Warum man sich gut überlegen sollte, ob man für die olympischen Spiele in Rio jubeln will – 7 Aug 16

Nun haben die Olympischen Spiele in Rio, Brasilien bekommen. Jedes Mal eine riesige Sportveranstaltung, egal wo auf der Welt die Spiele stattfinden. Die Leute zeigen ihre Aufregung mit wehenden Fahnen, Posts auf sozialen Medien und natürlich indem sie im Fernsehen zusehen, wie gut die Athleten ihres Landes abschneiden. Doch immer, wenn ich auf Facebook einen solchen Sticker sehe, frage ich mich, ob die Person, die das postet, überhaupt weiß, was dort vor dem Beginn alles vor sich ging. Das bezweifle ich – sonst gäbe es zumindest gemischte Gefühle und nicht dieser Enthusiasmus, da bin ich mir sicher!

Natürlich bewirbt sich ein Land als Gastgeber der Olympischen Spiele, weil sie davon gewisse Vorteile haben. Der größte dieser Vorteile ist, dass viele Touristen ins Land kommen und Geschäft bringen. Ein weiterer ist, dass die Infrastruktur für die Spiele verbessert wird! Städte werden aufgeräumt, sauber gemacht und verschönert und dann gibt es noch einige größere und kleinere Vorteile zum Alltag.

In Brasilien liefen die Dinge ein wenig anders. Ein Grund hierfür ist wohl die Korruption in dem Land, welche, ähnlich wie in Indien, einige sehr gute Initiativen blockt und die Wirkung verdirbt.

Es gab zum Beispiel Pläne, die Gewässer, in denen die Boot- und Schwimm-Wettbewerbe stattfinden, zu säubern – denn sie waren voller Abwasser, als die Pläne der olympischen Spiele in Rio Gestalt annahmen. Leider jedoch zeigen Bilder, Berichte und Wasser-Tests heute, dass nicht viel geschehen war. Athleten wird empfohlen, ihren Mund zuzulassen, um Krankheiten zu vermeiden – igitt!

Wenn wir zum Thema Infrastruktur kommen, so sieht man rein von der Tatsache, dass die Stadien bis zwei Tage vor der Eröffnung nicht fertig waren, dass die Dinge auch in Sachen Infrastruktur nicht so liefen wie sie sollten! Radwege waren gebaut worden und waren zusammengebrochen, Transportsysteme waren nicht so ausgebaut worden wie geplant und mehr. Zusätzlich gab es Berichte von Arbeitern, die in Sklaverei-ähnlichen Bedingungen gehalten wurden!

Jeder, der für die olympischen Spiele nach Rio fährt, steht vor einem anderen Problem, das nicht von wenig Bedeutung ist: das Leben ist dort nicht sicher! Es gibt bereits Berichte von Athleten und Besuchern, die mit vorgehaltener Pistole ausgeraubt wurden – auf jeden Fall keine Erfahrung, die man bei einer solchen Veranstaltung machen möchte, oder?

Es ist kein Wunder, dass die Leute des Landes selbst protestieren! Proteste gegen die Regierung und die Spiele. Gegen Korruption, Vernachlässigung und alles, was in ihrem täglichen Leben Probleme verursacht. Denn während die olympischen Spiele nur etwas mehr als zwei Wochen in der Stadt sind und Rio sein Bestes tut zu glänzen, leben sie weiter mit all diesen Gefahren und Nachteilen, die Athleten und Touristen nur als schlechte Erinnerung mitnehmen werden! Die Leute arbeiten lange für fast kein Gehalt, die Slums wachsen und damit auch die Kriminalität, Kinder haben wenig bis keine Chance auf Bildung, Unterernährung ist zu verbreitet und Kinderarbeit ist normal für die Familien, die das Geld einfach nur zum Überleben brauchen! Korruption und Gewalt kommen von Polizei und Regierung, was den Leuten jede Illusion raubt, dass sie von der Seite Hilfe bekommen könnten. Es ist eine schwierige Situation.

Wir können unsere Augen nicht vor all diesen Tatsachen verschließen und nur den Glitzer und Glanz sehen, den die Gastgeber uns zeigen wollen! Wir müssen das ganze Bild betrachten und erkennen, dass zumindest etwas daran gut ist: dieses Ereignis zeigt uns, was in Brasilien geschieht und dass die Dinge dort überhaupt nicht alle rosig sind! Wenn wir unsere Athleten unterstützen und die Spiele genießen wollen, sollten wir auch den Hintergrund des Veranstaltungsortes und die Situation der Menschen dort sehen. Wenn wir ihnen auf irgendeine Weise helfen können, sollten wir das. Und sei es nur dadurch, dass wir den Leuten von der Situation berichten und sie ihnen auf diese Weise bewusst machen.

Auch nach dem Unfall meines Freundes Govind bleibe ich positiv – 4 Mar 13

Ich mache mich gerade fertig, um nach Agra aufzubrechen. Genau das habe ich in den vergangenen sechs Tagen jeden Tag gemacht. Ich stehe auf, erledige meine tägliche Arbeit am Morgen und fahre dann los – ins Krankenhaus, um meinen Freund Govind zu besuchen.

Govind ist mein ältester Freund. Wir waren zusammen im Kindergarten, als wir vier Jahre alt waren und sind seitdem befreundet. Es war also ein rechter Schock, als er letzte Woche, am Dienstag gegen acht Uhr abends, auf Purnendus Telefon anrief und sagte, dass er auf dem Weg von der Arbeit nach Hause einen Unfall gehabt hatte. Er bat ihn, schnell mit dem Auto zu kommen und ihm ins Krankenhaus zu bringen. Natürlich fuhren wir sofort los – aber ich machte mir bereits nicht mehr ganz so viele Sorgen, als Purnendu meinte, dass Govind am Telefon selbst gesprochen hatte – das bedeutete, dass er bei Bewusstsein war und seine Gedanken klar ausdrücken konnte. Er hatte die Situation eigentlich bereits selbst analysiert und Purnendu gesagt: ‚Mein Bein ist gebrochen!'

Govind hatte Purnendu erklärt, wo er war und wir hoben ihn ins Auto – die Bewegung ließ ihn vor Schmerz aufschrein – und fuhren gleich los ins nächste Krankenhaus. Er erzählte, wie die Tempo, ein beliebtes Transportmittel in Indien, von einem Auto angefahren und er aus der Tempo herausgeschleudert worden war. Als er auf dem Boden aufschlug, gab es ein lautes ‚Knack‘ und er wusste bereits, dass sein Bein gebrochen war. Die Röntgenaufnahmen im Krankenhaus bestätigten dies: beide Unterschenkelknochen, Schienbein und Wadenbein, sind komplett durchgebrochen und an der Bruchstelle ist nur noch Knochenpulver übrig.

