Von harmloser Scharlatanerie bis hin zu gefährlichem Aberglauben – 2 Jul 13

Mein Freund ist nicht der einzige, der zwischen Medizin und Aberglaube steht. Hier in Indien gibt es so viele Menschen, die wissen, dass sie einen Arzt aufsuchen müssen, wenn sie krank sind, aber sie würden deswegen trotzdem nie die Zeremonien und Rituale vergessen, die ihre Religion und Tradition ihnen als richtig vorschreibt. Nicht nur das – sie gehen sogar zu ziemlich offensichtlichen Scharlatanen, die vorgeben, ihre Krankheiten auf wundersame Weise heilen zu können. Ihr großes Problem ist wie gesagt, dass sie sich trotzdem nicht nur auf solche Methoden verlassen können, sie brauchen auch einen Arzt! Es gibt so viele Beispiele hierfür, dass ich euch gerne noch ein weiteres zeigen möchte:

Als ich Teenager war, lebten wir in der Stadt. In der Gegend, in der wir lebten, gab es einen Mann, der dafür bekannt war, dass er angeblich Gelbsucht heilte. Er war kein Arzt, kein Apotheker und hatte auch keinen ähnlichen Beruf. Er war ein Sadhu, ein religiöser Mann, von dem man glaubte, dass er eine so hohe Bewusstseinsebene erreicht hat, dass seine Methoden einen Gelbsuchtpatienten retten könnten.

Als einer unserer Nachbarn an Gelbsucht erkrankte, begleitete ich ihn zur Behandlung bei dem Sadhu. Der Vorgang war recht einfach: der Sadhu gab unserem Nachbar ein paar Stücke von etwas, das wie Baumrinde aussah und sagte ihm, er solle sich leicht nach vorne gebeugt hinsetzen und die Rinde auf seinen Kopf legen. Der Sadhu nahm einen Krug in die Hand und schüttete unserem Nachbar daraus Wasser über den Kopf und damit natürlich auch über die Kräuter, die darauflagen. Das Wasser in dem Krug war klar, aber sobald es auf die Rinde traf, verfärbte es sich und lief unserem Nachbarn dann in einem tiefgelben Farbton über das Gesicht. Der Sadhu erklärte gleich, dass diese gelbe Farbe die Gelbsucht war, die aus dem Körper floss. Natürlich war der Patient begeistert und vom Erfolg überzeugt!

Ich zweifelte bereits damals als Teenager an den magischen Kräften dieses Sadhu und fragte mich, was für eine Rinde das gewesen war – ich war sicher, dass es eine chemische Reaktion des Wassers auf dieses Ding war, was das Wasser gelb machte. Es mag vielen Lesern lächerlich erscheinen, aber die Menschen glaubten diesem Mann und er war für seine ‚Behandlung‘ sehr bekannt!

Ich brauche wohl nicht erwähnen, dass unser Nachbar trotzdem auch zu einem normalen Arzt ging… kein Vertrauen in seinen Aberglauben und auch nicht in seinen Arzt!

Es gibt so viele Leute, die behaupten, sie könnten mit magie-artigen Methoden alle möglichen Krankheiten heilen und es gibt viele andere, die zu ihnen kommen, um sich zusätzlich zu der medizinischen Behandlung, die sie bereits bekommen, behandeln zu lassen. Sie lassen sich Nierensteine, Krebszellen und andere Körperteile wegoperieren und gleichzeitig gehen sie zu einem Zauberkünstler, der ein paar Tricks macht und die Illusion erschafft, er hätte sie geheilt.

Das ist ja noch relativ harmlos, aber wenn man in Dörfer auf dem Land geht und sich die ländlicheren Teile Indiens betrachtet, so findet man dort noch viel mehr Aberglaube, der sogar gefährlich werden kann. Menschen zahlen Exorzisten, um geliebte Menschen von Geistern und Wesen zu befreien – selbst, wenn sie eigentlich eine ganz normale Krankheit haben. Diese Methoden gehen von seltsam bis grausam und sind dabei oft auch höchst gefährlich für das Opfer. Das wird in Indien ‚Tantra‘ genannt – und es versetzt uns zurück in mittelalterliche Zeiten. Selbst heute noch werden Frauen der Hexerei angeklagt und ermordet.

Natürlich würden unser Nachbar oder auch mein Freund niemals glauben, dass jemand eine Hexe ist und sterben sollte. Sie sind abergläubisch, aber auf einer anderen Ebene, nicht so sehr und immer noch ein klein wenig mit der modernen, fortschrittlichen Welt in Kontakt. Trotzdem glaube ich, dass ihr Verhalten zu diesen extremen Formen des Aberglaubens beitragen kann. Sie lassen sie nicht sterben, sondern besuchen weiter Scharlatane und halten den Aberglauben am Leben!

