Göttliches Marketing – Werbung auf dem heiligen Boden Vrindavans – 13 Sep 15

Ich habe euch bereits erzählt, dass wir letzte Woche einige Gäste aus Amerika da hatten. Sie hatten eine schöne Zeit in Vrindavan, auch wenn sie nur ein paar Tage da waren. An einem Tag gingen sie den Parikrama, den zehn Kilometer langen Pilgerweg, der um unsere Stadt führt. Sie kamen zurück mit einem guten Eindruck der ganzen Stadt – und beeindruckt von der Kreativität derer, die hier die Werbeslogans schreiben.

Oh ja, auf dem Weg um die Stadt sieht man jede Menge Werbung, da heutzutage überall, wo Leute es lesen können, riesige Plakatwände, Werbebanner und Poster stehen. Natürlich gibt es jede Menge Poster für spirituelle Prediger, Gurus und so weiter. Diese sind zwar meistens in Hindi – aber man sieht eine große Vielfalt an Bildern unterschiedlicher Gurus und Priester auf dem Weg!

Doch unsere Freunde lächelten ganz besonders darüber, wie die Werbung hier die Sicht der Leute auf Vrindavan als das ‚heilige Land Krishnas‘ widerspiegelt. Es ist natürlich ein Ort der Verehrung und Hindus halten es für einen Segen, hier zu leben. Man sollte nicht meinen, dass Geschäftsleute das vergessen würden, oder? Natürlich nicht, deswegen haben wir ja so viele Wohnbaugesellschaften hier, Wohngebäude, die bald fertig sein sollen, große umzäunte Wohnanlagen und mehr, und oft haben diese sehr spirituelle Namen, die den Pilgern gefallen könnten, die genug Geld haben, eine Wohnung oder sogar ein Haus zu kaufen.

Doch man muss zugeben, dass es aus der Sicht eines Außenstehenden recht amüsant ist: ‚Krishna Bhumi Wohnungen‘, die ‚Hare Krishna Orchidee‘ und natürlich ‚Krishna Heights‘. Unsere Freunde witzelten, das wäre, als würde man ein Gebäude den ‚Jesus-Turm‘ nennen… naja, warum eigentlich nicht?

Natürlich behalten die Werbesprüche den gleichen Ton bei. Man wird eingeladen ein ‚gesegnetes Leben‘ in einer ‚spirituellen Wohnstätte‘ zu verbringen. Der Kauf einer Wohnung garantiert, dass du in ‚göttlicher Gnade lebst‘ und ‚in Gottes Paradies auf Erden‘ wohnst. Zusammen mit einem guten Wohnbaudarlehen ist das doch ein unwiderstehliches Angebot, ‚göttlichen Luxus‘ zu erleben!

Der Preis für den besten Werbespruch geht jedoch nicht an eine Wohnbaugesellschaft, sondern an das Hotel, das mit einem riesigen Plakat an der Autobahn-Ausfahrt wirbt. Es war das Erste, das unsere Freunde sahen und der Spruch blieb ihnen während der gesamten Dauer ihres Aufenthaltes im Kopf:

‘Wunder geschehen, wenn Luxus in heiligen Landen verweilt.‘

Wow! 🙂

Divine Marketing – advertising the holy Lands of Vrindavan – 13 Sep 15

I have told you that we had a few guests from the US here last week. They thoroughly enjoyed their time in Vrindavan, even though they only had a few days. One day, they walked the Parikrama, the ten kilometer pilgrimage walk that goes once around our town. They came back with a good impression of the complete town – and impressed with the creativity of those who wrote the advertisements here.

Oh yes, on the way around town, you get to see a whole lot of advertisement, as nowadays there are huge hoardings, banners and posters everywhere where people could be reading them. Of course there are a lot of posters for spiritual lectures, advertising gurus and the like. These are mostly in Hindi though – but you do get to see a big variety of gurus and preachers on the way!

