legst etwas Essen davor und klingelst mit einer Glocke. Das machst du schon dein Leben lang und du weißt genau, dass dieser Essensteller von Gott noch nie angerührt wurde. Das Essen war nie weniger geworden. Trotzdem behauptest du, Gott hätte es gegessen und nun sei es heiliges Prasad für dich, dass du selbst essen und deinen Gästen anbieten kannst – und dass dieses Essen auch noch eine besondere Wohltat sein wird. Hättest du es Gott nicht dargeboten, wäre es nicht so gut. Ist das nicht abergläubisch?

Das ganze Konzept des Tempelbesuchs ist abergläubisch! Dein Glaube erzählt dir, Gott sei allmächtig. Wenn das so ist, warum musst du dann in ein von Menschen gemachtes Gebäude gehen, um ihn zu treffen? Warum braucht Gott dort Diener, die ihn, zumindest in Hindu Tempeln, füttern, kleiden, baden und sich in jeder Hinsicht um ihn kümmern? Wenn sie nicht gut aufpassen, wenn ihre Hände schmutzig sind oder wenn sie während ihrem Dienst einen Fehler machen, glauben sie, es sei für sie schlecht. Ist das nicht auch abergläubisch?

All das ist Teil deines ‚Glaubens‘, aber ich habe dir gerade gezeigt, dass man das Gleiche genauso gut auch Aberglaube nennen könnte. Ich sage euch noch was: euer Glaube sagt, ihr sollt nicht mit Menschen wie mir streiten. Lest eure Schriften, da steht es geschrieben! Warum? Weil ihr sowieso nichts beweisen könnt. Doch leider lernen Gläubige diese Lektion nie. Sie argumentieren weiter und müssen nach zwei erfolglosen Versuchen einen Rückzieher machen und etwas sagen wie ‘Gottes Wege sind unergründlich‘ oder ‚Es geht um die Liebe im Herzen!‘

Nein, sie werden es nicht lernen und das ist wiederum ein Zeichen des Aberglaubens. Es gibt keinen Beweis und darum musst du weiter glauben, egal wie unlogisch es erscheint und wie oft dir bewiesen wird, dass du falsch liegst!

Glaube und Aberglaube scheinen nun nicht mehr so weit voneinander entfernt, oder?

Vollkommenes Vertrauen ist zu gefährlich – täusche deinen Glauben an Gott einfach vor – 4 Jul 13

Die tragische Geschichte, von der ich euch gestern erzählt habe, brachte einige Diskussionen in den Medien und natürlich auch online auf sozialen Netzwerken auf. Viele Leute taten diesen Fall einfach als Tat eines ungebildeten und törichten Mannes und seiner Familie ab. Jemand anderes sagte ‚Zu viel Aberglaube ist nicht gut‘ und einige religiöse Menschen sagten, man sollte nicht versuchen, Gott zu prüfen. Ich möchte diese und ähnliche Aussagen beantworten und, man glaube es oder auch nicht, diesen Mann ein klein wenig verteidigen.

Warum sollte ich, der unreligiöse Ungläubige, zur Verteidigung eines Mannes eilen, der sich selbst und seine Familie umgebracht hat, um Shiva zu erblicken? Weil meiner Meinung nach Religion ihnen weisgemacht hat, Shiva würde kommen und sie retten! Dieser Mann hatte nicht vor zu sterben oder seine Familie umzubringen, er glaubte ganz ehrlich, er würde gerettet werden.

Diese Menschen, die sagten er sei einfach nur dumm, sind sich wohl nicht bewusst, dass er durchaus nicht ungebildet war! Er war selbstständiger Fotograf, schickte seine Kinder zur Schule und man kann ihn definitiv nicht mit dem Analphabeten aus dem Dorf gleichstellen, der wirklich alles glaubt, was man ihm erzählt. Nein, er war kein Analphabet und man kann ihn vielleicht abergläubisch nennen, aber es gibt viele gebildete Leute, die sich selbst religiös und gläubig nennen, die gleichzeitig jedoch sehr abergläubisch sind, da sie an all die Geschichten der Schriften glauben.

Ich muss lachen, wenn ich jemanden sagen höre ‚Zu viel Aberglaube ist nicht gut‘ – ein bisschen Aberglaube ist also okay? Da nennst du nun diesen Mann zu abergläubisch, weil das heilige Essen, dass er seiner Familie gab, vergiftet war und er dachte, es würde niemandem Schaden zufügen. Die Tatsache jedoch, dass du dieses Essen überhaupt als ‚heilig‘ betrachtest und denkst, dass es besondere Eigenschaften hat, ist in Ordnung! Ist das nicht auch Aberglaube? Jedes Mal, wenn du im Tempel warst, isst du dieses Essen und denkst, es würde dir helfen – er dachte nun mal, dass sogar vergiftetes Essen gut wäre. Ist es nicht das Gleiche?

Die Wurzel des Aberglaubens ist Religion und ihre Geschichten, was man an diesem Beispiel ganz deutlich sehen kann. Die Schriften bestehen darauf, dass all ihre Geschichten wahr sind und dieser Mann war einfach nur ein sehr, sehr treuer Gläubiger! Er hatte vollkommenes Vertrauen in Gott und darin, dass Gott die Kraft haben würde, ihn zu retten. Er vertraute so sehr, dass er an dem Abend sogar ein Video machte. Er hatte all die Schriften gelesen, in denen treue Anhänger gerettet wurden und er folgte nur ihrem Beispiel. Viele glauben, dass die Geschichten wahr sind, aber nur wenige trauen sich, wirklich ein solches Experiment zu machen. Was hat ihn am Ende das Leben gekostet? Aberglaube oder nur ein sehr starker Glaube?

Solltet ihr religiösen Menschen ihn also nicht eigentlich als den einen, wahren Gläubigen feiern? Einer, der seinem Gott so treu war, dass er sogar Gift nahm? Ihr habt Angst und glaubt nicht genug an Gott, um euch sicher zu sein, dass er euch retten wird! Wenn ihr nicht das tun könnt, was dieser Mann getan hat, glaubt ihr nicht wirklich an Gott und seine Schriften!

Was können wir von dieser ganzen Geschichte lernen? Vielleicht, dass man Gott nicht vollständig vertrauen sollte, denn wenn man das tut, so stirbt man, während man darauf wartet, dass er einen rettet! Halte Gott also am Besten zum Narren, erzähle ihm, dass du an ihn glaubst und volles Vertrauen hast, obwohl du ihm eigentlich nicht gar nicht so sehr vertraust!

Wenn du deine Religion so siehst, bin ich wieder einmal überrascht, dass du es schaffst, dich selbst oder deinen Gott so sehr anzulügen. Wenn es das ist, was du machen willst, so kannst du das gerne tun, aber ich halte es nicht für ehrlich. Wenn du dich selbst religiös nennst, solltest du auch zu 100% daran glauben, mit all den Schriften und vollem Vertrauen, so wie es dieser Mann getan hat.

Und wenn nicht, so finde ich, solltest du mir nicht widersprechen, wenn ich sage, dass die Schriften, die solchen Aberglauben verbreiten und zum Tod von ganzen Familien führen, zerstört und vergessen werden sollten, so dass sie niemandem weiter schaden können!