From Harmless Charlatanry to dangerous Superstition – 2 Jul 13

My friend is not the only one who is stuck in between medicine and superstition. Here in India, there are so many people who know that they have to go and see a doctor when they are ill but they nevertheless would not skip the ceremonies and rituals that their religion and tradition thought to be right. Not only that – they even go to quite obvious charlatans who pretend to cure their diseases in miraculous ways. As I already said, their big problem is that they still don’t only rely on such methods, they need the doctor, too! There are so many examples of this that I thought I give you another one.

When I was a teenage boy, we were living in town. In the area where we lived, there was a man who was popular for being able to cure jaundice. He was not a doctor, not a pharmacist or of any similar profession. He was a Sadhu, a religious man who was believed to have reached such a high level of consciousness that his methods could save a jaundice patient.

When one of our neighbours fell ill with jaundice, I accompanied him to the Sadhu to seek treatment. The procedure was quite simple: The Sadhu gave our neighbor pieces of something that looked like tree bark, told him to sit down and place this bark on his head, slightly bending forward. The Sadhu took a jug in his hand and poured water over the head of our neighbor and of course over the herbs that were lying on top of it. The water in the jug was clear but once it touched the bark, it started flowing further in a deeply yellow colour over our neighbour’s face. The Sadhu immediately explained that this yellow colour was the jaundice leaving the body. Obviously the patient was amazed and hopeful that it would help!

I was already in that time, as a teenager, doubting the magical powers of this Sadhu, wondering what kind of herb or bark that had been – I was sure it was a chemical reaction of that thing and the water which made the water turn yellow. It may seem ridiculous to many readers but people believed this man and he was very popular for his ‘treatment’!

Needless to say however that our neighbor still went to the regular doctor… no trust in his superstition, no trust in the doctor either!

There are so many such people who claim to treat all kinds of diseases with magic-like methods. And there are many others who go to them to get treated on top of the medical treatment they are already receiving. They undergo surgery to have kidney stones, cancer cells and other parts of their body removed but additionally they ask a magician to do some tricks and create the illusion he had cured them.

This is on a relatively harmless level but when you go into the villages, in more rural parts of India, you will find that there is much more superstitious belief which even gets dangerous. People pay exorcists to get out the ghosts and spirits that have befallen loved ones – even if they are just suffering from a normal disease. These methods range from simply strange to cruel and thus highly dangerous for the victim. This is called ‘Tantra’ in India – and it brings you back in medieval times. People even in these times kill women who are accused of witchcraft.

Of course our neighbor or my friend would never believe that someone is a witch and should be killed. They are superstitious but on another level, not as much and still a little bit connected to the modern, progressing world. Nevertheless I believe that by their behavior they contribute to these extreme forms of superstition. They won’t let it die but keep on visiting charlatans, holding superstition alive!

Der innere Konflikt des modernen Abergläubigen – kein volles Vertrauen – 1 Jul 13

Einer meiner Freunde erzählte mir, dass er einmal zusammen mit zwei anderen Personen im Dunkeln unterwegs war. Sie liefen auf einer normalen Straße in Indien, auf dem Weg zu einem Treffen, als mein Freund auf einmal einen stechenden Schmerz in seinem Bein verspürte und aufschrie. Die anderen drehten sich um, Taschenlampen in den Händen, um zu sehen, was passiert war.

Mein Freund rief, dass er von etwas gebissen worden war und als die anderen sahen, dass er sein Bein hielt, richteten sie das Licht der Taschenlampen auf sein Bein und seinen Fuß. Da, neben seinem linken Fuß, sahen sie die bekannte Form eines Skorpions und den scharfen Stachel am Ende seines schmalen Körpers. Mein Freund war von einem Skorpion gebissen worden!

Obwohl er wegen des Stichs besorgt war, tötete er zuallererst den Skorpion. Das würde denke ich jeder tun, damit der nächste, der dort vorbeikommt, nicht auch noch gebissen wird. Mein Freund hatte einen weiteren Grund dafür. Er war davon überzeugt, dass er den Skorpion gleich umbringen musste, damit sich in seinem Körper weniger Gift ausbreiten würde. Natürlich war das Aberglaube, da das Gift bereits in den Körper gelangt war und der Skorpion ja auch nicht mehr am Bein meines Freundes hing, doch das ist sogar noch eine leichte Form des Aberglaubens.

Ich erkannte das wahre Ausmaß des Aberglaubens, als mein Freund mir erzählte, dass sie danach gleich zum nächsten Dorf-Sadhu gingen, der sich mit Skorpion-Stichen auskannte und der spirituell weit genug war, um durch sein Gebet das Gift aus dem Bein holen konnte.

