Der unsinnige Glaube, Gott hätte bei der Zerstörung tausender Leben seinen Tempel gerettet – 5 Mai 15

Ich muss noch einmal auf das Erdbeben in Nepal zurückkommen. Nicht nur, weil die Hilfe dort immer noch nicht bei den Leuten angekommen ist, die sie am meisten brauchen, sondern weil manche Leute immer noch darauf bestehen, dass an dem Tag, an dem die Erde bebte, auch ein Wunder geschah: der hinduistische Haupttempel in Kathmandu, der Pashupatinath Tempel, wurde nicht zerstört. Ich halte es für eine lächerliche Idee, das ein Wunder oder sogar einen ‚Beweis der Macht Gottes‘ zu nennen!

Die indischen Medien haben diese Nachricht oft wiederholt und viele religiöse Leute haben es auf ihren sozialen Netzwerkseiten geschrieben oder geteilt. Die ganze Stadt ist zerstört, nur der Tempel steht noch! Gott hat den Tempel gerettet, er ist so heilig, dass sogar ein riesiges Erdbeben ihn nicht zerstören kann!

Das Gleiche geschah 2013, als es in Nordindien riesige Überschwemmungen gab. Im Himalaya-Gebirge starben tausende von Menschen und so viele Häuser wurden zerstört! In der Pilgerstadt Kedarnath jedoch waren alle Häuser zerstört, nur der Kedarnath Tempel nicht.

Es ist für mich überhaupt kein Problem, wenn du an Gott und Religion glaubst, wenn du deinen Glauben hast und jeden Tag betest oder Pilgerfahrten machst – es ist mir gleich. Ich würde dir jedoch den freundlichen Rat geben, nicht solche Dinge zu sagen wie ‚Gottes Haus konnte nicht zerstört werden!‘, denn das lässt dich unsensibel und, ganz offen gesagt, etwas lächerlich aussehen!

Wenn du wirklich meinst, dass Gott alles veranlasst, was auf dieser Erde geschieht, hat er dann ein Erdbeben oder Überflutungen geschickt, tausende Leute getötet, Millionen Menschen Leiden gebracht – uns selbstsüchtig sein Haus gerettet? Und was ist mit den hunderten anderer Tempel, die völlig zerstört wurden und in denen betende Menschen und Priester getötet wurden? Hunderte, nein, tausende Götterstatuen sind zerbrochen, zerstört, unter Schutt begraben! Oder sind da unterschiedliche Götter dafür da? Schwächere Götter, dir ihre Häuser nicht beschützen konnten?

Aber nein, für dich ist die Tatsache, dass dieser Tempel noch steht, ein glückliches Zeichen – und kommt sicher nicht daher, dass der Tempel eventuell eine bessere Fundierung hat und stärker gebaut wurde, was sie machen konnten, weil sie mehr Geld hatten? Mehr auf jeden Fall als diese armen Dorfleute, deren Häuser zerstört wurden, die aber immer noch auf eine Unterstützung der Regierung oder internationale Hilfe warten!

Ich finde, du machst dich über deinen eigenen Glauben lustig, wenn du so etwas sagst. Warum würde dein Gott, mal angenommen er existiert, denn nicht die Macht haben, all seine Häuser, also alle Tempel in Nepal zu retten? Und dann ist da wieder die Frage: warum hat er all diese Leute leiden lassen? Und antworte mir jetzt nicht mit ‚Karma‘ – über diese seltsame Idee habe ich ja schon geschrieben! Nein, ich glaube, es gibt keinen solchen Gott, der ein Erdbeben erschaffen und dann nur ein Gebäude retten würde, weil er dieses für wichtig hält!

Aber wenn wir schon dabei sind – ich habe gehört, da war auch ein Bordell, das keinen einzigen Kratzer abbekommen hat… da könnt ihr euch jetzt selbst einen Reim darauf machen!

Wenn Gott nicht einmal seinen ärmsten Gläubigen hilft – Unsere Schulkinder – 11 Apr 14

Letzte Woche habe ich euch Vaishaki und ihrer Schwester Pallavi vorgestellt. Ich habe euch erzählt, dass sie im Haus einer weiteren Frau aus Westbengalen wohnen. Nachdem die Mädchen in unsere Schule kamen, brachte diese Frau auch ihren Sohn zur Schule, um ihn hier einschreiben zu lassen. Sein Name ist Sudeep und er ist 12 Jahre alt.

Sudeeps Eltern arbeiten beide das Gleiche wie ihre Mieter: sie singen auch Kirtan in Tempeln und Ashrams in der Umgebung. Während Sudeeps Mutter ein festes Einkommen von etwa 15 Euro pro Monat hat, hat ihr Ehemann nur hin und wieder Arbeit. Also wissen sie eigentlich nie genau, wie viel Geld sie in einem Monat zur Verfügung haben – und darum vermieten sie auch einen ihrer zwei Zimmer.

Seit einem Jahr leben sie nun schon in diesem Haus. Sie haben es mit etwas Gespartem und einem Kredit von Verwandten gekauft, den sie noch nicht zurückgezahlt haben.

Als wir Sudeep fragten, ob er in der Schule oder in der Nachbarschaft Freunde hätte, erklärte er uns, dass seine Mutter ihm verboten hatte, Freundschaften zu schließen. Überrascht sehen wir sie an uns bekommen eine Erklärung: „Dann will er seine Freunde daheim besuchen und wir wissen ja nicht, was das für Leute sind!“ Also halten sie ihren Sohn davon ab, außerhalb der Schule und ihres Hauses soziale Kontakte zu knüpfen, so dass er nicht in falsche Gesellschaft gerät. Das ist die Lösung eines einfachen Geistes. Sie verstehen nicht, wie wichtig soziale Kompetenz in seinem ganzen Leben sein wird.

Obwohl sein Vater und seine Mutter es nicht gerne sehen, nimmt Sudeep oft das Fahrrad seines Vaters und fährt damit ums Haus, manchmal sogar weiter bis in die Gegend, wo andere Kinder unserer Schule wohnen. Man kann ein Kind nicht davon abhalten, Freundschaften zu schließen!

Diese Menschen scheinen sehr religiös zu sein. Ihr Arbeit ist in Tempeln und als die Jahresabschlussprüfungen begannen, kam Sudeeps Mutter mit einer kleinen Götterstatue zur Schule, einer Statue des Hindu Gottes Krishna, so dass Sudeep ihn noch einmal um Segen für die Prüfung bitten konnte.

