In Indien solltest du Pläne nur nach ‘Indian Standard Time’ schmieden! – 16 Feb 16

In den letzten Tagen und Wochen kamen und gingen viele Leute und es gab viele Gespräche über Vergleiche von Indien mit anderen Ländern und Kulturen. Natürlich wird Ramona oft gefragt, was sie an Indien mag oder ob sie irgendetwas schwierig fand, als sie herkam. Natürlich erwähnte sie immer eine Sache: das Konzept der ‚Indian Standard Time‘, die sich von der deutschen Pünktlichkeit sehr unterscheidet! Was sie dann natürlich oft aus der Bahn warf!

Es ist wirklich wahr – obwohl das zumeist zu Beginn ihrer Zeit hier in Indien geschah. Das ist ja auch logisch: in Deutschland ist es normal, einen recht eindeutigen Plan davon zu haben, was man in den nächsten Tagen machen möchte. Man plant sogar mehrere Wochen im Voraus! Es ist ganz normal, dass jemand weiß, wo er nächsten Freitag sein wird. Oder ob er am Samstag den Fünften Zeit hat. Oder ob er sich am nächsten Tag um drei mit dir treffen kann. Wenn man einen Termin für ein Treffen ausmacht, wenn man eine Zeit mit ihnen festmacht, um etwas zusammen zu unternehmen, dann machen sie sich im Kopf eine Notiz und schreiben es sich wahrscheinlich etwas später auch auf. Dann sind sie rechtzeitig da. Wenn sie nicht können, rufen sie dich an, schreiben dir oder benachrichtigen dich irgendwie anders.

In Indien ist das anders. Hier kann man nicht planen. Nein, das stimmt nicht, planen kann man schon – aber es gibt keine Garantie dafür, dass deine Pläne auch so klappen, wie sie sollten! Als Deutscher – oder jemand einer anderen Nationalität, die Pläne und Pünktlichkeit ernst nimmt – macht man sich im Kopf diese Notiz und macht seinen Plan fest. Man kann jedoch nicht darauf vertrauen, dass der Inder da das Gleiche macht!

Wenn man mit jemandem Pläne schmiedet, kann es sehr gut sein, dass der andere diese nicht wirklich ernst nimmt. Wenn man also sagt ‚Wir sollten uns am Wochenende treffen‘ und du meinst, dass damit der Plan fest steht, kannst du später merken, dass der andere das nur aus Höflichkeit gesagt hat oder weil es sich in dem Augenblick schön anhörte! Er oder sie dachte vielleicht nie ernsthaft, dass ihr euch wirklich treffen würdet!

Oder du hast jemanden für eine Dienstleistung herbestellt, zum Beispiel einen Elektriker oder einen Bankangestellten. Der Termin ist um 11 Uhr früh. Du bist bereit und wartest um 11 Uhr – aber niemand kommt! Du rufst an und die Antwort kann sein ‘Ich bin auf dem Weg!’ doch dann wartest du noch zwei weitere Stunden! Schließlich kann es sehr gut geschehen, dass der andere bis zum nächsten Tag nicht auftaucht! Vielleicht bekommst du einen Anruf mit dieser Information, vielleicht aber auch nicht!

Es kann auch geschehen, dass eine Gruppe von vier Leuten zusammen etwas plante und du alles dafür vorbereitet hast. Du bist fertig loszugehen, wenn plötzlich alle ins Gespräch kommen und beschließen, etwas ganz anderes zu tun! Alle deine Vorbereitungen waren für nichts – oder wurden zumindest auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.

Du kannst dich verrückt machen lassen – oder dich zurücklehnen und entspannen. Du kannst das Drosseln der Geschwindigkeit akzeptieren und auch die Tatsache, dass du immer einen Plan B brauchst. Daher kommt es, dass Ramona unseren Gästen immer sagt: wenn ihr in Indien seid, entspannt euch und lasst die Dinge auf euch zukommen – sie hat gelernt, genau das zu tun!

Wir haben weiterhin Spaß in Deutschland – 29 Nov 15

Eine weitere Woche hier in Deutschland ist vorüber und wir hatten wieder so viele tolle Erlebnisse, dass es schwierig ist, sie alle in einem Blogeintrag zu erwähnen! Ich werde es trotzdem versuchen:

Ich habe euch bereits von dem Schneesturm erzählt, den wir letzten Sonntag in Hamburg erlebt haben. Nach diesem schönen Tag machten wir am Montag einen weiteren Ausflug, aber nicht nach Hamburg, sondern in die Innenstadt Lüneburgs, zum Thermalbad! Während wir schon in Freibädern waren, war es für Apra und auch mich das erste Mal in einem Hallenbad und ich muss sagen, es war ein tolles Erlebnis! Es gab viele verschiedene Becken, eines mit Wellen, Whirlpools, einen Baby-Pool und ein Kleinkinderbecken, eines mit salzigem Thermalwasser und sogar ein Außenbecken! Nachdem Apra sich ein bisschen mit der Idee angefreundet hatte, auch in Wasser zu gehen, das nicht nur knietief war, bekamen wir sie auch dazu, mit uns zu rutschen, in den Whirlpool zu gehen und auf unseren Rücken mit zu schwimmen. Wir hatten unglaublich viel Spaß!

