Hör auf, deine Krankheit mehr zu lieben als deine Gesundheit! – 5 Mai 14

Stadt:
Vrindavan
Land:
Indien

Heute habe ich einen Termin im Krankenhaus, um die Fäden in meinem Knie ziehen zu lassen. Ich fühle mich bereits ziemlich gut, aber ich bin auch froh, dass ich noch zehn Tage habe, um mich auf den Flug nach Deutschland vorzubereiten. In der Situation, in der ich gerade bin, musste ich an den Unterschied denken, den die Einstellung machen kann, wenn man verletzt oder krank ist: man kann entweder im Kranksein aufgehen und in seiner Krankheit leiden oder man beschließt, so gesund zu sein wie möglich.

Ich habe in meiner langen Zeit als Berater viele Leute kennen gelernt, denen das Kranksein sehr gefällt. Oft fängt es mit einer normalen Krankheit an. Es war nicht so schlimm, aber als sie mit anderen darüber redeten, ernteten sie Mitleid – und das gefiel ihnen. Langsam, vielleicht mit einer weiteren Krankheit oder wenn ihre Probleme über einen längeren Zeitraum hinweg auftraten, merkten sie, dass es auch eine sehr bequeme Ausrede für alle möglichen Dinge war. Ein Weg ‚Nein‘ zu sagen, ohne unhöflich zu sein.

Anstatt selbstbewusst aufzutreten und anderen zu sagen, dass sie bestimmte Dinge nicht tun wollen, erzählten sie ihnen, dass sie aufgrund ihrer Krankheit nicht konnten. Selbst wenn das nicht ganz wahr war, war es doch einfach zu sagen und die anderen mussten es glauben. Sie hatten nicht den Mut oder die Kraft, die Wahrheit zu sagen, nämlich, dass sie einfach nicht wollten.

Also waren sie einfach weiterhin krank. Obwohl sie auch völlig gesund und normal sein könnten oder vielleicht mit einem kleinen Problem leben könnten, bestehen sie darauf, dass sie krank sind. Viel kranker, als sie in Wirklichkeit sind. Sie sind sich nicht notwendigerweise dessen bewusst, was sie da tun. Das Unterbewusstsein ist ziemlich gut darin, die Wahrheit hinter einer Lüge zu verstecken, die dir gefällt. Du machst dir also praktisch selbst glauben, dass du krank bist. Die Folge ist, dass du auch entsprechend handelst.

Wenn einmal jemand auf diesem Weg ist, fängt er an, seine Krankheit so sehr zu lieben, dass er nicht mehr rauskommt. Er sieht nicht, dass die Leute sein Schauspiel durchblicken. Sie verstehen, dass er seine Krankheit etwas mehr aufspielt als notwendig und vielleicht spielen sie einfach mit. Manche konfrontieren ihn vielleicht irgendwann. Das jedoch kann wehtun und ist der Punkt, an dem sich manch einer entscheidet, zu einer Beratungssitzung zu kommen.

Ich empfehle im Allgemeinen, die Freude an einem gesunden Leben zu sehen. Ich sage nicht, dass sie nicht krank sind – wer bin ich, in der kurzen Zeit, die ich mit jemandem verbringe, darüber zu urteilen? Nein, aber selbst wenn du krank bist, versuche einfach, so gesund wie möglich zu handeln! Handle nicht krank. Behalte einen gewöhnlichen Lebensstil bei, umgehe die Unannehmlichkeiten, die dir dein Problem gibt und führe ein normales Leben. Anstatt dich hinter deiner Krankheit zu verstecken und zu vermeiden, für dich selbst einzustehen, übe ‚nein‘ zu sagen. Sei du selbst, aber genieße das Leben!

In den vergangenen Tagen lag ich nicht nur im Bett herum: ich machte meine Physiotherapie-Übungen, spielte mit Apra, telefonierte und arbeitete am Computer. Ich hatte also praktisch normale Tage, nur mit eingeschränkter Mobilität. Ich tat das, was ich normalerweise auch machen würde – während ich im Bett saß. Ich bin nicht gerne krank und sitze nicht gerne im Bett herum und gebe dem also einfach keine Wichtigkeit. Ich tue so viel, wie ich kann – und ich glaube, das hilft mit, schneller wieder auf die Beine zu kommen.

Wir werden sehen, was der Arzt heute sagt – aber ich glaube, ich werde in zehn Tagen fit sein für den Flug nach Deutschland!