Ja, sie fanden wirklich einen Sadhu, der, natürlich gegen eine kleine Entlohnung, an meinem Freund seine Magie anwendete. Er band ein Stück Stoff eng um seinen Oberschenkel, hob ein Büschel Zweige auf, das wie ein Besen zusammengebunden war und bürstete damit das Bein ab, wobei er fortwährend Mantras murmelte. Dieses Schauspiel sollte das Gift davon abhalten, sich auszubreiten und es sogar wieder aus dem Bein holen. Und wirklich, mein Freund war überzeugt, dass er spürte, wie das Gift sich in seinem Bein nach unten bewegte.

Doch zurück im Auto, auf dem Weg nach Hause, musste er sich einem inneren Konflikt stellen: er war ein studierter Mann und hatte in der Universität, in Büchern und von jedem kenntnisreichen Menschen, den er kannte, gelernt, dass man nach so einem Stich zum Arzt muss. Er glaubte jedoch auch, dass dieser Sadhu mit seiner Arbeit erfolgreich gewesen war! Naja, was konnte er anderes tun, als eben doch zum Arzt zu gehen? Er ging hin, kaufte die entsprechenden Arzneimittel und bekam glaube ich sogar noch eine Spritze.

Natürlich hatte er daraufhin keine weiteren Probleme nach seiner Begegnung mit dem Skorpion – in seinen Augen war er doppelt abgesichert: auf religiösem Wege und durch die medizinische Wissenschaft.

Ich schreibe diese Geschichte hier nur, um wieder einmal zu zeigen, was ein Aberglaube mit einem intelligenten, studierten Mann machen kann! Meiner Meinung nach hatte er nur deswegen das Gefühl, dass durch die Behandlung des Sadhus etwas geschah, weil er daran glaubte – eine psychologische Wirkung. Ich glaube, dass die wahre körperliche Behandlung nur durch den Arzt stattfand.

Dieser Mann befindet sich in einer sehr schwierigen Situation, weil er in seinem Leben nie sicher weiß, ob er der Wissenschaft oder dem Aberglauben folgen soll. Eigentlich glaubt er nämlich in keines der beiden wirklich vollständig. Er hat nicht das Vertrauen, dass der Sadhu alleine ihn hätte retten können und auch nicht das Vertrauen, dass der Arzt das geschafft hätte. Er geht also erst zu jemandem, der ihn mit göttlichen Kräften und Mantras behandelt und danach geht er zu einem Arzt und zahlt dort!

Es ist ein mentales Problem, das diesen Mann nie vertrauen oder mit Sicherheit etwas beschließen lassen wird. Er wird immer versuchen, einen Mittelweg zu finden, indem er beides macht und wird dabei mehr verlieren als gewinnen! Ich hoffe, dass er und alle, die in seiner Situation sind, eines Tages deutlich sehen, dass Aberglaube niemanden rettet.

The inner Conflict of a modern superstitious Person – no full Trust in anything – 1 Jul 13

One of my friends told me that he had once been walking in the dark together with two other people. They were walking on a normal Indian road, on the way to a meeting when my friend suddenly felt a sharp pain in his leg and cried out. The others turned around, torches in the hand to check what had happened.

My friend shouted that he had been bitten and seeing that he was grabbing his leg, turned the light of the torches towards his leg and foot. There, next to his left leg, they saw the familiar form of a scorpion and the sharp sting at the end of his small body. My friend had been stung by a scorpion!

The very first thing what he did, although scared about this sting, was to kill that scorpion. Anybody would do that, I think, in order to save another person walking on that way from being stung. The reason my friend had for his action went a bit further. He was convinced that he had to kill the scorpion right away, in this way less poison would spread in his body. Obviously that is superstition as the poison was already in the body and the scorpion away from my friend’s leg but that is even a mild version of superstition.

I realized the real amount of superstition when my friend told me that they straight away went to the next village Sadhu who knew about scorpion bites and spiritually enough elevated that he could remove the poison from the leg by praying.

Yes, they really found a Sadhu who, against a small compensation of course, worked his magic on my friend. He tied a piece of cloth tightly around his thigh, picked up some twigs tied into the shape of a broom and brushed down his leg, murmuring mantras. This drama was supposed to stop the poison from spreading and even remove it from the leg again. And indeed, my friend was convinced that he felt the poison move down in his leg.

Back in the car on the way home however, he faced an inner conflict: he was a studied man and had learned in university, in books and from every knowledgeable man he knew that one has to go and see a doctor after having been stung by a scorpion. He did believe, too, however that this Sadhu had succeeded with his work! Well, what else could he do than going to see the doctor? He went, bought his medicine and I believe even got an injection.

Of course he had no problems following this encounter with the scorpion – in his eyes he was double safe: by religious means and medical science.