Außerdem füllten wir unsere Zeit in Lüneburg mit viel Freude! Andrea ging mit uns zum Spielplatz und zum Einkaufen, was für Apra hier immer ein Abenteuer ist, und wir hatten mehrere Freunde zu Besuch! Wir kochten eine leckere Mahlzeit und hatten einen schönen Abend miteinander!

Am Mittwoch, unserem letzten Tag in Lüneburg gab es ein weiteres Highlight der Woche: wir gingen auf den Weihnachtsmarkt in Lüneburg. Noch etwas, was Apra zum ersten Mal in ihrem Leben sah – und etwas, was ich immer sehr schön finde. Die Leute haben gute Laune, es gibt Süßes, Kinder können Karussell fahren und es gibt schöne Musik. Apra, die ein Buch über einen Maskenball gelesen hatte, ging mit ihrer Feen-Prinzessinnen-Maske auf dem Kopf auf das Karussell und den kleinen Zug, aß ein Lebkuchenherz und trank mit uns eine heiße Schokolade!

Am Donnerstag verabschiedeten wir uns von Michael und Andrea und stiegen in einen Zug Richtung Süden, nach Augsburg, wo Ramonas Großeltern leben! Mit dieser Fahrt quer durch ganz Deutschland feierten Ramona und ich unseren 5. Deutschen Hochzeitstag! Vor fünf Jahren waren wir alle in Wiesbaden mit Freunden zusammengekommen, um ein Stück Papier zu unterschreiben – die Zeit geht so schnell vorbei!

Vorgestern fuhren wir nach München, nicht nur um in ein richtig schönes Museum mit vielen Ausstellungen für Kinder zu gehen, sondern hauptsächlich, um noch mehr von Ramonas Familienmitgliedern zu besuchen, einschließlich dem Sohn Ihres Cousins, der nun bald seinen dritten Geburtstag hat! Für uns alle ein fröhliches Wiedersehen, bei dem Apra sich vor allem über den Austausch von Geschenken freute – und über einen Kreisel, mit dem bereits Ramona und ihre Cousins gespielt hatten.

Zurück daheim, wachten wir gestern in einem Winterlandschaft voller Schnee auf! Es schneite den ganzen Morgen lang und so nahmen wir die Möglichkeit wahr, das zu tun, was wir vor einer Woche im Schnee nicht gemacht hatten: Ramona, ihr Vater und Apra bauten einen Schneemann! Vollständig mit Karottennase!

Am Nachmittag versuchte Apra ihr Glück beim Eislaufen! Gleich vor dem Haus hier gibt es ein künstliches Eisfeld, wo man Schlittschuhe leihen kann – und ich muss sagen, wenn Apra jeden Tag zum Üben kommen könnte, würde sie bald wie ein Profi Schlittschuh laufen!

Schließlich gingen wir noch mit Apras deutscher Großmutter, Großvater und Tante zum Augburger Weihnachtsmarkt. In der ganzen Stadt waren Kerzen aufgestellt, was eine herrlich besinnliche Stimmung schuf. Um sechs Uhr kamen alle vor dem Rathaus zusammen und blickten in Richtung Rathaus, um zu sehen, wie Kinder und Jugendliche als Engel verkleidet und mit Harfen, Flöten und einer Orgel an die Fenster und auf den Balkon kamen. Sie spielten und sangen ganz himmlisch – aber Apra hatte nur eine Frage: warum fliegen die denn nicht?

Mal sehen, was wir heute machen werden – morgen werden wir wieder nach Wiesbaden zurückfahren, also wird es wohl ein Tag in der Familie werden. Wir haben gerade dieen allerschönsten Urlaub, den man sich vorstellen kann und zeigen unserem kleinen Mädchen Deutschland!

Apra genießt den ersten Schnee ihres Lebens in Deutschland – 23 Nov 15

Gestern habe ich euch geschrieben, als wir gerade kurz davor waren, auf unseren Ausflug nach Hamburg zu starten – und wir hatten wirklich die allerschönste Zeit! Wie das? Apra hat zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee gesehen und in der Hand gehabt!

Als wir in Lüneburg losfuhren, fielen einige winzige Schneeflocken vom Himmel. Es war noch nicht einmal genug, um es wirklich Schnee zu nennen und wir waren ziemlich sicher, dass das alles war, was wir bekommen würden, da die Wettervorhersage keinen Schnee angezeigt hatte. Wir hatten geplant, in eine Gegend Hamburgs zu gehen, in der uns Michael eine schöne Aussicht zeigen wollte, nämlich an der Elbchaussee, am Ufer der Elbe.

Doch bereits auf der Autobahn wussten wir, dass es leicht schwierig werden würde, eine gute Aussicht zu bekommen: je weiter wir kamen, desto größter wurden die Schneeflocken und desto enger fielen sie. Als wir schließlich in Hamburg ankamen, sahen wir überall um uns herum weißen Schnee!

