Also gestern, auf unserem kleinen Ausflug ins Krankenhaus, hat der Arzt die Fäden gezogen und mir noch etwas Rat für die kommenden Tage und Wochen mitgegeben. Nach einer intensiven und erschöpfenden Sitzung mit dem Physiotherapeuten bin ich nun sicher, dass ich ziemlich fit sein werde, wenn es an der Zeit ist, nach Deutschland zu fliegen. Und Apra ist bis dahin eine ausgebildete Physiotherapeutin und Ärztin!
Es ist toll, wie viel Spaß Kinder einfach dadurch haben, dass sie ihre Umgebung beobachten! Seit dem ersten Arztbesuch hat Apra meine Behandlung sehr aufmerksam beobachtet und natürlich auch begonnen, die Handlungen von Ärzten, Krankenschwestern und auch dem Patienten zu imitieren.
Nach der ersten Nacht im Krankenhaus und vielleicht ein paar schmerzvolle Tage davor, hörten wir, wie sie meine Schmerzenslaute imitierte. Ich musste aufs Klo und Ramona half mir auf dem Weg. Als wir beide aus dem Zimmer waren, machte Apra, die noch auf dem Bett lag, stöhnenden Laute: ‚Aaah‘ und ‚Oooh‘ – als ob sie Schmerzen hätte. Ramona warf einen Blick um die Ecke und sah, wie sie ihr Knie mit beiden Händen hielt und eine Grimasse zog. Als sie merkte, dass ihre Mutter sie anlächelte, musste sie auch lachen.
In den letzten zehn Tagen musste ihre Puppe alles Mögliche ertragen: Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Schmerzen im ganzen Körper und allen Gliedmaßen, Mückenstiche, Stürze und Magenverstimmung aufgrund zu vieler Süßigkeiten. All dieses Leid hatte einen Grund: nur so konnte Apra Heilsalbe auftragen, ihr Spritzen geben, offene Operationen durchführen (um ihr die Bonbons aus dem Bauch zu holen), sie wieder zusammennähen, ihre Temperatur messen, ihr jede Menge Medizin geben, Verbände anlegen und sie massieren.
Als ich meinen Verband abnahm, war sie wahnsinnig neugierig zu sehen, was da drunter war – und schrecklich enttäuscht, als sie nur das große Pflaster sah, das die Operationswunden bedeckte. Sobald sie jedoch merkte, dass der Verband nun von mir nicht mehr benötigt wurde war sie für ihre Enttäuschung mehr als entschädigt! Zuerst musste ihre Puppe den ganzen Verband anlegen und dann bat sie ihre Mutter, ihr Bein zu bandagieren und erklärte, dass sie ihr Knie verletzt hatte.
Ja, und so kam es, dass bei meinem ersten Spaziergang zum Ashram-Tor Apra gleich hinter mir war, wobei sie genauso humpelte wie ich und sich an der Hand ihrer Mutter festhielt, wie ich mich auf den Krücken abstützte. Sie strengte sich wirklich sehr an – mit gesundem Bein zu humpeln ist nicht leicht! Ich fragte sie, was passiert war und sie erklärte, dass sie sich auch das Bein verletzt hatte. ‚Wie?‘ fragte ich. Sie sagte ‚So:‘ und machte einen großen Hüpfer. So. Nach dieser Demonstration fing sie wieder an zu humpeln. Zwischendurch vergaß sie es immer mal wieder, aber wir kamen am Ende des Wegs an und ich setzte mich auf ein Klappbett, sie legte sich neben mich, als ob ihr Bein auch müde wäre.
Ihre niedlichste Handlung war jedoch, als ich an einem Abend von jeder Menge Übungen am Tag richtig Muskelkater hatte: sie saß bei meinen Füßen, vorsichtig, dass sie mir nicht aus Versehen wehtat, indem sie sich auf mich setzte, nahm dann meine Zehen in ihre Hände und bewegten meine Füße langsam von vorne nach hinten, wie sie es bei ihrer Mutter gesehen hatte, wenn sie mir bei der Physiotherapie half. Sie begleitete diese Handlung mit einem kleinen Lied für meine Füße ‚Werde gesund, ich mach dich gesund, dann tust du nicht mehr weh!‘
All diese Augenblicke und besonders der Letzte lassen mein Herz wieder einmal für mein kleines Mädchen schmelzen. Und egal, wie sehr meine Muskeln mir immer noch wehtaten, als sie aufblickte und fragte ‚Geht’s dir besser?‘ antwortete ich ‚Ja, natürlich, du hast mir sehr geholfen!‘
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