What they were smiling about however was especially how advertisement here reflects people’s view on Vrindavan as the ‘holy land of Krishna’. It is a place of worship, of course, and Hindus believe it to be a blessing to live here. You wouldn’t think that businessmen would miss that, would you? Of course not, that’s how we have so many new housing societies, apartment buildings in process, big gated communities and more, which very often have very devotional names appealing to the pilgrims that could have enough money to buy a flat, an apartment or even a house.

Seeing it from an outsider’s view however, you have to admit that it is very amusing: ‘Krishna Bhumi Apartments’, the ‘Hare Krishna Orchid’ and, of course, ‘Krishna Heights’. Joking around, our friends said it would be like naming a building the ‘Jesus Tower’… well, why not?

Of course the slogans keep the same tune. You are invited to ‘live blessed’ in ‘a spiritual abode’. Buying an apartment will guarantee that you are ‘living in divine grace’ and are ‘at home in god’s paradise on earth’. Paired with an affordable home loan, why wouldn’t you want to experience ‘divine luxury at its finest’?

The award for the best advertising slogan however doesn’t go to a housing society but to the hotel that advertises with a hoarding right at the exit of the highway. It was the first one that our friends saw and the line remained in their minds throughout the stay:

‘Magic happens when luxury dwells in holy lands.’

Wow! 🙂

Schwerer Hagelsturm in Vrindavan – 5 Apr 15

Wir hatten bereits einige herrliche Tage mit Thomas und Iris hier im Ashram, haben uns etwas entspannt, auch gearbeitet, aber eigentlich einfach nur die etwas ruhigere Zeit zusammen mit Freunden genossen. Ich sage ruhig, aber vor ein paar Tagen gab es ein größeres Ereignis: ein großer Hagelsturm in unserer Gegend und Stadt!

Das Wetter ist schon seit einer Weile richtig untypisch für diese Jahreszeit, in den letzten Wochen immer wieder mit Regenfällen. Darum waren wir nicht sehr überrascht, als der Sonnenschein und der blaue Himmel am Freitag plötzlich einfach verschwanden und von recht dunklen Wolken ersetzt wurden. In der Ferne begann es zu donnern und ein starker Wind wehte, der bereits Blätter von den Bäumen riss. Ein Sturm kam auf, das konnten wir schon sehen. Doch dann war da noch so ein seltsames Geräusch!

Es war zunächst wie Donner, doch dann hörte es nicht auf, ein Trommelwirbel, im Augenblick noch weit entfernt. Verwirrt sahen wir einander an. Was war das? Plötzlich fielen die ersten, winzig kleinen Hagelkörner und wir wussten, was es war: das Geräusch von Hagel, aber wirklich schwerem Hagel, jetzt nicht mehr weit weg!

Einen Augenblick nach der Erkenntnis rannte unser Fahrer zu unserem Auto, das bis zu diesem Punkt noch draußen unter offenem Himmel vor dem Gebäude stand, sprang hinein und fuhr, so schnell er es auf dem nassen Boden wagte, zum Restaurant, um es unter das Dach zu fahren.

Als das Auto bereits auf halbem Weg war, verstärkte sich die Kraft des Hagels und es war nur eine Frage von Sekunden, bis riesige Hagelkörner auf die Erde, den Weg, den Garten und alles vor unseren Augen herunterrasten!

Es war unbeschreiblich! Dieses Naturschauspiel, das wir hier beobachten durften! Unglaublich und auch ein bisschen beängstigend!

Es schien lange so weiterzugehen, obwohl es wahrscheinlich nur ein paar Minuten waren. Als es weniger wurde, folgte ein Nieselregen und als es wieder trocken war, rannten die Kinder und natürlich unsere Mitarbeiter, die im Herzen noch Kinder sind, alle hinaus, um die schmelzenden Hagelsteine aufzusammeln, sie einander zuzuwerfen, im Spaßvorzugeben, als hätten sie eine Schneeballschlacht oder sie in Eimern zu sammeln. Natürlich machten wir alle Bilder mit den diversen Telefonen und Kameras, weil die Größe einfach beeindruckend war: größer als Tennisbälle!