Statt jedoch enttäuscht zu sein, dass wir nicht die erwartete Sicht hatten, waren wir euphorisch, aufgeregt und darauf aus, aus dem Auto zu kommen und in diese weiße Winterwelt draußen einzutauchen! Für Apra war es der erste Schnee ihres Lebens und während wir ihr davon erzählt hatten und ihr sogar Videos gezeigt hatten, war echter Schnee doch noch eine ganz andere Sache! Sie war beim Blick aus dem Fenster fasziniert und als wir ausstiegen, war es zuerst einmal zu kalt und nass, um das wirklich zu genießen – doch sobald es etwas weniger stark schneite, liebte sie es!

Wir machten eine Pause in einer ‚Almhütte‘ in bayerischem Stil, wo Ramona sich mit bayerischen Liedern, Kellnern in Lederhosen und süddeutschen Spezialitäten gleich wie daheim fühlte. 🙂

Als wir rauskamen, machten wir noch eine Schneeballschlacht – oder versuchten es zumindest. Apra spürte den Schnee in den Händen, mit und ohne Handschuhe, und genoss das Gefühl, zögerte aber mit dem Werfen, weil sie wusste, dass dann auch jemand zurückwerfen würde! Und schließlich hatten wir noch eine schöne Aussicht auf eine noch schönere Landschaft, da nun alles von weißem Schnee bedeckt war!

Wir sind so richtig gründlich glücklich! Als wir diese Reise buchten, hatten wir die Idee, dass wir vielleicht Schnee bekommen würden und wünschten uns das auch, da wir Apra dieses Erlebnis machen lassen wollten. Als wir jedoch hier ankamen, war es 20 Grad Celsius und mehr, weswegen wir schon dachten, wir müssten bis in die Alpen fahren, um dort Schnee zu finden! Jetzt hatten wir bereits Schnee, Apra hat ihn gespürt und sie kann allem Ashram davon erzählen!

Deutsche Abenteuer mit Freunden – und natürlich mit Apra! – 22 Nov 15

Es ist Sonntag und damit Zeit, euch zu erzählen, was in meinem Leben alles los ist – und natürlich gibt es jede Menge zu erzählen! Wir haben unsere Reise mit Apra durch Deutschland fortgesetzt und genießen unseren kleinen Urlaub sehr!

Letzte Woche sind wir in Wiesbaden angekommen und nach einem aufregenden Wochenende begann die Woche mit mehr Aktivitäten, die wir bereits in Indien geplant hatten! Am Montag besuchten wir Peter und Heike, die vor nur einigen Wochen bereits im Ashram gewesen waren. Es war ein schöner Besuch, etwas draußen auf dem Land. Wir kochten und aßen zusammen und Apra hatte viel Spaß beim Spielen mit der Katze – die überhaupt nicht scheu ist und sich die ganze Zeit von ihr streicheln ließ! Nur einmal rannte sie davon, als Apra so aufgeregt war, dass sie aus Versehen stolperte und sich an dem Stuhl festhielt, auf dem die Katze war, was diese natürlich dazu veranlasste, vor Schreck davonzuspringen!

Am Dienstag besuchten wir einen Kindergarten, in dem Thomas einmal gearbeitet hat. Für uns war es interessant zu sehen, wie sie dort arbeiteten, während Apra mit Freuden mit den anderen Kindern umherrannte, hüpfte und spielte.

Schließlich verließen wir am Mittwoch Wiesbaden und stiegen in einen Zug nach Erkelenz. Oh, was für eine Freude! Wir waren auch letztes Jahr in Deutschland mit dem Zug gefahren, aber jetzt, ein Jahr später, ist es wie ein neues Erlebnis für Apra. Sie hat eine ‚Kinderfahrkarte‘ vom Kontrolleur bekommen, Farbenstifte und einen kleinen Spielzeugzug und sie stellte sicher, dass wir von allem Bilder und Videos machten, so dass sie sie ihren Ashram-Brüdern zeigen konnte.

In Erkelenz verbrachten wir eine schöne Zeit mit unseren langjährigen Freunden Sonja und Peter, während Apra ihre zwei schüchternen Katzen durchs Haus jagte! Die Zeit bei ihnen war jedoch kurz, da wir gleich am nächsten Tag nach Lüneburg losfuhren.

Nach Lüneburg zu kommen ist immer herrlich! Zeit mit meinem ältesten deutschen Freund Michael und natürlich seiner Frau Andrea, Erinnerungen an alte Tage und Abenteuer, Pläne für neue und Austausch, was sich so getan hat. Und da wir mehrere Freunde hier oben im Norden haben, waren wir auch am Freitag und Samstag bereits mit den ersten Besuchern beschäftigt! Eine alte Schulfreundin von Ramona und auch Freunde, die im März im Ashram waren, kamen, um uns zu treffen und eine Mahlzeit mit uns zu teilen!

