Umgang mit Schwierigkeiten – ängstlich oder bereit, es mit ihnen aufzunehmen? – 26 Okt 15

Dein Land, deine Kultur und die Gesellschaft um dich herum beeinflussen dich. Das ist etwas, auf das wir uns glaube ich alle einigen können. Letzte Woche habe ich darüber gesprochen, dass wir alle eine unterschiedliche Wahrnehmung haben, auch abhängig von unserer Erziehung und unserer Umgebung. Da wir hier im Ashram viele Leute unterschiedlicher Länder haben, bemerken wir oft unterschiedliche Einstellungen unter ihnen. Und ein grundlegender Unterschied ist, wie die Menschen mit Problemen umgehen. Ich fand insbesondere diesen Aspekt recht interessant und sah einen entscheidenden Grund für diese Unterschiede: bist du in einem reichen Land aufgewachsen oder umgeben von finanziellen Schwierigkeiten?

Was tust du, wenn du eine große Schwierigkeit auf dich zukommen siehst? Es gibt mehrere Möglichkeiten: du kannst in Panik verfallen und ausrasten aus Angst davor, was dir passieren könnte und dabei praktisch einen Nervenzusammenbruch haben, einfach nur aufgrund der Frage ‚was passieren könnte‘. Du kannst aber auch die Schultern straffen, bei ruhigem Verstand bleiben und deinen Weg und aus der Krise finden. Manche versuchen, sich zu verstecken und das Problem völlig zu vermeiden, indem sie so tun, als wäre es gar nicht da – aber für gewöhnlich funktioniert das überhaupt nicht.

Das grundlegende Gefühl hinter deiner Reaktion ist eines der folgenden beiden: du hast Angst oder eben nicht.

Und während ich beide Reaktionen bei vielen unterschiedlichen Menschen beobachtet habe, wage ich zu sagen, dass die meisten Menschen der Länder, die mehr finanzielle Sicherheit bieten, die entwickelter sind und Teil der ersten Welt sind, eher ängstlich reagieren.

Der Grund dahinter ist, auch wenn es seltsam erscheint, auch recht verständlich! In diesen Ländern sind die Menschen wachsen die meisten Menschen mit einigem an Hab und Gut auf. Es ist für sie normal, in der Lage zu sein auszugehen und das zu kaufen, was sie brauchen. Sie mögen nicht in der Lage sein, die schicksten Dinge in den Supermärkten zu kaufen, aber im Allgemeinen waren die meisten nie selbst in einer Situation der Not, noch die Menschen um sie herum. Wirklich, viele dieser Menschen haben auch noch nie einen richtigen Verlust erlebt.

Und so kommt es, dass da jede Menge ‚Was wenn‘-Fragen in den Köpfen der Menschen entstehen. In ihrem Verstand rennen sie von einem Horror-Szenario zum nächsten, denken über die Dinge nach, die passieren könnten und dabei bricht ihnen ihre ganze Welt zusammen.

Die meisten Menschen aus Ländern, in denen Armut herrscht, die gesehen haben, wie die Menschen um sie herum sich abmühen, haben keine so große Angst vor Schwierigkeiten. Sie mögen sie auch nicht, aber sie können sie leichter vernünftig betrachten und sehen meistens, dass es keine Frage des Überlebens ist. Das es nicht bedeutet, dass sie verhungern werden. Es ist eine höhere Bereitschaft dazu, den Kampf aufzunehmen und es durch die Schwierigkeiten zu schaffen. Es gibt eine Art emotionaler Sicherheit, die sie standfester macht.

Sehen wir es realistisch: die meisten Schwierigkeiten bedeuten nicht, dass dein Leben zu Ende geht, die Welt sich aufhört zu drehen und du fast stirbst. Obwohl also dein Hintergrund dir sagt, du solltest ausflippen, widerstehe dem Drang und sieh, dass es alles weitergeht. Du kannst es da durchschaffen!

Ein armer Mann mit viel Geld – 6 Jul 14

Im Jahr 2006 lernte ich jede Menge neue Leute kennen und besuchte auch viele neue Orte. Ein weiterer Organisator, den ich in dem Jahr kennen lernte, zeigte mir ganz deutlich einen Typ Mensch, von dem ich bereits einige getroffen hatte und von dem ich in den kommenden Jahren noch viele treffen würde: jemand, der mit Geld reich ist, den ich jedoch als arm betrachten würde!

Dieser Organisator, der zuvor zu zwei meiner Programme gekommen war und dann beschlossen hatte, meine und Yashendus Workshops und Sitzungen bei sich zu Hause anzubieten, war ein alleinstehender Mann von etwas über vierzig Jahren. Er war geschieden, hatte jedoch keine Kinder. Er hatte zu dem Augenblick auch keine Beziehung. Alles, was er hatte, war Geld.