Für uns war es natürlich unglaublich, aber man kann sich den ganzen Schaden vorstellen, den dieser Sturm der Gegend gebracht hat! Die Felder, auf denen der Weizen von den Regenfällen vor Kurzem sowieso schon fast zerstört war mussten noch eine Katastrophe über sich ergehen lassen. Am Abend und am nächsten Morgen sahen wir Hunderte Autos mit zerbrochenen Windschutzscheiben oder zersplitterten Fenstern vorbeifahren, Dellen im ganzen Auto – von denen wir glücklicherweise nur vier oder fünf haben!

Das Schlimmste ist jedoch, dass 14 Menschen in dem Sturm gestorben sind! Entweder direkt vom Hagel getroffen oder, viel öfter, von etwas erschlagen, was der starke Wind und der Hagel heruntergerissen hatten.

Der Klimawandel ist offensichtlich, jetzt mehr als jemals zuvor – und wir können die Folgen spüren!

Heavy Hailstorm in Vrindavan – 5 Apr 15

We have had some great days already with Thomas and Iris here at the Ashram, relaxing a bit, working as well but simply enjoying being together with friends in this rather quiet time. I say quiet but the other day there was a rather major event: a big hail storm in our area and town!

The weather has been really untypical for this time of the year with rain falls again and again in the past weeks. That's how we were not very surprised when on Friday, the sunshine and blue sky suddenly seemed to disappear, replaced by rather dark clouds. Thunder started sounding in the distance and a strong wind was blowing, already ripping leaves off trees. A storm was coming, we could see that. But then, there was a strange noise!

It was like thunder at first but it didn't stop, drum roll, still in the distance. Confused, we looked at each other. What was that? Then, with the first tiny hailstones falling, we knew what it was: the sound of hail, but heavy hail, now already close-by!

In the moment after the realization, our driver ran to the car, which was until this point out in the open, in front of the building, jumped in and drove it, as fast as he dared on the wet floor, to the restaurant to get it under the roof.

Already when the car was half-way, the force of the hail increased and it was a matter of seconds until there were huge hailstones crashing down onto the earth, the path, the garden and everything in front of us!

It was mind-blowing! This display of the force of nature which we could witness there! Incredible and even a bit scary!

It seemed to go on for long, while it was probably not even a few minutes. When it subsided, a slow rain followed before that stopped, too, and the kids and of course our child-like staff members all enjoyed getting out, picking up the melting hailstones, throwing them at each other in joke, as if it was a snow-fight or collecting them in buckets. Of course we all took pictures with various phones and cameras of the size: some were bigger than tennis balls!

It was of course amazing for us but you can imagine all the damage that this storm brought to the area! The fields, where the wheat was already nearly destroyed by past rains took another blow. In the evening and the morning, standing at our gate, we saw hundreds of cars with broken windshields or smashed windows driving by, dents all over the car – of which we luckily only have four or five in ours!

The worst however is that 14 people died in the storm! Either directly hit by the hail or, more often, hit by something that the strong wind and hail had blown down.

The climate change is obvious now, more than ever – and we can feel the consequences!

Yamuna Arti – Aberglaube, Essensverschwendung, Umweltverschmutzung und eine schöne Atmosphäre – 3 Dez 14

Wir genießen diese Zeit sehr – Michael und Andrea sind hier! Mit meinen ersten deutschen Freunden hier im Ashram haben wir jede Menge Spaß! Natürlich wollen sie auch ein bisschen ausgehen und Ramona kam gerade mit ihnen vom Kheshi Ghat und der Yamuna Arti zurück. Natürlich, wie könnte es bei meiner Frau anders sein, hat sie bei der Zeremonie einige unreligiöse Beobachtungen angestellt.