Obwohl sie nun schon seit Jahren hart für Gott arbeiten und ihm Lobgesänge singen, hat sich die Situation der Familie noch nicht sehr verbessert. Sie verdienen immer noch nicht genug, um ihr Haus zu verputzen, der Kühler in ihrem Zimmer ist kaputt und wurde mit einem winzigen Ventilator ersetzt. Und jedes Jahr überflutet die Göttin Yamuna ihren Garten und ihr Haus. Vielleicht erhoffen sie sich immer noch Gottes Gunst.

Während Gott nicht allzu hilfreich erscheint, geben wir unser Bestes, um Sudeep und seine Zukunft zu unterstützen. Er ist nun bei uns in der zweiten Klasse und ist ein guter Schüler. Die Lehrerinnen freuen sich darüber, dass er ruhig ist und gut zuhört.

Wer gerne Kinder wie Sudeep unterstützen möchte, kann eine Kinderpatenschaft übernehmen oder das Essen für einen Tag spenden. Zusammen können wir Kindern wie ihm helfen, für eine bessere Zukunft zu lernen.

Tempelgesänge fürs Geld, nicht aufgrund der Hingabe – 7 Apr 14

Wir haben die Schuleinschreibungen für das nächste Schuljahr an unserer Schule bereits beendet. Wir haben am 1. April begonnen und schon am nächsten Tag hatten wir genug Kinder für die niedrigste Vorschul-Klasse, sowie einige Neuzugänge in den höheren Klassen. Vom Tag darauf an, mussten wir die Kinder auf eine Warteliste schreiben und den Eltern sagen, dass wir keine Kinder mehr aufnehmen können. Vom ersten Tag an gehen Ramona und Purnendu die neuen Kinder besuchen, um zu sehen, wie sie leben und um einen Eindruck von ihrer finanziellen Situation zu bekommen. Natürlich machen sie dadurch täglich jede Menge interessante Erfahrungen und einige von diesen möchte ich heute und in den nächsten Tagen gerne mit euch teilen.

Keiner der Eltern unserer Schulkinder verdient wirklich viel. Sie haben keine großartigen Arbeitsstellen, haben oft kein regelmäßiges Einkommen und kommen für gewöhnlich mit Müh und Not über die Runden. Diejenigen, die sich am meisten abmühen, sind interessanterweise diejenigen, die religiöse Arbeit machen.

Wenn man sie fragt, mit was sie ihr Geld verdienen, antworten sie, dass sie Priester sind oder dass sie in Tempeln in der Umgebung Kirtan singen und chanten. Diejenigen, die für Privatleute Zeremonien durchführen oder Priestern assistieren, indem sie die Zutaten für die Poojas bringen, wissen nie, wann sie wieder Arbeit haben werden. Es ist unsichere Arbeit und besonders in dieser Stadt, wo tausende Leute genau das tun. Warum? Weil es einfach ist und man vielleicht auch mal Pilger und religiöse Leute findet, die etwas mehr spenden – oder sogar einen Fernseher oder Kühlschrank schenken, wie wir in einigen Häusern gesehen haben.

Diejenigen, die ihr Geld damit verdienen, in Tempeln oder Ashrams Kirtan zu singen, haben oft eine regelmäßigere Anstellung. Sie gehen jeden Tag zur gleichen Zeit zum Singen, zum Beispiel von sieben bis acht am Morgen. Eine Stunde täglich singen für ungefähr 10 Euro pro Monat.

Ihr seht also, wenn ihr als Pilger oder Tourist in unsere Stadt kommt und von der Hingabe derjeniger beeindruckt seid, die ihr den ganzen Tag lang in den Tempeln sitzen seht, wo sie scheinbar ständig singen und Gott preisen, wisst ihr jetzt, was da dahinter steckt: nicht Hingabe, sondern Geld. Sie müssen ihren Lebensunterhalt verdienen! Über die Lautsprecher hört man oft, wie viel Hingabe sie wirklich haben, wenn sie ihre Kirtans in gelangweiltem Ton runterleiern, monoton und ohne jeglichen Enthusiasmus.

Jemand argumentierte, wie schön es doch sei, dass sie aufgrund der Religion eine Arbeit haben. Ich halte es für eine Verschwendung von Arbeitskräften. Ich spreche hier von starken, großen Männern, doch satt zur Entwicklung dieses Landes oder der Gesellschaft beizutragen, sitzen sie dort und singen. Dabei machen sie nicht einmal etwas für sich selbst! Sie meditieren nicht und finden da keinen inneren Frieden – sie sitzen nur da, weil sie dieses kleine bisschen Geld bekommen und das auf recht einfache Weise!

Es gibt viele Eltern, die hart arbeiten, um ihr Geld zu verdienen. Sie tragen Ziegel und Zement von einer Seite der Baustelle auf die andere. Am Ende des Tages haben sie zum Bau eines Hauses beigetragen. Religion jedoch lässt andere Eltern dasitzen und in ein Mikrofon singen, damit ihre Nachbarschaft nerven und Vorbeilaufende glauben, dass die Singer großartige Gläubige seien.

Nein, ich bin wirklich kein Fan von Religion – und diese Gedanken helfen nicht gerade, mich umzustimmen!

Wer die Einweihung eines Gurus ablehnt, bringt sich in eine unbequeme Situation! – 21 Jul 13

Als meine deutschen Freunde, über deren indische Hochzeit ich letzte Woche geschrieben habe, 2005 nach Indien kamen, hatten sie eine weitere Erfahrung, die recht lustig war. Da mehr Leute in eine solche Situation kommen könnten, wenn sie nach Indien reisen, wollte ich euch davon erzählen.

Als sie im Ashram ankamen, waren sie, naja, ein klein wenig überrascht. Wir hatten gerade den zweiten Stock gebaut und etwas Arbeit war noch im Gange, das Gebäude war ganz offensichtlich noch nicht fertig, der Weg dorthin war nur ein Sandweg und während die Wände zumindest unten schon schön verputzt waren, waren sie noch nicht bemalt.

Sie hatten das beste Zimmer im Ashram und obwohl alles damals noch sehr simpel war, begannen sie, ihre Zeit hier zu genießen. Sie waren jedoch noch von einer weiteren Person in Vrindavan eingeladen worden, den Priestern eines Tempels mit einer alten Musiktradition, die mein Freund interessant fand. Sie fühlten sich geehrt, eingeladen zu sein und erzählten meinen Brüdern, dass sie auch dorthin wollten. Dieser Besuch lief ein bisschen anders ab als erwartet.