Obwohl er seiner Exfrau einen guten Geldbetrag hatte zahlen müssen, lebte er in einem großen Haus, fuhr ein teures Auto und hatte gerade genug extra Geld für all seine täglichen Ausgaben, Luxus-Projekte und alles, was das Herz begehrt. Er arbeitete auf einem hohen Posten im Management und hatte zusätzlich auch noch gut geerbt. Doch als ich bei ihm war, sah ich, wie dieses viele Geld auch zum Problem geworden war: er konnte einfach keinen Spaß daran haben! Er war geizig bis zu einem Punkt, an dem sich mir die Frage stellte, ob er überhaupt den Sinn von Geld verstand.

Dieser Mann zögerte sogar bei der kleinsten Ausgabe. Immer, wenn er einkaufen ging, stand er vor einem Regal voller Dinge – sei das Öl zum Kochen, Wasser oder Käse – und wählte die billigste Möglichkeit, egal, welche Qualität das dann war. Immer, wenn er über irgendetwas redete, dachte er zuerst an die Ausgaben, die da vielleicht auf ihn zukamen. Selbst, wenn er aufs Klo musste, würde er lieber noch länger auf der Autobahn fahren, als an einer Haltestelle rauszufahren, an der er zahlen müsste! Alles, jedes kleines Ding, in seinem Tag stand in Verbindung zum Geld!

Ich konnte mir das nicht ohne mich zu wundern ansehen und so fragte ich ihn auch danach. Doch ihm war es so zur Gewohnheit geworden, so zu denken, dass er Schwierigkeiten hatte zu verstehen, was ich ihm sagen wollte.

Ich denke nicht, dass Geld Menschen reich macht. Man muss Liebe und liebevolle Gefühle haben, um reich zu sein! Und wenn man alles mit Geld in Verbindung bringt, ist es unwahrscheinlich, dass man viel Liebe zeigt und fühlt!

Es war eigentlich ein armer Mann. Ich versuchte, etwas wahren Reichtum mit ihm zu teilen – und ich glaube, er hat es auch gespürt!

Liebe oder Luxus? Triff die Entscheidung für dein Leben! – 16 Jul 13

Ich habe das Problem, über das ich heute schreiben möchte, bereits einmal angedeutet. Eine Entscheidung, die man im Leben treffen muss, die besonders Eltern immer wieder beschäftigt und die uns sogar bis zur Frage nach dem Sinn des Lebens führen kann: Liebe oder Luxus. Was wählst du?

Naja, die romantische Antwort ist einfach: wähle immer die Liebe. Idealistisch wäre es auch: wer braucht Luxus? Aber jeder braucht Liebe! Vergiss also jeden Luxus und wähle die Liebe!

Jetzt kommen wir mal zur praktischen Seite dieser Frage – und da wird es schon etwas schwieriger. Du magst ja sagen, dass du die Liebe wählst anstatt den Luxus, aber wo fängt der Luxus denn an? Es ist offensichtlich Luxus, wenn man fünfmal pro Jahr in den Urlaub fährt, jedes Mal an exotische Orte und mit dem eigenen Privatflugzeug. Die wenigsten Leute müssen sich jedoch mit diesem Ausmaß an Luxus auseinandersetzen. Für die meisten Leute ist es die Frage, wie viel sie täglich arbeiten müssen und ob sie sich überhaupt einen oder zwei Urlaube leisten können. Soll man nun mehr arbeiten, um sich mehr Kleidung, mehr High-Tech-Geräte, bessere technische Ausrüstung und mehr Ausflüge und Reisen leisten zu können? Oder soll man weniger arbeiten, so dass man mehr Zeit mit der Familie und den Geliebten verbringen kann?

Wenn man einen bestimmten Lebensstandard halten möchte, muss man auch eine bestimmte Zeit dafür arbeiten. Wenn es ein höherer Standard ist, so bedeutet das im Allgemeinen, dass man mehr arbeiten muss. Wenn man mehr arbeitet, hat man weniger Zeit für die, die man liebt. Man kann weniger Zeit damit zu verbringen mit dem Partner und Kindern, wenn man welche hat, zu spielen, zu kuscheln, zu lachen und Spaß zu haben.

Enorm viele Beziehungen sind einfach nur daran zerbrochen, dass ein Partner das Gefühl hatte, dass der andere zu viel Zeit für die Arbeit hat und nicht genug Zeit für die Liebe. Noch größer sind die Konflikte, die dadurch zwischen Eltern und Kindern entstehen. Der Hauptverdiener, traditionellerweise der Vater, arbeitet so viel, dass er seine Kinder kaum mehr kennt. Sie haben keine großartige Verbindung zueinander – doch das Ergebnis ist, dass sie das Beste von allem haben, was man kaufen kann!

Wenn man etwas mehr Zeit mit seinen Kindern verbringt, muss man vielleicht ohne bestimmte Luxusgüter auskommen. Wir haben uns hierfür entschlossen. Wenn wir mehr verdienen wollten und mehr Geld haben wollten, könnte ich mehr reisen, wie zuvor mehrere Monate im Ausland verbringen und Workshops und Seminare geben. Wir könnten auf diese Weise mehr verdienen, als wir von hier verdienen, aber ich habe beschlossen, stattdessen mehr Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Wir arbeiten trotzdem und arbeiten auch viel, aber wann auch immer ich Lust habe, kann ich einfach aufhören und stattdessen mit Apra spielen. Wir haben für uns einen Mittelweg gefunden.