Unsere Freunde, auch unreligiös, saßen dort mit Ramona und Purnendu und sahen zu, wie die Männer, die die Zeremonie durchführten, zuerst Milch in den Fluss gossen. Danach sahen sie, wie sie Süßigkeiten in den Wasser warfen und schließlich noch Hunderte Rosenblätter. Als sie den Blättern nachsahen, die den Fluss hinunterflossen, merkten sie plötzlich, was mit diesen Blumenblättern geschehen war: nur etwa hundert Meter weiter unten fischten Kinder sie wieder aus dem Fluss. Kinder in ausgetragenen Klamotten, ohne Schuhe und mit Dreck und Staub von oben bis unten. Die gleichen Kinder, die zuvor versucht hatten, unseren Freunden kleine Schalen mit Blumen und einer Kerze zu verkaufen, die sie dann selbst in den Fluss hätten geben können.

Es war eine Erkenntnis: auf einer Seite gossen Menschen nahrhafte Milch in das dreckige Wasser des Flusses und auf der anderen Seite waren da Kinder, die versuchten, irgendwie ein paar Rupien zu verdienen, die sie dann heimbringen könnten und von denen ihre Familie Reis, Getreide und – ja – Milch kaufen könnte. Sie werden jedoch nicht die Süßigkeiten bekommen, die auch im Fluss landeten! Das können sie sich nicht leisten.

Gleichzeitig sieht man sich den Fluss an und wundert sich, ob man es denn immer noch einen Fluss nennen kann. Aufgrund des geringen Niederschlags während der Monsunzeit und großen Staudämmen in Delhi hat der Fluss zurzeit ganz wenig Wasser. Ein Großteil des Flussbettes ist trocken und wo vorher Boote Touristen und Pilger mit auf den Fluss hinaus nahmen, laufen nun Kamele herum. Für die Zeremonie mussten sie einen Kanal schaufeln, um das Wasser bis zu den Treppenstufen zu bringen. Dieses seichte Wasserloch ist nun der Fluss, in den sie ihre Blumen, Milch und Süßigkeiten werden, womit sie den Fluss noch mehr verschmutzen, als er sowieso schon ist.

Es ist wirklich nicht viel mehr als Abwasser und Chemiereste, die allesamt aus Delhi kommen. Da ist kein Leben drin. Keine Fische, keine Schildkröten, keine von all den Tieren, die um uns herumschwammen, als wir als Kinder in dem Wasser schwammen! Sie können da nicht mehr leben – das Wasser ist tot.

Trotz all dem und trotz zweier Zeremonien, die einander im Wettbewerb mit Lautsprechern anplärren, genossen Ramona und unsere Freunde den Besuch beim Fluss und der Zeremonie. Wie kommt das? Meine Frau hat sich sehr bemüht, das in Worte zu fassen: sie empfindet keine religiöse Ehrfurcht. Kein Gefühl, dass eine Göttin oder ein Gott sie nun für ihren Besuch dort segnen würde. Nein, aber auf diesen alten Steinen vor dem uralten Gebäude zu sitzen, sich die untergehende Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen und einfach nur durch die Runde der Leute zu sehen, die alle zusammenkamen, fühlte sich gut an. Es war eine gewisse Atmosphäre, die, wenn man sich darin befindet, einem ein gutes Gefühl gibt.

Da ist nichts Göttliches dran. Es ist nicht Gott, der dich gut fühlen lässt. Es bist du. Du genießt das Zusammenkommen mit Menschen, weil der Mensch dafür gemacht ist, in Gesellschaft zu sein. Du siehst gerne die Natur, auch wenn sie eigentlich noch viel imposanter sein könnte. Und du genießt die Musik und hörst anderen gerne beim Gesang zu.

Könnten wir das alles nicht ohne Aberglaube, Verschwendung von Nahrungsmitteln und Verschmutzung des Flusses haben?

Yamuna Arti – Superstition, Waste of Food, Pollution and a nice Atmosphere – 3 Dec 14

We are enjoying these days a lot – Michael and Andrea are here! With my first German friends here at the Ashram, we have lots of fun. Of course they also want to go out a bit and Ramona just came home from Kheshi Ghat and the Yamuna Arti with them. Obviously, how could it be different for my wife, she has some non-religious observations on the ceremony and the time spent there.