Apra kennt Michael und Andrea bereits und wurde ihre anfängliche Schüchternheit schnell los! Sie erforscht das ganze Haus und führt mit ihnen lange Unterhaltungen über ihre verschiedensten Entdeckungen! Es gibt viele neue Dinge für sie: die Geschirrspülmaschine, Supermärkte mit riesigen Regalen mit einem riesigen Angebot von Dingen, die man kaufen kann, Kerzen auf dem Abendessens-Tisch und Lautsprecher im ganzen Haus, mit denen man überall im Haus Musik hören kann.

Wir freuen uns so, dass wir beschlossen haben, diese Reise noch dieses Jahr zu machen und trotz der Kälte, die man im November in Deutschland kaum vermeiden kann, zu kommen! Wir haben eine tolle Zeit und Apra genauso – was der Hauptgrund dafür war, warum wir das so unbedingt wollten!

Jetzt starten wir gleich auf unseren Ausflug nach Hamburg, wo wir heute einige Stunden verbringen wollen. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Vorbereitungen für unsere Deutschland-Reise – 12 Nov 15

Nach der schönen gestrigen Diwali-Feier, ist der heutige Tag voll mit Vorbereitung der anderen Art: Ramona, Apra und ich fliegen morgen nach Deutschland! Wir müssen früh los für unseren Flug am Mittag und deswegen wollen wir heute alles schon erledigt haben!

Naja, so viel wie eben möglich. Ramona hatte einen recht ehrgeizigen Plan, was sie alles vorher noch fertig machen wollte, aber mit all den Dingen, die in der Zwischenzeit passiert sind, hat sie es kaum geschafft, überhaupt damit anzufangen. Was wir jedoch geschafft haben, ist unsere Koffer mit warmer Kleidung für das kalte deutsche Wetter zu füllen!

Und natürlich hat Apra auch ihren eigenen Koffer gepackt! Sie ist diejenige, die sich am meisten freut! Viele Tage lang hat sie jeden Morgen mit der Frage begonnen: ‚Wann fliegen wir nach Deutschland?‘ und den ganzen Tag lang hat sie dann immer wieder die Reise erwähnt. Während der Mittagessen hat sie den Ashram-Kindern erzählt, dass wir in Deutschland statt dem Roti, das wir hier essen, Brot essen. Sie schaute regelmäßig durch ihre Spielsachen, um zu entscheiden, welche sie mitnehmen sollte. Alle neuen Klamotten durften nicht angezogen werden, weil wir sie für Deutschland gekauft hatten. Und natürlich gibt es große Pläne zu all den Dingen, die wir dort erleben werden!

Über die vergangenen zwei Tage war Apra ein bisschen erschöpft, erkältet und hat viel gehustet. Sie hatte gestern Fieber, aber heute scheint es ihr schon viel besser zu gehen. Ramona und ich freute das natürlich sehr – wir haben bereits die Erfahrung einer Reise mit fiebrigem Kind gemacht und das steht sicher nicht weit oben auf meiner Liste der Dinge, die ich unbedingt nochmal machen muss!

Da es ihr jedoch besser geht, sind wir zuversichtlich, dass sie den Flug morgen voll genießen kann. Es ist ja auch ein Flug am Tag, also wird sie die ganzen neuen Einzelheiten in ihrer Umgebung aufsaugen können!

Dabei belasse ich es jetzt und ihr hört wieder von mir, wenn wir Deutschland gut erreicht haben.

Feiern – ein Spiegel der östlichen und westlichen Kultur – 23 Okt 14

Am letzten Schultag vor den Diwali-Ferien haben die Lehrer bei einer kleinen Diwali-Feier einige Süßigkeiten miteinander geteilt. Bei dieser Gelegenheit fragte Ramona sie, wie Diwali bei ihnen daheim gefeiert wurde. Sie baten sie im Gegenzug, ein bisschen von den Feiern in ihrem Land zu erzählen. Ramona war ein bisschen ratlos, was sie erzählen sollte.

Natürlich erzählte sie von Weihnachten, aber sie wollten noch mehr wissen. Eine von ihnen erwähnte den Karfreitag, da dieser auch in Indien ein Feiertag ist. Naja, Ramona erklärte ihnen, dass es am Osterwochenende schon Feierlichkeiten gab – aber bereits, als sie das Wort ‚Feierlichkeiten‘ sagte, wusste sie, dass sie sich mehr darunter vorstellen würden, als es wirklich war.

Religiöse Menschen gehen an religiösen Feiertagen in die Kirche. Ein großer Teil der Leute geht jedoch nur an Weihnachten, was also machen sie an anderen Feiertagen? Ostern ist toll für Kinder, die in Haus und Garten Schokolade und Ostereier suchen. Ansonsten gibt es da nicht so viel zu erzählen!

Es ist wahr, es gibt Feiertage und das ganze Land hat frei, aber niemand führt zum Beispiel am Karfreitag eine große Zeremonie durch! Natürlich gehen im Fasching die, die Fasching mögen auf eine Party. Die vier Adventswochen vor Weihnachten sind festlich, weil man Weihnachtseinkäufe macht und überall alles dekoriert ist. Doch an vielen Feiertagen genießt der Durchschnittsmensch einfach nur seinen freien Tag! Religion ist vielen nicht sehr wichtig und deshalb sind auch die religiösen Feiertage nicht so wichtig.