I am writing this story just to show once more what superstition can do to an intelligent, studied man! In my eyes he had the feeling that something happened through the treatment of the Sadhu only due to his belief and the psychological effect that this had on him. I believe that the true physical treatment was only done by the medical doctor.

This man is in a very difficult situation because he will always live in the confusion whether he should follow science or superstition. Actually he doesn’t fully believe in any of the both! There is no trust that the Sadhu alone could have saved him and no trust that the doctor alone would have saved him either! He will first go to someone who treats him with divine powers and mantras and afterwards go to the doctor and pay there!

It is a mental problem that will never let this man trust or decide confidently. He will always try to find a middle way by doing both and thus losing more than earning! Someday, I hope, he and everyone else in his situation will see clearly that superstition won’t save anybody.

Nicht-Hindus mit Hindu Titeln – in einer Religion, zu der man nicht übertreten kann – 30 Jan 13

In den letzten Tagen habe ich über die Kumbh Mela geschrieben und habe dabei natürlich viel über Hindus und über Inder geschrieben, über indische Pilger und nebenbei vielleicht auch ein bisschen über Pilger aus anderen Ländern. Ich habe jedoch noch nicht über eine weitere Art von Person geschrieben: nicht-indische Sadhus und Gurus, die auf der Kumbh Mela ganz klar keine Besucher oder Touristen sind, sondern Aussteller und Darsteller.

Ich habe zuvor bereits erklärt, dass Hinduismus eigentlich keine Bekehrungen erlaubt. Man kann zum Islam übertreten, man kann zum Christentum übertreten, aber es gibt keine Möglichkeit, zum Hinduismus überzutreten. In keiner Hindu Schrift findet man eine Beschreibung einer Zeremonie oder eines Rituals dazu, wie man zum Hindu wird. Man kann nur von Geburt an Hindu sein. Das ist der Grund warum der Vishwanath Tempel in Varanasi, der Jagannath Tempel in Puri, Orissa und die meisten Hindu Tempel in Südindien nicht-Hindus noch heute am Betreten hindern. Vor diesen Tempeln stehen Schilder mit diesem Hinweis und das ist der Grund, warum kein Ausländer die Tempel betreten kann. Ich habe diesen religiösen Rassismus einmal in einem Eintrag beschrieben, aber es zeigt einfach wieder, dass man nicht zum Hinduismus übertreten kann.

Das Lustige ist, dass die Geschäftsmänner des Hinduismus, die religiösen Führer und Gurus ihre eigene Religion selbst auseinandergenommen haben. Die Zeitschriften schreiben täglich über Sadhus von aus Amerika, Russland, Schweden und anderen Ländern auf der Kumbh Mela in Allahabad. Sie sind keine einfachen Sadhus, die einem indischen Guru folgen, nein, sie sind selbst Gurus mit großen Lagern und werden von den indischen Gurus um sie herum vollständig angenommen und akzeptiert – weil sie von einer sehr alten religiösen Hindu Organisation eingeweiht wurden, die die Autorität hat, den Titel Mahamandaleshwar zu verleihen, Führer einer Gruppe Anhänger. Und sie haben diesen Titel auch an Ausländer verliehen! Jeder weiß nun jedoch, dass solche Titel käuflich sind – wer genug Geld hat, kann einen kaufen.

Die Hindu Religion erlaubt Ausländern nicht einmal, ihre Tempel zu betreten, wie kommt es, dass eine alte Organisation dieser Religion die gleichen Ausländer einweiht und ihnen hohe Titel verleiht? Sie machen nun ihre eigenen Anhänger, haben ihre Zelte und Lager auf der Kumbh Mela und werden angebetet und verehrt und das von Menschen von der ganzen Welt – auch von indischen Hindus, die offensichtlich vergessen haben oder nie wussten, was ihre eigenen Schriften besagen.

Was das noch schlimmer macht ist, dass man sieht, wie sie alle zusammen bei diesem Fest ihre Geschäfte betreiben. Die westlichen Gurus und Sadhus stehen den indischen hier in keinster Weise nach, geben mit ihrem Reichtum an und vergnügen sich mit weiblichen Anhängern, obwohl Sanyasis mit diesem Titel nicht einmal mit Frauen reden sollten! Von einem westlichen Guru ist bekannt, dass er eine Messerspitze Asche für 1100 Rupien verkauft – umgerechnet in etwa 15 Euro! Sie machen dort das große Geld, während sie eigentlich von allem Materiellen losgelöst sein sollten.

