Was ist Kriya Yoga nach Patanjali – 13 Mai 08

Yoga

Heute haben wir uns von Michael und Andrea verabschiedet und Lüneburg verlassen, um nach Melle zu fahren, wo die Yogaschüler das Wochenende verbracht hatten. Dort habe ich einen Vortrag gegeben. Ich habe über die Patanjali Sutras gesprochen, weil ich ihnen eine Idee davon geben will, was Patanjali sagt, weil alle Übersetzungen auch Interpretationen sind. Wenn du eine Übersetzung liest, enthält diese auch die Gedanken des Übersetzers. Also habe ich einige Sutras erklärt. Eines davon war das erste Sutra des zweiten Kapitels. Patanjali gibt darin eine Definition von Kriya Yoga und benutzt dazu die Worte Tap, Swadhyay and Ishwar Pranidhan.
Ich habe eine Übersetzung des Wortes Tap gehört, die ich

nicht mochte: Buße. Das ist nicht, was ich unter Tap verstehe und wir haben auch ein anderes Wort in Sanskrit hierfür. Nein, ich werde euch Tap erklären. Tap ist, wenn du in einer speziellen Zeit des Rückzugs etwas mit Disziplin übst. Wenn du etwas machst, dass nicht zu deinem normalen Leben gehört und wenn du das diszipliniert tust. Dafür sage ich Tap und das ist ein großer Unterschied zu Buße.

Die wörtliche Übersetzung von Swadhyay ist Selbst-Studium. Ein Studium ohne einen Lehrer. Es ist ein wunderschönes Wort mit viel Bedeutung in sich. Ich werde euch ein Beispiel aus meiner Kindheit geben, um euch zu zeigen, wie tief die Bedeutung des Wortes sein kann. Ich habe sehr früh damit begonnen, die Schriften zu lesen und zu lernen und zu Beginn habe ich sie gelesen, aber die Bedeutung nicht verstanden. Ich fragte meinen Vater, was ich tun sollte, wenn ich es nicht verstehe. Und das war seine erste Lektion für mich: Lies niemals eine Interpretation. In meinem täglichen Plan war ich es gewöhnt, drei Stunden lang Schriften zu lesen und zu rezitieren und mein Vater sagte, ich solle das auch weiter machen und selbst, wenn ich es nicht verstehe, sollte ich weitermachen, es noch einmal und wieder und wieder lesen. Lies immer das Original.

Wenn du es nicht verstehst, wiederhole es einfach und lass dich nicht entmutigen. Ich wette mit dir, wenn du es tausend Mal liest, wirst du es verstehen. Und es funktioniert. Du musst das lieben, was du tust. Gib den Schriften Liebe und Respekt und sie werden dir ihren Segen schenken. Wenn du eine Interpretation liest, wirst du über die Anschauung von jemand anderem lesen, nicht von Patanjali. Und wenn du Patanjali, seine Sutras oder eine Schrift liebst, wird es zu dir kommen und dich selber lehren. Das ist meine eigene Erfahrung. Ich habe die Bedeutung zu Beginn nicht verstanden, doch nach vielen Wiederholungen kam plötzlich ein Punkt, an dem mir die Bedeutung der Worte klar wurde. Plötzlich verstand ich es. Es war einfach eines Tages da, niemand hat es mir erzählt, die Schrift selber lehrte mich. Dazu sage ich Swadhyay.

Das dritte Wort ist Ishwar Pranidhan. Ishwar bedeutet Gott und Pranidhan ist, wenn du Gott in dich aufnimmst. Du bereitest einen Platz für ihn und lädst ihn ein, zu kommen und sich hinzusetzen. Du gibst und bietest dein Herz

Diese drei Dinge nennt Patanjali Kriya Yoga. Kriya bedeutet Handlung. Was ist Tap, Swadhyay and Ishwar Pranidhan? Es ist Handlung. Das ist Patanjali’s Definition und du wirst für alleine dieses Sutra viele Interpretationen lesen.

Den Vortrag habe ich mit einem anderen Sutra fortgeführt, von dem ich wohl morgen erzählen würde. Nach dem Vortrag hat uns Kirsten, eine der Yoga-Schülerinnen mit nach Davensberg genommen zu meinem Freund Johannes, der uns zu sich eingeladen hat. Als wir ankamen, war es bereits Essenszeit, also haben wir nicht mehr gekocht, sondern Pizza bestellt. Es war ein schönes Esen und jetzt bin ich auch müde vom Reisen.

Leave a Comment