Die erste Nacht verbrachte er in diesem Krankenhaus in der Nähe, aber am nächsten Morgen nahmen wir ihn mit in ein größeres Krankenhaus in Agra, wo seine Operation durchgeführt werden soll. Die Ärzte müssen jedoch noch warten, bis die Schwellung wieder zurückgeht – und bis dahin liegt er da, natürlich mit Schmerzmitteln, die manchmal ihren Zweck erfüllen und manchmal nicht stark genug sind. In den Zeiten leidet er unter den Schmerzen.

Deshalb war ich also in der vergangenen Woche täglich in Agra. Normalerweise verlasse ich den Ashram nicht allzu oft, deshalb ist es für alle hier recht ungewöhnlich, mich jeden Tag gehen zu sehen, aber ich tue es für meinen Freund! Es ist gut, jemandem in einer solchen Situation Gesellschaft zu leisten, ihn abzulenken, einige Witze zu machen und miteinander zu lachen.

Es ist natürlich keine schöne Situation und schrecklich, dass er diesen Unfall überhaupt hatte. Es ist jedoch passiert und jetzt, wenn man damit umgehen muss, ist es das Beste, das Gute daran zu sehen! Schließlich hätte es auch viel schlimmer sein können!

Die Vorteile davon, ihn dort im Bett liegen zu haben, anstatt dass er zur Arbeit geht, sind für mich offensichtlich: endlich haben wir genug Zeit für ein paar Gespräche! Obwohl Govind nicht weit weg arbeitet und wir beide nun in Vrindavan leben, haben wir nicht viel Zeit, uns zu treffen. Er kommt an den Wochenenden vorbei, aber natürlich hat er auch noch jede Menge andere Dinge zu tun und so ist es manchmal ein recht kurzer Besuch. Jetzt jedoch können wir über alles reden, weil er nirgendwo hingehen muss.

Noch ein Vorteil ist, dass er endlich Zeit hat zu lesen! Govind liebt Bücher und das Lesen, hat aber normalerweise überhaupt keine Zeit, sich selbst in ein Buch zu vertiefen! Nun hat er diese Tage im Krankenhaus und dann stehen ihm noch Wochen der Rehabilitation bevor, während denen er nicht in der Lage sein wird, zur Arbeit zu gehen – und deshalb jede Menge Zeit hat, sich ein Buch zu schnappen und es von vorne bis hinten durchzulesen.

Die tägliche Fahrt nach Agra war auch für mich von Vorteil: natürlich vermisse ich Apra schon nach nur einer kurzen Zeit außer Haus, aber da merke ich wieder, wie toll unsere Arbeits- und Wohnsituation ist! Ich normalerweise den ganzen Tag hier und kann sie jederzeit sehen. Immer, wenn ich will, kann ich von meinem Schreibtisch weggehen und mit meinem Baby spielen! Ich bin wieder einmal dankbar, dass ich so viel mit ihr zusammen sein kann! Und natürlich ist es nicht nur Apra! Normalerweise sitze ich den ganzen Tag neben Ramona, die mich natürlich auch vermisst, wenn ich weg bin – doch das heißt auch, dass ich bei meiner Rückkehr mit größter Freude willkommen geheißen werde!

Ihr seht also, ein Unfall ist passiert, Govind ist im Krankenhaus und natürlich hat er Schmerzen und alle wünschen ihm, dass er bald wieder fit und gesund daheim ist. Gleichzeitig kann man sich jedoch auf die positiven Auswirkungen der negativen Ereignisse konzentrieren und so am Ende sagen: alles ist in Ordnung.

3 Gruppen Menschen, die das Kastensystem befürworten und ihre Gründe – 20 Jun 12

Gestern habe ich fünf Ideen geschrieben, die helfen könnten, das Kastensystem loszuwerden. Wenn es nur solcher Ideen bedürfte, wäre das Kastensystem aus dieser Gesellschaft bestimmt schon verschwunden. Wenn wirklich alle das Kastensystem abschaffen wollten, sähen wir es jetzt nicht mehr in der Gesellschaft. Heute würde ich gerne ein bisschen über die drei verschiedenen Gruppen von Menschen schreiben, die nicht wollen, dass das Kastensystem in Vergessenheit gerät.

1. Politiker – weil es für sie von Nutzen ist

Ich habe bereits erwähnt, dass Politiker und die Regierung nie versuchen werden, meine Ideen in die Tat umzusetzen. Denn das würde vielen Politikern die Grundlage ihres Wahlprogramms nehmen. Sie werden in ihrer Gegend oft nicht wegen ihrer Ideologie oder ihren Vorstellungen für das Land gewählt, sondern weil sie zur gleichen Kaste gehören. Politiker wissen, dass besonders ungebildete Menschen mit diesem Gedanken wählen und diese Stimmen wollen sie nicht verlieren. Das würde ja mehr Arbeit bedeuten! Obwohl also die Politiker nicht wirklich daran glauben, dass das Kastensystem Gottes Wille einer Menschheitsordnung ist, verwenden sie es nur zu gerne für ihre Zwecke.

2. Angehörige höherer Kasten – weil sie ehrlich daran glauben oder einfach die Vorteile genießen

Eine weitere Gruppe Menschen, bei denen es offensichtlich scheint, dass sie das Kastensystem nicht abschaffen wollen: die Menschen höherer Kasten, die an das Kastensystem glauben. Das sind natürlich Brahmanen, aus der höchsten Kaste, aber auch Menschen anderer Kasten, die als höhere Kasten angesehen werden. Heutzutage wird diese Einstellung die ‚Brahmanen-Mentalität‘ genannt, weil es auch Brahmanen, die nicht an das Kastensystem glauben und auch Menschen anderer Kasten, die es unbeding weiter instand halten wollen.

Die seltsame Realität ist, dass es Menschen gibt, die wirklich glauben, dass das Kastensystem ein gutes System ist, dass es so sein sollte. Gott will, dass manche Menschen für andere unberührbar sind. Das ist ernsthaft das, was sie glauben.