Darum sage ich, dass Religion reine Geschäftssache ist und nichts anderes. Jeder manipuliert sie nach seinem Vergnügen, gibt seine Interpretation, schafft seine eigene Tradition und öffnet seinen Laden, um Gott und Religion zu verkaufen. Das religiöse Publikum unseres Landes ist bereit dazu, alles zu kaufen, was im Namen der Religion verkauft wird.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Westler, die sich selbst Hindus nennen, meinen Worten nicht zustimmen können und von ihnen am allermeisten die Gurus, deren Geschäft Religion ist. Das letzte Mal, als ich über dieses Thema schrieb, bekam ich jede Menge wütende Antworten von denen, die das Gefühl hatten, dass ich die Wahrheit aussprach. Ich weiß auch, dass die üblichen religiösen Menschen, die Anhänger, mich für meine Worte verfluchen werden, aber sie werden sich vor den Gurus verneigen, die sich selbst bereichern, während sie die Schriften verspotten, die sie anderen als Richtlinien geben. Ich kann wieder nur zu dem Schluss kommen, dass das Ganze entweder traurig oder lächerlich ist – und ich lache lieber.

Non-Hindus in high Hindu Posts – in a Religion that doesn’t allow Conversion – 30 Jan 13

While I was writing about the Kumbh Mela in the past days, I was obviously writing a lot about Hindus, about Indians, about Indian pilgrims and at the side maybe mentioned pilgrims from foreign countries. I did not however talk about another type of person: non-Indian sadhus and gurus who are very clearly not visitors at the Kumbh Mela, who are not tourists but exhibitors and performers.

I have explained before that Hinduism does not actually allow conversion to it. You can convert to Islam, you can convert to Christianity but there is no way to convert to Hinduism. In no Hindu scripture can you find a description of a ceremony or ritual on how to become a Hindu. You can only be Hindu by birth. This is the reason why the Vishwanath temple in Varanasi, the Jagannath temple in Puri, Orissa and most Hindu temples in South India prohibit non-Hindus from entering still today. That notice is written on a signboard outside a temple and that is the reason why no foreigner can enter in the temple. I once explained this kind of religious racism but it just shows again that you cannot convert to Hinduism.

The funny part is that the businessmen of Hinduism, the religious leaders and gurus have picked apart their own religion by themselves. The newspapers are daily writing about sadhus from America, Russia, Sweden and other countries on the Kumbh Mela in Allahabad. They are not only simple sadhus, following some Indian guru, no, they are gurus themselves with big camps and they are fully acknowledged and accepted by the Indian gurus around them – because they have been initiated into their posts by a very old religious organization of Hinduism which has the authority to give people the honour of being Mahamandaleshwar, the head of a group of followers. And they gave this post to foreigners as well! Everybody knows now however that such titles are sellable – if you have enough money, you can buy one.

The Hindu religion does not even allow foreigners to enter their temples, how come that an old organization of this religion initiates the same foreigners and even gives them high posts? They now make their own followers, have their tents and camps at the Kumbh Mela and are prayed to and worshipped by people from all over the world – including faithful Indian Hindus, who obviously forgot or don’t know what their own scriptures say.

What makes this worse that you then see them all doing their business together at this festival. The western gurus and sadhus are no less than the Indians, showing off their wealth and enjoying with female followers although sanyasis of that post are not even supposed to talk to women! A western guru is known to sell one pinch of ashes for 1100 Rupees – approximately 20 US-Dollars! They make really big money there while they are actually supposed to be detached from all material.

This is why I say religion is pure business and nothing else. Everybody modifies it to his comfort, gives his interpretation, creates his own tradition and opens his shop for selling god and religion. The religious audience of our country is ready to buy anything which is sold on the name of religion.

I am aware of it that those foreigners who call themselves Hindus cannot agree with my words and most of all not those gurus whose business religion is. The last time I wrote about this topic, I received a lot of angry response from those who felt I had touched the truth. I also know that regular religious people, the followers, will curse me for my words but they will bow in front of those gurus who enrich themselves while ridiculing the scriptures they want others to believe in. I can again only reach to the conclusion that it is either sad or laughable – I prefer laughing.

Naga Sadhus – Konzept der Loslösung oder das Herzeigen von Genitalien und Drogenkonsum – 29 Jan 13

Immer, wenn man etwas über die Kumbh Mela liest, denkt man üblicherweise an die bekanntesten Szenen, die man ja normal auch in den Nachrichten sieht: tausende nackte Männer rennen in den Ganges. Viele Leute sind sich darüber bewusst, dass diese Männer nicht nur für ihr heiliges Bad im Ganges nackt sind – das ist ihre übliche Kleidung: überhaupt keine Kleidung. Sie werden Naga Sadhus genannt und sind interessant genug, dass ich nun einen ganzen Artikel über sie und ihre Philosophie schreibe.