Our friends, also not religious, sat there together with Ramona and Purnendu, watching first how the men performing the ceremony poured milk into the river. After that, they saw them throw sugary sweets into the water and finally hundreds of rose petals. When they were looking after the petals flowing down the stream, they suddenly realized what happened to these flower petals: just about a hundred meters down, children were picking them out of the river. Children in worn-out clothes, without shoes and with dirt and dust all over them. The same children who had previously tried to sell our friends little bowls with flowers and a candle that they could have put into the river themselves.

It was a revelation: on one side, there are people pouring nourishing milk into the dirty water of the river and on the other side there are children, trying to somehow earn a few rupees which they can bring home and with which their family can buy rice, grains and – yes – milk. They won’t get to enjoy the sugary sweets though which also land in the river! They cannot afford it.

At the same time you look at the river and wonder whether you can actually still call it a river. Due to only little monsoon rains and big dams in Delhi, there is very little water these days. A big part of the river bed is clearly visible and where previously boats took tourists and pilgrims out on the river, there are now camels walking around. For the ceremony, they had to dig a channel and bring the water to the stairs. This shallow waterhole is where they now throw their flowers, milk and sweets in, polluting it even more than it anyway already is.

It is really not much more than sewage water and chemical waste coming from Delhi. There is no life in it. No fish, no turtles, none of all those animals that swam around us when we played in the water as children! They cannot live there – the water is dead.

In spite of all of this and in spite of two competing ceremonies blaring at each other by speakers Ramona and our friends enjoyed the visit to the river and the ceremony. How come? My wife did great effort to put it into words: she has no religious awe. No feeling that a god or goddess would now bless her for her visit there. No, but sitting on those old stones in front of the ancient building, the setting sun shining in their faces, listening to the singing and just looking around at people coming together, felt good. It was a certain atmosphere which, when in, makes you feel good.

There is nothing divine in that. It is not god that makes you feel good. It is you. You enjoy the get-together with people because human is made for being social. You like seeing the beauty of nature, even though it could be much more impressive. And you enjoy music and listening to others sing.

Couldn’t we have all of this without superstition, waste of food and pollution of the river?

Sechs Erwachsene und zwei Kinder in zwei Zimmern im Überflutungsgebiet – Our School Children – 30 Aug 13

Seit ein paar Wochen stelle ich jeden Freitag mit einem Video eines unserer Kinder vor. Einer unserer Kinderpaten hat uns eine E-Mail geschickt und uns gebeten, auch von ihrem Patenkind ein solches Video zu machen. Sie würde gerne mehr über den Jungen und seine Lebenssituation erfahren und auch seine Familie einmal ‚kennenlernen‘. Wir planen sowieso, euch all diese Kinder eins nach dem anderen vorzustellen und so statteten wir auch Murari gerne einen Besuch ab!

Murari ist 13 Jahre alt und ist schon seit fünf Jahren an unserer Schule, wo es in der Vorschulklasse begann und nun in die dritte Klasse geht. Er lebt mit seinen Eltern und seinen zwei älteren Brüdern, die 26 und 24 Jahre alt sind. Er war also lange Zeit das Baby in der Familie – bis letztes Jahr die Frau seines ältesten Bruders einen kleinen Sohn zur Welt brachte, Muraris kleiner Neffe. Die Geburt des Jungen war kurz nach einem weiteren freudigen Ereignis in der Familie – die Hochzeit des zweiten Bruders, dessen Frau auch bei der Familie einzog, wie es in Indien üblich ist. Das bedeutet, dass in dem Haus mit zwei Zimmern, einer Toilette und ein bisschen offenem Platz, wo wir saßen und redeten, nun sechs Erwachsene, Murari und ein Baby lebten.

Als wir mit Muraris Vater sprachen, erfuhren wir, dass er früher als Tischler arbeitete, aber aufgrund seines Alters und eines Verkehrsunfalls, der laut ihm auch Auswirkungen auf seinen geistigen Zustand hatte, die schwere Arbeit mit dem Holz nicht mehr machen kann und deshalb Arbeit annimmt, wo auch immer er etwas findet. Das mag nicht viel Geld einbringen, aber seine beiden älteren Söhne arbeiten auch als Tagelöhner, so dass die Familie gut über die Runden kommt, auch wenn sie nicht gerade im Überfluss leben.