Die Schlussfolgerung ist, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, wie viel Luxus er braucht und wie viel Zeit er seinen Geliebten geben kann. Was auch immer du jedoch machst, achte auf eines: lass dein Bedürfnis nach Luxus nie so groß werden, dass du die, die du liebst, vernachlässigst, insbesondere deine Kinder. Sie brauchen deine Liebe mehr als jede Menge Spielzeug, einen Urlaub oder teure Kleidung. Sie brauchen dich.

Hilfreich aber schwierig – Vergleiche von Ländern und Kulturen – 15 Jul 13

In der letzten Woche habe ich viel über die Kindererziehung geschrieben und die Leute gebeten, ihren Ehrgeiz etwas herunterzuschrauben und sich noch einmal zu überlegen, wie viel sie wirklich brauchen, so dass sie vielleicht etwas weniger Zeit mit Arbeiten verbringen und dafür etwas mehr Zeit mit ihren Kindern. Als ich dies schrieb, erzählte mir eine Mutter von ihrer eigenen Situation und sagte ‚Ich weiß, dass wir verglichen mit einer armen Familie in Indien viel haben…‘ Dieser Satz brachte mich dazu, über solche Vergleiche nachzudenken und so möchte ich heute meine Gedanken gerne mit euch teilen.

Die Hauptfrage ist: kann man ein sich entwickelndes Land wie Indien überhaupt mit westlichen Ländern vergleichen? Oder kann man die Situationen der Menschen in diesen Ländern miteinander vergleichen?

Natürlich kann man das bis zu einem bestimmten Punkt und oft ist es auch gut, wenn man das tut. Es ist unvermeidbar, wenn man in beiden Ländern lebt und so habe ich das auch viele Male getan. Wie leben die Menschen in beiden Ländern, wie viel verdienen sie, was ist ihnen wichtig, welche Sorgen und welche Angewohnheiten haben sie?

Wenn man arme Länder von westlichem Sichtpunkt aus betrachtet, so bedeutet das oft, dass man sich einer Realitätsprüfung unterzieht. Du merkst, dass du dir meistens Sorgen über Dinge macht, die nicht wirklich wichtig sind. Du glaubst, du hast nicht genug Auswahl an Kleidung im Schrank, doch dann siehst du, dass andere nur ein oder zwei Stücke zum Wechseln haben. Wenn dein Geschäft mal etwas schlechter läuft, steht nicht dein Leben auf dem Spiel, während andere, wenn sie wegen Krankheit ein paar Tage nicht zur Arbeit können, nichts mehr zu essen haben. Die Menschen in anderen Ländern kämpfen ums Überleben, sie bekämpfen Hunger, werden wegen ihrer Religion, Hautfarbe, Geschlecht oder Meinung verfolgt, sie werden unterdrückt und müssen um ihr Leben fürchten.

Ein solcher Vergleich lässt dich dein Leben von einem anderen Sichtpunkt aus betrachten und in einem besseren Licht sehen. Du schätzt das, was du hast, wieder und überdenkst vielleicht noch einmal dein Verhalten gegenüber den Menschen um dich herum.

Während solche Vergleiche durchaus funktionieren und eine positive Wirkung haben können, ist es sehr schwierig, direkt zu vergleichen, wenn man tiefer geht, weil die Unterschiede einfach so riesig sind! Es gibt so viele Aspekte, die in deiner Wahrnehmung der zwei Seiten eine Rolle spielen, dass man einen mehrseitigen Aufsatz über viele solcher Vergleiche schreiben könnte.

Kommen wir zu einem Beispiel. Du sagst, dass arme, indische Menschen viel weniger haben als du, der du in einem fortschrittlichen Land lebst. Das mag völlig wahr sein, wenn man von der finanziellen Situation spricht, aber man kann daraus nicht schließen, dass diese Leute auch viel mehr Sorgen haben als du! Du hast hundert Verantwortungsbereiche und Aufgaben, du willst perfekt sein, du machst alles selbst und du hast sehr wenig Unterstützung deiner Verwandten.

Vielleicht kannst du dir auch gar nicht vorstellen, was für eine geistige Ruhe viele arme Menschen haben, einfach nur, weil sie wissen, dass sie nicht viel zu verlieren haben. Ähnlich können auch Menschen, die ein klein wenig mehr haben, sich vielleicht viel einfacher entspannen als du – weil sie weniger materiellen Dingen anhaften und eine riesige Familie haben, die sie bei allem, was sie tun, emotional unterstützt.

Wisst ihr, ich will euch nicht sagen, wie ihr die Welt sehen sollt. Das könnt ihr selbst entscheiden. Ich will nur ausdrücken, dass es für mich keine Möglichkeit gibt, das eine oder andere Land als besser zu bezeichnen, dass Vergleiche manchmal schwierig sind und vor allem, dass man längere Zeit mit den Menschen eines Landes verbringen muss, um einen solchen Vergleich überhaupt anstellen zu können.