Sie gingen hin und fanden heraus, dass die Person, die Musikerin, die sie eigentlich treffen wollten, nicht dort war. Und von dem Musikprogramm, das sie erwarteten, war auch keine Spur zu sehen. Das hielt die Familie des Priesters jedoch nicht davon ab, sie willkommen zu heißen und zum Bleiben einzuladen. Die Frauen des Hauses bereiteten Essen zu – typisch indisch und dadurch typisch scharf – und drängten sie immer wieder dazu, noch mehr zu nehmen. Höflich wie sie nun mal sind, aßen sie viel zu viel und merkten dabei auch, dass die Familie wirklich alles Mögliche tat, damit sie sich wohlfühlten. Das Gefühl stellte sich jedoch einfach nicht ein. Stattdessen schien es ihnen, als würde die Familie irgendetwas von ihnen erwarten und bald wussten sie auch was: ihnen wurde nahegelegt, sie sollten sich von ihrem Guru einweihen lassen!

Glücklicherweise fühlten sie sich von dem warmen Willkommen nicht dazu genötigt, diesen Schritt zu tun! Mein Freund hatte bereits einige Erfahrungen in Indien gemacht und wusste, dass so eine Einweihung bedeutet, dass man dem Guru zu Diensten sein soll, sich seine Weisheiten anhören muss, seinem Rat folgen soll und ihm natürlich einen Teil seines Einkommens widmen sollte – es beinhaltet jede Menge Pflichten und kann viele ernste Folgen haben. Sie versuchten, so höflich wie möglich abzulehnen, fühlten aber bereits, dass sich dadurch die Atmosphäre deutlich veränderte! Die Familie wurde etwas aufdringlich und war sichtlich unzufrieden mit ihrer Weigerung. Sie sahen jedoch, dass sie es nicht ändern würden und akzeptierten es schließlich.

Sie zeigten unseren Freunden ihr Zimmer – ein sehr einfacher Raum mit einer Holzpritsche, einem Brett mit Betttuch – aber keiner Matratze. Moskitos waren überall. Nachdem sie ihr Zimmer gesehen hatten, wurde ihnen gesagt, dass sie bei der Abendzeremonie im Tempel erwartet würden und dann um vier Uhr früh zu einem zehn Kilometer Pilgerweg um die Stadt. Meine Freunde waren verständlicherweise nicht sehr glücklich mit der Situation.

So saßen sie dann im Tempel, beobachteten schicksalsergeben die Abendzeremonie und überlegten, wie sie aus dieser Situation wieder rauskommen würden. Sie hatten überhaupt keine Lust, dortzubleiben – meinten aber, es wäre unglaublich unhöflich, abzureisen!

In dem Augenblick betrat Purnendu den Tempel wie eine Erscheinung, in weiß gekleidet und die Sonnenbrille auf dem Kopf. Er kam herein, setzte sich neben sie und fragte einfach ‚Wie geht es dir?‘ Die ganze Geschichte sprudelte aus ihnen heraus mit der ganzen verzwickten Lage. Überrascht sah er sie an und sagte ‚Wenn ihr nicht wollt, müsst ihr doch nicht dableiben, kommt einfach zurück in den Ashram!‘

Und so kamen sie wieder in den Ashram, nachdem Purnendu der Priesterfamilie in höflichen Worten die ganze Situation erklärt hatte. Von dem Augenblick an sahen sie die unbemalten Wände nicht mehr, fühlte sich ihr Zimmer an wie ihr eigenes Schlafzimmer und die Baustelle war nun ein Paradies.

Die Moral von der Geschichte ist, dass man seinen Gefühlen folgen sollte, das tun sollte was einen glücklich macht – und daran denken sollte, dass Indien immer für ein Abenteuer gut ist!

Kein Unterschied in Glaube und Aberglaube – Verliere den Glauben an deinem Glauben! – 5 Jul 13

Bei Themen wie dem gestrigen gibt es immer ein paar religiöse Leute, die mir sagen, dass ich zwei unterschiedliche Dinge vermische: Glaube und Aberglaube. Mir wird gesagt, dass ich doch den grundlegenden Glauben an Gott nicht Aberglaube nennen sollte und dass beides sehr wohl getrennt betrachtet werden müsste. Im heutigen Eintrag möchte ich ganz deutlich machen, dass ich mir über die Bedeutung des Wortes ‚Aberglaube‘ sehr wohl bewusst bin und dass ich auch Gottvertrauen und Aberglaube nicht miteinander verwechsle. Ich weiß sehr wohl, was ihr mir damit sagen möchtet, aber ich muss euch sagen, dass meiner Meinung nach euer Gottvertrauen in die gleiche Kategorie gehört wie Religion und Aberglaube. Ich will es euch erklären.

Natürlich sind es religiöse Menschen und Menschen mit Gottvertrauen, die so etwas sagen. Warum? Sie wollen nicht abergläubisch genannt werden! Sie mögen es nicht, wenn ich sage, dass ihre religiösen Handlungen abergläubisch sind. Für sie ist es Glaube, wenn sie eine Blume auf den Altar legen, während Zitronen und Chili an der Tür gegen schlechte Energien Aberglaube ist. Für mich ist da nicht allzu viel Unterschied zwischen den beiden – beides wird in dem Glaube getan, dass da eine übernatürliche Kraft auf diese Handlung reagiert. Darauf sollst du vertrauen, wird dir gesagt, obwohl es keinen Beweis dafür gibt. Du sollst zu jemandem beten, dessen Existenz immer noch nicht sicher ist. Du nennst es Glaube, ich sage es ist erfunden.

Im gleichen Zusammenhang wurde ich einmal gefragt, ob es Aberglaube wäre, zum Tempel zu gehen. Ich sagte, diese Frage könnt ihr euch selbst beantworten! Was ist ein Tempel? Es ist ein Haus oder ein Zimmer, die Wände mit Silber und Gold geschmückt, in der Mitte ein Altar mit einem Thron, auf dem eine Statue sitzt, oft aus Stein, aber manchmal auch aus Silber oder Gold. Da gehst du hin, legst etwas Essen davor und klingelst mit einer Glocke. Das machst du schon dein Leben lang und du weißt genau, dass dieser Essensteller von Gott noch nie angerührt wurde. Das Essen war nie weniger geworden. Trotzdem behauptest du, Gott hätte es gegessen und nun sei es heiliges Prasad für dich, dass du selbst essen und deinen Gästen anbieten kannst – und dass dieses Essen auch noch eine besondere Wohltat sein wird. Hättest du es Gott nicht dargeboten, wäre es nicht so gut. Ist das nicht abergläubisch?