Hier in Indien gibt es an jedem Feiertage große Feiern! Und es gibt auch noch jede Menge davon! Es werden die Geburtstage aller größerer Gottheiten gefeiert, die Geburtstage verschiedener Heiliger, einige Vollmondtage und einige Neumondtage. Und für jeden Anlass gibt es eine Pooja, eine Zeremonie. Manchmal zündet man eine Kerze an an und bemalt Gottheiten mit Sandelholz-Paste, manchmal bietet man ihnen Essen an, an manchen Tagen laufen Frauen um einen Baum und an anderen gibt man Jungfrauen etwas zu essen. Es gibt Hunderte verschiedene Gründe zu fasten und auch wenn Inder ihrer Toten gedenken, gehört da mehr dazu, als nur still eine Kerze anzuzünden.

Alles in allem ist es ein Spiegel des indischen und deutschen Charakters! Die farbige, lebensfrohe und manchmal übermäßig ausdrucksstarke Art des Inders zeigt sich in den üppigen, ritualisierten Feiern an Festtagen mit all den Einzelheiten und Geschichten drum herum. Genauso drückt dich die organisierte, saubere und manchmal etwas zu nüchterne Art der Deutschen in der einfachen Art aus, auf die sie ihre Festtage begehen, oft mit kleinen Familientraditionen, die es zu einem schönen, privaten Tag machen.

Es ist schwierig, den großen Unterschied dieser zwei Kulturen in Worte zu fassen – es ist etwas, das man erleben muss. Hier im Ashram leben wir alle in einer Verbindung dieser zwei Kulturen und sind noch dazu überhaupt nicht religiös. So kommt es, dass wir unsere Feiern auf schöne, unreligiöse Weise begehen.

Heute ist Diwali und während wir uns jetzt fertig machen, die Öllampen aufzustellen und dann unsere Bäuche mit leckeren Süßigkeiten zu füllen, kannst du uns mental begleiten – und Diwali mit uns genießen!

Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Diwali!

Wie Apra uns mit ihrem Deutsch überrascht hat – 9 Jun 14

Wir sind nun schon etwa drei Wochen in Deutschland und haben natürlich bereits jede Menge unterschiedliche Eindrücke gemacht! Ich dachte, ihr würdet vielleicht gerne ein bisschen hören, was wir bis jetzt so erlebt haben.

Zunächst einmal das, mit dem jeder seine Unterhaltungen beginnt: das Wetter! Als wir ankamen, waren es 7 Grad Celsius in Frankfurt. Wir holten noch unsere Socken und Jacken aus dem Koffer, bevor wir heimgingen, so dass wir im Auto nicht frieren würden. Gestern fuhren wir bei 37 Grad Celsius von einem Programm nach Hause! Dazwischen hatten wir herrliche Sonnentage und einige Tage mit Regen, Wolken und sehr kaltem Wind. Es ist Deutschland – verrücktes Wetter überrascht uns nicht mehr!

Nach einigen Tagen in Wiesbaden fuhren wir los in den Süden, wo wir unser erstes Programm in Diessen am Ammersee hatten, einem schönen bayerischen See mit fantastischer Aussicht auf die Alpen. Danach verbrachten wir etwas Zeit bei Ramonas Familie in München und Augsburg. Nach toller Zeit mit ihnen kamen wir zurück nach Wiesbaden, nur um das vergangene Wochenende 150 Kilometer weiter im Südwesten, im Saarland zu verbringen. Wir sind also schon ein gutes Stück weit gereist und heute Abend reisen wir noch weiter: am Abend geht unser Flieger nach Spanien, nach Gran Canaria.

Auf unserer Tour haben wir bereit viele Freunde und Familienmitglieder getroffen und es ist herrlich, sich wieder mit all ihnen persönlich zu treffen, statt nur über das Internet oder per Telefon! Wir haben gelacht, gekocht und die Zeit genossen und natürlich waren alle gespannt zu sehen, wie viel Apra gewachsen war und wie viel sie gelernt hat, seit sie sie das letzte Mal gesehen haben.

Das tollste ist, dass sich ihr Deutsch einfach wahnsinnig verbessert hat! Ramona spricht immer deutsch mit ihr, also wussten wir, dass sie alles versteht, obwohl sie selbst nicht oft Deutsch gesprochen hat. Sie redete den ganzen Tag lang, aber meistens auf Hindi. In der ersten Woche jedoch hat sie nicht nur deutsche Freunde getroffen, sondern auch mit mehreren deutschen Kindern gespielt und plötzlich quasselte sie mit allen auf Deutsch!

Apra spricht so gut, dass ich bereits jede Menge neue Wörter von ihr gelernt habe und Ramona oft nach der Bedeutung von dem einen oder anderen Wort fragen muss. Doch selbst Ramona ist oft überrascht – ‚Wo hat sie denn diese Wort gehört?‘ ist eine Frage, die ich dieser Tage oft zu hören bekomme!