Andere Menschen mit Brahmanen-Mentalität glauben vielleicht nicht wirklich, dass das wirklich so stimmt. Sie denken nicht wirklich, dass es von Gott so gewollt ist, aber sie mögen den Status, den sie haben. Es gibt Vorteile und die würden sie auch gerne so behalten. Sie glauben nicht ernsthaft an das Kastensystem, sondern nutzen einfach die Vorteile, die dieses falsche System ihnen bringt.

3. Angehörige niedriger Kasten – aufgrund von Kastenstolz und der Opfer-Mentalität

Dazu gibt es noch eine Gruppe Menschen, von denen man es am Wenigsten erwartet, dass sie das Kastensystem unterstützen: Menschen der niedrigeren und niedrigsten Kaste. Ja, es gibt Menschen in den niedrigen Kasten, die kein Interesse daran haben, das Kastensystem abzuschaffen.

Man muss sehen, dass jede Kaste eine Art stolz für ihre Kaste entwickelt hat. Selbst in der untersten Kaste, bei den Unberührbaren, gibt es Menschen, die auf eine Weise stolz sind, dass sie ihrer Kaste angehören. Es ist einfach ein Teil der menschlichen Psychologie. Sie identifizieren sich damit, dass sie eine Person dieser Kaste sind, das ist wer sie sind und sie sind stolz auf ihre Gemeinschaft, auf ihre ‚Art‘ von Leuten. Das Kastensystem abzuschaffen würde für sie bedeuten, dass sie einen Teil ihrer Identität verlieren. Das ist eine Illusion, aber für sie ist das die Wirklichkeit.

Der zweite Grund, und vielleicht der wichtigste, dafür, dass Menschen der niedrigeren Kasten gegen eine Abschaffeung des Kastensystems sind ist, dass sie gerne Opfer sind. Ich habe auch zuvor bereits über Menchen geschrieben, die gerne Opfer sind und viele Menschen der niedrigen Kaste gehören da dazu. Sie beschweren sich gerne, finden gerne Ungerechtigkeiten, fordern mehr, sind aber am Ende nicht wirklich dafür, etwas zu ändern. Ist es nicht ironisch, dass sogar die Meschen, die diskriminiert werden, üblicherweise nicht den Mut haben, aus ihrer Opferrolle zu kommen!
 

Ihr seht also, während es viele Aktivisten geben mag und viele Leute wie mich, die das Kastensystem verabscheuen und es ein für alle mal abschaffen wollen, gibt es auch recht viele Menschen, die nicht einmal an diese Möglichkeit denken wollen. Solange das der Fall ist, solange Politiker und Brahmanen nur an sich denken, solange Menschen dummerweise glauben, dass alles genau so ist, wie es sein soll und solange die Menschen niedriger Kasten nicht aufhören, Opfer sein zu wollen, wird das Kastensystem weiter existiern. Veränderung kommt aus der Mitte der Gesellschaft. Ich bin dafür bereit, und du?

5 Ideen, wie wir das unmenschliche Kastensystem in Indien abschaffen können – 19 Jun 12

Wenn ich über das Kastensystem schreibe und sage, dass es ein veraltetes, verrücktes System ist, dass die Menschen trennt und diejenigen unterdrückt, die als ‚niedriger‘ eingestuft werden, bekomme ich ntürlich auch die Frage zu hören, wie man das Kastensystem denn abschaffen könnte. Wie wäre das möglich?

In einem früheren Blogeintrag habe ich geschrieben, dass Politiker aus dem Kastensystem ihren Nutzen ziehen. Darum haben Regierung und Politiker wirklich auch kein Interesse daran, es abzuschaffen. Sie ziehen Nutzen aus den Stimmen in dem Wissen, dass Leute ihrer eigenen Kaste eher für sie stimmen würden als für einen Kandidaten einer anderen Kaste. Und das ist etwas, das in gleichem Maße für höhere und niedrigere Kasten gilt. Deswegen halten sie das Kastensystem intakt. Das allererste, was notwendig wäre, wäre also, dass Politiker und die Regierung ihre Einstellung ändern. Sie sollten das Kastensystem nicht mehr unterstützen, sondern dagegen angehen. Ich hatte einige Ideen wie.

1. Gesetz gegen Organisationen, deren Grundlage Kastenzugehörigkeit ist

Zuallererst sollte es ein Gesetz geben, das Organisationen verbietet, die auf Kastenzugehörigkeit beruhen. Ja, es gibt solche Organisationen, in jeder kleinen Stadt, überall. Sie sind mit dem Namen einer Kaste registriert und haben nur Mitglieder dieser Kaste. Ihr Ziel kann ganz unterschiedlich lauten, doch eines ist sicher: was auch immer sie tun, liegt im Interesse ihrer Kaste. Diese Art von Organisation sollte verboten werden. Offiziell angemeldet oder nicht, es sollte nicht erlaubt sein, eine Organisation aufgrund von Kastenzugehörigkeit zu gründen.

2. Keine Kastenzugehörigkeit in Kontaktanzeigen in Zeitungen

Etwas anderes, was nicht erlaubt sein sollte ist, wie die Kontaktanzeigen in den Zeitungen aufgeteilt sind. Ich habe einmal einen Tagebucheintrag geschrieben, in dem ich beschrieben habe, wie die Anzeigen nach Kaste sortiert sind. Die Leute suchen also direkt nach einem ‚Brahmanen-Mädchen‘. Die Regierung kann ein Gesetz verabschieden, das diese ganze Struktur verändern würde. Die Menschen könnten einfach nach einem Partner mit bestimmten Charakterzügen suchen, nicht nach einem Menschen einer bestimmten Kaste.

3. Förderung von Ehen mit Partnern unterschiedlicher Kasten

Das wäre gleichzeitig der erste Schritt für den nächsten Punkt des Handlungsplanes. Ehen von Paaren aus unterschiedlichen Kasten sollten vom Staat gefördert werden. Wenn du nun protestierst und sagst, dass das eine private Sache ist, dass die Regierung da überhaupt nichts machen kann, muss ich dir sagen, dass du da nicht ganz richtig liegst. Die Regierung ermutigt die Leute auch, nicht so viele Kinder zu haben. Sie organisieren Kampagnen, mit denen Männer Geld bekommen, wenn sie sich sterilisieren lassen. Warum also sollten sie junge Leute nicht auch dazu ermutigen, sich einen Partner außerhalb ihrer Kaste zu suchen, indem sie ihnen Geld anbieten oder auch die Möglichkeit geben, dass ein neues Paar einen Kredit bekommt, wenn sie heiraten und sich zum Beispiel ein Haus kaufen wollen?