Das ganze Konzept des Tempelbesuchs ist abergläubisch! Dein Glaube erzählt dir, Gott sei allmächtig. Wenn das so ist, warum musst du dann in ein von Menschen gemachtes Gebäude gehen, um ihn zu treffen? Warum braucht Gott dort Diener, die ihn, zumindest in Hindu Tempeln, füttern, kleiden, baden und sich in jeder Hinsicht um ihn kümmern? Wenn sie nicht gut aufpassen, wenn ihre Hände schmutzig sind oder wenn sie während ihrem Dienst einen Fehler machen, glauben sie, es sei für sie schlecht. Ist das nicht auch abergläubisch?

All das ist Teil deines ‚Glaubens‘, aber ich habe dir gerade gezeigt, dass man das Gleiche genauso gut auch Aberglaube nennen könnte. Ich sage euch noch was: euer Glaube sagt, ihr sollt nicht mit Menschen wie mir streiten. Lest eure Schriften, da steht es geschrieben! Warum? Weil ihr sowieso nichts beweisen könnt. Doch leider lernen Gläubige diese Lektion nie. Sie argumentieren weiter und müssen nach zwei erfolglosen Versuchen einen Rückzieher machen und etwas sagen wie ‘Gottes Wege sind unergründlich‘ oder ‚Es geht um die Liebe im Herzen!‘

Nein, sie werden es nicht lernen und das ist wiederum ein Zeichen des Aberglaubens. Es gibt keinen Beweis und darum musst du weiter glauben, egal wie unlogisch es erscheint und wie oft dir bewiesen wird, dass du falsch liegst!

Glaube und Aberglaube scheinen nun nicht mehr so weit voneinander entfernt, oder?

Eine Möglichkeit, seine Heiligkeit herzuzeigen – religiöse Klangverschmutzung – 9 Nov 12

Zum Ende dieser Woche, in der mein Thema wieder einmal Religion war, möchte ich mit diesem Eintrag nach Hause kommen, nach Vrindavan. Ihr wisst alle, dass unsere Stadt eine sehr religiöse Stadt ist. Sie wird der Spielplatz des Hindu Gottes Krishna genannt und es heißt, dass wir mehr als 5000 Tempel haben, in denen man alle verschiedenen Götter und Göttinnen des Hinduismus verehren kann. In dem Augenblick, in dem man nach Vrindavan kommt, bemerkt man die Religiösität des Ortes. Da sind Pilger auf der Straße, man sieht die Tempel und kleine Häuser, die wie Kapellen aussehen, in denen die Menschen ihre Verehrung betreiben und aus denen man die Stimmen von Menschen hört, die überall religiöse Lieder singen. Es ist dieses religiöses Geräusch, über das ich nachdachte.

Wer noch nie in Indien war, denkt nun vielleicht an das Läuten von Kirchenglocken oder einem Knabenchor, in dem die Jungen mit ihren zarten Stimmen singen. Was hier wirklich los ist, muss man erlebt haben, um den Unterschied wirklich zu verstehen. Jeder Tempel, der etwas auf sich hält, hat vor der Tür Lautsprecher hängen, die zur Straße hinauszeigen und die den Klang raus auf die Straße schicken. Es ist egal, ob sie drinnen ein großes Programm haben oder ob da nur drei oder vier Leute sitzen und in einem ansonsten leeren Raum singen, sie stellen den Lautsprecher so oder so auf volle Lautstärke und lassen ihn in die ganze Nachbarschaft plärren. Es ist nicht subtil, es ist keine sanfte Stimme im Hintergrund, es ist hard-core Chanting bei voller Lautstärke, oft ohne jegliches musikalisches Talent, ohne Melodie und zu schiefen Tönen. Ich nenne es normalerweise religiöse Klangverschmutzung.

Bevor Vrindavan-Liebhaber nun ihren Protest beginnen, lasst mich hinzufügen, dass ich überhaupt kein Problem damit habe, wenn Menschen religiöse Hymnen oder Lieder singen. Ich mag eine frohe Atmosphäre, in der die Menschen singen und wenn unsere Küche mit Musik gefüllt ist, fühle ich mich gut und bin glücklich. Jeder Tempel sollte das Recht haben, Gesang und Musik zu veranstalten, selbst wenn die Sänger in ihrer Kunst nicht allzu bewandert sind. Aber warum, ja, warum sind denn diese vier oder fünf Lautsprecher an den Außenwänden absolut notwendig? Warum musst du den Verstärker verwenden und es herausschreien, so dass es jeder hört, ob er nun will oder nicht?

Ich glaube, dass das Religion im Außen ist, nicht im Inneren. Du zeigst, wie religiös du bist und je lauter du bist, desto heiliger und gesegneter meinst du bist du. Denkst du denn, indem du dir die Lautsprecher an die Wand hängst und andere davon abhälst, in ihren Betten zu schlafen, machst du Ungläubige zu Gläubigen? Gib zu, dass das für andere tust, nicht für dich selbst. Wenn du es für dein eigenes Vergnügen machen würdest, bräuchtest du die Lautsprecher nicht, dann wärst du einfach nur glücklich, für dich zu singen, die Musik zu genießen und dabei auch das religiöse Gefühl, das du davon bekommst.

Manchmal frage ich mich, wie es war, als es noch keine Lautsprecher gab. Als ich aufwuchs, hörten wir die Lautsprecher zu Festzeiten, aber nicht jeden Tag im Jahr! Ich kann nicht leugnen, dass das ständige Singen der Stadt auch eine bestimmte Atmosphäre verleiht – aber es ist zu viel und zu laut geworden. Es ist wie ein Wettbewerb verschiedener Tempel, wer am lautesten und am längsten singen kann. Ich bin mir sicher, die Leute würden es vorziehen, in den Straßen zu laufen und stattdessen die wahren Stimmen aus den Tempeln kommen zu hören.

Mein Hauptpunkt ist hier, dass die Menschen Religion zum Angeben verwenden. Tu das nicht – bleib echt und sei du selbst, du musst andere nicht dazu zwingen, sich das anzuhören.