Wie Kulturunterschiede die Definition von Armut verändern – 14 Jun 13

In den vergangenen Tagen habe ich die Bedürfnisse von Kindern im Westen, die von UNICEF in einer Studie genannt wurden, mit den Bedürfnissen von Kindern in Indien verglichen. Ein paar Punkte sind noch übrig:

 

12. Zwei Paar Schuhe, wenigstens eins davon wetterfest

Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, bei dem meiner Meinung nach nicht unterschätzt werden sollte, wie viel das die Eltern wirklich kostet. Kinderfüße wachsen schnell und sie brauchen regelmäßig neue Schuhe, so dass sie ordentlich gehen, rennen und springen können.

Leider ist das Wetter in unserer Gegend in Indien so mild, dass man die meiste Zeit des Jahres auch ohne Schuhe herumlaufen kann, aber mit der Entwicklung der Straßen und der Verschmutzung der ganzen Stadt ist das heutzutage nicht mehr so leicht oder von hygienischer Sicht aus ratsam, wie es einmal war, als ich ein Kind war. Wir geben den Kindern unserer Schule die schwarzen Schulschuhe, die zur Schuluniform gehören und wir sehen oft, wie sie in ihrer Freizeit auch diese Schuhe anziehen, weil sie kein anderes Paar Schuhe haben. Im Sommer ziehen sie sie aber natürlich lieber aus. Dann gibt es leichte und ganz billige Flip-Flops, bei denen die Größe recht flexibel ist – man sieht also auch Kinder in viel zu großen und viel zu kleinen Schuhen. Während ich also die Anzahl der Paar Schuhe auf eines reduzieren würde, ist es denke ich in Indien auch ein Zeichen der Armut, wenn man überhaupt keine Schuhe hat.

 

13. Möglichkeit, ab und zu Freunde zum Spielen und Essen nach Hause einzuladen

Das ist ein weiterer Punkt, zu dem ich euch sagen kann, dass die große Mehrheit indischer Kinder weniger arm zu sein scheint als die Kinder reicher Länder, für die diese Studie gemacht wurde. In Indien laden sogar die Ärmsten der Armen ihre Freunde zu sich nach Hause ein. Die Kinder unserer Schule besuchen einander regelmäßig und sie essen auch beim jeweils anderen. Vielleicht ist es eine Frage der indischen Gastfreundschaft, dass man einem Besucher von dem anbietet, was man hat, egal wie wenig das ist und es mit denen, die da sind, teilt. Ein weiterer Aspekt könnte sein, dass die armen westlichen Eltern sich vielleicht wegen ihrer Armut mehr schämen als eine indische Familie es tun würde und dass einfach nur wegen der Tatsache, dass es in Indien viele arme Leute gibt.

 

14. Möglichkeit, Geburts- oder Namenstage sowie religiöse Feste zu feiern

Ich habe schon viele Menschen getroffen, die total schockiert waren, als sie hörten, dass die meisten Kinder, die zu unserer Schule kommen, ihr Geburtsdatum nicht kennen. Ihre Eltern wissen auch nicht, wann genau sie geboren wurden, weil es für sie einfach nicht wichtig ist. Das liegt teilweise an der Kultur, aber teilweise auch daran, dass sie es sich nicht leisten können, an dem Tag etwas Besonderes zu tun.

Religiöse Veranstaltungen sind jedoch sehr wichtig und jeder, egal wie arm, feiert zum Beispiel Diwali. Selbst wenn sie bei sich zu Hause nur eine Öllampe anzünden, eine kleine Puja-Zeremonie abhalten und für etwas mehr finanzielles Glück im nächsten Jahr beten, eine Feier gibt es auf jeden Fall.

Ich bin mir nicht allzu sicher, was die Qualität dieses Kriteriums angeht, da solche Feiern ja jeden Umfang haben können, von einer billigen und einfachen Feier daheim zu einer extravagant teuren Feier mit jeder Menge Geschenken und einer großen Party. Ist eine Feier nicht schön aufgrund der besonderen Atmosphäre? Oder weil die Familie zusammenkommt? Kann das nicht auch ohne Geld erreicht werden?

Notwendiges und Luxus – Ein unterschiedlicher Maßstab in Indien und im Westen – 13 Jun 13

Gestern und vorgestern habe ich die unterschiedlichen Punkte kommentiert, die UNICEF als Zeichen für Kinderarmut in reichen Ländern angibt. Wie sehr gelten diese Punkte für ein Land wie Indien? Hier setze ich wieder ein:
 

8. Geld, um an Schulausflügen oder Veranstaltungen teilzunehmen

Bei diesem Punkt reicht eine kurze Antwort: wenn eine Familie in Indien es sich leisten kann, ihr Kind auf eine Privatschule zu schicken, die Bücher und die Uniform zu kaufen und das Schulgeld zu zahlen, so gibt es Familien, die sehr viel ärmer sind als sie. Die Teilnahme an Schulausflügen ist ein Kriterium, das für Indiens Arme etwas zu hoch liegt.

Es macht uns jedoch stolz sagen zu können, dass auf unseren Schulfeiern die armen Kinder der Stadt das beste Essen und den besten Kuchen der ganzen Umgebung bekommen!
 