4. Tempelpriester aus niedrigen Kasten

Natürlich ist da noch ein weiterer Punkt, den ich eigentlich immer erwähne, wenn es um die Diskriminierung von Menschen niedrigerer Kasten geht. Die Regierung hat vollen Einfluss auf die Tempel und kann auch Menschen niedriger Kastenzugehörigkeit als Priester einstellen. Ich würde gerne sehen, wie Priester der unberührbaren Kaste Brahmanen Prasad geben, die heilige Opfergabe an die Götter. Warum nicht? Warum ist es Menschen niederer Kasten nicht erlaubt, einen Tempel auch nur zu betreten?

5. Änderung von Nachnamen

Im Moment ist es immer noch möglich, die Kaste einer Person anhand ihres Nachnamen zu erkennen. Obwohl sich das langsam verändert, glaube ich, dass es gut wäre, wenn die Regierung Menschen die einmalige Möglichkeit gäbe, ihren Nachnamen zu ändern. Danach gäbe es keine Möglichkeit mehr zu sagen, ob sie aus einer höheren oder niedrigen Kaste kommen.

Ich weiß, dass das allein nicht ausreicht. Das Hauptproblem und die Hauptaufgabe ist, an der Mentalität der Menschen zu arbeiten. Sie müssen ihre Denkweise verändern. Viele Menschen, die das Kastensystem unterstützen, werden dem, was ich schreibe, nicht zustimmen und sagen, dass all diese Punkte praktisch nicht umzusetzen sind. Doch wenn der Wille da ist, etwas zu verändern und damit zu beginnen, kann es geschehen. Die Punkte wären auf jeden Fall effektiv.

Anna Hazares Schauspiel ist vorbei – Indien wurde wieder veräppelt – 29 Dez 11

In den letzten Tagen waren wir Zeugen eines großen Schauspiels im indischen Parlament. Es ging um die Lokpal Bill, das neue Gesetz gegen Korruption. Die regierende Partei machte Vorschläge und Entwürfe, denen sich die Opposition entgegenstellt, wie es nunmal ihre Rolle in der Regierung ist. Am Ende haben sie ein schwaches Lokpal Gesetz verabschiedet. Dieses Gesetz ist, als wäre es vollkommen behindert, es ist absolut nicht in der Lage, irgendetwas zu verändern. Die Menschen sind enttäuscht.

Jeder, der die Szenen im Parlament beobachtet hat, konnte sehen, dass es nur ein Schauspiel war, ein Theaterstück, das für die Medien und die Öffentlichkeit in Szene gesetzt wurde. Mit diesem Ergebnis weiß aber jeder, dass die Politiker eigentlich Anstrengungen begingen, sich selbst zu retten. All diese Politiker, die dieses Gesetz verabschiedet haben, sind korrupt. Sie wissen, dass sie diejenigen sein werden, die ins Gefängnis gehen, wenn das Gesetz stark und wirksam ist.

Dabei ist es egal, ob sie der regierenden Partei oder der Opposition angehören oder sogar einer der vielen kleinen Parteien, sie können ins Gefängnis kommen. Mitglieder der regierenden Partei nehmen vielleicht das Risiko auf sich, in der nächsten Wahl zu verlieren, weil sie ein nutzloses Gesetz herausgebracht haben, aber sie werden nicht riskieren, im Gefängnis zu landen. Also haben sie zusammen ein Gesetz geschaffen, das sie rettet, aber unserem Land nicht hilft. Vor der Kamera führen die Politiker der Opposition einen großen Kampf auf, aber in Wahrheit wissen sie alle, dass sie im selben Boot sitzen. Die Mehrheit der Politiker unseres Parlaments ist korrupt. Es gibt keine Hoffnung, dass sich durch unsere Regierung etwas ändert.

Und was ist mit der großen Hoffnung dieses Landes, Anna Hazare? Heute scheint er nur ein weiterer, schlauer Politiker zu sein, nichts anderes.

Hazare und sein Team hatten für diese Tage einen großen Plan: sie wollten einen weitere Hungerstreik machen, der drei Tage lang andauern sollte, vom 27. Dezember bis zum 29. Dezember 2011. Danach wollten sie eine große Kampagne starten und mit der Unterstützung der Menschen die Gefängnisse Indiens füllen. Sie riefen die indische Bevölkerung dazu auf, in die Büros von Ministern zu gehen und andere offizielle Gebäude zu betreten, in denen das Betreten normalerweise verboten ist. Sie sollten friedlich bleiben und sich selbst festnehmen lassen. Anna Hazare selbst plante, zum Haus der Parteivorsitzenden des Congress Sonia Gandhi zu gehen. Natürlich gibt es dort viel Sicherheitsvorkehrungen und die Grenzen zu überschreiten würde zur Festnahme führen. Sie hatten die indische Öffentlichkeit dazu aufgerufen, freiwillig ins Gefängnis zu gehen, um gegen Korruption zu kämpfen.

Gestern jedoch, am zweiten Tag des Hungerstreiks, am 28. Dezember, bliesen sie die ganze Kampagne ab. Der Hungerstreik wurde beendet, genau wie ihr Plan, ins Gefängnis zu gehen. Der Grund dafür? Die Regierung betrügt mit diesem schwachen Gesetz und wir denken, es ist am Besten, wenn wir uns ihnen in den nächsten Wahlen entgegenstellen. Natürlich werdet ihr sie in den nächsten Wahlen nicht unterstützen, das wussten wir vorher auch, aber warum habt ihr die jetzige Kampagne abgesagt?

Einige Leute fragten, ob das Team Anna von der Regierung Geld bekommen hat und sich verkauft hat. Die beliebteste Vorstellung und das, woran ich glaube, ist jedoch, dass sie einfach nicht genug Leute hatten, als sie ihren Hungerstreik in Mumbai begannen. Ungefähr zwei Drittel des Platzes, auf dem der Streik stattfand, waren leer. Das bedeutet nicht, dass dort niemand war, aber es war nicht der überwältigende Andrang, den sie erwartet hatten. Also sagten sie ab.

Aber warum war der Platz leer? Weil die Menschen in Indien bereits verstanden haben, dass sie nicht wirklich am Kampf gegen Korruption interessiert sind, sondern mehr an ihrer eigenen Politik und ihrem eigenen Vorteil. Sie haben durch diese Absage eine Bestätigung erhalten: Anna Hazare und sein Team wollen nur Berühmtheit und wenn sie keine Millionen Menschen hinter sich sehen, kämpfen sie auch nicht gegen Korruption.