Vrindavans Tempel – die Alten für Gebete, die Neuen für den Tourismus – 4 Jul 12

Als wir am Montag von Delhi nach Hause fuhren, kamen wir nach Vrindavan, als es bereits dunkel war, in etwa um 8 Uhr. Als wir in Vrindavan einfuhren, sahen wir die bunten Lichterketten am ‚Prem Mandir‘, den Tempel, den Kripalu und Prakashananda gebaut haben, und wir sahen auch die Menschenmenge vor dem Tempel und vor dem ISKCON Tempel. Wenn man sich die Menschen jedoch etwas genauer ansah, konnte man deutlich sehen, dass es alles Touristen waren.

Vrindavan ist als Stadt der 5000 Tempel bekannt. Natürlich sind nicht all diese Tempel große Gebäude, in die Dutzende von Menschen hineinpassen. Es gibt viele kleine Tempel, kleine Schreine und die Wahrheit ist, dass jedes Haus auch seinen eigenen Tempel hat.

Ich bin in Vrindavan aufgewachsen, habe auf den Straßen und vor all den Tempeln gespielt. In unserer Kindheit haben meine Brüder und ich gesehen, wie viele neue Tempel gebaut wurden, darunter auch der riesige Palast-ähnliche ISKCON Tempel. Wenn wir daheim Gäste hatten, machten wir einen kleinen Ausflug dorthin, um ihnen den Tempel zu zeigen und wir erzählten ihnen, wie viel Geld da hinein gesteckt worden war.

Der Prem Mandir, der erst vor Kurzem für die Öffentlichkeit eröffnet worden war, war auch erst in den letzten Jahren gebaut worden. 2009 habe ich darüber geschrieben, als er noch gebaut wurde und habe ihn erwähnt, als er eröffnet wurde.

Letztes Jahr, als wir hörten, dass Kumar Swami seinen eigenen, riesigen Tempel in Vrindavan bauen möchte, habe ich mich mit meinen Freunden und mehreren weiteren Leuten unterhalten und viele von ihnen fragten, wozu wir denn noch einen weiteren, riesigen Tempel brauchen. Also forschte ich ein bisschen nach und schrieb meinen Artikel.

Es ist wahr, warum würden Ortsansässige noch eine weitere religiöse Monstrosität vor ihrer Tür haben wollen? Es wäre nur ein weiterer Grund für Hunderte religiöser Touristen, in die Stadt zu kommen, um einen riesigen, goldenen Tempel zu sehen, in den jede Menge Geld gesteckt worden war. Ich glaube die Zahlen sowieso nicht, die Kumar Swami nennt – fünf Lakh Crore! Das ist eine 5 mit 12 Nullen dran! Es ist einfach nur eine Zahl, die Kumar Swami dazu verwendet, die Menschen zu beeindrucken, genau wie er die Namen von Barack Obama und Queen Elizabeth verwendet oder einfach behauptet, er hätte mehr als 500 Millionen Menschen geheilt.

All diese Zahlen sind nur dazu da, mehr Menschen, mehr Bekanntheit und am Ende mehr Geld zu Erlangen. Diese großen Tempel sind nicht dafür gebaut worden, die Menschen zu unterstützen und ihnen zu helfen und Geld in die Gesellschaft zu stecken, sondern um Geld aus der Gesellschaft zu bekommen! Und das ist nicht richtig.

Statt all dieser großen Tempel sollten lieber Schulen und Krankenhäuser gebaut werden und für arme Menschen geführt werden, die genau das brauchen. Wenn nicht das, dann sollte zumindest ein Gewerbe aufgebaut werden, in dem die Arbeitslosen Arbeit finden, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn Kumar Swami sein Geld darauf verwendet hätte, wirklich die Armen zu unterstützen, hätte er jetzt nicht dieses Problem und die Menschen wären nicht gegen ihn – ich hätte meinen Artikel sicher nicht geschrieben, wenn ich nicht solche absurden Behauptungen in der Zeitungswerbung gesehen hätte. Es bin also nicht nur ich, viele Menschen sind gegen einen solchen Tempel.

Die Ortsansässigen sehen die neuen, großen Tempel nur al seine Attraktion, die sie Besuchern und Gästen zeigen können. Touristen gehen dorthin. Bereits in meiner Kindheit gingen wir, meine Familie und Freund zum Gebet in die alten Tempel. Bihari ji, im Herzen Vrindavans zum Beispiel, Radha Vallabh ji, Madan Mohan ji oder Radha Raman ji. Dort hatten und haben die Menschen auch heute noch ihren echten Glauben. Das Zentrum der Liebe und des Glaubens der Menschen sind die alten Tempel. Sie gehen nicht im ISKCON Tempel oder im Prem Mandir beten. Sie gehen dorthin, weil dort bunte Lichterketten hängen, sie davor Snacks essen können, Photos schießen können und sagen können ‚Ich war in einem Tempel, der für so viel Geld gebaut wurde!‘

Buddhismus ist eine Religion – Warum akzeptiert ihr diese Tatsache nicht? – 5 Jun 12

Letzte Woche habe ich über Buddha geschrieben und erwähnt, dass er eine weitere Religion geschaffen hat, anstatt Religion los zu werden und ich konnte da schon vorhersagen, dass es Leute geben würde, die mir sagen ‚Buddhismus ist keine Religion, sondern eine Philosophie, ein Lebensweg‘. Und natürlich konnte ich das kurz darauf in meiner Facebook Seite lesen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich das lese oder höre und deswegen möchte ich heute näher auf diese Aussage eingehen.

Das erste, was ich immer darauf erwidere ist, dass Buddhisten nicht die einzigen sind, die das für ihre Religion behaupten – viele Hindus sagen immer wieder das Gleiche über Hinduismus! Und was bedeutet diese Aussage eigentlich? Du willst nicht akzeptieren, dass du eine Religion hast, weil du spürst und weißt, dass ‚Religion‘ nichts Gutes ist. Du willst nicht, dass das, an was du glaubst, Religion genannt wird, weil du weißt, dass Religion Kontrolle und Manipulation bedeutet, genau wie ich immer sage. Du sträubst dich zu sagen, dass du an eine Religion glaubst, weil du ein schlechtes Gewissen hast. Also willst du einfach nicht akzeptieren, dass du an eine Religion glaubst.