9. Ein ruhiger Platz für Hausaufgaben

Wieder muss gesagt werden, dass andere Bedürfnisse Vorrang haben, bevor man sich um einen Platz für Hausaufgaben kümmern kann. Viele Familien unserer Kinder haben ein Haus oder auch nur ein oder zwei Zimmer gemietet, in denen vier, fünf oder auch mehr Familienmitglieder leben. Diese Zimmer sind Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Büro, Werkstatt, Kinderzimmer und Schrank in einem. Sobald wir einen Lebensstandard erreichen, bei dem Familien für all diese Zwecke getrennte Zimmer haben, können wir sie nicht mehr wirklich arm nennen.
 

10. Ein Internetanschluss

Ich war ehrlich überrascht, diesen Punkt auf der Liste zu sehen, aber ich nehme an, dass das heutzutage ein lebensnotwendiges Element ist, um auf dem neuesten Stand mit den Dingen in der Welt zu bleiben. Im Westen muss vieles an Hausaufgaben auch mit der Hilfe des Internets erledigt werden und auch das gesellschaftliche Leben spielt sich teilweise online ab. Jeder ohne Internetverbindung ist von der Welt abgeschnitten.

An einem Ort jedoch, wo viele selbst bei Temperaturen von 48 Grad und mehr keinen Kühlschrank und keinen Ventilator an der Decke haben, wäre das Fehlen einer Internetverbindung nicht wirklich eines der Dinge, die man als Entbehrung bezeichnen würde.
 

11. Einige neue Kleidungsstücke (nicht ausschließlich bereits getragene Sachen)

Wir werden von Besuchern oft gefragt, ob sie denn getragene Kleidung für unsere Kinder mitbringen können, wenn sie in den Ashram kommen und wir heißen solche Hilfe immer herzlich willkommen. Wir sammeln, bis wir richtig viel zusammen haben und es großzügig an unsere Schüler und ihre Eltern verteilen können. Man möchte kaum glauben, wie sehr sich diese Familien über Second-Hand-Kleidung freuen. Was ist falsch daran, die Kleidung anderer zu tragen? Es ist gute Kleidung, nicht zerrissen, und sie hält dich im Winter warm, wenn die Temperaturen bei uns in Vrindavan ja doch bis zum Gefrierpunkt runtergehen.

Ich verstehe diesen Punkt für den Westen jedoch, wo selbst Kinder aus gut situierten Familien gehänselt werden, wenn sie keine Markenklamotten tragen. Ich glaube jedoch, dass da die Erwartungen und Standards etwas gedrosselt und zurückgesetzt werden sollten. Hört auf, euch auf das Äußere zu konzentrieren und bringt den Kindern etwas mehr über innere Werte bei!

Vergleich der Spiele und des Sports indischer und westlicher Kinder – 12 Jun 13

Gestern habe ich begonnen, die Liste der Dinge zu kommentieren, die UNICEF für Kinder in reichen Ländern für notwendig hält. Wer zwei oder mehr davon nicht hat, wird als arm angesehen. Ich vergleiche nun Punkt für Punkt mit Indien:
 

6. Regelmäßige Freizeitaktivitäten z.B. in Sportvereinen, Jugendorganisationen oder das Erlernen eines Musikinstruments

Das ist der erste Punkt, bei dem ich wirklich denke, dass das in den Ländern Europas nötig sein mag, aber nicht in Indien. Auf meinen langjährigen Reisen im Westen, in Europa, Australien und den USA, habe ich immer wieder gesehen, dass Kinder gern in ihren Zimmern bleiben, vor dem Fernseher sitzen und sich den ganzen Tag lang nicht bewegen. Obwohl das offensichtlich kein Armuts-Problem ist, halte ich es für wichtig, Kinder dazu zu motivieren, auszugehen und hin und wieder etwas anderes zu tun.

In Indien jedoch sind Kinder die ganze Zeit draußen. Es mag nicht so viele organisierte Angebote wie Sportvereine und Freibäder mit Programm geben, aber die Kinder brauchen es auch nicht. Sie gehen raus, treffen Freunde, spielen auf der Straße und verwenden dazu so ziemlich alles, was sie eben so finden. Als wir klein waren, trafen wir oft so viele andere Kinder am Fluss und gingen den ganzen Tag schwimmen. Unsere Ashram-Jungs brauchen nur einen Ball und vielleicht einen Kricket-Schläger und schon sind sie in ihr Spiel vertieft. Es gibt jede Menge Spiele, die auch mit weniger Ausstattung funktionieren. Ein Stecken, ein Schuh oder auch überhaupt nichts.

Ein weiterer Aspekt ist vielleicht, dass wir in Indien einfach so viele Kinder haben. Ich habe in Deutschland gesehen, wie schwierig es für Kinder ist, in Gesellschaft anderer Kinder zu kommen – und wenn sie sich den Mitgliedsbeitrag für einen Jugendverein oder ähnliches nicht leisten können, fühlen sie sich vielleicht ausgeschlossen. Indiens Bevölkerung ist jedoch so groß, dass man immer Leute aller Altersgruppen draußen auf der Straße antrifft und somit immer jemanden, der bereit ist für alle möglichen Aktivitäten.
 