Die Medien haben zuvor jeden kleinen Schritt Anna Hazares dokumentiert. Sie haben zuvor sehr zum Erfolg der Kampagne beigetragen und ich glaube, dass sie einen wichtigen Beitrag dazu geleistet haben, diese Kampf öffentlich zu machen. Jetzt jedoch denke ich, wäre es am Besten, wenn sie Anne Hazare einfach alleine ließen und ihn und sein Team ignorierten. Wir sollten ihm nicht weiter Wichtigkeit geben – wir fühlen uns betrogen und sehen, dass er seine Politik für seinen eigenen Ehrgeiz betreibt. Lieder sehen wir, dass er trotz des riesigen Erfolgs im August, der aus der Wut der Menschen gegen Korruption entstand, das Vertrauen und die Liebe der Leute wegen seinem Ego nicht bewahren konnte.

Im Juni rannte Baba Ramdev vor dem Kampf davon, jetzt hat Anna Hazare aufgegeben. Die unschuldige Öffentlichkeit Indiens fühlt sich von sogenannten sozialen Aktivisten wie Anna Hazare und seinem Team veräppelt. Sie haben Zeit, Geld und Energie verschwendet und nichts bekommen.

Was wird nun mit unserem Land geschehen? Korrupte Politiker werden weiter das Geld aus den Menschen saugen, die es bereits gewöhnt sind, an jeder Ecke extra geben zu müssen, damit ihre Arbeit erledigt wird.

Die Reichen entscheiden für die Armen – Armut in Indien – 27 Sep 11

Gestern habe ich über Armut in Indien geschrieben, über die Armutsgrenze und darüber, wie Minister nun versuchen, die Kriterien dafür zu verändern, wer arm ist und wer nicht. Was mich an dieser Situation am Meisten geärgert hat ist, dass diejenigen, die diese Pläne gemacht haben, die Minister, die entscheiden, wer in Indien arm genannt wird, Millionäre und Billionäre sind! Sie haben mehr Geld, als sie in ihrem Leben je ausgeben könnten! Ich lese, dass mehr als 77% der Minister unseres Landes ‚Crorepatis‘ sind, was bedeutet, dass sie mehr als 10 Millionen Rupien haben! Und dieses Geld wird jeden Tag mehr! Ich habe mir die Zahlen angesehen und gesehen, dass der Reichtum der indischen Parlamentsmitglieder in den letzten Jahren enorm angestiegen ist. Sie sitzen auf ihren Posten, sie führen dieses Land und dabei scheffeln sie Geld, während sie beschließen, dass andere nicht arm sind, obwohl diese weniger als einen Dollar pro Tag verdienen!

Was wissen diejenigen, die in ihren eigenen Helikoptern durchs Land fliegen, über die Situation derjeniger, die sich Sorgen um ihr Abendessen am nächsten Tag machen? Sie können den Schmerz des Hungers nicht verstehen! Wie kommt es, dass keine arme Person an der Verabschiedung solcher Gesetze oder Entscheidungen beteiligt ist? Sie hätten vielleicht ein besseres Verständnis dessen, was eine Person wirklich braucht und wie die Situation in diesem Land wirklich aussieht!

Das Problem ist wieder einmal die Korruption. Im heutigen Indien braucht man viel Geld, um an einer Wahl als Kandidat teilnehmen zu können und noch mehr, um tatsächlich zu gewinnen! Wir haben Minister, die reich sind und zu Millionären werden, während sie so auf ihren Stühlen sitzen! Eine arme Person könnte nie so weit denken, weil es keinen Tag gibt, an dem er oder sie nicht arbeitet, um irgendwie das Überleben zu sichern! Ich sage nicht, dass unsere Minister arm sein sollten, aber ich frage mich, wie sie so reich sein können, wie sie sind? Keine normale Person hat die Möglichkeit, seinen Reichtum in einem Jahr dermaßen zu vergrößern! Die Menschen in diesem Land sind arm, die Regierung ist arm und hat kein Geld, aber diejenigen, die in der Regierung sitzen, sind reich.

In diesem Zusammenhang habe ich einen weiteren Artikel über das Essen in den Parlamentskantinen gelesen. Ihre zehn Kantinen sind subventioniert und so bekommen die Parlamentsmitglieder eine vollständige vegetarische Mahlzeit für nur Rs. 12,30, eine Tasse Tee für eine Rupie und Suppe für nur Rs. 5,50. Als die Medien von diesem lächerlichen Preis für diese reichen Menschen erfuhr, beschwerten sie sich, dass sie finanziell bezuschusstes Essen essen, während der Rest des Landes Preiserhöhungen auf tägliche Nahrungsmittel ertragen muss. Die MPs haben beschlossen, dass sie auch ohne den Rabatt auf ihr Essen auskommen werden, um solche Beschwerden zu vermeiden.

Der frühere Präsident von Indien A. P. J. Abdul Kalam sagte vor Kurzem: „Indien ist kein armes Land. Es wurde jahrhunderteland von einer kleinen Gruppe Menschen arm und ungebildet gehalten, um die Massen auszunutzen.“ Das Land ist arm, die die es leiten sind es nicht.

Wer in Indien ist wirklich arm? – 26 Sep 11

Letzte Woche hat die ‚Planning Commission of India‘, eine Regierungsinstitution, die Pläne dafür aufstellt, wie viel Geld Indien zur Verfügung hat und empfiehlt, wie viel in welchen Sektoren verwendet werden soll, vorgeschlagen, die indischen Kriterien für die Armutsgrenze neu festzulegen. Sie sind der Meinung, dass jeder, der genug Geld hat, um täglich in der Stadt mehr als 32 Rupien oder auf dem Land mehr als 26 Rupien auszugeben, nicht als arm angesehen werden kann. 32 Rupien sind beim momentanen Wechselkurs in etwa 0,64 US-Dollar. Das hat wieder einmal für Erregung in den Medien, unter Aktivisten und natürlich in der allgemeinen Bevölkerung gesorgt.

Nach dem neuen Plan, ist man nur arm, wenn man täglich weniger als Rs 5,5 für Getreide, Rs 1,02 für Hülsenfrüchte, Rs 1,55 für essbares Öl, Rs 1,95 für Gemüse und 44 Paise für Früchte ausgibt. Man ist in diesem Land gut dran und nicht arm, wenn man in einer Stadt wie Delhi in einem Monat mehr als Rs 49,10 für seine Miete und mehr als Rs 61,30 für Kleidung ausgeben kann.