Sehen wir uns zunächst einmal die Definition von Religion an. Ich habe die ‚Encyclopaedia Britannica‘ als eine Quelle gewählt, der ich normalerweise vertraue, dass sie mir zuverlässige Informationen liefert. Hier ist der Beginn ihrer Definition des Wortes Religion:

Religion: die Beziehung des Menschen zu dem, was sie als heilig, absolut, spirituell, göttlich oder einer besonderen Ehrerbietung wert ansehen. Sie wird auch als der Weg angesehen, wie Menschen mit endgültigen Anliegen ihrer Leben und ihrem Schicksal nach dem Tod umgehen. In vielen Traditionen werden diese Beziehung und diese Anliegen in den Worten der Beziehung oder Einstellung zu Göttern oder Geisterwesen ausgedrückt; in humanistischen oder naturalistischen Formen von Religion, werden sie durch die Beziehung oder Einstellung zu der weiteren menschlichen Gemeinschaft oder der natürlichen Welt ausgedrückt. …

Wenn man sich andere Wörterbücher hernimmt und die Definition von ‚Religion‘ nachschlägt, bekommt man ganz ähnliche Einträge. Ironischerweise, und hier möchte ich das Merriam Webster Dictionary zitieren, sehen die Beispiele für das Wort Religion oft folgendermaßen aus:

Es gibt viele Religionen wie Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, und das Judentum.

Man sieht also, das Wörterbuch gibt Buddhismus sogar als Beispiel für Religion an. Und das ist es, was jedes Kind in der Schule über die fünf Weltreligionen lernt. Beide, Hinduismus und Buddhismus, kommen in dieser Liste vor! In beiden Wörterbüchern, beginnt auch die Definition für ‚Buddhismus‘ mit den Worten ‚eine Religion‘. Und wenn man darüber nachdenkt, so ist das auch ganz klar!

Hindus glauben an Millionen Götter, Christen, Juden und Moslems glauben an einen Gott und ja, Buddhisten glauben nicht an Gott, aber es ist trotzdem eine Religion. Ihr habt Buddha und verehrt ihn, genauso wie Christen zu Jesus, dem Sohn Gottes, beten oder Moslems Mohammed, den Propheten verehren.

Ihr folgt auch einer Lehre mit Schriften. Das Christentum hat die Bibel, das Judentum die Tora, der Islam den Koran, der Hinduismus die Veden und ihr habt den Dhammapada. Ich weiß, dass es in jeder dieser Religionen noch mehr Schriften gibt, denen Menschen folgen, aber ich denke, ich habe die wichtigsten erwähnt.

Dazu habt ihr noch die Lamas, Lehrer, Menschen, die wie Gurus sind, die predigen und genau das lehren, was als Grundlagen des Buddhismus definiert ist. Vielleicht meint ihr jetzt, dass es wirklich unterschiedliche Lehren gibt, nicht nur eine, wie es im Christentum nur eine Bibel als klare Richtlinie gibt. Die Wirklichkeit ist jedoch, dass es auch im Christentum viele verschiedene Lehren gibt! Und in jeder anderen Religion auch.

Ihr habt Buddhistische Tempel, genauso wie es hindu Tempel, christliche Kirchen, jüdische Synagogen und muslimische Moscheen gibt. Ihr habt Rituale und Zeremonien. Ihr habt eure religiösen Gemälde und Skulpturen. Ich habe irgendwo einen lustigen Satz gelesen ‘Buddha selbst war gegen Statuen und nun hält er den Weltrekord in Statuen von sich selbst‘.

Ihr habt eine Gruppe, in der alle mehr oder weniger an das Gleiche glauben. Sie identifizieren sich so. Sie sind ‚Buddhisten‘. Sie sind religiös, sie glauben an eine Religion. Buddhismus ist eine Religion. Das bedeutet nicht, dass es nicht gleichzeitig auch eine Philosophie oder ein Lebensweg sein kann. Das eine schließt das andere nicht aus! Am Ende geht Religion um genau das – um Dharma, das, was du in deinem Leben akzeptierst, das ist dein Lebensweg. Religion ist jedoch dazu noch organisiert, hat Lehren, die die Menschen verbreiten und erklären wollen. Und auch das haben alle Religionen, einschließlich Buddhismus, gemeinsam. In Religion gibt es auch Korruption und ich wage es zu sagen, dass das für alle Religionen gilt. Ich habe einmal einen Tagebucheintrag über einen korrupten Lama, den Karmapa Lama geschrieben, um ein Beispiel für Korruption im Buddhism zu nennen. Ich habe schon viele solche Geschichten über korrupte Lamas gehört.

Was ich hier betonen will ist, dass die Menschen eine bemerkenswerte Tendenz dazu haben, solange ich über die Religionen anderer schreibe, meine Worte zu befürworten und zu unterstützen. Da ist alles in Ordnung, ich kann alle schlechten Dinge anderer Religionen aufzählen, kein Problem. Sobald ich jedoch über ihre persönliche Religion spreche, sind sie plötzlich aufgebracht. Wenn du an eine Religion glaubst, musst du akzeptieren, dass sie auch negative Seiten hat.

Ja, Buddhismus ist eine Religion, eine normale Religion wie die anderen auch.

Das Geschäft der Tempel – Mehr Gott für mehr Geld – 28 Mär 12

Online habe ich vor Kurzem Berichte über den Tirumala Venkateswara Tempel in der Nähe von Tirupati in Andhra Pradesh gelesen und dort mehr über den Tempel, die Gläubigen, die dorthin gehen und über die Korruption dort gelesen. Es scheint als geht da mehr vor sich, was normalerweise die Öffentlichkeit empören würde, aber dieser Tempel ist und bleibt Indiens reichster und wahrscheinlich bekanntester Tempel.

Täglich kommen etwa 65000 Pilger, um in den Tempel zu gehen und dort ‚Gott zu sehen‘. Das ist nur ein Durchschnitt, an den Wochenenden sind es bis zu 80000 Pilger und mehr als 100000 Pilger an religiösen Feiertagen. Diese Zahlen sind an sich schon unglaublich und natürlich glauben viele Menschen, dass es eine herausragende spirituelle Erfahrung sein muss, an einen Ort zu gehen, wo so viele Menschen Gott verehren. Um ehrlich zu sein glaube ich das nicht.