Wir glauben, dass die Art und Weise, wie Apra in der Ashram-Umgebung lebt, ihr einen enormen Vorteil beim Reisen mit uns gegeben hat: sie ist es so gewöhnt, neue Gesichter zu sehen, dass sie an neuen Orten recht gut mit den anderen Leuten um sie herum klarkommt. Während sie zu Beginn natürlich schüchtern ist, dauert es normalerweise nur eine oder zwei Stunden, bis sie sich fröhlich einem Freund, für sie eine unbekannte Person, außer der Tatsache, dass es ein ‚Freund von Ma und Pa‘ ist, anschließt auf einen Ausflug zum Spielplatz oder zum Einkaufen. Natürlich hilft es, wenn diese Person zufällig einen Hund dabeihat!

Wir sind gespannt, was uns auf Gran Canaria erwartet. Auch dort wird uns unsere Freundin Betty willkommen heißen und zusammen machen wir dann in den nächsten drei Wochen Programm. Wir freuen uns schon – natürlich auf die Arbeit, aber auch darauf, Apra beim Spielen mit Sand und Wellen zuzusehen!

Morgen werde ich euch von unserer Reise sowie unseren ersten Eindrücken berichten!

Warum das Wahlsystem Deutschlands fairer und demokratischer ist als das indische – 21 Mai 14

Wahrscheinlich wisst ihr bereits, dass wir vor kurzem in Indien Wahlen hatten. Indien ist das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt und ist die größte Demokratie dieser Erde. So kommt es, dass es fünf Wochen dauerte, bis das ganze Land durch die Wahlen war. Ich werde hier nun nicht die Ergebnisse diskutieren, da ich meinen Blog auf keine Weise politisch gestalten möchte. Ich will nicht über die verschiedenen Parteien schreiben und obwohl ich vielleicht eines Tages über die Entscheidungen der Regierung schreiben werde, möchte ich nun nicht weiter auf das Ergebnis eingehen. Stattdessen möchte ich einen Artikel über das Wahlsystem schreiben!

In Indien regiert nun die Party, die 31% der Stimmen der indischen Wähler bekommen hat, mit einer Mehrheit der Sitze im Parlament. Das bedeutet, dass 69% der Menschen diese Party abgelehnt haben. Das kann geschehen, weil wir in Indien für einen örtlichen Kandidaten stimmen. Wer auch immer lokal die höhere Anzahl an Stimmen bekommt, geht ins Parlament – und die restlichen Stimmen gehen verloren. Der Kandidat kann mit einer Stimme gewinnen oder haushoch, das Ergebnis ist, dass seine Party einen weiteren Sitz im Parlament hat. Auf diese Weise wollen also 69% der Wähler nicht, dass diese Party an die Macht kommt, aber wegen unseres Systems hat diese Party eine Mehrheit bekommen, die es ihr einfach macht zu regieren – irgendwie erscheint einem das doch nicht wirklich demokratisch.


Indiens Bevölkerung

1 270 000 000 (2014)

Wahlbeteiligung


815 000 000(2014)

Partei


Wahlstimmen


Sitze

BJP


17,16,57,549


282

Congress


10,69,38,242


44

BSP


2,29,46,182


0

TMC


2,12,59,681


34

SP


1,86,72,916


5

AIADMK


1,81,15,825


37

CPM


1,79,86,773


9

TDP


1,40,94,545


16

AAP


1,13,25,635


4


Als ich das meinen deutschen Freunden erzählte, erklärten sie mir, dass das im deutschen Wahlsystem nie passieren könnte. Ich fragte warum nicht und Iris nahm sich etwas Zeit, es mir zu erklären. Sie erzählte, dass es vielleicht etwas kompliziert ist, dass es dafür viel fairer ist. Dass es sogar eines der fairsten Systeme der Welt ist – und da muss ich zustimmen!

Während wir in Indien nur ein Kreuz auf unserem Wahlzettel machen, machen die Deutschen zwei. Sie können zuerst einfach für eine der teilnehmenden Parteien stimmen, eine wählen, deren Parteiprogramm ihnen gefällt. Danach machen sie ein Kreuz bei einem der örtlichen Kandidaten ihrer Gegend. Dieser Kandidat zieht, wenn er gewinnt, in den Bundestag ein. Auf diese Weise wählen sie eine Person aus ihrem Umkreis, selbst wenn die Person nicht von der Partei ist, die sie mit ihrer ersten Stimme gewählte haben.

Wenn die Stimmen ausgezählt sind, zeigt die erste Stimme an, wie viele Prozent der fast 600 Sitze des deutschen Bundestages an welche Partei gehen.

Gleichzeitig geht jeder Kandidat, der in seinem Wahlgebiet gewinnt, in den Bundestag. Das passiert durch die zweite Stimme.

Wenn also eine Partei 30 Prozent der Stimmen bekommt, haben sie 30% der Sitze im Parlament. Diese Sitze werden mit den Kandidaten aufgefüllt, die in ihrem Gebiet örtlich gewonnen haben. Wenn nicht so viele Kandidaten dieser Partei gewonnen haben, füllen sie die Sitze mit anderen Parteimitgliedern nach einer Wahlliste auf, die sie bereits zuvor veröffentlicht hatten. Da wird dann auf eine Weise gerechnet, dass eine faire Anzahl Kandidaten eines jeden deutschen Bundesstaates im Bundestag ist.