Naga bedeutet einfach nur nackt, also sind sie die nackten Sadhus. Man kann sagen, dass sie die Höchstform der Sadhus sind. Das Prinzip eines Sadhu ist ganz klar: sie üben Loslösung. Sie habe jegliche Verbindung zu ihrer Familie abgebrochen, so dass sie sich von ihnen loslösen können. Sie sind immer unterwegs, so dass sie auch keine Anhaftung zu einem bestimmten Ort entwickeln. Sie haben auch nicht viel Hab und Gut. Sie essen, was sie finden oder was ihnen die Menschen geben. Sie lagern nichts und heben nichts auf, sondern essen genau so viel, wie sie in den Händen halten können.

Ein Naga Sadhu geht noch einen Schritt weiter und löst sich sogar von seiner Kleidung. In dem Prozess, immer weniger an den Dingen zu haften, ist das der logische nächste Schritt. Wenn man nichts mehr hat außer der Kleidung an seinem Körper, sich aber von allem lösen will, müssen die Klamotten weg. Wer Kleidung hat, muss diese auch waschen. Während man sie wäscht, muss man auch etwas tragen, also braucht man mindestens ein weiteres Set Kleidung. Wenn man zwei Hosen hat, trägt man eine und muss die zweite in einer Tasche oder einem Stofftuch aufbewahren. Wenn du nun eine Tasche hast, musst du aufpassen, wo du sie hintust, wenn du dich schlafen legst und darauf achten, dass du sie nicht vergisst. Wenn sie jemand stiehlt, kannst du das nicht mehr ruhig hinnehmen – die Anhaftung ist also schon zu einem Problem geworden. Die Naga Sadhus haben beschlossen, all solche Sorgen zu verbannen und nackt zu bleiben.

Naga Sadhus sollen so tief in ihrer Spiritualität und Liebe zu Gott sein, dass es ihnen egal ist, wie sie aussehen und sogar, ob es warm oder kalt ist. Sie haben sich von ihrem eigenen Körper so sehr losgelöst, dass sie ihn nicht mehr vor hohen oder niedrigen Temperaturen schützen.

So soll es zumindest sein und vielleicht war es das in alten Zeiten auch wirklich. Sie hatten nichts, noch nicht einmal Kleidung. Heute sieht man meistens, dass sie alles haben, nur keine Kleidung. Viele von ihnen haben Geld, Gold, Schmuck – sie sind Luxus-Sadhus! Die normalen, bekleideten Sadhus heutzutage geben bis zu drei Millionen Rupien dafür aus, ihre temporären Zeltbehausungen auf der Kumbh Mela aufzustellen und zu dekorieren! Genauso laufen die Naga Sadhus herum, nackt, aber mit wertvollen Ringen an den Händen und bitten die Leute um Geld, während sie ihnen ihre Genitalien zeigen. Die Naga Sadhus wissen, wie sie vor einer Kamera posieren müssen und wie sie ihre nackten Körper Mädchen aus dem Westen zeigen können, in dem Wissen, dass ihre Bilder in den internationalen Medien veröffentlicht werden. Sie haben Drogen und spüren deswegen die Kälte nicht. Wie sehr losgelöst ist das wirklich?

Ich habe gehört, dass es auch weibliche Naga Sadhus auf der Kumbh Mela gibt, getrennt und in einem anderen Zelt, das für die Öffentlichkeit verschlossen bleibt. Wenn das wahr ist, warum sitzen sie dann nicht in der Öffentlichkeit, wie die Männer es tun? Ist es nicht sowieso seltsam, dass es eine Erregung öffentlichen Ärgernisses ist, wenn eine normale Person seine Genitalien in der Öffentlichkeit zeigt, wenn es jedoch ein religiöser Mann macht, ist es in Ordnung! Wenn du das tust, wirst du festgenommen und musst wahrscheinlich Strafgeld zahlen. Wenn sie das tun, machen die Leute Bilder von ihnen, diese werden dann auf der ganzen Welt in Magazinen abgedruckt und alle sind fasziniert, nicht verärgert.

Ist es nicht eine sehr seltsame Welt?

Naga Sadhus – Concept of Detachment or showing off Genitals and taking Drugs – 29 Jan 13

When you read anything about the Kumbh Mela, you probably think of the most famous scenes which are usually depicted in news: thousands of naked men running into the Ganges. Most people are aware of the fact that these men are not only naked for the holy bath in the Ganges – this is their regular dress: no clothes at all. They are called the Naga Sadhus and they are interesting enough for me to write a complete article about them and their philosophy.

Naga simply means naked, so they are the naked sadhus. You can say that they are the ultimate form of a detached sadhu. The principle of a Sadhu is quite clear: they practice detachment. They have cut all ties with their family so that they don’t get attached, they are always on the move so that they can remain detached from geographical locations and they don’t have a lot of belongings. They eat what they find or what people give them. They won’t store anything but just eat as much as fits into their hands.