7. Mindestens ein altersgerechtes Spielzeug pro Kind – z.B. Bauklötze, Brett- oder Computerspiele

Ich musste ein bisschen nachdenken, bevor ich hierzu einen Kommentar schreiben konnte. Nicht, weil ich nicht wusste, ob das auch auf Indien zutrifft, sondern weil ich sicher gehen wollte, dass ihr meine Antwort auch versteht. Es ist eine komplizierte Frage, hauptsächlich, weil UNICEF im Englischen für die Beispiele das Wort ‚educational‘ verwendet und sprechen also von pädagogisch wertvollem Spielzeug. Was für Spielzeug meinen sie damit?

Jede Familie, die irgendwie die Möglichkeit hat, versucht, ihren Kindern etwas Passendes zum Spielen zu geben, auch in Indien. In armen Familien ist das vielleicht eine handgenähte Puppe, zusammengenäht aus den Stücken alter Kleidung, die man nicht mehr hätte nähen können. Das Kind hätte damit ein Spielzeug, aber ist es pädagogisch wertvoll? Und dann ist da noch die Frage der Bildung der Eltern. Eine Puppe kann einem Kind viel beibringen, aber nur, wenn die Person, die die Puppe bewegt und für sie spricht, etwas hat, was sie beibringen kann!

Dazu kommt, dass der Unterschied zwischen drinnen und draußen in Indiens heißem Klima ganz anders ist als zum Beispiel in Deutschlands unregelmäßigen Wetter. Während ein deutsches Kind vielleicht Bauklötze braucht, kann ein indisches Kind, zum Beispiel Sohn eines Bauarbeiters, auf dem Bau sitzen und zum gleichen Zweck Ziegel oder Steine verwenden, die nicht mehr gebraucht werden.

Je nach Definition glaube ich also, dass solches Spielzeug auch für indische Kinder normal wäre, aber dass man es selbst bei den Ärmsten findet!

Drei Mahlzeiten am Tag – Ist das wirklich Luxus für Kinder? – 11 Jun 13

Gestern habe ich euch von einer UNICEF-Studie über Kinderarmut in reichen Ländern mit Fokus auf europäische Länder erzählt. Da gab es eine Liste von Entbehrungen. Wenn ein Kind zwei oder mehr der Dinge auf dieser Liste nicht hat, bedeutet es, dass er oder sie arm ist, oder zumindest ärmer, als es in dem Land möglich sein sollte. Während ich diese Liste las, konnte ich nicht anders, als an unsere Kinder in Indien zu denken, an die Jungen, die im Ashram leben, aber noch mehr an die Kinder, die in unsere Schule kommen, die in den armen Familien in der Umgebung leben. UNICEF hat diese Liste ganz deutlich für Kinder in bereits entwickelten Ländern gemacht, aber es war interessant, ihre Liste der Bedürfnisse von Kindern hier mit dem zu vergleichen, was auf einer Liste für Indien stehen würde oder eben auch nicht stehen würde. Ich dachte, ich teile meine Gedanken zu den einzelnen Punkten heute und in den nächsten Tagen in mein Tagebuch.

1. Drei Mahlzeiten am Tag

2. Eine warme Mahlzeit täglich (mit Fleisch, Fisch oder einem vegetarischen Äquivalent)

3. Täglich frisches Obst und Gemüse

Wenn wir uns diese ersten drei Punkte ansehen, so kann ich euch sagen, dass viele Familien in Indien bereits mit Punkt eins Probleme haben, ihr Bestes geben, dass sie Punkt zwei schaffen – natürlich mit der vegetarischen Version – und Punkt drei kann man gänzlich weglassen. Frisches Obst und Gemüse ist teuer. Kartoffeln sind das Billigste und deshalb auch öfter auf dem Speiseplan. Andere Zutaten tauchen nur zu besonderen Anlässen auf dem Teller auf oder wenn eine Gemüsesorte oder Frucht gerade viel wächst und deshalb billig ist.

Trotzdem liebt jede Familie ihre Kinder und sie geben alle ihr Bestes. Es ist jedoch eine Tatsache, dass unsere Schule von vielen Schülern besucht wird, deren Eltern hauptsächlich an dem warmen Mittagessen interessiert sind, das wir den Schülern täglich geben. Damit haben sie eine Sorge weniger, zumindest haben die Kinder schon einmal etwas im Bauch!

4. Altersgerechte Bücher (nicht ausschließlich Schulbücher)

Der Bildungslevel armer Eltern in Europa unterscheidet sich sehr von dem der armen Eltern in Indien. Es gibt in ganz Europa kaum Analphabeten, während zum Beispiel in unserem indischen Bundesland jeder Zweite, den man trifft, weder lesen noch schreiben kann! Warum sollten sie für ihre Kinder Bücher kaufen? Wer soll den Kindern denn überhaupt vorlesen? Sie sind froh, wenn sie sich die Schulbücher leisten können – und für viele Familien ist sogar das zu viel. Darum geben wir den Kindern unserer Schule alle Schulbücher kostenlos, darunter auch Bücher mit Geschichten, so dass die Kinder beim Lesen in der Schule auch noch etwas Freude haben.