Zuallererst ist da die Tatsache, dass man mit riesigen Menschenmassen rechnen muss, egal wann man dorthin geht. Wo auch immer du hingehst sind Mesnchen und wenn du durch die Tore gehst und den Tempel betrittst, befindest du dich ganz sicher in der Mitte einer Menschenmenge, die sich weiterbewegt, so dass du dich mitbewegen musst, um nicht überrannt zu werden. Tempelarbeiter drücken die Menschen weiter und bewegen dadurch die Menge, so dass so viele Menschen wie möglich an einem Tag die Götterstatue sehen können.

Ihr könnt euch vorstellen, dass man mit so vielen Menschen im Tempel nicht wirklich die Zeit hat, sich hinzusetzen und in Frieden seine Gebete zu sprechen, während man sich die Götterstatue ansieht, die für einen selbst ja Gott darstellt. Nein – die geschätzte Zeit, die jeder Pilger hat, um die Statue Gottes zu betrachten ist 0,8 Millisekunden bis 1,5 Sekunden! Denkt ihr immer noch, dass das so eine besondere Erfahrung ist? Sind diese eineinhalb Sekunden wirklich all das wert, was ein Pilger vorher durchmachen muss?

Denn bevor man diese besondere Ehre hat, muss man einiges durchmachen! Die Schlangen vor dem Tempel sind so lang, dass es manchmal 15 bis 20 Stunden dauert, bis man in den Tempel kommt! Es gibt da jedoch einen Weg, wie man das auch schneller erreicht – zahle einfach ein bisschen mehr! Es werden unterschiedliche Eintrittskarten verkauft und die teureren sind für Schlangen, die sich schneller bewegen. Gott wird verkauft. Wenn du Geld hast, kannst du den Preis für die Schnellstraße zu Gott bezahlen.

Und wenn du noch etwas mehr hast, kannst du sogar die Abkürzung gehen! Man kann direkt hineingehen, wenn man einen VIP-Pass hat. Ja, das ist richtig, dieser Tempel stellt VIP-Pässe aus. Sie sind für Minister, andere Regierungsbeamte – und natürlich für jeden, der mehr als ein Crore Rupien spendet, also ungefähr 200000 US-Dollar. Es gibt morgens und abends eine bestimmte Zeitspanne, in denen Gott nur für VIPs da ist. Ein normaler Pilger muss warten, für ihn ist der Tempel in der Zeit geschlossen. Gott freut sich also offensichtlich mehr über Gläubige mit viel Geld – ihnen zeigt er sich schneller und länger. Tempel und religiöse Gebäude sind die Zentren des religiösen Geschäfts, wo religiöse menschen als Kühe gesehen werden, die mit Spenden und sogar mit Tickets für Geld gemolken werden.

Pilger müssen nicht nur längere Wartezeiten in Kauf nehmen, sie müssen sich auch mit der Korruption auseinandersetzen, die wohl in der Verwaltung des Tempels üblich ist. Um dein Eintrittsticket und Unterkunft zu bekommen, gibt es einen offiziellen Weg. Man kann es also selbst machen und von einem Büro zum anderen laufen. Man verbringt Stunden und hat vielleicht keinen Erfolg. Oder man nähert sich Gott schneller und nimmt die Hilfe eines Agenten in Anspruch, was natürlich in etwa doppelt so viel Geld kostet. Er hat sein Ticket vom gleichen Ort, aber er zahlt etwas mehr dafür und jetzt kommt sein Anteil natürlich auch noch dazu. Ist das Gottes Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder ist es einfach nur ein Weg, Pilger abzuzocken.

Um das noch einmal zusammen zu fassen: wenn du eine normale Person mit einem durchschnittlichen Einkommen bist, kannst du im Sommer 20 Stunden und länger in einer Menschenmenge warten und dann durch den Tempel gedrängt werden und vielleicht einen schnellen Blick auf die Götterstatue erhaschen. Wenn du ein VIP Politiker oder Beamter bist oder wenn du viel Geld spenden kannst, heißt Gott dich gleich willkommen. Ist Religion nicht ein großartiges Geschäft?

Ich habe auch schon zuvor über diesen Tempel geschrieben. Ich habe von ihrem Reichtum berichtet, über die großen Spenden geschrieben, die sie bekommen und ich habe auch andere Tempel erwähnt, in denen ähnliche Dinge vor sich gehen. Sie bekommen sehr hohe Spenden, haben tonnenweise Silber und Gold und ihre Priester und Angestellten sind oft sehr wohlhabend. Millionen Menschen gehen jeden Tag dorthin und denken, dass sie etwas Gutes für sich selbst, ihr Karma und die Welt tun. Was sie wirklich tun ist ein Beitrag an Korruption. Meinst du nicht, dass Gott sich mehr freuen würde, wenn man seine Zeit, sein Geld und seine Energie darauf verwenden würde, den Bedürftigen zu helfen und etwas für die Menschheit zu tun?

Hier sind die Artikel:

21-hour wait for fleeting darshan of the Lord at Tirumala

Is Lord Balaji temple at Tirumala only for VIPs?

Corruption is a way of life in Tirupati Tirumala Devasthanams

Kripalus Milliarden-Dollar-Tempel und ein Buch, das seinen sexuellen Missbrauch aufdeckt – 15 Feb 12

Heute ist der erste Tag einer dreitägigen Einweihungsfeier für einen Tempel in Vrindavan, der ‚Prem Mandir‘ genannt wird. Der Name bedeutet ‚Liebestempel‘ und ich habe schon vorher darüber geschrieben, vor fast genau drei Jahren. In der Zeit war er im Bau – jetzt ist er fertig und die für Öffentlichkeit zugänglich.

Mehr als zehn Jahre lang wurde daran gebaut und vor einigen Jahren sprach man hier im Ort davon, dass er wahnsinnig viel gekostet haben soll, fast 140 Millionen Dollar. Heute sagt man, dass das Gebäude über eine Milliarde Dollar gekostet hat! Der Tempel besteht völlig aus italienischem Marmor mit Verzierungen um das Gebäude und mit Halbedelsteinen in den Wänden. Das Gebäude, an dem man vorbeikommt, wenn man aus Delhi nach Vrindavan kommt, wird auf jeden Fall vielen Leuten ins Auge fallen.

Vielleicht sehen es manche Menschen genauso wie ich – als unnötige Verschwendung von Geld, das zur Bildung armer Kinder oder anderer Wohltätigkeitsarbeit verwendet werden könnte. Vrindavan hat bereits 5000 Tempel, wozu brauchen wir noch einen weiteren? 100% der Bevölkerung Indiens hat Zugang zu einem Tempel, aber 65% haben keinen Zugang zu einer Toilette. Würde es nicht mehr Sinn machen, Toiletten zu bauen?

