Heute möchte ich euch gerne einem Mädchen vorstellen, das in letzter Zeit viel im Ashram ist: die achtjährige Vaishnavi.
Als wir im April zu Vaishnavi nach Hause kamen, lernten wir das wahrscheinlich schüchternste Mädchen kennen, das wir je getroffen hatten! Trotz mehrfacher Versuche sie in eine Unterhaltung zu verwickeln, sprach sie mit uns kein einziges Wort.
Ihre Mutter Poonam erzählte uns, dass sie drei Kinder hat, einen elfjährigen Jungen, ein zehnjähriges Mädchen und Vaishnavi. Ihre zwei älteren Kinder wohnen jedoch nicht bei ihr. Sie leben bei Poonams Mutter in einer Stadt, die etwa eine Stunde von Vrindavan entfernt liegt. Seit drei Jahren leben sie dort und gehen dort zur Schule. Der Grund hierfür? Die finanziellen Probleme Vaishnavis Vaters.
Vaishnavis Vater ist Elektriker. Das machte er zumindest, als sie heirateten, doch dann hatte er die Idee, etwas anderes zu tun: er kaufte Gemälde von Hindu Göttern und verschönerte sie mit Glitzersteinchen oder Stoff, stellte sie in einen hübschen Rahmen und versuchte, sie für einen höheren Preis zu verkaufen. Das brachte ihnen jedoch nicht einmal genug Geld ein, um für ihre Miete zu zahlen! Also zogen sie von ihrer Mietwohnung in der Mitte der Stadt in eine am Rande der Stadt.
Damals machte Poonam die schwierigste Entscheidung ihres Lebens bis dahin: sie schickte ihre zwei ältesten Kinder zu ihrer Mutter, so dass sie dort leben und lernen konnten. Sie wussten, sie konnten sich ihre Schulgebühren nicht mehr leisten, aber sie wollten, dass sie in die Schule gehen und lernen. Seit drei Jahren hat sie sie nur in den Ferien gesehen oder wenn sie auf Besuch dort war, weil sie sie so sehr vermisste.
Vaishnavis Vater beschloss schließlich, wieder als Elektriker zu arbeiten. Auch so verdient er nicht viel mehr und muss immer noch jeden Tag nach Arbeit suchen, aber zumindest bringt es ihm etwas mehr. Genug, um die Miete für die zwei Zimmer und das Bad zu zahlen, in denen sie leben.
Als wir jedoch weiter fragten, wurde ganz deutlich, dass Poonam nicht wirklich glücklich ist: sie erzählte uns, dass jedes Möbelstück in ihrer Wohnung, vom Bett über den Tisch zum Fernseher, ein Teil ihrer Mitgift war. Sie hat all diese Dinge zu ihrer Hochzeit bekommen, von ihrem Vater, der verbeamteter Lehrer war und gespart hatte, so dass er jeder seiner vier Töchter den gleichen Betrag geben konnte. Zum Zeitpunkt der Hochzeit hätte er wahrscheinlich nicht gedacht, dass seine Tochter fast fünfzehn Jahre später immer noch nicht das Geld dafür hat, sich ein neues Bett zu kaufen!
Mit einem frustrierten Seufzer erzählt Poonam, dass sie an vielen Orten nach einer Arbeitsstelle gefragt hat, aber nirgendwo Arbeit fand, weil sie Vaishnavi hat, die bis dahin ja auch noch nicht zur Schule ging. Nur einige Tage nach unserem Besuch riefen wir sie an mit einem Angebot: möchtest du gerne im Ashram arbeiten?
So kommt es, dass Vaishnavi in der Früh mit ihrer Mutter zur Schule kommt, Poonam sich um die Wäsche im Ashram kümmert und in der Küche hilft und Vaishnavi nach der Schule mit Apra und den Jungs spielt, bis sie mit ihrer Mutter am Nachmittag wieder nach Hause geht.
Und man glaubt gar nicht, wie viel das Mädchen spricht, wenn sie am Spielen ist!
Wenn du Kindern wie Vaishnavi und ihren Familien helfen möchtest, kannst du uns unterstützen, indem du eine Kinderpatenschaft übernimmst oder das Essen für einen Tag spendest! Vielen Dank!
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