Jetzt ist die große Frage: was passiert, wenn eine Party mehr Kandidaten hat, die örtlich gewonnen haben, als sie nach der Erststimme aller Wähler Sitze haben? Dann gibt es die ‚Überhangmandate‘. Diese Kandidaten gehen in den Bundestag, aber weil sie gehen, bekommen auch die anderen Parteien extra Sitze, so dass die Prozentzahl der Parteien zueinander immer noch gleich bleibt, so wie es mit der Erststimme gewählt wurde. Auf diese Weise kann das Parlament wachsen – aber die Prozentzahl bleibt gleich.

Die örtlichen Gewinner sind alle im Parlament. Jede Stimme wird gezählt und die Prozentzahl der Sitze, die jede Partei in der Regierung hat, ist trotzdem garantiert.

Ich halte das für fair. Ich glaube, es ist fairer als das indische System. Demokratischer, mehr das, was sie Menschen wirklich wollen.

Ein Beispiel wie interkulturelle Paare den Mittelweg finden – 16 Oct 13

Gestern habe ich euch erklärt, dass es kulturelle Unterschiede gibt, die es nicht jedem erlauben, dich auf jede Weise zu verändern – es mag sein, dass es für eine Person einer Kultur einfach nicht möglich ist, etwas zu tun, was eine Person einer anderen Kultur als einfach empfindet. Ich kann euch aus eigener Erfahrung berichten, dass die beste Möglichkeit, das hautnah zu erfahren, eine Heirat mit jemandem aus einer anderen Kultur ist. Irgendwann findet man heraus, was man kann und was man eben nicht kann und dass sein Partner ganz andere Grenzen hat. Die Lösung ist, sich in der Mitte zu treffen!

Als Beispiel können wir die Planung im Voraus hernehmen. Im Westen ist es ein allgemein bekannter Rat, man solle etwas mehr ‚mit dem Fluss‘ gehen, anstatt zu viel zu planen. Im Osten, oder zumindest in Indien, sollten die Leute eher lernen, etwas mehr zu planen. Die Frage ist jedoch, ob die Menschen diesen Rat auch wirklich anwenden können?

Meine Frau und ich stellen uns dieser Frage auch. Sie, eine Deutsche, ist es gewöhnt, alles im Voraus zu planen. Es ist ihre deutsche Erziehung, ihre Kultur und ihr Hintergrund. Ich jedoch plane normalerweise überhaupt nicht. Ich lebe und richte mich nachdem, was eben als nächstes kommt. Ich spreche hier nicht von großen Themen wie der Urlaubsplanung, sondern eher vom täglichen Leben.

Nehmen wir einmal die Frage, wann wir duschen sollten. Meine Frau wacht in der Früh auf und würde normalerweise sogar bevor sie noch einen Fuß aus dem Bett nimmt, einen Plan für den Tag machen. Es ist die Deutsche in ihr, die einen ungefähren Entwurf für den Tag und einen genaueren Plan für die nächsten Stunden macht. Die nächste halbe Stunde ist fürs Aufstehen und Fertigmachen, von sieben bis acht mache ich Yoga, ich brauche eine halbe Stunde zum Entspannen und dann gehe ich für eine halbe Stunde an den Computer. Um neun gehen wir duschen, arbeiten noch ein bisschen und haben dann um elf Uhr Mittagessen. So könnte ihr Plan aussehen.

Ich würde aufwachen und für den Augenblick nicht weiter denken als bis zum Badezimmer. Ich weiß nicht, wie ich mich in drei Stunden fühlen werde – welche Arbeit auf mich zukommt, ob ich mich überhaupt danach fühle zu duschen? Vielleicht würde ich viel lieber am Nachmittag duschen…

Ihr seht also bereits, wenn wir beide fest entschlossen wären, unsere kulturellen Angewohnheiten weiterhin beizubehalten würden wir nie zusammen duschen und würden uns jedes Mal bei dem Versuch streiten. Wir brauchen also eine Einigung: Ramona achtet darauf, mich nicht fünf Mal zu fragen, wann ich denn nun duschen wollte und sagt mir auch nicht immer wieder, dass sie nein Uhr eingeplant hatte. Sie erzählt mir in etwa, was sie vorhat, ist aber auch bereit, ihren Zeitplan leicht abzuändern.

Ich sage ihr dafür ganz deutlich, wenn ich am Morgen überhaupt nicht duschen will, so dass sie für den Vormittag andere Pläne machen kann und bereits eine Idee für den Nachmittag hat. Ansonsten versuche ich mit allem, was ich mache, bis etwa neun Uhr fertig zu werden.