Dieser enorme Tempel wurde von zwei Gurus und ihrer Organisation gebaut. Das Oberhaupt dieser Organisation ist ein Guru, der ‚Jagadguru Kripalu‘ genannt wird und der bereits 90 Jahre alt ist. Sein engster Anhänger ist Prakashananda, der auch nicht viel jünger ist. Prakashananda war derjenige, der hinter dem Bauprojekt in Vrindavan stand. Der Tempel hätte schon vor einem Jahr eingeweiht werden sollen, aber zu der Zeit war Prakashananda nicht abkömmlich – er saß vor einem Gericht in Texas, des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt. An dem Tag jedoch, als er verurteilt wurde, war er unauffindbar – er rannte davon und ist jetzt auf der Liste der ‚America’s Most Wanted‘, der meistgesuchten Personen der USA. Sie vermuten ihn in Mexico, aber vielleicht wird er niemals gefunden und stirbt in seinem Versteck.

Natürlich musste der Tempel seine Einweihung verschieben, als ihnen der Hauptperson verloren ging. Sie brauchten ein ganzes Jahr, bis sie wieder aus dem Terminplan erschien – und sie verwendeten das Jahr darauf, seinen Namen, seine Bilder und was auch immer im Tempel an ihn erinnerte, auszulöschen. Es war, als wäre er nie dort gewesen.

Ihr Hauptguru Kripalu hat auch keine weiße Weste! Er wurde selbst angeklagt, Frauen und Mädchen der Organisation belästigt zu haben und wurde sogar wegen Vergewaltigung festgenommen, aber nie wegen diesem Verbrechen verurteilt. Er und seine Organisation sind jedoch dafür bekannt, Spiritualität und Religion als Weg zu verwenden, Sex zu haben und mehr Geld zu bekommen. Es wird gesagt, dass sie Prediger ausbilden, weibliche und männliche, und sobald diese ihre Ausbildung abgeschlossen haben, gehen sie predigen. Sie finden reiche Schüler, haben Sex mit ihnen und fangen an, an ihnen Geld zu verdienen. Sie locken immer mehr Menschen in ihre Organisation und ‚rekrutieren‘ sogar junge Mädchen für das Vergnügen ihres Gurus.

Kripalu selbst verkleidet sich als Krishna oder manchmal auch als Radha und lädt seine weiblichen Schüler ein, mit ihm eine göttliche Erfahrung zu haben. Für manche ist es schön, Sex mit spiritueller Verpackung zu haben – das ist ihre Fantasie und sie meinen sie haben Geschlechtsverkehr mit Gott und empfangen seinen Segen. Andere schämen sich hinterher dafür, wie naiv sie gewesen sind. Viele verlassen die Organisation und erzählen keinem, was geschehen ist. Und dann gibt es noch die andere Art Person: diejenigen, die erkennen, was los ist, die Organisation verlassen und beschließen, der Welt davon zu erzählen, so dass andere Menschen nicht in diese Situation geraten!

Eine dieser Frauen ist Karen Johnson und heute, am Tag der Einweihung des Tempels, veröffentlicht sie ihr Buch über Kripalu, Prakashananda und ihren Kult. Es heißt ‚Sex, Lies, and Two Hindu Gurus: How I Was Conned by a Dangerous Cult – And Why I Will Not Keep Their Secrets.’ – also ‘Sex, Lügen und zwei Hindu Gurus: wie ich von einem gefährlichen Kult betrogen wurde – und warum ich ihre Geheimnisse nicht für mich behalte.‘ Sie beschreibt ihre Erfahrungen von ihrer Zeit in der Sekte und nachdem sie sie verlassen hatte – wie sie von Anhängern belästigt wurde, die wollten, dass sie ihren Mund hält, und wie sie mit Frauen sprach, die von Kripalu missbraucht worden waren. Sie betreibt schon lange eine Facebook Seite darüber und jetzt gab sie für Vrindavan Today ein interessantes Interview, das ihr hier lesen könnt.

Ich habe selbst erlebt, dass sie nicht wollen, dass jemand die Wahrheit über sie erfährt. Nachdem ich in meinem Tagebuch über die Gerichtsverhandlung von Prakashananda geschrieben habe, wurde ich von ihren Anhängern auf verschiedenen Internetseiten und sozialen Netzwerken unter unterschiedlichen Namen und auch anonym angegriffen. Für mich sind diese Menschen Kriminelle. Prakashananda ist ein verurteilter Krimineller. Es gibt viele Zeugenaussagen, die beweisen könnten, dass Kripalu kriminell ist. Und warum sollte man jemanden, der ihre Handlungen verteidigt, nicht auch kriminell nennen? Ich werde nicht aufhören, gegen sie zu schreiben. Manche der Leute hier in Vrindavan, die es gut mit mir meinen, sagen, ich sollte vorsichtig sein mit diesen anonymen Leuten, da sie Geld haben und auch kriminelle Ideen und offensichtlich nicht wollen, dass jemand gegen sie schreibt. Ich habe ihnen geantwortet, dass es sehr deutlich ist, wenn mir oder meiner Familie etwas passiert, dass es diese Leute waren. Und im Internet gibt es keinen Weg, anonym zu bleiben. Ihre IP Adresse wird mit jedem ihrer Einträge und Schritte online gespeichert und so kann man sie finden. Dann sind sie nicht mehr anonym – und dessen sollten sie sich bewusst sein. Es gibt also nichts, worum man sich sorgen müsste – sollte etwas passieren, weiß jeder, wer dahinter steckt!

Ich finde es schlimm, dass all diese Dinge im Namen der Religion und Gott geschehen. Menschen, die nach Führung und Hilfe suchen, Menschen, die unsicher sind und die Hilfe von Religion suchen, um den Frieden in ihrem Leben wiederzufinden, werden in diesen Kult verwickelt. Ich schätze die Anstrengung dieser Autorin und ihren Mut, sich mit diesem Buch gegen den Kult zu stellen. Ich glaube, es ist ein wichtiger Schritt, der den Menschen die Gefahren aufzeigt und ich fände es herrlich, wenn das Buch in Hindi übersetzt würde und in Vrindavan und Indien verteilt würde. Dann könnten die Leute die Wahrheit und Wirklichkeit erkennen. Der Tempel mag ja dort sein, aber die Menschen sollten auch wissen, was für eine Organisation dahinter steckt.