Wer kann von diesem Geldbetrag wirklich gut leben? Niemand! Sie wollen sagen, dass jemand, der mehr als 32 Rupien pro Tag verdient, nicht arm ist, aber die Wirklichkeit ist, dass er kaum genug zu Essen hat, geschweige denn Kleidung und medizinische Versorgung! Aber für die Regierung lebt er über der Armutsgrenze und so müssen sie sich um ihn keine Gedanken machen.

Ich habe versucht herauszufinden, wie viele Menschen in Indien unter der Armutsgrenze leben. Das Problem ist, dass es dafür keine klaren Zahlen gibt! Wenn man ‚Armut in Indien‘ nachschlägt, findet man mindestens fünf verschiedene Gremien, Berichte und Organisationen, die einem mit verschiedenen Kriterien auch unterschiedliche Zahlen nennen. Eine Einschätzung der Weltbank im Jahr 2005 besagt, dass 41,6% der Bevölkerung unter der internationalen Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag liegt, doch gleichzeitig erwähnt die Weltbank auch, dass geschätzte 80% weniger als 2 US-Dollar pro Tag verdienen. Das Tendulkar Committee schätzt 37% der Bevölkerung als arm ein, während das N. C. Saxena Committee eine Zahl von 50% erwähnt. Der Arjun Sengupta Bericht besagt, dass 77% der Bevölkerung von weniger als 20 Rupien pro Tag leben müssen, was im Augenblick ungefähr 0,40 US-Dollar sind. Das Einzige, was klar zu sein scheint ist, dass es alleine im Norden und Osten Indiens mehr arme Menschen gibt, als in den 26 ärmsten afrikanischen Nationen!

Die Regierung hat offiziell die Schätzung des Tendulkar Committees angenommen und somit leben 37% der Inder unter der Armutsgrenze. Das ist nicht überraschend, da es der Bericht mit den niedrigsten Zahlen ist und die Regierung offiziell denjenigen Unterstützung anbietet, die unter der Armutsgrenze leben. Wir sehen, dass diese Unterstützung in Wirklichkeit nie dort ankommt, wo sie eigentlich helfen soll, doch je weniger arme Menschen Indien offiziell hat, desto besser ist es für die Regierung! Es ist nur ein Spiel der Zahlen. Dieser Vorschlag, die Kriterien für die Armutsgrenze zu ändern wird also nur als das gesehen, was er ist: ein Weg, die offizielle Zahl der Menschen zu verringern die unter der Armutsgrenze leben. Niemand verdient mehr Geld als vorher, die Menschen kämpfen weiter darum, über die Runden zu kommen, aber plötzlich hat Indien eine Menge weniger arme Menschen.

Kann das so stimmen?

Indische Regierung rächt sich an berühmten Demonstranten – 9 Sep 11

Letzte Woche habe ich erzählt, dass das indische Parlament ‚Privilege Notices‘ an einige der Leute geschickt hat, die Anna Hazare unterstützt haben. Kiran Bedi war eine von ihnen und jetzt haben auch Prashant Bhushan und Arvind Kejriwal ihre erhalten. Dazu haben wir erfahren, dass Arvind Kejriwal auch eine Aufforderung der Einkommenssteuerzentrale erhalten hat, eine Zahlung zu machen, die schon seit einigen Jahren aussteht. Sieht das nicht so aus als würde sich die Regierung jetzt rächen? Und sieht es nicht so aus als würden sie da einen großen Fehler begehen?

Ich verstehe wirklich nicht, was die Regierung da macht, wenn das kein Racheakt ist. Das hat bereits mit ihren Handlungen gegen Baba Ramdev begonnen. Der Baba hat vielleicht nicht den schlauesten Weg gewählt, seinen eigenen Protest in Delhi anzufangen, aber nachdem sie ihn aus Delhi rausgeworfen hatten, begann die Regierung mit Ermittlungen und Nachforschungen gegen Ramdev, seine Firmen und seinen Helfer Balkrishna. Sie sollten diese ganzen Nachfragen und Nachforschungen sehr wohl anstellen, aber warum wurde das noch nie zuvor getan? Warum haben sie jetzt damit begonnen? Jahreland hat Baba Ramdev so gearbeitet, wie er es heute tut, aber nie wollte jemand etwas Genaueres wissen. Erst jetzt, als er für die Regierung unbequem geworden ist, wird die Regierung unbequem für ihn.

Warum hat Arvind Kejriwal die Benachrichtigung der Einkommenssteuerzentrale jetzt, zu diesem Zeitpunkt und nach so vielen Jahren bekommen? Ist das wirklich Zufall? Oder versucht die Regierung, ihre Macht zu zeigen und jeden abzuschrecken, der daran denken könnte, die Korruption der Regierung zu bekämpfen? Es sieht aus wie eine Strafe für die, die das getan haben und eine Warnung an die, die das gleiche tun könnten. Gleichzeitig sieht es aber auch aus wie eine Verzweiflungstat. Man sagt, dass Tiere angreifen, wenn sie in die Enge gedrängt werden und keinen anderen Ausweg sehen. Ist das die Situation?

Wenn ich ein Gespräch mit all diesen Parlamentsmitgliedern hätte, würde ich sie vor den Konsequenzen dessen warnen, was sie tun. Ihr habt euer Versagen gesehen, als ihr versucht habt, einen friedlichen Protest gewaltvoll zu beenden, indem ihr Anna Hazare festnehmt. Nur wenige Stunden später habt ihr einen Rückzieher gemacht, als ihr erkannt hatbt, dass das ganze Land gegen euch ist. Wenn ihr keine gute und einfache Möglichkeit seht, mit diesen Dingen umzugehen, werdet ihr gemein. Ist das die Botschaft, die ihr geben wollt? Wollt ihr jeden herausfordern, der kommen könnte und eine Meinung äußern könnte, die nicht zu eurer Meinung passt? Doch dann kommt wieder der Punkt, Anna Hazare sagt das Gleiche, wie kann es sein, dass er nicht auch so eine ‚Privilege Notice‘ bekommen hat? Im Parlament könnt ihr alles sagen, euch benehmen wie ihr wollt und dabei alle möglichen Menschen beleidigen, aber wer euch beleidigt, muss mit schrecklichen Konsequenzen rechnen?