A Naga Sadhu goes one step further and is not even attached to his clothes. In the process of getting more and more detached, this is the logical next step. When you don’t have anything anymore except for the clothes on your body but you want to get detached from everything, your clothes have to come off. If you have clothes, you have to wash them, too. While you are washing them, you need to wear something, so you need at least a second set of clothes. If you have two pairs of pants, you wear one and need to keep the second one in a bag or a piece of cloth. If you have a bag, you need to take care where to put it when you sleep and that you don’t forget it. If someone steals it, you won’t be able to accept it just as a fact – so you see, the attachment has already grown into a problem. The Naga Sadhus decide not to have any of this and remain naked.

Naga Sadhus are supposed to be so deeply in spirituality and love to God that they don’t care how they look like and don’t even care whether it is warm or cold. They don’t even have that much attachment to their body to save it from high or low temperatures.

That is how it is supposed to be and how it maybe was in older times. They had nothing and not even clothes. What you can see today is mostly that they have everything, just no clothes. Many of them have money, gold, jewelry, they are luxury sadhus! The regular, clothed sadhus these days have spent up to three million rupees on building and decorating their temporary tents on the Kumbh Mela! Just in the same way, the Naga Sadhus walk around, naked, but with precious rings on their hands and asking people for money while showing them their genitals. The Naga Sadhus know how to give a pose to the photographers and how to show their naked bodies to young western girls, knowing their pictures will be published in international media. They have drugs and thus don’t feel the cold. How much detachment is that still?

I heard that there are also female Naga Sadhus present at the Kumbh Mela, separate in another tent, closed from the public. If that is true, why don’t they sit in public display like the men do? Isn’t it anyway strange that if a normal person shows his genitals in public, it is offending and indecent behavior but when a religious man does that, it is fine! If you do it, you can get arrested and will most probably have to pay a fine. If they do it, people take pictures of them, the pictures are printed all over the world and everybody is fascinated, not offended.

Isn’t it a strange world?

Mehr abwaschen als nur Sünden – Verschmutzung des Ganges durch die Kumbh Mela – 28 Jan 13

Letzte Woche habe ich angefangen zu erklären, warum ich definitive nicht nach Allahabad gehen werde, wo die Kumbh Mela zur Zeit in vollem Gang ist. Neben dem ganz offensichtlichen Grund – dass ich nicht religiös bin und nicht glaube, dass mir ein solcher Ausflug etwas bringen würde – habe ich die Ausbeutung von Kindern erwähnt und auch das große Geschäft, das dort gemacht wird. Es gibt jedoch einen weiteren, sehr wichtigen Aspekt, der nicht nur Ungläubige wie mich davon abhalten sollte, dorthin zu gehen, sondern auch die frömmsten Gläubigen ins Denken bringen sollte: die Flussverschmutzung des Ganges!

In Allahabad fließt der heilige Fluss Yamuna in den heiligen Ganges und von Allahabad an fließt nur noch der Ganges weiter. Für religiöse Menschen ist das ein sehr heiliger Ort, weil dort die zwei heiligen Flüsse aufeinandertreffen und so natürlich doppelte Heiligkeit entsteht. Zusätzlich ist da die Geschichte mit dem Nektar der Unsterblichkeit, der in Allahabad zu Boden getropft sein soll, also ist die Flussmündung ganz klar der perfekte Ort für das größte religiöse Fest auf Erden.

Die wichtigste Handlung für jeden Besucher der Kumbh Mela in Allahabad ist das Bad im Ganges. Es soll dich von deinen Sünden reinigen. Für sie ist es ein heliges Bad, eine Reinigung und Erfrischung. Für mich sieht es nach einem der schmutzigsten Orte aus, an dem man sich waschen könnte! Diese Stelle ist wahrscheinlich einer der am meisten verschmutzten Abschnitte beider Flüsse! Die Yamuna kommt dort an und bringt das ganze Abwasser von Delhi, Agra und anderen Städten mit! Der Ganges selbst ist auf seinem Weg von den Bergen herunter auch nicht gerade sauber geblieben! Willst du wirklich in dieses Wasser voller menschlicher und industrieller Abfälle springen?

Ich weiß jedoch, dass man blinde, religiöse Gläubige auf keine Weise davon abhalten kann, in diesem Schmutzwasser nicht nur zu baden, sondern sogar einige Schlucke zu trinken. Das soll die Sünden wegwaschen, aber sie sind offensichtlich alle bereit dazu, Allergien, Hautkrankheiten, Magen- und Verdauungsprobleme und vielleicht ernsthafte Krankheiten in Kauf zu nehmen, die sie davontragen, wenn sie Wasser trinken, dessen Verschmutzungsgrad bereits an einem normalen Tag hoch über den normalen Werten liegt.

