In ein paar Tagen wird es ein ganzer Monat sein, seit wir Ammaji verloren haben. Ich habe bereits erwähnt, dass es ein sehr intensiver Monat war und während ich mich selbst und meine Emotionen beobachtete, habe ich wieder einmal erkannt, was für eine wichtige Rolle die Zeit im Leben spielt und wie sehr das Vergehen der Zeit sich doch auf unsere Gefühle auswirkt. Ich glaube, es zeigt, dass Zeit wirklich heilt – und dass man darauf zählen kann, dass die Zeit einem hilft, mit seinen Emotionen umzugehen.
Ganz zu Beginn, in den ersten paar Stunden nach Ammaji’s Tod, war ich in einem Schockzustand. Da waren keine Tränen und es fühlte sich an, als hätte ich es noch nicht ganz realisiert, dass sie wirklich weg war. Der Verstand war schon dort angelangt und wusste, dass Ammaji gegangen war, sah Babbaji und Naniji in ihrer Trauer, aber die Emotionen hatten diesen Punkt noch nicht erreicht. Es dauerte bis wir am Yamuna waren, bis sie mich wirklich erreichten. Tränen flossen sobald der erste Schock überwunden war und die Gefühle zu meinem Herzen vordringen konnten.
Noch tagelang nach ihrem Tod weinten wir alle jedes Mal, wenn wir über sie sprachen. Jedes einzelne Gesprächsthema, das eine Erinnerung weckte oder etwas mit ihr zu tun hatte, schuf einen Kloß im Hals und ließ die Tränen fließen. Wir sprachen viel über sie und ich teilte diese Gespräche und Gedanken in meinem Tagebuch auch mit euch. Die Gedanken kamen die ganze Zeit. Alles hing mit Ammaji zusammen und wenn etwas wirklich überhaupt nicht mit ihr in Kontakt gebracht werden konnte, sagten wir ‚Sie hatte wirklich nie etwas damit zu tun!‘ Wir sahen ihre Schuhe, wir sahen ihren Teil des Gartens, wir sahen den leeren Platz, wo sie immer gesessen war. Wir redeten und weinten.
Nach einigen Tagen hatten wir alles gesagt. Wir hatten über jede Einzelheit geredet und über jede Erinnnerung Tränen vergossen. Es begann eine Zeit, in der es nicht so viel zu sagen gab, weil alles bereits gesagt war. Gedanken kamen jedoch und machten mich traurig. Nicht jeder von ihnen brachte mich zum weinen, aber manche von ihnen eben schon. Langsam lernte ich die Tatsachen akzeptieren, die man ja eh nicht ändern kann.
Auch heutzutage noch ist der erste Gedanke in der Früh der Gedanke an Ammaji. Die Zeit als sie ging, ihre letzten Minuten mit uns, es ist alles noch ganz klar in meinem Kopf und ich sehe es oft vor meinen Augen. Gestern hielt ich Apra, die eine schwere Erkältung hat, in meinen Armen und erinnerte mich an Zeiten, als ich klein war und nur in den Armen meiner Mutter sein wollte. Erinnerungen sind da und werden auch immer bleiben. Die Gefühle sind nun weniger intensiv, es schmerzt nicht mehr so sehr, aber wir werden sie immer in Erinnerung behalten.
Du musst dir selbst Zeit geben. Es ist ein natürlicher Prozess, mit dem die Zeit deine Wunden heilt und ich bin fasziniert davon, wie gut es wieder einmal funktioniert. Es ist notwendig, dass man die Zeit ihre Arbeit machen lässt und sich nicht wiedersetzt, dass man die Tränen fließen lässt, wenn man sich danach fühlt, weil es dafür die richtige Zeit ist. Es werden wieder andere Zeiten kommen, Zeiten zum Lachen und feiern, aber man muss seiner Trauer Raum geben, so dass die Zeit die Schmerzen heilen kann.
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