Eine Regierung sollte das nicht tun. Es sieht nicht mehr so aus, als hätten wir eine Demokratie, es sieht aus, als würdet ihr all diejenigen unterdrücken, die auch nur irgendetwas gegen euch sagen! Wer sind eure Ratgeber und wer hatte die Idee diese Privilege Notices auszusenden? Ich sage euch, ihr könnt nicht gewinnen! Kiran Bedi hat bereits gesagt, dass sie sich nicht entschuldigen wird. Sie ist ganz begierig darauf, ins Parlament zu kommen und dort ihre Rede zu halten. Bitte ladet all diese Leute ein und belegt sie mit Gefängnisstrafen. Arvind Kejriwal und Kiran Bedi haben euch bereits gebeten, ihnen genau zu erklären, welche Sätze euch beleidigt haben. Sagt es ihnen und dann seht ihr was passiert: Millionen Menschen werden genau das sagen, was die Demonstranten gesagt haben und noch mehr. Sie werden euch dazu herausfordern, sie auch alle ins Gefängnis zu stecken. Wie viele von ihnen könnt ihr so bestrafen?

Indien ist jetzt wach und die Bevölkerung wird protestieren! Denkt nicht, dass die Allgemeinheit dumm ist! Sie vergessen nicht, die erinnern sich, sehen, was ihr macht und verstehen es. Sie werden euch spätestens bei den nächsten Wahlen eine Lektion erteilen.

Bitte verehrt Anna Hazare nicht als Gott – 5 Sep 11

Hier in Indien sehe ich mir manchmal die Nachrichten im Fernsehen an und lese täglich Zeitung. Während ich im Fernsehen nach Nachrichten suchte und durch die Kanäle zappte, hielt ich für eine Minute auf einem Kanal inne, auf dem ich sah, wie Anna Hazare auf einer Bühne saß und vor ihm mehrere Menschen waren, von denen einige eine Aarti durchführten. Aarti ist eine indische Zeremonie, bei der eine Götterstatue oder auch ein Fluss mit Feuer verehrt wird.

Als ich das sah, hatte ich ein sehr seltsames Gefühl. Ist Anna Hazare nun ein Gott geworden? Hat er die Leute gebeten, das zu tun? Ich sah mir die Szene genauer an und hatte eher den Eindruck, dass er nicht wirklich Interesse hatte und dass ihn das, was die Leute dort taten, eher störte. Warum verehren die Menschen eine Person, wenn diese Person noch nicht einmal verehrt werden will?

Ich habe das im Fernsehen gesehen, stieß aber später noch auf einen Artikel und erkannte, dass er noch nicht einmal anwesend sein musste, so dass die Leute das tun und damit verdienen sie sogar Geld! Am 1.September feierte Indien Ganesh Chaturthi, den Geburtstag des Gottes Ganesha. Indien ist ein religiöses Land mit einer Hindu Mehrheit, deswegen gibt es an diesem Tag immer große Feiern, viele Zeremonien und in vielen Städten gibt es Feste mit riesigen Zelten, die Pandals genannt werden. Dieses Mal sah man nicht nur Statuen und Bilder von Ganesha in den Zelten, sondern auch Bilder von Anna Hazare! Und natürlich haben sie T-Shirts mit Anna Hazares Bild verkauft und Mützen, wie er sie trägt.

Ich habe zuvor auch über die Flexibilität im Hinduismus geschrieben und hier kann man wieder einmal sehen, dass es ihnen nichts ausmacht, etwas neues dazuzunehmen und ihre Zeremonien etwas zu ändern. Priester und Organisatoren sind wie Agenten. Religion ist ihr Geschäft, diese Zelte sind ihre Läden und jetzt verkaufen die das Bild von Anna Hazare. Sie müssen etwas verkaufen und ein Einkommen haben, um leben zu können. Wenn sie Menschen in ihre Zelte bekommen, wenn sie Anna Hazare als Gott verkaufen, ist es für sie in Ordnung. Ich halte das für Menschenverehrung und falsch.

Ich weiß, dass viele Swamis und Gurus Menschenverehrung fördern, selbst wenn sie es nicht so deutlich sagen, wie ich. Aus genau diesem Grund war ich gegen eine von Baba Ramdevs politischen Ideen. Er wollte das politische System Indiens verändern. Im Moment hat das Parlament mehr Macht als der Präsident und er wollte dem Präsidenten mehr Macht verschaffen, ähnlich dem amerikanischen System. Ramdev versuchte auch, in der politischen Karriere höher zu stiegen und hätte vielleicht sogar versucht, Präsident zu werden. Stellt euch nun vor, er verändert das politische System in Indien und wird Präsident mit so viel Macht. Indien ist ein religiöses Land und viele Menschen haben viele Emotionen wenn es um ihre Religion oder ihren Guru geht. Wenn er auf diese Weise zum Präsidenten geworden wäre, würde er wie kein anderer in diesem Land verehrt!

Wir haben an Beispielen auf der ganzen Welt gesehen, dass Menschenverehrung nie gut ist und nicht akzeptiert werden darf. Hunderte von Namen können als Beispiele genannt werden, aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine und ich muss hier keine Namen nennen. Anna Hazare wurde bereits mit solchen Menschen gesehen, die die Menschenverehrung fördern und ich finde, er sollte da vorsichtig sein. Das kann sogar seine Kampagne schwächen, weil Menschenverehrung am Ende auch Korruption ist!

Versteht mich bitte nicht falsch, ich beschuldige Anna Hazare nicht für die Verehrung seiner Person, sondern die Öffentlichkeit und noch mehr als das die Geldgierigen religiösen Menschen, die aus seiner Berühmtheit noch Geld rausschlagen wollen. Macht das bitte nicht! Das ist nicht richtig und sicherlich nicht das, was er wollte. Er hat nicht gekämpft, um religiös verehrt zu werden! Lasst ihn Anna sein, macht ihn nicht zum Gott. Er ist ein netter Mensch, lasst ihn einfach nur Mensch sein. Verehrt ihn nicht. Er hat euch wachgerüttelt und auf einen guten Zweck aufmerksam gemacht, doch der Rest liegt an euch. Ich habe ihm einen Brief geschrieben und auch einen an den Premierminister, in denen ich deutlich sagte, dass er nur ein Symbol für den Kampf gegen Korruption ist. Ich habe sogar diejenigen gebeten, die gegen ihn waren, seinen Kampf zu unterstützen, weil es nicht um ihn ging, sondern um das Problem der Korruption. Es ist jetzt unsere Verantwortung, die Verantwortung von uns allen, Korruption weiter zu bekämpfen. Wenn man alles auf ihn ablädt und ein solches Schauspiel veranstaltet, geht der wahre Geist dieses Kampfes verloren!