5. Spielzeug für Aktivitäten im Freien (Fahrrad, Rollschuhe etc.)

Naja, mit diesem Punkt sind wir schon bei ‚Freizeit‘ angelangt und obwohl jeder Mensch Zeit braucht, um sich zu entspannen, das Leben zu genießen und zu spielen, gehört die Ausrüstung dafür nicht zu den Grundbedürfnissen. In einem Land, in dem Hunger und Kinderarbeit bekämpft wird, sind ein eigenes Fahrrad oder eigene Rollschuhe nicht die Punkte, die bestimmen, ob man arm ist oder nicht.

Und nur nebenbei muss ich noch die erste Person sehen, die auf indischen Straßen Rollschuh fährt – viel Glück dabei!

Arme Kinder reicher Länder – 10 Jun 13

Bereits vor einiger Zeit hat Ramona einen Artikel von UNICEF über eine ihrer Studien über Kinderarmut in Europa gelesen. Das Ergebnis zeigte, wie viele Kinder mit ihren Familien unter der Armutsgrenze leben und wie viele Kinder in welchen europäischen Ländern nicht einmal die Dinge haben, die in einem entwickelten Land zu den Bedürfnissen gehören, die auf jeden Fall gedeckt sein sollten. Wir fanden den Artikel interessant und ich wollte die Kriterien der Studie und ihre Ergebnisse mit euch teilen.

Sie hatten eine Liste mit 14 Dingen, die jedes Kind in diesen für reich befundenen Ländern haben sollte:

  1. Drei Mahlzeiten am Tag
     
  2. Eine warme Mahlzeit täglich (mit Fleisch, Fisch oder einem vegetarischen Äquivalent)
     
  3. Täglich frisches Obst und Gemüse
     
  4. Altersgerechte Bücher (nicht ausschließlich Schulbücher)
     
  5. Spielzeug für Aktivitäten im Freien (Fahrrad, Rollschuhe etc.)
     
  6. Regelmäßige Freizeitaktivitäten z.B. in Sportvereinen, Jugendorganisationen oder das Erlernen eines Musikinstruments
     
  7. Mindestens ein altersgerechtes Spielzeug pro Kind – z.B. Bauklötze, Brett- oder Computerspiele
     
  8. Geld, um an Schulausflügen oder Veranstaltungen teilzunehmen
     
  9. Ein ruhiger Platz für Hausaufgaben
     
  10. Ein Internetanschluss
     
  11. Einige neue Kleidungsstücke (nicht ausschließlich bereits getragene Sachen)
     
  12. Zwei Paar Schuhe, wenigstens eins davon wetterfest
     
  13. Möglichkeit, ab und zu Freunde zum Spielen und Essen nach Hause einzuladen
     
  14. Möglichkeit, Geburts- oder Namenstage sowie religiöse Feste zu feiern

Die Studie fand heraus, dass es in diesen entwickelten Ländern viele Kinder gibt, die zwei oder mehr Dinge dieser Liste nicht haben! In Großbritannien zum Beispiel sind es 5,5 Prozent der Kinder. Wie vielleicht erwartet, führen die skandinavischen Länder wie Island, Schweden und Norwegen die Liste mit gutem Beispiel an, eng gefolgt von Finnland und Dänemark, bei denen weniger als 3% der Kinder in dieser Situation sind. Mehrere osteuropäische Staaten wie Bulgarien und Rumänien sind ganz unten anzufinden mit bis zu 72,6% Kinder, die mindestens zwei dieser Dinge vermissen! In Deutschland sind es 8,8%, in Frankreich 10,1%!

Ist das nicht schockierend? Dass jedes zehnte Kind in Frankreich und fast genauso viele in Deutschland vielleicht keine zwei Paar Schuhe und drei Mahlzeiten pro Tag haben? Dass es in diesen entwickelten Ländern, die nicht solche Probleme haben wie Indien, so viele arme Kinder gibt? Ich wusste, dass es auch in diesen Ländern Armut gibt, aber diese Zahlen geben einem eine bessere und detailliertere Vorstellung!

Es ist schrecklich daran zu denken, dass es in Ländern wie diesen hungrige Kinder gibt, wo es doch auch soziale Sicherheitsnetze gibt, wo die Armen wirklich Hilfe bekommen können! Ich habe immer die unterschiedlichen Wege gesehen, mit denen die Regierungen die Bedürftigen in ihren Ländern unterstützen und ich bin schockiert, dass diese Hilfe die Kinder offensichtlich nicht erreicht.