Sie bemühen sich, etwas Geld zu sparen, um noch ein Zimmer auf das Dach zu bauen, so dass der älteste Sohn und seine Frau ein Zimmer für sich haben können. Ein weiterer Vorteil wäre, dass sie während der Monsunzeit alle nach oben umziehen könnten, sollte der Fluss wieder ansteigen und sein Wasser durch die Straßen dieses Viertels fließen, das im Überflutungsgebiet liegt.

Und tatsächlich wohnt Murari mit seiner Familie nicht weit entfernt von Sanju, den ich euch auch bereits vorgestellt habe. 2010, als Vrindavan von der großen Überflutung überrascht wurde, stand das Waser auch in Muraris Haus und Murari kam in den Ashram, um bei uns zu wohnen, bis sich der Wasserpegel wieder senkte. Der Rest der Familie campte auf dem Dach, da sie aus Angst vor Dieben ihr Weniges an Habseligkeiten nicht zurücklassen wollten.

Obwohl das Wasser immer ein Problem darstellt, liebt Murari die Gegend, in der er lebt. ‚Meine Schulfreunde wohnen alle hier in der Nähe!’, erklärt er. Die Eltern sind froh, dass sie Murari bei uns an die Schule schicken können, da das die finanzielle Last auf ihren Schultern ein bisschen erleichtert. Sie hoffen, dass Murari eines Tages etwas arbeitete, bei dem er gut verdient, da er jetzt bereits mehr Englisch kann als der Rest der Familie. Seine Lehrer stimmen zu – Murari ist ein guter Schüler mit schneller Auffassungsgabe, der, wenn er seine Konzentration mal von seinen Freunden auf seine Arbeit lenkt, das Gelernte schnell versteht, kombiniert und weiterverwendet.

Wenn du also die Bildung eines Kindes wie Murari unterstützen willst, kannst du das, indem du eine Kinderpatenschaft übernimmst oder das Essen für einen Tag für die Kinder der Schule spendest!

Six Adults and two Children in two Rooms in a Flood Zone – Our School Children – 30 Aug 13

After having seen our now regular Friday’s report on our children, with a video of the children’s homes, one of our child sponsors sent us an email, asking whether we could take such a video in her sponsored child’s home, too. She would like to get to know more about the boy, his living situation and also ‘meet’ his family. We are anyway planning on introducing all these children to you, one by one, and so were happy to visit Murari!

Murari is 13 years old and has been at our school for the past five years, starting in the pre-school class and having now reached the 3rd grade. He lives with his parents and his two elder brothers, who are 26 and 24 years old. He was thus the baby of the family for a long time – until last year, when his eldest brother’s wife gave birth to a baby boy, Murari’s little nephew. The birth of the boy was shortly after another happy event in the family – the wedding of the second brother, whose wife also moved in with the family, just as it is normal in India. This means there are now six adults, Murari and a baby living in the house which consists of two rooms, a toilet and that bit of open space where we could sit and talk.

During our talk with Murari’s father we learned that he had been a carpenter but due to his age and a road accident which he said affected his mental state, too, he cannot do the hard work with wood anymore and has thus taken some random jobs that he could find. That may not bring a lot of money but his two elder sons are working as labourers, too, so the family can cope, even if it is not abundance that they are living in.

They are making efforts to save some money in order to build a room on top of their roof so that the eldest son and his wife could have a room for themselves. Another benefit would be that they could all move up there during monsoon time, should the river rise again and flow into the area which is prone to flooding.

In fact, Murari’s house is not far from Sanju’s home whom I already introduced to you, too. In 2010, when the big flood had hit Vrindavan, Murari’s house, too, had been flooded and Murari had come to the Ashram to live with us until the water retreated. The rest of the family had camped on the roof, unwilling to leave their little amount of belongings out of fear of thieves.