Es ist großartig, dass die Medien diesen Kampf unterstützten, indem sie darüber berichteten. Ich danke ihnen dafür, dass sie Menschen regelmäßig Nachrichten der neuesten Entwicklung bringen, aber ich möchte auch sagen, dass ihr ihn nun bitte in Ruhe lassen könnt! Ihr müsst ihm nicht auf Schritt und Tritt folgen, als wäre er heilig. Ihr schafft den Eindruck einer heiligen Person, wenn ihr zeigt, wo er duscht, was er isst, was er tut und mehr! Er ist kein Guru! Ihr habt den guten Zweck sehr gut unterstützt, indem ihr Informationen herausgegeben habt, aber nun seid ihr dafür verantwortlich, ihm nicht dieses Bild zu geben. Ich habe diese Kampagne wegen dem Kampf gegen Korruption unterstützt, nicht, um ihn zum Gott zu machen.

Ist es Korruption, wenn Michelle Obama Urlaub macht? – 25 Aug 11

Heute ist der zehnte Tag von Anna Hazares Kampagne gegen Korruption in Indien. Er fastet immer noch und seine Gesundheit verschlechtert sich. Ärzte sagen, dass seine Nieren vom langen Hungern angegriffen sind. Sie empfehlen, ihn bald in ein Krankenhaus einzuweisen, wenn er seinen Hungerstreik nicht abbricht. Er ist jedoch immer noch voller Hoffnung und will nicht aufgeben. Es ist schön zu sehen, dass ein Richter ihn auch in seinem Kampf unterstützt und erzählt, wie viel Korruption es auch in der Rechtssprechung gibt. Die Regierung hat, nachdem sie in den letzten Tagen etwas weicher geworden ist und einige der Forderungen der Protestierenden angenommen hatte, eine Parlamentarsversammlung mit allen Parteien einberufen. In dieser Versammlung wollte kein Mitglied den Jan Lokpal Gesetzesentwurf von Anna Hazare annehmen. Das scheint ihren Rückhalt gestärkt zu haben und jetzt hören wir, dass die Verhandlungen wieder dort angelangt sind, wo sie angefangen haben.

Das ist eigentlich wirklich verständlich. Warum würde eine Partei, selbst die Oppositionspartei BJP das unterstützen? In der Öffentlichkeit haben sie vor Kurzem noch ihre Unterstützung für Anna Hazares Protest gezeigt, doch in dieser Versammlung der Parteien sagten sie, sie würden dem doch nicht zustimmen. Hazares Team bittet sie jetzt, klarzustellen, wen sie eigentlich unterstützen. Sie werden jedoch keinen Erlass von strengen anti-Korruptions-Gesetzen unterstützen. Auch in ihrer Partei gibt es viele Politiker, die bereits der Korruption angeklagt sind. Man findet keine Partei, in der es keine Korruption gibt!

In dieser Stimmung sah ich zufällig noch eine andere Neuigkeit online, über jemanden, der angeblich das Geld von Steuerzahlern für eigenen Spaß und eigenen Urlaub verwendet: Michelle Obama, die First Lady der USA. Als ich diese Schlagzeile las, war ich überrascht, weil ich nicht erwartet hatte, dass so etwas auch in den USA geschieht. Ich las daraufhin den ganzen Artikel und sah, dass der Autor sehr vorsichtig damit ist, zu sagen, dass sie wirklich öffentliche Gelder für private Zwecke verwendet, dafür aber viel über die Dinge schreibt, die eine Regierung dem Präsidenten und seiner Familie ganz natürlich zahlt. Es werden Flugzeuge der Regierung erwähnt, extra Personal, das auch in dem Hotel unterkommt, in dem sie wohnen und natürlich über das Geld, das für die Sicherheit ihrer Familie ausgegeben wird – Bodyguards, ein höheres Polizei-Aufgebot und einfach überall die Bereitschaft falls irgendetwas passiert.

Als ich das las, musste ich nachdenken: ist das auch Korruption? Können wir Michelle Obama wirklich für die Sicherheit, die sie bekommt beschuldigen? Natürlich bekommt sie mehr Sicherheit, sie ist die Frau des Präsidenten! Wenn sie in der Economy Class von United Airlines fliegt, in einem billigen Bed and Breakfast übernachtet oder ohne Bodyguards auf der Straße spazieren geht, stellt das ein Sicherheitsrisiko dar! Nicht nur für sie, sondern auch für die Sicherheit ihrer Kinder! Sie könnte entführt werden und jemand könnte den Präsidenten erpressen! Und so könnte das auch dem Land gefährlich werden! Sollten ihre Kinder und sie etwa nicht in den Urlaub fahren dürfen, weil ihre Sicherheit zu viel kostet? Wäre das nicht eine Strafe für die ganze Familie?

Natürlich glaube ich, dass die Rechnung für ihre Einkäufe oder das Hotel und ihr Frühstück privat bezahlt werden sollte. Ich bin mir aber sicher, dass das Gehalt von Mr. Obama hoch genug ist, um das zu decken und der Artikel gibt ja auch zu, dass sie ihr eigenes Geld für ihre Freizeitaktivitäten ausgeben. Es ist nicht die Schuld eines Politikers oder seiner Familie, dass sie mehr Sicherheit brauchen, wenn sie ausgehen. Es ist normal, dass diese Sicherheit von öffentlichen Geldern gezahlt wird, schließlich will die Öffentlichkeit ja auch, dass dieser Politiker in der Zukunft noch für das Land denkt und arbeitet.

Das ist also in meinen Augen keine Korruption und ich glaube, der Autor des Artikels weiß das auch. Natürlich gibt es Politiker, die das übertreiben und dann gibt es jedoch auch so viele, die ganz offen Steuergelder für ihre privaten Ausgaben verwenden. Wir sehen in Indien, wie das funktioniert und das ist ganz deutlich etwas anderes, als das, was Michelle Obama macht. Ich denke nicht, dass es in Amerika möglich ist, auf die Ebene von Korruption zu kommen, die wir in Indien haben. Es ist traurig zu sehen, dass es in Indien anscheinend immer noch nicht genug Bewusstsein gibt und zu viel Anstrengungen dafür, den Kampf gegen Korruption zu schwähcen. Wir können diejenigen, die korrupt sind, nicht davon überzeugen, sich selbst ins Gefängnis zu bringen. Trotzdem müssen wir weiter hoffen und jede mögliche Anstrengung zu dieser Veränderung hin unternehmen!