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Willst du reisen, hast aber Angst, in anderen Kulturen in Fettnäpfchen zu treten? - 21 Nov 12

Balendu
November 21, 2012
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Willst du reisen, hast aber Angst, in anderen Kulturen in Fettnäpfchen zu treten? - 21 Nov 12

Wenn unsere Gäste im Ashram ankommen, geben wir ihnen immer eine kleine Einführung ins Ashram-Leben, erzählen ihnen, wer wer ist und lassen sie wissen, dass sie sich einfach nur wie zu Hause fühlen dürfen, sich entspannen können, in den Garten setzen und herumgehen können, wo auch immer sie möchten. Wir erklären ihnen, dass wir sehr frei leben und dass sie nichts tun müssen und dass ihnen auch nichts verboten ist, sie können einfach sein. Doch manchmal zögern Leute, die das erste Mal in Indien sind, sich wirklich frei zu fühlen – sie haben so viel darüber gehört, was man machen sollte und was man in dieser anderen Kultur nicht machen darf, dass sie Angst haben, etwas falsch zu machen!

Es ist einfach nur ein natürliches Gefühl, von dem man mehr oder weniger hat, je nach deiner Erfahrung und deinem Charakter allgemein.

Menschen, die unsicher sind und sich für ihre Fehler leicht schämen, trauen sich vielleicht gar nicht erst auf eine Reise in ein Land wie Indien, weil sie wissen, dass die Kultur dort so anders ist, dass sie es kaum schaffen werden, das ein oder andere Fettnäpfchen zu vermeiden. Wenn sie jedoch kommen, halten sie sich von Orten fern, für die sie die Regeln und Bräuche nicht kennen, außer sie haben einen Fremdenführer oder jemanden dabei, dessen Handlungen sie imitieren können.

Sie zögern zum Beispiel, in einen Tempel zu gehen, weil sie nicht wissen, wie sie sich darin verhalten sollen und ob es vielleicht jemanden beleidigen könnte, wenn sie den Tempel betreten. Mit dieser Einstellung gehen sie auf Nummer sicher, lassen sich aber leider auch vieles entgehen, weil sie einfach nur Angst haben, dass sie etwas falsch machen könnten. Sie können dadurch auch wirklich vermeiden, jemanden kulturell zu beleidigen, aber wenn sie wirklich mal etwas machen, was ein ‚Ureinwohner‘ des Ortes anders machen würde, würden sie sich schrecklich schämen. Das ist dann eine der größten Erinnerungen ihrer Reise und jedes Mal, wenn sie daran denken, steigt ihnen die Schamesröte ins Gesicht. Das kann nur die Zeit heilen und irgendwann werden sie selbst bereuen, diese Erinnerung so wichtig gemacht zu haben. Vielleicht können sie sogar darüber lachen und es anderen erzählen – aber nur nach einigen Jahren und außerdem aus sicherer Entfernung!

Perfektionisten wären entsetzt, wenn sie wirklich in einem anderen Land in ein Fettnäpfchen treten würden und darum lesen sie vor ihrer Reise so viele kulturelle Reiseführer wie möglich, um alles vorher zu erfahren. Sie haben dann so viel gelesen, dass sie überall glauben zu wissen, wie man sich verhält. Mit ihrem theoretischen Wissen können sie ihre Mitreisenden beeindrucken und werden leicht zu Fremdenführern an Orten, die sie selbst noch nicht einmal besucht haben.

Natürlich ist das Wissen aus Büchern und Texten jedoch nicht mit der Erfahrung selbst vergleichbar und manchmal sieht man, wie solche Leute sich fragen, warum alle um sie herum die Dinge so anders machen, als sie sie eigentlich machen sollten! Sie stehen während der Abendzeremonie an den Ghats am Fluss und erklären ihren Freunden, wie der Priester die Kerzen anzündet und das Feuer hält und es hin und her schwingt – halt, der macht das ja völlig falsch! So etwas zu sehen schafft Verwirrung und der Perfektionist verlässt den Ort mit dem Gefühl, dass der Einheimische seine eigene Kultur nicht ordentlich befolgt – das hätte er besser gekonnt!

Die beste Einstellung jedoch, die Erfahrung zu genießen ist, wenn man einfach nur ins Leben springt und sich mit dem Fluss treiben lässt. Zögere nicht zu sehr und stelle auch nicht zu viele Erwartungen daran, wie es sein sollte. Lass es einfach nur geschehen und mach mit. Die Inder sind für ihre Gastfreundschaft bekannt und werden dir mit Freuden die Dinge zeigen, erklären und dich wissen lassen, was du tun sollst. Scheue dich nicht und habe keine Angst, Fehler zu machen – sie können sehen, dass du nicht von hier bist und darum erwarten sie auch nicht, dass du alles weißt!

Du kannst wohl kaum in ein so großes Fettnäpfchen treten, dass die Menschen wirklich mit dem Finger auf dich zeigen und dich eines großen Fehlers bezichtigen würden. Es ist ein Kulturunterschied und wenn sie in dein Land kämen, würde es dir doch auch nichts ausmachen, wenn sie die Dinge etwas anders tun, als du es gewohnt bist. Verwende einfach etwas gesunden Menschenverstand und ein bisschen ein Gefühl für die Situation und alles ist in Ordnung. Das Wichtigste ist, dass du deine Zeit genießt.

Ich glaube, wir sollten anderen gegenüber alle etwas offener sein und das Leben nicht allzu ernst nehmen. Mit einer solchen Einstellung müssen wir keine Angst vor kulturellen Fehlern haben, sondern können wirklich schöne Erfahrungen machen, in dem Wissen, dass andere es schätzen, dass du ihr Land und ihre Kultur erleben willst. Genieße und sei glücklich!

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