While the water is always a problem, Murari loves the area he lives in. ‘My school friends all live around here!’, he explains. The parents are glad that they can send Murari to our school, taking a bit of the financial burden off their shoulders. They have the hopes that Murari will get a well-earning job later on, as he already knows more English than the rest of his family. His teachers agree – Murari is a good student, fast in the mind and, if he manages to get his concentration off his friends and on his work, he can pick up, combine and understand the lessons quickly.

If you would also like to support the education of a child like Murari, you can do so by sponsoring a child or the food for a day for the children of our school!

Wenn ein Monsunregen eine große Gefahr bedeutet – Unsere Schulkinder – 16 Aug 13

Heute möchte ich euch einem Jungen vorstellen, der seit drei Jahren an unserer Schule ist: Sanju. Sanju ist zwölf Jahre alt und lebt seit zehn Jahren in Vrindavan. Er erinnert sich an kein anderes Zuhause und mag die Gegend, in der er mit seiner Familie lebt, weil er dort viele Freunde hat. Es gibt nur eine Sache, die ihm daran nicht gefällt: jedes Jahr, wenn der Monsun beginnt, sieht er, wie sich seine Eltern um eine Sache sorgen – ‚Wird unser Haus auch dieses Jahr dem Wasser standhalten?‘

Sanjus Vater ist ein Rikscha-Fahrer. Er hat schon immer mit solcher und ähnlicher Arbeit täglich etwas Geld verdient und ist dabei von einer Stadt in die andere gezogen. In seinem Heimatsdorf hat er ein Haus – aber da gibt es keine Arbeit, nichts, von dem man leben könnte! Seine Frau ist aus Kolkata, in Westbengalen, hat aber eine Schwester in Vrindavan und so haben sie Vrindavan als die nächste Stadt ausgewählt, in die sie mit dem zweijährigen Sanju und seiner einen-Monat-alten Tochter zogen. Ein weiterer Junge folgte und sie beschlossen, in Vrindavan zu bleiben, wenn es finanziell möglich sein sollte. Sie kauften ein kleines Haus und freuten sich, dass sie ihr eigenes Zuhause hatten. Bis der nächste Monsun kam und das Wasser nicht nur durch das Dach tropfte, sondern auch zur Tür hereinfloss!

Das ist seitdem jedes Jahr die Situation der Familie. Sie müssen an verschiedenen Stellen Eimer und Töpfe aufstellen, um das Regenwasser aufzufangen und es nicht ihre zwei kleinen Zimmer durchnässen zu lassen. Sobald das Wasser jedoch die Straße hinunterfließt, kann man es nicht mehr vermeiden, im Haus selbst durchs Wasser waten zu müssen. Die ganze Gegend ist vom Hochwasser gefährdet, da die Häuser einfach zu nahe am Ufer der Yamuna gebaut wurden.

Das letzte große Hochwasser im Jahr 2010 war für die Familie eine Katastrophe: ihr Haus lief bis unters Dach voll. Als das Wasser anstieg, war die Strömung so stark, dass die Wände des Hauses es nicht aushielten. Sie bekamen tiefe Risse und das Haus sah aus, als würde es bald auseinanderfallen. In dem Jahr breiteten wir unsere wohltätige Arbeit auf dieses Gebiet Vrindavans aus. Wir organisierten medizinische Lager, machten ein Essens-Lager, in dem wir für die Menschen der Gegend kochten und fuhren sogar auf Booten raus, um denen zu Essen zu bringen, die vom Wasser vom Rest der Stadt abgeschnitten waren. Sanju und seine Mutter zeigten uns damals ihr Haus – es sah aus, als würde das Wasser es bald wegwaschen. Im Video, das ihr unten seht, könnt ihr auch diese Szene von 2010 sehen.

Sanjus Mutter musste mit ihren zwei jüngeren Kindern zu ihren Verwandten ziehen und Sanju kam mit einigen weiteren Kindern der Gegend zu uns in den Ashram, so dass er weiter zur Schule gehen konnte. Sein Vater jedoch blieb, so wie viele andere Männer der Gegend, und schlief auf dem Dach, um ihre wenigen Habseligkeiten davor zu bewahren, gestohlen zu werden.