Wir treffen uns in der Mitte. Es wäre mir nicht möglich, den Tag so zu planen, wie Ramona das macht. Für mich wäre das zu viel Stress, der es mir unmöglich machen würde, mich auf etwas anderes zu konzentrieren als auch die Uhrzeit. Genauso jedoch braucht sie diese Struktur, um überhaupt etwas machen zu können. Wenn sie keinen Plan hätte, zumindest in etwa, würde sie mit dem Gefühl durch den Tag gehen, dass sie eigentlich gerade etwas anderes machen sollte und ihre Zeit nicht ordentlich genutzt wurde.

In einer Beziehung und auch im allgemeinen Umgang mit Menschen anderer Länder und Kulturen, muss man oft einen Kompromiss finden, eine akzeptable Lösung für euch beide. Wir haben beide einen kleinen Teil der Kultur des anderen in uns aufgenommen – und in diesem Sinne flexibel zu bleiben macht das Leben doch um einiges einfacher!

Nach 30 Jahren zum Deutschlernen wieder die Schulbank drücken – 5 Aug 13

Ich wollte euch allen von einer Veränderung in meinem Leben erzählen, die auf lange Sicht hin wahrscheinlich eine ziemlich große Auswirkung haben wird: ich lerne jetzt aktiv Deutsch. Ja, nach fast 30 Jahren drücke ich jetzt wieder die Schulbank.

Wahrscheinlich wisst ihr, dass ich einen großen Teil der letzten dreizehn Jahre in Deutschland gelebt habe. Trotzdem war ich im Laufe dieser vielen Jahre nicht in der Lage, die Sprache zu lernen. Es war auch nie wirklich notwendig. Die meisten Leute, mit denen ich in Kontakt kam, sprachen Englisch. Bei meiner Arbeit hatte ich immer einen Übersetzer dabei, sollte Übersetzung nötig sein, und auch privat gab es immer jemanden, der mir beim Übersetzen vom Englischen ins Deutsche helfen konnte. Seit 2007 war Ramona immer an meiner Seite und ich konnte mich auf sie verlassen bei allem, was ich verstehen musste.

Meine deutsche Frau versuchte in den vergangenen Jahren mehrere Male, mich dazu zu bringen, ordentlich Deutsch zu lernen – und sie ist eine sehr gute Lehrerin – aber es war immer so viel los, was ich für Wichtiger hielt, dass ich ihr schließlich erklärte, dass ich zum Deutsch-Lernen einfach zu beschäftigt war.

So kommt es, dass ich in den vergangenen 13 Jahren kein Deutsch gelernt habe, während meine Frau bereits nach zwei Jahren mit meiner Familie, den Kindern und in der Stadt auf Hindi kommunizieren konnte. Ich habe einen recht großen deutschen Wortschatz, viele Einzelworte, die es mir zwar ermöglichen, das allgemeine Thema einer Unterhaltung zu verstehen, aber um wirklich selbst Sätze zu bilden fehlt mir die Grammatik! Ich dachte, ich würde es mit meiner Tochter lernen, dass ich mit ihr mitlernen würde, wenn sie Deutsch lernt – aber sie lernt so schnell, dass sie mich jetzt bereits bei Weitem überholt hat!

Als wir dieses Mal in Deutschland waren, machten wir auch einen Abstecher in die Ausländerbehörde, um meine Aufenthaltserlaubnis zu erneuern und während wir das taten, brachten die Beamten mich dazu zu unterschreiben, dass ich einen Deutschkurs belegen und endlich die Sprache lernen würde. In einer solchen Situation kann man kaum protestieren – sie haben die Aufenthaltserlaubnis ohne weitere Fragen vor mich hingelegt, da ich eine deutsche Frau und Tochter habe, aber mit dabei war da ein Dokument zum Unterschreiben: ich habe mich dazu verpflichtet, einen Deutschkurs zu belegen. Naja, ich nehme an, ihre Meinung, dass ich zumindest Deutsch sprechen sollte, wenn ich mit meiner Frau und Tochter in Deutschland lebe, nicht völlig falsch ist und so kann ich ihnen ihren Trick vergeben. 🙂

Sie haben mir sogar einen Rabatt für so einen Kurs an einer deutschen Schule gegeben. Wegen unseren Umständen beschlossen wir aber, wieder nach Indien zurückzukehren und so meldete ich mich am 14. Juli 2013 am Goethe Institut in Delhi, im Max Müller Bhawan an und begann meinen ersten Deutschkurs.

Ich wählte ihren ‘Blended Learning’ Kurs, der teilweise am Institut in Delhi stattfindet und teilweise online, so dass man seine Aufgaben auch von daheim aus machen kann. Ramona begann, mir täglich eine Deutschstunde zu geben und ich glaube, so langsam mache ich Fortschritte.

Im Institut sind wir eine schön kleine Gruppe von elf Schülern und ich sage euch, jetzt zur Schule zu gehen ist ein riesiger Unterschied zu damals, als ich als kleiner Junge zur Schule ging. Ich mag auch unsere Lehrerin wirklich gern und habe daheim auch schon berichtet warum: sie schreit uns nicht an, ist nicht ständig genervt und bekommt keine Wutanfälle. Sie ist sehr geduldig, behandelt uns mit Respekt und Anstand und hat noch nie versucht, einen von uns zu verprügeln! 😀