Naja, wenn du das deinem Körper antun willst, gibt es wahrscheinlich niemanden, der dich davon abhalten kann, dich selbst krank zu machen. Ich habe jedoch Einwände gegen dieses ritualistische Baden, weil es indirekt auch mich betrifft! Wie? Wasserproben vor und nach dem großen Massenbad am 14. Januar haben gezeigt, dass der Grad der Verschmutzung bereits zu hoch zum baden oder gar trinken war, bevor alle hineinsprangen, danach aber war es fast doppelt so schlimm!

Das ist nicht sehr überraschend – geschätzte acht Millionen Leute haben nicht nur ihre Sünden abgewaschen, sondern gleich auch noch ihren eigenen Dreck! Über die ganze Zeit der Kumbh Mela verteilt, wird erwartet, dass 100 Millionen Besucher im Fluss baden und dazu noch ihre Zeremonien abhalten, wobei sie ihren religiösen Müll auch noch hineinwerfen. Ihr verschmutzt den längsten und größten Fluss unseres Landes und das nicht zu gering! Ja, das wirkt sich auch auf mich aus und auf jeden anderen Inder, letztlich auf jede andere Person dieser Erde!

Jetzt wurde von offizieller Seite mehr Wasser von einer höheren Staustelle abgelassen, so dass sich die Verschmutzung auf etwas mehr Wasser verteilt und an einem Ort nicht ganz so schlimm ist – sie haben wahrscheinlich keine Lust, wegen einer Masseninfektion oder einer ansteckenden Krankheit unter Festbesuchern international in die Nachrichten zu kommen!

Das Fazit ist, dass es nicht empfehlenswert ist, an diesem Fest teilzunehmen – es ist spiritueller Unsinn, Menschen werden ausgenutzt, es dreht sich sowieso alles nur ums Geld und es schadet sowohl deiner Gesundheit als auch der Umwelt. Jetzt kannst du selbst darüber nachdenken, was du machen möchtest!

Artikel der BBC zur Verschmutzung des Ganges durch die Kumbh Mela

Washing off more than Sins – Polluting the Ganges at the Kumbh Mela and inviting Diseases – 28 Jan 13

Last week I started explaining why I am definitely not going to visit the Kumbh Mela in Allahabad which is in full swing there at the moment. Besides the obvious reason – that I am not religious and don’t believe in the benefits of going there – I mentioned the exploitation of children and the big business that is really going on there. There is however another very big factor that should not only keep non-believers like me from going there but should definitely concern the most faithful religious believer, too: the pollution of the river Ganges!

In Allahabad, the holy river Yamuna flows into the holy Ganges and from Allahabad on, only the Ganges flows on. For religious people this is a very holy place because the holy Yamuna and the holy Ganges mix and obviously create double holiness. Additionally there is the story with the nectar of immortality having dripped in Allahabad, so the river junction is just the perfect place for the biggest religious festival on earth.

The most important action for any visitor of the Kumbh Mela in Allahabad is the dip in the Ganges. It is supposed to clean you from your sins. For them it is a holy bath, cleansing and refreshing. To me it looks like one of the dirtiest spots to wash yourself at! This place is most probably one of the most polluted places of both rivers! The Yamuna arrives there, bringing all the pollution and waste water of Delhi, Agra and other cities it has flown through! The Ganges itself is dirty, too, having come all the way down from the mountains! Do you really want to jump into this water full of industrial and human waste?

I know however that there is no way to stop blind religious believers from not only bathing in this polluted water but even drink a few sips. It is supposed to cleanse your sins away but they all are obviously ready to put up with allergies, skin diseases, stomach and digestion problems and maybe serious illnesses that they carry away from drinking water which is on a normal day already high above the regular pollution levels.

Well, if you want to do this to your body, I don’t think there is anybody who can keep you from making yourself ill. I do object to this ritualistic bathing however because it indirectly also affects me! How? Water tests before and after the big mass bathing on 14th January have shown that the pollution level was too high for drinking or bathing already before everybody jumped in but afterwards it had nearly doubled!

It is not very surprising – approximately eight million people have washed off not only their sins but along with it all their own dirt into the river! In the complete time of the Kumbh Mela, 100 million visitors are expected to bath in the river and additionally do their ceremonies, putting their religious garbage into it, too. You are heavily polluting the biggest river of our country! Yes, it does affect me and every other Indian, ultimately every other person on this earth!

Now authorities have released more water from further above so that the pollution gets spread on some more water and is not as intense at one place – they would probably not like to make international news because of a mass infection or a spreading disease among all festival visitors.

The conclusion is that this festival is not advisable to attend – it is spiritual nonsense, there is human exploitation, it is anyway just about business and it harms your health and the environment. Now you can think yourself what you would like to do!

BBC article on the Ganges pollution by the Kumbh Mela