Irgendwie hielten die Wände statt. Der Wasserspiegel sank und die Familie war froh, dass ihr Haus immer noch dort stand, wo es zuvor war – mit Spalten und Rissen, aber es war da. Sie hatten nicht das Geld für Reparaturarbeiten. Kein Geld, um die Wände mehr als notdürftig auszubessern. Was passiert das nächste Mal, wenn der Fluss übers Ufer tritt? Was passiert, wenn eines Tages ein Sturm zu stark ist für die geschwächten Wände? Sie wissen, dass sie gefährlich leben, dass die Wände jederzeit in sich zusammenfallen können, aber sie haben keine Wahl. Das Geld, das sie verdienen, ist gerade genug, um sich selbst und ihre Kinder mit Essen und Kleidung zu versorgen.

Zumindest müssen sie sich keine Sorgen um die Schulbildung ihrer Kinder machen. Sanju geht bereits bei uns zur Schule und sie haben versprochen, dass sie die jüngeren Kinder nächstes Jahr auch bei uns zur Schule schicken werden. Auf diese Weise haben die Kinder jeden Tag ein warmes Essen und lernen etwas, womit sie die Aussichten ihrer Familie auf eine bessere Zukunft erhöhen!

When a Monsoon Rain means great Danger – Our School Children – 16 Aug 13

Today I want to introduce you to a boy who has been at our school for three years: Sanju. Sanju is twelve years old and has been living in Vrindavan for the past ten years of his life. He doesn’t remember any other home and he like the area where they are living in because he has friends around. There is just one thing that he does not like about it: seeing his parents worry every year when the monsoon arrives with one question – ‘Will our home be able to withstand the water in this year?’

Sanju’s father is a rickshaw driver. He has always done this kind of day-by-day work, moving from one city to another. In his hometown he has a house – but there is no work, nothing to eat or live from! His wife is from Kolkata, West Bengal, but has a sister in Vrindavan and that’s how they chose Vrindavan as the next town to move to with the two-year-old Sanju and his one-month-old sister. Another boy followed and they decided to stay in Vrindavan, if financially possible. They bought a small house and were happy that they had their own place. Until the next monsoon came and the water was not only dripping in from the roof but also flowing in from the door!

This is the family’s situation every year. They have to place buckets and pots at different spots of the house to catch the rainwater and not let it flood their two small rooms. Once the water starts flowing down the street however, there is no possibility to avoid wading through the water within the house. The whole area is prone to flooding, having been built too close to the banks of the river Yamuna.

During the latest big flood in 2010, the family were facing a catastrophe: their home was flooded until just below the roof. When the water was on the rise, the flow was so strong that the walls of the house could not bear it. They cracked and the house looked like it was on the verge of falling apart. In that year, we did a lot of charity work in that area of Vrindavan. We set up medical camps, made a food camp where we cooked for the people of the area and even went out on boats to distribute food to those people who were cut off from the rest of the town by the water. Sanju and his mother showed us their home back then – it looked as though it would soon be washed away. You can see that scene of 2010 in the video below.

Sanju’s mother had to move to her relatives with her two younger children and Sanju came to stay with us, at the Ashram, along with some other children of the area so that he could go to school. His father however, just like many other men of the area, slept on the roof in order to save their few belongings from being stolen.

Somehow the walls didn’t give in to the water. The water levels sank and the family was happy that their home was still where it had been – cracked and wet, but it was there. There was no money to do repairing work. No money to fix the walls. What will happen the next time when the river floods? What will happen if some day a storm is too strong for the weakened walls? They know that they are living in danger, that the walls could crash down on them any day but they have no choice. The money that they earn is just enough to feed and clothe the children and themselves.

At least they don’t have to worry about their children’s schooling. Sanju already is at our school and they promised that they would send the younger children next year as well. In this way, the children will have a warm meal every day and learn something to make the future of their family brighter!