Es ist falsch. Kinder sind die Zukunft unseres Universums und wir müssen ihnen jede Möglichkeit geben, ihre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln. Besonders in diesen fortschrittlichen Ländern kann man einfach herausfinden, wie viele Kinder sich wo im Land befinden. Es sollte möglich sein, die Hilfe auf sie auszuweiten und wenn die Regierung das nicht schafft, sollte es Einzelpersonen geben, die den Kindern um sie herum helfen. Vielleicht merkst du, dass du nicht wirklich ein zweites Auto brauchst. Vielleicht verkaufst du den dritten Fernseher deiner Wohnung und spendest das Geld an eine wohltätige Organisation für sozial benachteiligte Kinder. Vielleicht entscheidest du dich auch, auf andere Weise zu helfen, zum Beispiel indem du jemandem, der es sich normal nicht leisten kann, kostenlose Outdoor-Aktivitäten oder Unterricht für ein Musikinstrument anbietest.

Steh auf und mach etwas, es geht um die Kinder in deinem Land, es geht um deine Zukunft!

Eine kostenlose spirituelle Hochzeit – doch nur mit teurer Kleidung aus dem Laden des Gurus – 9 Jun 13

Ich habe euch von der irischen Frau erzählt, die ich 2005 in Dublin getroffen hatte und die, nach Jahren auf der Suche, schließlich einen Partner gefunden hatte. Ich freute mich für sie, dass sie ‚den Einen‘ gefunden hatte. Natürlich brachten ihre Unsicherheit und seine eigenen Probleme die beiden immer noch manchmal in Probleme. Sie besuchte weiterhin unterschiedliche Gurus, nachdem ich mich geweigert hatte, die Verantwortung für Entscheidungen in ihrem Leben zu übernehmen. Es war jedoch schön, dass sie in Kontakt blieb und so konnten wir hin und wieder einfach ein schönes Gespräch unter Freunden haben. Ich freute mich natürlich auch, als sie mir erzählte, dass sie und ihr Partner geheiratet hatten. Als ich jedoch von den Umständen ihrer Hochzeit hörte, machte ich mir dazu meine eigenen Gedanken.

Diese Frau und ihr Partner hatten ihre Beziehung mehrere Male auf Eis gelegt, beendet und wieder begonnen. Als einer ihrer Lieblings-Gurus jedoch Irland besuchte, waren sie gerade auf einem der Höhepunkte ihrer Liebesgeschichte und beschlossen, dass sie sich von diesem indischen Guru trauen lassen wollten.

Ich bin mir nicht sicher, wo sie diese Idee bekommen hatten, aber vielleicht hatte einer der Anhänger ihnen von dieser Möglichkeit erzählt. Es war eines der vielen Angebote an Dienstleistungen, die dieser Guru hatte. Und dann wurde für die Zeremonie noch nicht einmal Geld verlangt!

Ganz zu Recht könnt ihr euch nun fragen, warum ich dieser Art der Heirat zweier sich liebender Personen in einer spirituellen Zeremonie offensichtlich abgeneigt bin, wenn doch noch nicht einmal Geld dabei eine Rolle spielt. Der Punkt ist jedoch, dass da sehr wohl Geld im Spiel ist – und nicht gerade wenig! Das Paar hatte zwar den Guru nicht für die Zeremonie bezahlen müssen, sie mussten aber alle Zutaten für die Zeremonie von seiner Organisation kaufen und sogar die Hochzeitskleidung von Braut und Bräutigam konnten von nirgendwo anders als diesem Laden gekauft werden. Alle Waren des Ladens sind bereits vom Guru gesegnet und es gibt viele Dinge dort, die von dem Guru sogar einmal getragen sind, damit sie Leuten verkauft werden können, die sich dadurch außerordentlich gesegnet fühlen.

Sie hatten also ihre spirituelle Hochzeit von diesem Guru in der Kleidung, die sie in dem Laden gekauft hatten und gaben dafür meiner Meinung nach viel zu viel Geld aus. Nein, Augenblick mal, es war eigentlich nicht der hohe Geldbetrag, den ich seltsam fand. Hochzeitskleidung ist so oder so teuer. Nein, es war die Bedingung, dass sie nur von dieser Organisation kaufen durften, um von ihrem Guru getraut werden zu können. Das war also wie ein Preis für die Hochzeit! Wo ist denn nun der Unterschied?

Natürlich sprach ich diese Gedanken nicht vor dem glücklichen, frisch verheirateten Paar aus. Ich dachte einfach nur, dass ich wieder einmal gesehen hatte, wie moderne Gurus im Westen ihre Anhänger glücklich machen, während sie vorgeben, von allem Materiellen entsagt zu haben und dabei gleichzeitig immer reicher werden. Naja, ich hoffte nur, dass diese Frau, die mir im Laufe der Zeit zur Freundin geworden war, in ihrer Ehe glücklich sein würde.

Ich erwähnte jedoch ihre Unsicherheit, oder?

Ja, um es kurz zu machen, war das für die beiden noch nicht genug. Sie hatten ihre spirituelle Hochzeit gehabt, trennten und vereinten sich jedoch immer weiter, bis sie schließlich beschlossen, es noch einmal zu tun – dieses Mal etwas traditioneller. Sie hatten auch eine große, traditionelle Hochzeit in der katholischen Kirche. Dieses Mal mit all ihren Verwandten, die Braut in einem weißen Kleid, der Bräutigam im Anzug.

Und ich möchte das heutige Tagebuch mit den passenden Worten beenden: und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute – Ende gut, alles gut.